Amts­an­ge­mes­se­ne Rich­ter­be­sol­dung

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat den drei­stu­fi­gen Prü­fungs­maß­stab näher defi­niert, nach denen die Besol­dung von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten auf ihre Ver­ein­bar­keit mit dem Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on zu über­prü­fen ist:

Amts­an­ge­mes­se­ne Rich­ter­be­sol­dung

Inhalts­über­sicht


Das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Über­blick[↑]

Dem wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers bei der prak­ti­schen Umset­zung der aus Art. 33 Abs. 5 GG resul­tie­ren­den Pflicht zur amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te ent­spricht eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le der ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lung. Ob die Bezü­ge evi­dent unzu­rei­chend sind, muss anhand einer Gesamt­schau ver­schie­de­ner Kri­te­ri­en und unter Berück­sich­ti­gung der kon­kret in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen geprüft wer­den.

Im Rah­men die­ser Gesamt­schau liegt es nahe, mit Hil­fe von aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ableit­ba­ren und volks­wirt­schaft­lich nach­voll­zieh­ba­ren Para­me­tern einen durch Zah­len­wer­te kon­kre­ti­sier­ten Ori­en­tie­rungs­rah­men für eine grund­sätz­lich ver­fas­sungs­ge­mä­ße Aus­ge­stal­tung der Ali­men­ta­ti­ons­struk­tur und des Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus zu ermit­teln.

Hier­zu eig­nen sich fünf Para­me­ter, die in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ange­legt sind und denen indi­zi­el­le Bedeu­tung bei der Ermitt­lung des ver­fas­sungs­recht­lich geschul­de­ten Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus zukommt (deut­li­che Dif­fe­renz zwi­schen einer­seits der Besol­dungs­ent­wick­lung und ande­rer­seits der Ent­wick­lung der Tari­fent­loh­nung im öffent­li­chen Dienst, des Nomi­nal­lohn­in­dex sowie des Ver­brau­cher­preis­in­dex, sys­tem­in­ter­ner Besol­dungs­ver­gleich und Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und ande­rer Län­der). Ist die Mehr­heit die­ser Para­me­ter erfüllt (1. Prü­fungs­stu­fe), besteht eine Ver­mu­tung für eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on. Die­se Ver­mu­tung kann durch die Berück­sich­ti­gung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Kri­te­ri­en im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung wider­legt oder wei­ter erhär­tet wer­den (2. Prü­fungs­stu­fe).

Ergibt die Gesamt­schau, dass die als unzu­rei­chend ange­grif­fe­ne Ali­men­ta­ti­on grund­sätz­lich als ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on ein­zu­stu­fen ist, bedarf es der Prü­fung, ob dies im Aus­nah­me­fall ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt sein kann. Der Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on ist Teil der mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen ver­bun­de­nen insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG. Soweit er mit ande­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Wert­ent­schei­dun­gen oder Insti­tu­ten kol­li­diert, ist er ent­spre­chend dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz im Wege der Abwä­gung zu einem scho­nen­den Aus­gleich zu brin­gen (3. Prü­fungs­stu­fe). Ver­fas­sungs­rang hat nament­lich das Ver­bot der Neu­ver­schul­dung in Art. 109 Abs. 3 Satz 1 GG.

Jen­seits der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Min­des­ta­li­men­ta­ti­on genießt die Ali­men­ta­ti­on des Rich­ters oder Staats­an­walts einen rela­ti­ven Norm­be­stands­schutz. Der Gesetz­ge­ber darf hier Kür­zun­gen oder ande­re Ein­schnit­te in die Bezü­ge vor­neh­men, wenn dies aus sach­li­chen Grün­den gerecht­fer­tigt ist.

Die Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he durch den Gesetz­ge­ber ist an die Ein­hal­tung pro­ze­du­ra­ler Anfor­de­run­gen geknüpft. Die­se Anfor­de­run­gen tref­fen ihn ins­be­son­de­re in Form von Begrün­dungs­pflich­ten.

Prü­fungs­sche­ma[↑]

  1. Auf einer ers­ten Prü­fungs­stu­fe sind fünf Para­me­ter mit indi­zi­el­ler Bedeu­tung her­an­zu­zie­hen; die Ver­mu­tung für eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on besteht, wenn min­des­tens drei davon erfüllt sind. Die Para­me­ter sind:
    1. eine deut­li­che Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung und der Ent­wick­lung der Tarif­löh­ne im öffent­li­chen Dienst,
    2. des Nomi­nal­lohn­in­de­xes­so­wie
    3. des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes,
    4. dar­über hin­aus ein sys­tem­in­ter­ner Besol­dungs­ver­gleich und
    5. ein Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des bezie­hungs­wei­se ande­rer Län­der.
  2. Auf einer zwei­ten Prü­fungs­stu­fe kann die­se Ver­mu­tung durch Berück­sich­ti­gung wei­te­rer Kri­te­ri­en im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung wider­legt oder wei­ter erhär­tet wer­den.
  3. Auf einer drit­ten Prü­fungs­stu­fe ist gege­be­nen­falls eine Abwä­gung mit kol­li­die­ren­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Wert­ent­schei­dun­gen wie dem Ver­bot der Neu­ver­schul­dung her­bei­zu­füh­ren; im Aus­nah­me­fall kann eine Unte­rali­men­ta­ti­on ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt wer­den.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Nach die­sem Maß­stab gilt für die hier zur Über­prü­fung ste­hen­den R‑Besoldungen in Sach­sen-Anhalt, Nord­rhein-West­fa­len (jeweils R1) und Rhein­land-Pfalz (R3):

  • Die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pe R 1 in Sach­sen-Anhalt in den Jah­ren 2008 bis 2010 sind mit Art. 33 Abs. 5 GG unver­ein­bar; der Lan­des­ge­setz­ge­ber hat ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 01.01.2016 an zu tref­fen:
    1. Anhang 1 Anla­ge 2 Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Besol­dungs­ord­nung R ab 1.01.2008) zu § 18c Absatz 1 des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes für das Land Sach­sen-Anhalt1 (LBe­sG LSA)2,
    2. Anhang 2 Anla­ge 2 Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Besol­dungs­ord­nung R ab 1.05.2008) zu § 18c Absatz 1 LBe­sG LSA2,
    3. Anhang 1 Anla­ge 2 Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Besol­dungs­ord­nung R ab 1.03.2009) zu § 18c Absatz 1 LBe­sG LSA3,
    4. Anhang 2 Anla­ge 2 Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Besol­dungs­ord­nung R ab 1.03.2010) zu § 18c Absatz 1 LBe­sG LSA4

    sind, soweit sie die Besol­dungs­grup­pe R 1 betref­fen, mit Arti­kel 33 Absatz 5 GG unver­ein­bar.

    Der Gesetz­ge­ber des Lan­des Sach­sen-Anhalt hat ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 1. Janu­ar 2016 an zu tref­fen.

  • Die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pe R 1 in Nord­rhein-West­fa­len im Jahr 2003 sind mit Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar:

    Anla­ge IV Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.01.2003) zu § 37 Absatz 1 Satz 2 BBesG5 sowie Anla­ge IV Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.07.2003) zu § 37 Absatz 1 Satz 2 BBesG5 6 in Ver­bin­dung mit § 1 Absatz 1 Num­mer 2, §§ 2, 5, 6 Absät­ze 1 und 2 Num­mer 1 Son­der­zah­lungs­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len vom 20.11.20037 sind, soweit sie die Besol­dungs­grup­pe R 1 betref­fen, mit Arti­kel 33 Absatz 5 des Grund­ge­set­zes in der bis zum 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bar.

  • Die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pe R 3 in Rhein­land-Pfalz ab dem 1.01.2012 sind mit Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar:
    1. Anla­ge II Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Besol­dungs­ord­nung R ab 1.01.2012) zu § 2a Absatz 1 Satz 1 LBe­sG RP8,
    2. Anla­ge II Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Besol­dungs­ord­nung R ab 1.07.2012) zu § 2a Absatz 1 Satz 1 LBe­sG RP9,
    3. Anla­ge 6 Num­mer 4 (Grund­ge­halts­sät­ze Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.07.2013) zu § 34 Satz 2 LBe­sG RP 201310

    sind, soweit sie die Besol­dungs­grup­pe R 3 betref­fen, mit Arti­kel 33 Absatz 5 GG ver­ein­bar.

Die Aus­gangs­sach­ver­hal­te[↑]

Gegen­stand der Ent­schei­dung sind ins­ge­samt sie­ben Ver­fah­ren der kon­kre­ten Nor­men­kon­trol­le zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der R‑Besoldung von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten.

Zwei Vor­la­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len betref­fen die Fra­ge, ob die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te der Besol­dungs­grup­pe R 1 im Jahr 2003 in Nord­rhein-West­fa­len mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist11. Vier Vor­la­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Hal­le bezie­hen sich auf die Besol­dungs­grup­pe R 1 in Sach­sen-Anhalt in den Jah­ren 2008 bis 201012 und die Vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz auf die Bezü­ge eines Lei­ten­den Ober­staats­an­walts der Besol­dungs­grup­pe R 3 in Rhein­land-Pfalz ab dem 1.01.201213.

… aus Nord­rhein-West­fa­len[↑]

Im Sep­tem­ber 2003 hob der Bun­des­ge­setz­ge­ber das bun­des­ein­heit­li­che Son­der­zah­lungs­recht auf und eröff­ne­te den Län­dern die Befug­nis zu eigen­stän­di­gen Rege­lun­gen. Am 30.11.2003 trat für das Land Nord­rhein-West­fa­len ein Son­der­zah­lungs­ge­setz in Kraft (SZG-NRW). § 6 Abs. 1 SZG-NRW regelt, dass den Beam­ten ab der Besol­dungs­grup­pe A 9 sowie Rich­tern ab dem Jahr 2003 eine jähr­li­che Son­der­zah­lung (sog. Weih­nachts­geld) in Höhe von 50% der für den Monat Dezem­ber maß­ge­ben­den Bezü­ge zusteht. Ohne die­se Neu­re­ge­lung hät­ten Rich­ter der Besol­dungs­grup­pe R 1 im Jahr 2003 auf Grund­la­ge der vor­he­ri­gen bun­des­recht­li­chen Rege­lung eine jähr­li­che Son­der­zu­wen­dung in Höhe von 84,29% die­ser Bezü­ge erhal­ten.

Dem ers­ten der bei­den nord­rhein-west­fä­li­schen Ver­fah­ren14 liegt die Ver­pflich­tungs­kla­ge eines im Jahr 1971 gebo­re­nen Rich­ters am Land­ge­richt (R 1) zugrun­de, der vom Land Nord­rhein-West­fa­len die Gewäh­rung einer Son­der­zah­lung für das Jahr 2003 in Höhe von 84,29% sei­ner Bezü­ge im Dezem­ber 2003 ver­langt.

Im zwei­ten nord­rhein-west­fä­li­schen Ver­fah­ren15 klagt ein im Jahr 1946 gebo­re­ner Rich­ter am Land­ge­richt (R 1) mit dem Antrag, die Bezü­ge für Dezem­ber 2003 so nach­zu­zah­len, wie sie ohne Berück­sich­ti­gung des SZG-NRW aus­ge­zahlt wor­den wären. Bei­de Kla­gen blie­ben vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg. In der Beru­fungs­in­stanz begeh­ren bei­de Klä­ger hilfs­wei­se die Fest­stel­lung, dass ihre Net­to-Ali­men­ta­ti­on im Kalen­der­jahr 2003 ver­fas­sungs­wid­rig zu nied­rig bemes­sen gewe­sen ist.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat die bei­den Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­legt16. Es ist der Auf­fas­sung, dass die Besol­dung der Klä­ger gegen das in Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­te Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­stößt. Die Rich­ter in Nord­rhein-West­fa­len hät­ten im Jahr 2003 Besol­dungs­ab­sen­kun­gen hin­neh­men müs­sen, die – zumal gemes­sen an einer fik­ti­ven Wei­ter­zah­lung der Son­der­zu­wen­dung in der bis­he­ri­gen Höhe – in den über­wie­gen­den Fäl­len deut­lich über die Mar­gi­na­li­täts­gren­ze hin­aus­gin­gen. Im Fal­le einer Übera­li­men­ta­ti­on hät­te die Besol­dung zwar auf das ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Min­dest­maß abge­senkt wer­den dür­fen; die­se las­se sich für das Jahr 2003 aber nicht fest­stel­len. Ver­fas­sungs­recht­lich trag­fä­hi­ge Grün­de für eine Besol­dungs­ab­sen­kung sei­en vom Lan­des­ge­setz­ge­ber weder genannt noch sonst ersicht­lich. Die Löh­ne und Gehäl­ter ver­gleich­ba­rer Ange­stell­ter inner­halb und außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes sei­en zwi­schen 1991 und 2003 weit­aus stär­ker gestie­gen als die Rich­ter­be­sol­dung, die somit greif­bar von der all­ge­mei­nen Ein­kom­mens­ent­wick­lung abge­kop­pelt wor­den sei. Die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der Rich­ter erschlie­ße sich ergän­zend aus den Ein­schnit­ten im Bereich der Bei­hil­fe, wel­che nicht uner­heb­lich zur Gesamt­be­las­tung ihrer Net­to­ein­kom­men bei­getra­gen hät­ten.

