Alters­höchst­gren­zen für die Ein­stel­lung in den öffent­li­chen Dienst

Die der­zeit bestehen­den Alters­höchst­gren­zen für die Ein­stel­lung in den öffent­li­chen Dienst in Nord­rhein-West­fa­len sind ver­fas­sungs­wid­rig.

Alters­höchst­gren­zen für die Ein­stel­lung in den öffent­li­chen Dienst

Das Lan­des­be­am­ten­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len beinhal­tet kei­ne hin­rei­chend bestimm­te Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung zur Fest­set­zung von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen. Die in der Lauf­bahn­ver­ord­nung vom 30.06.2009 vor­ge­se­he­nen Rege­lun­gen der Alters­höchst­gren­ze sind daher nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sugns­ge­richts mit Art. 33 Abs. 2 GG unver­ein­bar.

§ 6 Absatz 1 Satz 1, § 52 Absatz 1 und § 84 Absatz 2 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len vom 23.11.1995 1 in der Fas­sung der Ver­ord­nung zur Ände­rung der Lauf­bahn­ver­ord­nung und ande­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 30.06.2009 des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len 2 sind mit Arti­kel 33 Absatz 2 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar.

Damit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwei Ver­fas­sungs­be­schwer­den statt­ge­ge­ben und die Ver­fah­ren zur erneu­ten Ent­schei­dung an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Zugleich hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen an Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen kon­kre­ti­siert: Sie sind grund­sätz­lich zuläs­sig, um ein aus­ge­wo­ge­nes zeit­li­ches Ver­hält­nis zwi­schen Lebens­dienst­zeit und Ruhe­stands­zeit zu gewähr­leis­ten. Der Gesetz­ge­ber ver­fügt inso­weit über einen Gestal­tungs­spiel­raum, des­sen Gren­zen sich unter ande­rem aus den Anfor­de­run­gen des Leis­tungs­prin­zips (Art. 33 Abs. 2 GG) sowie aus dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit erge­ben.

Die der­zei­ti­ge Rege­lung in Nord­rhein-West­fa­len[↑]

Leh­rer an öffent­li­chen Schu­len wer­den in Nord­rhein-West­fa­len, sofern die lauf­bahn- und sons­ti­gen beam­ten­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, in der Regel ver­be­am­tet (§ 57 Abs. 5 Satz 2 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 15.02.2005, Schul­ge­setz NRW – SchulG). Sie kön­nen auch als Tarif­be­schäf­tig­te nach dem Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) ange­stellt wer­den 3. Die Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be rich­tet sich unter ande­rem nach den Vor­schrif­ten der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len (Lauf­bahn­ver­ord­nung – LVO). Nach § 52 Abs. 1 der Lauf­bahn­ver­ord­nung vom 23.11.1995 4 in der Fas­sung des Geset­zes vom 03.05.2005 5 ("LVO a. F.") durf­te in die Lehr­erlauf­bah­nen als Lauf­bahn­be­wer­ber in ein Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be nur ein­ge­stellt oder über­nom­men wer­den, wer das 35. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat­te. Nach § 84 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 LVO a. F. konn­ten auf Antrag der obers­ten Dienst­be­hör­de durch Ent­schei­dung des Innen­mi­nis­te­ri­ums und des Finanz­mi­nis­te­ri­ums Aus­nah­men von dem Höchst­al­ter zuge­las­sen wer­den.

Die­se Vor­schrif­ten der Lauf­bahn­ver­ord­nung erklär­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Urteil vom 19.02.2009 6 für unwirk­sam. Zwar sei­en Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen grund­sätz­lich zuläs­sig, da sie dem Lebens­zeit­prin­zip als einem her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums (Art. 33 Abs. 5 GG) Rech­nung trü­gen. Auch sei die Ungleich­be­hand­lung wegen des Alters im Sin­ne von § 10 Satz 1 des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) vom 14.08.2006 gerecht­fer­tigt, denn Alters­gren­zen setz­ten Dienst­zeit und Ver­sor­gungs­an­spruch in ein ange­mes­se­nes Ver­hält­nis und trü­gen zur Absi­che­rung des Lebens­zeit­prin­zips bei. Der Gesetz­ge­ber müs­se ihre Rege­lung ein­schließ­lich der Aus­nah­me­tat­be­stän­de jedoch selbst tref­fen. Da Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen im Beam­ten­recht den Leis­tungs­grund­satz aus Art. 33 Abs. 2 GG ein­schränk­ten, dürf­ten sie nicht vor­aus­set­zungs­los im Ermes­sen der Ver­wal­tung ste­hen. Die an kei­ner­lei Vor­ga­ben gebun­de­ne Aus­nah­me­mög­lich­keit des § 84 Abs. 1 LVO a. F. erfül­le zudem nicht das Gebot der Nor­men­klar­heit. Die zahl­rei­chen Ver­wal­tungs­er­las­se zur Ein­hal­tung der Alters­gren­zen über­la­ger­ten die ver­ord­nungs­recht­li­che Rege­lung.

a)) Mit dem Gesetz zur Ände­rung dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 21.04.2009 7 wur­de ein neu­es Beam­ten­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len (Lan­des­be­am­ten­ge­setz – LBG) beschlos­sen, das am 1.04.2009 in Kraft trat. Die dar­in ent­hal­te­ne Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für Vor­schrif­ten über die Lauf­bah­nen lau­tet:

§ 5 LBG – Vor­schrift über die Lauf­bah­nen

(1) Die Lan­des­re­gie­rung erlässt unter Berück­sich­ti­gung der Erfor­der­nis­se der ein­zel­nen Ver­wal­tun­gen durch Rechts­ver­ord­nung Vor­schrif­ten über die Lauf­bah­nen der Beam­ten (Lauf­bahn­ver­ord­nung). Dabei sind, auch nach Maß­ga­be der §§ 7 bis 23, ins­be­son­de­re zu regeln

  1. die Vor­aus­set­zun­gen für die Ord­nung von Lauf­bah­nen,

Die Lan­des­re­gie­rung beschloss am 30.06.2009 in Arti­kel 1 der Ver­ord­nung zur Ände­rung der Lauf­bahn­ver­ord­nung und ande­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten 8 auf Grund von § 5 Abs. 1 LBG eine Ände­rung der Lauf­bahn­ver­ord­nung ("LVO 2009"). Sie hob die Alters­gren­ze zur Ein­stel­lung oder Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be an; in das Beam­ten­ver­hält­nis konn­te danach beru­fen wer­den, wer das 40. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat­te. Zugleich regel­te sie die Mög­lich­kei­ten des Über­schrei­tens der Höchst­al­ters­gren­ze neu. Die ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten der Lauf­bahn­ver­ord­nung haben fol­gen­den Wort­laut:

Abschnitt I Ein­lei­ten­de Vor­schrif­ten

§ 6 LVO 2009
Ein­stel­lung oder Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be

(1) Als Lauf­bahn­be­wer­ber nach § 5 Absatz 1 Buch­sta­ben a und b und g darf in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be ein­ge­stellt oder über­nom­men wer­den, wer das in den §§ 18 Absatz 1, 22 Absatz 1, 25 Absatz 1, 29 Absatz 1, 35 Absatz 1, 39 Absatz 1, 44 Absatz 1 und 52 Absatz 1 fest­ge­setz­te Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat.

(2) Hat sich die Ein­stel­lung oder Über­nah­me

  1. wegen der Ableis­tung einer Dienst­pflicht nach Arti­kel 12a GG,
  2. wegen der Teil­nah­me an einem frei­wil­li­gen sozia­len Jahr oder
  3. wegen der Geburt eines Kin­des oder wegen der tat­säch­li­chen Betreu­ung eines Kin­des unter 18 Jah­ren,
  4. wegen der tat­säch­li­chen Pfle­ge eines nach einem Gut­ach­ten pfle­ge­be­dürf­ti­gen sons­ti­gen nahen Ange­hö­ri­gen, ins­be­son­de­re aus dem Kreis der Eltern, Schwie­ger­el­tern, Eltern der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ne­rin oder des ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ners, Ehe­gat­ten, ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ne­rin­nen oder Lebens­part­ner, Geschwis­ter sowie voll­jäh­ri­ger Kin­der
  5. ver­zö­gert, so darf die jewei­li­ge Alters­gren­ze im Umfang der Ver­zö­ge­rung über­schrit­ten wer­den.

    Die jewei­li­ge Alters­gren­ze darf bei Ver­zö­ge­run­gen nach Satz 1 Buch­sta­be c um bis zu drei Jah­re, bei meh­re­ren Kin­dern höchs­tens um bis zu sechs Jah­re über­schrit­ten wer­den. Ent­spre­chen­des gilt für Satz 1 Buch­sta­be d. Die jewei­li­ge Alters­gren­ze nach Satz 1 Buch­sta­be c und d darf ins­ge­samt höchs­tens um sechs Jah­re über­schrit­ten wer­den.

    Das Höchst­al­ter erhöht sich, wenn der Bewer­ber an dem Tage, an dem er den Antrag gestellt hat, die Höchst­al­ters­gren­ze nicht über­schrit­ten hat­te und die Ein­stel­lung oder Über­nah­me inner­halb eines Jah­res nach der Antrag­stel­lung erfolgt.

    (3) Schwer­be­hin­der­te Men­schen und ihnen gemäß § 2 Absatz 3 Sozi­al­ge­setz­buch IX gleich­ge­stell­te behin­der­te Men­schen dür­fen bis zum voll­ende­tem 43. Lebens­jahr ein­ge­stellt oder über­nom­men wer­den.
    (4) § 13 Absatz 3 des Bun­des­po­li­zei­be­am­ten­ge­set­zes in der bis zum 30.06.1976 gel­ten­den Fas­sung und § 7 Absatz 6 des Sol­da­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes blei­ben unbe­rührt.
    (5) Plan­stel­len­in­ha­ber an Ersatz­schu­len dür­fen in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be ein­ge­stellt wer­den, wenn sie das 55. Lebens­jahr noch nicht voll­endet haben. Bei Auf­lö­sung einer Ersatz­schu­le nach § 111 Schul­ge­setz in den einst­wei­li­gen Ruhe­stand ver­setz­te Plan­stel­len­in­ha­ber dür­fen in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be ein­ge­stellt wer­den, wenn sie das 60. Lebens­jahr noch nicht voll­endet haben.

    Abschnitt V
    Beson­de­re Vor­schrif­ten für Leh­rer an Schu­len sowie für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter und Lehr­kräf­te für beson­de­re Auf­ga­ben an Hoch­schu­len

    § 52 lVO 2009
    Ein­stel­lung oder Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be, Pro­be­zeit

    (1) Als Lauf­bahn­be­wer­ber darf in die in die­sem Abschnitt genann­ten Lauf­bah­nen in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be ein­ge­stellt oder über­nom­men wer­den, wer das 40. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat.

    Abschnitt VIII
    Über­gangs- und Schluß­vor­schrif­ten

    § 84
    Aus­nah­men

    (2) Aus­nah­men von dem Höchst­al­ter für die Ein­stel­lung oder Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis nach § 6 Absatz 3 und 5, § 18 Absatz 1, § 22 Absatz 1, § 25 Absatz 1, § 29 Absatz 1, § 35 Absatz 1, § 39 Absatz 1, § 44 Absatz 1 und § 52 Absatz 1 kön­nen zuge­las­sen wer­den, und zwar

  1. für ein­zel­ne Fäl­le oder Grup­pen von Fäl­len, wenn der Dienst­herr ein erheb­li­ches dienst­li­ches Inter­es­se dar­an hat, Bewer­ber als Fach­kräf­te zu gewin­nen oder zu behal­ten oder
  2. für ein­zel­ne Fäl­le, wenn sich nach­weis­lich der beruf­li­che Wer­de­gang aus von dem Bewer­ber nicht zu ver­tre­ten­den Grün­den in einem Maß ver­zö­gert hat, das die Anwen­dung der Höchst­al­ters­gren­ze unbil­lig erschei­nen lie­ße.

Ein erheb­li­ches dienst­li­ches Inter­es­se im Sin­ne von Num­mer 1 liegt ins­be­son­de­re vor, wenn die Aus­nah­me­er­tei­lung zur Sicher­stel­lung der Erle­di­gung der öffent­li­chen Auf­ga­be erfor­der­lich ist.
(3) Über Aus­nah­men von § 15 Absatz 2 Lan­des­be­am­ten­ge­setz, § 10 Absatz 1 Satz 1 und Absatz 2 Buch­sta­ben a, b und c, § 10 Absatz 4 und § 46 Absatz 2 sowie über Aus­nah­men von der Dau­er der Pro­be­zeit ande­rer Bewer­ber ent­schei­det der Lan­des­per­so­nal­aus­schuss, für die in § 37 Absatz 1 des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes bezeich­ne­ten Beam­ten die Lan­des­re­gie­rung. Über Aus­nah­men von den übri­gen in Absatz 1 und 2 genann­ten Vor­schrif­ten ent­schei­den für die Beam­ten

  1. des Lan­des die obers­te Dienst­be­hör­de als Auf­sichts­be­hör­de im Ein­ver­neh­men mit dem Innen­mi­nis­te­ri­um und dem Finanz­mi­nis­te­ri­um,
  2. der Land­schafts­ver­bän­de, des Lan­des­ver­ban­des Lip­pe und des Kom­mu­nal­ver­ban­des Ruhr­ge­biet das Innen­mi­nis­te­ri­um als Auf­sichts­be­hör­de,
  3. der Gemein­den und der sons­ti­gen Gemein­de­ver­bän­de die Auf­sichts­be­hör­de, in den Fäl­len des § 40 Satz 1 Num­mer 2 und Num­mer 4, § 41 sowie über die auf Grup­pen bezo­ge­nen Aus­nah­men nach § 84 Absatz 2 Num­mer 1 in Ver­bin­dung mit § 6 die Bezirks­re­gie­rung als Auf­sichts­be­hör­de,
  4. der der Auf­sicht des Lan­des unter­ste­hen­den Kör­per­schaf­ten, Anstal­ten und Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts, mit Aus­nah­me der Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de, die Auf­sichts­be­hör­de, bei Leh­rern im Ein­ver­neh­men mit der Schul­auf­sichts­be­hör­de.

