Alters­dis­kri­mi­nie­ren­de Beam­ten­be­sol­dung

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter hat ins­ge­samt 70 Beam­ten der Städ­te Müns­ter und Ibben­bü­ren sowie einem Beam­ten des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len eine Ent­schä­di­gung in Höhe von jeweils 100 € monat­lich zuge­spro­chen, weil ihre Besol­dung bis zum 31. Mai 2013 gegen das Ver­bot der Alters­dis­kri­mi­nie­rung ver­stieß.

Alters­dis­kri­mi­nie­ren­de Beam­ten­be­sol­dung

Die von den Beklag­ten jeweils geschul­de­te Besol­dung der Beam­ten habe, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, bis ein­schließ­lich 31. Mai 2013 auf einer gegen das Ver­bot der Alters­dis­kri­mi­nie­rung ver­sto­ßen­den gesetz­li­chen Grund­la­ge beruht. Nach dem bis zum 31. Mai 2013 in Nord­rhein-West­fa­len fort­gel­ten­den Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz alter Fas­sung habe sich die Besol­dung der Beam­tin­nen und Beam­ten des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len nach dem in Abhän­gig­keit zum Lebens­al­ter ste­hen­den Besol­dungs­dienst­al­ter gerich­tet. Die­ses Besol­dungs­sys­tem habe gegen die so genann­te Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­nie und das zu ihrer Umset­zung vom Bun­des­ge­setz­ge­ber erlas­se­ne Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz ver­sto­ßen. In den 70 gegen die Städ­te Müns­ter und Ibben­bü­ren geführ­ten Ver­fah­ren sei fest­zu­stel­len, dass die Beam­tin­nen und Beam­ten in den Fäl­len einer alters­dis­kri­mi­nie­ren­den Besol­dung monat­lich wie­der­keh­rend benach­tei­ligt wor­den sei­en. Ihnen stün­den des­halb meh­re­re monats­wei­se ent­ste­hen­de, auf den jewei­li­gen Besol­dungs­mo­nat bezo­ge­ne Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che in Höhe von 100 Euro je Monat zu. Ob die­se Ansprü­che recht­zei­tig (inner­halb von zwei Mona­ten) gel­tend gemacht wor­den sei­en, müs­se für jeden Monat geson­dert fest­ge­stellt wer­den. Ein Zah­lungs­an­spruch wegen so genann­ten legis­la­ti­ven Unrechts sei zu ver­nei­nen, weil ein sol­cher Anspruch jeden­falls nicht gegen die beklag­ten Städ­te, son­dern gegen den Gesetz­ge­ber zu rich­ten gewe­sen wäre.

In dem gegen das Land Nord­rhein-West­fa­len geführ­ten Ver­fah­ren sprach das Ver­wal­tungs­ge­richt neben einem Ent­schä­di­gungs­an­spruch wegen Alters­dis­kri­mi­nie­rung einen uni­ons­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen legis­la­ti­ven Unrechts zu. Das Land Nord­rhein-West­fa­len habe nicht nur in sei­ner Funk­ti­on als Dienst­herr durch den Voll­zug des Besol­dungs­rechts gegen das Ver­bot der Benach­tei­li­gung wegen des Alters ver­sto­ßen. Dane­ben sei es in sei­ner Funk­ti­on als Gesetz­ge­ber bis ein­schließ­lich 31. Mai 2013 für den Fort­be­stand der gegen die Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz­li­nie ver­sto­ßen­den Geset­zes­la­ge ver­ant­wort­lich.

Für den Zeit­raum ab dem 1. Juni 2013 lehn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter dage­gen Ent­schä­di­gungs- und Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ab. Seit­her rich­te sich die Besol­dung nach Erfah­rungs­stu­fen. Dies ver­stößt nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts nicht gegen das Ver­bot der Alters­dis­kri­mi­nie­rung.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Urtei­le vom 1. Okto­ber 2015 – 4 K 433/​13, 4 K 1643/​13 u.a.

  1. BSt­Bl I 1999, 434 []
  2. BGH, Urteil vom 28.10.2015 – IV ZR 405/​14, VersR 2015, 1545 []