… aus Sach­sen-Anhalt[↑]

Durch ein Gesetz vom 25.07.2007 hat der Lan­des­ge­setz­ge­ber die §§ 18a bis 18c in das Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz Sach­sen-Anhalt (LBe­sG LSA) ein­ge­fügt, die die Besol­dung der Beam­ten und Rich­ter und auch deren fort­lau­fen­de Anpas­sung regeln. Im August 2007 erhiel­ten die Beam­ten und Rich­ter eine Ein­mal­zah­lung in Höhe von 620 €. Die Grund­ge­halts­sät­ze wur­den am 1.05.2008 um 2,9% erhöht. Ab 1.03.2009 erhöh­ten sie sich um einen Sockel von 40 € und zusätz­lich um 3,0%. Zum 1.03.2010 fand eine wei­te­re Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze um 1,2% statt.

Die Klä­ger der Aus­gangs­ver­fah­ren ste­hen im Dienst des Lan­des Sach­sen-Anhalt und bezo­gen in den Jah­ren 2008 bis 2010 Bezü­ge nach der Besol­dungs­grup­pe R 1. Sie sind ein 1962 gebo­re­ner Staats­an­walt17, ein 1961 gebo­re­ner Rich­ter am Ver­wal­tungs­ge­richt18, ein 1966 gebo­re­ner Rich­ter am Ver­wal­tungs­ge­richt19 und ein Rich­ter am Amts­ge­richt20. Vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Hal­le klag­ten sie auf Fest­stel­lung, dass ihr Net­to­ein­kom­men seit dem 1.01.2008 ver­fas­sungs­wid­rig zu nied­rig bemes­sen ist. Das Ver­wal­tungs­ge­richt trenn­te den Zeit­raum ab 2011 in allen vier Ver­fah­ren ab und leg­te die Ver­fah­ren für den Zeit­raum 2008 bis 2010 dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor21.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Hal­le ist der Auf­fas­sung, dass die Besol­dung der Klä­ger gegen das in Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­te Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­stößt. Die finan­zi­el­le Aus­stat­tung der Rich­ter sei greif­bar hin­ter der all­ge­mei­nen Ein­kom­mens­ent­wick­lung zurück­ge­blie­ben. Ver­gleichs­maß­stab sei ein Refe­renz­sys­tem, anhand des­sen die Fort­ent­wick­lung der Ali­men­ta­ti­on geprüft wer­den kön­ne. In die­ses Refe­renz­sys­tem sei­en – begin­nend ab dem Jahr 1983 – die Tarif­ent­wick­lung im öffent­li­chen Dienst und die Ent­wick­lung der Ein­kom­men ver­gleich­ba­rer Beschäf­tig­ter außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes mit einem Gewicht von jeweils 40% sowie die all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se mit 20% ein­zu­stel­len, wobei die all­ge­mei­ne Ent­wick­lung der Tarif­löh­ne und das Brut­to­in­lands­pro­dukt je zur Hälf­te ein­gin­gen. Hin­ter die­sem Refe­renz­sys­tem sei die Besol­dung im Jahr 2008 um 30,98%, im Jahr 2009 um 25,53% und im Jahr 2010 um 27,1% zurück­ge­blie­ben. Die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung des Refe­renz­sys­tems und der Besol­dung sprin­ge der­art ins Auge, dass von einer greif­ba­ren Abkop­pe­lung der Besol­dung gespro­chen wer­den kön­ne. Weder die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te noch die Her­aus­for­de­run­gen durch die Glo­ba­li­sie­rung, der demo­gra­phi­sche Wan­del oder die finan­zi­el­len Nach­wir­kun­gen der Wie­der­ver­ei­ni­gung könn­ten eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on begrün­den. Eine Übera­li­men­ta­ti­on der Rich­ter, die eine Besol­dungs­ab­sen­kung aus sach­li­chen Grün­den recht­fer­ti­gen kön­ne, las­se sich jeden­falls seit dem Jahr 1983 nicht mehr fest­stel­len.

… aus Rhein­land-Pfalz[↑]

Grund­la­ge der R‑Besoldung in Rhein­land Pfalz war zunächst das Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz 200522. § 2a LBe­sG RP 2005 samt Anla­ge regel­te die Höhe der Grund­ge­häl­ter. Seit dem 1.07.2013 gilt ein neu­es Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz; § 34 LBe­sG RP 2013 samt Anla­ge regelt die Grund­ge­häl­ter der Besol­dungs­ord­nung R. Mit einem Gesetz vom 20.12 2011 hat der Lan­des­ge­setz­ge­ber die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­ord­nun­gen A, B, R und W sowie der fort­gel­ten­den Besol­dungs­ord­nung C in den Jah­ren 2012 bis 2016 jeweils zum 1.07. um 1,0% erhöht.

Der im Jahr 1964 gebo­re­ne Klä­ger des letz­ten Aus­gangs­ver­fah­rens13 war seit dem Jahr 2009 als Lei­ten­der Ober­staats­an­walt (Besol­dungs­grup­pe R 3) im Dienst des Lan­des Rhein­land-Pfalz tätig. Mit sei­ner Kla­ge zum Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz begehrt er die Fest­stel­lung, dass sein Net­to­ein­kom­men seit dem 1.01.2012 ver­fas­sungs­wid­rig zu nied­rig bemes­sen ist. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­legt23. Es ist davon über­zeugt, dass die Net­to­ali­men­ta­ti­on des Klä­gers das durch Art. 33 Abs. 5 GG ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Mini­mum unter­schrei­tet. Die ihm gewähr­ten Bezü­ge sei­en evi­dent unzu­rei­chend. Maß­stab für die Prü­fung, ob die Besol­dungs­er­hö­hun­gen aus­rei­chend gewe­sen sei­en, sei ein Refe­renz­sys­tem, in das mit glei­cher Gewich­tung die durch­schnitt­li­che Stei­ge­rung der Arbeits­neh­mer­ent­gel­te, die Ent­wick­lung der Ein­kom­men der tarif­be­schäf­tig­ten Ange­stell­ten im öffent­li­chen Dienst sowie die Ent­wick­lung der Ein­kom­men ver­gleich­ba­rer Beschäf­tig­ter außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes, jeweils seit dem Jahr 1983, ein­zu­be­zie­hen sei­en. Hin­ter der Ent­wick­lung der in dem Refe­renz­sys­tem berück­sich­tig­ten Ein­kom­men sei die R 3‑Besoldung im Jahr 2012 um 17,8% zurück­ge­blie­ben; daher lie­ge in jedem Fall eine greif­ba­re Abkopp­lung vor. Für die fest­ge­stell­te Unter­schrei­tung des durch Art. 33 Abs. 5 GG ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Mini­mums lägen kei­ne recht­fer­ti­gen­den Grün­de vor. Die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te ver­mö­ge nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on nicht zu begrün­den. Sys­tem­im­ma­nen­te Sach­ge­sichts­punk­te im Sin­ne die­ser Recht­spre­chung, wel­che die hier fest­ge­stell­te Unter­schrei­tung des durch Art. 33 Abs. 5 GG garan­tier­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Mini­mums recht­fer­ti­gen könn­ten, sei­en weder den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en der Besol­dungs­ge­set­ze zu ent­neh­men noch sonst ersicht­lich.

Ver­fas­sungs­recht­li­cher Maß­stab für die Rich­te­ra­li­men­ta­ti­on[↑]

Der ver­fas­sungs­recht­li­che Maß­stab, an dem die Rechts­grund­la­gen für die die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu mes­sen ist, ergibt sich aus Art. 33 Abs. 5 GG. Nach der bis zum 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung die­ser Bestim­mung ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu regeln; die­se For­mu­lie­rung wur­de durch Art. 1 Nr. 3 des Geset­zes zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28.08.200624 um die Wör­ter „und fort­zu­ent­wi­ckeln” ergänzt25.

Zu den vom Gesetz­ge­ber wegen ihres grund­le­gen­den und struk­tur­prä­gen­den Cha­rak­ters nicht nur zu berück­sich­ti­gen­den, son­dern zu beach­ten­den26 her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums zählt das auch für die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te maß­geb­li­che27 Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip. Art. 33 Abs. 5 GG ist unmit­tel­bar gel­ten­des Recht und ent­hält einen Rege­lungs­auf­trag an den Gesetz­ge­ber sowie eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums28. Des Wei­te­ren begrün­det Art. 33 Abs. 5 GG ein grund­rechts­glei­ches Recht der Beam­ten, Rich­ter und Staats­an­wäl­te, soweit deren sub­jek­ti­ve Rechts­stel­lung betrof­fen ist29.

Der Inhalt des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips wird von ver­schie­de­nen Deter­mi­nan­ten geprägt. Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­pflich­tet den Dienst­herrn, Rich­ter und Staats­an­wäl­te sowie ihre Fami­li­en lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihnen nach ihrem Dienst­rang, nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung der recht­spre­chen­den Gewalt und des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren. Damit wird der Bezug der Besol­dung sowohl zu der Ein­kom­mens- und Aus­ga­ben­si­tua­ti­on der Gesamt­be­völ­ke­rung als auch zur Lage der Staats­fi­nan­zen, das heißt zu der sich in der Situa­ti­on der öffent­li­chen Haus­hal­te aus­drü­cken­den Leis­tungs­fä­hig­keit des Dienst­herrn, her­ge­stellt30. Im Rah­men die­ser Ver­pflich­tung zu einer dem Amt ange­mes­se­nen Ali­men­tie­rung hat der Gesetz­ge­ber die Attrak­ti­vi­tät der Dienst­ver­hält­nis­se von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen des Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die vom Amts­in­ha­ber gefor­der­te Aus­bil­dung und sei­ne Bean­spru­chung zu berück­sich­ti­gen31. Für die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on kommt es auf deren Gesamt­hö­he an, zu deren Ermitt­lung neben dem Grund­ge­halt auch wei­te­re Besol­dungs­be­stand­tei­le wie Son­der­zah­lun­gen oder Stel­len­zu­la­gen32 her­an­zu­zie­hen sind, auch wenn die­se für sich betrach­tet nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums gemäß Art. 33 Abs. 5 GG genie­ßen33.

Prak­ti­sche Umset­zung der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on[↑]

Bei der prak­ti­schen Umset­zung der aus Art. 33 Abs. 5 GG resul­tie­ren­den Pflicht zur amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung besitzt der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum34. Dies gilt sowohl hin­sicht­lich der Struk­tur als auch hin­sicht­lich der Höhe der Besol­dung35; die­se ist der Ver­fas­sung nicht unmit­tel­bar, als fes­ter und exakt bezif­fer­ba­rer Betrag, zu ent­neh­men36. Inso­fern stellt die in Art. 33 Abs. 5 GG ent­hal­te­ne Garan­tie eines „amts­an­ge­mes­se­nen” Unter­halts ledig­lich eine den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber in die Pflicht neh­men­de ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve dar37. Inner­halb des ihm zukom­men­den Ent­schei­dungs­spiel­raums muss der Gesetz­ge­ber das Besol­dungs­recht den tat­säch­li­chen Not­wen­dig­kei­ten und der fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se anpas­sen. Die von ihm jeweils gewähl­te Lösung – Struk­tur und Höhe der Ali­men­ta­ti­on – unter­liegt aller­dings der gericht­li­chen Kon­trol­le.

Es ist jedoch nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu prü­fen, ob der Gesetz­ge­ber dabei die gerech­tes­te, zweck­mä­ßigs­te und ver­nünf­tigs­te Lösung gewählt hat38.

Dem wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers ent­spricht viel­mehr eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te Kon­trol­le der ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lung39. Im Ergeb­nis beschränkt sich die mate­ri­el­le Kon­trol­le dabei auf die Fra­ge, ob die Bezü­ge der Rich­ter und Staats­an­wäl­te evi­dent unzu­rei­chend sind. Ob dies der Fall ist, muss anhand einer Gesamt­schau ver­schie­de­ner Kri­te­ri­en und unter Berück­sich­ti­gung der kon­kret in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen geprüft wer­den40.

Ori­en­tie­rungs­rah­men für eine ver­fas­sungs­ge­mä­ße Ali­men­tie­rungs­struk­tur[↑]

Im Rah­men die­ser Gesamt­schau liegt es nahe, mit Hil­fe von aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ableit­ba­ren und volks­wirt­schaft­lich nach­voll­zieh­ba­ren Para­me­tern einen durch Zah­len­wer­te kon­kre­ti­sier­ten Ori­en­tie­rungs­rah­men für eine grund­sätz­lich ver­fas­sungs­ge­mä­ße Aus­ge­stal­tung der Ali­men­ta­ti­ons­struk­tur und des Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus zu ermit­teln. Hier­zu eig­nen sich fünf Para­me­ter, die in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ange­legt sind und denen indi­zi­el­le Bedeu­tung bei der Ermitt­lung des ver­fas­sungs­recht­lich geschul­de­ten Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus zukommt. Ist die Mehr­heit die­ser Para­me­ter erfüllt (1. Prü­fungs­stu­fe), besteht eine Ver­mu­tung für eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on. Die­se Ver­mu­tung kann durch die Berück­sich­ti­gung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Kri­te­ri­en im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung wider­legt oder wei­ter erhär­tet wer­den (2. Prü­fungs­stu­fe).

