Auf­ent­halts­zei­ten des Asyl­fol­ge­ver­fah­rens im Staats­an­ge­hö­rig­keits­recht

Bei einem Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit durch Geburt eines Kin­des aus­län­di­scher Eltern ist die Zeit des erfolg­rei­chen Asyl­fol­ge­ver­fah­rens eines Eltern­teils voll anzu­rech­nen ist.

Auf­ent­halts­zei­ten des Asyl­fol­ge­ver­fah­rens im Staats­an­ge­hö­rig­keits­recht

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren begehr­te die 2008 als Toch­ter tür­ki­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger gebo­re­ne Klä­ge­rin die Aus­stel­lung eines Staats­an­ge­hö­rig­keits­aus­wei­ses. Ihren Antrag auf Fest­stel­lung des Erwerbs der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit durch Geburt (nach § 4 Abs. 3 Satz 1 StAG) lehn­te die beklag­te Stadt Mann­heim Ende April 2009 ab. Kein Eltern­teil der Klä­ge­rin habe, wie es das Gesetz ver­langt, zum Zeit­punkt ihrer Geburt seit acht Jah­ren sei­nen recht­mä­ßi­gen Auf­ent­halt im Inland gehabt. Die Zeit des nur gedul­de­ten Auf­ent­halts des Vaters der Klä­ge­rin im Asyl­fol­ge­ver­fah­ren sei trotz des erfolg­rei­chen Aus­gangs nicht anre­chen­bar. Der Wider­spruch der Klä­ge­rin blieb erfolg­los.

Das hier­ge­gen ange­ru­fe­ne Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he gab der Klä­ge­rin recht und ver­pflich­te­te die beklag­te Stadt Mann­heim, ihr einen Staats­an­ge­hö­rig­keits­aus­weis aus­zu­stel­len 1. Auf die Beru­fung der Stadt Mann­heim bestä­tig­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim die­se Ent­schei­dung mit der Erwä­gung, dass der nur gedul­de­te Auf­ent­halt eines Fol­ge­an­trag­stel­lers jeden­falls nach einem erfolg­rei­chen Eil­ver­fah­ren ange­rech­net wer­den müs­se 2.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Stadt Mann­heim hat­te vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Ergeb­nis kei­nen Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat aus­ge­führt, die gesam­te Auf­ent­halts­zeit des erfolg­reich abge­schlos­se­nen Asyl­fol­ge­ver­fah­rens ab Antrag­stel­lung ist (ent­spre­chend § 55 Abs. 3 AsylVfG) nach­träg­lich als recht­mä­ßi­ge Auf­ent­halts­zeit anzu­rech­nen. Die Grün­de, die für eine pau­scha­le Anrech­nung der Auf­ent­halts­zeit nach erfolg­rei­chem Aus­gang des ers­ten Asyl­ver­fah­rens spre­chen, gel­ten bei einem erfolg­rei­chen Asyl­fol­ge­ver­fah­ren in glei­cher Wei­se. Die Dau­er des Asyl­ver­fah­rens soll in die­sem Fall kei­ne Rol­le spie­len. Wird der maß­geb­li­che Eltern­teil im Asyl­fol­ge­ver­fah­ren unan­fecht­bar als Asyl­be­rech­tig­ter oder Flücht­ling aner­kannt, erwirbt er die glei­che Rechts­po­si­ti­on wie ein erfolg­rei­cher Erst­an­trag­stel­ler. Das Abstel­len auf ande­re denk­ba­re Zeit­punk­te, zu denen ein Rechts­an­spruch des Fol­ge­an­trag­stel­lers auf Aner­ken­nung erkenn­bar wird, ent­spricht nicht dem bewusst pau­scha­lie­ren­den Rege­lungs­kon­zept des Gesetz­ge­bers. Eben­so wenig wird es dem zwin­gen­den Bedürf­nis gerecht, ohne wei­te­re Nach­for­schun­gen und Ent­schei­dun­gen klar fest­stel­len zu kön­nen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für den Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit kraft Geset­zes vor­lie­gen oder nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Okto­ber 2011 – 5 C 28.10

  1. VG Karls­ru­he, Urteil vom 13.04.2010 – 11 K 1620/​09[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 21.10.2010 – 11 S 1580/​10[]