Auf­sta­che­lung zum Ras­sen­hass – Kur­den-TV aus Däne­mark

Eine Aus­strah­lung und Ver­brei­tung von Fern­seh­sen­dun­gen von Dä­ne­mark aus nach bzw. in Deutsch­land, die den ver­eins­recht­li­chen Ver­bots­grund des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 3 GG er­füllt, un­ter­fällt zu­gleich dem An­wen­dungs­be­reich des Art. 22a der uni­ons­recht­li­chen Fern­­seh-Rich­t­­li­­nie, des­sen Ein­hal­tung von den Be­hör­den des Sen­de­staats zu prü­fen ist, und kann des­halb grund­sätz­lich nicht Ge­gen­stand eines ver­eins­recht­li­chen Be­tä­ti­gungs­ver­bots sein.

Auf­sta­che­lung zum Ras­sen­hass – Kur­den-TV aus Däne­mark

Mit die­ser Begrün­dung hob jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eine ent­spre­chen­de Ver­bots­ver­fü­gung des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums gegen eine däni­sche Akti­en­ge­sell­schaft wie­der auf:

Die Klä­ge­rin ist eine Akti­en- und Hol­ding­ge­sell­schaft däni­schen Rechts mit Sitz in Däne­mark. Sie gehört der däni­schen Akti­en- und Hol­ding­ge­sell­schaft M. B. A/​S (im Fol­gen­den: M.) an. Die Klä­ge­rin betreibt mit einer unter dem 9.12.2003 erteil­ten däni­schen Sen­de­li­zenz, deren Inha­be­rin M. ist, den Fern­seh­sen­der R. TV. Das vor­wie­gend in kur­di­scher Spra­che pro­du­zier­te Fern­seh­pro­gramm wird seit dem 01.03.2004 euro­pa­weit – auch nach Deutsch­land – über Satel­lit aus­ge­strahlt und kann in den nah­öst­li­chen Sied­lungs­ge­bie­ten der Kur­den, ins­be­son­de­re in der Tür­kei eben­falls emp­fan­gen wer­den. Die Klä­ge­rin ließ zeit­wei­se Sen­de­bei­trä­ge durch die in Wup­per­tal ansäs­si­ge, seit Novem­ber 2009 in Liqui­da­ti­on befind­li­che V. Fern­seh­pro­duk­ti­on GmbH (im Fol­gen­den: V.) pro­du­zie­ren.

Mit Ver­fü­gung vom 13.06.2008, die an die Klä­ge­rin, M. und V. gerich­tet war, stell­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern fest, dass der Betrieb des Fern­seh­sen­ders der Klä­ge­rin durch M. sowie die Tätig­keit der Klä­ge­rin selbst den Straf­ge­set­zen zuwi­der­lie­fen und sich gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung rich­te­ten, weil in dem Fern­seh­pro­gramm Pro­pa­gan­da für die ver­bo­te­ne PKK betrie­ben und Gewalt zur Durch­set­zung der poli­ti­schen Zie­le der PKK sowie im Ver­hält­nis zwi­schen Tür­ken und Kur­den befür­wor­tet wer­de. M. wur­de ver­bo­ten, sich im Gel­tungs­be­reich des Ver­eins­ge­set­zes durch den Sen­der der Klä­ge­rin zu betä­ti­gen. Die Klä­ge­rin wur­de eben­falls mit einem Betä­ti­gungs­ver­bot belegt. Zudem wur­de sie mit Blick auf die Tätig­keit der als ihre Teil­or­ga­ni­sa­ti­on bezeich­ne­ten V. im Gel­tungs­be­reich des Ver­eins­ge­set­zes ver­bo­ten. V. wur­de auf­ge­löst. Fer­ner wur­de die Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen der ver­bo­te­nen Orga­ni­sa­tio­nen unter­sagt und ihr im Gel­tungs­be­reich des Ver­eins­ge­set­zes vor­han­de­nes Ver­mö­gen beschlag­nahmt und ein­ge­zo­gen.