1 . Prü­fungs­stu­fe: 5 Prü­fungs­pa­ra­me­ter[↑]

Der Gesetz­ge­ber muss den für die Bemes­sung der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on rele­van­ten Kri­te­ri­en sowohl bei struk­tu­rel­len Neu­aus­rich­tun­gen im Besol­dungs­recht als auch bei der kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he über die Jah­re hin­weg Rech­nung tra­gen41. Eben­so wenig wie die exak­te Höhe der ange­mes­se­nen Besol­dung lässt sich dabei der Zeit­punkt, zu dem die­se als gera­de noch amts­an­ge­mes­sen anzu­se­hen ist, unmit­tel­bar der Ver­fas­sung ent­neh­men. Ob der Gesetz­ge­ber sei­ner Pflicht zur Anpas­sung der Ali­men­tie­rung an die all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se bei der Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he nach­kommt, zeigt sich viel­mehr erst anhand einer Gegen­über­stel­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung einer­seits mit ver­schie­de­nen Ver­gleichs­grö­ßen ande­rer­seits über einen aus­sa­ge­kräf­ti­gen Zeit­raum hin­weg. Die hier­bei regel­mä­ßig her­an­zu­zie­hen­den Schwel­len­wer­te, ab denen eine erkenn­ba­re Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung oder ‑höhe und der her­an­zu­zie­hen­den Ver­gleichs­grö­ße vor­liegt, haben dabei ledig­lich Ori­en­tie­rungs­cha­rak­ter.

  1. Dif­fe­renz wischen der Besol­dungs­ent­wick­lung und der Tarif­ent­wick­lung für die Ange­stell­ten im öffent­li­chen Dienst[↑]

    Eine deut­li­che Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung und den Tarif­er­geb­nis­sen der Ange­stell­ten im öffent­li­chen Dienst in dem jeweils betrof­fe­nen Land oder – bei der Bun­des­be­sol­dung – auf Bun­des­ebe­ne ist ein wich­ti­ger Para­me­ter für eine evi­den­te Miss­ach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­ge­bo­tes (ers­ter Para­me­ter).

    Bezugs­rah­men für die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on sind zunächst die Ein­kom­men der Arbeit­neh­mer mit ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung und Tätig­keit inner­halb des öffent­li­chen Diens­tes42. Dem Ein­kom­mens­ni­veau die­ser pri­vat­recht­lich beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer kommt eine beson­de­re Bedeu­tung für die Bestim­mung der Wer­tig­keit des Amtes und damit der Ange­mes­sen­heit der Besol­dung zu43, zumal die Tarif­ab­schlüs­se im öffent­li­chen Dienst ein gewich­ti­ges Indiz für die Ent­wick­lung der (sons­ti­gen) all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se sowie des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards sind44. Zwar ist der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber – auch ange­sichts der grund­sätz­li­chen Unter­schie­de zwi­schen der Tari­fent­loh­nung und der Beam­ten­be­sol­dung – von Ver­fas­sungs wegen nicht ver­pflich­tet, bei Anpas­sun­gen der Bezü­ge eine strik­te Par­al­le­li­tät zu den Tarif­er­geb­nis­sen des öffent­li­chen Diens­tes zu gewähr­leis­ten45. Zugleich darf er aber auch die Tarif­er­geb­nis­se bei der Fest­set­zung der Beam­ten­be­sol­dung nicht in einer über die Unter­schied­lich­keit der Ent­loh­nungs­sys­te­me hin­aus­ge­hen­den Wei­se außer Betracht las­sen. Wird bei einer Gegen­über­stel­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung mit der Ent­wick­lung der Tarif­er­geb­nis­se im öffent­li­chen Dienst eine Abkop­pe­lung der Bezü­ge der Amts­trä­ger hin­rei­chend deut­lich sicht­bar, ist dies mit der von Ver­fas­sungs wegen gebo­te­nen Ori­en­tie­rungs­funk­ti­on der Tarif­er­geb­nis­se für die Besol­dungs­an­pas­sung unver­ein­bar.

    Dies ist in der Regel der Fall, wenn die Dif­fe­renz zwi­schen den Tarif­er­geb­nis­sen und der Besol­dungs­an­pas­sung min­des­tens fünf Pro­zent des Index­wer­tes der erhöh­ten Besol­dung beträgt. Eine sol­che Dif­fe­renz ent­sprä­che, legt man die Tarif­er­hö­hun­gen im öffent­li­chen Dienst seit 1980 um durch­schnitt­lich jähr­lich 2,35% zugrun­de, mehr als einer voll­stän­di­gen Nicht­an­pas­sung der Besol­dung im Anschluss an zwei auf­ein­an­der­fol­gen­de durch­schnitt­li­che Tarif­er­hö­hun­gen.

    Aus­ge­hend von dem jeweils streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­ab­schnitt ist die Betrach­tung dabei auf den Zeit­raum der zurück­lie­gen­den 15 Jah­re – dies ent­spricht etwa der Hälf­te der Lebens­dienst­zeit eines Rich­ters oder Staats­an­wal­tes – zu erstre­cken, um einer­seits zufäl­li­ge Aus­schlä­ge auf­zu­fan­gen und ande­rer­seits eine metho­di­sche Ver­gleich­bar­keit noch zu gewähr­leis­ten. Ergän­zend ist gege­be­nen­falls für einen wei­te­ren gleich­lan­gen Zeit­raum, der auch den Zeit­raum der fünf Jah­re vor Beginn des oben genann­ten 15-jäh­ri­gen Betrach­tungs­zeit­raums abdeckt und sich mit die­sem Zeit­raum über­lappt, eine Ver­gleichs­be­rech­nung durch­zu­füh­ren. Durch eine der­ar­ti­ge Staf­fel­prü­fung soll sicher­ge­stellt wer­den, dass etwai­ge sta­tis­ti­sche Aus­rei­ßer berei­nigt wer­den.

  2. Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn­in­de­xes[↑]

    Eine deut­li­che Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn­in­dex im jeweils betrof­fe­nen Land ist ein wei­te­res Indiz für eine evi­den­te Miss­ach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­ge­bo­tes (zwei­ter Para­me­ter).

    Die Ver­pflich­tung zur Anpas­sung der Besol­dung an die Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se46 erfor­dert, dass die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu der Ein­kom­mens­si­tua­ti­on und ‑ent­wick­lung der Gesamt­be­völ­ke­rung in Bezug gesetzt wird47. Zur Ori­en­tie­rung eig­net sich inso­weit der Nomi­nal­lohn­in­dex, der ein all­ge­mein aner­kann­ter Indi­ka­tor für die Ein­kom­mens- und Wohl­stands­ent­wick­lung der abhän­gig Beschäf­tig­ten in Deutsch­land ist48. Die­ser Index misst die Ver­än­de­rung des durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ver­diens­tes inklu­si­ve Son­der­zah­lun­gen der voll­zeit, teil­zeit- und gering­fü­gig beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer. Er ist weit­ge­hend reprä­sen­ta­tiv für die Ver­dienst­ent­wick­lung und bil­det sie trans­pa­rent, exakt, zeit­nah und in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den ab49. Auch wenn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in ande­rem Zusam­men­hang die abso­lu­te Höhe der Net­to­be­zü­ge als Beur­tei­lungs­grund­la­ge für die Amts­an­ge­mes­sen­heit her­an­ge­zo­gen hat50, kann zur Gewähr­leis­tung der Ver­gleich­bar­keit im Rah­men der hier vor­ge­nom­me­nen Gegen­über­stel­lung der pro­zen­tua­len Ent­wick­lung des brut­to­lohn­ba­sier­ten Nomi­nal­lohn­in­dex mit der Besol­dung über einen län­ge­ren Zeit­raum auf die Brut­to­be­sol­dung abge­stellt wer­den; Ver­zer­run­gen infol­ge der Steu­er­pro­gres­si­on oder der Belas­tung mit Sozi­al­ab­ga­ben fal­len bei die­ser rela­tio­na­len Betrach­tung nicht signi­fi­kant ins Gewicht und könn­ten gege­be­nen­falls im Rah­men der erfor­der­li­chen Gesamt­be­trach­tung berück­sich­tigt wer­den.

    Beträgt die Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung und der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn­in­dex bei Zugrun­de­le­gung eines Zeit­raums von 15 Jah­ren bis zu dem ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­ab­schnitt sowie in einem über­lap­pen­den Zeit­raum in der Regel min­des­tens fünf Pro­zent des Index­wer­tes der erhöh­ten Besol­dung, ist dies ein wei­te­res Indiz für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on.

  3. Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von der Ent­wick­lung des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes[↑]

    Eine deut­li­che Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von der Ent­wick­lung des Ver­brau­cher­preis­in­dex in dem jeweils betrof­fe­nen Land oder – bei der Bun­des­be­sol­dung – auf Bun­des­ebe­ne ist ein wei­te­res Indiz für die Bestim­mung des Kern­ge­halts der Ali­men­ta­ti­on (drit­ter Para­me­ter).

    Der Gesetz­ge­ber hat bei der Bemes­sung der Besol­dung zu berück­sich­ti­gen, dass die­se dem Rich­ter oder Staats­an­walt über die Befrie­di­gung der Grund­be­dürf­nis­se hin­aus einen sei­nem Amt ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt ermög­li­chen muss51. Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­langt – par­al­lel zu der Kon­stel­la­ti­on eines fami­li­är beding­ten Unter­halts­be­darfs52 -, durch eine ent­spre­chen­de Bemes­sung der Bezü­ge zu ver­hin­dern, dass das Gehalt infol­ge eines Anstiegs der all­ge­mei­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten auf­ge­zehrt wird und dem Rich­ter oder Staats­an­walt infol­ge des Kauf­kraft­ver­lus­tes die Mög­lich­keit genom­men wird, den ihm zukom­men­den Lebens­zu­schnitt zu wah­ren. Zur Ermitt­lung der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on des Rich­ters oder Staats­an­walts ist der Ent­wick­lung sei­nes Ein­kom­mens die all­ge­mei­ne Preis­ent­wick­lung anhand des Ver­brau­cher­preis­in­dex gegen­über­zu­stel­len. Der Ver­brau­cher­preis­in­dex bemisst die durch­schnitt­li­che Preis­ent­wick­lung aller Waren und Dienst­leis­tun­gen (Mie­ten, Nah­rungs­mit­tel, Beklei­dung, Kraft­fahr­zeu­ge, Fri­seur, Rei­ni­gung, Repa­ra­tu­ren, Ener­gie­kos­ten, Rei­sen etc.), die von pri­va­ten Haus­hal­ten für Kon­sum­zwe­cke in Anspruch genom­men wer­den.

    Bleibt die Besol­dungs­ent­wick­lung im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­ab­schnitt hin­ter der Ent­wick­lung des Ver­brau­cher­preis­in­dex in den zurück­lie­gen­den 15 Jah­ren und in einem wei­te­ren gleich­lan­gen über­lap­pen­den Zeit­raum in der Regel um min­des­tens fünf Pro­zent zurück, ist dies ein wei­te­res Indiz für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on.

  4. Sys­tem­in­ter­ner Besol­dungs­ver­gleich[↑]

    Der vier­te Para­me­ter ergibt sich aus einem sys­tem­in­ter­nen Besol­dungs­ver­gleich.

    Aus dem Leis­tungs­grund­satz in Art. 33 Abs. 2 GG und dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip in Art. 33 Abs. 5 GG folgt ein Abstands­ge­bot, das es dem Gesetz­ge­ber unge­ach­tet sei­nes wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums unter­sagt, den Abstand zwi­schen ver­schie­de­nen Besol­dungs­grup­pen dau­er­haft ein­zu­eb­nen. Die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on der Rich­ter und Staats­an­wäl­te bestimmt sich daher auch durch ihr Ver­hält­nis zur Besol­dung ande­rer Beam­ten­grup­pen53. Der sys­tem­in­ter­ne Besol­dungs­ver­gleich ist inso­weit ein wei­te­rer Para­me­ter für die Kon­kre­ti­sie­rung der durch Art. 33 Abs. 5 GG gebo­te­nen Ali­men­ta­ti­on (vier­ter Para­me­ter).

