Aus­kunft vom Ver­fas­sungs­schutz für einen Jour­na­lis­ten

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat die Aus­kunfts­kla­ge eines Jour­na­lis­ten gegen den Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) über­wie­gend abge­wie­sen. Dem – eige­ne Daten des Jour­na­lis­ten betref­fen­den – Aus­kunfts­an­spruch ste­hen nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts Aus­kunfts­ver­wei­ge­rungs­rech­te des Nach­rich­ten­diens­tes ent­ge­gen.

Aus­kunft vom Ver­fas­sungs­schutz für einen Jour­na­lis­ten

Der Klä­ger ist als Jour­na­list bei der Ber­li­ner Zei­tung tätig. Ein vom Par­la­men­ta­ri­schen Kon­troll­gre­mi­um des Deut­schen Bun­des­ta­ges in Auf­trag gege­be­nes Rechts­gut­ach­ten ("Schä­fer-Bericht") gelang­te zu dem Ergeb­nis, dass der Klä­ger im Rah­men der im Früh­jahr 2001 ein­ge­lei­te­ten "Ope­ra­ti­on M" unter Ver­stoß gegen die Pres­se­frei­heit aus­ge­späht wor­den war.

Auf eine ers­te Kla­ge hin wur­de der BND im Novem­ber 2007 vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­pflich­tet, dem Klä­ger Aus­kunft über die zu sei­ner Per­son in den Akten ent­hal­te­nen Daten zu ertei­len 1.

Mit Schrei­ben vom 12. Febru­ar 2008 teil­te der BND auf meh­re­ren Sei­ten in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge auf­ge­lis­te­te Infor­ma­tio­nen mit. ihm Aus­kunft über die zu sei­ner Per­son in den Akten des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes ent­hal­te­nen Daten zu ertei­len. Mit Schrei­ben vom 12. Febru­ar 2008 teil­te der Bun­des­nach­rich­ten­dienst dem Klä­ger mit, eine „expli­zi­te Per­so­nal­ak­te" zu ihm exis­tie­re nicht. Viel­mehr fän­den sich Detail­in­for­ma­tio­nen zur Per­son in ver­schie­de­nen Sach­ak­ten zu – vom BND – unter­such­ten oder ver­mu­te­ten Infor­ma­ti­ons­ab­flüs­sen an die Pres­se. Auf meh­re­ren Sei­ten wur­den die­se Infor­ma­tio­nen in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge auf­ge­lis­tet. Bei­gefügt war noch eine mehr­sei­ti­ge Lis­te mit Arti­keln des Klä­gers, die in ver­schie­de­nen Zei­tun­gen ver­öf­fent­licht wor­den waren.

Mit Schrei­ben vom 18. März 2008 an den Bun­des­nach­rich­ten­dienst nahm der Klä­ger Bezug auf das Schrei­ben der Beklag­ten vom 12. Febru­ar 2008 und erklär­te, die erteil­te Aus­kunft genü­ge nicht. Der Tenor des Urteils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts wer­de dadurch nicht erfüllt. Zur Kon­kre­ti­sie­rung lis­te­te er eine Rei­he von Sach­ver­halts­fra­gen auf, die mit der erteil­ten Aus­kunft nicht beant­wor­tet wür­den.

Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst erwi­der­te dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 4. Juni 2008, soweit sich die auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen auf die Quel­le der Infor­ma­tio­nen bezie­he, wer­de auf die Schran­ken­vor­schrift des § 15 Abs. 3 BVerfSchG ver­wie­sen, wel­che über § 7 Satz 1 BNDG anwend­bar sei. Nach § 15 Abs. 3 BVerfSchG erstre­cke sich die Aus­kunfts­ver­pflich­tung dem­nach nicht auf die Her­kunft der Daten.

Dar­auf­hin hat der Klä­ger die vor­lie­gen­de Kla­ge erho­ben. Zur Begrün­dung wird im Wesent­li­chen auf zwölf von ihm for­mu­lier­te Fra­gen ver­wie­sen, die von der Beklag­ten nicht oder unvoll­stän­dig beant­wor­tet wor­den sei­en. Dazu sei sie aber nach dem Urteil vom 28. Novem­ber 2007 und gem. § 7 BNDG i.V.m. § 4 BNDG, §§ 10, 15 BVerfSchG ver­pflich­tet.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat zwar ange­nom­men, dass die meis­ten Aus­kunfts­fra­gen zur Per­son des Klä­gers gespei­cher­te Daten betra­fen. Jedoch hat es den Aus­kunfts­an­spruch wegen ent­ge­gen­ste­hen­der gesetz­li­cher Aus­kunfts­ver­wei­ge­rungs­grün­de für unbe­grün­det gehal­ten, weil die Aus­for­schung der Arbeits­wei­se des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes zu befürch­ten war und der Aus­kunfts­an­spruch sich nicht auf die Her­kunft der Daten und die Emp­fän­ger der Über­mitt­lun­gen erstreckt.

Hin­sicht­lich einer Fra­ge hat der BND sich in der münd­li­chen Ver­hand­lung bereit erklärt, dem Klä­ger eine ergän­zen­de Aus­kunft zu ertei­len.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. März 2010 – 6 A 2.09

  1. BVerwG, Urteil vom 28.11.2007 – 6 A 2.07[]