Das Ver­fah­ren über die von der Klä­ge­rin gegen die Ver­bots­ver­fü­gung erho­be­ne Kla­ge hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 1 zum Zweck der Ein­ho­lung einer Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on aus­ge­setzt. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in den Grün­den die­ses Beschlus­ses dar­ge­legt, dass das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern das mit der ange­foch­te­nen Ver­bots­ver­fü­gung aus­ge­spro­che­ne Betä­ti­gungs­ver­bot zwar zu Unrecht auf den Ver­bots­grund der Straf­ge­setz­wid­rig­keit im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 1 GG gestützt hat, die­ses jedoch nach natio­na­lem Recht sei­ne Grund­la­ge in § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 3 GG fin­det, weil sich die Klä­ge­rin gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung rich­tet. Zu einer Ent­schei­dung über die Fra­ge, ob der Her­an­zie­hung des letzt­ge­nann­ten Ver­bots­grunds die Bestim­mun­gen der gemein­schafts­recht­li­chen Fern­seh-Richt­li­nie ent­ge­gen­ste­hen, hat sich das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ohne vor­he­ri­ge Anru­fung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on nicht im Stan­de gese­hen. Es hat des­halb dem Gerichts­hof die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob und gege­be­nen­falls unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Anwen­dung einer natio­na­len Rechts­vor­schrift über ein Ver­eins­ver­bot wegen Ver­sto­ßes gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung in den durch die EU-Fern­seh-Richt­li­nie 2 koor­di­nier­ten Bereich fällt und daher gemäß Art. 2a der Richt­li­nie aus­ge­schlos­sen ist.

Einen Beschluss mit einem eben­sol­chen Inhalt hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in dem von M. gegen die Ver­bots­ver­fü­gung vom 13.06.2008 anhän­gig gemach­ten Kla­ge­ver­fah­ren erlas­sen 3. Die von V. gegen die Ver­fü­gung erho­be­ne Kla­ge hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit der Begrün­dung abge­wie­sen, dass das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern die­se Gesell­schaft nach § 3 Abs. 3 Satz 2 Ver­einsG zu Recht als nicht­ge­biet­li­che und rechts­fä­hi­ge Teil­or­ga­ni­sa­ti­on der Klä­ge­rin benannt hat 4.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat die Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen zu gemein­sa­mem Ver­fah­ren und gemein­sa­mer Ent­schei­dung ver­bun­den und mit Urteil vom 22. Sep­tem­ber 2011 5 ent­schie­den, dass Umstän­de wie die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Rede ste­hen­den, die unter eine Vor­schrift des natio­na­len Rechts fal­len, nach der Ver­stö­ße gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung ver­bo­ten sind, als vom Begriff der Auf­sta­che­lung zu Hass auf­grund von Ras­se, Geschlecht, Reli­gi­on oder Natio­na­li­tät im Sin­ne des Art. 22a der Fern­seh- Richt­li­nie umfasst anzu­se­hen sind. Die­ser Arti­kel ver­wehrt es in sei­ner Aus­le­gung durch den Gerichts­hof einem Mit­glied­staat nicht, in Anwen­dung all­ge­mei­ner Rechts­vor­schrif­ten wie dem Ver­eins­ge­setz Maß­nah­men gegen einen in einem ande­ren Mit­glied­staat nie­der­ge­las­se­nen Fern­seh­ver­an­stal­ter mit der Begrün­dung zu tref­fen, dass die Tätig­kei­ten und Zie­le die­ses Ver­an­stal­ters dem Ver­bot des Ver­sto­ßes gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung zuwi­der­lau­fen, sofern die genann­ten Maß­nah­men nicht die Wei­ter­ver­brei­tung im eigent­li­chen Sin­ne von Fern­seh­sen­dun­gen, die die­ser Ver­an­stal­ter von dem ande­ren Mit­glied­staat aus aus­strahlt, im Hoheits­ge­biet des Emp­fangs­mit­glied­staats ver­hin­dern; dies hat das natio­na­le Gericht zu prü­fen.

