Alters­ab­hän­gi­ge Beam­ten­be­sol­dung

Meh­re­re Kla­gen von Beam­ten wegen unzu­läs­si­ger alters­ab­hän­gi­ger Besol­dung waren letzt­in­stanz­lich vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nur in gerin­gem Umfang erfolg­reich.

Alters­ab­hän­gi­ge Beam­ten­be­sol­dung

Beam­te haben unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen einen Anspruch auf Ent­schä­di­gung, weil die Höhe ihrer Bezü­ge ent­ge­gen den Vor­ga­ben der "Richt­li­nie 2000/​78/​EG zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf" allein von ihrem Lebens­al­ter abhing.

Die Klä­ger in den jetzt vom Bun­des­ver­wal­t­uns­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren sind Beam­te oder Sol­da­ten, für die die besol­dungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen der Län­der Sach­sen-Anhalt und Sach­sen bzw. des Bun­des maß­geb­lich sind. Die frü­her anzu­wen­den­den gesetz­li­chen Besol­dungs­re­ge­lun­gen (§§ 27 und 28 BBesG a.F.) knüpf­ten die ers­te Ein­stu­fung in die Tabel­le der nach der Dienst­zeit auf­stei­gen­den Dienst­be­zü­ge allein an das Lebens­al­ter des Betref­fen­den an. Nach dem Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 19.06.2014 1 benach­tei­ligt dies jün­ge­re Beam­te unge­recht­fer­tigt wegen ihres Alters.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun eini­gen der Beam­ten eine Ent­schä­di­gung i.H.v. 100 €/​Monat zuge­spro­chen, abhän­gig vom jeweils maß­geb­li­chen Besol­dungs­recht sowie vom Zeit­punkt der Gel­tend­ma­chung des Anspruchs.

Nach den nun­mehr gel­ten­den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen wer­den neu ein­ge­stell­te Beam­te regel­mä­ßig in die ers­te Stu­fe ein­grup­piert. Ihr Grund­ge­halt steigt anschlie­ßend mit ihrer Dienst­zeit an; die­se Anknüp­fung der Besol­dung an die im Dienst­ver­hält­nis ver­brach­te Zeit steht mit den Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts in Ein­klang. Nach dem gel­ten­den Besol­dungs­recht der Län­der Sach­sen und Sach­sen-Anhalt wer­den die vor­han­de­nen Beam­ten in die­ses neue Sys­tem über­ge­lei­tet. Maß­geb­lich ist dabei grund­sätz­lich die­je­ni­ge Dienst­al­ters­stu­fe, die die Beam­ten nach bis­he­ri­gem Recht erreicht hat­ten. Die damit ver­bun­de­ne Per­p­etu­ie­rung der bis­he­ri­gen dis­kri­mi­nie­ren­den Wir­kung ist nach dem genann­ten Urteil des EuGH vom 19.06.2014 aber gerecht­fer­tigt.

Des­halb schei­den für Beam­te des Lan­des Sach­sen-Anhalt Aus­gleichs­an­sprü­che für den Zeit­raum ab dem 1.04.2011 aus. Für Beam­te des Frei­staa­tes Sach­sen gilt das­sel­be für den Zeit­raum ab dem 1.09.2006. Denn im Frei­staat Sach­sen ist das neue Besol­dungs­sys­tem zuläs­si­ger­wei­se rück­wir­kend zu die­sem Datum in Kraft gesetzt wor­den. Die­se gesetz­li­che Rege­lung hat für die betrof­fe­nen Beam­ten kei­ne belas­ten­de Wir­kung und führt zudem dazu, dass für die Besol­dung der Beam­ten des Frei­staa­tes Sach­sen für den Zeit­raum ab dem 1.09.2006 über­haupt eine gesetz­li­che Rege­lung besteht, die mit den Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts in Ein­klang steht.

