Asyl für Kon­ver­ti­ten

Nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung 1 ist es urei­ge­ne Auf­ga­be des Gerichts, die Ernst­haf­tig­keit eines vom Asyl­be­wer­ber behaup­te­ten Glau­bens­wech­sels zu wür­di­gen 2.

Asyl für Kon­ver­ti­ten

Danach ist die Fra­ge, ob der von einem Asyl­be­wer­ber behaup­te­te Glau­bens­über­tritt auf einer ernst­haf­ten und inner­lich gefes­tig­ten Über­zeu­gung beruht, höchst­per­sön­li­cher Natur und kann (und muss) allein vom Asyl­be­wer­ber glaub­haft gemacht wer­den. Hier­bei kommt es ent­schei­dend auf die Glaub­haf­tig­keit der Schil­de­rung und die Glaub­wür­dig­keit der Per­son des Asyl­be­wer­bers an, die das Gericht selbst im Rah­men einer per­sön­li­chen Anhö­rung des Asyl­be­wer­bers zu über­prü­fen und tatrich­ter­lich zu wür­di­gen hat 3.

Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen kann eine Ein­schät­zung eines Drit­ten, auch wenn die­ser Tauf­pas­tor oder Pas­tor der aktu­el­len Gemein­de des Asyl­su­chen­den ist, die vom Gericht zu beur­tei­len­de Ernst­haf­tig­keit einer vom Asyl­be­wer­ber behaup­te­ten Kon­ver­si­on nicht erset­zen.

Soweit die Asyl­be­wer­ber sich im vor­lie­gen­den Streit­fall auf ein an die Gemein­de­ver­ant­wort­li­chen gerich­te­tes Papier des EKD Evan­ge­li­sche Kir­chen in Deutsch­land aus dem Jah­re 2013, nach wel­chem die Prü­fung der Ernst­haf­tig­keit und Nach­hal­tig­keit der Kon­ver­si­on von den ver­ant­wort­li­chen Gemein­de­trä­gern sorg­fäl­tig und ver­ant­wor­tungs­voll sowie deut­lich umfas­sen­der als von den Gerich­ten und Behör­den geprüft wer­de und dem­entspre­chend auch Instanz­ge­rich­te stan­dard­mä­ßig Gemein­de­pas­to­ren und Tauf­pas­to­ren befrag­ten, über­zeugt dies nicht und wirft kei­ne erneu­te Klä­rungs­be­dürf­tig­keit auf 4.

Dies gilt auch bei ver­blei­ben­den Zwei­feln des Gerichts an der Ernst­haf­tig­keit und Nach­hal­tig­keit der Kon­ver­si­on. Auch in einem sol­chen Fall ist die "ergän­zen­de" Ein­schät­zung der Tauf- oder Gemein­de­pas­to­ren nicht geeig­net, die Wür­di­gung des Gerichts zu erset­zen.

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt erst­in­stanz­lich eine dau­er­haf­te Hin­wen­dung der Asyl­be­wer­ber zum Chris­ten­tum nicht als glaub­haft erach­tet. Dem­ge­mäß könn­te die auf­ge­wor­fe­ne Tat­sa­chen­fra­ge nur dann ent­schei­dungs­er­heb­lich sein, wenn allein der for­ma­le Akt des Über­tritts zum christ­li­chen Glau­ben im Aus­land, auch wenn die­ser nach einer Rück­kehr in den Iran nicht mehr gelebt wird, Repres­sa­li­en sei­tens des ira­ni­schen Staa­tes nach sich zöge. Dafür benen­nen die Asyl­be­wer­ber aber kei­ne Bele­ge. Soweit sie die Aus­füh­run­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts in Bezug auf den Lage­be­richt des Aus­wär­ti­gen Amtes, wel­cher sich mit im Aus­land täti­gen Oppo­si­ti­ons­grup­pen beschäf­tigt, als nicht auf den Fall im Aus­land täti­ger "Kon­ver­ti­ten" für anwend­bar hal­ten, ist dies uner­heb­lich. Denn zum einen lässt der Bericht jeden­falls Rück­schlüs­se in Bezug auch auf die Beob­ach­tung von im Aus­land zum Chris­ten­tum "kon­ver­tier­ten" Asyl­be­wer­bern zu. So hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bereits ent­schie­den, dass dem Umstand, dass Asyl­be­wer­ber sich durch Riten wie etwa der Tau­fe oder dem Besuch von Got­tes­dienst nach außen hin zur christ­li­chen Kir­che bekannt haben, allein nicht aus­rei­chend ist für die Annah­me von Ver­fol­gungs­maß­nah­men sei­tens des ira­ni­schen Staa­tes. Den ira­ni­schen Behör­den ist ein asyl­tak­ti­sches Vor­ge­hen ihrer Staats­bür­ger im west­li­chen Aus­land durch­aus gegen­wär­tig 5. Zum ande­ren legen die Asyl­be­wer­ber dage­gen kei­ne gegen­tei­li­gen Aus­künf­te vor.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Schles­wig ‑Hol­stein, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2017 – 2 LA 67/​16

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.08.2015 – 1 B 40.15 – juris LS und Rn 9, vgl. auch OVG Schles­wig-Hol­stein, Beschlüs­se vom 19.03.2015 – 3 LA 17/​15 –; vom 30.03.2015 – 2 LA 65/​14 –; und vom 19.01.2016 – 2 LA 2/​16, jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. dazu auch OVG NRW, Beschluss vom 18.03.2014 – 13 A1 080/​13. A –, Rn. 11, 20 m.w.N., BayVGH, Beschluss vom 08.08.2013 – 14 ZP 13. 30199 –, Rn. 5 mwN; jeweils zitiert nach juris[]
  3. BVerwG, Urteil vom 09.12 2010 – 10 C 13.09 –, Rn.19[]
  4. vgl. dazu BVerwG, aaO., OVG NRW, aaO 22f.[]
  5. OVG Schles­wig-Hol­stein, Beschlüs­se vom 22.07.2015 – 3 LA 41/​15 –; und vom 19.03.2015 – 3 LA 17/​15[]