Die zuläs­si­ge Kla­ge ist damit begrün­det, soweit die Klä­ge­rin in der Ver­fü­gung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern vom 13.06.2008 einem Orga­ni­sa­ti­ons­ver­bot unter­wor­fen wird, soweit das gegen­über der Klä­ge­rin ver­füg­te ver­eins­recht­li­che Betä­ti­gungs­ver­bot die Aus­strah­lung und Ver­brei­tung von Fern­seh­sen­dun­gen von Däne­mark aus nach bzw. in Deutsch­land betrifft und soweit die Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen der Klä­ge­rin bei die­ser Tätig­keit ver­bo­ten wird. In die­sem Umfang ist die ange­foch­te­ne Ver­fü­gung im Sin­ne des § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO rechts­wid­rig und ver­letzt die Klä­ge­rin in ihren Rech­ten.

Für das Orga­ni­sa­ti­ons­ver­bot, mit dem das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern die Klä­ge­rin mit Blick auf die Tätig­keit von V. als ihre Teil­or­ga­ni­sa­ti­on belegt hat, besteht kein Raum. Das gegen­über der Klä­ge­rin aus­ge­spro­che­ne Betä­ti­gungs­ver­bot wird, soweit es sich auf die Aus­strah­lung und Ver­brei­tung von Fern­seh­sen­dun­gen von Däne­mark aus nach bzw. in Deutsch­land bezieht, durch § 15 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 Satz 1, § 3 Abs. 1 Satz 1 Ver­einsG, Art. 9 Abs. 2 GG und § 18 Satz 2 Ver­einsG nicht getra­gen, da hier­für kei­ner der in Betracht kom­men­den Ver­bots­grün­de her­an­ge­zo­gen wer­den kann. Des­halb kann inso­weit auch das aus­ge­spro­che­ne Kenn­zei­chen­ver­bot kei­nen Bestand haben.

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern hat gegen­über der Klä­ge­rin ein Orga­ni­sa­ti­ons­ver­bot allein des­halb ver­fügt, um V. nach § 3 Abs. 3 Ver­einsG als Teil­or­ga­ni­sa­ti­on der Klä­ge­rin erfas­sen zu kön­nen. Hier­für ist indes ein Orga­ni­sa­ti­ons­ver­bot nicht erfor­der­lich. Denn eine geeig­ne­te Grund­la­ge für eine Erstre­ckung auf Teil­or­ga­ni­sa­tio­nen gemäß § 3 Abs. 3 Ver­einsG stellt bereits das gegen­über der Klä­ge­rin erlas­se­ne und nach Maß­ga­be der fol­gen­den Dar­le­gun­gen – wenn auch nicht im Hin­blick auf die von Däne­mark aus betrie­be­ne Sen­de­tä­tig­keit der Klä­ge­rin, so doch für inlän­di­sche Betä­ti­gun­gen – teil­wei­se auf­recht zu erhal­ten­de Betä­ti­gungs­ver­bot nach § 18 Satz 2 Ver­einsG dar 6.

Die recht­li­chen Grün­de, die es im vor­lie­gen­den Fall aus­schlie­ßen, zur Recht­fer­ti­gung des erlas­se­nen Betä­ti­gungs­ver­bots auf den Ver­bots­grund der Straf­ge­setz­wid­rig­keit im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 1 GG abzu­stel­len, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 24.02.2010 7 aus­führ­lich dar­ge­stellt. Die Beklag­te ist dem im wei­te­ren Ver­lauf des Ver­fah­rens nicht mehr ent­ge­gen­ge­tre­ten. Auch auf den Ver­bots­grund des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 3 GG konn­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern das Ver­bot, was die Aus­strah­lung und Ver­brei­tung von Fern­seh­sen­dun­gen der Klä­ge­rin von Däne­mark aus nach bzw. in Deutsch­land anbe­trifft, nicht in recht­mä­ßi­ger Wei­se stüt­zen.