Die­se Neu­re­ge­lung der Lauf­bahn­ver­ord­nung trat am 18.07.2009 in Kraft. Nicht geän­dert wur­de § 48 Abs. 1 der Lan­des­haus­halts­ord­nung Nord­rhein-West­fa­len (LHO) in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 26.04.1999 9. Dem­nach bedür­fen Ein­stel­lung und Ver­set­zung von Beam­tin­nen und Beam­ten in den Lan­des­dienst der Ein­wil­li­gung des Finanz­mi­nis­te­ri­ums, wenn die Bewer­ber ein von der Lan­des­re­gie­rung all­ge­mein fest­zu­set­zen­des Lebens­al­ter über­schrit­ten haben, wel­ches sich nach den Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zur Lan­des­haus­halts­ord­nung (VV zur LHO 10) rich­tet.

Wäh­rend des lau­fen­den ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens wur­de mit Wir­kung vom 08.02.2014 die Lauf­bahn­ver­ord­nung vom 23.11.1995 4 durch die Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­tin­nen und Beam­ten im Land Nord­rhein-West­fa­len (Lauf­bahn­ver­ord­nung – LVO) vom 28.01.2014 11 ("LVO 2014") ersetzt. § 7 LVO 2014 benennt unter "Befä­hi­gung" ver­schie­de­ne Vor­aus­set­zun­gen für den Erwerb der Lauf­bahn­be­fä­hi­gung, § 8 LVO 2014 ent­hält nun­mehr ein­heit­li­che Rege­lun­gen über die Höchst­al­ters­gren­ze für Lauf­bahn­be­wer­be­rin­nen und ‑bewer­ber:

§ 8 LVO 2014
Ein­stel­lung oder Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be

(1) Als Lauf­bahn­be­wer­be­rin oder ‑bewer­ber nach § 7 Absatz 1 Num­mer 1 bis 2 und 5 bis 7 darf in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be ein­ge­stellt oder über­nom­men wer­den, wer das 40. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat.

(2) Hat sich die Ein­stel­lung oder Über­nah­me wegen

  1. der Ableis­tung einer Dienst­pflicht nach Arti­kel 12a des Grund­ge­set­zes,
  2. der Teil­nah­me an Maß­nah­men im Sin­ne des § 34 Absatz 2 der Frei­stel­lungs- und Urlaubs­ver­ord­nung NRW vom 10.10.2012 12 oder
  3. der Geburt eines Kin­des oder wegen der tat­säch­li­chen Betreu­ung eines min­der­jäh­ri­gen Kin­des, oder
  4. der tat­säch­li­chen Pfle­ge eines nach einem Gut­ach­ten pfle­ge­be­dürf­ti­gen sons­ti­gen nahen Ange­hö­ri­gen, ins­be­son­de­re aus dem Kreis der Eltern, Schwie­ger­el­tern, Eltern der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ne­rin oder des ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ners, Ehe­gat­ten, der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ne­rin oder des ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ners, Geschwis­ter sowie voll­jäh­ri­ger Kin­der

ver­zö­gert, so darf die Alters­gren­ze im Umfang der Ver­zö­ge­rung über­schrit­ten wer­den. Die Alters­gren­ze nach Absatz 1 darf bei Ver­zö­ge­run­gen nach Satz 1 Num­mer 3 um bis zu drei Jah­re, bei meh­re­ren Kin­dern höchs­tens um bis zu sechs Jah­re über­schrit­ten wer­den. Ent­spre­chen­des gilt für Satz 1 Num­mer 4. Die Alters­gren­ze nach Absatz 1 darf bei Ver­zö­ge­run­gen nach Satz 1 Num­mer 3 und 4 ins­ge­samt höchs­tens um sechs Jah­re über­schrit­ten wer­den. Absatz 3 fin­det kei­ne Anwen­dung.

(3) Schwer­be­hin­der­te Men­schen und ihnen gemäß § 2 Absatz 3 des Neun­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch – Reha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen – vom 19.06.2001 13 gleich­ge­stell­te behin­der­te Men­schen dür­fen abwei­chend von Absatz 1 auch ein­ge­stellt oder über­nom­men wer­den, wenn sie zwar das 40. aber noch nicht das 43. Lebens­jahr voll­endet haben.

(4) § 7 Absatz 6 des Sol­da­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes vom 16.09.2009 14 in der jeweils gel­ten­den Fas­sung bleibt unbe­rührt.

(5) Plan­stel­len­in­ha­be­rin­nen und ‑inha­ber an Ersatz­schu­len dür­fen in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be ein­ge­stellt wer­den, wenn sie das 55. Lebens­jahr noch nicht voll­endet haben. Bei Auf­lö­sung einer Ersatz­schu­le nach § 111 des Schul­ge­set­zes NRW vom 15.02.2005 15 in der jeweils gel­ten­den Fas­sung in den einst­wei­li­gen Ruhe­stand ver­setz­te Plan­stel­len­in­ha­be­rin­nen und ‑inha­ber dür­fen in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be ein­ge­stellt wer­den, wenn sie das 60. Lebens­jahr noch nicht voll­endet haben.

(6) Das jewei­li­ge Höchst­al­ter erhöht sich, wenn die Bewer­be­rin oder der Bewer­ber an dem Tage, an dem sie oder er den Antrag auf Ein­stel­lung oder Über­nah­me gestellt hat, das jewei­li­ge Höchst­al­ter nicht voll­endet hat­te und die Ein­stel­lung oder Über­nah­me inner­halb eines Jah­res nach der Antrag­stel­lung erfolgt.

Der Unter­schied zur vor­he­ri­gen Rege­lung liegt hin­sicht­lich der Ein­stel­lungs­al­ters­gren­zen im Wesent­li­chen dar­in, dass der zuvor in § 6 Abs. 1 LVO 2009 vor­ge­nom­me­ne Ver­weis auf ver­schie­de­ne Nor­men ent­fällt und nun­mehr für die in § 8 Abs. 1 LVO 2014 genann­ten Lauf­bahn­be­wer­ber zusam­men­ge­fasst ein Ein­stel­lungs­höchst­al­ter fest­ge­legt wor­den ist. Gegen­stand der Neu­re­ge­lung sind wie­der­um ver­schie­de­ne Aus­nah­me­tat­be­stän­de. Mit der Neu­fas­sung wur­de die bis­he­ri­ge Rege­lung in § 52 LVO 2009 hin­sicht­lich der kon­kre­ten Alters­gren­ze für Lehr­kräf­te ent­behr­lich, da die­se von § 8 Abs. 1 LVO 2014 mit­er­fasst ist.

Alters­gren­zen im Bund und in den Län­dern[↑]

Alters­gren­zen für die Ein­stel­lung in das Beam­ten­ver­hält­nis sind im Bund und in den ein­zel­nen Län­dern, auch hin­sicht­lich ihrer Rege­lung durch Gesetz oder Ver­ord­nung, unter­schied­lich aus­ge­stal­tet:

  • Im Bun­des­be­am­ten­ge­setz (BBG) vom 14.07.1953 16 war neben der Pen­si­ons­gren­ze (§ 41 Abs. 1 BBG) in § 9 Satz 1 Nr. 2 ein Min­dest­al­ter für die Ver­be­am­tung auf Lebens­zeit von 27 Jah­ren vor­ge­se­hen, nicht aber Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung. Die­se fin­den sich erst­mals in der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Bun­des­be­am­ten (Bun­des­lauf­bahn­ver­ord­nung – BLV) vom 31.07.1956 17 in den §§ 14, 17, 22 und 28 als Höchst­al­ter für die Ein­stel­lung in den Vor­be­rei­tungs­dienst zwi­schen 30 und 35 Jah­ren, dif­fe­ren­ziert nach Lauf­bah­nen. Die Alters­gren­ze für den Vor­be­rei­tungs­dienst war schließ­lich auf Bun­des­ebe­ne lauf­bahn­über­grei­fend bis Anfang des Jah­res 2009 gemäß § 14 Abs. 2 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Bun­des­be­am­tin­nen und Bun­des­be­am­ten (Bun­des­lauf­bahn­ver­ord­nung – BLV) in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 02.07.2002 18 grund­sätz­lich auf 32 Jah­re fest­ge­legt. Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge hier­für war § 15 Abs. 1 Nr. 1 BBG in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 31.03.1999 19.

    In der Neu­fas­sung der Bun­des­lauf­bahn­ver­ord­nung vom 12.02.2009 20 wur­den kei­ne Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen mehr gere­gelt. In der All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Inne­ren zur Bun­des­lauf­bahn­ver­ord­nung vom 14.07.2009 21 heißt es inso­weit (zu § 11 BLV), die Alters­gren­zen hät­ten ein ange­mes­se­nes Ver­hält­nis zwi­schen Aus­bil­dung, Dienst­zeit und Ver­sor­gung sicher­stel­len sol­len. Die Anknüp­fung an das Alter sei bei den Vor­be­rei­tungs­diens­ten jedoch dienst­recht­lich nicht mehr sinn­voll, da neue Fak­to­ren (beson­de­re Qua­li­fi­ka­tio­nen, Fach­kräf­te­be­darf, Berufs­er­fah­run­gen in ande­ren Berei­chen, wech­seln­de gesetz­li­che Alters­gren­zen für den Ruhe­stand) bei der Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­se nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt wür­den. Unbe­rührt davon blei­be § 48 der Bun­des­haus­halts­ord­nung (BHO) in Ver­bin­dung mit dem Rund­schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 23.03.1995 22: Nach § 48 BHO bedür­fen Ein­stel­lung und Ver­set­zung von Beam­ten in den Bun­des­dienst der Ein­wil­li­gung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen, wenn der Bewer­ber ein von dem Minis­te­ri­um "all­ge­mein fest­zu­set­zen­des Lebens­al­ter" über­schrit­ten habe. Die­ses wird in dem genann­ten Rund­schrei­ben grund­sätz­lich auf das voll­ende­te 40. Lebens­jahr fest­ge­setzt.

    Zum 1.04.2009 wur­de auch die Min­dest­al­ters­gren­ze von 27 Jah­ren für die Ernen­nung zum Beam­ten auf Lebens­zeit in § 6 des Rah­men­ge­set­zes zur Ver­ein­heit­li­chung des Beam­ten­rechts (Beam­ten­rechts­rah­men­ge­setz – BRRG) in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 31.03.1999 23 und in § 9 Abs. 1 Nr. 2 BBG auf­ge­ho­ben und nicht in das neu erlas­se­ne Gesetz zur Rege­lung des Sta­tus­rechts der Beam­tin­nen und Beam­ten in den Län­dern in der Fas­sung vom 17.06.2008 (Beam­ten­sta­tus­ge­setz – BeamtStG) 24 über­nom­men (vgl. §§ 7, 10 BeamtStG). Die Alters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ruhe­stand sind nach wie vor in § 51 BBG (in der Regel: Voll­endung des 67. Lebens­jah­res) gere­gelt. Das Beam­ten­sta­tus­ge­setz ent­hält dazu kei­ne Rege­lung (vgl. § 25 BeamtStG).

