Auf­la­gen für eine Ver­samm­lung

Unter der Ein­hal­tung von Auf­la­gen ist eine Ver­samm­lung mit dem The­ma "Gesund­heit stär­ken statt Grund­rech­te schwä­chen – Schutz vor Viren, nicht vor Men­schen!" in Gie­ßen zu erlau­ben.

Auf­la­gen für eine Ver­samm­lung

So hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und der Beschwer­de teil­wei­se ent­spro­chen. Die Auf­la­gen, die von der Stadt Gie­ßen ver­fügt wor­den waren, sind teil­wei­se abge­än­dert wor­den.

Zunächst hat­te der Anmel­der der Ver­samm­lung gegen den Bescheid der Ober­bür­ger­meis­te­rin der Stadt Gie­ßen vom 8. April 2020 erfolg­los um Gewäh­rung einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes beim Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen nach­ge­sucht. Mit die­sem Bescheid der Stadt Gie­ßen war die Kund­ge­bung auf dem Ber­li­ner Platz und die Rou­te durch die Innen­stadt von Gie­ßen unter Ver­weis auf das Kon­takt­ver­bot der Drit­ten Hes­si­schen Ver­ord­nung zur Bekämp­fung des Coro­na­vi­rus ver­bo­ten wor­den. Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof [1] hat­te mit Beschluss vom 14. April 2020 eben­so wie zuvor das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen ent­schie­den, dass die durch die Drit­te Coro­na-Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen ver­bind­li­chen Ein­schrän­kun­gen der Grund­rech­te der Betrof­fe­nen ange­sichts der aktu­el­len infek­ti­ons­recht­li­chen Bedro­hungs­la­ge gerecht­fer­tigt sei­en.

Vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist dann dem Eil­an­trag des Antrag­stel­lers gegen die­se Ent­schei­dung teil­wei­se statt­ge­ge­ben wor­den. Danach habe die Stadt Gie­ßen ihr Ermes­sen bei der Ent­schei­dung über das Ver­samm­lungs­ver­bot nicht ord­nungs­ge­mäß aus­ge­übt und müs­se dies nach­ho­len.

Mit Ver­fü­gung vom 16. April 2020 hat die Stadt Gie­ßen dar­auf­hin die ange­mel­de­te Ver­samm­lung mit Auf­la­gen ver­se­hen und unter ande­rem die zeit­li­che Durch­füh­rung auf eine Stun­de begrenzt und ledig­lich eine sta­tio­nä­re Ver­samm­lung in einem Teil­be­reich des Ber­li­ner Plat­zes mit 15 Per­so­nen zuge­las­sen. Zudem wur­de eine Pflicht zum Tra­gen eines Mund­schut­zes und ein Abstands­ge­bot von 1,5 m – soweit es sich nicht um Per­so­nen des­sel­ben Haus­hal­tes han­delt – ver­fügt wor­den.

Nach­dem der dage­gen erho­be­ne Eil­an­trag vom Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen am 16. April 2020 abge­lehnt wor­den war, hat der Anmel­der der Ver­samm­lung gegen die­se Ent­schei­dung Beschwer­de ein­ge­legt und die­se u. a. mit Ver­weis auf die genann­te Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts begrün­det.

Vor dem Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof war die­se Beschwer­de teil­wei­se erfolg­reich. So
hat es die Auf­la­gen, die von der Stadt Gie­ßen ver­fügt wor­den waren, teil­wei­se abge­än­dert: Nun­mehr ist die Flä­che des gesam­ten Ber­li­ner Plat­zes, nicht nur des Rat­haus-Vor­plat­zes, für die Ver­samm­lung in Form einer sta­tio­nä­ren Kund­ge­bung zuge­las­sen. Der Zeit­raum der Ver­samm­lung wird auf 14 Uhr bis 18 Uhr – statt ledig­lich einer Stun­de – aus­ge­wei­tet. Die zuge­las­se­ne Teil­neh­mer­zahl beträgt 50 statt 15 Per­so­nen.

Im Übri­gen hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die Beschwer­de zurück­ge­wie­sen und den ange­grif­fe­nen Bescheid der Stadt nicht bean­stan­det. Die von der Stadt Gie­ßen im Übri­gen ver­füg­ten Auf­la­gen sei­en recht­lich nicht zu bean­stan­den. Sie trü­gen der Beson­der­heit der Gefähr­dung des Lebens und der Gesund­heit des Ein­zel­nen durch die Coro­na-Pan­de­mie Rech­nung und wahr­ten auch im Hin­blick auf die grund­ge­setz­lich geschütz­te Ver­samm­lungs­frei­heit den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe aus­drück­lich die Mög­lich­keit zuge­las­sen, dass die Behör­de die Durch­füh­rung der Ver­samm­lun­gen nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen von bestimm­ten Auf­la­gen abhän­gig machen oder sogar ver­bie­ten kön­ne.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. April 2020 – 2 B 1031/​20

  1. Hess.VGH, Beschluss vom 14.04.2020 – 2 B 985/​20[]