Die ange­foch­te­ne Ver­bots­ver­fü­gung vom 13.06.2008 ist dar­auf gerich­tet, „die Ver­brei­tung des Sen­ders R. TV in das und im Bun­des­ge­biet“ zu unter­bin­den. Ent­spre­chend die­ser der Ver­fü­gung objek­tiv zukom­men­den haupt­säch­li­chen Ziel­set­zung hat sie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Hin­blick auf den Ver­bots­grund des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 3 GG in sei­nem Beschluss vom 24.02.2010 über­prüft. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nach Inaugen­sch­ein­nah­me exem­pla­ri­scher Bestand­tei­le des Fern­seh­pro­gramms der Klä­ge­rin fest­ge­stellt, dass die Klä­ge­rin sich sowohl in objek­ti­ver als auch in sub­jek­ti­ver Hin­sicht gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung rich­tet. Die Klä­ge­rin berich­tet nicht neu­tral über die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen tür­ki­schen und kur­di­schen Volks­zu­ge­hö­ri­gen in der Tür­kei, son­dern unter­stützt den Ein­satz von Gue­ril­la­ein­hei­ten und das Ver­üben von Anschlä­gen durch die PKK, indem sie sich deren Posi­tio­nen in ein­deu­tig erkenn­ba­rer, mas­si­ver und das Fern­seh­pro­gramm prä­gen­der Wei­se zu eigen macht.

Aus der von dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein­ge­hol­ten Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ergibt sich indes, dass das gegen­über der Klä­ge­rin ange­ord­ne­te Betä­ti­gungs­ver­bot nicht auf die­se Begrün­dung gestützt wer­den darf. Denn der Euro­päi­sche Gerichts­hof hat in sei­nem Urteil vom 22.09.2011 dar­ge­legt, dass die von dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in dem Fern­seh­pro­gramm der Klä­ge­rin fest­ge­stell­ten Umstän­de dem Anwen­dungs­be­reich des Art. 22a der Fern­seh-Richt­li­nie unter­fal­len und die Beach­tung die­ser Vor­schrift – gemäß Art. 3 Abs. 2 der Fern­seh-Richt­li­nie – von den Behör­den des­je­ni­gen Mit­glied­staats zu prü­fen ist, des­sen Rechts­ho­heit der betref­fen­de Fern­seh­ver­an­stal­ter unter­liegt. Dies ist im vor­lie­gen­den Fall Däne­mark. Die zustän­di­ge däni­sche Stel­le hat eine Ver­let­zung des Art. 22a der Fern­seh-Richt­li­nie durch die inhalt­li­che Aus­rich­tung des Fern­seh­pro­gramms der Klä­ge­rin ver­neint.

Wenn nach den wei­te­ren Dar­le­gun­gen des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on unter Bezug­nah­me auf das De Agosti­ni-Urteil 8 gleich­wohl die Anwen­dung von Rechts­vor­schrif­ten eines Mit­glied­staats, die – wie hier die Rege­lun­gen des Ver­eins­ge­set­zes – nicht spe­zi­ell die Aus­strah­lung und Ver­brei­tung von Fern­seh­pro­gram­men betref­fen, son­dern all­ge­mein der öffent­li­chen Ord­nung die­nen, nicht völ­lig und von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen ist, so gilt dies nicht, wenn dadurch in dem Hoheits­ge­biet des betref­fen­den Mit­glied­staats die Wei­ter­ver­brei­tung im eigent­li­chen Sin­ne von Fern­seh­sen­dun­gen aus einem ande­ren Mit­glied­staat ver­hin­dert wird. Eine sol­che Ver­hin­de­rung stellt es jeden­falls dar, wenn der Emp­fangs­staat durch die Anwen­dung sei­ner all­ge­mei­nen ord­nungs­recht­li­chen Regeln eine zwei­te Kon­trol­le von Fern­seh­sen­dun­gen zusätz­lich zu der von dem Sen­de­staat durch­zu­füh­ren­den Kon­trol­le vor­nimmt. Auf Grund einer sol­chen unzu­läs­si­gen zwei­ten Kon­trol­le hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern der Sache nach den hier in Rede ste­hen­den Teil des gegen die Klä­ge­rin gerich­te­ten Betä­ti­gungs­ver­bots erlas­sen.