  • In den Län­dern sind Höchst­al­ters­gren­zen für den Zugang zum Beam­ten­sta­tus unter­schied­lich gere­gelt, wobei teil­wei­se erheb­li­che Abwei­chun­gen zwi­schen der Ein­stel­lung in den Vor­be­rei­tungs­dienst und in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be bestehen. Regel­mä­ßig sind Aus­nah­me­mög­lich­kei­ten bei Über­schrei­ten der jewei­li­gen Alters­gren­zen vor­ge­se­hen, die an ver­schie­de­ne Vor­aus­set­zun­gen geknüpft und teil­wei­se in das Ermes­sen des Dienst­herrn gestellt sind.
    • Baden-Würt­tem­berg bestimmt in § 48 Abs. 1 Satz 1 der Lan­des­haus­halts­ord­nung (LHO) vom 19.10.1971 25, geän­dert durch Arti­kel 2 des Geset­zes vom 01.03.2010 26, eine grund­sätz­li­che Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­ze von 42 Jah­ren für Beam­te und Rich­ter. Die Lauf­bahn­vor­schrif­ten, die zum Teil deut­lich nied­ri­ge­re Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen bestimm­ten, wur­den auf­ge­ho­ben (Art. 63 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 des Geset­zes zur Reform des öffent­li­chen Dienst­rechts vom 09.11.2010 27).
    • In Bay­ern sind die Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen unmit­tel­bar im Lan­des­be­am­ten­ge­setz gere­gelt und wer­den dort auf 45 Jah­re fest­ge­legt (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 des Baye­ri­schen Beam­ten­ge­set­zes vom 29.07.2008 28).
    • Nach § 29 Abs. 1 Satz 2 des Geset­zes über die Lauf­bah­nen der Beam­tin­nen und Beam­ten des Lan­des Ber­lin vom 21.06.2011 29 kön­nen Rechts­ver­ord­nun­gen über die Lauf­bah­nen auch Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung in den Vor­be­rei­tungs­dienst bestim­men. Nach § 48 der Lan­des­haus­halts­ord­nung (LHO) Ber­lin in der Fas­sung vom 30.01.2009 30 bedür­fen Ein­stel­lung und Ver­set­zung von Beam­ten in den Dienst Ber­lins der Ein­wil­li­gung der für Inne­res zustän­di­gen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ver­wal­tung, wenn der Bewer­ber ein vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt all­ge­mein fest­zu­set­zen­des Lebens­al­ter über­schrit­ten hat, wel­ches in den Aus­füh­rungs­vor­schrif­ten zur Lan­des­haus­halts­ord­nung mit 50 Jah­ren ange­ge­ben ist (Nr. 1 zu § 48 LHO).
    • In Bran­den­burg ist die Höchst­al­ters­gren­ze für die Ein­stel­lung von Beam­ten in den Vor­be­rei­tungs­dienst auf 32 Jah­re gemäß § 19 Abs. 1 Satz 1 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­ten des Lan­des Bran­den­burg vom 16.09.2009 31 fest­ge­legt, die auf der Grund­la­ge von § 25 des Beam­ten­ge­set­zes für das Land Bran­den­burg vom 03.04.2009 32 als "Vor­schrif­ten über die Lauf­bah­nen" erlas­sen wur­de. § 3 Abs. 2 Satz 1 des Beam­ten­ge­set­zes in der Fas­sung des Geset­zes über ergän­zen­de Rege­lun­gen zur Neu­ord­nung des Beam­ten­rechts im Land Bran­den­burg vom 05.12 2013 33 sieht als Vor­aus­set­zung für die Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis all­ge­mein ein Höchst­al­ter von 47 Jah­ren vor.
    • Bre­men setzt im Lauf­bahn­recht für den Vor­be­rei­tungs­dienst ein Ein­stel­lungs­höchst­al­ter von 40 Jah­ren fest (§ 17 Abs. 2 Satz 1 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der bre­mi­schen Beam­tin­nen und Beam­ten vom 09.03.2010, GBl S. 249). § 25 des Bre­mi­schen Beam­ten­ge­set­zes vom 22.12 2009 34 ermäch­tigt zum Erlass von Vor­schrif­ten für die Gestal­tung der Lauf­bah­nen.
    • In Ham­burg gel­ten Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen von 45 Jah­ren für das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be bezie­hungs­wei­se von 40 Jah­ren für den Vor­be­rei­tungs­dienst (§ 5 Abs. 1, § 11 Abs. 1 Satz 1 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der ham­bur­gi­schen Beam­tin­nen und Beam­ten vom 22.12 2009, GVBl S. 511). Gemäß der ent­spre­chen­den Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge (§ 25 Satz 1 des Ham­bur­gi­schen Beam­ten­ge­set­zes vom 15.12 2009, GVBl S. 405) erlässt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt durch Rechts­ver­ord­nung Vor­schrif­ten über die Lauf­bah­nen, wobei unter ande­rem Alters­gren­zen für die Ein­stel­lung in einen Vor­be­rei­tungs­dienst und in ein Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be gere­gelt wer­den sol­len (§ 25 Satz 2 Nr. 4).
    • In Hes­sen leg­te die Lauf­bahn­ver­ord­nung bis zum Febru­ar 2014 für Beam­te ein Ein­stel­lungs­höchst­al­ter von 35 Jah­ren für den Vor­be­rei­tungs­dienst des mitt­le­ren, geho­be­nen und höhe­ren Diens­tes fest (§ 13 Abs. 1 Satz 1, § 15 Abs. 1 Satz 1 und § 17 Abs. 1 Satz 1 der Hes­si­schen Lauf­bahn­ver­ord­nung vom 18.12 1979, GVBl S. 266). In der Neu­re­ge­lung der Hes­si­schen Lauf­bahn­ver­ord­nung vom 17.02.2014 35 ist eine all­ge­mei­ne Alters­gren­ze für die Ein­stel­lung in das Beam­ten­ver­hält­nis von 50 Jah­ren vor­ge­se­hen (§ 11 Abs. 1 Satz 1). § 23 Abs. 2 Nr. 4 und 5 des Hes­si­schen Beam­ten­ge­set­zes in der Fas­sung vom 27.05.2013 36 ermög­licht die Fest­set­zung von Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung und Ver­set­zung von Beam­ten sowie die Ein­stel­lung in den Vor­be­rei­tungs­dienst.
    • Meck­len­burg-Vor­pom­mern sieht ein Ein­stel­lungs­höchst­al­ter von 40 Jah­ren all­ge­mein für die Ein­stel­lung als Beam­ter auf Pro­be vor (§ 26 Abs. 1 Satz 1 der Lan­des­ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­tin­nen und Beam­ten in Meck­len­burg-Vor­pom­mern vom 29.09.2010, GVBl S. 565 in der Fas­sung der Ände­rungs­ver­ord­nung vom 16.06.2014, GVBl S. 297). Mit Wir­kung zum 1.11.2014 wur­den die Höchst­al­ters­gren­zen für den Vor­be­rei­tungs­dienst in § 8a der Ver­ord­nung auf 35 Jah­re fest­ge­legt 37. § 25 des Beam­ten­ge­set­zes für das Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern vom 17.12 2009 38 ermäch­tigt all­ge­mein zum Erlass von Vor­schrif­ten für die Gestal­tung der Lauf­bah­nen. Geson­dert gere­gelt wird für die Ver­be­am­tung von Lehr­kräf­ten eine Alters­gren­ze von 40 Jah­ren in § 7 Abs. 1 Satz 1 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Fach­rich­tung Bil­dungs­dienst im Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern vom 21.01.2014 39.
    • Nie­der­sach­sen sieht Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen von 40 Jah­ren für den Vor­be­rei­tungs­dienst und von 45 Jah­ren für das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be vor (§ 16 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 1 der Nie­der­säch­si­schen Lauf­bahn­ver­ord­nung vom 30.03.2009, GVBl S. 118). Nach der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge (§ 25 Nr. 8 des Nie­der­säch­si­schen Beam­ten­ge­set­zes vom 25.03.2009, GVBl S. 72) regelt die Lan­des­re­gie­rung durch Ver­ord­nung Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung in einen Vor­be­rei­tungs­dienst und in ein Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be.
    • In Rhein­land-Pfalz wer­den die Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen unmit­tel­bar im Lan­des­be­am­ten­ge­setz gere­gelt und für das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be oder auf Lebens­zeit gemäß § 19 Abs. 1 Satz 1 des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes von Rhein­land-Pfalz vom 20.10.2010 40 auf 45 Jah­re fest­ge­legt. Für den Vor­be­rei­tungs­dienst (Beam­ten­ver­hält­nis auf Wider­ruf) gilt eine Alters­gren­ze von 40 Jah­ren (§ 19 Abs. 1 Satz 2).
    • Im Saar­land bestimmt § 12 Abs. 1 Nr. 1 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­tin­nen und Beam­ten im Saar­land vom 27.09.2011 41 eine Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­ze von 40 Jah­ren für das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be. Die Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge (§ 9 Abs. 1 des Saar­län­di­schen Beam­ten­ge­set­zes vom 11.03.2009 42) sieht den Erlass von Vor­schrif­ten über die Lauf­bah­nen vor.
    • Sach­sen nor­mier­te bis Okto­ber 2014 eine Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­ze von 32 Jah­ren für den Vor­be­rei­tungs­dienst des mitt­le­ren, geho­be­nen und höhe­ren Diens­tes in § 17 Abs. 1, § 21 Abs. 1, § 26 Abs. 1 der Ver­ord­nung der Säch­si­schen Staats­re­gie­rung über die Lauf­bah­nen der Beam­ten und Rich­ter im Frei­staat Sach­sen vom 28.07.2009 43. Die Neu­fas­sung der Lauf­bahn­ver­ord­nung vom 16.09.2014 44 sieht Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen von 35 Jah­ren für den Vor­be­rei­tungs­dienst und die Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be für die Fach­rich­tung Poli­zei vor (§ 31 Abs. 3 und 4). Auf­grund Arti­kel 1 des Geset­zes zur Neu­ord­nung des Dienst, Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­rechts im Frei­staat Sach­sen vom 18.12 2013 45 ist in § 7 Abs. 1 Satz 1 des Säch­si­schen Beam­ten­ge­set­zes für die Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis eine all­ge­mei­ne Alters­gren­ze von 47 Jah­ren vor­ge­se­hen.
    • In Sach­sen-Anhalt gilt ein Ein­stel­lungs­höchst­al­ter von 45 Jah­ren für das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be oder auf Lebens­zeit (§ 5 Abs. 1 Satz 1 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­tin­nen und Beam­ten im Land Sach­sen-Anhalt vom 27.01.2010, GVBl S. 12). Nach § 27 Satz 1 des Beam­ten­ge­set­zes des Lan­des Sach­sen-Anhalt vom 15.12 2009 46 regelt die Lan­des­re­gie­rung "durch Ver­ord­nung die Lauf­bah­nen". Nach § 27 Satz 3 kann für die Ein­stel­lung in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be und das Beam­ten­ver­hält­nis auf Lebens­zeit eine Alters­gren­ze fest­ge­legt wer­den.
    • Schles­wig-Hol­stein sieht im Haus­halts­recht einen Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt des Finanz­mi­nis­te­ri­ums bei Über­schrei­ten eines Alters von 45 Jah­ren bei Ein­stel­lung von Beam­tin­nen und Beam­ten in den Lan­des­dienst vor (§ 48 Abs. 1 der Lan­des­haus­halts­ord­nung in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 29.06.1992, GVBl S. 381). Die Lan­des­ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­tin­nen und Beam­ten in Schles­wig-Hol­stein vom 19.05.2009 47 beinhal­tet kei­ne Höchst­al­ters­gren­zen, dafür ist in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 der Lan­des­ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Leh­re­rin­nen und Leh­rer vom 30.01.1998 48 geson­dert eine Alters­gren­ze von 45 Jah­ren für das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be vor­ge­se­hen.
    • In Thü­rin­gen galt im höhe­ren Dienst bis Ende 2014 eine Höchst­al­ters­gren­ze für den Vor­be­rei­tungs­dienst von 32 Jah­ren (§ 35 Nr. 1 der Thü­rin­ger Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­ten vom 07.12 1995 49) auf der Grund­la­ge von § 13 Abs. 1 des Thü­rin­ger Beam­ten­ge­set­zes vom 20.03.2009 50. Nach § 7 Abs. 1 Satz 1 des Thü­rin­ger Geset­zes über die Lauf­bah­nen der Beam­ten vom 12.08.2014 51 mit Wir­kung zum 1.01.2015 dür­fen Bewer­ber bei der Ein­stel­lung in ein Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be "das Lebens­jahr, das 20 Jah­re vor dem in der jewei­li­gen Lauf­bahn gesetz­lich fest­ge­leg­ten Zeit­punkt des Ein­tritts in den Ruhe­stand wegen Errei­chens der Alters­gren­ze liegt, noch nicht voll­endet haben".
  • Auf der Ebe­ne der Euro­päi­schen Uni­on wur­de die ursprüng­lich vor­ge­se­he­ne Höchst­al­ters­gren­ze von 45 Jah­ren bei von der Kom­mis­si­on durch­ge­führ­ten Aus­wahl­ver­fah­ren ab dem 10.04.2002 abge­schafft: Die Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on (Grund­rech­te­char­ta – EuGRCh) ver­bie­te Alters­gren­zen, weil damit eine Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Alters ver­bun­den sei. Die Kom­mis­si­on tritt für die Abschaf­fung von Alters­gren­zen in allen euro­päi­schen Orga­nen ein 52.

Die Aus­gangs­sach­ver­hal­te[↑]

Der Beschwer­de­füh­rer zu I. ist 1963 gebo­ren. Er übte zunächst den Beruf des Gestal­ters aus und stu­dier­te von 1991 bis 1997 Male­rei und Gra­fik. Im Anschluss an die Diplom­prü­fung war er als Thea­ter­de­ko­rie­rer, Hand­we­ber und Tex­til­ge­stal­ter tätig. Nach Aner­ken­nung sei­nes Diploms als Ers­te Staats­prü­fung für das Lehr­amt an Berufs­kol­legs (Fächer: Gestal­tungs­tech­nik und Kunst) wur­de er im Jahr 2004 im öffent­li­chen Schul­dienst des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ange­stellt. Von 2005 bis 2007 absol­vier­te er den berufs­be­glei­ten­den Vor­be­rei­tungs­dienst für das Lehr­amt an Berufs­kol­legs und schloss die­sen mit der Zwei­ten Staats­prü­fung ab. Im Anschluss wur­de er als ange­stell­ter Leh­rer beschäf­tigt.

Nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 19.02.2009 53 bean­trag­te der Beschwer­de­füh­rer zu I. im Mai 2009 – in sei­nem 47. Lebens­jahr – die Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be. Die Bezirks­re­gie­rung lehn­te den Antrag im Okto­ber 2009 mit Bezug auf die Neu­re­ge­lung der Lauf­bahn­ver­ord­nung ab. Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen unter Hin­weis auf das Über­schrei­ten der lauf­bahn­recht­li­chen Höchst­al­ters­gren­ze ab 54.

