Abbruch eines Aus­wahl­ver­fah­rens – und die Neu­aus­schrei­bung der Stel­le

Nach dem Abbruch eines Aus­wahl­ver­fah­rens darf eine neue Stel­len­aus­schrei­bung nur erfol­gen, wenn die Grün­de für den Abbruch des ers­ten Ver­fah­rens hin­rei­chend doku­men­tiert wur­den.

Abbruch eines Aus­wahl­ver­fah­rens – und die Neu­aus­schrei­bung der Stel­le

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter jetzt das Land Nord­rhein-West­fa­len – Minis­te­ri­um für Inne­res und Kom­mu­na­les – ver­pflich­tet, über die Bewer­bung des Klä­gers auf die Stel­le „der Leiterin/​des Lei­ters der Direk­ti­on Zen­tra­le Auf­ga­ben beim Poli­zei­prä­si­di­um Müns­ter“ unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts neu zu ent­schei­den.

Im Mai 2008 hat­te das Innen­mi­nis­te­ri­um die Beset­zung der Stel­le aus­ge­schrie­ben, wor­auf sich neben ande­ren Beam­ten auch der Klä­ger bewor­ben hat­te. Bei der Aus­wer­tung der Aus­wahl­ge­sprä­che schnitt der Klä­ger mit der höchs­ten Punkt­zahl ab. Im Novem­ber 2008 teil­te ihm das Innen­mi­nis­te­ri­um jedoch mit, dass das Aus­wahl­ver­fah­ren aus for­ma­len Grün­den auf­ge­ho­ben wor­den sei und die Stel­le neu aus­ge­schrie­ben wer­de. Nach einem erneu­ten Aus­wahl­ver­fah­ren teil­te das Minis­te­ri­um dem Klä­ger im Juli 2009 mit, die Aus­wahl­kom­mis­si­on habe sich für die Bei­gela­de­ne ent­schie­den.

Die­ses Vor­ge­hen erklär­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter nun­mehr für rechts­feh­ler­haft: Das zwei­te Aus­wahl­ver­fah­ren, in dem die Bei­gela­de­ne für die Ernen­nung auf der strei­ti­gen Stel­le aus­ge­wählt wor­den sei, sei rechts­wid­rig und ver­let­ze den Klä­ger in sei­nem Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch. Die Grün­de für den Abbruch des ers­ten Aus­wahl­ver­fah­rens sei­en nicht hin­rei­chend doku­men­tiert, wes­halb eine erneu­te Aus­schrei­bung nicht hät­te erfol­gen dür­fen. Die dem Klä­ger über­sand­te Mit­tei­lung, die Aus­schrei­bung der strei­ti­gen Stel­le sei aus „for­ma­len Grün­den“ auf­ge­ho­ben, las­se einen hin­rei­chend kon­kre­ten Abbruchs­grund nicht erken­nen. Die Bezeich­nung „for­ma­le Grün­de“ stel­le einen Sam­mel­be­griff dar, der Grün­de ver­schie­dens­ter Art umfas­se und weder dem Klä­ger noch dem Gericht eine recht­li­che Prü­fung der kon­kre­ten Abbruch­grün­de ermög­li­che. Die dem Gericht als Ori­gi­nal vor­ge­leg­te Ver­wal­tungs­ak­te ent­hal­te weder eine Doku­men­ta­ti­on der kon­kre­ten Aus­wahl­grün­de noch eine Doku­men­ta­ti­on der Grün­de des Ver­fah­ren­s­ab­bruchs. Auch aus den nach­ge­reich­ten Unter­la­gen erge­be sich weder, war­um trotz der bes­se­ren Punkt­zahl des Klä­gers zunächst ein Kon­kur­rent aus­ge­wählt wor­den sei, noch wer über den Abbruch ent­schie­den habe und ob dem Ent­schei­der die Ent­schei­dungs­grund­la­gen und ins­be­son­de­re der jetzt genann­te Abbruch­grund bekannt gewe­sen sei­en. Die danach unzu­rei­chen­de Doku­men­ta­ti­on der Grün­de, die zum Abbruch des ers­ten Aus­wahl­ver­fah­rens geführt haben, füh­re aller­dings nicht zu einem Anspruch des Klä­gers auf Beför­de­rung. Eine Ver­let­zung des Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruchs füh­re grund­sätz­lich nur zu einem Anspruch auf erneu­te Ent­schei­dung über die Bewer­bung. Eine aus­nahms­wei­se mög­li­che Redu­zie­rung des dem Minis­te­ri­um zuste­hen­den Beur­tei­lungs­spiel­raums dahin, dass hier bei einer feh­ler­frei­en Aus­wahl­ent­schei­dung nur der Klä­ger für die Stel­le in Betracht kom­me, lie­ge nicht vor.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 12. Janu­ar 2012 – 4 K 2140/​09