Aus­rei­se­ge­wahr­sam – und der erfor­der­li­che Antrag der Behör­de

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung 1.

Aus­rei­se­ge­wahr­sam – und der erfor­der­li­che Antrag der Behör­de

Die ord­nungs­ge­mä­ße Antrag­stel­lung der Behör­de nach § 417 FamFG stellt eine Ver­fah­rens­ga­ran­tie dar, deren Beach­tung Art. 104 Abs. 1 GG for­dert 2.

Das gilt nicht nur, wenn der Haft­an­trag nicht den in § 417 Abs. 2 FamFG auf­ge­stell­ten Begrün­dungs­er­for­der­nis­sen ent­spricht 3, son­dern erst recht dann, wenn es an dem für die ange­ord­ne­te Frei­heits­ent­zie­hung erfor­der­li­chen Haft­an­trag der Behör­de über­haupt fehlt 4.

Dies ist auch der Fall, wenn statt der bean­trag­ten einst­wei­li­gen Anord­nung eine Haft­ent­schei­dung in der Haupt­sa­che ergeht, denn der Antrag der Behör­de auf eine vor­läu­fi­ge Frei­heits­ent­zie­hung im Wege einst­wei­li­ger Anord­nung ist kei­ne geeig­ne­te Grund­la­ge für den Erlass einer Haft­an­ord­nung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren. Ein Antrag nach § 51 Abs. 1 Satz 1 FamFG steht einem Antrag nach § 417 Abs. 1 FamFG auf Erlass einer Haft­an­ord­nung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren schon wegen der unter­schied­li­chen ver­fah­rens­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht gleich 5.

Nach die­sen Maß­stä­ben lag im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der für die Haft­an­ord­nung des Amts­ge­richts erfor­der­li­che Antrag nicht vor, denn die betei­lig­te Behör­de hat aus­drück­lich um eine vor­läu­fi­ge Frei­heits­ent­zie­hung im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung (§ 427 FamFG) nach­ge­sucht. Der für die ergan­ge­ne Haft­an­ord­nung erfor­der­li­che Antrag ist von der betei­lig­ten Behör­de auch nicht nach­träg­lich gestellt wor­den.

Zwar kann ein zunächst unter­blie­be­ner Haft­an­trag von der Behör­de auch nach­träg­lich auch in der Beschwer­de­instanz gestellt wer­den. Hier­mit wird die mit einer rich­ter­li­chen Haft­an­ord­nung ohne behörd­li­chen Antrag ein­her­ge­hen­de Ver­let­zung des Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG aber nicht rück­wir­kend geheilt, son­dern ledig­lich been­det 6. Ein nun­mehr nach­ge­hol­ter Haft­an­trag hät­te somit hier auf die Rechts­wid­rig­keit der Haft­an­ord­nung kei­ne Aus­wir­kun­gen, da die ange­ord­ne­te Haft­zeit bereits abge­lau­fen ist 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Okto­ber 2018 – V ZB 38/​18

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 27.10.2011 – V ZB 311/​10, FGPrax 2012, 82 Rn. 12 ff.; Beschluss vom 30.03.2017 – V ZB 128/​16, NVwZ 2017, 1231 Rn. 6; Beschluss vom 17.05.2018 – V ZB 92/​16 5 jeweils mwN[]
  2. BVerfG, NVwZRR 2009, 304, 305; BGH, Beschluss vom 29.04.2010 – V ZB 218/​09, NVwZ 2010, 1508 Rn.19; Beschluss vom 09.02.2012 – V ZB 305/​10 10 st. Rspr.[]
  3. BGH, Beschluss vom 18.07.2014 – V ZB 80/​13, InfAuslR 2014, 384 Rn.19 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 18.12 2014 – V ZB 114/​13, FGPrax 2015, 91 Rn. 9; Beschluss vom 29.04.2010 – V ZB 218/​09, NVwZ 2010, 1508 Rn. 12[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 18.12 2014 – V ZB 114/​13, aaO Rn. 11 ff.[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 18.12 2014 – V ZB 114/​13, FGPrax 2015, 91 Rn. 15[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 25.01.2018 – V ZB 201/​17 10[]