Aus­kunft über Hono­ra­re aus der Stein­brück-Zeit

Alle Behör­den sind nach dem Ber­li­ner Pres­se­ge­setz ver­pflich­tet, der Pres­se zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­be Aus­künf­te zu ertei­len. Die pri­va­ten Inter­es­sen einer Kanz­lei sind bei einer Abwä­gung mit dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit über gezahl­te Bera­ter­ho­no­ra­re nicht schutz­wür­dig.

Aus­kunft über Hono­ra­re aus der Stein­brück-Zeit

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in einem Eil­ver­fah­ren, in dem es um die Aus­kunfter­tei­lung über Hono­ra­re ging, die das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um einer Anwalts­kanz­lei für deren Bera­ter­tä­tig­keit in der Zeit von 2005 bis 2009 gezahlt hat. Das Minis­te­ri­um hat­te die Kanz­lei unter dem dama­li­gen Finanz­mi­nis­ter Peer Stein­brück u.a. mit der Bera­tung zu Gesetz­ge­bungs­vor­ha­ben im Zusam­men­hang mit der Finanz­markt­kri­se beauf­tragt. Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um lehn­te den Antrag auf Aus­kunft über die Gesamt­sum­me der im frag­li­chen Zeit­raum gezahl­ten Bera­ter­ho­no­ra­re ab, weil ansons­ten Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se der Kanz­lei ver­letzt wür­den und ein Zusam­men­hang zwi­schen den jewei­li­gen Hono­rar­sum­men nicht her­ge­stellt wer­den kön­ne.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin sei­en alle Behör­den nach dem Ber­li­ner Pres­se­ge­setz ver­pflich­tet, der Pres­se zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­be Aus­künf­te zu ertei­len. Dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen ste­he dem­ge­gen­über kein Aus­kunfts­ver­wei­ge­rungs­recht zu. Die pri­va­ten Inter­es­sen der Kanz­lei sei­en bei einer Abwä­gung mit dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit nicht schutz­wür­dig. Mit Blick auf die kom­men­de Bun­des­tags­wahl im Herbst 2013 bestehe ein brei­tes öffent­li­ches Inter­es­se an umfas­sen­der Infor­ma­ti­on über den Kanz­ler­kan­di­da­ten der SPD; die­ses erstre­cke sich – neben des­sen schon bis­her breit in der Öffent­lich­keit dis­ku­tier­ten Neben­ein­künf­ten in der Zeit als ein­fa­cher Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter- auch auf Fra­gen der bis­he­ri­gen Füh­rung von poli­ti­schen Ämtern. Die Infor­ma­tio­nen hier­über sei­en für eine Wahl­ent­schei­dung der Bür­ger rele­vant. Durch die Ertei­lung der begehr­ten Aus­kunft sei­en etwai­ge Geschäfts­ge­heim­nis­se der Kanz­lei, die sich auf den Zeit­raum zwi­schen 2005 und 2009 bezö­gen, allen­falls gering­fü­gig betrof­fen, und es sei nicht nach­voll­zieh­bar, wes­halb hier­durch zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch Wett­be­werbs­nach­tei­le ent­ste­hen könn­ten. Da das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit maß­geb­lich von der Aktua­li­tät der Bericht­erstat­tung abhän­ge, sei die Pres­se zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben auf eine zeit­na­he Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung ange­wie­sen; eine rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung in einem noch anzu­stren­gen­den Haupt­sa­che­ver­fah­ren kön­ne bis zur Bun­des­tags­wahl jedoch nicht mehr erwar­tet wer­den, wes­we­gen der Anspruch unmit­tel­bar erfüllt wer­den müs­se.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 20. Dezem­ber 2012 – 27 L 259.12