Atom­waf­fen in der Eifel

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat die Kla­ge einer Klä­ge­rin abge­wie­sen, die in der Frie­dens­be­we­gung aktiv ist und in der Nähe des NATO-Flie­ger­hors­tes Büchel in der Eifel wohnt. Die Klä­ge­rin hat­te gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mit dem Ziel geklagt, dass die in Büchel mög­li­cher­wei­se gela­ger­ten ame­ri­ka­ni­schen Atom­waf­fen vom Bun­des­ge­biet ent­fernt wer­den. Fer­ner begehr­te die Klä­ge­rin, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land alle Hand­lun­gen im Zusam­men­hang mit dem Umgang mit nuklea­ren Waf­fen („nuklea­re Teil­ha­be“) unter­lässt.

Atom­waf­fen in der Eifel

Auf dem Flie­ger­horst Büchel wur­de 1958 ein Jagd­bom­ber­ge­schwa­der auf­ge­stellt und der NATO unter­stellt. Im Flie­ger­horst befin­den sich zudem Staf­feln der US Air Force. Im Sep­tem­ber 2009 begehr­te die Klä­ge­rin vom Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung, die­ser möge gegen­über den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka auf den Abzug von ame­ri­ka­ni­schen Atom­waf­fen hin­wir­ken, die auf dem Flie­ger­horst Büchel gela­gert wür­den. Fer­ner sol­le die Bun­des­re­pu­blik alle auf die soge­nann­te "nuklea­re Teil­ha­be" gerich­te­ten Hand­lun­gen ein­stel­len. Dies begrün­de­te die Klä­ge­rin damit, es sei zu befürch­ten, dass der Flug­platz in beson­de­rer Wei­se ter­ro­ris­ti­schen Angrif­fen aus­ge­setzt sei. Zudem kön­ne sie ver­lan­gen, dass von deut­schem Boden kei­ne rechts­wid­ri­ge Kriegs­füh­rung aus­ge­he. Das Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ant­wor­te­te der Klä­ge­rin, die Bun­des­re­gie­rung set­ze sich in allen damit befass­ten Foren dafür ein, im mul­ti­la­te­ra­len Kon­sens eine voll­stän­di­ge Abschaf­fung aller Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen als Bei­trag zu Frie­den und Sta­bi­li­tät in der Welt zu errei­chen. Mit der dar­auf­hin erho­be­nen Kla­ge mach­te die Klä­ge­rin gel­tend, sie wer­de durch denk­ba­re, auch ter­ro­ris­ti­sche Angrif­fe auf den Flie­ger­horst einer Gefahr aus­ge­setzt. Die Beklag­te habe die­ser mög­li­chen Gefahr wegen ihrer staat­li­chen Schutz­pflich­ten zu begeg­nen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln wies die Kla­ge als unzu­läs­sig ab. Es las­se sich nicht fest­stel­len, dass hin­sicht­lich der Klä­ge­rin die Mög­lich­keit einer der deut­schen öffent­li­chen Gewalt zure­chen­ba­ren Rechts­ver­let­zung bestehe. Die Ein­schät­zung, auf wel­che Wei­se der Frie­den zu sichern sei und wel­che Fol­gen mit der Sta­tio­nie­rung von Atom­waf­fen ver­bun­den sei­en, oblie­ge den für Außen- und Ver­tei­di­gungs­po­li­tik zustän­di­gen Bun­des­or­ga­nen. Ande­res kön­ne allen­falls bei offen­sicht­li­cher Will­kür gel­ten, die ersicht­lich nicht vor­lie­ge. Die Stra­te­gie der nuklea­ren Abschre­ckung sei völ­ker­recht­lich zuläs­sig. Im Übri­gen habe die Beklag­te bereits in der Ver­gan­gen­heit viel­fäl­ti­ge der ato­ma­ren Abrüs­tung die­nen­de Vor­stö­ße unter­nom­men, was u.a. in die Ent­schlie­ßung des Euro­päi­schen Par­la­ments vom 10. März 2010 und das neue Stra­te­gi­sche Kon­zept der NATO von Novem­ber 2010 Ein­gang gefun­den habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 19. Juli 2011 – 26 K 3869/​10