    Durch die Anknüp­fung der Ali­men­ta­ti­on an inner­dienst­li­che, unmit­tel­bar amts­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­en wie den Dienst­rang soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Bezü­ge ent­spre­chend der unter­schied­li­chen Wer­tig­keit der Ämter abge­stuft sind. Daher bestimmt sich ihre Amts­an­ge­mes­sen­heit auch im Ver­hält­nis zur Besol­dung und Ver­sor­gung ande­rer Beam­ten­grup­pen. Gleich­zei­tig kommt dar­in zum Aus­druck, dass jedem Amt eine Wer­tig­keit imma­nent ist, die sich in der Besol­dungs­hö­he wider­spie­geln muss. Die Wer­tig­keit wird ins­be­son­de­re durch die Ver­ant­wor­tung des Amtes und die Inan­spruch­nah­me des Amts­in­ha­bers bestimmt. Die „amts”-angemessene Besol­dung ist not­wen­di­ger­wei­se eine abge­stuf­te Besol­dung54. Die Orga­ni­sa­ti­on der öffent­li­chen Ver­wal­tung stellt dar­auf ab, dass in den höher besol­de­ten Ämtern die für den Dienst­herrn wert­vol­le­ren Leis­tun­gen erbracht wer­den. Des­halb muss im Hin­blick auf das Leis­tungs- und das Lauf­bahn­prin­zip mit der orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Glie­de­rung der Ämter eine Staf­fe­lung der Gehäl­ter ein­her­ge­hen. Ver­glei­che sind dabei nicht nur inner­halb einer Besol­dungs­ord­nung, son­dern gera­de auch zwi­schen den ver­schie­de­nen Besol­dungs­ord­nun­gen gebo­ten55. Amts­an­ge­mes­se­ne Gehäl­ter sind auf die­ser Grund­la­ge so zu bemes­sen, dass sie Rich­tern und Staats­an­wäl­ten eine Lebens­hal­tung ermög­li­chen, die der Bedeu­tung ihres jewei­li­gen Amtes ent­spricht56.

    Eine deut­li­che Ver­rin­ge­rung der Abstän­de der Brut­to­ge­häl­ter in den Besol­dungs­grup­pen infol­ge unter­schied­lich hoher linea­rer Anpas­sun­gen bei ein­zel­nen Besol­dungs­grup­pen oder zeit­lich ver­zö­ger­ter Besol­dungs­an­pas­sun­gen indi­ziert daher einen Ver­stoß gegen das Abstands­ge­bot. Ein Ver­stoß liegt in der Regel vor bei einer Abschmel­zung der Abstän­de zwi­schen zwei ver­gleich­ba­ren Besol­dungs­grup­pen um min­des­tens 10% in den zurück­lie­gen­den fünf Jah­ren.

  5. Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und ande­rer Län­der[↑]

    Durch das Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28.08.200624 hat der Gesetz­ge­ber die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Rich­ter-/Be­am­ten­be­sol­dung und ‑ver­sor­gung auf die Län­der (zurück-)übertragen. Der Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) hin­dert den Lan­des­ge­setz­ge­ber zwar grund­sätz­lich nicht, von der Gesetz­ge­bung ande­rer Län­der abwei­chen­de Rege­lun­gen zu tref­fen und dabei den unter­schied­li­chen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen der Län­der Rech­nung zu tra­gen57. Gleich­wohl ist eine unbe­grenz­te Aus­ein­an­der­ent­wick­lung der Bezü­ge im Bund und in den Län­dern durch die infol­ge der Neu­ord­nung der Kom­pe­tenz­ver­tei­lung im Grund­ge­setz eröff­ne­te Befug­nis zum Erlass jeweils eige­ner Besol­dungs­re­ge­lun­gen nicht gedeckt. Art. 33 Abs. 5 GG setzt der Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers inso­weit Gren­zen, ohne ein besol­dungs­recht­li­ches Homo­ge­ni­täts­ge­bot zu pos­tu­lie­ren. Vor die­sem Hin­ter­grund bil­det der Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und ande­rer Län­der schließ­lich ein wei­te­res Indiz für die Bestim­mung des Kern­ge­halts der Ali­men­ta­ti­on (fünf­ter Para­me­ter).

    Die Ali­men­ta­ti­on muss es Rich­tern und Staats­an­wäl­ten ermög­li­chen, sich ganz der recht­spre­chen­den Tätig­keit und dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf zu wid­men und in recht­li­cher wie wirt­schaft­li­cher Sicher­heit und Unab­hän­gig­keit zur Erfül­lung der ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben bei­zu­tra­gen58. Sie dient damit nicht allein dem Lebens­un­ter­halt, son­dern hat – ange­sichts der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit – zugleich eine qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on59. Damit die Ent­schei­dung für eine Tätig­keit als Rich­ter oder Staats­an­walt für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te attrak­tiv ist, muss sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on auch durch ihr Ver­hält­nis zu den Ein­kom­men bestim­men, die für ver­gleich­ba­re und auf der Grund­la­ge ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung erbrach­te Tätig­kei­ten außer­halb des in Rede ste­hen­den öffent­li­chen Diens­tes erzielt wer­den60. Neben einem Ver­gleich mit den Bezah­lungs­sys­te­men in der Pri­vat­wirt­schaft53 ist dabei vor allem die Besol­dung in ande­ren Län­dern zu berück­sich­ti­gen. Die Attrak­ti­vi­tät eines Amtes als Richter/​Staatsanwalt bemisst sich – gera­de ange­sichts einer erfah­rungs­ge­mäß erhöh­ten Fle­xi­bi­li­tät von Berufs­ein­stei­gern – daher auch nach der Höhe der Bezü­ge im Län­der­ver­gleich. Eine Ver­en­gung des Blicks aus­schließ­lich auf die wirt­schaft­li­che und finan­zi­el­le Situa­ti­on des betref­fen­den Lan­des ver­lö­re aus dem Blick, dass im föde­ra­len Sys­tem des Grund­ge­set­zes die opti­ma­le Erle­di­gung der eige­nen Auf­ga­ben bei gleich­zei­tig begrenz­ten per­so­nel­len Res­sour­cen durch den Wett­be­werb mit ande­ren Dienst­her­ren bestimmt wird. Inso­weit ist neben dem eben­falls bun­des­wei­ten Ver­gleich mit der Pri­vat­wirt­schaft der Ver­gleich mit den Kon­di­tio­nen des Staats­diens­tes und der Besol­dung im Diens­te des Bun­des und ande­rer Län­der aus­sa­ge­kräf­tig.

    Zeigt sich eine erheb­li­che Gehalts­dif­fe­renz im Ver­gleich zum Durch­schnitt der Bezü­ge der jewei­li­gen Besol­dungs­grup­pe im Bund oder in den ande­ren Län­dern, spricht dies dafür, dass die Ali­men­ta­ti­on ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on nicht mehr erfüllt. Wann eine sol­che Erheb­lich­keit gege­ben ist, kann nicht pau­schal beant­wor­tet wer­den. Liegt das streit­ge­gen­ständ­li­che jähr­li­che Brut­to­ein­kom­men ein­schließ­lich etwai­ger Son­der­zah­lun­gen 10 Pro­zent unter dem Durch­schnitt der übri­gen Län­dern im glei­chen Zeit­raum, was gemes­sen an der streit­ge­gen­ständ­li­chen Besol­dung regel­mä­ßig einem Besol­dungs­un­ter­schied von mehr als einem Monats­ge­halt ent­spre­chen dürf­te, ist dies jeden­falls ein wei­te­res Indiz für eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on.

2 . Prü­fungs­stu­fe: Wei­te­re Kri­te­ri­en für die Gesamt­ab­wä­gung[↑]

Es besteht die Ver­mu­tung der ange­mes­se­nen Betei­li­gung an der all­ge­mei­nen Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des Lebens­stan­dards nicht genü­gen­den und damit ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on, wenn jeden­falls drei der oben genann­ten fünf Para­me­ter erfüllt sind. Die­se Ver­mu­tung kann im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung durch Berück­sich­ti­gung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Kri­te­ri­en wider­legt oder erhär­tet wer­den. Zu die­sen wei­te­ren Kri­te­ri­en zäh­len neben dem Anse­hen des Amtes in den Augen der Gesell­schaft sowie der vom Amts­in­ha­ber gefor­der­ten Aus­bil­dung und Bean­spru­chung61 ins­be­son­de­re die Ent­wick­lung der Qua­li­fi­ka­ti­on der ein­ge­stell­ten Bewer­ber, die beson­de­re Qua­li­tät der Tätig­keit und Ver­ant­wor­tung eines Rich­ters oder Staats­an­walts, Ent­wick­lun­gen im Bereich der Bei­hil­fe und der Ver­sor­gung, sowie der Ver­gleich mit den durch­schnitt­li­chen Brut­to­ver­diens­ten sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ter mit ver­gleich­ba­rer Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­ant­wor­tung.

  1. Ent­wick­lung der Qua­li­fi­ka­ti­on der ein­ge­stell­ten Bewer­ber[↑]

    Ob die Ali­men­ta­ti­on ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on erfüllt62, zeigt sich auch dar­an, ob es in dem betref­fen­den Land gelingt, über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te für den höhe­ren Jus­tiz­dienst anzu­wer­ben. Grad­mes­ser für die fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on der ein­ge­stell­ten Rich­ter und Staats­an­wäl­te sind vor­ran­gig die Ergeb­nis­se in der Ers­ten Prü­fung und der Zwei­ten juris­ti­schen Staats­prü­fung. Sinkt – auch im Ver­gleich zu den Ergeb­nis­sen die­ser bei­den Prü­fun­gen aller Absol­ven­ten in dem Ver­gleichs­zeit­raum ins­ge­samt – das Noten­ni­veau über einen Zeit­raum von fünf Jah­ren in erheb­li­cher Wei­se und/​oder wer­den die Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­stel­lung in den höhe­ren Jus­tiz­dienst spür­bar her­ab­ge­setzt, kann man in der Regel davon aus­ge­hen, dass die Aus­ge­stal­tung der Besol­dung nicht genügt, um die Attrak­ti­vi­tät des Diens­tes eines Rich­ters oder Staats­an­walts zu gewähr­leis­ten.

  2. Beson­de­re Qua­li­tät der Tätig­keit und Ver­ant­wor­tung eines Rich­ters oder Staats­an­walts[↑]

    In der Höhe der Ali­men­ta­ti­on muss sich auch die beson­de­re Qua­li­tät und Ver­ant­wor­tung eines Amts­trä­gers wider­spie­geln.

    Die Ali­men­ta­ti­on bil­det die Vor­aus­set­zung dafür, dass sich der Beam­te ganz dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf wid­men und in recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Unab­hän­gig­keit zur Erfül­lung der dem Berufs­be­am­ten­tum vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, bei­tra­gen kann63. Inso­weit ent­fal­tet das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip eine Schutz­funk­ti­on für den Beam­ten64.

    Zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Rich­ter­amts­rechts, die der Gesetz­ge­ber zu beach­ten hat, zählt ins­be­son­de­re auch der Grund­satz der sach­li­chen und per­sön­li­chen Unab­hän­gig­keit65. Nach Art. 97 Abs. 1 GG müs­sen Rich­ter „unab­hän­gig und nur dem Gesetz unter­wor­fen” sein. Die­se sach­li­che Unab­hän­gig­keit ist gewähr­leis­tet, wenn der Rich­ter sei­ne Ent­schei­dun­gen frei von Wei­sun­gen fäl­len kann66. Die sach­li­che Unab­hän­gig­keit wird durch die Garan­tie der per­sön­li­chen Unab­hän­gig­keit in Art. 97 Abs. 2 GG insti­tu­tio­nell gesi­chert67.

    Die rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit muss auch durch die Besol­dung der Rich­ter gewähr­leis­tet wer­den68. Die Art und Wei­se der Rege­lung von Besol­dung und Ver­sor­gung des Rich­ters sind von ganz erheb­li­cher Bedeu­tung für das inne­re Ver­hält­nis des Rich­ters zu sei­nem Amt und für die Unbe­fan­gen­heit, mit der er sich sei­ne rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit bewahrt69. Durch die Fest­le­gung der Besol­dung in ange­mes­se­ner Höhe wird gewähr­leis­tet, dass der Rich­ter unab­hän­gig nach Gesetz und Gewis­sen ent­schei­den kann70: effi­ci­en­cy and qua­li­ty of jus­ti­ce”))

  3. Ent­wick­lun­gen im Bereich der Bei­hil­fe[↑]

    Die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on ist fer­ner im Lich­te des Niveaus der Bei­hil­fe­leis­tun­gen zu bewer­ten. Die Gewäh­rung von Bei­hil­fen fin­det ihre Grund­la­ge in der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn71. Das gegen­wär­ti­ge Sys­tem der Bei­hil­fe ist zwar nicht Bestand­teil der ver­fas­sungs­recht­lich geschul­de­ten Ali­men­ta­ti­on des Beam­ten; von Ver­fas­sungs wegen muss die amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ledig­lich die Kos­ten einer Kran­ken­ver­si­che­rung decken, die zur Abwen­dung krank­heits­be­ding­ter, durch Leis­tun­gen auf­grund der Für­sor­ge­pflicht nicht aus­ge­gli­che­ner Belas­tun­gen erfor­der­lich ist72. Die Ali­men­ta­ti­on ist aber dann nicht mehr aus­rei­chend, wenn die Kran­ken­ver­si­che­rungs­prä­mi­en, die zur Abwen­dung von krank­heits­be­ding­ten und nicht von der Bei­hil­fe aus­ge­gli­che­nen Belas­tun­gen erfor­der­lich sind, einen sol­chen Umfang errei­chen, dass der ange­mes­se­ne Lebens­un­ter­halt des Beam­ten oder Ver­sor­gungs­emp­fän­gers nicht mehr gewähr­leis­tet ist. Das Prin­zip der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on ver­langt par­al­lel zu der Kon­stel­la­ti­on fami­li­är beding­ter Unter­halts­las­ten, eine Aus­zeh­rung der all­ge­mei­nen Gehalts­be­stand­tei­le durch krank­heits­be­zo­ge­ne Auf­wen­dun­gen zu ver­hin­dern73. Bei einer sol­chen Sach­la­ge kann daher eine ent­spre­chen­de Kor­rek­tur der Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­ge­set­ze, die das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip kon­kre­ti­sie­ren, ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten sein74. Glei­ches gilt, wenn eine Viel­zahl zeit­lich gestaf­fel­ter, für sich genom­men ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Ein­schnit­te des Gesetz­ge­bers im Bei­hil­fe­be­reich das für den sons­ti­gen Lebens­un­ter­halt des Richters/​Beamten zur Ver­fü­gung ste­hen­de Ein­kom­men unan­ge­mes­sen redu­zie­ren („Sala­mi-Tak­tik”).