Die dage­gen gerich­te­te Sprung­re­vi­si­on des Beschwer­de­füh­rers zu I. wies das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt als unbe­grün­det zurück 55. Der Antrag auf Ver­be­am­tung sei zwar frü­her gestellt wor­den, aber den­noch nach der am 18.07.2009 in Kraft getre­te­nen Neu­re­ge­lung der Höchst­al­ters­gren­zen zu beur­tei­len. Maß­geb­lich sei das im Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung anwend­ba­re Recht. § 6, § 52 Abs. 1, § 84 Abs. 2 LVO 2009 stün­den in Ein­klang mit Ver­fas­sungs- und Uni­ons­recht. Der vom Lebens­al­ter abhän­gi­ge Zugang zur Lehr­erlauf­bahn knüp­fe zwar an ein nicht von Art. 33 Abs. 2 GG gedeck­tes Kri­te­ri­um an. Das aus dem Lebens­zeit- und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip des Art. 33 Abs. 5 GG fol­gen­de Inter­es­se des Dienst­herrn an einem aus­ge­wo­ge­nen zeit­li­chen Ver­hält­nis zwi­schen Dienst- und Ruhe­stands­zeit recht­fer­ti­ge jedoch die Ein­schrän­kung des Leis­tungs­grund­sat­zes. Die durch Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­te Aus­stat­tung der Alters­ver­sor­gung und ihr Zusam­men­hang mit der auf das gesam­te Berufs­le­ben aus­ge­rich­te­ten Dienst­leis­tungs­pflicht des Beam­ten ver­lie­hen dem Inter­es­se an ange­mes­sen lan­gen Dienst­zei­ten einen ver­fas­sungs­recht­li­chen Stel­len­wert. Die Fest­le­gung der ange­mes­se­nen Lebens­dienst­zeit bis zur Alters­ver­sor­gung sei Sache des Gesetz- bezie­hungs­wei­se Ver­ord­nungs­ge­bers, dem ein wei­ter Ein­schät­zungs­spiel­raum zuste­he: Die Alters­gren­zen für die Ein­stel­lung in das Beam­ten­ver­hält­nis und für den Ein­tritt in den Ruhe­stand ver­folg­ten dabei die­sel­be Ziel­set­zung, so dass sich die für ihre Recht­fer­ti­gung bedeut­sa­men Erwä­gun­gen deck­ten. Die Dienst­zeit von unge­fähr 20 Jah­ren, die der­zeit für die Erdie­nung des nach fünf Dienst­jah­ren gewähr­ten Min­destru­he­ge­halts erfor­der­lich sei, stel­le eine Ori­en­tie­rungs­hil­fe für die Bestim­mung der Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­ze dar. Deren Fest­le­gung kön­ne der Gesetz­ge­ber auf den Ver­ord­nungs­ge­ber über­tra­gen: Die gesetz­li­che Ermäch­ti­gung des § 5 Abs. 1 LBG genü­ge dem Vor­be­halt des Par­la­ments­ge­set­zes, da Rege­lun­gen über Höchst­al­ters­gren­zen her­kömm­li­cher­wei­se zum Lauf­bahn­we­sen der Beam­ten zähl­ten. Die in der Lauf­bahn­ver­ord­nung fest­ge­leg­te Höchst­al­ters­gren­ze eröff­ne mit einem zeit­li­chen Kor­ri­dor von mehr als zehn Jah­ren in aus­rei­chen­dem Maße auch Bewer­bern mit außer­ge­wöhn­li­chem Lebens­weg die Mög­lich­keit der Ver­be­am­tung. Die Aus­nah­me­re­ge­lun­gen sei­en inhalt­lich hin­rei­chend kon­kre­ti­siert und genüg­ten dem Gebot der Nor­men­klar­heit.

Die 1959 gebo­re­ne Beschwer­de­füh­re­rin zu II. leg­te 1984 die Ers­te und 1987 die Zwei­te Staats­prü­fung für das Lehr­amt (Sekun­dar­stu­fe I und II) ab. Nach Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten war sie ab 1992 zunächst befris­tet, ab 1995 unbe­fris­tet als Lehr­kraft im katho­li­schen Ersatz­schul­dienst tätig. Seit 2001 ist die Beschwer­de­füh­re­rin im Schul­dienst des Lan­des ange­stellt. Ein Antrag auf Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be im Jahr 2004 blieb erfolg­los. Der­zeit ist die Beschwer­de­füh­re­rin an einem Gym­na­si­um tätig.

Nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 19.02.2009 53 bean­trag­te sie im Mai 2009 – in ihrem 50. Lebens­jahr – erneut die Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be. Die Bezirks­re­gie­rung lehn­te den Antrag mit Bezug auf die neu gefass­te Lauf­bahn­ver­ord­nung im August 2009 ab. Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln unter Ver­weis auf die lauf­bahn­recht­li­che Höchst­al­ters­gren­ze ab 56. Die von dem Ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­se­ne Beru­fung der Beschwer­de­füh­re­rin wies das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len auf der Grund­la­ge von § 130a VwGO als unbe­grün­det zurück 57. Maß­geb­lich sei die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung. Die Beschwer­de­füh­re­rin habe nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 19.02.2009 nicht dar­auf ver­trau­en dür­fen, das Land wer­de kei­ne neue Höchst­al­ters­gren­ze regeln. Die Neu­re­ge­lung sei mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bar und wirk­sam.

Die Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on hat­te vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eben­falls kei­nen Erfolg 58. § 5 Abs. 1 Satz 1 LBG genü­ge dem Vor­be­halt des Par­la­ments­ge­set­zes und umfas­se die Rege­lung von Höchst­al­ters­gren­zen, die her­kömm­li­cher­wei­se zum Lauf­bahn­we­sen der Beam­ten zähl­ten. Die Neu­re­ge­lung der Lauf­bahn­ver­ord­nung ermög­li­che eine Über­schrei­tung der Alters­gren­ze in typi­schen Fäl­len, ohne sie in das Ermes­sen der Ver­wal­tung zu stel­len (§ 6 LVO 2009). Auch die zusätz­li­chen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen in Ein­zel­fäl­len (§ 84 Abs. 2 LVO 2009) genüg­ten dem Gebot der Nor­men­klar­heit, ohne dass im Revi­si­ons­ver­fah­ren alle ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Aspek­te der Rechts­an­wen­dung geklärt wer­den könn­ten. Eine Ver­pflich­tung des Ver­ord­nungs­ge­bers, die Aus­nah­me­re­ge­lun­gen auf die beruf­li­che Tätig­keit an einer Ersatz­schu­le zu erwei­tern, sei nicht ersicht­lich. Höchst­al­ters­gren­zen stell­ten eine Ungleich­be­hand­lung wegen des Alters dar, die durch das Inter­es­se des Dienst­herrn an einem aus­ge­wo­ge­nen Ver­hält­nis zwi­schen Lebens­dienst- und Ruhe­stands­zeit gerecht­fer­tigt und auch uni­ons­recht­lich im Hin­blick auf Art. 6 Abs. 1 Satz 2 Buch­sta­be c der Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf 59 zuläs­sig sei.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts begrün­det.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erklär­te § 6 Absatz 1 Satz 1, § 52 Absatz 1 und § 84 Absatz 2 LVO 2009 als mit Arti­kel 33 Absatz 2 GG unver­ein­bar.

Des­wei­te­ren hob das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Urtei­le des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gemäß § 95 Abs. 2 BVerfGG auf und ver­wies die Sachen zurück an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt.

Die durch die Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len vom 23.11.1995 4 in der Fas­sung der Ver­ord­nung zur Ände­rung der Lauf­bahn­ver­ord­nung und ande­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 30.06.2009 des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len 8 auf der Grund­la­ge des § 5 Abs. 1 Satz 1 Lan­des­be­am­ten­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung vom 21.04.2009 7 fest­ge­leg­ten Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be sind mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar, weil es an einer hin­rei­chend bestimm­ten Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge fehlt. Die Rege­lun­gen der § 6 Abs. 1 Satz 1, § 52 Abs. 1 und § 84 Abs. 2 LVO 2009, nach denen die Ein­stel­lung auf­grund des erreich­ten Lebens­al­ters ver­wei­gert wer­den kann, ver­sto­ßen inso­weit gegen Art. 33 Abs. 2 GG. Die auf die­sen Vor­schrif­ten beru­hen­den gericht­li­chen und behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen ver­let­zen daher die Beschwer­de­füh­rer in ihrem grund­rechts­glei­chen Recht aus Art. 33 Abs. 2 GG.

Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen – Rechts­staats­prin­zip und Demo­kra­tie­ge­bot[↑]

Rechts­staats­prin­zip und Demo­kra­tie­ge­bot ver­pflich­ten den Gesetz­ge­ber, die für die Grund­rechts­ver­wirk­li­chung maß­geb­li­chen Rege­lun­gen im Wesent­li­chen selbst zu tref­fen und die­se nicht dem Han­deln und der Ent­schei­dungs­macht der Exe­ku­ti­ve zu über­las­sen 60. Wann es auf­grund der Wesent­lich­keit einer Ent­schei­dung einer Rege­lung durch den par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber bedarf, hängt vom jewei­li­gen Sach­be­reich und der Eigen­art des betrof­fe­nen Rege­lungs­ge­gen­stan­des ab. Die ver­fas­sungs­recht­li­chen Wer­tungs­kri­te­ri­en sind dabei den tra­gen­den Prin­zi­pi­en des Grund­ge­set­zes, ins­be­son­de­re den dar­in ver­bürg­ten Grund­rech­ten zu ent­neh­men 61. Danach bedeu­tet wesent­lich im grund­rechts­re­le­van­ten Bereich in der Regel "wesent­lich für die Ver­wirk­li­chung der Grund­rech­te" 62. Als wesent­lich sind also Rege­lun­gen zu ver­ste­hen, die für die Ver­wirk­li­chung von Grund­rech­ten erheb­li­che Bedeu­tung haben 63 und sie beson­ders inten­siv betref­fen 64. Die Tat­sa­che, dass eine Fra­ge poli­tisch umstrit­ten ist, führt dage­gen für sich genom­men nicht dazu, dass die­se als wesent­lich ver­stan­den wer­den müss­te 65.

Eine Pflicht zum Tätig­wer­den des Gesetz­ge­bers besteht ins­be­son­de­re in mehr­di­men­sio­na­len, kom­ple­xen Grund­rechts­kon­stel­la­tio­nen, in denen mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­de Frei­heits­rech­te auf­ein­an­der tref­fen und deren jewei­li­ge Gren­zen flie­ßend und nur schwer aus­zu­ma­chen sind 66. Eine sol­che Pflicht ist regel­mä­ßig auch dann anzu­neh­men, wenn die betrof­fe­nen Grund­rech­te nach dem Wort­laut der Ver­fas­sung ohne Geset­zes­vor­be­halt gewähr­leis­tet sind und eine Rege­lung, wel­che die­sen Lebens­be­reich ord­nen will, damit not­wen­di­ger­wei­se ihre ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken bestim­men und kon­kre­ti­sie­ren muss. Hier ist der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet, die Schran­ken der wider­strei­ten­den Frei­heits­ga­ran­ti­en jeden­falls so weit selbst zu bestim­men, wie eine sol­che Fest­le­gung für die Aus­übung die­ser Frei­heits­rech­te wesent­lich ist 67. Denn nach der Ver­fas­sung sind die Ein­schrän­kung von grund­recht­li­chen Frei­hei­ten und der Aus­gleich zwi­schen kol­li­die­ren­den Grund­rech­ten dem Par­la­ment vor­be­hal­ten, um zu gewähr­leis­ten, dass Ent­schei­dun­gen von sol­cher Trag­wei­te aus einem Ver­fah­ren her­vor­ge­hen, das der Öffent­lich­keit Gele­gen­heit bie­tet, ihre Auf­fas­sun­gen aus­zu­bil­den und zu ver­tre­ten, und die Volks­ver­tre­tung dazu anhält, Not­wen­dig­keit und Aus­maß von Grund­rechts­ein­grif­fen in öffent­li­cher Debat­te zu klä­ren 68. Es geht dar­um sicher­zu­stel­len, dass die wesent­li­chen Rege­lun­gen aus einem Ver­fah­ren her­vor­ge­hen, das sich durch Trans­pa­renz aus­zeich­net und die Betei­li­gung der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on gewähr­leis­tet 69. Zugleich sol­len staat­li­che Ent­schei­dun­gen mög­lichst rich­tig, das heißt von den Orga­nen getrof­fen wer­den, die dafür nach ihrer Orga­ni­sa­ti­on, Zusam­men­set­zung, Funk­ti­on und Ver­fah­rens­wei­se über die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­fü­gen. Die­ses Ziel darf nicht durch einen Gewal­ten­mo­nis­mus in Form eines umfas­sen­den Par­la­ments­vor­be­halts unter­lau­fen wer­den 70.

Grund­sätz­lich kön­nen zwar auch Geset­ze, die zu Rechts­ver­ord­nun­gen und Sat­zun­gen ermäch­ti­gen, den Vor­aus­set­zun­gen des Geset­zes­vor­be­halts genü­gen, die wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen müs­sen aber durch den par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber selbst erfol­gen. Die Wesent­lich­keits­dok­trin beant­wor­tet daher nicht nur die Fra­ge, ob über­haupt ein bestimm­ter Gegen­stand gesetz­lich zu regeln ist. Sie ist viel­mehr auch dafür maß­geb­lich, wie genau die­se Rege­lun­gen im Ein­zel­nen sein müs­sen 71. Das Erfor­der­nis der hin­rei­chen­den Bestimmt­heit der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge bei Dele­ga­ti­on einer Ent­schei­dung auf den Ver­ord­nungs­ge­ber stellt inso­weit eine not­wen­di­ge Ergän­zung und Kon­kre­ti­sie­rung des Geset­zes­vor­be­halts und des Grund­sat­zes der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung dar 72.

Die par­la­men­ta­ri­sche Leit­ent­schei­dung ist an den rechts­staat­li­chen Anfor­de­run­gen des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG zu mes­sen, wonach Inhalt, Zweck und Aus­maß der Ermäch­ti­gung im Gesetz bestimmt wer­den müs­sen. Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG führt als eine Aus­prä­gung des "all­ge­mei­nen Geset­zes­vor­be­halts" 73 den staat­li­chen Ein­griff durch die Exe­ku­ti­ve nach­voll­zieh­bar auf eine par­la­men­ta­ri­sche Wil­lens­äu­ße­rung zurück. Die Bestimmt­heit der Ermäch­ti­gungs­norm muss der Grund­rechts­re­le­vanz der Rege­lung ent­spre­chen, zu der ermäch­tigt wird: Je erheb­li­cher die­se in die Rechts­stel­lung des Betrof­fe­nen ein­greift, des­to höhe­re Anfor­de­run­gen müs­sen an den Bestimmt­heits­grad der Ermäch­ti­gung gestellt wer­den 74. Eine Ermäch­ti­gung darf daher nicht so unbe­stimmt sein, dass nicht mehr vor­aus­ge­se­hen wer­den kann, in wel­chen Fäl­len und mit wel­cher Ten­denz von ihr Gebrauch gemacht wer­den wird und wel­chen Inhalt die auf Grund der Ermäch­ti­gung erlas­se­nen Ver­ord­nun­gen haben kön­nen 75. Schon aus der Ermäch­ti­gung muss daher erkenn­bar und vor­her­seh­bar sein, was dem Bür­ger gegen­über zuläs­sig sein soll 76.

