Anpas­sungs­ge­neh­mi­gung für einen Flug­ha­fen – und die Kla­ge­be­fug­nis nach dem Umwelt­rechts­be­helfs­ge­setz

Gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UmwRG fin­det das Umwelt­rechts­be­helfs­ge­setz auf Ent­schei­dun­gen nach § 2 Abs. 3 UVPG über die Zuläs­sig­keit von Vor­ha­ben Anwen­dung, für die nach dem Gesetz über die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung eine Pflicht zur Durch­füh­rung einer Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung (UVP) besteht.

Anpas­sungs­ge­neh­mi­gung für einen Flug­ha­fen – und die Kla­ge­be­fug­nis nach dem Umwelt­rechts­be­helfs­ge­setz

Eine sol­che Pflicht folgt hier nicht aus § 3b Abs. 1 Satz 1 UVPG. Der Erlass einer Anpas­sungs­ge­neh­mi­gung ist kei­ne Ent­schei­dung über den Bau eines Flug­plat­zes im Sin­ne der Begriffs­be­stim­mun­gen des Abkom­mens von Chi­ca­go von 1944 zur Errich­tung der Inter­na­tio­na­len Zivil­luft­fahrt-Orga­ni­sa­ti­on (Anhang 14) (Anla­ge 1 Nr. 14.12 zum UVPG).

Auch aus § 3e Abs. 1 Nr. 2 UVPG (Ände­rung eines Vor­ha­bens) folgt kei­ne UVP-Pflicht. Denn der Anpas­sungs­ge­neh­mi­gung kommt – wie aus­ge­führt – kein eige­ner Ent­schei­dungs­ge­halt zu; mit ihr wird ledig­lich die Geneh­mi­gungs­la­ge dem Ergeb­nis des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens ange­gli­chen.

Die Ände­rung wird durch den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zuge­las­sen. Aus § 6 Abs. 1 Satz 2 LuftVG ergibt sich nichts ande­res, denn die Norm setzt ein Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren vor­aus, das im Fal­le des § 6 Abs. 4 Satz 1 LuftVG gera­de nicht statt­fin­det. Die Anpas­sungs­ge­neh­mi­gung ergeht viel­mehr in einem nicht förm­li­chen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren ohne Behör­den- und Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung 1.

Abwei­chen­des folgt auch nicht dar­aus, dass vor­lie­gend die UVP im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Urteil vom 31.07.2012 – 4 A 7001.11 u.a. – 2 fest­ge­stellt hat, bestimm­te Umwelt­aus­wir­kun­gen nicht aus­rei­chend in den Blick genom­men hat­te. Die Klä­ge­rin muss sich inso­fern ent­ge­gen­hal­ten las­sen, dass es ihr offen gestan­den hät­te, den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss und den Pla­ner­gän­zungs­be­schluss anzu­grei­fen. Das hat sie nicht getan. Mit Bestands­kraft des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses kann sie eine sol­che Kor­rek­tur aber nicht mehr for­dern 3.

Eine mit Blick auf die soge­nann­te Wald­schlöss­chen­brü­cke, Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 4 für erfor­der­lich gehal­te­ne Nach­ho­lung der Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung im Ver­fah­ren zum Erlass der Anpas­sungs­ge­neh­mi­gung wür­de Sinn und Zweck die­ses Ver­fah­rens­schritts ver­feh­len.

