Arme Bul­len

Nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz ver­trägt sich ein Rodeo nicht mit dem Tier­schutz­recht. So ent­schied jetzt das Koblen­zer Ver­wal­tungs­ge­richt, dass ein im Rah­men einer Rodeo-Ver­an­stal­tung auf dem Nür­burg­ring­ge­län­de am Sams­tag geplan­tes Bul­len­rei­ten nicht statt­fin­den dür­fe.

Arme Bul­len

Der Land­kreis Ahr­wei­ler nahm die dem Antrag­stel­ler, einem Rodeo-Ver­an­stal­ter, vom Land­kreis Darm­stadt-Die­burg erteil­te Erlaub­nis für die Zur-Schau-Stel­lung von Bul­len in der Rodeo-Dis­zi­plin „Bull Riding ohne Ein­satz von Flan­ken­gurt und Spo­ren oder ver­gleich­ba­re Hilfs­mit­tel” zurück mit der Begrün­dung, bei dem Bul­len­rei­ten han­de­le es sich um Dar­bie­tun­gen, bei denen das natür­li­che Abwehr­ver­hal­ten des Rin­des für Show­zwe­cke instru­men­ta­li­siert wer­de. Hier­ge­gen wand­te sich der Antrag­stel­ler und mach­te unter ande­rem gel­tend, es wer­de nicht berück­sich­tigt, dass es sich um eine Sport­ver­an­stal­tung mit fes­ten Regeln han­de­le und es nicht zu Ver­let­zun­gen an den Rin­dern kom­me.

Der Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes hat­te jetezt erst­in­stanz­lich vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz kei­nen Erfolg. Es spre­che man­ches für die Recht­mä­ßig­keit der Rück­nah­me der Erlaub­nis, so die Rich­ter, auch wenn gewis­se Zwei­fel letzt­lich nicht aus­ge­räumt wer­den könn­ten.

Beim Bul­len­rei­ten gerie­ten die Rin­der – wie sich aus einem Gut­ach­ten der "Tier­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung für Tier­schutz" erge­be – in eine Stress­si­tua­ti­on. Bei den Abwehr­re­ak­tio­nen der Tie­re, die sich in Panik gegen den Rei­ter wehr­ten, han­de­le es sich ent­ge­gen der Ansicht des Antrag­stel­lers ersicht­lich nicht um antrai­nier­te, spie­le­ri­sche Ver­hal­tens­wei­sen. Auch sei das Bul­len­rei­ten nicht als sport­li­che Dis­zi­plin anzu­se­hen, da hier nicht kör­per­li­che Fähig­kei­ten und Fer­tig­kei­ten des Men­schen im Zusam­men­wir­ken mit dem Tier als Part­ner, son­dern der Kampf des Men­schen gegen das Tier im Vor­der­grund stün­den. Das öffent­li­che Inter­es­se dar­an, dass den Tie­ren bei der Ver­an­stal­tung kei­ne Lei­den zuge­fügt wer­den, sei daher gewich­ti­ger als die wirt­schaft­li­chen Belan­ge des Antrag­stel­lers, zumal die Rodeo-Ver­an­stal­tung nicht ins­ge­samt in Fra­ge gestellt wer­de, da das Bul­len­rei­ten nach dem Pro­gramm­ab­lauf nur eine von ins­ge­samt 11 Dis­zi­pli­nen sei.

Komisch. Aus dem Titel der Gut­ach­ter-Orga­ni­sa­ti­on erge­ben sich für eine unbe­fan­ge­nen Leser schon Zwei­fel an der Objek­ti­vi­tät des Gut­ach­tens. Und: Streß haben sicher­lich auch alle Pfer­de beim Pfer­de­ren­nen aller Art, auch beim Pfer­de-Rodeo, das Übri­gens für die glei­che Ver­an­stal­tung geplant ist und nicht ver­bo­ten wur­de.

Und von dem Stress bei der seit Jah­ren übli­chen Über­land­ver­schi­ckung von Schlacht­vieh ganz zu schwei­gen. Aber die­ser Stress dient ja dem bil­li­gen Schnit­zel auf unse­rem Tel­ler und ist damit guter Stress. Welt­an­schau­ung und Jus­tiz ver­tra­gen sich ein­fach nicht, egal in wel­che Rich­tung.

Gegen die­se Ent­schei­dung kön­nen die Betei­lig­ten Beschwer­de zum Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz ein­le­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 24. Juli 2009 -2 L 803/​09.KO