  4. Ent­wick­lun­gen im Bereich der Ver­sor­gung[↑]

    Weder die Ver­sor­gung noch die Besol­dung des Beam­ten stellt ein Ent­gelt für bestimm­te Dienst­leis­tun­gen des Beam­ten dar. Bei­des ist viel­mehr „Gegen­leis­tung” des Dienst­herrn dafür, dass sich der Beam­te mit sei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit dem Dienst­herrn zur Ver­fü­gung stellt und gemäß den jewei­li­gen Anfor­de­run­gen sei­ne Dienst­pflicht nach Kräf­ten erfüllt75. Ver­sor­gung und Besol­dung sind Teil­ele­men­te des ein­heit­li­chen Tat­be­stands der Ali­men­ta­ti­on und schon bei Begrün­dung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses garan­tiert76. Der Dienst­herr ist gehal­ten, den Unter­halt des Beam­ten lebens­lang – und damit auch nach Ein­tritt in den Ruhe­stand – zu garan­tie­ren77. Die­ser Ver­pflich­tung kommt er gegen­wär­tig durch Bereit­stel­lung einer Voll­ver­sor­gung nach. Der Beam­te hat sei­ne Alters­ver­sor­gung und die sei­ner Hin­ter­blie­be­nen nicht selbst zu ver­an­las­sen78; statt­des­sen sind die Brut­to­be­zü­ge der akti­ven Beam­ten von vorn­her­ein – unter Berück­sich­ti­gung der künf­ti­gen Pen­si­ons­an­sprü­che – nied­ri­ger fest­ge­setzt79. Kür­zun­gen im Bereich des Ver­sor­gungs­rechts haben zur Kon­se­quenz, dass der Amts­trä­ger einen grö­ße­ren Teil sei­ner Bezü­ge zum Zwe­cke der pri­va­ten Alters­vor­sor­ge auf­wen­den muss, um nicht über­mä­ßi­ge Ein­bu­ßen sei­nes Lebens­stan­dards bei Ein­tritt in den Ruhe­stand hin­neh­men zu müs­sen. Auch dies kann zu einer Unter­schrei­tung der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Ali­men­ta­ti­on füh­ren.

  5. Durch­schnitt­li­cher Brut­to­ver­dienst sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ter mit ver­gleich­ba­rer Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­ant­wor­tung[↑]

Schließ­lich muss sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on, um ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on zu erfül­len, auch durch ihr Ver­hält­nis zu den Ein­kom­men bestim­men, die für ver­gleich­ba­re und auf der Grund­la­ge ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung erbrach­te Tätig­kei­ten außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes erzielt wer­den60. Ob die Ali­men­ta­ti­on einem Amt, das für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te attrak­tiv sein soll, ange­mes­sen ist, zeigt auch ein Ver­gleich der Besol­dungs­hö­he mit den durch­schnitt­li­chen Brut­to­ver­diens­ten sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ter mit ver­gleich­ba­rer Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­ant­wor­tung in der Pri­vat­wirt­schaft, wobei die Beson­der­hei­ten des Sta­tus und des beam­ten­recht­li­chen Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­sys­tems nicht außer Acht gelas­sen wer­den dür­fen80.

3 .Prü­fungs­stu­fe: Gesamt­ab­wä­gung und der Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz[↑]

Ergibt die Gesamt­schau, dass die als unzu­rei­chend ange­grif­fe­ne Ali­men­ta­ti­on grund­sätz­lich als ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on ein­zu­stu­fen ist, bedarf es der Prü­fung, ob dies im Aus­nah­me­fall ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt sein kann. Der Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on ist Teil der mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen ver­bun­de­nen insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG. Soweit er mit ande­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Wert­ent­schei­dun­gen oder Insti­tu­ten kol­li­diert, ist er – wie dies auch sonst der Fall ist – ent­spre­chend dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz im Wege der Abwä­gung zu einem scho­nen­den Aus­gleich zu brin­gen (3. Prü­fungs­stu­fe).

Ver­fas­sungs­rang hat nament­lich das Ver­bot der Neu­ver­schul­dung in Art. 109 Abs. 3 Satz 1 GG (ein­ge­führt durch das Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes [Arti­kel 91c, 91d, 104b, 109, 109a, 115, 143d] vom 29.07.200981). Gemäß Art. 109 Abs. 3 Satz 1 GG sind Haus­hal­te von Bund und Län­dern grund­sätz­lich ohne Ein­nah­men aus Kre­di­ten aus­zu­glei­chen (soge­nann­te Schul­den­brem­se). Aus­nahms­wei­se ist eine Neu­ver­schul­dung bei kon­junk­tu­rel­len Abwei­chun­gen von der Nor­mal­la­ge (vgl. Art. 109 Abs. 3 Satz 2 Var. 1 GG) sowie bei Natur­ka­ta­stro­phen oder außer­ge­wöhn­li­chen Not­si­tua­tio­nen zuläs­sig (vgl. Art. 109 Abs. 3 Satz 2 Var. 2 GG). Die Haus­hal­te der Län­der sind in den Haus­halts­jah­ren 2011 bis 2019 so auf­zu­stel­len, dass im Haus­halts­jahr 2020 die Vor­ga­be aus Art. 109 Abs. 3 Satz 5 GG (kei­ne struk­tu­rel­le Net­to­kre­dit­auf­nah­me) erfüllt wird (vgl. Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG). Dabei müs­sen die Haus­halts­ge­setz­ge­ber der Län­der das Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung im Jahr 2020 im Blick behal­ten. Kon­kre­te­re Ver­pflich­tun­gen zur Errei­chung die­ses Ziels erge­ben sich aus Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG nicht82. Zum voll­stän­di­gen Abbau der Finan­zie­rungs­de­fi­zi­te bis zum Jahr 2020 sind ledig­lich die Län­der ver­pflich­tet, die gemäß Art. 143d Abs. 2 Satz 1 GG Kon­so­li­die­rungs­hil­fen aus dem Haus­halt des Bun­des erhal­ten (vgl. Art. 143d Abs. 2 Satz 4 GG).

Der in Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG ange­leg­ten Vor­wir­kung des Ver­bots der struk­tu­rel­len Net­to­kre­dit­auf­nah­me hat der Haus­halts­ge­setz­ge­ber auch bei der Anpas­sung der Bezü­ge der Rich­ter und Beam­ten Rech­nung zu tra­gen. Unge­ach­tet der Ver­schär­fung der Regeln für die Kre­dit­auf­nah­me durch die Neu­fas­sung des Art. 109 Abs. 3 GG83 ver­mö­gen indes allein die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te oder das Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung den Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung nicht ein­zu­schrän­ken. Andern­falls lie­fe die Schutz­funk­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG ins Lee­re84. Auch das beson­de­re Treue­ver­hält­nis ver­pflich­tet Rich­ter und Beam­te nicht dazu, stär­ker als ande­re zur Kon­so­li­die­rung öffent­li­cher Haus­hal­te bei­zu­tra­gen85. Eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung aus rein finan­zi­el­len Grün­den kann zur Bewäl­ti­gung einer der in Art. 109 Abs. 3 Satz 2 GG genann­ten Aus­nah­me­si­tua­tio­nen in Ansatz gebracht wer­den, wenn die betref­fen­de gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­me aus­weis­lich einer aus­sa­ge­kräf­ti­gen Begrün­dung in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en Teil eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung ist.

Norm­be­stands­schutz ober­halb der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on[↑]

enseits der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Min­des­ta­li­men­ta­ti­on, wie sie sich auf­grund der oben dar­ge­stell­ten Gesamt­ab­wä­gung ergibt, genießt die Ali­men­ta­ti­on des Beam­ten einen rela­ti­ven Norm­be­stands­schutz. Der Gesetz­ge­ber darf hier Kür­zun­gen oder ande­re Ein­schnit­te in die Bezü­ge vor­neh­men, wenn dies aus sach­li­chen Grün­den gerecht­fer­tigt ist86. Kür­zun­gen oder ande­re Ein­schnit­te kön­nen durch sol­che Grün­de sach­lich gerecht­fer­tigt wer­den, die im Bereich des Sys­tems der Beam­ten­be­sol­dung lie­gen87. Zu sol­chen sys­tem­im­ma­nen­ten Grün­den kön­nen finan­zi­el­le Erwä­gun­gen zwar hin­zu­tre­ten84; das Bemü­hen, Aus­ga­ben zu spa­ren, kann aber nicht als aus­rei­chen­de Legi­ti­ma­ti­on für eine Kür­zung der Besol­dung ange­se­hen wer­den88, soweit sie nicht als Teil eines schlüs­si­gen Gesamt­kon­zepts dem in Art. 109 Abs. 3 GG ver­an­ker­ten Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung die­nen.

Ver­fah­rens­an­for­de­run­gen und Begrün­dungs­zwang[↑]

Die Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he durch den Gesetz­ge­ber ist an die Ein­hal­tung pro­ze­du­ra­ler Anfor­de­run­gen geknüpft89. Die­se Anfor­de­run­gen tref­fen ihn ins­be­son­de­re in Form von Begrün­dungs­pflich­ten90.

Der Gesetz­ge­ber ist gehal­ten, bereits im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren die Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he zu begrün­den. Die Ermitt­lung und Abwä­gung der berück­sich­tig­ten und berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Bestim­mungs­fak­to­ren für den ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Umfang der Anpas­sung der Besol­dung müs­sen sich in einer ent­spre­chen­den Dar­le­gung und Begrün­dung des Gesetz­ge­bers im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren nie­der­schla­gen. Eine blo­ße Begründ­bar­keit genügt nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung. Der mit der Aus­gleichs­funk­ti­on der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung ange­streb­te Ratio­na­li­sie­rungs­ge­winn kann – auch mit Blick auf die Ermög­li­chung von Rechts­schutz – effek­tiv nur erreicht wer­den, wenn die erfor­der­li­chen Sach­ver­halts­er­mitt­lun­gen vor­ab erfol­gen und dann in der Geset­zes­be­grün­dung doku­men­tiert wer­den. Die Pro­ze­du­ra­li­sie­rung zielt auf die Her­stel­lung von Ent­schei­dun­gen und nicht auf ihre Dar­stel­lung, das heißt nach­träg­li­che Begrün­dung91.

Rich­ter­be­sol­dung in Sach­sen-Anhalt[↑]

Hier­an gemes­sen sind die Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 5 GG in der ab dem 1.09.2006 gül­ti­gen Fas­sung in den Ver­fah­ren zu den Rich­ter­vor­la­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Hal­le92 nicht erfüllt. Eine Gesamt­be­trach­tung der für die Bestim­mung der Besol­dungs­hö­he maß­geb­li­chen Para­me­ter ergibt inso­weit, dass die gewähr­te R 1‑Besoldung evi­dent unzu­rei­chend ist.

Die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­ord­nung R genü­gen in der Besol­dungs­grup­pe R 1 in Sach­sen-Anhalt in dem Zeit­raum der Jah­re 2008 bis 2010 nicht, um einem Rich­ter oder Staats­an­walt nach der mit sei­nem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung die­ser Ämter für die All­ge­mein­heit einen der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu ermög­li­chen. Der Gesetz­ge­ber hat bei der Fest­le­gung der Grund­ge­halts­sät­ze die Siche­rung der Attrak­ti­vi­tät des Amtes eines Rich­ters oder Staats­an­walts für ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen die­ses Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die vom Rich­ter und Staats­an­walt gefor­der­te Aus­bil­dung, sei­ne Ver­ant­wor­tung und sei­ne Bean­spru­chung nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt. Dies ergibt sich in ers­ter Linie aus einem Ver­gleich der Ent­wick­lung der Grund­ge­halts­sät­ze zuzüg­lich etwai­ger Son­der­zah­lun­gen in der Besol­dungs­grup­pe R 1 mit der Ent­wick­lung der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst, der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn- und des Ver­brau­cher­preis­in­dex (a) und wird durch die Her­an­zie­hung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Kri­te­ri­en im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung bestä­tigt (b). Kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht steht die­sem Befund nicht ent­ge­gen ©.

