Bach­mu­schel oder Auto­bahn?

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim hat ins­ge­samt sie­ben Kla­gen gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss des Regie­rungs­prä­si­di­ums Tübin­gen vom 27.06.2008 über den vier­spu­ri­gen Neu­bau der B 31 zwi­schen Immen­staad und Fried­richs­ha­fen abge­wie­sen. Geklagt hat­ten meh­re­re Ein­zel­klä­ger, die sich u.a. gegen die teil­wei­se Inan­spruch­nah­me ihrer (auch) land­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­stü­cke durch das Plan­vor­ha­ben sowie gegen die zu erwar­ten­de Lärm­be­las­tung weh­ren.

Bach­mu­schel oder Auto­bahn?

Zusam­men mit dem eben­falls kla­gen­den BUND (Bund für Umwelt- und Natur­schutz Deutsch­land, Lan­des­ver­band Baden-Würt­tem­berg) haben die Klä­ger vor allem gel­tend gemacht, die Pla­nung ver­sto­ße gegen Vor­schrif­ten des Arten- und Habi­tat­schutz­rechts, weil Tei­le des Mühl­bachs mit sei­nem Bach­mu­schel­vor­kom­men durch die Pla­nung in Anspruch genom­men wür­den. Außer­dem sei­en meh­re­re Pla­nungs­al­ter­na­ti­ven, die tat­säch­lich zur Ver­fü­gung gestan­den hät­ten, zu Unrecht nicht erwo­gen wor­den. Die Pla­nung sei des­halb in mehr­fa­cher Hin­sicht abwä­gungs­feh­ler­haft. Sie beru­he nicht zuletzt auf einer feh­ler­haf­ten Ver­kehrs­pro­gno­se.

Der VGH Mann­heim ist der Argu­men­ta­ti­on der Klä­ger nicht gefolgt. Das Regie­rungs­prä­si­di­um habe erkannt, dass die Pla­nung sich auf das Bach­mu­schel­vor­kom­men im Mühl­bach aus­wir­ke. Das Regie­rungs­prä­si­di­um habe die­sen arten­schutz­recht­lich rele­van­ten Ein­griff aber durch eine Aus­nah­me­ent­schei­dung nach § 43 Abs. 8 Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz zulas­sen dür­fen. Die Aus­nah­me­vor­aus­set­zun­gen lägen vor. Zumut­ba­re Pla­nungs­al­ter­na­ti­ven, die den Ein­griff ent­behr­lich machen oder mini­mie­ren wür­den, gebe es nicht. Der Erhal­tungs­zu­stand der Bach­mu­schel­po­pu­la­ti­on wer­de auf­grund der vor­ge­se­he­nen Siche­rungs- und Ver­mei­dungs­maß­nah­men nicht ver­schlech­tert. Die Vor­schrif­ten des Habi­tat­schutz­rechts sei­en eben­falls nicht ver­letzt. Das Land Baden-Würt­tem­berg sei nicht ver­pflich­tet gewe­sen, den Mühl­bach mit sei­ner Bach­mu­schel­po­pu­la­ti­on nach­träg­lich als FFH-Gebiet zu mel­den.

Auch die der Pla­nung zugrun­de­lie­gen­de Ver­kehrs­pro­gno­se sei nicht feh­ler­haft. Zur Erhe­bung der tat­säch­li­chen und zur Pro­gno­se der zu erwar­ten­den Ver­kehrs­be­las­tung gebe es meh­re­re Mög­lich­kei­ten und metho­di­sche Ansät­ze. Die vom Ver­kehrs­gut­ach­ter des Lan­des gewähl­te Metho­de sei zuläs­sig, sach­ge­recht und nach­voll­zieh­bar. Das Regie­rungs­prä­si­di­um habe die in Fra­ge kom­men­den Pla­nungs­al­ter­na­ti­ven aus­rei­chend ermit­telt und erwo­gen. Sei­ne Ent­schei­dung für die gewähl­te Tras­sen­füh­rung und die Pla­nung der Anschluss­stel­len sei nicht zu bean­stan­den. Auch die Lärm­pro­ble­ma­tik sei im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss hin­rei­chend bewäl­tigt wor­den. Schließ­lich sei die Inan­spruch­nah­me von land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen der Klä­ger durch das Plan­vor­ha­ben nicht abwä­gungs­feh­ler­haft.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 7. August 2009 – 5 S 2347/​08, 5 S 2348/​08 u.a.