Aus­wei­sungs­ver­fü­gung bei meh­re­ren Straf­ta­ten

Die Abschie­bung eines Aus­län­ders aus der Haft her­aus und ein auf vier Jah­re nach der Abschie­bung bemes­se­ne Ver­bot, wie­der in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­zu­rei­sen, ver­letzt die Rech­te des Aus­län­ders nicht, wenn zu befürch­ten ist, dass er nach sei­ner Ent­las­sung aus der Haft wei­ter­hin Straf­ta­ten bege­hen wird, so wie er seit sei­ner Jugend per­ma­nent straf­fäl­lig gewor­den ist. Das Inter­es­se der All­ge­mein­heit, zu ver­hin­dern, dass er wei­te­re schwe­re Straf­ta­ten begeht, über­wiegt auch sein Inter­es­se dar­an, im Bun­des­ge­biet zu blei­ben, um den fami­liä­ren Kon­takt zu sei­ner min­der­jäh­ri­gen Toch­ter zu hal­ten.

Aus­wei­sungs­ver­fü­gung bei meh­re­ren Straf­ta­ten

Mit die­ser Begün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines ser­bi­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen abge­wie­sen, mit der er die Auf­he­bung der gegen ihn gerich­te­ten aus­län­der­recht­li­chen Maß­nah­men begehr­te. Der im Jah­re 1987 gebo­re­ne Klä­ger reis­te 1988 mit sei­nen Eltern in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein. Er ist Vater einer min­der­jäh­ri­gen Toch­ter, die die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besitzt. Nach zuvor abge­ur­teil­ten zahl­rei­chen Straf­ta­ten beging er bis zum Febru­ar 2011 im Wesent­li­chen im Bereich des Land­krei­ses Ems­land als Haupt­tä­ter einer Ban­de (erneut) mehr als ein­hun­dert, z.T. schwe­re Delik­te, ins­be­son­de­re eine Viel­zahl ban­den­mä­ßi­ger Ein­bruchs­dieb­stäh­le in Fir­men- und Büro­ge­bäu­de. Das Land­ge­richt Osna­brück ver­ur­teil­te ihn wegen die­ser Taten am 10.08.2011 zu Frei­heits­stra­fen von ins­ge­samt 5 Jah­ren und 2 Mona­ten; sie ver­büßt er zur­zeit in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Lin­gen. Im Hin­blick auf die Höhe der Stra­fen wies der Land­kreis Ems­land den Klä­ger aus dem Bun­des­ge­biet aus, ord­ne­te sei­ne Abschie­bung aus der Haft her­aus an und unter­sag­te ihm, in den fol­gen­den vier Jah­ren in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­zu­rei­sen. Den dar­auf­hin gegen die­se Maß­nah­men gerich­te­ten Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes lehn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück [1] durch sei­nen rechts­kräf­tig gewor­de­nen Beschluss vom 7. Febru­ar 2013 ab. Der Ser­be hat­te eben­falls Kla­ge gegen die­se Maß­nah­men erho­ben.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Osna­brück sei zu befürch­ten, dass der Klä­ger nach sei­ner Ent­las­sung aus der Haft wei­ter­hin Straf­ta­ten bege­hen wer­de. Er sei seit sei­nem 16. Lebens­jahr per­ma­nent straf­fäl­lig gewor­den und habe sich auch durch die Ver­bü­ßung einer Jugend­stra­fe nicht davon abhal­ten las­sen, seri­en­wei­se Ein­brü­che zu bege­hen. Ange­sichts des­sen müs­se er aus der Haft her­aus abge­scho­ben wer­den. Zwar lebe sei­ne min­der­jäh­ri­ge Toch­ter in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land; das Inter­es­se der All­ge­mein­heit, zu ver­hin­dern, dass er wei­te­re schwe­re Straf­ta­ten bege­he, über­wie­ge aber sein Inter­es­se dar­an, im Bun­des­ge­biet zu blei­ben, um den fami­liä­ren Kon­takt zu sei­ner Toch­ter zu hal­ten. Das auf vier Jah­re nach der Abschie­bung bemes­se­ne Ver­bot, wie­der in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­zu­rei­sen, ver­let­ze unter Wür­di­gung aller Umstän­de die Rech­te des Klä­gers nicht.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 12. August 2013 – 5 A 12/​13

  1. VG Osna­brück, Beschluss vom 07.02.2013 – 5 B 8/​13[]