Anspruch auf Siche­rung eines beab­sich­tig­ten Bür­ger­be­geh­rens?

In Stutt­gart besteht kein Anspruch auf Siche­rung des beab­sich­tig­ten LBBW-Bür­ger­be­geh­rens. Die Initia­to­ren des beab­sich­tig­ten Bür­ger­be­geh­rens gegen die vom Gemein­de­rat der Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart beschlos­se­ne Umwand­lung der von ihr der Lan­des­bank Baden-Würt­tem­berg (LBBW) gewähr­ten stil­len Ein­la­gen in har­tes Kern­ka­pi­tal haben kei­nen Anspruch auf vor­läu­fi­ge Fest­stel­lung der Zuläs­sig­keit des Bür­ger­be­geh­rens. Sie kön­nen auch nicht ver­lan­gen, dass zur Siche­rung die­ses Bür­ger­be­geh­rens der betref­fen­de Gemein­de­rats­be­schluss vor­läu­fig nicht voll­zo­gen wird.

Anspruch auf Siche­rung eines beab­sich­tig­ten Bür­ger­be­geh­rens?

In dem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Fall gehö­ren die Antrag­stel­ler dem Stutt­gar­ter Gemein­de­rat an. Die­ser beschloss am 22.11.2012, die der LBBW gewähr­ten stil­len Ein­la­gen von bis zu 422.288.929,85 Euro in har­tes Kern­ka­pi­tal umzu­wan­deln und – soll­te trotz die­ser Maß­nah­me die har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te der LBBW auf weni­ger als 9 % oder auf weni­ger als ein abwei­chen­der gesetz­li­cher oder von einer Ban­ken­auf­sichts­be­hör­de vor­ge­schrie­be­nem Wert absin­ken – über den Voll­zug der Wand­lung wei­te­rer stil­ler Ein­la­gen von 189.320.000 Euro nach Bera­tung abzu­stim­men. Der Gemein­de­rat beauf­trag­te außer­dem die Ver­wal­tung, erfor­der­li­che ver­trag­li­che Rege­lun­gen abzu­schlie­ßen. Die Antrag­stel­ler stimm­ten erfolg­los gegen den Beschluss­an­trag. Ihr Antrag auf einen Bür­ger­ent­scheids blieb in der Sit­zung am 22.11.2012 eben­falls erfolg­los. Sie beab­sich­ti­gen nun­mehr als Bür­ger, ein Bür­ger­be­geh­ren zu der Fra­ge zu bean­tra­gen: „Sind Sie dafür, den Beschluss des Gemein­de­rats der Stadt Stutt­gart vom 22.11.2012 auf­zu­he­ben, an der vor­ge­se­he­nen Erhö­hung des Stamm­ka­pi­tals der Kapi­tal­rück­la­ge der LBBW von rd. 3,230 Mrd. Euro ent­spre­chend der Betei­li­gungs­quo­te der Stadt Stutt­gart von 18,932 % teil­zu­neh­men, dazu von der Stadt Stutt­gart der LBBW gewähr­te stil­le Ein­la­gen im Gesamt­be­trag von bis zu 611.608.929,85 Euro in har­tes Kern­ka­pi­tal umzu­wan­deln, und hier­durch auf offe­ne Zin­sen in Höhe von bis zu 118.462.077,56 Euro zu ver­zich­ten?“

Mit einem Eil­an­trag beim Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart begehr­ten die Antrag­stel­ler die vor­läu­fi­ge Fest­stel­lung, dass das ein­zu­rei­chen­de Bür­ger­be­geh­ren zuläs­sig sei. Außer­dem ver­lang­ten sie, dass die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart es vor­läu­fig zu unter­las­sen habe, den Gemein­de­rats­be­schluss zu voll­zie­hen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt lehn­te den Eil­an­trag ab. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim hat die­se Ent­schei­dung nun bestä­tigt.

Das Recht eines Bür­gers, ein Bür­ger­be­geh­ren zu initi­ie­ren, begrün­de kei­nen Anspruch auf eine vor­läu­fi­ge gericht­li­chen Fest­stel­lung der Zuläs­sig­keit eines Bür­ger­be­geh­rens, solan­ge das Bür­ger­be­geh­ren noch nicht ent­spre­chend den An-for­de­run­gen der Gemein­de­ord­nung ein­ge­reicht sei. Sei – wie hier – gänz­lich unge­wiss, ob das Bür­ger­be­geh­ren zuläs­sig sei, ins­be­son­de­re ob die not­wen­di­ge Anzahl von Unter­schrif­ten erreicht wer­de, feh­le es bereits an einer Tat­sa­chen­grund­la­ge, die eine – wenn auch nur vor­läu­fi­ge – gericht­li­che Fest­stel­lung der Zuläs­sig­keit des Bür­ger­be­geh­rens tra­gen könn­te.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt habe auch den gel­tend gemach­ten Unter­las­sungs­an­spruch zutref­fend abge­lehnt. Vor­aus­set­zung dafür sei ein unmit­tel­bar dro­hen­des treu­wid­ri­ges Ver­hal­ten der Gemein­de, wel­ches allein dem Zweck die­ne, dem Bür­ger­be­geh­ren die Grund­la­ge zu ent­zie­hen. Ein in die­sem Sin­ne treu­wid­ri­ges Han­deln eines Gemein­de­or­gans set­ze jedoch vor­aus, dass es – sei es in der Sache selbst oder hin­sicht­lich des dafür gewähl­ten Zeit­punkts – bei objek­ti­ver Betrach­tung sach­lich nicht gerecht­fer­tigt sei, son­dern allein dazu die­ne, dem Bür­ger­be­geh­ren die Grund­la­ge zu ent­zie­hen und eine Wil­lens­bil­dung auf direkt­de­mo­kra­ti­schem Wege zu ver­hin­dern. Das sei hier nicht der Fall. Die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) habe den Trä­gern der LBBW mit­ge­teilt, die Wand­lung stil­ler Ein­la­gen in Kern­ka­pi­tal müs­se bis zum 01.01.2013 voll­zo­gen wer­den, um die von der euro­päi­schen Ban­ken­auf­sicht gefor­der­te Kern­ka­pi­tal­quo­te von 9% frist­ge­recht zu errei­chen. Es dürf­ten daher objek­ti­ve Hin­der­nis­se bestehen, die Wand­lung stil­ler Ein­la­gen in Kern­ka­pi­tal und damit den Voll­zug des Gemein­de­rats­be­schlus­ses vom 22.11.2012 bis zur Ein­rei­chung eines Bür­ger­be­geh­rens und einer Ent­schei­dung über die Zuläs­sig­keit offen zu hal­ten. Zwar sei die Wand­lung stil­ler Ein­la­gen in Kern­ka­pi­tal nicht das ein­zi­ge Mit­tel, um die Kern­ka­pi­tal­quo­te der LBBW auf das gefor­der­te Niveau her­auf­zu­set­zen. Eine nach außen ver­bind­li­che Ent­schei­dung über die Art und Wei­se der Kapi­tal­erhö­hung der LBBW sei jedoch zwin­gend vor dem 01.01.2013 zu tref­fen. Die Ent­wick­lung einer Alter­na­ti­ve zur beschlos­se­nen Wand­lung erfor­de­re Abspra­chen zwi­schen den Anteils­eig­nern, die in der Kür­ze der zur Ver­fü­gung Zeit wohl nicht mehr zum Abschluss gebracht wer­den könn­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 6. Dezem­ber 2012 – 1 S 2408/​12