Ein Anspruch von Beam­ten als Aus­gleich für die frü­he­re, an das Alter anknüp­fen­de Bemes­sung ihrer Dienst­be­zü­ge kann allein nach § 15 Abs. 2 AGG bestehen. Die­se Vor­schrift räumt bei einem Ver­stoß gegen das Benach­tei­li­gungs­ver­bot wegen des Alters einen ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Anspruch auf ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung ein. Dage­gen ist bereits nach dem Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 19.06.2014 die Ein­stu­fung der Beam­ten in eine höhe­re oder gar die höchs­te Stu­fe der jewei­li­gen Besol­dungs­grup­pe aus­ge­schlos­sen. Denn die unzu­läs­si­ge Benach­tei­li­gung wegen des Alters erfasst sämt­li­che Grup­pen von Beam­ten. Des­halb besteht kein gül­ti­ges Bezugs­sys­tem mehr, an das der Anspruch auf Gleich­be­hand­lung anknüp­fen könn­te. Der uni­ons­recht­li­che Haf­tungs­an­spruch schei­det als Grund­la­ge eben­so aus wie der ver­schul­dens­ab­hän­gi­ge Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 15 Abs. 1 AGG. Die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Anspruchs­grund­la­gen waren erst mit der Bekannt­ga­be des Urteils des EuGH vom 08.09.2011 2 erfüllt.

Die Rege­lung des § 15 Abs. 2 AGG erfasst auch den Fall, dass sich der Ver­stoß gegen das Ver­bot der Benach­tei­li­gung wegen des Alters nach § 7 Abs. 1 AGG aus der kor­rek­ten Anwen­dung von bun­des­ge­setz­li­chen Bestim­mun­gen (hier §§ 27 und 28 BBesG a.F.) ergibt. Wegen der uni­ons­rechts­kon­for­men Über­lei­tungs­be­stim­mun­gen der Län­der und des Inkraft­tre­tens des AGG im August 2006, das die oben genann­te Richt­li­nie in inner­staat­li­ches Recht umge­setzt hat, kommt ein Ent­schä­di­gungs­an­spruch aber ledig­lich für den Monat August 2006 (Sach­sen) bzw. für den Zeit­raum von August 2006 bis Ende März 2011 (Sach­sen-Anhalt) in Betracht; danach galt jeweils das uni­ons­rechts­kon­for­me neue Besol­dungs­recht. Als ange­mes­sen im Sin­ne von § 15 Abs. 2 AGG hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eine pau­scha­le Ent­schä­di­gung von 100 €/​Monat ange­se­hen. Da das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lunggs­ge­setz erst Mit­te August 2006 in Kraft getre­ten ist, ist der Ent­schä­di­gungs­be­trag für die­sen Monat zu hal­bie­ren.

In Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt den kla­gen­den Beam­ten – je nach dem Zeit­punkt der Gel­tend­ma­chung des Anspruchs und dem Inkraft­tre­ten des neu­en, uni­ons­rechts­kon­for­men Besol­dungs­rechts – einen Zah­lungs­an­spruch in bestimm­ter Höhe zuer­kannt (im Streit­fall mit dem längs­ten Zeit­raum in Höhe von 5 550 €, in einem Fall aus Sach­sen ledig­lich i.H.v. 50 €) oder die Kla­ge abge­wie­sen.

In den Streit­fäl­len der Sol­da­ten, deren Besol­dung eben­falls in den §§ 27 und 28 BBesG a.F. gere­gelt war, hat das BVerwG dage­gen kei­nen Anspruch auf Ent­schä­di­gung zuer­kannt. Denn die­se hat­ten ihre Ansprü­che wegen der uni­ons­rechts­wid­ri­gen Besol­dung erst nach Ablauf der für sie maß­geb­li­chen Aus­schluss­frist gegen­über der Bun­des­wehr gel­tend gemacht. Auf die Fra­ge, ob die Richt­li­nie auf die Besol­dung von Sol­da­ten über­haupt Anwen­dung fin­det, kam es des­halb nicht an.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 30. Okto­ber 2014 – 2 C 3.2013, 2 C 6.2013, 2 C 32.2013, 2 C 36.2013, 2 C 38.2013, 2 C 39.2013 und 2 C 47.2013

  1. EuGH, Urteil vom 19.06.2014 – C‑501/​12 u.a., Specht[]
  2. EuGH, Urteil vom 08.09.2011 – C‑297/​10 u.a., Hen­nigs und Mai[]