Bau­leit­pla­nung fürs Fac­to­ry-Out­let

Mit der Fra­ge, inwie­weit sich eine nord­rhein-west­fä­li­sche Gemein­de in ihrer Bau­leit­pla­nung gegen die Raum­ord­nungs­pla­nun­gen des Lan­des durch­set­zen kann, hat­te sich jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter in zwei Rechts­strei­ten um den Flä­chen­nut­zungs­plan und den Bebau­ungs­plan für das Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter in Och­trup zu befas­sen.

Bau­leit­pla­nung fürs Fac­to­ry-Out­let

Im Ergeb­nis hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in dem Streit zwi­schen der Stadt Och­trup und der Bezirks­re­gie­rung Müns­ter um die Erhö­hung der Ver­kaufs­flä­che des Eure­gio-Out­let-Cen­ter (EOC) von 3.500 m² auf 11.500 m² der Stadt Och­trup und im Rechts­streit über den Bebau­ungs­plan der Bezirks­re­gie­rung Recht gege­ben.

Flä­chen­nut­zungs­plan trotz ent­ge­gen­ste­hen­der Raum­ord­nungs­pla­nung

Im Ver­fah­ren um den Flä­chen­nut­zungs­plan hat das OVG Müns­ter die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter ver­pflich­tet, der Stadt Och­trup die Geneh­mi­gung der 78. Ände­rung ihres Flä­chen­nut­zungs­plans unter Auf­la­gen zu ertei­len. Die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter hat­te die für die Ände­rung des Flä­chen­nut­zungs­plans erfor­der­li­che Geneh­mi­gung ins­be­son­de­re mit der Begrün­dung ver­sagt, die Plan­än­de­rung ver­sto­ße gegen das (damals noch in Auf­stel­lung befind­li­che) Ziel der Raum­ord­nung, wonach ein Her­stel­ler-Direkt­ver­kaufs­zen­trum mit mehr als 5.000 m² Ver­kaufs­flä­che nur in einer Gemein­de mit mehr als 100.000 Ein­woh­nern aus­ge­wie­sen wer­den darf. Die ent­spre­chen­de Vor­schrift des § 24a Abs. 1 Satz 4 des Geset­zes zur Lan­des­ent­wick­lung (LEPro) hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len auf eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Stadt Och­trup mit Urteil vom 26. August 2009 wegen einer Ver­let­zung des kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­rechts für nich­tig erklärt.

Die Pla­nung ver­sto­ße, so das OVG Müns­ter nicht gegen ver­bind­li­che Zie­le der Raum­ord­nung, weil § 24 a LEPro – soweit er hier noch ein­schlä­gig sei – allen­falls in der Abwä­gung zu berück­sich­ti­gen­de Grund­sät­ze der Raum­ord­nung ent­hal­te. Das Gebot der inter­kom­mu­na­len Abstim­mung sei nicht ver­letzt und die Pla­nung lei­de auch im Übri­gen nicht an Abwä­gungs­feh­lern. Unzu­mut­ba­re Aus­wir­kun­gen und wesent­li­che Kauf­kraft­ab­flüs­se sei­en für die Nach­bar­ge­mein­den nach den plau­si­blen gut­ach­ter­li­chen Pro­gno­sen nicht zu befürch­ten. Auch die Erwä­gung des Rates, die vom Gut­ach­ter erwar­te­ten Umsatz­ver­lus­te im his­to­ri­schen Orts­kern der Stadt Och­trup sei­en hin­zu­neh­men, sei abwä­gungs­ge­recht. Die Plan­be­grün­dung, wonach die Ver­sor­gungs­la­ge durch die Erwei­te­rung des EOC ins­ge­samt ver­bes­sert wer­de, die Stadt als Mit­tel­zen­trum gestärkt und ihr Ruf als attrak­ti­ve Ein­kaufs­stadt gefes­tigt wer­de, sei nicht zu bean­stan­den.

Bebau­ungs­plan und die For­ma­li­en

Dage­gen hat das OVG Müns­ter im Ver­fah­ren um den Bebau­ungs­plan auf den Nor­men­kon­troll­an­trag der Bezirks­re­gie­rung Müns­ter die 6. Ände­rung des Bebau­ungs­plans Nr. 80 „Umset­zung Rah­men­plan van Del­den“ für unwirk­sam erklärt. Die Stadt Och­trup sei nicht berech­tigt gewe­sen, den Bebau­ungs­plan vor einer Geneh­mi­gung der Flä­chen­nut­zungs­plan­än­de­rung bekannt zu machen. Dar­über hin­aus lei­de die kon­kre­te Pla­nung an Män­geln. Ins­be­son­de­re feh­le eine Rechts­grund­la­ge für die fest­ge­setz­te pau­scha­le Ver­kaufs­flä­chen­ober­gren­ze von 11.500 m². Die­se müs­se nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts grund­stücks­be­zo­gen für bei­de geplan­ten Son­der­ge­bie­te nörd­lich und süd­lich der Lau­renz­stra­ße aus­ge­wie­sen wer­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-WEst­fa­len, Urtei­le vom – 10 A 1676/​08 (Flä­chen­nut­zungs­plan) und 10 D 8/​08.NE (Bebau­ungs­plan)