Auf­klä­rungs­pflicht und Beweis­an­trä­ge im Ver­wal­tungs­pro­zess

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kann das Gericht einen Beweis­an­trag auf Ein­ho­lung von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten oder einer amt­li­chen Aus­kunft im All­ge­mei­nen nach tatrich­ter­li­chem Ermes­sen gemäß § 98 VwGO in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 412 ZPO oder mit dem Hin­weis auf eige­ne Sach­kun­de ver­fah­rens­feh­ler­frei ableh­nen [1].

Auf­klä­rungs­pflicht und Beweis­an­trä­ge im Ver­wal­tungs­pro­zess

Lie­gen bereits Gut­ach­ten vor, han­delt die Tat­sa­chen­in­stanz nur dann ver­fah­rens­feh­ler­haft, wenn sich die Ein­ho­lung eines wei­te­ren Gut­ach­tens wegen feh­len­der Eig­nung der vor­lie­gen­den Gut­ach­ten hät­te auf­drän­gen müs­sen.

Gut­ach­ten und Stel­lung­nah­men sind dann unge­eig­net, wenn sie gro­be, offen erkenn­ba­re Män­gel oder unlös­ba­re Wider­sprü­che auf­wei­sen, wenn sie von unzu­tref­fen­den sach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­hen oder Anlass zu Zwei­feln an der Sach­kun­de oder der Unpar­tei­lich­keit des Gut­ach­ters besteht [2].

Wel­che Anfor­de­run­gen vom Gericht an die Sub­stan­ti­ie­rung eines Beweis­an­trags gestellt wer­den dür­fen, bestimmt sich zum einen danach, ob die zu bewei­sen­de Tat­sa­che in den eige­nen Erkennt­nis­be­reich des Betei­lig­ten fällt, und zum ande­ren nach der kon­kre­ten pro­zes­sua­len Situa­ti­on [3].

Im hier ent­schie­de­nen Fall lagen dem Beru­fungs­ge­richt meh­re­re, u.a. im Beru­fungs­ver­fah­ren ein­ge­hol­te Gut­ach­ten und Stel­lung­nah­men nebst aktua­li­sie­ren­den Ergän­zun­gen zum Gesund­heits­zu­stand des Klä­gers vor, deren Taug­lich­keit die­ser nicht infra­ge gestellt hat. Dem­zu­fol­ge wäre für eine aus­rei­chen­de Sub­stan­ti­ie­rung des Beweis­an­trags in die­sem Sta­di­um des Ver­fah­rens eine genaue­re Dar­le­gung ins­be­son­de­re der kon­kret befürch­te­ten gesund­heit­li­chen Fol­gen der Abschie­bung erfor­der­lich gewe­sen, um den Tatrich­ter zu einer wei­te­ren Auf­klä­rung in die­se Rich­tung zu ver­an­las­sen. Die in dem gestell­ten Beweis­an­trag pau­schal geäu­ßer­te Befürch­tung, dem Klä­ger dro­he „für den Fall der zwangs­wei­sen Durch­füh­rung der Abschie­bung die Gefahr einer wesent­li­chen Ver­schlech­te­rung des Gesund­heits­zu­stands“, reich­te in die­ser durch bereits inten­si­ve Ermitt­lun­gen zum Gesund­heits­zu­stand des Klä­gers gekenn­zeich­ne­ten Pro­zess­si­tua­ti­on zu einer hin­rei­chen­den Sub­stan­ti­ie­rung nicht mehr aus. Auch für eine Ver­let­zung des § 86 Abs. 1 VwGO ist nichts ersicht­lich.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Novem­ber 2014 – 1 B 25.2014 -

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 27.03.2000 – 9 B 518.99InfAuslR 2000, 412; und vom 11.02.1999 – 9 B 381.98, Buch­holz 310 § 86 Abs. 2 VwGO Nr. 42 = DVBl 1999, 1206; jeweils m.w.N.[]
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 02.03.1995 – 5 B 26.95, Buch­holz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr. 267 S. 12; und vom 04.01.2007 – 10 B 20.06, Buch­holz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr. 353 S. 5 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 25.01.1988 – 7 CB 81.87, Buch­holz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr.196 S. 14; vom 19.10.2011 – 8 B 37.11ZOV 2011, 264; und vom 30.05.2014 – 10 B 34.14 9[]