1. Prü­fungs­stu­fe

Indi­zi­en für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on erge­ben sich aus einer Gegen­über­stel­lung der Anpas­sung der Besol­dung mit der Ent­wick­lung der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst, der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn- und des Ver­brau­cher­preis­in­dex in Sach­sen-Anhalt.

Die Ent­wick­lung der Grund­ge­halts­sät­ze zuzüg­lich Son­der­zah­lun­gen in der Besol­dungs­grup­pe R 1 in Sach­sen-Anhalt stellt sich für die hier zu betrach­ten­den ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­räu­me der Jah­re 1994 bis 2008, 1995 bis 2009 und 1996 bis 2010 fol­gen­der­ma­ßen dar (nicht ver­fah­rens­ge­gen­ständ­lich ist vor­lie­gend die Ali­men­ta­ti­on kin­der­rei­cher Fami­li­en93):
Die Grund­ge­halts­sät­ze wur­den

  • zum 1.01.1995 um 2,0%94,
  • zum 1.05.1995 um 3,2%95,
  • zum 1.03.1997 um 1,3%96,
  • zum 1.01.1998 um 1,5%97,
  • zum 1.06.1999 um 2,9%98,
  • zum 1.01.2001 um 1,8%99,
  • zum 1.01.2002 um 2,2%99,
  • zum 1.07.2003 um 2,4% 100,
  • zum 1.04.2004 um 1,0% 100 und
  • zum 1.08.2004 um 1,0% 100

erhöht.

Mit Wir­kung vom 01.12 2003 wur­de Beam­ten und Rich­tern in der Besol­dungs­grup­pe R 1 durch § 4 Abs. 1 Nr. 3 BSZG-LSA eine jähr­li­che Son­der­zah­lung in Höhe von 1.500 € gewährt. Das SoZuwG, das zuletzt im Jahr 2002 eine jähr­li­che Son­der­zu­wen­dung in Höhe von 86,31% der für Dezem­ber 2002 maß­ge­ben­den Bezü­ge vor­sah (vgl. § 6 Abs. 1 SoZuwG), war durch Art. 18 Abs. 1 Nr. 1 BBVAn­pG 2003/​2004 auf­ge­ho­ben wor­den. Durch das Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2005/​2006 vom 17.12 2004101 wur­de § 2 Abs. 2 BSZG-LSA dahin­ge­hend geän­dert, dass Beam­ten und Rich­tern an Stel­le der jähr­li­chen Son­der­zah­lung in Höhe von 1.500 € für jedes Kind, für das ihnen im Monat Dezem­ber ein Fami­li­en­zu­schlag gewährt wur­de, eine jähr­li­che Son­der­zah­lung in Höhe von 25,56 € erhiel­ten. Der Weg­fall der Son­der­zah­lung ent­sprach einer fik­ti­ven Besol­dungs­kür­zung von 6, 71% für das Jahr 2005. Beam­te und Rich­ter, die ihre Befä­hi­gungs­vor­aus­set­zun­gen im bis­he­ri­gen Bun­des­ge­biet erwor­ben hat­ten, erhiel­ten gemäß § 3 Abs. 3 Satz 1 der Zwei­ten BesÜV eine Son­der­zah­lung in Höhe von 75% der Bezü­ge für den Monat Dezem­ber, wes­halb sich die fik­ti­ve Besol­dungs­kür­zung für die­se Grup­pe auf 5,88% belief.

Zum 1.05.2008 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­ord­nung R 1 um 2,9% erhöht (vgl. § 18b Abs. 1 Nr. 1 LBe­sG LSA 2005102). Zum 1.03.2009 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze um 40 € erhöht und die so erhöh­ten Grund­ge­halts­sät­ze um 3,0% ange­ho­ben (vgl. § 18b Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 Nr. 1 LBe­sG LSA 2005103). Zum 1.03.2010 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze um 1,2% erhöht (vgl. § 18b Abs. 2 Nr. 1 LBe­sG LSA 2005104).

Damit stieg die R 1‑Besoldung in dem Zeit­raum 1994 bis 2008 bei Zugrun­de­le­gung einer ursprüng­lich gewähr­ten Son­der­zah­lung in Höhe von 86,31% des Grund­be­trags der für den Monat Dezem­ber gewähr­ten Bezü­ge um 16,18% und bei Zugrun­de­le­gung einer ursprüng­lich gewähr­ten Son­der­zah­lung in Höhe von 75% um 17,22%

In dem Zeit­raum 1995 bis 2009 stieg die Besol­dung bei Zugrun­de­le­gung einer ursprüng­lich gewähr­ten Son­der­zah­lung in Höhe von 86,31% des Grund­be­trags der für den Monat Dezem­ber gewähr­ten Bezü­ge um 19,67% und bei Zugrun­de­le­gung einer Son­der­zah­lung in Höhe von 75% um 20,74%

In dem Zeit­raum 1996 bis 2010 stieg die Besol­dung bei Zugrun­de­le­gung einer ursprüng­lich gewähr­ten Son­der­zah­lung in Höhe von 86,31% des Grund­be­trags der für den Monat Dezem­ber gewähr­ten Bezü­ge um 15,05% und bei Zugrun­de­le­gung einer Son­der­zah­lung in Höhe von 75% um 16,08%

Die Strei­chung des Urlaubs­gel­des in Höhe von 255,65 € durch Auf­he­bung des Urlaubs­geld­ge­set­zes (vgl. Art. 18 Abs. 1 Nr. 2 BBVAn­pG 2003/​2004) ab dem Jahr 2004 sowie die Anhe­bung der Grund­ge­halts­sät­ze um 40 € zum 1.03.2009 kann rech­ne­risch an die­ser Stel­le ver­nach­läs­sigt wer­den.

Die Ver­diens­te der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst der Län­der, die bis Okto­ber 2005 nach dem Bun­des-Ange­stell­ten­ta­rif­ver­trag ent­lohnt wur­den und für die mit Aus­nah­me der Län­der Ber­lin und Hes­sen seit dem 1.11.2006 der Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der gilt, stie­gen aus­weis­lich der vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt vor­ge­leg­ten Daten

  • in den Jah­ren 1994 bis 2008 um 25,23%,
  • in den Jah­ren 1995 bis 2009 um 26,44% sowie
  • in den Jah­ren 1996 bis 2010 um 24%

Zur Ermitt­lung des Nomi­nal­lohn­in­dex in Sach­sen-Anhalt hat das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt für den Zeit­raum bis zu dem Jahr 2006 auf die Volks­wirt­schaft­li­chen Gesamt­rech­nun­gen der Län­der nach der Klas­si­fi­ka­ti­on der Wirt­schafts­zwei­ge (WZ 2008) zurück­ge­grif­fen. Als Daten­quel­le des Nomi­nal­lohn­in­dex für den Zeit­raum ab dem Jahr 2007 zieht das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt die Vier­tel­jähr­li­che Ver­dienst­er­he­bung her­an. Die Zeit­rei­hen die­ser Erhe­bung beru­hen auf einer vier­tel­jähr­li­chen Befra­gung von 40.500 Betrie­ben im Pro­du­zie­ren­den Gewer­be und im Dienst­leis­tungs­be­reich.

Dem­ge­mäß stie­gen die durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ver­diens­te

  • zwi­schen 1994 und 2008 um 34,17%,
  • zwi­schen 1995 und 2009 um 28,26% sowie
  • zwi­schen 1996 und 2010 um 23,5%.

Der Ver­brau­cher­preis­in­dex stieg nach den vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt vor­ge­leg­ten Daten in Sach­sen-Anhalt

  • zwi­schen 1994 und 2008 um 29,84%,
  • zwi­schen 1995 und 2009 um 25,74% und
  • zwi­schen 1996 und 2010 um 24,5%.

Die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung der Tarif­ein­kom­men, des Nomi­nal­lohn­in­dex und des Ver­brau­cher­preis­in­dex (100 + x) einer­seits und der Besol­dungs­ent­wick­lung (100 + y) ande­rer­seits stellt sich damit in Rela­ti­on zur Besol­dungs­ent­wick­lung wie folgt dar: R-Besoldung-1


 

Die Ent­wick­lung der Besol­dung blieb aus­ge­hend von der Basis 100 im Jahr 1993 im Jahr 2008 bei Zugrun­de­le­gung einer ursprüng­lich gewähr­ten Son­der­zah­lung in Höhe von 86,31% eines Monats­ge­hal­tes um 7,79% hin­ter dem Anstieg der Tarif­ver­diens­te, um 15,48% hin­ter dem Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex und um 11,76% hin­ter dem Anstieg des Ver­brau­cher­preis­in­dex zurück. Legt man eine Son­der­zah­lung in Höhe von 75% eines Monats­ge­hal­tes zugrun­de, beträgt die Dif­fe­renz 6,83% in Bezug auf die Ent­wick­lung der Tarif­ver­diens­te, 14,46% in Bezug auf den Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex und 10,77% hin­sicht­lich des Anstiegs des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes.

Aus­ge­hend von der Basis 100 im Jahr 1994 blieb die Besol­dung im Jahr 2009 bei Zugrun­de­le­gung einer ursprüng­lich gewähr­ten Son­der­zah­lung in Höhe von 86,31% eines Monats­ge­hal­tes um 5,66% hin­ter dem Anstieg der Tarif­ver­diens­te, um 7,18% hin­ter dem Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex und um 5,07% hin­ter dem Anstieg des Ver­brau­cher­preis­in­dex zurück. Legt man eine Son­der­zah­lung in Höhe von 75% eines Monats­ge­hal­tes zugrun­de, beträgt die Dif­fe­renz 4,72% in Bezug auf die Ent­wick­lung der Tarif­ver­diens­te, 6,23% in Bezug auf den Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex und 4,14% hin­sicht­lich des Anstiegs des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes.

Aus­ge­hend von der Basis 100 im Jahr 1995 blieb die Besol­dung im Jahr 2010 bei Zugrun­de­le­gung einer ursprüng­lich gewähr­ten Son­der­zah­lung in Höhe von 86,31% eines Monats­ge­hal­tes um 7,78% hin­ter dem Anstieg der Tarif­ver­diens­te, um 7,34% hin­ter dem Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex und um 8,21% hin­ter dem Anstieg des Ver­brau­cher­preis­in­dex zurück. Legt man eine Son­der­zah­lung in Höhe von 75% eines Monats­ge­hal­tes zugrun­de, beträgt die Dif­fe­renz 6,82% in Bezug auf die Ent­wick­lung der Tarif­ver­diens­te, 6,39% in Bezug auf den Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex und 7,25% hin­sicht­lich des Anstiegs des Ver­brau­cher­preis­in­dex.

Eine zusätz­li­che Staf­fel­prü­fung ist vor­lie­gend nicht ange­zeigt, da nicht auf belast­ba­re und aus­sa­ge­kräf­ti­ge Daten für einen zurück­lie­gen­den über­lap­pen­den Zeit­raum zurück­ge­grif­fen wer­den kann. Für die Zeit vor dem Jahr 1990 lie­gen für das Land Sach­sen-Anhalt kei­ne Daten vor. Die Daten über die Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn­in­dex in Sach­sen-Anhalt in den ers­ten Jah­ren nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung sind kaum aus­sa­ge­kräf­tig und daher für eine Ver­gleichs­be­trach­tung nicht geeig­net (Anstieg im Jahr 1992 gegen­über dem Vor­jahr um 29,1%; Anstieg im Jahr 1993 um 14,8%). Glei­ches gilt für den Ver­brau­cher­preis­in­dex, der im Jahr 1992 gegen­über dem Vor­jahr um 12,5% und im Jahr 1993 um 10,2% anstieg.