Die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung schafft die Vor­aus­set­zung dafür, die Umwelt­be­lan­ge so her­aus­zu­ar­bei­ten, dass sie in die Abwä­gung in gebün­del­ter Form ein­ge­hen. Die­se Ver­fah­rens­wei­se ver­hin­dert, dass die­se Belan­ge in einer ato­mis­ti­schen Betrach­tungs­wei­se nicht mit dem Gewicht zur Gel­tung kom­men, das ihnen in Wahr­heit bei einer Gesamt­schau gebührt 5. Die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung dient also der gesamt­haf­ten Vor­be­rei­tung einer bestimm­ten Ver­wal­tungs­ent­schei­dung. Mit die­ser Sicht­wei­se ist die For­de­rung der Beschwer­de nicht ver­ein­bar, Män­gel einer Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung zu einem spä­te­ren Zeit­punkt anläss­lich einer ande­ren Ver­wal­tungs­ent­schei­dung zu besei­ti­gen 6. Zudem ist das Ver­fah­ren zur Anpas­sung der Geneh­mi­gung nach § 6 Abs. 4 Satz 1 LuftVG kein geeig­ne­tes Trä­ger­ver­fah­ren für eine UVP. Wie aus­ge­führt, erfolgt die Anpas­sung in einem nicht­förm­li­chen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren nach § 9 VwVfG ohne Behör­den- und Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung und beschränkt sich auf die Nach­zeich­nung der Ergeb­nis­se des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens. Die ver­fah­rens­recht­li­chen Anfor­de­run­gen einer UVP kön­nen in einem sol­chen Ver­fah­ren nicht erfüllt wer­den.

Die Kla­ge­be­fug­nis kann auch nicht aus den Rege­lun­gen der UVP-RL her­ge­lei­tet wer­den. Ob das bereits dar­aus folgt, dass sich Richt­li­ni­en gemäß Art. 288 Abs. 3 AEUV an die Mit­glied­staa­ten und nicht an den ein­zel­nen Bür­ger wen­den und nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs allen­falls ein­zel­ne Vor­schrif­ten einer Richt­li­nie unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen, deren Vor­lie­gen die Beschwer­de nicht dar­ge­legt hat, unmit­tel­ba­re Rechts­wir­kun­gen ent­fal­ten kön­nen 7, kann offen­blei­ben. Jeden­falls ist die Anpas­sungs­ge­neh­mi­gung nach § 6 Abs. 4 Satz 1 LuftVG kei­ne Ent­schei­dung der zustän­di­gen Behör­de, auf­grund derer der Pro­jekt­trä­ger das Recht zur Durch­füh­rung des Pro­jekts im Sin­ne von Art. 1 Abs. 2 Buchst. c der UVP-RL erhält; mit ihr sind kei­ne Arbei­ten oder Ein­grif­fe zur Ände­rung des mate­ri­el­len Zustan­des eines Flug­ha­fens ver­bun­den 8. Sie ist auch kei­ne Ent­schei­dung in einem mehr­stu­fi­gen Ver­fah­ren, son­dern passt die Geneh­mi­gungs­la­ge ledig­lich dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss an. Damit gehen auch die die Anwend­bar­keit der UVP-RL vor­aus­set­zen­den Erwä­gun­gen der Beschwer­de zum soge­nann­ten effet uti­le und zum Äqui­va­lenz­grund­satz 9 ins Lee­re.

Da die UVP-RL vor­lie­gend nicht ein­schlä­gig und auch § 4 Abs. 3 UmwRG nicht anwend­bar ist, ver­hilft der Hin­weis auf die Recht­spre­chung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter 10 der Beschwer­de eben­falls nicht zum Erfolg. Es besteht daher jeden­falls im vor­lie­gen­den Fall kei­ne Ver­an­las­sung, die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, wonach § 4 Abs. 3 UmwRG kei­ne Kla­ge­be­fug­nis begrün­det, son­dern nur den Umfang der sach­li­chen Prü­fung eines Rechts­be­helfs regelt 11, einer Über­prü­fung in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren zuzu­füh­ren, zumal die neue­re Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs 12 gegen den Stand­punkt des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter spricht.

