Auto­bahn­neu­bau in Bre­men

Die Kla­gen meh­re­rer Anwoh­ner gegen den Neu­bau der Bun­des­au­to­bahn A 281 in Bre­men zwi­schen Neu­en­lan­der Ring und Kat­ten­tur­mer Heer­stra­ße hat­ten vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig über­wie­gend Erfolg.

Auto­bahn­neu­bau in Bre­men

Das rund 1,6 km lan­ge Neu­bau­vor­ha­ben soll die bereits her­ge­stell­ten Abschnit­te 3/​1 und 2/​1 der A 281 im Stadt­ge­biet von Bre­men mit dem Auto­bahn­zu­brin­ger Ars­ten zur Bun­des­au­to­bahn A 1 ver­bin­den. Über eine so genann­te Quer­span­ge soll im Bereich des Anschlus­ses an den Auto­bahn­zu­brin­ger der Nord-Süd-Ver­kehr auf die Kat­ten­tur­mer Heer­stra­ße geführt wer­den. Das Vor­ha­ben ist Teil der geplan­ten Eck­ver­bin­dung zwi­schen der nord­öst­lich der Stadt Bre­men ver­lau­fen­den Bun­des­au­to­bahn A 27 und der süd­west­lich der Stadt Bre­men ver­lau­fen­den Bun­des­au­to­bahn A 1.

Im Mit­tel­punkt der nun­mehr ent­schie­de­nen Kla­ge­ver­fah­ren stan­den Fra­gen der Tras­sen­wahl, der Erfor­der­lich­keit der Quer­span­ge und der Not­wen­dig­keit der Inan­spruch­nah­me von Wohn­grund­stü­cken.

Die Klä­ger wen­den sich als Eigen­tums- oder Immis­si­ons­be­trof­fe­ne gegen die Plan­fest­stel­lung für den Neu­bau der Bun­des­au­to­bahn A 281 zwi­schen Neu­en­lan­der Ring und Kat­ten­tur­mer Heer­stra­ße in Bre­men. Mit der Kla­ge machen sie gel­tend, das Vor­ha­ben sei weder aus dem Flä­chen­nut­zungs­plan ent­wi­ckelt noch einer ord­nungs­ge­mä­ßen Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung unter­zo­gen wor­den. Die Vari­an­ten­aus­wahl sei feh­ler­haft; der vom nahen Flug­ha­fen aus­ge­hen­de Lärm sei zu Unrecht unbe­rück­sich­tigt geblie­ben. Vor allem feh­le es an einem Ver­kehrs­be­darf für den zusätz­lich vor­ge­se­he­nen pro­vi­so­ri­schen Anschluss der Auto­bahn über eine „Quer­span­ge“. Ein wei­te­rer Klä­ger bean­stan­det, dass dem Vor­ha­ben die Plan­recht­fer­ti­gung feh­le und dass die Abschnitts­bil­dung rechts­wid­rig sei. Das gel­te beson­ders, soweit für weni­ge Jah­re ein zusätz­li­cher pro­vi­so­ri­scher Anschluss der Auto­bahn über eine „Quer­span­ge“ vor­ge­se­hen sei. Auch die Vari­an­ten­aus­wahl sei feh­ler­haft, und der vom nahen Flug­ha­fen aus­ge­hen­de Lärm sei zu Unrecht unbe­rück­sich­tigt geblie­ben.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat bei der Tras­sen­wahl einen Rechts­ver­stoß dar­in gese­hen, dass die gewähl­te Lini­en­füh­rung nicht mehr als Fort­ent­wick­lung der im gel­ten­den Flä­chen­nut­zungs­plan der Stadt­ge­mein­de Bre­men für die­sen Bereich fest­ge­leg­ten Grund­kon­zep­ti­on ange­se­hen wer­den kön­ne. Von der dort vor­ge­se­he­nen Tras­sen­füh­rung wei­che der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss räum­lich und kon­zep­tio­nell ab, indem er die Auto­bahn über die gesam­te Län­ge des Abschnitts nach Süden in die dort aus­ge­wie­se­ne gewerb­li­che Bau­flä­che ver­le­ge und die Nord-Süd-Anbin­dung öst­lich des Flug­ha­fens durch eine Quer­span­ge zur Kat­ten­tur­mer Heer­stra­ße vor­neh­me.

Der Ver­stoß sei nicht des­we­gen gegen­stands­los, weil die Stra­ßen­bau­ver­wal­tung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men Trä­ge­rin des Vor­ha­bens und die Obers­te Lan­des­stra­ßen­bau­be­hör­de Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de ist. Um die Bin­dungs­wir­kung des bis­he­ri­gen Flä­chen­nut­zungs­plans ent­fal­len zu las­sen, wäre jeden­falls ein Beschluss der für die Ände­rung der Flä­chen­nut­zungs­pla­nung zustän­di­gen, unmit­tel­bar demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Stadt­bür­ger­schaft der Stadt­ge­mein­de Bre­men erfor­der­lich gewe­sen.

Der Ver­stoß gegen die Anpas­sungs­pflicht an den Flä­chen­nut­zungs­plan habe auch mate­ri­ell­recht­lich die Vari­an­ten­aus­wahl infi­ziert. Hät­te die Beklag­te erkannt, dass sie an den Flä­chen­nut­zungs­plan gebun­den war, hät­te sie die Süd­va­ri­an­te bereits bei einer Grob­ana­ly­se aus­schei­den müs­sen. Ein wei­te­rer Feh­ler des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses lie­ge dar­in, dass er die nach Erstel­lung der maß­geb­li­chen Ver­kehrs­un­ter­su­chung ver­än­der­te Anschluss­op­ti­on an den 5. Bau­ab­schnitt der Auto­bahn (Unter­tun­ne­lung des Flug­ha­fens und mög­li­cher Rück­bau der Quer­span­ge) nicht in die Abwä­gung der betrof­fe­nen öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­ge ein­be­zo­gen habe. Ins­be­son­de­re hät­te geprüft wer­den müs­sen, ob für eine Über­gangs­zeit bis zur Rea­li­sie­rung des 5. Bau­ab­schnitts der Ver­kehr, wie im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für den Abschnitt 2/​1 vor­ge­se­hen, wei­ter über die Neu­en­lan­der Stra­ße geführt wer­den kön­ne. Auch bei der Fra­ge, ob die Quer­span­ge zur Ent­las­tung des Kno­ten­punkts Neu­en­lan­der Straße/​Kattenturmer Heer­stra­ße erfor­der­lich sei, wei­se der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss Ermitt­lungs- und Bewer­tungs­de­fi­zi­te auf.

Da nicht aus­zu­schlie­ßen sei, dass die Abwä­gungs­män­gel z.B. durch eine Ände­rung des Flä­chen­nut­zungs­plans und wei­te­re Ver­kehrs- und Lär­m­un­ter­su­chun­gen in einem ergän­zen­den Ver­fah­ren beho­ben wer­den könn­ten, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt von der Auf­he­bung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses abge­se­hen und ledig­lich des­sen Rechts­wid­rig­keit und Nicht­voll­zieh­bar­keit fest­ge­stellt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 24. Novem­ber 2010 – 9 A 13.09 und 9 A 14.09