Auf­ent­halts- und Betre­tens­ver­bo­te für Fußball-"Ultras"

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg hat poli­zei­recht­li­che Auf­ent­halts- und Betre­tens­ver­bo­te sowie Mel­de­auf­la­gen der Stadt Frei­burg nach­träg­lich für rechts­wid­rig erklärt, die die­se im August/​September 2014 gegen­über zwei Ange­hö­ri­gen der Frei­bur­ger Ultra­sze­ne ver­hängt hat­te.

Auf­ent­halts- und Betre­tens­ver­bo­te für Fußball-"Ultras"

Die Stadt Frei­burg hat­te den bei­den Fuß­ball­fans jeweils durch Bescheid ver­bo­ten, sich im Zeit­raum von August bis Dezem­ber 2014 an den Spiel­ta­gen der Bun­des­li­ga- und der Regio­nal­mann­schaft des SC Frei­burg zwi­schen 10:00 und 22:00 Uhr in bestimm­ten Berei­chen im Umfeld des SC-Sta­di­ons, des Mös­le-Sta­di­ons, der Schwarz­wald­stra­ße sowie in Tei­len der Innen­stadt und des Stadt­teils Stüh­lin­ger auf­zu­hal­ten. Einem der bei­den hat­te sie außer­dem noch auf­ge­ge­ben, sich an bestimm­ten Aus­wärts­spiel­ta­gen des SC Frei­burg jeweils beim Poli­zei­re­vier Frei­burg-Süd zu mel­den. Begrün­det hat­te die Stadt Frei­burg die Beschei­de damit, es sei anläss­lich von Heim- und Aus­wärts­spie­len des SC Frei­burg ver­mehrt zu Gewalt­ta­ten und Straf­ta­ten von Pro­blem­fans gekom­men. Bei bei­den Betrof­fe­nen bestün­de auf­grund per­so­nen­be­zo­ge­ner Erkennt­nis­se der Poli­zei eine hohe Wahr­schein­lich­keit der künf­ti­gen Bege­hung sol­cher Straf­ta­ten. Das Ver­wal­tungs­e­richt Frei­burg hält die Ver­bo­te in bei­den Fäl­len für rechts­wid­rig:

Teil­wei­se sei­en die Fuß­ball-"Ultras" vor Erlass der Ver­fü­gun­gen nicht ord­nungs­ge­mäß ange­hört und die­ser Rechts­feh­ler sei auch spä­ter nicht durch Nach­ho­lung der Anhö­rung geheilt wor­den. Die Ver­bo­te sei­en aber auch in der Sache rechts­wid­rig. In bei­den Fäl­len fehl­ten Tat­sa­chen, wel­che die Annah­me recht­fer­tig­ten, der Betref­fen­de wer­de gera­de in den vom Auf­ent­halts­ver­bot betrof­fe­nen Berei­chen Straf­ta­ten bege­hen oder dazu bei­tra­gen. Dass die Klä­ger nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen außer­halb der Stadt­gren­zen an gewalt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen teil­ge­nom­men hät­ten, die ohne Bezug zu einem kon­kre­ten Fuß­ball­spiel im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis und nach gewis­sen Regeln zwi­schen Fans riva­li­sie­ren­der Ver­ei­ne statt­ge­fun­den hät­ten (soge­nann­te „Drittor­tausein­an­der­set­zung“), genü­ge dafür nicht. Dar­aus kön­ne nicht geschlos­sen wer­den, sie wür­den auch im ört­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang mit Spie­len des SC Frei­burg geg­ne­ri­sche Fans pro­vo­zie­ren bzw. sich an Gewalt­ta­ten gegen sie betei­li­gen oder sonst dazu bei­tra­gen. Einer der bei­den Klä­ger habe nichts ande­res getan, als sich zwei­mal an Drittor­tausei­an­der­set­zun­gen im Elsaß und in Ten­in­gen zu betei­li­gen. Der ande­re Klä­ger habe zwar nach Anga­ben der Poli­zei und sei­nen eige­nen Anga­ben im Jahr 2014 dem har­ten Kern der Grup­pie­rung „Red Pri­de“ ange­hört und mit die­ser regel­mä­ßig Heim- wie auch Aus­wärts­spie­le des SC Frei­burg besucht. Den­noch feh­le es an aus­sa­ge­kräf­ti­gen Hin­wei­sen dafür, dass er anläss­lich sol­cher Spie­le an gewalt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit geg­ne­ri­schen Fans teil­neh­men wer­de. Die gegen ihn erho­be­nen Vor­wür­fe, über die Teil­nah­me an zwei Drittor­tausei­an­der­set­zun­gen hin­aus habe er im Sta­di­on eine Sitz­scha­le beschä­digt und sei bei einem sich anbah­nen­den Kon­flikt mit einer ande­ren Frei­bur­ger Ultra­grup­pe anwe­send gewe­sen, reich­ten nicht aus, um für sämt­li­che Spiel­ta­ge der Hin­run­de 2014/​2015 ein Auf­ent­halts­ver­bot für wei­te Tei­le des Stadt­ge­biets zu erlas­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Urtei­le vom 25.9.2015 – 4 K 3074/​14 und 4 K 35/​15