Aus­rei­se­ver­bot wäh­rend des NATO-Gip­fels

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt hat zwei Eil­an­trä­ge gegen von der Poli­zei ver­häng­te Aus­rei­se­ver­bo­te nach Frank­reich wäh­rend des NATO-Gip­fels abge­lehnt.

Aus­rei­se­ver­bot wäh­rend des NATO-Gip­fels

Die bei­den Antrag­stel­ler waren am 31. März 2009 in ihrem Wohn­mo­bil am Grenz­über­gang Schei­ben­hardt von der Poli­zei kon­trol­liert wor­den. Hier­bei erklär­ten sie, nach Straß­burg fah­ren zu wol­len, und zwar zum Camp der Pro­test­be­we­gung gegen den am 4. April 2009 dort statt­fin­den­den NATO-Gip­fel. Dar­auf­hin unter­sag­te ihnen die Bun­des­po­li­zei­in­spek­ti­on Kai­sers­lau­tern die Aus­rei­se nach Frank­reich für die Zeit vom 31. März bis 6. April 2009.

Hier­ge­gen erho­ben die Betrof­fe­nen Wider­spruch und wand­ten sich zugleich – da eine sol­che Anord­nung trotz Wider­spruchs sofort zu befol­gen ist – mit Eil­an­trä­gen an das Ver­wal­tungs­ge­richt.

Das Gericht hat die Anträ­ge abge­lehnt: Nach dem Pass­ge­setz kön­ne einem Deut­schen die Aus­rei­se in das Aus­land unter­sagt wer­den, wenn Tat­sa­chen die Annah­me recht­fer­tig­ten, dass erheb­li­che Belan­ge der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gefähr­det sei­en. Das NATO-Gip­fel­tref­fen wer­de in der Grenz­re­gi­on Straß­burg-Kehl mit erheb­li­cher zumin­dest orga­ni­sa­to­ri­scher Betei­li­gung der Bun­des­re­pu­blik, die selbst der NATO ange­hö­re, ver­an­stal­tet. Die erheb­li­chen Belan­ge der Bun­des­re­pu­blik bestün­den in die­ser kon­kre­ten Situa­ti­on vor allem in dem star­ken eige­nen Inter­es­se Deutsch­lands an der ord­nungs­ge­mä­ßen Durch­füh­rung des Gip­fel­tref­fens, die ins­be­son­de­re davon abhän­ge, dass es nicht zu gewalt­sa­men Pro­test­ak­tio­nen kom­me.

Bei bei­den Antrag­stel­lern begrün­de­ten Tat­sa­chen die Annah­me, dass die­se beab­sich­tig­ten, sich in Straß­burg an mög­li­cher­wei­se gewalt­sa­men Aus­schrei­tun­gen zu betei­li­gen. Zum Einen lägen aus der Ver­gan­gen­heit bereits ent­spre­chen­de poli­zei­li­che Erkennt­nis­se vor. Zum Ande­ren habe die Poli­zei in dem Wohn­mo­bil Gegen­stän­de gefun­den, näm­lich u. a. schwar­ze Klei­dungs­stü­cke und Tücher/​Schals, die dafür sprä­chen, dass die Antrag­stel­ler dem poten­ti­ell mili­tan­ten Spek­trum der Pro­test­be­we­gung zuzu­rech­nen sei­en. Die­se zei­ge sich bei ver­gleich­ba­ren Ereig­nis­sen häu­fig in Form eines sog. „schwar­zen Blocks”. Hier­un­ter wür­den Grup­pen aus der auto­no­men lin­ken (anar­chis­tisch oder kom­mu­nis­tisch den­ken­den) Sze­ne ver­stan­den, die sich in durch­ge­hend schwar­zer Auf­ma­chung und teil­wei­se auch mit durch schwar­ze Tücher ver­hüll­ten Gesich­tern zusam­men­fän­den. Die­se Grup­pen sei­en zum Bei­spiel bei den Demons­tra­tio­nen zum G8-Gip­fel in Genua, bei sons­ti­gen Tref­fen von Staats­chefs oder auch bei Demons­tra­tio­nen gegen rech­te Grup­pie­run­gen häu­fig durch gewalt­sa­me Aktio­nen und Kra­wal­le auf­ge­fal­len.

Einer der Betrof­fe­nen habe zudem eine Klet­ter­aus­rüs­tung mit sich geführt, die nach den Erfah­run­gen der Poli­zei zu Ankett­ak­tio­nen oder ähn­li­chen gesetz­wid­ri­gen Pro­test­hand­lun­gen mit poten­ti­el­lem Nöti­gungs­cha­rak­ter ver­wen­det wer­den kön­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Beschlüs­se vom 2. April 2009 – 5 L 295/​09.NW und 5 L 297/​09.NW