2‑Wo­chen-Frist zur Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Kon­kur­ren­ten­streit

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits ent­schie­den, dass aus Art. 19 Abs. 4 GG in Ver­bin­dung mit Art. 33 Abs. 2 GG eine Ver­pflich­tung des Dienst­herrn folgt, vor Aus­hän­di­gung der Ernen­nungs­ur­kun­de einen aus­rei­chen­den Zeit­raum abzu­war­ten, um dem unter­le­ge­nen Mit­be­wer­ber die Mög­lich­keit zu geben, Eil­an­trag, Beschwer­de oder Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu erhe­ben, wenn nur so die Mög­lich­keit der Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes besteht 1. Zwar stellt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de kei­nen zusätz­li­chen Rechts­be­helf zum fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, son­dern einen außer­or­dent­li­chen Rechts­be­helf zur Abwehr von Ein­grif­fen der öffent­li­chen Gewalt in das ver­meint­lich ver­letz­te Grund­recht dar 2.

2‑Wo­chen-Frist zur Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Kon­kur­ren­ten­streit

Gleich­wohl ist der Dienst­herr grund­sätz­lich zur Ein­hal­tung einer aus­rei­chen­den und ange­mes­se­nen War­te­frist vor Aus­hän­di­gung der Ernen­nungs­ur­kun­de ver­pflich­tet, um dem im fach­ge­richt­li­chen Kon­kur­ren­ten­streit­ver­fah­ren unter­le­ge­nen Bewer­ber die Chan­ce zur Erhe­bung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu geben. Dies ergibt sich aus den Fort­wir­kun­gen des Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruchs aus Art. 33 Abs. 2 GG in Ver­bin­dung mit Art. 19 Abs. 4 GG, der dem Beam­ten das Recht zur gericht­li­chen Über­prü­fung einer dienst­recht­li­chen Aus­wahl­ent­schei­dung ver­leiht 3, in Zusam­men­schau mit der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn aus Art. 33 Abs. 5 GG 4 sowie dem Gedan­ken des Rechts­miss­brauchs unter dem Gesichts­punkt der Ver­ei­te­lung der Inan­spruch­nah­me ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes. Durch die umge­hen­de Ernen­nung des Mit­be­wer­bers wird dem unter­le­ge­nen Kon­kur­ren­ten näm­lich fak­tisch die Mög­lich­keit genom­men, die Beset­zung der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le durch eine ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Eil­ent­schei­dung zu ver­hin­dern 5.

Im Fall drin­gen­der dienst­li­cher Bedürf­nis­se kön­nen Aus­nah­men von der grund­sätz­lich anzu­er­ken­nen­den War­te­frist gege­ben sein. Die­se ent­zie­hen sich aller­dings – eben­so wie die Bestim­mung der Län­ge der War­te­frist – einer sche­ma­ti­schen Beur­tei­lung; viel­mehr kommt es maß­geb­lich auf die Umstän­de des Ein­zel­falls an. Dabei sind das Inter­es­se des Beschwer­de­füh­rers an der Inan­spruch­nah­me ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes und das Inter­es­se sei­nes Dienst­herrn an einer zeit­na­hen Stel­len­be­set­zung gegen­ein­an­der abzu­wä­gen. Eine Frist von zwei Tagen genügt den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen jeden­falls nicht 6.

In der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung hat sich teil­wei­se eine War­te­frist von zwei Wochen nach Zustel­lung der zweit­in­stanz­li­chen Eil­ent­schei­dung ein­ge­bür­gert, zu deren Begrün­dung auf eine Ana­lo­gie zu § 147 Abs. 1 VwGO rekur­riert wird 7. Zur Ver­mei­dung von Miss­ver­ständ­nis­sen ist aller­dings dar­auf hin­zu­wei­sen, dass für die Ein­le­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de die Monats­frist des § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG gilt, die der Beschwer­de­füh­rer zur Sub­stan­ti­ie­rung sei­nes Vor­trags bzw. gege­be­nen­falls zur Nach­rei­chung von Unter­la­gen aus­schöp­fen kann. Des Wei­te­ren muss dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein hin­rei­chen­der zeit­li­cher Spiel­raum für eine – zügi­ge – Ent­schei­dung über die Ver­fas­sungs­be­schwer­de bzw. über den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung ver­blei­ben. Dies ist bei der Ein­hal­tung der im Ein­zel­fall maß­geb­li­chen Frist zu berück­sich­ti­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. August 2009 – 2 BvR 706/​09

  1. vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kam­mer des Zwei­ten Senats vom 9. Juli 2007 – 2 BvR 206/​07 –, NVwZ 2007, S. 1178; BVerfG, Beschluss der 1. Kam­mer des Zwei­ten Senats vom 24. Sep­tem­ber 2007 – 2 BvR 1586/​07 –, NVwZ 2008, S. 70; vgl. auch BVerfGK 5, 205 <210> zur Notar­stel­len­be­set­zung[]
  2. vgl.BVerfGE 94, 166 <213 f.>; 107, 395 <413>; 115, 81 <92>; stRspr[]
  3. vgl. BVerfGE 39, 334 <354>; BVerfGK 1, 292 <295 f.>; BVerfGK 10, 474 <477>[]
  4. vgl. hier­zu BVerfGE 43, 154 <165 f.>; 46, 97 <117>; 83, 89 <100>; 106, 225 <232>[]
  5. BVerfG, Beschluss der 1. Kam­mer des Zwei­ten Senats vom 9. Juli 2007 – 2 BvR 206/​07 –, NVwZ 2007, S. 1178 <1179>; vgl. auch BVerfGK 5, 205 <210 f.> zur Notar­stel­len­be­set­zung[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kam­mer des Zwei­ten Senats vom 9. Juli 2007 – 2 BvR 206/​07 –, NVwZ 2007, S. 1178 <1179>[]
  7. Hess. VGH, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2007 – 1 TG 208/​07 –, juris, Rn. 8[]