Asyl – und das Vorliegen einer ernsthaften individuellen Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit

Welche Anforderungen an das Vorliegen einer ernsthaften individuellen Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts im Sinne des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 AsylG zu stellen sind, ist in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, die das Berufungsgericht seiner Entscheidung zugrunde gelegt hat, geklärt.

Danach bedarf es für die individuelle Betroffenheit einer Feststellung zur Gefahrendichte, die jedenfalls auch eine annäherungsweise quantitative Ermittlung des Tötungs- und Verletzungsrisikos umfasst.

Erst auf der Grundlage der quantitativen Ermittlung der Gesamtzahl der in dem betreffenden Gebiet lebenden Zivilpersonen einerseits und der Akte willkürlicher Gewalt andererseits, die von den Konfliktparteien gegen Leib oder Leben von Zivilpersonen in diesem Gebiet verübt werden, ist eine wertende Gesamtschau zur individuellen Betroffenheit eines Klägers möglich1.

Bundesverwaltungsgericht, Beschluss vom 8. März 2018 – 1 B 7.18

Fußnoten:

  1. vgl. BVerwG, Urteile vom 27.04.2010 – 10 C 4.09, BVerwGE 136, 360 Rn. 33; vom 17.11.2011 – 10 C 13.10, Buchholz 451.902 Europ. Ausl.- u Asylrecht Nr. 58 Rn. 22 f.; und vom 13.02.2014 – 10 C 6.13, Buchholz 402.25 § 33 AsylVfG Nr. 14 Rn. 24, jeweils zu der wortgleichen Vorgängernorm des § 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG a.F. []