Bau­stoff­re­cy­cling im Gewer­be­ge­biet

Eine im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren gemäß § 19 BIm­SchG geneh­mi­gungs­be­dürf­ti­ge Bau­stoff­re­cy­cling­an­la­ge ist bau­pla­nungs­recht­lich in einem Gewer­be­ge­biet gemäß § 8 BauN­VO zuläs­sig, wenn der geneh­mig­te Betrieb der­art aty­pisch ist, dass er erheb­li­che Beläs­ti­gun­gen nicht erwar­ten lässt, sei­ne Ver­träg­lich­keit in einem Gewer­be­ge­biet also sicher­ge­stellt ist 1.

Bau­stoff­re­cy­cling im Gewer­be­ge­biet

Eine typi­sie­ren­de Betrach­tungs­wei­se, wonach eine Bau­stoff­re­cy­cling­an­la­ge stets – weil betriebs­im­ma­nent – erheb­li­che Stö­run­gen befürch­ten las­se, ist mit § 15 Abs. 3 BauN­VO nicht ver­ein­bar. Nach die­ser Vor­schrift ist die Zuläs­sig­keit der Anla­gen in den Bau­ge­bie­ten nicht allein nach den ver­fah­rens­recht­li­chen Ein­ord­nun­gen des Bun­des-Immis­si­ons­schutz­ge­set­zes und der auf sei­ner Grund­la­ge erlas­se­nen Ver­ord­nun­gen zu beur­tei­len. Zwar kenn­zeich­net die immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gungs­be­dürf­tig­keit eines Anla­gen­typs ein anla­gen­ty­pi­sches Gefähr­dungs­po­ten­ti­al und kann dem­zu­fol­ge bau­pla­nungs­recht­lich in der Regel ein kon­kre­tes, die Gebiets­prä­gung beein­träch­ti­gen­des Stör­po­ten­ti­al unter­stellt wer­den. Das gilt aber etwa dann nicht, wenn der kon­kre­te Betrieb in der Wei­se aty­pisch ist, dass er nach sei­ner Art und Betriebs­wei­se kei­ne erheb­li­chen Beläs­ti­gun­gen befürch­ten lässt und damit – gege­be­nen­falls auch durch Neben­be­stim­mun­gen – sei­ne Ver­träg­lich­keit in einem Gewer­be­ge­biet dau­er­haft und zuver­läs­sig sicher­ge­stellt ist 2.

Zu ver­ken­nen ist auch nicht, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren gemäß § 19 BIm­SchG zu geneh­mi­gen­de Vor­ha­ben 3 von vorn­her­ein als weni­ger kon­flikt­träch­tig beur­teilt 4. Da bau­pla­nungs­recht­lich also auf ein kon­kre­tes, die Gebiets­prä­gung beein­träch­ti­gen­des Stör­po­ten­ti­al abzu­stel­len ist, kön­nen die Ein­ord­nun­gen des immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Ver­fah­rens­rechts nur als ers­ter Anhalt für die bau­pla­nungs­recht­li­che Beur­tei­lung her­an­ge­zo­gen wer­den. Auf die­sen Gesichts­punkt soll hin­ge­wie­sen wer­den, wenn es etwa in der Kom­men­tie­rung 5 heißt, auch inso­fern kom­me es maß­geb­lich auf die kon­kre­te Betriebs­ge­stal­tung und die Gebiets­struk­tur an. Die hier vor­han­de­ne und pla­ne­risch abge­si­cher­te Gebiets­struk­tur ist indes die des Gewer­be­ge­biets, mit dem das zur Geneh­mi­gung gestell­te Vor­ha­ben ver­träg­lich sein muss.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 1. Sep­tem­ber 2014 – 12 LA 255/​13

  1. Anschluss an BVerwG, Urteil vom 24.09.1992 – 7 C 7.92[]
  2. BVerwG, Urteil vom 24.09.1992 – 7 C 7.92, NVwZ 1993, 987[]
  3. frü­her Spal­te 2 des Anhangs zur 4. BIm­SchV[]
  4. vgl. Nds. OVG, Beschluss vom 23.08.2002 – 7 ME 111/​02[]
  5. Söf­ker, in: Ernst/​Zinkahn/​Bielenberg/​Krautzberger, Bau­GB, Bd. VI, § 8 BauN­VO Rn. 26[]