Ver­tre­tungs­wei­se Per­so­nal­sach­be­ar­bei­ter

Die­je­ni­gen Per­so­nen, die Dienst­kräf­te im Sin­ne von § 88 Abs. 1 Alt. 2 Hmb­Pers­VG (Dienst­kräf­te mit Ent­schei­dungs­be­fug­nis in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten) ver­tre­ten, fal­len nicht des­halb unter die­se Vor­schrift, weil sie im Ver­tre­tungs­fall die­sel­ben Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men haben.

Ver­tre­tungs­wei­se Per­so­nal­sach­be­ar­bei­ter

Gemäß § 88 Abs. 1 2. Alt HmbPers­VG gilt § 87 Abs. 1 Nr. 1 bis 27 und Abs. 3 für Ange­hö­ri­ge des öffent­li­chen Diens­tes, die zu selb­stän­di­gen Ent­schei­dun­gen in Ange­le­gen­hei­ten der Dienst­stel­le im Sin­ne des § 87 Abs. 1 Nr. 1 bis 27 und Abs. 3 befugt sind, nur auf ihren Antrag hin. Der Betei­lig­te will geklärt wis­sen, ob ein Ver­tre­ter einer Dienst­kraft im Sin­ne von § 88 Abs. 1 Alt. 2 HmbPers­VG, der im Ver­tre­tungs­fall selbst zu sol­chen Ent­schei­dun­gen befugt ist, wie die­se in den Anwen­dungs­be­reich von § 88 Abs. 1 Alt. 2 HmbPers­VG fällt. Die­se Fra­ge wird durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bereits beant­wor­tet und führt daher nicht zur Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de 1.

Die Beant­wor­tung der Fra­ge ergibt sich aus dem Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 22. Juni 2005 2. Die­ser betraf die Aus­le­gung von § 13 Abs. 3 Nr. 2 Bln­Pers­VG, der – in sei­ner dama­li­gen wie heu­ti­gen Fas­sung – sol­che Dienst­kräf­te von der Wähl­bar­keit zur Per­so­nal­ver­tre­tung aus­nimmt, die „zu selb­stän­di­gen Ent­schei­dun­gen in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten von nicht unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung befugt sind“. Gemäß § 89 Abs. 3 Bln­Pers­VG ent­fällt u.a. für Stel­len der in § 13 Abs. 3 Nr. 2 genann­ten Dienst­kräf­te die Mit­be­stim­mung (in Ham­burg hat der Gesetz­ge­ber den Ver­weis­me­cha­nis­mus umge­kehrt kon­zi­piert: § 12 Abs. 2 Nr. 2 HmbPers­VG schließt für den in § 88 Abs. 1 HmbPers­VG im Hin­blick auf die antra­gab­hän­gi­ge Mit­be­stim­mung defi­nier­ten Per­so­nen­kreis die Wähl­bar­keit zur Per­so­nal­ver­tre­tung aus). In sei­nem Beschluss vom 22. Juni 2005 hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Maß­ga­be auf­ge­stellt, dass die­je­ni­gen Per­so­nen, die Dienst­kräf­te im Sin­ne von § 13 Abs. 3 Nr. 2 Bln­Pers­VG ver­tre­ten, nicht des­halb unter die­se Vor­schrift fal­len, weil sie im Ver­tre­tungs­fall die­sel­ben Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men haben 3. Die­se Maß­ga­be, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in nach­fol­gen­den Ent­schei­dun­gen bekräf­tigt hat 4, kann ohne wei­te­res auf § 88 Abs. 1 2. Alt. HmbPers­VG über­tra­gen wer­den.

