Aus­le­gung öf­­f­en­t­­lich-rech­t­­li­cher Willenserklärungen

Die Aus­le­gung von öf­­f­en­t­­lich-rech­t­­li­chen Wil­lens­er­klä­run­gen ist vor allem im Hin­blick auf die Er­fas­sung des Er­klä­rungs­wort­lauts und der Sich­tung und Auf­klä­rung der für die Be­deu­tung der Er­klä­rung er­heb­li­chen Um­stän­de ein Akt der Tat­sa­chen­fest­stel­lung, da­ge­gen er­gibt sich erst aus dem ma­­te­­ri­ell-rech­t­­li­chen Hin­ter­grund einer Er­klä­rung, wel­che Re­ge­lung mit ihr an­ge­strebt wird.

Aus­le­gung öf­­f­en­t­­lich-rech­t­­li­cher Willenserklärungen

Zwar han­delt es sich auch um die Fest­stel­lung von Tat­sa­chen, wenn der Inhalt von mate­ri­ell-recht­lich erheb­li­chen Wil­lens­er­klä­run­gen durch Aus­le­gung zu ermit­teln ist [1].

Jedoch ist die­se Aus­le­gung nicht aus­schließ­lich ein Akt der Tat­sa­chen­fest­stel­lung.

Auf tat­säch­li­chem Gebiet liegt vor allem die Erfas­sung des Wort­lauts einer Erklä­rung und die Sich­tung und Auf­klä­rung der tat­säch­li­chen Umstän­de, die für die gewoll­te Bedeu­tung der Erklä­rung erheb­lich sind. 

Dage­gen ergibt sich erst aus dem mate­ri­ell-recht­li­chen Hin­ter­grund der Erklä­rung, ob mit ihr eine recht­li­che Rege­lung ange­strebt wird und wel­chen Inhalt die­se gege­be­nen­falls haben kann [2].

Ent­spre­chend kann ein Ver­stoß gegen die Denk­ge­set­ze als Ver­fah­rens­feh­ler nur dann gel­tend gemacht wer­den, wenn er sich auf die tat­säch­li­che Wür­di­gung beschränkt und die recht­li­che Sub­sum­ti­on nicht berührt [3].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. März 2013 – 6 B 50.12

  1. vgl. für Ver­trä­ge: BVerwG, Beschluss vom 24.01.1991 – 8 B 164.90, Buch­holz 316 § 54 VwVfG Nr. 6 S. 14, Urteil vom 20.03.2003 – 2 C 23.02, NVwZ-RR 2003, 874 f.[]
  2. Neu­mann, in: Sodan/​Ziekow, VwGO, 3. Aufl.2010, § 137 Rn. 165[]
  3. BVerwG, Urteil vom 19.01.1990 – 4 C 28.89, BVerw­GE 84, 271, 272 = Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 225 S. 75; Beschluss vom 03.04.1996 – 4 B 253.95, Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 269 S. 27 f.[]