Auto­bahn mit Fle­der­maus

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat ges­tern die Kla­ge eines Natur­schutz­ver­eins gegen den Bau eines Teil­stücks der Auto­bahn A 44 (Kas­sel – Her­le­shau­sen) zwi­schen Hes­sisch Lich­ten­au-Ost und Has­sel­bach abge­wie­sen.

Auto­bahn mit Fle­der­maus

Mit dem Gesamt­pro­jekt soll eine Lücke der Auto­bahn­ver­bin­dung Rhein/​Ruhr Kas­sel – Dres­den geschlos­sen wer­den. Im plan­fest­ge­stell­ten Abschnitt ver­läuft die Tras­se zwi­schen Tei­len des FFH-Gebiets "Wer­ra- und Wehre­tal" sowie in der Nach­bar­schaft wei­te­rer Natu­ra-2000-Gebie­te, ohne die­se direkt zu berüh­ren. Die bei­den west­lich anschlie­ßen­den Pla­nungs­ab­schnit­te sind nach letzt­lich erfolg­lo­sen Kla­gen des Klä­gers fer­tig­ge­stellt bzw. in Bau.

Im Mit­tel­punkt des nun­mehr ent­schie­de­nen Kla­ge­ver­fah­rens stand die Fra­ge, ob das Vor­ha­ben mit den Erhal­tungs­zie­len des FFH-Gebiets "Wer­ra- und Wehre­tal" ver­träg­lich ist, das ins­be­son­de­re dem Schutz der Fle­der­maus­ar­ten "Gro­ßes Maus­ohr" und "Bech­stein­fle­der­maus" dient. Die­se Fra­ge hat das Gericht bejaht. Bau und Betrieb der Auto­bahn könn­ten zwar an sich zur Zer­schnei­dung von Flug­rou­ten des Gro­ßen Maus­ohrs und Wech­sel­be­rei­chen der Bech­stein­fle­der­maus füh­ren, die wegen ihrer Ver­net­zungs­funk­ti­on auch gebiets­ex­tern von den Erhal­tungs­zie­len des Gebiets umfasst sind. Die Pla­nung ver­hin­dert die Rea­li­sie­rung die­ser Risi­ken aber mit einem umfäng­li­chen Schutz­kon­zept durch Regle­men­tie­rung des Bau­ab­laufs, die Errich­tung von Que­rungs­hil­fen, Leit­struk­tu­ren und Sperr­ein­rich­tun­gen sowie ergän­zen­de Vor­keh­run­gen eines Risi­ko­ma­nage­ments. Der Ver­lust außer­halb der Gebiets­gren­zen lie­gen­der Jagd­ha­bi­ta­te der Fle­der­mäu­se stellt gleich­falls kei­ne erheb­li­che Beein­träch­ti­gung dar, weil das FFH-Gebiet so abge­grenzt ist, dass es für bei­de Arten alle wich­ti­gen Habi­t­at­ele­men­te in aus­rei­chen­dem Umfang ent­hält.

Die mit dem Bau der Auto­bahn ver­bun­de­nen Stick­stoff­de­po­si­tio­nen in dem FFH-Gebiet "Wer­ra- und Wehre­tal" wer­den zwar dazu füh­ren, dass die schon bis­her weit über den her­an­ge­zo­ge­nen Beur­tei­lungs­wer­ten lie­gen­de Belas­tung FFH-recht­lich geschütz­ter Wald­le­bens­räu­me gering­fü­gig wei­ter ansteigt. Die Zusatz­be­las­tung wird aber so mini­mal sein, dass sie nach gesi­cher­ter fach­wis­sen­schaft­li­cher Ein­schät­zung kei­nen signi­fi­kan­ten Ursa­chen­bei­trag zur Schä­di­gung die­ser Lebens­räu­me leis­ten kann. Sie fällt des­halb unter den aus dem gemein­schafts­recht­li­chen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz fol­gen­den Baga­tell­vor­be­halt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 14. April 2010 – 9 A 5.08