Bei­de Vor­schrif­ten stim­men in ihrem text­li­chen Aus­sa­ge­ge­halt weit­ge­hend über­ein. Zwar bezieht § 88 Abs. 1 HmbPers­VG anders als § 13 Abs. 3 Nr. 2 Bln­Pers­VG die Ent­schei­dungs­be­fug­nis der Dienst­kraft nicht auf „Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten“, son­dern auf „Ange­le­gen­hei­ten der Dienst­stel­le im Sin­ne des § 87 Abs. 1 Nr. 1 bis 27 und Abs. 3“. Bei letz­te­ren han­delt es sich indes über­wie­gend um Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten, d.h. um ein­zel­ne Beschäf­tig­te und deren Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis betref­fen­de Ange­le­gen­hei­ten 5, und nur ver­ein­zelt, näm­lich in den Fäl­len des § 87 Abs. 1 Nr. 23 bis 27 HmbPers­VG, um all­ge­mei­ne Ange­le­gen­hei­ten, die sich aber wie­der­um auf per­so­nel­le Maß­nah­men bezie­hen. Die­ser gering­fü­gi­gen Abwei­chung ist im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang ersicht­lich eben­so wenig maß­geb­li­ches Gewicht bei­zu­mes­sen wie den wei­te­ren Umstän­den, dass § 13 Abs. 3 Nr. 2 Bln­Pers­VG anders als § 88 Abs. 1 Alt. 2 HmbPers­VG eine Ein­schrän­kung in Bezug auf Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung vor­nimmt und dass § 88 Abs. 1 HmbPers­VG die Mit­be­stim­mung nicht kate­go­risch, son­dern nur unter der Bedin­gung aus­schließt, dass die betref­fen­de Dienst­kraft kei­nen anders­lau­ten­den Antrag stellt. Die im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang in Rede ste­hen­de Fra­ge des Ein­be­zugs von Ver­tre­tungs­per­so­nen wird in kei­ner der bei­den Vor­schrif­ten aus­drück­lich ange­spro­chen.

Geset­zes­sys­te­ma­ti­sche und teleo­lo­gi­sche Gesichts­punk­te gebie­ten kein unter­schied­li­ches Ver­ständ­nis der jewei­li­gen Bestim­mun­gen.

Gemäß § 88 Abs. 1 Alt. 1 HmbPers­VG gilt § 87 Abs. 1 Num­mern 1 bis 27 und Abs. 3 für die Ange­hö­ri­gen des öffent­li­chen Diens­tes, die nach § 8 für die Dienst­stel­le han­deln – d.h. in ers­ter Linie die Dienst­stel­len­lei­ter – nur auf ihren Antrag hin. Wäh­rend im Wort­laut des § 88 Abs. 1 Alt. 1 HmbPers­VG der Ver­tre­ter des Dienst­stel­len­lei­ters nicht auf­taucht, so dass sich sein Ein­be­zug in den Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift erst über deren Ver­weis auf § 8 HmbPers­VG – in dem die Ver­tre­tungs­mög­lich­keit ange­spro­chen wird – ergibt 6, wird der Ver­tre­ter in § 13 Abs. 3 Nr. 1 Bln­Pers­VG eigens erwähnt. Der Senat hat in sei­nem Beschluss vom 22.06.2005 den letzt­ge­nann­ten Umstand mit her­an­ge­zo­gen, um im Wege des Gegen­schlus­ses zu begrün­den, dass hin­sicht­lich der Fall­grup­pe der Dienst­kräf­te mit Ent­schei­dungs­be­fug­nis in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten ein Ein­schluss von Ver­tre­tern in den Anwen­dungs­be­reich von § 13 Abs. 3 Nr. 2 Bln­Pers­VG – in dem sie nicht erwähnt wer­den – aus­schei­det 7. Die­ses geset­zes­sys­te­ma­ti­sche Argu­ment erweist sich aber auch in Bezug auf § 88 Abs. 1 HmbPers­VG als trag­fä­hig. Ob sich der Ein­be­zug von Ver­tre­tern des Dienst­stel­len­lei­ters – wie bei § 13 Abs. 3 Nr. 1 Bln­Pers­VG – unmit­tel­bar aus dem Wort­laut der Rege­lungs­norm oder – wie bei § 88 Abs. 1 Alt. 1 HmbPers­VG – mit­tel­bar aus einem Ver­weis der Rege­lungs­norm auf eine ande­re Norm ergibt, mar­kiert einen rein geset­zes­tech­ni­schen Unter­schied, der im Übri­gen schon dadurch vor­ge­zeich­net ist, dass die letzt­ge­nann­te Norm sich ins­ge­samt, d.h. auch bezüg­lich der Per­son des Dienst­stel­len­lei­ters selbst, mit der Vor­nah­me eines Ver­wei­ses begnügt. Ent­schei­dend ist im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang, dass bei­de Geset­ze schon ihrem Text nach – ledig­lich an unter­schied­li­chen Orten – hin­sicht­lich der Fall­grup­pe der Dienst­stel­len­lei­ter den Ver­tre­ter aus­drück­lich ein­be­zie­hen und inso­fern glei­cher­ma­ßen eine Dis­kre­panz zur Fall­grup­pe der Dienst­kräf­te mit Ent­schei­dungs­be­fug­nis in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten zuta­ge tritt.