An die­ser ein­deu­ti­gen Fest­stel­lung ändert sich nichts dadurch, dass der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on wei­ter aus­ge­führt hat, die am Ver­fah­ren betei­lig­te Bun­des­re­gie­rung habe geäu­ßert, dass sie unge­ach­tet der Wei­te des von dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern ver­füg­ten Betä­ti­gungs­ver­bots nicht in der Lage sei, Aus­wir­kun­gen von im Aus­land pro­du­zier­ten Fern­seh­sen­dun­gen in Deutsch­land zu ver­hin­dern, und des­halb der Emp­fang des Pro­gramms der Klä­ge­rin in Deutsch­land tat­säch­lich wei­ter­hin mög­lich sei. Die Beklag­te miss­ver­steht die­se Dar­le­gun­gen des Gerichts­hofs, wenn sie meint, die­ser habe zwi­schen dem recht­li­chen, die Sen­de­tä­tig­keit betref­fen­den Betä­ti­gungs­ver­bot und der tat­säch­li­chen Ver­hin­de­rung der Aus­strah­lung oder Wei­ter­ver­brei­tung als sol­cher unter­schie­den und ledig­lich in der letzt­ge­nann­ten Hin­sicht einen Wider­spruch zu den Bestim­mun­gen der Fern­seh-Richt­li­nie gese­hen. Dass dem nicht so ist, wird dar­an deut­lich, dass nach den Vor­ga­ben des Gerichts­hofs für die Fra­ge der Ver­hin­de­rung der Wei­ter­ver­brei­tung im eigent­li­chen Sin­ne von Fern­seh­sen­dun­gen maß­geb­lich auf das – hier erfüll­te – recht­li­che Kri­te­ri­um der von dem Emp­fangs­staat ein­ge­führ­ten zwei­ten Kon­trol­le von Fern­seh­sen­dun­gen abzu­stel­len ist.

Da der Klä­ge­rin hier­nach die von Däne­mark aus vor­ge­nom­me­ne Sen­de­tä­tig­keit zu Unrecht unter­sagt wor­den ist, muss inso­weit auch das in der ange­foch­te­nen Ver­fü­gung ent­hal­te­ne Ver­bot der Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen der Klä­ge­rin auf­ge­ho­ben wer­den. Es kann in die­ser Hin­sicht nicht auf § 9 Abs. 1 Satz 1 Ver­einsG gestützt wer­den.

Dem­ge­gen­über hat die Kla­ge gegen die Ver­fü­gung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern vom 13.06.2008 in der Sache kei­nen Erfolg, soweit der Klä­ge­rin damit Betä­ti­gun­gen ver­bo­ten wer­den, die von ihr im Hoheits­ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus­ge­hen oder dort zu ihren Guns­ten vor­ge­nom­men wer­den. Glei­ches gilt für die Erstre­ckung des Kenn­zei­chen­ver­bots auf die­se Tätig­kei­ten und die wei­ter ange­ord­ne­te Beschlag­nah­me und Ein­zie­hung des im Gel­tungs­be­reich des Ver­eins­ge­set­zes vor­han­de­nen Ver­mö­gens der Klä­ge­rin.

