Anlie­ger­bei­trä­ge im lau­fen­den Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren

Beim Aus­bau einer in einem Flur­be­rei­ni­gungs­ge­biet gele­ge­nen Stra­ße ent­steht nach einer Ent­schei­dung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts in Lüne­burg die sach­li­che Bei­trags­pflicht, wenn zu dem in der Aus­füh­rungs­an­ord­nung bestimm­ten Zeit­punkt der im Flur­be­rei­ni­gungs­plan vor­ge­se­he­ne neue Rechts­zu­stand an die Stel­le des bis­he­ri­gen tritt.

Anlie­ger­bei­trä­ge im lau­fen­den Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren

Das durch Flur­be­rei­ni­gungs­be­schluss ein­ge­lei­te­te Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren führt zu einer Neu­ge­stal­tung des gesam­ten Flur­be­rei­ni­gungs­ge­biets (vgl. § 37 Abs. 1 Satz 1 FlurbG) [1]. Es kann etwa der Grund­be­sitz in Gemein­den klei­ne­ren Umfangs und Gebie­ten mit Ein­zel­hö­fen neu geord­net wer­den (§ 86 Abs. 1 Nr. 4 FlurbG). Die Feld­mark ist neu ein­zu­tei­len und zer­split­ter­ter oder unwirt­schaft­lich geform­ter Grund­be­sitz nach neu­zeit­li­chen betriebs­wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten zusam­men­zu­le­gen und nach Lage, Form und Grö­ße zweck­mä­ßig zu gestal­ten. Wege, Stra­ßen, Gewäs­ser und ande­re gemein­schaft­li­che Anla­gen sind zu schaf­fen, land­schafts­ge­stal­ten­de Maß­nah­men vor­zu­se­hen und alle sons­ti­gen Maß­nah­me zu tref­fen, durch wel­che die Grund­la­gen der Wirt­schafts­be­trie­be ver­bes­sert, der Arbeits­auf­wand ver­min­dert und die Bewirt­schaf­tung erleich­tert wer­den (vgl. § 37 Abs. 1 Satz 2 FlurbG). Die Maß­nah­men der Flur­be­rei­ni­gung bewir­ken, dass der Gegen­stand des Eigen­tums oder Rechts durch einen gänz­lich ande­ren ersetzt wird, also etwa ein Grund­stück durch ein ande­res Grund­stück ersetzt wird, das dem alten Grund­stück weder nach Beschrei­bung noch Grö­ße ent­spre­chen muss [2].

Bereits mit der Ein­lei­tung des Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­rens durch einen Flur­be­rei­ni­gungs­be­schluss ist im Hin­blick auf die unmit­tel­bar abseh­ba­re grund­le­gen­de Neu­ge­stal­tung des gesam­ten Flur­be­rei­ni­gungs­ge­biets das ein­zel­ne Grund­stück recht­lich der­art in sei­nem Bestand in Fra­ge gestellt, dass es nicht mehr taug­li­cher Anknüp­fungs­punkt einer Bei­trags­fest­set­zung ist. In Fäl­len die­ser Art ist erst bestimm­bar, wel­che Grund­stü­cke mit wel­cher Grö­ße als im Sin­ne von § 6 Abs. 1 NKAG durch eine Stra­ße bevor­teilt anzu­se­hen sind, wenn zu dem gemäß § 61 FlurbG in der Aus­füh­rungs­an­ord­nung der Flur­be­rei­ni­gungs­be­hör­de bestimm­ten Zeit­punkt der im Flur­be­rei­ni­gungs­plan vor­ge­se­he­ne neue Rechts­zu­stand an die Stel­le des bis­he­ri­gen getre­ten ist [3].

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 9. Juni 2010 – 9 ME 223/​09

  1. zur glei­chen Ziel­set­zung im ver­ein­fach­ten Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren F., Flur­be­rei­ni­gungs­ge­setz, Stan­dard­kom­men­tar, 8. Aufl., 2008, § 86 Rdn. 1[]
  2. OLG Ros­tock, Beschluss vom 11.07.2007 – 7 W 61/​06; sie­he auch BVerwG, Urteil vom 25.04.2007 – 8 C 13/​06, ZOV 2007, 56; Beschluss vom 01.11.1976 – V B 82.74, Buch­holz 424.01 § 15 FlurBG Nr. 3[]
  3. im Ergeb­nis eben­so OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 08.09.2004 – 8 A 10380/​04, BauR 2005, 703; HessVGH, Urteil vom 28.09.1995 – 5 UE 1173/​93, ZKF 1996, 39; Drie­haus, Erschlie­ßungs- und Aus­bau­bei­trä­ge, 8. Aufl., 2007, § 19 Rdn. 8[]