Lan­des­ge­setz­li­che Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen[↑]

Für lan­des­ge­setz­li­che Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen ist Art. 80 Abs. 1 GG nicht unmit­tel­bar anwend­bar. Die in Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG fest­ge­leg­ten, aus dem rechts­staat­li­chen und demo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­sys­tem des Grund­ge­set­zes fol­gen­den Grund­sät­ze sind aber auch für die Lan­des­ge­setz­ge­bung ver­bind­lich 77.

Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen im Beam­ten­recht[↑]

Die dar­ge­leg­ten Grund­sät­ze gel­ten auch im Beam­ten­ver­hält­nis. Dass die Grund­rech­te dort in glei­cher Wei­se Gel­tung bean­spru­chen, ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aner­kannt 78; zugleich sind die grund­rechts­glei­chen Berech­ti­gun­gen aus Art. 33 GG zu beach­ten. Die Rege­lungs­form des Geset­zes ist für das Beam­ten­ver­hält­nis typisch und sach­an­ge­mes­sen; die wesent­li­chen Inhal­te des Beam­ten­rechts sind daher durch Gesetz zu regeln 79. Ob bestimm­te Rege­lun­gen in der Ver­gan­gen­heit durch Rechts­ver­ord­nung erfolgt sind, ist dabei nicht ent­schei­dend. Die Fra­ge der Wesent­lich­keit und damit der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge kann sich unter einem aktua­li­sier­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Blick­win­kel anders dar­stel­len als noch vor eini­gen Jah­ren oder gar Jahr­zehn­ten 80.

Freie Wahl des Arbeits­plat­zes, Art. 12 GG[↑]

Abs. 1 GG schützt unter ande­rem die freie Wahl des Arbeits­plat­zes. Das Grund­recht gilt auch im Bereich des öffent­li­chen Diens­tes; Art. 33 Abs. 2 GG ermög­licht inso­weit aller­dings ergän­zen­de Son­der­re­ge­lun­gen 81. Art. 12 Abs. 1 GG ent­fal­tet sei­nen Schutz gegen alle staat­li­chen Maß­nah­men, die die­se Wahl­frei­heit beschrän­ken 82. Die Berufs­frei­heit steht – anders als Art. 33 Abs. 2 GG – unter dem spe­zi­fi­schen Geset­zes­vor­be­halt des Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG. Ein wesent­li­cher Ein­griff in die­ses Grund­recht ist anzu­neh­men, wenn die Ein­griffs­re­ge­lung die Frei­heit der Berufs­wahl betrifft oder sta­tus­bil­den­den Cha­rak­ter hat 83. So bedarf etwa die Bestim­mung eines Höchst­al­ters für die Bestel­lung zum Anwalts­no­tar im Hin­blick auf Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG der Ent­schei­dung durch den Norm­ge­ber und kann nicht durch All­ge­mei­ne Ver­fü­gung der Jus­tiz­ver­wal­tung fest­ge­setzt wer­den 84. Allen­falls Ein­zel­fra­gen fach­lich-tech­ni­schen Cha­rak­ters kön­nen in dem vom Gesetz­ge­ber gezo­ge­nen Rah­men durch Sat­zungs­recht eines Berufs­ver­ban­des gere­gelt wer­den 85. Auch bei Rege­lun­gen, die nur die Frei­heit der Berufs­aus­übung betref­fen, muss das zuläs­si­ge Maß des Ein­griffs umso deut­li­cher in der gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung bestimmt wer­den, je emp­find­li­cher die beruf­li­che Betä­ti­gung beein­träch­tigt wird: Ein­schnei­den­de, das Gesamt­bild der beruf­li­chen Betä­ti­gung wesent­lich prä­gen­de Vor­schrif­ten über die Aus­übung des Berufs sind dem Gesetz­ge­ber zumin­dest in den Grund­zü­gen vor­zu­be­hal­ten 86.

Arbeits­ver­hält­nis­se im öffent­li­chen Dienst[↑]

Soweit es um Arbeits­ver­hält­nis­se des öffent­li­chen Diens­tes geht, trifft Art. 33 Abs. 2 GG eine Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG ergän­zen­de Rege­lung 87. Hier­nach wird jedem Deut­schen das Recht auf glei­chen Zugang zu jedem öffent­li­chen Amt nach Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung gewähr­leis­tet. Dabei zielt die Befä­hi­gung auf all­ge­mein der Tätig­keit zugu­te­kom­men­de Fähig­kei­ten wie Bega­bung, All­ge­mein­wis­sen, Lebens­er­fah­rung und all­ge­mei­ne Aus­bil­dung. Fach­li­che Leis­tung bedeu­tet Fach­wis­sen, Fach­kön­nen und Bewäh­rung im Fach. Eig­nung im enge­ren Sin­ne erfasst ins­be­son­de­re Per­sön­lich­keit und cha­rak­ter­li­che Eigen­schaf­ten, die für ein bestimm­tes Amt von Bedeu­tung sind 88. Die Gel­tung die­ser Grund­sät­ze wird von Art. 33 Abs. 2 GG unbe­schränkt und vor­be­halt­los gewähr­leis­tet 89. Vor­be­halt­los gewähr­te Grund­rech­te wer­den grund­sätz­lich nur durch kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht – Grund­rech­te und grund­rechts­glei­che Rech­te Drit­ter sowie Gemein­schafts­wer­te von Ver­fas­sungs­rang – ein­ge­schränkt 90.

Eine Rege­lung, die den Lebens­be­reich vor­be­halt­lo­ser Grund­rech­te oder grund­rechts­glei­cher Rech­te ord­nen will, bestimmt und kon­kre­ti­siert not­wen­di­ger­wei­se ihre ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken 91. Es ist vor­ran­gig Auf­ga­be des Par­la­ments­ge­setz­ge­bers, die Abwä­gung und den Aus­gleich zwi­schen dem Leis­tungs­grund­satz des Art. 33 Abs. 2 GG und ande­ren in der Ver­fas­sung geschütz­ten Belan­gen vor­zu­neh­men. Aus­nah­men vom Leis­tungs­grund­satz beim Zugang zum Beam­ten­ver­hält­nis bedür­fen dem­nach grund­sätz­lich einer (parlaments-)gesetzlichen Grund­la­ge 92.

Euro­pa­recht­li­che Anfor­de­run­gen[↑]

Schließ­lich sind für das Erfor­der­nis einer Rege­lung des par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bers auch die euro­pa­recht­li­chen Aus­for­mun­gen des Ver­bots der Alters­dis­kri­mi­nie­rung durch die Richt­li­nie 2000/​78/​EG in den Blick zu neh­men, die kon­kre­te Vor­ga­ben für die Recht­fer­ti­gung einer Ungleich­be­hand­lung wegen des Alters macht. Die­se uni­ons­recht­li­chen Anfor­de­run­gen ver­stär­ken das ver­fas­sungs­recht­li­che Erfor­der­nis, dass der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber zur Beant­wor­tung der Fra­ge der Ein­füh­rung und Aus­ge­stal­tung von beam­ten­recht­li­chen Höchst­al­ters­gren­zen beru­fen ist, weil die Recht­fer­ti­gung von Art und Maß einer Ungleich­be­hand­lung auch danach eine Abwä­gung mit ande­ren legi­ti­men Zie­len erfor­dert.

Der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/​78/​EG erstreckt sich auch auf Beam­ten­ver­hält­nis­se und ver­bie­tet Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen des Alters. Die Ableh­nung eines Bewer­bers wegen Über­schrei­tens einer Höchst­al­ters­gren­ze stellt eine Ungleich­be­hand­lung wegen des Alters dar. Nach Art. 6 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 2000/​78/​EG kön­nen Mit­glied­staa­ten jedoch vor­se­hen, dass der­ar­ti­ge Ungleich­be­hand­lun­gen "kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, sofern sie objek­tiv und ange­mes­sen sind und im Rah­men des natio­na­len Rechts durch ein legi­ti­mes Ziel (…) gerecht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Errei­chung die­ses Ziels ange­mes­sen und erfor­der­lich sind". Satz 2 der Vor­schrift ent­hält eine Rei­he von Bei­spie­len für zuläs­si­ge Ungleich­be­hand­lun­gen wegen des Alters, unter ande­rem die Fest­set­zung eines Höchst­al­ters für die Ein­stel­lung auf­grund der spe­zi­fi­schen Aus­bil­dungs­an­for­de­run­gen eines bestimm­ten Arbeits­plat­zes oder auf­grund der Not­wen­dig­keit einer ange­mes­se­nen Beschäf­ti­gungs­zeit vor dem Ein­tritt in den Ruhe­stand (Art. 6 Abs. 1 Satz 2 Buch­sta­be c RL 2000/​78/​EG).

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on stellt das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Alters einen all­ge­mei­nen Grund­satz des Uni­ons­rechts dar 93. Die Richt­li­nie 2000/​78/​EG kon­kre­ti­sie­re die­sen Grund­satz 94. Auch Art. 21 Abs. 1 EuGRCh ver­bie­te Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen des Alters 95.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat klar­ge­stellt, dass legi­ti­me Zie­le im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 RL 2000/​78/​EG (nur) sol­che sozi­al­po­li­ti­scher Art, wie aus den Berei­chen Beschäf­ti­gungs­po­li­tik, Arbeits­markt oder beruf­li­che Bil­dung, sein kön­nen 96. Dabei ver­fü­gen die Mit­glied­staa­ten nicht nur bei der Ent­schei­dung, wel­ches kon­kre­te Ziel von meh­re­ren im Bereich der Arbeits- und Sozi­al­po­li­tik sie ver­fol­gen wol­len, son­dern auch bei der Fest­le­gung der Maß­nah­men zu sei­ner Errei­chung über einen wei­ten Ermes­sens­spiel­raum 97. Sie kön­nen neben poli­ti­schen, sozia­len oder demo­gra­fi­schen Erwä­gun­gen auch Haus­halts­er­wä­gun­gen berück­sich­ti­gen, obgleich letz­te­re für sich genom­men kein legi­ti­mes Ziel im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 RL 2000/​78/​EG dar­stel­len 98.

Der Spiel­raum wird nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on aller­dings begrenzt durch das Erfor­der­nis der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Die Ungleich­be­hand­lung muss geeig­net sein, das ange­streb­te Ziel zu errei­chen, und darf nicht über das hin­aus­ge­hen, was hier­zu erfor­der­lich und ange­mes­sen ist 99. So hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ent­schie­den, dass Art. 6 Abs. 1 Satz 2 Buch­sta­be c der RL 2000/​78/​EG dahin aus­zu­le­gen ist, dass er einer natio­na­len Rege­lung ent­ge­gen­steht, die das Höchst­al­ter für die Ein­stel­lung ört­li­cher Poli­zei­be­am­ter auf 30 Jah­re fest­legt, weil weder die Ein­satz­be­reit­schaft und das ord­nungs­ge­mä­ße Funk­tio­nie­ren der Poli­zei noch die Not­wen­dig­keit einer ange­mes­se­nen Beschäf­ti­gungs­zeit vor dem Ein­tritt in den Ruhe­stand Zie­le sei­en, zu deren Errei­chung die Alters­gren­ze ange­mes­sen und erfor­der­lich wäre 100.

Davon aus­ge­hend hat der zustän­di­ge natio­na­le Norm­ge­ber zu beur­tei­len und abzu­wä­gen, ob die beam­ten­recht­li­chen Höchst­al­ters­gren­zen not­wen­dig sind, um ent­we­der ein Miss­ver­hält­nis zwi­schen der akti­ven Dienst­zeit eines Beam­ten und der den Dienst­herrn tref­fen­den Ver­sor­gungs­last zu ver­mei­den oder um ande­re legi­ti­me Zie­le im Sin­ne der Gene­ral­klau­sel des Art. 6 Abs. 1 Satz 1 RL 2000/​78/​EG zu ver­wirk­li­chen.

§ 5 LBG NRW als Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung für Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen[↑]

§ 5 Abs. 1 LBG kann vor die­sem Hin­ter­grund nicht als hin­rei­chend bestimm­te Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung zur Fest­set­zung von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen ange­se­hen wer­den.

Unab­hän­gig von ihrer denk­ba­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Recht­fer­ti­gung stel­len Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen einen schwer­wie­gen­den Ein­griff in Art. 12 Abs. 1 GG und grund­sätz­lich auch in Art. 33 Abs. 2 GG dar. Sie schlie­ßen älte­re Bewer­ber regel­mä­ßig ohne Rück­sicht auf Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­che Leis­tung vom Beam­ten­ver­hält­nis aus und füh­ren auf die­se Wei­se zu einer eig­nungs­wid­ri­gen Ungleich­be­hand­lung von eini­ger Inten­si­tät. Etwas Ande­res gilt ledig­lich bei sol­chen Dienst­ver­hält­nis­sen, bei denen das Alter – etwa auf­grund bestimm­ter kör­per­li­cher Anfor­de­run­gen – ein Eig­nungs­merk­mal dar­stellt 101. Das trifft unter Umstän­den für den Mili­tär- und Poli­zei­voll­zugs­dienst sowie die Feu­er­wehr zu, – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len – nicht jedoch für die Lehr­erlauf­bahn 102.

Da Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen Zugangs­be­din­gun­gen zum Beam­ten­ver­hält­nis fest­le­gen, kommt ihnen – eben­so wie Ruhe­stands­gren­zen, die Ent­las­sungs­be­din­gun­gen nor­mie­ren – sta­tus­bil­den­de Funk­ti­on zu.

Die pau­scha­le Ermäch­ti­gung zur Rege­lung des Lauf­bahn­we­sens der Beam­ten in § 5 Abs. 1 Satz 1 LBG genügt daher nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine hin­rei­chend bestimm­te Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge. Weder die Norm selbst noch ihr sys­te­ma­ti­scher Zusam­men­hang mit ande­ren Vor­schrif­ten las­sen erken­nen, dass der Gesetz­ge­ber sich Gedan­ken über die Ein­füh­rung von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen und ihre grund­recht­li­che Ein­griffs­re­le­vanz gemacht hat, obwohl § 5 Abs. 1 Satz 2 LBG zahl­rei­che Vor­ga­ben zum Inhalt der Lauf­bahn­ver­ord­nung ent­hält. Anders als zum Bei­spiel bei der von der grund­recht­li­chen Ein­griffs­tie­fe ver­gleich­ba­ren, sehr detail­lier­ten Rege­lung über den Ruhe­stand in § 31 LBG fehlt es bereits im Ansatz an einer par­la­men­ta­ri­schen Leit­ent­schei­dung.

