Angeb­lich hei­mat­treue Jugend

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig, das in ers­ter und letz­ter Instanz für nach dem Ver­eins­ge­setz erlas­se­ne Ver­bo­te des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern zustän­dig ist, hat die Kla­ge des Ver­eins "Hei­mat­treue Deut­sche Jugend – Bund für Umwelt, Mit­welt und Hei­mat e.V." (HDJ) gegen das von dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um erlas­se­ne Ver­eins­ver­bot abge­wie­sen.

Angeb­lich hei­mat­treue Jugend

Das Ver­bot der im schles­wig-hol­stei­ni­schen Plön ansäs­si­gen, jedoch in nahe­zu allen Bun­des­län­dern ver­tre­te­nen HDJ, die Jugend­la­ger, Jugend­fahr­ten, Sport­ver­an­stal­tun­gen und soge­nann­te "Bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen" durch­führt und eine Ver­eins­zeit­schrift her­aus­gibt, ist nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu Recht ergan­gen. Die HDJ rich­tet sich, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung und erfüllt damit einen ver­eins­recht­li­chen Ver­bots­grund.

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern hat die in der Ver­eins­sat­zung ent­hal­te­nen Bekennt­nis­se zu gemein­nüt­zi­ger Jugend­ar­beit und zum Grund­ge­setz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu Recht als blo­ße Fas­sa­de bewer­tet. Tat­säch­lich weist die HDJ eine Wesens­ver­wandt­schaft mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus, ins­be­son­de­re mit der frü­he­ren Hit­ler­ju­gend auf. Dies ergibt sich aus beschlag­nahm­ten Mate­ria­li­en für von der HDJ durch­ge­führ­te Ver­an­stal­tun­gen, schrift­li­chen Äuße­run­gen und Akti­vi­tä­ten von Mit­glie­dern mit her­aus­ge­ho­be­nen Funk­tio­nen sowie Arti­keln, die in der Ver­eins­zeit­schrift erschie­nen sind.

Die HDJ pro­pa­giert danach eine Vor­bild­funk­ti­on des Natio­nal­so­zia­lis­mus, bekennt sich zu maß­geb­li­chen Reprä­sen­tan­ten des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Regimes und ver­wen­det natio­nal­so­zia­lis­tisch gepräg­te Begrif­fe. Sie ist, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wei­ter, der Blut-und-Boden-Ideo­lo­gie und der Ras­sen­leh­re der Natio­nal­so­zia­lis­ten ver­haf­tet und ver­brei­tet anti­se­mi­ti­sche The­sen. Sie dif­fa­miert die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung des Grund­ge­set­zes und nimmt die­ser gegen­über ins­ge­samt eine kämp­fe­risch-aggres­si­ve Hal­tung ein.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 1. Sep­tem­ber 2010 – 6 A 4.09

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