Das mit der ange­foch­te­nen Ver­fü­gung gegen­über der Klä­ge­rin aus­ge­spro­che­ne Betä­ti­gungs­ver­bot soll zwar nach sei­nem objek­ti­ven Erklä­rungs­ge­halt in ers­ter Linie die Aus­strah­lung und Ver­brei­tung von Fern­seh­sen­dun­gen unter­bin­den, die die Klä­ge­rin von Däne­mark aus nach bzw. in Deutsch­land vor­nimmt. Das Ver­bot greift jedoch dar­über hin­aus und erfasst auch Betä­ti­gun­gen in Deutsch­land, die auf die Klä­ge­rin bezo­gen sind. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob die­se Tätig­kei­ten für sich genom­men den Ver­bots­grund des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 3 GG ver­wirk­li­chen, da die­ser – wie dar­ge­legt – bereits durch die von Däne­mark aus betrie­be­ne Sen­de­tä­tig­keit der Klä­ge­rin erfüllt wird und inso­weit ledig­lich auf Grund Uni­ons­rechts nicht anwend­bar ist.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat als in Betracht kom­men­de inlän­di­sche Betä­ti­gun­gen die Pro­duk­ti­on von Sen­dun­gen, die Orga­ni­sa­ti­on von Ver­an­stal­tun­gen, bei denen Sen­dun­gen der Klä­ge­rin in einem öffent­li­chen Rah­men gezeigt wer­den, sowie all­ge­mein im deut­schen Hoheits­ge­biet statt­fin­den­de Unter­stüt­zungs­ak­ti­vi­tä­ten benannt. Der Gerichts­hof hat ange­merkt, das Ver­bot der­ar­ti­ger Tätig­kei­ten stel­le – vor­be­halt­lich einer Über­prü­fung sei­ner kon­kre­ten Wir­kun­gen durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt – grund­sätz­lich kein Hin­der­nis für die Wei­ter­ver­brei­tung im eigent­li­chen Sin­ne von Fern­seh­sen­dun­gen dar und wer­de des­halb durch Art. 22a der Fern­seh-Richt­li­nie nicht aus­ge­schlos­sen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sieht kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass der Inlands­be­zug des gegen­über der Klä­ge­rin erlas­se­nen Betä­ti­gungs­ver­bots zu einem sol­chen Wei­ter­ver­brei­tungs­hin­der­nis führt. Soweit die Betei­lig­ten ein­schlä­gi­ge inlän­di­sche Betä­ti­gun­gen nam­haft gemacht haben, hat sie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in den Grün­den sei­nes Beschlus­ses vom 24.02.2010 9 im Rah­men der Prü­fung des Ver­bots­grunds des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 1 GG nicht für hin­rei­chend gewich­tig erach­tet, den Cha­rak­ter der Klä­ge­rin als straf­ge­setz­wid­rig zu prä­gen. In Ent­spre­chung dazu kann das Ver­bot die­ser Betä­ti­gun­gen kei­ne Wir­kun­gen ent­fal­ten, die im Hin­blick auf die Wei­ter­ver­brei­tung im eigent­li­chen Sin­ne der von der Klä­ge­rin von Däne­mark aus aus­ge­strahl­ten Fern­seh­sen­dun­gen in beacht­li­cher Wei­se ins Gewicht fal­len.

Für die auf die Klä­ge­rin bezo­ge­nen inlän­di­schen Betä­ti­gun­gen fin­det das in der ange­foch­te­nen Ver­fü­gung aus­ge­spro­che­ne Ver­bot der Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen der Klä­ge­rin sei­ne Rechts­grund­la­ge in § 9 Abs. 1 Satz 1 Ver­einsG. Es knüpft mit sei­nen tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen an das inso­weit zu Recht ver­häng­te Betä­ti­gungs­ver­bot an.

Glei­ches gilt für die wei­ter­hin ange­ord­ne­te Beschlag­nah­me und Ein­zie­hung des im Gel­tungs­be­reich des Ver­eins­ge­set­zes vor­han­de­nen Ver­mö­gens der Klä­ge­rin. Die­se Maß­nah­men hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern zu Recht auf § 3 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1, § 11 Ver­einsG gestützt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Gerichts­be­scheid vom 23. Juli 2012 – 6 A 4.11

  1. BVerwG, Beschluss vom 24.02.2010 – 6 A 7.08, Buch­holz 402.45 Ver­einsG Nr. 52[]
  2. Richt­li­nie 89/​552/​EWG des Rates vom 03.10.1989 zur Koor­di­nie­rung bestimm­ter Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten über die Aus­übung der Fern­seh­tä­tig­keit, ABl.EU EG Nr. L 298 S. 23, in der Fas­sung der Ände­rungs­richt­li­nie 97/​36/​EG vom 30.06.1997, ABl.EU EG Nr. L 202 S. 60[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 24.02.2010 – 6 A 6.08[]
  4. BVerwG, Urteil vom 24.02.2010 – 6 A 5.08, Buch­holz 402.45 Ver­einsG Nr. 52[]
  5. EuGH, Urteil vom 22.09.2011 – C‑244/​10 und C245/​10[]
  6. vgl. BVerwG, Urteil vom 28.01.1997 – 1 A 13.93, Buch­holz 402.45 Ver­einsG Nr. 26 S. 97, Urteil vom 24.02.2010 a.a.O. Rn. 25[]
  7. BVerwG, Beschluss vom 24.02.2010, a.a.O. Rn. 25 ff.[]
  8. EuGH, Urteil vojm 09.07.1997 – C‑34/​95 [De Agosti­ni][]
  9. BVerwG, Beschluss vom 24.02.2010 – a.a.O. Rn. 38 ff.[]