Arz­nei­mit­tel­zu­las­sung – und die Abwei­chung vom Refe­renz­arz­nei­mit­tel

Eine aus­rei­chen­de Begrün­dung der the­ra­peu­ti­schen Wirk­sam­keit im Sin­ne von § 105 Abs. 4f Satz 1 i.V.m. § 25 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 AMG setzt auch ent­spre­chen­de Dar­le­gun­gen zur Zweck­mä­ßig­keit der Dosie­rung vor­aus. Abwei­chun­gen vom Refe­renz­arz­nei­mit­tel schlie­ßen eine Zulas­sung nach § 105 Abs. 4c AMG nicht aus, wenn der Antrag­stel­ler die Anpas­sung der Merk­ma­le des nach­zu­zu­las­sen­den Arz­nei­mit­tels an das Refe­renz­arz­nei­mit­tel anstrebt und die Ände­rung zuläs­sig ist [1].

Arz­nei­mit­tel­zu­las­sung – und die Abwei­chung vom Refe­renz­arz­nei­mit­tel

Begehrt der Her­stel­ler vor­ran­gig eine Zulas­sung nach § 105 Abs. 4f AMG und für den Fall, dass deren Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­lie­gen, hilfs­wei­se eine Zulas­sung nach § 105 Abs. 4c AMG unter Anpas­sung des nach­zu­zu­las­sen­den Arz­nei­mit­tels an die Merk­ma­le des Refe­renz­arz­nei­mit­tels, ist die­ses Kla­ge­ziel sach­dien­lich mit Haupt- und Hilfs­an­trag zu ver­fol­gen.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts lässt sich die the­ra­peu­ti­sche Wirk­sam­keit eines Arz­nei­mit­tels (eben­so wie die Unbe­denk­lich­keit) nur anhand einer bestimm­ten Dosie­rung beur­tei­len. Als Bin­de­glied zwi­schen Wirk­sam­keit und Unbe­denk­lich­keit ist die Dosie­rung untrenn­bar mit der Zulas­sung des Arz­nei­mit­tels ver­knüpft und muss in der Zulas­sungs­ent­schei­dung fest­ge­legt wer­den [2]. Dem­ge­mäß ist die im Zulas­sungs­ver­fah­ren bean­spruch­te Höhe der Dosie­rung begrün­dungs­be­dürf­tig [3]. Das bedeu­tet, dass der Antrag­stel­ler mit den ein­ge­reich­ten Zulas­sungs­un­ter­la­gen die Zweck­mä­ßig­keit der gewähl­ten Dosie­rung bele­gen muss, § 24 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. Satz 2 Nr. 3 AMG [4]. Ent­spre­chend ver­lan­gen auch die Arz­nei­mit­tel­prüf­richt­li­ni­en eine Begrün­dung der Dosie­rung (§ 26 AMG i.V.m. Teil I, Nr. 5.02.4 der Prüf­richt­li­ni­en). Das schließt Dar­le­gun­gen zur Dosis-Wir­kungs­be­zie­hung und erfor­der­li­chen­falls die Vor­la­ge von Dosis­fin­dungs­stu­di­en (oder ande­rem wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­ma­te­ri­al) mit ein [5]. Aus das Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 18.05.2010 [6] ergibt sich nichts Abwei­chen­des. Danach kann gegen die Trag­fä­hig­keit einer auf Anwen­dungs­be­ob­ach­tun­gen gestütz­ten Dosie­rungs­be­grün­dung nicht mit Erfolg ein­ge­wen­det wer­den, sol­che Unter­su­chun­gen lie­ßen kei­ne Aus­sa­gen über nied­ri­ge­re Dosie­run­gen zu, wenn sich aus ihnen ergibt, dass das Arz­nei­mit­tel in der bean­trag­ten Dosie­rung wirk­sam und unbe­denk­lich ist. Die­se Aus­füh­run­gen bezie­hen sich jedoch auf das Nach­zu­las­sungs­ver­fah­ren bei homöo­pa­thi­schen Arz­nei­mit­teln (vgl. § 105 Abs. 4a Satz 2, Abs. 4f Satz 2, § 25 Abs. 2 Satz 4 AMG), die bereits lang­jäh­rig bean­stan­dungs­frei in der bean­spruch­ten Dosie­rung ein­ge­setzt wur­den und des­halb unter dem Gesichts­punkt der Arz­nei­mit­tel­si­cher­heit kei­nen Anlass zu wei­ter­ge­hen­den Prü­fun­gen hin­sicht­lich der Zweck­mä­ßig­keit der Dosie­rung geben [7]. Hier liegt der Sach­ver­halt anders. Weder han­delt es sich um ein homöo­pa­thi­sches Arz­nei­mit­tel, noch ist die bean­trag­te Dosie­rung his­to­risch eta­bliert. Im Gegen­teil sind die Tages­do­sis sowie die Dau­er der Anwen­dung des Arz­nei­mit­tels in der Ver­gan­gen­heit geän­dert wor­den. Es liegt auf der Hand, dass unter sol­chen Umstän­den auf die Vor­la­ge wei­te­rer Erkennt­nis­se zur zweck­mä­ßi­gen Dosie­rung nicht ver­zich­tet wer­den kann.

Für die Fra­ge des Kla­ge­er­folgs ist auf die­je­ni­gen Anwen­dungs­ge­bie­te und wei­te­ren Merk­ma­le abzu­stel­len, mit denen die Ver­pflich­tung der Beklag­ten zur (Nach-)Zulassung des Arz­nei­mit­tels oder – wie hier – zur Neu­be­schei­dung des Ver­län­ge­rungs­an­trags begehrt wird [8].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2014 – 3 B 13.2014 -

  1. wie BVerwG, Urteil vom 21.03.2013 – 3 C 10.12, Buch­holz 418.32 AMG Nr. 62 Rn. 15 und 19[]
  2. BVerwG, Urteil vom 19.11.2009 – 3 C 10.09, Buch­holz 418.32 AMG Nr. 55 Rn. 17 f.[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.05.2010 – 3 C 25.09, Buch­holz 418.32 AMG Nr. 57 Rn. 21 f.[]
  4. BVerwG, Urteil vom 09.04.2014 – 3 C 10.13PharmR 2014, 437 Rn. 8[]
  5. vgl. Teil I, Nr. 5.02.4 der Arz­nei­mit­tel­prüf­richt­li­ni­en; BVerwG, Urtei­le vom 09.04.2014 a.a.O. Rn. 9; und vom 16.10.2003 – 3 C 28.02, NVwZ-RR 2004, 180, 182.[]
  6. BVerwG, a.a.O.[]
  7. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.05.2010 a.a.O.[]
  8. BVerwG, Urteil vom 21.03.2013 – 3 C 10.12, Buch­holz 418.32 AMG Nr. 62 Rn. 15[]