Auf­ge­fun­de­ne Urkun­den als Wie­der­auf­nah­me­grund

Be­stä­tigt die auf­ge­fun­de­ne Ur­kun­de le­dig­lich Tat­sa­chen, die sich be­reits aus den im Vor­pro­zess vor­ge­leg­ten Ver­wal­tungs­vor­gän­gen er­ga­ben, liegt ein Re­sti­tu­ti­ons­grund i.S.v. § 580 Nr. 7b ZPO nicht vor.

Auf­ge­fun­de­ne Urkun­den als Wie­der­auf­nah­me­grund

Um eine Wie­der­auf­nah­me des Ver­fah­rens zu recht­fer­ti­gen, muss die auf­ge­fun­de­ne Urkun­de für die Her­bei­füh­rung einer dem Klä­ger güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung kau­sal sein. Das ist der Fall, wenn die Urkun­de zu einem ande­ren Beweis­ergeb­nis führt und das neue Beweis­ergeb­nis nach der Rechts­auf­fas­sung des Resti­tu­ti­ons­ge­richts 1 tat­säch­lich eine für den Betrof­fe­nen güns­ti­ge­re Ent­schei­dung her­bei­ge­führt hät­te. Dass die Urkun­de ledig­lich im Sin­ne einer Schlüs­sig­keit "geeig­net" ist, zu einer für den Klä­ger güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung zu füh­ren, genügt nicht 2. Bestä­tigt die Urkun­de ledig­lich Tat­sa­chen, die sich bereits aus den im Vor­pro­zess vor­ge­leg­ten Ver­wal­tungs­vor­gän­gen erga­ben, also den Betei­lig­ten bekannt waren oder wegen des Akten­ein­sichts­rechts nach § 100 Abs. 1 VwGO hät­ten bekannt sein kön­nen, liegt ein Resti­tu­ti­ons­grund i.S.v. § 580 Nr. 7b ZPO nicht vor. Resti­tu­ti­ons­grund nach die­ser Vor­schrift ist die Unvoll­stän­dig­keit der Urteils­grund­la­ge 3. Waren die ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen, die durch die auf­ge­fun­de­ne Urkun­de bewie­sen wer­den sol­len, bereits im Vor­pro­zess in den Ver­wal­tungs­vor­gän­gen doku­men­tiert, hät­ten sie also in den Vor­pro­zess ein­ge­führt wer­den kön­nen, beruht die dama­li­ge Ent­schei­dung auch dann auf einer voll­stän­di­gen Tat­sa­chen­ba­sis, wenn die Par­tei es ver­säumt hat, sich auf die­se Tat­sa­che zu beru­fen; in einem sol­chen Fall ist eine Durch­bre­chung der Rechts­kraft nicht gerecht­fer­tigt. Glei­ches gilt, wenn die Urkun­de erst nach der Ent­schei­dung des Tat­sa­chen­ge­richts errich­tet wur­de 4. Die neu­en ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen müs­sen zudem allein durch die Urkun­de in Ver­bin­dung mit dem bis­he­ri­gen Pro­zess­stoff bewie­sen wer­den 5. Wegen des ihnen zukom­men­den beson­de­ren Beweis­werts ist nur der nach­träg­li­che Beweis durch Urkun­den geeig­net, die Rechts­kraft des Urteils zu durch­bre­chen. Es genügt nicht, wenn die Urkun­de nur Anlass für die Ver­neh­mung von Zeu­gen oder die Ein­ho­lung von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten gibt. Die­se sind in § 580 ZPO als Beweis­mit­tel nicht zuge­las­sen. Der Resti­tu­ti­ons­grund des § 580 Nr. 7b ZPO dient nicht dazu, im Vor­pro­zess nicht gehör­te Sach­ver­stän­di­ge und Zeu­gen in das Ver­fah­ren ein­zu­füh­ren 6. War die Tat­sa­che, die durch die Urkun­de bewie­sen wer­den soll, nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, hät­te auch die Urkun­de eine der Par­tei güns­ti­ge­re Ent­schei­dung nicht her­bei­ge­führt. Maß­ge­bend für die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit ist die Auf­fas­sung des Resti­tu­ti­ons­ge­richts.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 31. Juli 2012 – 4 A 6001.11

  1. BVerwG, Urteil vom 22.10.1969 – 5 C 27.68 u.a., BVerw­GE 34, 113, 115[]
  2. BVerwG, Urteil vom 21.04.1982 – 8 C 75.80, Buch­holz 316 § 51 VwVfG Nr. 11[]
  3. BVerwG, Urteil vom 22.10.1969 a.a.O.[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 07.07.1999 – 8 B 66.99, Buch­holz 310 § 153 VwGO Nr. 32[]
  5. vgl. Guckel­ber­ger, in: Sodan/​Ziekow, VwGO, 3. Aufl.2010, § 153 Rn. 76; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 70. Aufl.2012, § 580 Rn.20[]
  6. BVerwG, Beschlüs­se vom 11.10.2004 – 7 B 83.04; vom 15.06.1989 a.a.O.; und vom 21.01.1982 – 7 B 13.82, Buch­holz 310 § 153 VwGO Nr. 18, m.w.N.[]