Alters­höchst­gren­zen für die Ver­be­am­tung

Leh­re­rin­nen und Leh­rer an öffent­li­chen Schu­len wer­den in Nord­rhein-West­fa­len, sofern die lauf­bahn- und sons­ti­gen beam­ten­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, in der Regel ver­be­am­tet (§ 57 Abs. 4 Satz 2 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len 1). Sie kön­nen auch als Tarif­be­schäf­tig­te nach dem Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) ange­stellt wer­den 2. Die Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be rich­tet sich unter ande­rem nach den Vor­schrif­ten der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­tin­nen und Beam­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len (Lauf­bahn­ver­ord­nung – LVO).

Alters­höchst­gren­zen für die Ver­be­am­tung

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt erklär­te mit Urteil vom 19.02.2009 3 die Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen der Lauf­bahn­ver­ord­nung 4 für unwirk­sam. Da Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen im Beam­ten­recht den Leis­tungs­grund­satz aus Art. 33 Abs. 2 GG ein­schränk­ten, dürf­ten sie nicht vor­aus­set­zungs­los im Ermes­sen der Ver­wal­tung ste­hen. Der Gesetz­ge­ber müs­se ihre Rege­lung ein­schließ­lich der Aus­nah­me­tat­be­stän­de selbst tref­fen.

Auf­grund von § 5 Abs. 1 Lan­des­be­am­ten­ge­setz (LBG) 5 beschloss die Lan­des­re­gie­rung mit Wir­kung zum 18.07.2009 in Arti­kel 1 der Ver­ord­nung zur Ände­rung der Lauf­bahn­ver­ord­nung und ande­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten 6 eine teil­wei­se Neu­re­ge­lung der Lauf­bahn­ver­ord­nung – LVO 2009 -. Sie hob die Alters­gren­ze zur Ein­stel­lung oder Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be an; in das Beam­ten­ver­hält­nis konn­te danach beru­fen wer­den, wer das 40. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat­te. Zugleich nor­mier­te sie die Mög­lich­kei­ten des Über­schrei­tens der Höchst­al­ters­gren­ze neu.

Da das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 21.04.2015 7 fest­ge­stellt hat, dass die durch die Ver­ord­nung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung vom 30.06.2009 auf der Grund­la­ge des § 5 Abs. 1 Satz 1 LBG fest­ge­leg­ten Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar sind, fehlt es auch für den ableh­nen­den Bescheid gegen­über einem Beam­ten­be­wer­ber (hier: einem bis­her im Ange­stell­ten­ver­hält­nis täti­gen Leh­rer) an einer Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge. Die Rege­lun­gen der § 6 Abs. 1 Satz 1, § 52 Abs. 1 und § 84 Abs. 2 LVO 2009, nach denen die Ein­stel­lung auf­grund des erreich­ten Lebens­al­ters ver­wei­gert wer­den kann, ver­sto­ßen inso­weit gegen Art. 33 Abs. 2 GG. Die auf die­sen Vor­schrif­ten beru­hen­den gericht­li­chen und behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen ver­let­zen daher den Bewer­ber in sei­nem grund­rechts­glei­chen Recht aus Art. 33 Abs. 2 GG.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2015 – 2 BvR 2640/​12

  1. vom 15.02.2005 in der Fas­sung des Geset­zes vom 25.06.2015, GVBl S. 499[]
  2. Rund­erlass des Minis­te­ri­ums für Schu­le und Wei­ter­bil­dung vom 23.04.2007 – BASS 21 – 01 Nr. 11[]
  3. BVerwG, Urteil vom 19.02.2009 – 2 C 18.07, BVerw­GE 133, 143[]
  4. vom 23.11.1995, GVBl 1996 S. 1, in der Fas­sung des Geset­zes vom 03.05.2005, GVBl S. 498[]
  5. in der Fas­sung vom 21.04.2009, GVBl S. 224[]
  6. GVBl S. 381[]
  7. BVerfG, Beschluss vom 21.04.2015 – 2 BvR 1322/​12 und 2 BvR 1989/​12[]