Einer Vor­la­ge an den Euro­päi­schen Gerichts­hof bedarf es nicht. Eine sol­che könn­te im Ver­fah­ren der Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on ohne­hin nicht erfol­gen. Legt der Beschwer­de­füh­rer dar, dass in einem zukünf­ti­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren zur Aus­le­gung einer ent­schei­dungs­re­le­van­ten gemein­schafts­recht­li­chen Rege­lung vor­aus­sicht­lich gemäß Art. 267 Abs. 3 AEUV eine Vor­ab­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs ein­zu­ho­len sein wird, dann wäre die Revi­si­on wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung im Sin­ne von § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO zuzu­las­sen 13. Eine sol­che Fall­kon­stel­la­ti­on ist hier aber nicht gege­ben, weil die auf die Aus­le­gung der UVP-RL bezo­ge­nen Fra­gen der Beschwer­de man­gels Anwend­bar­keit der UVP-RL auf den vor­lie­gen­den Fall nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich sind.

Die­se Hand­ha­bung der Kla­ge­be­fug­nis ver­letzt die Klä­ge­rin auch nicht in ihrem durch Art.19 Abs. 4 GG garan­tier­ten Recht auf effek­ti­ven Rechts­schutz. Der Klä­ge­rin war umfas­sen­der Rechts­schutz gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss und den Pla­ner­gän­zungs­be­schluss eröff­net. Dass sie die­sen nicht ergrif­fen hat, ist kein Pro­blem des Art.19 Abs. 4 GG.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Dezem­ber 2016 – 4 B 13.16

  1. Schil­ler, in: Grabherr/​Reidt/​Wysk, Luft­ver­kehrs­ge­setz, Stand Juli 2015, § 6 Rn. 92; Schwenk/​Giemulla, Hand­buch des Luft­ver­kehrs­rechts, 4. Aufl.2013, Kapi­tel 9 Rn. 81[]
  2. BVerw­GE 144, 44 Rn. 28[]
  3. BVerwG, Urteil vom 19.12 2013 – 4 C 14.12, BVerw­GE 149, 17 Rn. 17[]
  4. EuGH, Urteil vom 14.01.2016 – C‑399/​14 [ECLI:EU:C:2016:10][]
  5. BVerwG, Urteil vom 18.11.2004 – 4 CN 11.03, BVerw­GE 122, 207, 211[]
  6. BVerwG, Urteil vom 19.12 2013 – 4 C 14.12, BVerw­GE 149, 17 Rn. 18[]
  7. vgl. Ruf­fert, in: Callies/​Ruffert, EUV/​AEUV, 5. Aufl.2016, Art. 288 AEUV Rn. 23 ff., 51 ff.[]
  8. vgl. EuGH, Urteil vom 17.03.2011 – C‑275/​09 [ECLI:EU:C:2011:154], Rn. 24[]
  9. vgl. hier­zu etwa EuGH, Urteil vom 14.09.2016 – C‑184/​15 und – C‑197/​15 [ECLI:EU:C:2016:680], Rn. 37[]
  10. z.B. OVG NRW, Urteil vom 25.02.2015 – 8 A 959/​10BauR 2015, 1138[]
  11. vgl. etwa BVerwG, Urtei­le vom 20.12 2011 – 9 A 30.10, Buch­holz 310 § 42 Abs. 2 VwGO Nr. 33 Rn.20; vom 02.10.2013 – 9 A 23.12, Buch­holz 451.91 Europ. UmwR Nr. 55 Rn. 21 21; und vom 17.12 2013 – 4 A 1.13, BVerw­GE 148, 353 Rn. 41; Beschluss vom 27.06.2013 – 4 B 37.12BauR 2013, 2014[]
  12. EuGH, Urteil vom 15.10.2015 – C 137/​14 [ECLI:EU:C:2015:683][]
  13. vgl. etwa BVerwG, Beschlüs­se vom 30.01.1996 – 3 NB 2.94, Buch­holz 310 § 47 VwGO Nr. 111 S. 56 f. 31; vom 05.05.2009 – 3 B 14.09 6; und vom 27.10.2010 – 5 B 18.10, 5 PKH 5.10 8[]