Auch den gesetz­li­chen Begrün­dungs­ma­te­ria­li­en ist nicht zu ent­neh­men, dass der nord­rhein-west­fä­li­sche Gesetz­ge­ber beim Erlass von § 5 Abs. 1 Satz 1 LBG die Zuläs­sig­keit von und die Anfor­de­run­gen an Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen erwo­gen hat und regeln woll­te: Zwar hat er im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren über die Ände­rung dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten die Anhe­bung der Ruhe­stands­gren­ze von 65 auf 67 Jah­re the­ma­ti­siert, nicht aber die Rege­lung von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen. In der Ein­füh­rung zum Gesetz­ent­wurf vom 17.12 2008 103 fin­det sich ledig­lich der Hin­weis auf Ein­spa­run­gen von Kos­ten "in einem nicht näher zu bezif­fern­den Umfang" durch die Ver­län­ge­rung der Regel­ar­beits­zeit. Die Geset­zes­be­grün­dung selbst ver­weist nur auf das Ent­fal­len der Min­dest­al­ters­gren­ze von 27 Jah­ren durch das Beam­ten­sta­tus­ge­setz 104.

Die Erör­te­rung des Ent­wurfs im wei­te­ren Ver­lauf des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens zeigt nicht nur, dass das Lan­des­be­am­ten­ge­setz kei­ne eigen­stän­di­ge Rege­lung der Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­ze ent­hal­ten soll­te, son­dern dass dem Gesetz auch kei­ne Maß­stä­be für eine sol­che Gren­ze ent­nom­men wer­den kön­nen. In einer gemein­sa­men Sit­zung des Haus­halts- und Finanz­aus­schus­ses sowie des Innen­aus­schus­ses vom 26.03.2009 merk­te ein Abge­ord­ne­ter der SPD-Frak­ti­on an, er ver­mis­se "in dem Gesetz­ent­wurf, dass laut Ankün­di­gung des CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Stahl das Höchst­al­ter für die Ver­be­am­tung, ins­be­son­de­re für die Leh­rer an Berufs­kol­legs, auf 40 Jah­re her­auf­ge­setzt wer­den sol­le". Ein Frak­ti­ons­kol­le­ge von Herrn Stahl erwi­der­te, die­ser habe sich "dar­über Gedan­ken gemacht, im Rah­men einer gro­ßen Dienst­rechts­re­form in der kom­men­den Legis­la­tur­pe­ri­ode das Höchst­al­ter für die Ver­be­am­tung gera­de im Hin­blick auf die Berufs­schul­leh­rer zur Dis­po­si­ti­on zu stel­len. Mit den jetzt vor­zu­neh­men­den tech­ni­schen Ver­än­de­run­gen habe das nichts zu tun" 105.

Ledig­lich aus der Ant­wort auf die Klei­ne Anfra­ge 3704 im nord­rhein-west­fä­li­schen Land­tag vom 25.01.2010 106 las­sen sich (nach­träg­li­che) Rück­schlüs­se auf die Erwä­gun­gen des Gesetz­ge­bers in Bezug auf beam­ten­recht­li­che Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen zie­hen: Dem­nach bestehe ein per­so­nal­wirt­schaft­li­ches und mit Blick auf die Ver­sor­gungs­las­ten ein fis­ka­li­sches Inter­es­se dar­an, lebens­jün­ge­re Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber für eine mög­lichst lan­ge akti­ve Dienst­zeit im öffent­li­chen Dienst zu gewin­nen. Die ange­ho­be­ne Alters­gren­ze tra­ge maß­geb­lich dazu bei, auch lebens­äl­te­ren Bewer­be­rin­nen und Bewer­bern mit beson­de­ren (Berufs-)Biographien eine Ein­stel­lungs­chan­ce zu eröff­nen. Als par­la­men­ta­ri­sche Leit­ent­schei­dung zu Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen kann die Vor­schrift auf der Grund­la­ge die­ser nach­träg­lich vor­ge­tra­ge­nen Begrün­dung nicht ange­se­hen wer­den.

Zuläs­sig­keit von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen im öffent­li­chen Dienst[↑]

Da es bereits an einer hin­rei­chend bestimm­ten Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für die Rege­lung von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen für Beam­te auf Pro­be durch den Ver­ord­nungs­ge­ber fehlt, kann die Fra­ge ihrer mate­ri­el­len Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit im Übri­gen dahin­ste­hen. Ange­sichts der bereits län­ger bestehen­den recht­li­chen Unsi­cher­hei­ten hin­sicht­lich der ver­fas­sungs­recht­li­chen Zuläs­sig­keit von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen sei aber auf Fol­gen­des hin­ge­wie­sen:

Der durch Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen bewirk­te Ein­griff in Art. 12 Abs. 1 GG und Art. 33 Abs. 2 GG kann gerecht­fer­tigt sein. Das grund­rechts­glei­che Recht des Art. 33 Abs. 2 GG gewähr­leis­tet das Maß an Frei­heit der Berufs­wahl (Art. 12 Abs. 1 GG), das ange­sichts der von der jeweils zustän­di­gen öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaft zuläs­si­ger­wei­se begrenz­ten Zahl von Arbeits­plät­zen im öffent­li­chen Dienst mög­lich ist 107. Art. 33 Abs. 2 GG ver­mit­telt kei­nen Anspruch auf Über­nah­me in ein öffent­li­ches Amt 108. Der Zugang zu einer Tätig­keit in einem öffent­li­chen Amt – die Zulas­sung zum Beruf, die gleich­zei­tig die freie Berufs­wahl betrifft – darf durch sub­jek­ti­ve Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen beschränkt wer­den 109.

a)) Aller­dings sind Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­sig 110. Die Zulas­sung zum öffent­li­chen Dienst darf durch Rege­lun­gen über die für die Beru­fung in ein Beam­ten­ver­hält­nis erfor­der­li­chen per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen beschränkt wer­den 111. Die von Art. 33 Abs. 2 GG erfass­ten Aus­wahl­ent­schei­dun­gen kön­nen dabei jedoch grund­sätz­lich nur auf Gesichts­punk­te gestützt wer­den, die unmit­tel­bar Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­che Leis­tung der Bewer­ber betref­fen. Ein sol­ches eig­nungs­im­ma­nen­tes Kri­te­ri­um ist das Lebens­al­ter, wenn ein Beam­ter mit Über­schrei­ten einer bestimm­ten Alters­gren­ze typi­scher­wei­se den Anfor­de­run­gen eines Amtes nicht mehr genügt. Das Alter betrifft in die­sen Fäl­len die phy­si­schen Fähig­kei­ten des Beam­ten und dient als Indi­ka­tor für des­sen Taug­lich­keit zu amts­an­ge­mes­se­nen, funk­ti­ons­ge­rech­ten Leis­tun­gen 112. Dies kann etwa – wie bereits erwähnt – bei den Ein­satz­kräf­ten in Mili­tär, Poli­zei­voll­zugs­dienst und Feu­er­wehr der Fall sein. Bei der vor­lie­gend zu beur­tei­len­den, all­ge­mei­nen Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­ze von 40 Jah­ren für Leh­rer spielt die kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit dage­gen kei­ne Rol­le.

Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen für den Zugang zum Beam­ten­ver­hält­nis stel­len – außer­halb der bereits genann­ten Ein­satz­be­ru­fe – weder ein Eig­nungs­merk­mal noch ein eig­nungs­er­gän­zen­des Hilfs­kri­te­ri­um dar. Sie die­nen viel­mehr eig­nungs­frem­den Zwe­cken und sol­len exter­ne, außer­halb des Leis­tungs­grund­sat­zes lie­gen­de Zie­le ver­wirk­li­chen. Alters­gren­zen grei­fen – anders als eig­nungs­im­ma­nen­te (Hilfs-)Kriterien – in den Leis­tungs­grund­satz ein 113. Eig­nungs­frem­de Belan­ge, die nicht im Leis­tungs­grund­satz ver­an­kert sind, kön­nen bei der Beset­zung öffent­li­cher Ämter nur Berück­sich­ti­gung fin­den, wenn ihnen eben­falls Ver­fas­sungs­rang ein­ge­räumt ist 114. Schran­ken kön­nen sich im Beam­ten­recht etwa aus Art. 33 Abs. 5 GG erge­ben, soweit sie durch Sinn und Zweck des kon­kre­ten Dienst- und Treue­ver­hält­nis­ses des Beam­ten gefor­dert wer­den 115, oder der Gewähr­leis­tung der mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­ten her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums 116 die­nen. Das gilt ins­be­son­de­re für das Lebens­zeit­prin­zip und das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip.

Als her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums ist das Lebens­zeit­prin­zip aner­kannt 117. Der Beam­te ist grund­sätz­lich haupt­be­ruf­lich und auf Lebens­zeit zu beschäf­ti­gen. Er hat sei­ne gesam­te Arbeits­kraft dem Beruf zu wid­men, in den Dienst des Staa­tes zu stel­len und den Anfor­de­run­gen sei­nes Beru­fes mit vol­lem Ein­satz zu begeg­nen 118. Dies dient sowohl dem All­ge­mein­in­ter­es­se an einer fach­lich leis­tungs­fä­hi­gen, rechts­staat­li­chen und unpar­tei­ischen öffent­li­chen Ver­wal­tung als auch der Siche­rung der recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Unab­hän­gig­keit der Beam­ten­schaft 119. Eine Schran­ke fin­det das Lebens­zeit­prin­zip in der Dienst­fä­hig­keit des Beam­ten; bei Errei­chen einer bestimm­ten Alters­gren­ze wird der Ein­tritt der Dienst­un­fä­hig­keit (unwi­der­leg­lich) ver­mu­tet 120.

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip als ein vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten­der her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums ver­pflich­tet den Dienst­herrn zur Gewäh­rung eines an Dienst­rang, Bedeu­tung und Ver­ant­wor­tung des Amtes ori­en­tier­ten und damit Dienst­ver­pflich­tung und Dienst­leis­tung berück­sich­ti­gen­den ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts 121. Die Besol­dung des Beam­ten ist kein Ent­gelt für bestimm­te Dienst­leis­tun­gen, son­dern eine Gegen­leis­tung des Dienst­herrn dafür, dass sich der Beam­te mit sei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit zur Ver­fü­gung stellt 122. Die Siche­rung eines ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts – zu der auch die Ver­sor­gung des Beam­ten nach sei­nem Aus­schei­den aus dem akti­ven Dienst zählt 123 – ist des­halb ein beson­ders wesent­li­cher Grund­satz, zu des­sen Beach­tung der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet ist 124. Erst recht­li­che und wirt­schaft­li­che Sicher­heit bie­tet die Gewähr dafür, dass sich ein Beam­ter dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf wid­men und zur Erfül­lung der ihm vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, bei­tra­gen kann 125.

Das Lebens­zeit­prin­zip und das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip sind geeig­net, Ein­grif­fe in Art. 33 Abs. 2 GG durch Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen zu recht­fer­ti­gen. Als Zweck der Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen für Beam­te wird im Wesent­li­chen genannt, dass ein aus­ge­wo­ge­nes zeit­li­ches Ver­hält­nis zwi­schen Lebens­dienst­zeit und Ruhe­stands­zeit und damit zwi­schen akti­ver Beschäf­ti­gungs­zeit und Ver­sor­gungs­an­sprü­chen gewähr­leis­tet wer­den sol­le 126. Dar­in kommt zum Aus­druck, dass sich die Ali­men­ta­ti­on des Beam­ten im Ruhe­stand nur recht­fer­tigt, wenn des­sen Arbeits­kraft dem Dienst­herrn zuvor über einen län­ge­ren Zeit­raum unein­ge­schränkt zur Ver­fü­gung gestan­den hat. Beam­te erdie­nen ihre Alters­ver­sor­gung wäh­rend der Dienst­zeit. Ihre Bezü­ge sind im Hin­blick auf die künf­ti­gen Ver­sor­gungs­an­sprü­che nied­ri­ger fest­ge­setzt; der Dienst­herr behält einen fik­ti­ven Anteil ein, um die Ver­sor­gung zu finan­zie­ren 127. Zwar ist die Ver­sor­gung des Ruhe­stands­be­am­ten aus dem letz­ten Amt zu gewäh­ren 128. Der Dienst­herr darf die­se Ver­sor­gung jedoch an eine Min­dest­ver­weil­dau­er in die­sem Amt knüp­fen 129. In glei­cher Wei­se hat der Dienst­herr zudem ein grund­sätz­lich von Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­tes Inter­es­se an einer ins­ge­samt mög­lichst lan­gen akti­ven Dienst­zeit des Beam­ten.

Dabei kann aller­dings im Hin­blick auf die Beson­der­hei­ten des Beam­ten­ver­sor­gungs­rechts nicht im Wort­sinn von einer "betriebs­wirt­schaft­lich" sinn­vol­len Min­dest­dau­er der pro­duk­ti­ven Arbeits­leis­tung des Beam­ten 130 oder – wie bei sons­ti­gen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen 131 – von einem "Amor­ti­sa­ti­ons­in­ter­es­se" des Arbeit­ge­bers aus­ge­gan­gen wer­den. Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen kön­nen jedoch im Zusam­men­spiel mit den Ruhe­stands­gren­zen – ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die stei­gen­de Lebens­er­war­tung und die wach­sen­den Ver­sor­gungs­las­ten der öffent­li­chen Haus­hal­te – eine wesent­li­che Grund­la­ge für die Finan­zier­bar­keit und Funk­ti­ons­fä­hig­keit des beam­ten­recht­li­chen Ver­sor­gungs­sys­tems dar­stel­len und damit der Siche­rung des Ali­men­ta­ti­ons- und des Lebens­zeit­prin­zips die­nen. Für die hier wider­strei­ten­den Grund­sät­ze von Art. 33 Abs. 2 und Abs. 5 GG ist daher im Hin­blick auf die Höchst­al­ters­gren­zen prak­ti­sche Kon­kor­danz 132 her­zu­stel­len.

Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen für Leh­rer[↑]

Beach­tet der Gesetz­ge­ber die­se Vor­aus­set­zun­gen, so kann der Ein­griff in Art. 33 Abs. 2 GG durch Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen grund­sätz­lich gerecht­fer­tigt sein.

Ein­stel­lungs­höchst­al­ters- und Ruhe­stands­gren­zen ste­hen in enger Bezie­hung zuein­an­der, denn sie legen die Dienst­zeit des Beam­ten fest und set­zen sie in ein ent­spre­chen­des Ver­hält­nis zu sei­nem Ali­men­ta­ti­ons­an­spruch im Ruhe­stand.

Beam­te­te Leh­rer in Nord­rhein-West­fa­len tre­ten in der Regel mit Ende des Schul­halb­jah­res in den Ruhe­stand, in dem sie das 67. Lebens­jahr voll­enden (§ 31 Abs. 1 Satz 3 LBG). Die Berech­nung ihres Ruhe­ge­halts rich­tet sich nach dem Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len (Lan­des­be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­setz – LBeamtVG) vom 16.05.2013 133. Danach erhal­ten sie mit Beginn des Ruhe­stan­des ein Ruhe­ge­halt, wel­ches sich aus den ruhe­ge­halt­fä­hi­gen Dienst­be­zü­gen (§ 5 LBeamtVG) und der ruhe­ge­halt­fä­hi­gen Dienst­zeit (§ 6 LBeamtVG) errech­net und eine Min­dest­dienst­zeit von fünf Jah­ren (§ 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LBeamtVG) vor­aus­setzt. Das Ruhe­ge­halt beträgt min­des­tens 35 % und höchs­tens 71,75 % der ruhe­ge­halt­fä­hi­gen Dienst­be­zü­ge (§ 14 Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 Satz 1 LBeamtVG). "Erdient" wird pro Dienst­jahr eine Ver­sor­gung von 1,79375 % der ruhe­ge­halt­fä­hi­gen Dienst­be­zü­ge (§ 14 Abs. 1 Satz 1 LBeamtVG). Dies ent­spricht der Rege­lung im Bund (vgl. § 14 des Geset­zes über die Ver­sor­gung der Beam­ten und Rich­ter des Bun­des, Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­setz – BeamtVG, in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 24.02.2010 134). Zusätz­li­che Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen des Dienst­herrn erge­ben sich aus Bei­hil­fe­leis­tun­gen und der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung (§§ 16 ff. LBeamtVG).

Ein Beam­ter hat also nach 40 Dienst­jah­ren den Höchst­ver­sor­gungs­satz (71,75:1,79375) und nach unge­fähr 19,5 Jah­ren ein Ruhe­ge­halt in Höhe der (amts­ab­hän­gi­gen) Min­dest­ver­sor­gung (35:1,79375) erdient. Bis dahin liegt der Ruhe­ge­halts­satz nied­ri­ger. Hier­nach ist für einen Beam­ten, der 40 Dienst­jah­re abge­leis­tet hat; vom Dienst­her­ren genau­so viel Ruhe­ge­halt ein­zu­stel­len wie für zwei Beam­te, die bis zum Ruhe­stand jeweils nur rund 20 Jah­re tätig gewe­sen sind. Die aus §§ 6, 52 Abs. 1 LVO 2009 fol­gen­de Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­ze von 40 Jah­ren bedeu­tet – bei regu­lä­rem Ein­tritt in den Ruhe­stand mit 67 Jah­ren – eine Über­schrei­tung der genann­ten Zeit­span­ne von 19,5 Jah­ren um min­des­tens sie­ben­ein­halb Jah­re.

Neben dem Min­destru­he­ge­halt ist die Anrech­nung von ande­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten zu berück­sich­ti­gen. Gemäß § 14 Abs. 5, § 55 LBeamtVG wer­den Ren­ten­an­sprü­che der Ruhe­stands­be­am­ten, die die­se gege­be­nen­falls aus einer frü­he­ren Tätig­keit erwor­ben haben, in gewis­sem Umfang auf die Ver­sor­gungs­be­zü­ge ange­rech­net. Unter die­sen Umstän­den kann, abhän­gig von der Höhe der Ver­sor­gungs­be­zü­ge und der anre­chen­ba­ren Ren­te, ein Unter­schied zwi­schen der Min­dest­ver­sor­gung und dem erdien­ten Ruhe­ge­halt aus­ge­gli­chen wer­den. Der Dienst­herr wird inso­weit von sei­ner Ali­men­ta­ti­ons­pflicht gegen­über dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ent­las­tet und die­ser auf Ein­künf­te aus einer ande­ren öffent­li­chen Kas­se ver­wie­sen 135.

Nach den Rege­lun­gen des Ver­sor­gungs­rechts, die – wie dar­ge­legt – eine linea­re Stei­ge­rung des Ruhe­ge­halts nach der Dau­er der Dienst­zeit vor­se­hen, ist das Beam­ten­ver­hält­nis auf eine mög­lichst lan­ge Dienst­zeit aus­ge­rich­tet. Daher wird das Ver­hält­nis der Ali­men­ta­ti­ons­pflicht des Dienst­herrn zur Dienst­leis­tungs­ver­pflich­tung des Beam­ten gestört, wenn ein Beam­ter vor Errei­chen der all­ge­mei­nen Alters­gren­ze aus dem Dienst aus­schei­det 136. Eine Pen­sio­nie­rung vor Errei­chen der all­ge­mei­nen Alters­gren­ze ver­schiebt das Pflich­ten­ge­fü­ge im Beam­ten­ver­hält­nis zu Las­ten des Dienst­herrn ins­ge­samt: Ihm geht infol­ge der vor­zei­ti­gen Zur­ru­he­set­zung die Arbeits­kraft des Beam­ten ver­lo­ren, wäh­rend er gleich­zei­tig über einen län­ge­ren Zeit­raum zur Erbrin­gung von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen ver­pflich­tet ist 137. Die­se Ver­schie­bung im Pflich­ten­ge­fü­ge des Beam­ten­ver­hält­nis­ses darf der Gesetz­ge­ber – zum Bei­spiel durch eine Anrech­nung von ander­wei­tig erziel­tem Erwerbs­ein­kom­men oder durch eine Ver­min­de­rung des Ruhe­ge­halts – aus­glei­chen 138. Auch Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen kön­nen dazu bei­tra­gen, von vorn­her­ein der­ar­ti­ge Ver­schie­bun­gen im Pflich­ten­ge­fü­ge zu ver­mei­den, indem sie ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen Dienst­zeit und Ver­sor­gungs­an­sprü­chen sicher­stel­len und so die Finan­zier­bar­keit und Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Beam­ten­ver­sor­gung gewähr­leis­ten 139.

In die­sem Rah­men lässt sich der wirt­schaft­li­che Wert der Alters­ver­sor­gung nicht exakt zah­len­mä­ßig bestim­men: Neben der Dau­er der Auf­bau­pha­se wäh­rend der akti­ven Dienst­zeit ist er auch abhän­gig von der Dau­er der Aus­zah­lungs­pha­se 140, der Besol­dungs­grup­pe des Beam­ten sowie etwai­ger anre­chen­ba­rer Dienst­zei­ten und Ren­ten­an­sprü­che aus einem vor­an­ge­gan­ge­nen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis. Beson­der­hei­ten und Ver­schie­bun­gen kön­nen sich auch erge­ben, falls der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Erwerbs­ein­kom­men bezieht (§ 53 LBeamtVG, vgl. BVerfGK 13, 35), dienst­un­fä­hig wird oder aus ande­ren Grün­den vor­zei­tig in den Ruhe­stand ver­setzt wird (§ 14 Abs. 3 LBeamtVG, vgl. BVerfGK 8, 232). Tref­fen Ren­ten- und Ver­sor­gungs­an­sprü­che zusam­men und tritt ein Beam­ter vor­zei­tig in den Ruhe­stand, erge­ben sich schließ­lich mög­li­che Aus­gleichs­pflich­ten des Dienst­herrn aus § 14a LBeamtVG 141.

Über die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen hin­aus kön­nen noch Bei­hil­fe­leis­tun­gen bei der Bewer­tung her­an­zu­zie­hen sein, die der Dienst­herr dem Beam­ten oder Ver­sor­gungs­emp­fän­ger ins­be­son­de­re für Belas­tun­gen im Krank­heits­fall zuzahlt. Da die Zeit­span­ne vom regu­lä­ren Ein­tritt in den Ruhe­stand bis zum Tod sta­tis­tisch für alle Beam­ten gleich ist, wird das Ver­hält­nis von Ver­sor­gungs­last und Dienst­zeit in die­sem Bereich allein durch die Dau­er der Dienst­zeit bestimmt. Ein frü­hes Ein­stel­lungs­al­ter wirkt sich daher güns­tig auf die Gesamt­kos­ten der Bei­hil­fen aus 142.

Damit der Gesetz­ge­ber den Unwäg­bar­kei­ten bei der Fest­le­gung des Werts von Ver­sor­gungs­an­sprü­chen Rech­nung tra­gen kann, ist ihm auch bei der Ein­füh­rung und Aus­ge­stal­tung von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen für Beam­te ein Gestal­tungs­spiel­raum ein­zu­räu­men 143. Sein Umfang ergibt sich aus den dar­ge­leg­ten Erfor­der­nis­sen des Sys­tems der Beam­ten­ver­sor­gung und den Gren­zen von Art. 33 Abs. 2 GG sowie dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Auch hat er die Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2000/​78/​EG zu beach­ten. Dies ent­spricht dem Sinn des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips, nach dem die Ver­sor­gung nicht im syn­al­lag­ma­ti­schen Ver­hält­nis zu einer in Jah­ren bemes­se­nen Dienst­zeit steht, son­dern eben­so wie die Dienst­be­zü­ge Gegen­leis­tung dafür ist, dass der Beam­te sein gan­zes Arbeits­le­ben bis zum Errei­chen der gesetz­li­chen Alters­gren­ze in den Dienst des Staa­tes stellt 144.

Das Erfor­der­nis einer aus­ge­wo­ge­nen Alters­struk­tur ist hin­ge­gen als Argu­ment zur Recht­fer­ti­gung von Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen vor­lie­gend weit­ge­hend unge­eig­net. Die Alters­struk­tur hängt von der Zahl der im Haus­halt vor­ge­se­he­nen Stel­len und der Zahl der Neu­ein­stel­lun­gen in einem bestimm­ten Zeit­raum ab. Eine aus­ge­wo­ge­ne Alters­struk­tur kann folg­lich eher durch ein varia­bles Ein­stel­lungs­al­ter gesi­chert wer­den 145. Das Inter­es­se des Dienst­herrn an einer aus­ge­wo­ge­nen Alters­struk­tur ver­mag mit­hin allen­falls dann die Fest­le­gung eines Ein­stel­lungs­höchst­al­ters zu begrün­den, wenn es auf einer plau­si­blen und nach­voll­zieh­ba­ren Pla­nung beruht 146. Eine sol­che Pla­nung ist vor­lie­gend jedoch nicht zu erken­nen und wur­de von dem Land Nord­rhein-West­fa­len im Ver­fah­ren auch nicht dar­ge­legt.

Fol­gen der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit[↑]

Der Ver­stoß einer Norm gegen das Grund­ge­setz kann ent­we­der zur Nich­tig­erklä­rung (§ 95 Abs. 3 BVerfGG) oder dazu füh­ren, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die mit der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit gege­be­ne Unver­ein­bar­keit der Norm mit dem Grund­ge­setz fest­stellt (vgl. § 31 Abs. 2, § 79 Abs. 1 BVerfGG). Eine Erklä­rung nur der Unver­ein­bar­keit ist ins­be­son­de­re gebo­ten, wenn der Gesetz­ge­ber ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten hat, den Ver­fas­sungs­ver­stoß zu besei­ti­gen. Das ist regel­mä­ßig bei der Ver­let­zung des Gleich­heits­sat­zes der Fall 147. Das­sel­be gilt für einen Ein­griff in Art. 33 Abs. 2 GG, der eine beson­de­re Aus­prä­gung des Gleich­heits­grund­rechts dar­stellt, soweit er die maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te für die Bewer­ber­aus­wahl zur Beset­zung von öffent­li­chen Ämtern vor­gibt 148.

