AStA: Wahr­neh­mung der hoch­schul­po­li­ti­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Belan­ge der Stu­die­ren­den

All­ge­mein­po­li­ti­sche Tätig­kei­ten des All­ge­mei­nen Stu­die­ren­den­aus­schuss (AStA) sind von der Wahr­neh­mung der hoch­schul­po­li­ti­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Belan­ge der Stu­die­ren­den zu unter­schei­den. Las­sen sich die Tätig­kei­ten des AStA dem Auf­ga­ben­be­reich der poli­ti­schen Bil­dung zuord­nen ohne eine eige­ne Mei­nungs­äu­ße­rung dar­zu­stel­len, besteht kein Unter­las­sungs­an­spruch. Die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung ver­schie­de­ner Hoch­schul­grup­pen, die sich einem bestimm­ten poli­ti­schen Spek­trum zurech­nen las­sen, ist nicht zu bean­stan­den, wenn davon eine gro­ße Band­brei­te von The­men, Aus­rich­tun­gen und Ziel­set­zun­gen abge­deckt ist und die Plu­ra­li­tät der Gesamt­för­de­rung gewahrt bleibt.

AStA: Wahr­neh­mung der hoch­schul­po­li­ti­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Belan­ge der Stu­die­ren­den

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück in dem hier vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Recht­schutz­ver­fah­ren eines Stu­den­ten gegen die Stu­die­ren­den­schaft (Antrags­geg­ne­rin) der Uni­ver­si­tät Osna­brück, ver­tre­ten durch den All­ge­mei­nen Stu­die­ren­den­aus­schuss (AStA). Der Antrag­stel­ler hat­te bean­tragt, der Antrags­geg­ne­rin für die Dau­er sei­ner Mit­glied­schaft in der Stu­die­ren­den­schaft zu unter­sa­gen, all­ge­mein­po­li­ti­sche, nicht spe­zi­fisch und unmit­tel­bar hoch­schul­be­zo­ge­ne Äuße­run­gen, Erklä­run­gen, For­de­run­gen oder Stel­lung­nah­men abzu­ge­ben und sol­che Tätig­kei­ten zu unter­stüt­zen. Er ist der Ansicht, dass zahl­rei­che Betä­ti­gun­gen des AStA und wei­te­rer Orga­ne der Stu­die­ren­den­schaft eine unzu­läs­si­ge Anma­ßung eines all­ge­mein­po­li­ti­schen Man­da­tes dar­stell­ten. So wen­det er sich u.a. gegen einen Auf­satz zum The­ma "Nar­ziss­mus und Nati­on" in einer Zei­tung des AStA, diver­se Ver­an­stal­tun­gen des "Auto­no­men Schwu­len­re­fe­ra­tes" und des "Auto­no­men Refe­ra­tes für Les­ben und ande­re Frau­en", die durch den Stu­die­ren­den­rat im Haus­halts­plan beschlos­se­ne finan­zi­el­le Unter­stüt­zung diver­ser links­ge­rich­te­ter Initia­ti­ven, wie "Café Mano Negra" und "Anti­fa­schis­mus" sowie Äuße­run­gen des AStA und Auf­ru­fe Drit­ter auf des­sen "Face­book"-Inter­net­sei­te und auf Flug­blät­tern, in denen u.a. zu Demons­tra­tio­nen gegen Abschie­bun­gen und gegen die NPD auf­ge­ru­fen wur­de.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Osna­brück set­ze ein sol­cher Unter­las­sungs­an­spruch vor­aus, dass die Stu­die­ren­den­schaft nach­hal­tig und unein­ge­schränkt nicht hoch­schul­be­zo­ge­ne all­ge­mein­po­li­ti­sche Mei­nun­gen kund­ge­tan habe. In der über­wie­gen­den Zahl der bean­stan­de­ten Tätig­kei­ten sei dies jedoch zu ver­nei­nen. Ins­be­son­de­re sei­en all­ge­mein­po­li­ti­sche Tätig­kei­ten von der Wahr­neh­mung der hoch­schul­po­li­ti­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Belan­ge der Stu­die­ren­den zu unter­schei­den. Inso­fern habe die Antrags­geg­ne­rin näm­lich durch­aus ein poli­ti­sches Man­dat und neh­me die­ses auch zu Recht war. So lie­ßen sich zahl­rei­che Tätig­kei­ten dem Auf­ga­ben­be­reich der poli­ti­schen Bil­dung zuord­nen ohne eine eige­ne Mei­nungs­äu­ße­rung dar­zu­stel­len. Die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung ver­schie­de­ner Hoch­schul­grup­pen, die sich einem bestimm­ten poli­ti­schen Spek­trum zurech­nen lie­ßen, sei nicht zu bean­stan­den, da hier­von eine gro­ße Band­brei­te von The­men, Aus­rich­tun­gen und Ziel­set­zun­gen abge­deckt sei und die Plu­ra­li­tät der Gesamt­för­de­rung gewahrt blei­be. Ein­trä­ge ande­rer Nut­zer auf ihrer "Facebook"-Seite müs­se sich die Antrags­geg­ne­rin nicht zurech­nen las­sen. Allein in weni­gen Ein­zel­fäl­len sei eine Über­schrei­tung der Gren­ze zur all­ge­mein­po­li­ti­schen Betä­ti­gung erkenn­bar. Durch die Unter­stüt­zung ande­rer Orga­ni­sa­tio­nen bei deren all­ge­mein­po­li­ti­scher Betä­ti­gung, sei es durch Auf­ru­fe zu Demons­tra­tio­nen oder durch Geneh­mi­gung von Flug­blät­tern und Pla­ka­ten in den Räu­men des AStA, habe die Antrags­geg­ne­rin die dor­ti­gen Inhal­te tole­riert und all­ge­mein­po­li­ti­sche Tätig­kei­ten unter­stützt. Hier­in lie­ge jedoch kein nach­hal­ti­ger Ver­stoß gegen das Ver­bot der all­ge­mein­po­li­ti­schen Betä­ti­gung, der eine gene­rel­le Unter­sa­gung jeg­li­cher Betä­ti­gung all­ge­mein­po­li­ti­scher Art recht­fer­ti­gen wür­de. Zudem lägen eini­ge Auf­ru­fe bzw. Ver­an­stal­tun­gen bereits zwei bzw. drei Wahl­pe­ri­oden zurück, so dass auf­grund der geän­der­ten Zusam­men­set­zung des AStA auch eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr als gering ein­zu­schät­zen sei.

Das Ver­wal­tung­ge­richt lehn­te den Antrag mit der Begrün­dung ab, dem Antrag­stel­ler ste­he der gel­tend gemach­te Unter­las­sungs­an­spruch nicht zu.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Beschluss vom 23. Juli 2014 – 1 B 19/​14