Den Aus­schluss von Ver­tre­tungs­per­so­nen aus der Fall­grup­pe der Dienst­kräf­te mit Ent­schei­dungs­be­fug­nis in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 22.06.2005 im Kern dar­auf gestützt, dass sich deren Tätig­keit nur auf einen Teil der per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich rele­van­ten Ange­le­gen­hei­ten bezie­he und sich damit maß­geb­lich von der Tätig­keit des stän­di­gen Ver­tre­ters des Dienst­stel­len­lei­ters mit sei­nen umfas­sen­den Kom­pe­ten­zen unter­schei­de, wel­che ihm im Ver­tre­tungs­fal­les zukom­men und die ihn so in eine grö­ße­re Nähe zum Dienst­stel­len­lei­ter rücken wür­den 8. Die­se Erwä­gung, die auf den hier­ar­chi­schen Auf­bau von Dienst­stel­len Bezug nimmt, ist im Kon­text des HmbPers­VG glei­cher­ma­ßen stim­mig. Ent­spre­chen­des gilt für die hier­mit im Zusam­men­hang ste­hen­den Erwä­gun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts hin­sicht­lich der – bei typi­sie­ren­der Betrach­tungs­wei­se – anzu­neh­men­den höhe­ren Häu­fig­keit von Pflich­ten- und Inter­es­sens­kol­li­sio­nen auf Ebe­ne des Ver­tre­ters des Dienst­stel­len­lei­ters 9.

Nichts Gegen­tei­li­ges folgt aus der im Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 17. Mai 2010 getrof­fe­ne Maß­ga­be, wonach es hin­sicht­lich der Ein­ord­nung einer Dienst­kraft als Beschäf­tig­ter, der in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten der Dienst­stel­le ent­schei­de, nicht auf den quan­ti­ta­ti­ven Umfang die­ser Befug­nis ankom­me 10. Hier­mit lässt sich kei­ne von § 13 Abs. 3 Nr. 2 Bln­Pers­VG abwei­chen­de Aus­le­gung von § 88 Abs. 1 Alt. 2 HmbPers­VG begrün­den. Jenen Gesichts­punkt hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits bei der Aus­le­gung der genann­ten Bestim­mun­gen des Ber­li­ner Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes her­aus­ge­stellt 11.

Zur Ver­mei­dung von Miss­ver­ständ­nis­sen wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein Ver­tre­ter einer Dienst­kraft im Sin­ne von § 88 Abs. 1 Alt. 2 HmbPers­VG die­ser Vor­schrift dann unter­fal­len kann, wenn ihm selbst – nicht ver­tre­tungs­wei­se, son­dern dau­er­haft – Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten über­tra­gen wor­den sind 12.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Mai 2012 – 6 PB 3.12

  1. vgl. zu die­sem pro­zess­recht­li­chen Maß­stab: BVerwG, Beschluss vom 14.09.2011 – 6 PB 14.11; BAG, Beschlüs­se vom 22.03.2005 – 1 ABN 1/​05BAGE 114, 157, 159 f.; und vom 02.10.2007 – 1 AZN 793/​07 – AP Nr. 52 zu § 75 BetrVG 1972 Rn. 3[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 22.06.2005 – BVerwG 6 P 8.04, Buch­holz 251.2 § 13 Bln­Pers­VG Nr. 3[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 22.06.2005, a.a.O. S. 11[]
  4. BVerwG, Beschlüs­se vom 06.09.2005 – 6 PB 12.05; und vom 17.05.2010 – 6 P 7.09, Buch­holz 251.6 § 65 Nds­Pers­VG Nr. 2 Rn. 22[]
  5. vgl. BVerwG Beschluss vom 17.05.2010 a.a.O. Rn. 9[]
  6. BVerwG, Beschluss vom 28.06.2002 – 6 P 1.02, Buch­holz 251.4 § 88 HmbPers­VG Nr. 1 S. 4 f.[]
  7. BVerwG, a.a.O. S. 11[]
  8. BVerwG, a.a.O. S. 11/​12[]
  9. BVerwG, a.a.O. S. 12[]
  10. BVerwG, Beschluss vom 17.05.2010, a.a.O. Rn. 16[]
  11. vgl. BVerwG, Beschluss vom 22.06.2005 – 6 P 2.05, Buch­holz 251.2 § 13 Bln­Pers­VG Nr. 2 S. 4[]
  12. vgl. BVerwG, Beschluss vom 22.06.2005 – 6 P 8.04, a.a.O. S. 13[]