Gemes­sen hier­an ist eine Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung auch sach­ge­recht, wenn es an einer hin­rei­chen­den Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für die Nor­mie­rung von Höchst­al­ters­gren­zen fehlt. Der Gesetz­ge­ber hat unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten, den Ver­fas­sungs­ver­stoß zu besei­ti­gen. Die Unver­ein­bar­keit ist bei erfolg­rei­chen Ver­fas­sungs­be­schwer­den grund­sätz­lich nur in dem Umfang fest­zu­stel­len, in dem das Gesetz einen Beschwer­de­füh­rer betrifft und die­ser mit sei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Angrif­fen Erfolg hat 149. Da sich das Ver­wer­fungs­mo­no­pol des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nur auf nach­kon­sti­tu­tio­nel­le Geset­ze im for­mel­len Sinn, nicht aber auf Rechts­ver­ord­nun­gen bezieht 150 und inso­weit auch eine eige­ne Prü­fungs- und Ver­wer­fungs­kom­pe­tenz der Ver­wal­tungs­ge­rich­te besteht, bedurf­te es einer Erstre­ckung der Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung auf nach­fol­gen­de Fas­sun­gen der Lauf­bahn­ver­ord­nung nicht.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 21. April 2015 – 2 BvR 1322/​12 und 2 BvR 1989

  1. GV NRW 1996, S. 1[]
  2. GV NRW 2009, S. 381[]
  3. Rund­erlass des Minis­te­ri­ums für Schu­le und Wei­ter­bil­dung vom 23.04.2007 – BASS 21 – 01 Nr. 11[]
  4. GV NRW 1996 S. 1[][][]
  5. GV NRW S. 498[]
  6. BVerwG, Urteil vom 19.02.2009 – 2 C 18.07, BVerw­GE 133, 143[]
  7. GV NRW S. 224[][]
  8. GV NRW S. 381[][]
  9. GV NRW S. 158[]
  10. Rund­erlass des Finanz­mi­nis­te­ri­ums vom 30.09.2003, I 1 – 0125 – 3 – I 3 – 0079 – 0.2[]
  11. GV NRW S. 21[]
  12. GV. NRW. S. 2, ber. S. 92[]
  13. BGBl. I S. 1046[]
  14. BGBl. I S. 3054[]
  15. GV. NRW. S. 102[]
  16. BGBl I S. 551[]
  17. BGBl I S. 712[]
  18. BGBl I S. 2459[]
  19. BGBl I S. 675[]
  20. BGBl I S. 284[]
  21. BMI, All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift zur Bun­des­lauf­bahn­ver­ord­nung vom 14.07.2009 – D 2 – 216 102/​48; GMBl S. 1311[]
  22. BMF, Rund­schrei­ben vom 23.03.1995 – II A 2 – H 1224 – 5/​95; GMBl 1996 S. 79[]
  23. BGBl I S. 654[]
  24. BGBl I S. 1010[]
  25. GBl S. 428[]
  26. GBl S. 265[]
  27. GBl S. 793[]
  28. GVBl S. 500[]
  29. GVBl S. 266[]
  30. GVBl S. 31, 486[]
  31. GVBl II S. 622[]
  32. GVBl I S. 26[]
  33. GVBl I S. 1[]
  34. GBl 2010, S. 17[]
  35. GVBl S. 57[]
  36. GVBl S. 218[]
  37. GVBl S. 297[]
  38. GVBl S. 687[]
  39. GVBl S. 39[]
  40. GVBl S. 319[]
  41. Amts­bl. I S. 312[]
  42. Amts­bl. S. 514[]
  43. GVBl S. 458[]
  44. GVBl S. 530, 532[]
  45. GVBl S. 970[]
  46. GVBl S. 648[]
  47. GVBl S. 236[]
  48. GVBl S. 125[]
  49. GVBl S. 382[]
  50. GVBl S. 238[]
  51. GVBl S. 472, 498[]
  52. vgl. die Per­so­nal­re­form der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on, "Eine Ver­wal­tung im Dienst einer hal­ben Mil­li­ar­de euro­päi­scher Bür­ger"[]
  53. BVerw­GE 133, 143[][]
  54. VG Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 10.11.2010 – 1 K 5181/​09[]
  55. BVerwG, Urteil vom 23.02.2012 – 2 C 79.10[]
  56. VG Köln, Urteil vom 07.07.2010 – 3 K 5879/​09[]
  57. OVG NRW, Beschluss vom 02.12 2010 – 6 A 1695/​10[]
  58. BVerwG, Beschluss vom 26.03.2012 – 2 B 26.11[]
  59. ABl. L 303 vom 02.12 2000, S. 16 ff.[]
  60. vgl. BVerfGE 49, 89, 126; 61, 260, 275; 83, 130, 142; 108, 282, 311; stRspr[]
  61. vgl. BVerfGE 49, 89, 127; 98, 218, 251; 108, 282, 311; BVerfG, Beschluss vom 01.04.2014 – 2 BvF 1/​12, 2 BvF 3/​12 101 f.[]
  62. vgl. BVerfGE 47, 46, 79; 98, 218, 251, jeweils m.w.N.[]
  63. BVerfGE 95, 267, 308[]
  64. vgl. BVerfGE 58, 257, 274[]
  65. vgl. BVerfGE 49, 89, 126; 98, 218, 251; 108, 282, 312[]
  66. vgl. BVerfGE 108, 282, 311[]
  67. BVerfGE 83, 130, 142; 108, 282, 311[]
  68. vgl. BVerfGE 85, 386, 403 f.; 108, 282, 312[]
  69. vgl. BVerfGE 95, 267, 307[]
  70. vgl. BVerfGE 49, 89, 125; 68, 1, 86 f.; 98, 218, 251 f.[]
  71. vgl. BVerfGE 58, 257, 277 f.; 83, 130, 142, 152; 102, 254, 337[]
  72. vgl. BVerfGE 7, 282, 302 f.; 41, 251, 265 f.; 48, 210, 221 ff.; 56, 1, 13; 58, 257, 278[]
  73. vgl. BVerfGE 49, 89, 127[]
  74. vgl. BVerfGE 56, 1, 13; 58, 257, 278; 62, 203, 210[]
  75. BVerfGE 7, 282, 302 f.; 19, 354, 361; 55, 207, 225 f.[]
  76. BVerfGE 113, 167, 269[]
  77. vgl. BVerfGE 55, 207, 226; 58, 257, 277; 102, 197, 222; 107, 1, 15[]
  78. vgl. BVerfGE 39, 334, 366 f.; 108, 282, 296[]
  79. vgl. BVerfGE 8, 1, 18; 8, 28, 35; 8, 332, 352 f.; 52, 303, 331; 81, 363, 386; Masing, in: Drei­er, GG, Bd. 2, 2. Aufl.2006, Art. 33 Rn. 82[]
  80. vgl. BVerw­GE 98, 324, 327[]
  81. vgl. BVerfGE 39, 334, 369; 92, 140, 151; 96, 152, 163; 96, 171, 180 f.; 96, 205, 210 f.; 110, 304, 321; BVerfG, Beschluss vom 25.07.1997 – 2 BvR 1088/​97 15[]
  82. vgl. BVerfGE 84, 133, 146; 96, 152, 163[]
  83. vgl. BVerfGE 33, 125, 160; 38, 373, 381; 57, 121, 132; 76, 171, 184 f.[]
  84. vgl. BVerfGE 80, 257, 266 f.[]
  85. vgl. BVerfGE 33, 125, 160[]
  86. BVerfGE 33, 125, 160[]
  87. vgl. BVerfGE 96, 152, 163[]
  88. vgl. BVerfGE 108, 282, 296; 110, 304, 322[]
  89. vgl. BVerfGK 12, 265, 268; 12, 284, 286; BVerfG, Beschluss vom 26.11.2010 – 2 BvR 2435/​10, NVwZ 2011, 746, 747[]
  90. vgl. BVerfGE 30, 173, 191 ff.; 93, 1, 21; 108, 282, 297; für Art. 33 Abs. 2 GG Jach­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2010, Art. 33 Rn. 21[]
  91. vgl. BVerfGE 83, 130, 142[]
  92. vgl. BVerfGE 108, 282, 306 f.; BVerfG, Beschluss vom 02.04.1996 – 2 BvR 169/​93, NVwZ 1997, 54; BVerw­GE 122, 237, 239[]
  93. EuGH, Urteil vom 22.11.2005 – C‑144/​04, Man­gold, Slg. 2005, I – 09981, Rn. 75[]
  94. EuGH, Urteil vom 19.01.2010 – C‑555/​07, Kücük­de­veci, Slg. 2010, I – 00365, Rn. 21[]
  95. EuGH, Urteil vom 13.09.2011 – C‑447/​09, Prig­ge u.a., Slg. 2011, I – 08003, Rn. 38[]
  96. EuGH, Urteil vom 13.09.2011 – C‑447/​09, Prig­ge u.a., Slg. 2011, I – 08003, Rn. 81; vgl. hier­zu auch BVerfG, Beschluss vom 24.10.2011 – 1 BvR 1103/​11, EuGRZ 2011, S. 713[]
  97. EuGH, Urteil vom 16.10.2007 – C‑411/​05, Pala­ci­os de la Vil­la, Slg. 2007, I – 08531, Rn. 68; Urteil vom 18.11.2010 – C‑250/​09 und – C‑268/​09, Geor­gi­ev, Slg. 2010, I – 11869, Rn. 50[]
  98. EuGH, Urteil vom 21.07.2011 – C‑159/​10 und – C‑160/​10, Fuchs und Köh­ler, Slg. 2011, I – 06919, Rn. 73 f., 81[]
  99. EuGH, Urteil vom 13.11.2014 – C‑416/​13, Vital Pérez, Celex-Nr. 62013CJ0416, Rn. 45, 66[]
  100. vgl. EuGH, Urteil vom 13.11.2014, a.a.O., Rn. 44 ff.[]
  101. zur Alters­gren­ze für Ver­kehrs­pi­lo­ten vgl. BVerfGK 10, 227, 232 f.[]
  102. so auch BVerw­GE 133, 143, 145[]
  103. LTDrucks 14/​8176, S. 2[]
  104. LTDrucks 14/​8176, S. 126[]
  105. Aus­schuss­pro­to­koll 14/​859, S. 4 f.[]
  106. LTDrucks 14/​10580[]
  107. vgl. BVerfGE 7, 377, 397 f.; 39, 334, 369[]
  108. vgl. BVerfGE 39, 334, 354; BVerw­GE 68, 109, 110[]
  109. vgl. BVerfGE 39, 334, 370[]
  110. vgl. nur BVerfGE 103, 172, 182 ff.; sie­he auch BVerfG, Beschluss vom 26.08.2013 – 2 BvR 441/​13 33 ff.[]
  111. vgl. BVerfGE 108, 282, 295[]
  112. vgl. Höf­ling, in: Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz, Art. 33 Abs. 1 bis 3, Rn. 159, August 2007 m.w.N.[]
  113. vgl. BVerw­GE 142, 59, 62[]
  114. vgl. BVerfGK 12, 184, 186; 12, 265, 268; 12, 284, 287; BVerfG, Beschluss vom 26.11.2010 – 2 BvR 2435/​10, NVwZ 2011, S. 746, 747; BVerw­GE 122, 147, 149 f.; 124, 99, 102[]
  115. vgl. BVerfGE 19, 303, 322; 39, 334, 351 f.; 108, 282, 296[]
  116. vgl. hier­zu: BVerfGE 107, 218, 237; 114, 258, 281 f.; 117, 330, 344 f.; 117, 372, 379; 121, 205, 219[]
  117. vgl. BVerfGE 71, 255, 268; 121, 205, 220 ff.[]
  118. vgl. BVerfGE 55, 207, 240 f.; 71, 39, 60 f.[]
  119. vgl. Badu­ra, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 33 Rn. 67, April 2010[]
  120. BVerfGE 71, 255, 268[]
  121. vgl. BVerfGE 21, 329, 345; 44, 249, 265; 114, 258, 287 f.; 117, 330, 351; 117, 372, 380 f.[]
  122. vgl. BVerfGE 55, 207, 241; 107, 218, 237; 114, 258, 288; 117, 372, 380[]
  123. vgl. BVerfGE 11, 203, 210; 39, 196, 200 f.; 44, 249, 265[]
  124. vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 11, 203, 210; 61, 43, 57 f.; 117, 372, 380 f.; stRspr[]
  125. vgl. BVerfGE 117, 372, 380; 119, 247, 260 f.; 121, 205, 221; stRspr[]
  126. vgl. BVerw­GE 142, 59, 62; Hen­se, in: Epping/​Hillgruber, GG, 2. Aufl.2013, Art. 33 Rn. 15; Begerau, LKRZ 2011, S. 321; Tre­beck, Die ver­fas­sungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit von Alters­gren­zen, 2008, S. 284; Baßl­sper­ger, ZBR 2008, S. 339, 343[]
  127. vgl. BVerfGE 105, 73, 115; 114, 258, 298; BVerwG, Urteil vom 23.02.2012 – 2 C 76/​10 18[]
  128. vgl. BVerfGE 61, 43; BVerfGK 8, 232, 235[]
  129. vgl. BVerfGE 117, 372, 383 ff.[]
  130. vgl. BT-Drs. 16/​1780, S. 36 zu § 10 AGG; Baßl­sper­ger, ZBR 2008, S. 339, 343[]
  131. vgl. hier­zu Brors, in: Däubler/​Bertzbach, AGG, 3. Aufl.2013, § 10 Rn. 86[]
  132. vgl. BVerfGE 93, 1, 21; 119, 247, 267[]
  133. GV NRW S. 234[]
  134. BGBl I S. 150[]
  135. vgl. BVerfGE 76, 256, 298[]
  136. vgl. BVerfGK 8, 232, 235 f.; 13, 35, 45[]
  137. vgl. BVerfGK 13, 35, 45[]
  138. vgl. BVerfGK 8, 232, 236; 13, 35, 45 f.[]
  139. vgl. BVerw­GE 133, 143, 146; für die Lite­ra­tur etwa: Begerau, LKRZ 2011, S. 321, 324; Baßl­sper­ger, ZBR 2008, S. 339, 343; Käm­me­rer, ZBR 2008, S. 325, 331 ff.; Herr­mann, Die Beru­fung von Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren – Die Beru­fungs­vor­aus­set­zun­gen und das Beru­fungs­ver­fah­ren, 2007, S. 77 ff.[]
  140. vgl. BVerfGE 105, 73, 115[]
  141. vgl. BVerfGE 131, 20[]
  142. vgl. Kühling/​Bertelsmann, NVwZ 2010, S. 87, 90[]
  143. vgl. BVerw­GE 142, 59, 63 ff.[]
  144. vgl. BVerfGE 76, 256, 323 f.; BVerfGK 8, 232, 235[]
  145. vgl. Kühling/​Bertelsmann, NVwZ 2010, 87, 92[]
  146. vgl. BVerw­GE 133, 143, 150[]
  147. vgl. BVerfGE 99, 280, 298; 105, 73, 133; 126, 268, 284 f.; stRspr[]
  148. vgl. Badu­ra, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 33 Rn.20, Mai 2009[]
  149. vgl. BVerfGE 11, 30, 48; 65, 1, 71[]
  150. vgl. BVerfGE 68, 319, 326[]