Aus­weis­kon­trol­le wegen dunk­ler Haut­far­be

Ein an einen dun­kel­häu­ti­gen Bahn­fah­rer gerich­te­te Aus­weis­ver­lan­gen von Beam­ten der Bun­des­po­li­zei ist dann rechts­wid­rig, wenn die Haut­far­be einer Per­son das aus­schlag­ge­ben­de Kri­te­ri­um für die Aus­weis­kon­trol­le gewe­sen ist.

Aus­weis­kon­trol­le wegen dunk­ler Haut­far­be

Mit die­sem Hin­weis hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz nach Been­di­gung der Beweis­auf­nah­me die Ver­tre­ter der Bun­des­po­li­zei dazu bewe­gen kön­nen, sich bei dem Klä­ger in dem hier vor­lie­gen­den Fall für die Kon­trol­le im Zug zu ent­schul­digt. Dar­auf­hin haben alle Ver­fah­ren­be­tei­lig­ten den Rechts­streit in der Haupt­sa­che für erle­digt erklärt.

Der Klä­ger, ein 26-jäh­ri­ger Deut­scher, wur­de auf einer Zug­fahrt von Kas­sel nach Frank­furt am Main von zwei Bun­des­po­li­zis­ten ange­spro­chen und auf­ge­for­dert, sich aus­zu­wei­sen. Dies ver­wei­ger­te der Klä­ger. Dar­auf­hin durch­such­ten die Poli­zis­ten sei­nen Ruck­sack ver­geb­lich nach Aus­weis­pa­pie­ren und nah­men ihn mit zu ihrer Dienst­stel­le nach Kas­sel, wo sei­ne Per­so­na­li­en fest­ge­stellt wer­den konn­ten. Die Beam­ten berie­fen sich auf eine Vor­schrift des Bun­des­po­li­zei­ge­set­zes, wonach die Bun­des­po­li­zei zur Ver­hin­de­rung oder Unter­bin­dung uner­laub­ter Ein­rei­se in das Bun­des­ge­biet in Zügen jede Per­son kurz­fris­tig anhal­ten, befra­gen und von ihr die Aus­hän­di­gung mit­ge­führ­ter Aus­weis­pa­pie­re ver­lan­gen kann, soweit auf­grund von Lage­er­kennt­nis­sen oder grenz­po­li­zei­li­cher Erfah­rung anzu­neh­men ist, dass der Zug zur uner­laub­ten Ein­rei­se genutzt wer­de. Mit sei­ner Kla­ge mach­te der Klä­ger gel­tend, er sei allein wegen sei­ner dunk­le­ren Haut­far­be kon­trol­liert wor­den. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz1 wies die Kla­ge ab.

Das sah das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz anders: Es ver­nahm die bei­den Bun­des­po­li­zis­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung als Zeu­gen. Nach Been­di­gung der Beweis­auf­nah­me mach­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt deut­lich, dass das an den Klä­ger gerich­te­te Aus­weis­ver­lan­gen rechts­wid­rig war, weil die Haut­far­be des Klä­gers das aus­schlag­ge­ben­de Kri­te­ri­um für die Aus­weis­kon­trol­le gewe­sen sei. Die­se Maß­nah­me habe daher gegen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot in Art. 3 Abs. 3 des Grund­ge­set­zes ver­sto­ßen.

Nach­dem sich die Ver­tre­ter der Bun­des­po­li­zei bei dem Klä­ger für die Kon­trol­le im Zug ent­schul­digt hat­ten, erklär­ten die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten den Rechts­streit in der Haupt­sa­che für erle­digt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt erklär­te das erst­in­stanz­li­che Urteil für wir­kungs­los und leg­te der Beklag­ten die Kos­ten des Ver­fah­rens auf.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 29. Okto­ber 2012 – 7 A 10532/​12.OVG

  1. VG Koblenz, Urteil vom 28.02.2012 – 5 K 1026/​11.KO