Angst vor der münd­li­chen Bache­lor-Prü­fung

Fami­liä­re Belas­tun­gen mit der Fol­ge einer unzu­rei­chen­den Prü­fungs­vor­be­rei­tung und einer damit ein­her­ge­hen­den all­ge­mei­nen Prü­fungs­angst recht­fer­ti­gen nicht einen nach­träg­li­chen Rück­tritt von der Prü­fung wegen Prü­fungs­un­fä­hig­keit.

Angst vor der münd­li­chen Bache­lor-Prü­fung

Aus einer der­ar­ti­gen fami­liä­ren Belas­tung und auch aus einer all­ge­mei­nen Prü­fungs­angst lässt sich eine durch­grei­fen­de Prü­fungs­un­fä­hig­keit nicht her­lei­ten. Es ist Sache des Prüf­lings, sich dar­über Klar­heit zu ver­schaf­fen, ob sei­ne Leis­tungs­fä­hig­keit durch außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de, ins­be­son­de­re durch Krank­heit oder Behin­de­rung, erheb­lich beein­träch­tigt ist, und beja­hen­den­falls dar­aus unver­züg­lich die Kon­se­quen­zen zu zie­hen, und zwar grund­sätz­lich vor Beginn der Prü­fung.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten nicht nur für die Gel­tend­ma­chung krank­heits­be­ding­ter Prü­fungs­un­fä­hig­keit, son­dern für alle die Prü­fungs­fä­hig­keit min­dern­den Umstän­de 1. Hier­an fehlt es. Der Antrag­stel­ler hat sei­ne aus sei­ner Sicht bestehen­de Prü­fungs­un­fä­hig­keit zum einen nicht – wie dies erfor­der­lich gewe­sen wäre – unver­züg­lich gel­tend und durch die Vor­la­ge eines ärzt­li­chen Attes­tes glaub­haft gemacht, son­dern sich hier­auf erst im Nach­hin­ein beru­fen, als ihm das Schei­tern sei­ner Prü­fung bekannt gege­ben wor­den war.

Zum ande­ren kön­nen die von ihm vor­ge­tra­ge­nen fami­liä­ren Belas­tun­gen eine Prü­fungs­un­fä­hig­keit am Tage der münd­li­chen Prü­fung nicht begrün­den. Eine zum (nach­träg­li­chen) Rück­tritt berech­ti­gen­de Prü­fungs­un­fä­hig­keit ist nur dann anzu­neh­men, wenn der Prüf­ling aktu­ell und vor­über­ge­hend in sei­ner Leis­tungs­fä­hig­keit ein­ge­schränkt gewe­sen ist 2. Hier­für ist nichts Durch­grei­fen­des vor­ge­tra­gen oder sonst ersicht­lich.

Der Sache nach macht der Antrag­stel­ler mit dem Hin­weis auf sei­ne fami­liä­re Situa­ti­on im Übri­gen gel­tend, er habe sich auf die Prü­fung nicht hin­rei­chend vor­be­rei­ten kön­nen. Eine aus­rei­chen­de Prü­fungs­vor­be­rei­tung fällt indes allein in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Prüf­lings. Der Ein­wand des Antrag­stel­lers in die­sem Zusam­men­hang, die Antrags­geg­ne­rin habe ihre Für­sor­ge­pflicht dadurch ver­letzt, dass die­se und die ihn betreu­en­den Hoch­schul­leh­rer nicht hin­ter­fragt hät­ten, war­um er sich zur münd­li­chen Prü­fung gemel­det habe, obwohl er zuvor in den Vor­le­sun­gen und dem Tuto­ri­um nicht erschie­nen sei, greift daher nicht durch.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. März 2010 – 2 ME 143/​10

  1. BVerwG, Beschluss vom 12.11.1992 – 6 B 36.92; OVG NRW, Beschluss vom 31.05.2005 – 4 N 64.04, jeweils m.w.N.[]
  2. BayVGH, Beschluss vom 07.01.2009 – 7 ZB 08.1478, BayVBl. 2010, 27[]