Die Gesamt­be­trach­tung der ange­führ­ten Para­me­ter begrün­det somit die Ver­mu­tung, dass die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­ord­nung R 1 in Sach­sen-Anhalt in den Jah­ren 2008 bis 2010 das Min­dest­maß amts­an­ge­mes­se­ner Ali­men­ta­ti­on unter­schrit­ten haben. Das gilt auch, soweit die Dif­fe­renz der Besol­dungs­ent­wick­lung zu der Ent­wick­lung der Tarif­löh­ne und zum Ver­brau­cher­preis­in­dex im öffent­li­chen Dienst den Wert von 5% für den Zeit­raum der Jah­re 1995 bis 2009 bei jenen Richtern/​Staatsanwälten nicht über­steigt, denen eine Son­der­zah­lung in Höhe von 75% auf­grund § 3 Abs. 3 Satz 1 der Zwei­ten BesÜV gewährt wur­de. Auch hier besteht aus­nahms­wei­se die Ver­mu­tung einer Unte­rali­men­ta­ti­on, weil das Zusam­men­spiel zwei­er Maß­nah­men des Besol­dungs­ge­setz­ge­bers, die sich iso­liert betrach­tet nach­tei­lig auf das Ali­men­ta­ti­ons­ni­veau aus­wir­ken, gera­de in die­sem Zeit­raum zu einem rela­tiv gese­hen höhe­ren Anstieg der Besol­dung führt. Zum einen wur­de den Rich­tern und Staats­an­wäl­ten nur eine gekürz­te Son­der­zah­lung (75% statt 86,31% eines Monats­ge­hal­tes) gewährt, wes­halb auch deren voll­stän­di­ger Weg­fall rech­ne­risch weni­ger ins Gewicht fällt. Zum ande­ren erhöh­ten sich die Grund­ge­halts­sät­ze in der Besol­dungs­ord­nung R (eben­so in den Besol­dungs­grup­pen A 9 bis A 16 sowie in den Besol­dungs­ord­nun­gen B und C) erst mit Wir­kung zum 1.01.1995 und nicht bereits wie in den Besol­dungs­grup­pen bis ein­schließ­lich A 8 zum 1.10.1994 (vgl. § 3 des Art. 9 BBVAn­pG 1994105). Die­se zeit­ver­setz­te Besol­dungs­an­pas­sung ist zwar für sich genom­men ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, führt hier aber zu einer Ver­zer­rung der Besol­dungs­ent­wick­lung, die sich in der Gesamt­be­trach­tung nicht zum Nach­teil der Besol­dungs­emp­fän­ger aus­wir­ken darf. Hät­te der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber die Anhe­bung bereits im Jahr 1994 vor­ge­nom­men, wäre die Besol­dung in den Jah­ren 1995 bis 2009 nur um 18,37% ange­stie­gen. In die­sem Fall hät­te die Dif­fe­renz zur Tarif­lohn­ent­wick­lung im öffent­li­chen Dienst 6,82% und zur Ent­wick­lung des Ver­brau­cher­preis­in­dex 6,23% betra­gen.

2. Prü­fungs­stu­fe

Im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung unter Ein­be­zie­hung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Deter­mi­nan­ten erhär­tet sich die Ver­mu­tung der evi­den­ten Unan­ge­mes­sen­heit der Besol­dung der Besol­dungs­grup­pe R 1 in Sach­sen-Anhalt in den Jah­ren 2008 bis 2010.

Die Ämter eines Rich­ters oder Staats­an­wal­tes in der Besol­dungs­grup­pe R 1 stel­len hohe Anfor­de­run­gen an den aka­de­mi­schen Wer­de­gang und die Qua­li­fi­ka­ti­on ihrer Inha­ber.

Nach § 5 Abs. 1 Hs. 1 DRiG106 erwirbt die Befä­hi­gung zum Rich­ter­amt, wer ein rechts­wis­sen­schaft­li­ches Stu­di­um an einer Uni­ver­si­tät mit der ers­ten Prü­fung und einen anschlie­ßen­den Vor­be­rei­tungs­dienst von zwei Jah­ren mit der zwei­ten Staats­prü­fung abschließt; glei­ches gilt für die Befä­hi­gung zum Amt des Staats­an­wal­tes (vgl. § 122 Abs. 1 DRiG). Die Stu­di­en­zeit beträgt grund­sätz­lich vier Jah­re (vgl. § 5a Abs. 1 Hs. 1 DRiG). Der Vor­be­rei­tungs­dienst dau­ert zwei Jah­re (vgl. § 5b Abs. 1 DRiG). Zum Rich­ter auf Lebens­zeit kann gemäß § 10 Abs. 1 DRiG ernannt wer­den, wer nach Erwerb der Befä­hi­gung zum Rich­ter­amt min­des­tens drei Jah­re im rich­ter­li­chen Dienst tätig gewe­sen ist; dem rich­ter­li­chen Dienst steht eine staats­an­walt­li­che Tätig­keit gleich (vgl. § 122 Abs. 2 DRiG).

Für die Ein­stel­lung in den höhe­ren Jus­tiz­dienst wird sei­tens der Jus­tiz­ver­wal­tun­gen der Län­der das Errei­chen einer Min­dest­no­te in der Ers­ten Prü­fung und der Zwei­ten juris­ti­schen Staats­prü­fung erwar­tet. Das Land Sach­sen-Anhalt hat ent­spre­chen­de Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen nicht ver­öf­fent­licht. Aus­weis­lich eines Schrei­bens des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums Sach­sen-Anhalt an das Finanz­mi­nis­te­ri­um Sach­sen-Anhalt vom 03.09.2009 anläss­lich des Aus­gangs­ver­fah­rens wer­den bei Ein­stel­lun­gen in den höhe­ren Jus­tiz­dienst in Sach­sen-Anhalt „in den letz­ten Jah­ren […] grund­sätz­lich zwei Prä­di­kats­ex­ami­na”, also min­des­tens 9 Punk­te in bei­den Exami­na, vor­aus­ge­setzt.

Die­se Anfor­de­run­gen wer­den nur von einem gerin­gen Teil der Absol­ven­ten erfüllt. So bestan­den im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jahr 2010 in Sach­sen-Anhalt 13,04% der geprüf­ten Kan­di­da­ten die staat­li­che Pflicht­fach­prü­fung der Ers­ten Prü­fung mit der Note „voll­be­frie­di­gend” oder bes­ser. Bei der Zwei­ten juris­ti­schen Staats­prü­fung lag der Anteil bei 15,16%107. Damit dürf­ten regel­mä­ßig nicht mehr als 10% der Absol­ven­ten die Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­stel­lung in den höhe­ren Jus­tiz­dienst erfül­len. Vor die­sem Hin­ter­grund muss die Besol­dung so aus­ge­stal­tet sein, dass sie in der Regel auch für die­se ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Grup­pe beson­ders gut qua­li­fi­zier­ter Absol­ven­ten hin­rei­chend attrak­tiv ist.

Mit dem Amt des Rich­ters und Staats­an­wal­tes sind viel­fäl­ti­ge und anspruchs­vol­le Auf­ga­ben ver­bun­den.

Das Grund­ge­setz bestimmt in Art. 92 Hs. 1 GG, dass den Rich­tern die recht­spre­chen­de Gewalt anver­traut ist. Die Recht­spre­chung hat im rechts­staat­li­chen Gefü­ge des Grund­ge­set­zes vor allem die Auf­ga­be, einen wir­kungs­vol­len Rechts­schutz zu gewähr­leis­ten und so zur Ver­wirk­li­chung mate­ri­el­ler Gerech­tig­keit bei­zu­tra­gen. Durch die umfas­sen­de tat­säch­li­che und recht­li­che Prü­fung eines Streit­ge­gen­stan­des in einem gere­gel­ten Ver­fah­ren und die sich dar­an anschlie­ßen­de ver­bind­li­che Ent­schei­dung durch eine unpar­tei­ische Instanz kann das Recht durch­ge­setzt und Rechts­frie­den her­ge­stellt wer­den108. Das Grund­ge­setz weist den Gerich­ten dane­ben spe­zi­el­le Auf­ga­ben zu, die die Bedeu­tung der Judi­ka­ti­ve im Ver­fas­sungs­ge­fü­ge unter­strei­chen. Zum einen über­trägt eine Viel­zahl von Rechts­weg­ga­ran­ti­en für beson­de­re Fäl­le aus­drück­lich den Gerich­ten die Gewäh­rung – in der Regel nach­träg­li­chen – Rechts­schut­zes (vgl. nur Art. 13 Abs. 4 Satz 2 Hs. 2 GG, Art. 14 Abs. 3 Satz 4 GG, Art. 15 Satz 2 GG, Art.19 Abs. 4 GG, Art. 34 Satz 3 GG, Art. 41 Abs. 2 GG und Art. 93 Abs. 1 und 2 GG). Zum ande­ren sind im Grund­ge­setz prä­ven­ti­ve Rich­ter­vor­be­hal­te in Art. 13 Abs. 2 bis 5 GG und Art. 104 Abs. 2 bis 4 GG ver­an­kert, die zum Zwe­cke des Grund­rechts­schut­zes auf eine vor­beu­gen­de Kon­trol­le die­ser ein­griffs­in­ten­si­ven Maß­nah­men durch eine unab­hän­gi­ge und neu­tra­le Instanz zie­len109.

Zur Erfül­lung die­ser Recht­spre­chungs­auf­ga­ben garan­tiert das Grund­ge­setz in Art. 97 Abs. 1 und 2 GG den Rich­tern die sach­li­che und per­sön­li­che Unab­hän­gig­keit; sie gehört zum Wesen rich­ter­li­cher Tätig­keit110.

Die Zuwei­sung zen­tra­ler Auf­ga­ben inner­halb der rechts­staat­li­chen Ord­nung des Grund­ge­set­zes ver­bun­den mit einem ein­zig­ar­ti­gen durch Art. 97 GG gewähr­leis­te­ten Maß an Eigen­ver­ant­wor­tung muss sich auch bei der Bestim­mung der Wer­tig­keit des Amtes inner­halb des besol­dungs­recht­li­chen Gefü­ges nie­der­schla­gen.

Die Staats­an­walt­schaft ist Teil der Beam­ten­schaft und zugleich not­wen­di­ges Organ der Straf­rechts­pfle­ge111. Mit ihrer Ver­pflich­tung zur Objek­ti­vi­tät (§ 160 Abs. 2 StPO) ist sie Garan­tin für Rechts­staat­lich­keit und gesetz­mä­ßi­ge Ver­fah­rens­ab­läu­fe; als Ver­tre­te­rin der Ankla­ge gewähr­leis­tet sie eine effek­ti­ve Straf­rechts­pfle­ge. Die­se Bedeu­tung der Staats­an­walt­schaft ist nicht auf die erst­in­stanz­li­che Haupt­ver­hand­lung beschränkt, son­dern setzt sich in ihrer Auf­ga­ben­stel­lung im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren fort (vgl. § 296 Abs. 2, § 301 StPO112). In ihrer Rol­le als „Wäch­te­rin des Geset­zes” obliegt ihr die Wah­rung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben an den Straf­pro­zess113. Die­ser beson­de­ren Stel­lung der Staats­an­walt­schaft im Ver­fas­sungs­ge­fü­ge ist bei der Bemes­sung der Besol­dung eben­falls Rech­nung zu tra­gen.

In die Gesamt­schau zur Beur­tei­lung der Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on der Rich­ter und Staats­an­wäl­te sind auch die spür­ba­ren Ein­schnit­te im Bereich des Ver­sor­gungs­rechts ein­zu­be­zie­hen. Ins Gewicht fällt hier neben der Kür­zung der Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­an­pas­sun­gen gemäß § 14a Abs. 1 Satz 2 BBesG um jähr­lich 0,2% mit Wir­kung zum 1.01.1999 zur Bil­dung einer Ver­sor­gungs­rück­la­ge114 die Kür­zung des Ruhe­ge­halts von 75% auf höchs­tens 71,75% der ruhe­ge­halts­fä­hi­gen Dienst­be­zü­ge durch das Ver­sor­gungs­än­de­rungs­ge­setz 2001 vom 20.12 2001115. Die­se Ein­schnit­te sind in der Ver­gan­gen­heit iso­liert betrach­tet als ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich ein­ge­stuft wor­den116. Unge­ach­tet des­sen führt ins­be­son­de­re die Absen­kung des Pen­si­ons­ni­veaus und die dar­aus resul­tie­ren­de Not­wen­dig­keit eines erhöh­ten Eigen­an­teils an der Alters­vor­sor­ge – gera­de ange­sichts einer stei­gen­den Lebens­er­war­tung – zu einer wei­te­ren Auf­zeh­rung der Bezü­ge mit der Fol­ge, dass die Gewähr­leis­tung eines der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts des Rich­ters und Staats­an­walts nicht mehr zwei­fels­frei sicher­ge­stellt ist.

Gegen­über­stel­lun­gen mit Ver­gleichs­grup­pen außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes füh­ren im Rah­men der erfor­der­li­chen Gesamt­schau zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung, son­dern bekräf­ti­gen die auf­grund des Besol­dungs­ver­gleichs getrof­fe­ne Ver­mu­tung einer evi­den­ten Unan­ge­mes­sen­heit der Besol­dung.

Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat vor der münd­li­chen Ver­hand­lung Daten aus der Ver­dienst­struk­tur­er­he­bung 2010 vor­ge­legt, die es ermög­li­chen, die R 1‑Besoldung in Sach­sen-Anhalt mit dem Ver­dienst von aus­ge­wähl­ten, nach Beruf, Uni­ver­si­täts­ab­schluss, Berufs­er­fah­rung und Anfor­de­rungs­ni­veau ver­wand­ten Beschäf­tig­ten­grup­pen in der Pri­vat­wirt­schaft zu ver­glei­chen und die rela­ti­ve Posi­ti­on der nach R 1 besol­de­ten Amts­trä­ger in der jewei­li­gen grup­pen­spe­zi­fi­schen Ver­tei­lung der Ver­diens­te zu bestim­men. Ein auf die­ser Grund­la­ge durch­ge­führ­ter Ver­gleich der R 1‑Besoldung in Sach­sen-Anhalt mit den Ver­diens­ten (ohne Son­der­zah­lung) der Grup­pe aller Voll­zeit­be­schäf­tig­ten der Leis­tungs­grup­pe 1 (Arbeit­neh­mer in lei­ten­der Stel­lung), die über einen Uni­ver­si­täts­ab­schluss ver­fü­gen, ergibt, dass im Jahr 2010 nur 14% der Ver­gleichs­grup­pe weni­ger ver­dien­ten als ein Amts­trä­ger in der Besol­dungs­grup­pe R 1 in der ers­ten Stu­fe (nur Grund­ge­halt). Gleich­zei­tig lag des­sen Besol­dung im Jahr 2010 unter dem mitt­le­ren Ver­dienst aller Arbeit­neh­mer in lei­ten­der Stel­lung mit Uni­ver­si­täts­ab­schluss in aus­ge­wähl­ten Beru­fen (Inge­nieu­re; Bank­fach­leu­te; Unter­neh­mer, Geschäfts­füh­rer, Geschäfts­be­reichs­lei­ter; Unter­neh­mens­be­ra­ter, Orga­ni­sa­to­ren; Rechts­an­wäl­te, Nota­re u.ä.; Wirt­schafts­prü­fer, Steu­er­be­ra­ter; lei­ten­de und admi­nis­tra­tiv ent­schei­den­de Ver­wal­tungs­leu­te). Immer­hin 44% aller Voll­zeit­be­schäf­tig­ten der Leis­tungs­grup­pe 1 mit Uni­ver­si­täts­ab­schluss ver­dien­ten im Jahr 2010 mehr als ein Amts­trä­ger in der Besol­dungs­grup­pe R 1 in der End­stu­fe (Grund­ge­halt). In allen oben auf­ge­führ­ten aus­ge­wähl­ten Berufs­grup­pen lag der mitt­le­re Ver­dienst im Jahr 2010 über dem Grund­ge­halt eines Amts­trä­gers der Besol­dungs­grup­pe R 1 in der End­stu­fe.

Noch deut­li­cher ist die Dis­kre­panz im Ver­gleich zu aus­ge­wähl­ten juris­ti­schen Beru­fen. So ver­dien­ten in der Grup­pe der „Rechts­an­wäl­te, Nota­re u.ä.” 10% weni­ger als ein Rich­ter oder Staats­an­walt der ers­ten Stu­fe in der Besol­dungs­grup­pe R 1 in Sach­sen-Anhalt und nur 45% weni­ger als ein Amts­trä­ger, der das Grund­ge­halt aus der End­stu­fe der R 1‑Besoldung in Sach­sen-Anhalt bezog.

Nach der münd­li­chen Ver­hand­lung hat das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt auf der Grund­la­ge der Gehalts- und Lohn­struk­tur­er­he­bung 2001 sowie der Ver­dienst­struk­tur­er­he­bung 2010 Daten vor­ge­legt, die die Ent­wick­lung der rela­ti­ven Posi­ti­on der R‑Besoldung im Ver­gleich zu den Beschäf­tig­ten in der Pri­vat­wirt­schaft für den Zeit­raum der Jah­re 2001 bis 2010 abbil­den. Dem­nach hat sich die rela­ti­ve Posi­ti­on eines Amts­trä­gers in der Besol­dungs­grup­pe R 1 (Grund­ge­halt, ers­te Stu­fe) im Ver­gleich zu dem Median­ver­dienst der Grup­pe der Voll­zeit­be­schäf­tig­ten in Leis­tungs­grup­pe 1 mit Uni­ver­si­täts­ab­schluss (im pro­du­zie­ren­den Gewer­be) um 7% ver­schlech­tert. Der Abstand zu dem Grund­ge­halt (End­stu­fe) der R 1‑Besoldung in Sach­sen-Anhalt stieg bezüg­lich die­ser Ver­gleichs­grup­pe um 13%

Die­se Gegen­über­stel­lun­gen zei­gen, dass die Ver­diens­te der R 1‑Besoldeten im Jahr 2010 gegen­über denen ver­gleich­ba­rer Beschäf­tig­ter der Pri­vat­wirt­schaft über­wie­gend deut­lich gerin­ger sind und dass sich die rela­ti­ve Ent­wick­lung ihrer Ein­künf­te im Ver­hält­nis zu dem Median­ver­dienst seit dem Jahr 2001 merk­lich ver­schlech­tert hat. Dies spricht zusätz­lich für eine evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Besol­dung.

In der Gesamt­ab­wä­gung ergibt sich, dass die Bemes­sung der Grund­ge­halts­sät­ze der R 1‑Besoldung in Sach­sen-Anhalt im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum ver­fas­sungs­recht­lich nicht mehr ange­mes­sen war. Gegen­läu­fi­ge Aspek­te, die die Ver­mu­tung der evi­den­ten Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on recht­fer­ti­gen könn­ten, sind nicht ersicht­lich.

3. Prü­fungs­stu­fe

Kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht steht dem Befund der evi­den­ten Unan­ge­mes­sen­heit der Besol­dung nicht ent­ge­gen. Ins­be­son­de­re unter­lag der sach­sen-anhal­ti­ni­sche Gesetz­ge­ber noch nicht dem in Art. 109 Abs. 3 GG117 ver­an­ker­ten Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung (soge­nann­te Schul­den­brem­se). Dabei kann dahin­ste­hen, ob und wenn ja, wel­che kon­kre­ten Ver­pflich­tun­gen sich für die Län­der vor dem 1.01.2020 auf­grund Art. 143d Abs. 1 Satz 4, Abs. 2 Satz 4 und 5 GG erge­ben. Art. 109 GG ist gemäß Art. 143d Abs. 1 Satz 2 GG in der oben genann­ten Fas­sung jeden­falls erst­mals für das Haus­halts­jahr 2011, das mit dem Kalen­der­jahr 2011 iden­tisch ist (vgl. § 4 Satz 1 des Geset­zes über die Grund­sät­ze des Haus­halts­rechts des Bun­des und der Län­der vom 19.08.1969118), anzu­wen­den und gilt damit nicht für den ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum der Jah­re 2008 bis 2010.

Rich­ter­be­sol­dung in Nord­rhein-West­fa­len[↑]

Aus­ge­hend von dem beschrie­be­nen Prü­fungs­maß­stab ist dage­gen die Bemes­sung der Besol­dung in den Ver­fah­ren über die Rich­ter­vor­la­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len119 für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

In Nord­rhein-West­fa­len ent­sprach die R 1‑Besoldung im Jahr 2003 den Anfor­de­run­gen des Art. 33 Abs. 5 GG in der bis zum 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung. Es spre­chen bereits nicht aus­rei­chend Indi­zi­en dafür, dass die Bezü­ge ver­fas­sungs­recht­lich nicht mehr akzep­ta­bel waren und damit ein Ver­stoß gegen den abso­lu­ten Schutz des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips vor­liegt. Sons­ti­ge Grün­de für eine evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Besol­dung sind eben­falls nicht ersicht­lich. Auch ein Ver­stoß gegen die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine Besol­dungs­kür­zung liegt nicht vor.

1. Prü­fungs­stu­fe

Eine Gesamt­schau der besol­dungs­re­le­van­ten Para­me­ter begrün­det nicht die Ver­mu­tung, dass die gewähr­te Besol­dung im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum evi­dent unzu­rei­chend war.

Die Ent­wick­lung der Grund­ge­halts­sät­ze zuzüg­lich Son­der­zah­lun­gen in der Besol­dungs­grup­pe R 1 in Nord­rhein-West­fa­len stellt sich aus­ge­hend vom 31.12 2003 – dem End­punkt des ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raums – in den davor lie­gen­den 15 Jah­ren fol­gen­der­ma­ßen dar (nicht ver­fah­rens­ge­gen­ständ­lich ist vor­lie­gend die Ali­men­ta­ti­on kin­der­rei­cher Fami­li­en93:

Die Grund­ge­halts­sät­ze wur­den

  • zum 1.01.1989 um 1,4%120,
  • zum 1.01.1990 um 1,7%120,
  • zum 1.03.1991 um 6,0%121,
  • zum 1.06.1992 um 5,4%122,
  • zum 1.05.1993 um 3,0%123,
  • zum 1.01.1995 um 2,0%94,
  • zum 1.05.1995 um 3,2%95,
  • zum 1.03.1997 um 1,3%96,
  • zum 1.01.1998 um 1,5%97,
  • zum 1.06.1999 um 2,9%98,
  • zum 1.01.2001 um 1,8% 99,
  • zum 1.01.2002 um 2,2% 99 sowie
  • zum 1.07.2003 um 2,4%100

erhöht.

Mit Wir­kung zum 1.12 2003 wur­de Beam­ten und Rich­tern in der Besol­dungs­grup­pe R 1 durch § 6 Abs. 1 SZG-NRW eine jähr­li­che Son­der­zah­lung in Höhe von 50% aus den nach dem Besol­dungs­recht für den Monat Dezem­ber maß­ge­ben­den Bezü­gen gewährt. Das SoZuwG, das zuletzt im Jahr 2002 eine jähr­li­che Son­der­zu­wen­dung in Höhe von 86,31% der für Dezem­ber 2002 maß­ge­ben­den Bezü­ge vor­sah (§ 6 Abs. 1 SoZuwG), war durch Art. 18 Abs. 1 Nr. 1 BBVAn­pG 2003/​2004 auf­ge­ho­ben wor­den. Die dar­aus resul­tie­ren­de Kür­zung der Son­der­zah­lung ent­spricht (unter wei­te­rer Berück­sich­ti­gung einer Ein­mal­zah­lung von 185 € im Jahr 2003) einer fik­ti­ven Besol­dungs­kür­zung von 2,82% für das Jahr 2003.

Dar­aus ergibt sich ein Anstieg der R 1‑Besoldung in dem Zeit­raum 1989 bis 2003 um 36,83%

In dem­sel­ben Zeit­raum stie­gen in Nord­rhein-West­fa­len die Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst um 41,6%, der Nomi­nal­lohn­in­dex um 37,9% und der Ver­brau­cher­preis­in­dex um 36,1%

Ins­ge­samt stellt sich damit die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung der Tarif­ein­kom­men, des Nomi­nal­lohn­in­dex und des Ver­brau­cher­preis­in­dex einer­seits und der Besol­dungs­ent­wick­lung ande­rer­seits in Rela­ti­on zur Besol­dungs­ent­wick­lung wie folgt dar: Die Ent­wick­lung der Besol­dung blieb im Jahr 2003 um 3,49% hin­ter dem Anstieg der Tarif­ver­diens­te und um 0,78% hin­ter dem Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex zurück. Der Anstieg des Ver­brau­cher­preis­in­dex fiel hin­ter den Anstieg der Besol­dung um 0,54% zurück. Damit ist bereits hin­sicht­lich die­ser drei Para­me­ter die Gren­ze einer 5%-igen Abwei­chung von der Besol­dungs­ent­wick­lung nicht über­schrit­ten.

Einem sys­tem­in­ter­nen Besol­dungs­ver­gleich lässt sich ein Abschmel­zen der Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen und ‑ord­nun­gen, das eine unan­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on der Rich­ter und Staats­an­wäl­te der Besol­dungs­grup­pe R 1 indi­zie­ren könn­te, eben­falls nicht ent­neh­men. So betrug der Abstand zwi­schen dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe R 1 und dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe A 5 (jeweils End­stu­fe) in den Jah­ren 1998 und 2003 kon­stant etwa 62%, zwi­schen dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe R 1 und dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe A 9 (jeweils End­stu­fe) kon­stant etwa 48% und zwi­schen dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe R 1 und dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe A 13 (jeweils End­stu­fe) kon­stant etwa 22%

Aus einem Quer­ver­gleich mit ande­ren Län­dern ergibt sich wegen der im Jahr 2003 hin­sicht­lich der Grund­ge­halts­sät­ze als zen­tra­lem Gehalts­be­stand­teil bun­des­ein­heit­li­chen Besol­dung auf der Grund­la­ge des BBesG a.F. eben­falls kein Indiz dafür, dass die Bezü­ge in Nord­rhein-West­fa­len im Jahr 2003 evi­dent unan­ge­mes­sen waren.

2. Prü­fungs­stu­fe

Es sind auch kei­ne wei­te­ren Umstän­de ersicht­lich, aus denen sich bei der gebo­te­nen Gesamt­ab­wä­gung eine evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Bezü­ge ergibt. Zwar ent­spricht die Kür­zung der Son­der­zah­lung im Jahr 2003 einer rea­len Besol­dungs­ab­sen­kung in Höhe von 2,82% Ange­sichts der Anhe­bung der Bezü­ge zum 1.07.2003 um 2,4% sowie der Gewäh­rung einer Ein­mal­zah­lung in die­sem Jahr in Höhe von 185 € beläuft sich der Ein­kom­mens­ver­lust brut­to auf etwa 1% gegen­über dem Vor­jahr. Dass eine ein­ma­li­ge Kür­zung in die­ser Höhe ver­fas­sungs­recht­lich nicht mehr hin­nehm­bar wäre, ist in die­sem kon­kre­ten Fall nicht zwei­fels­frei erkenn­bar. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass in dem Zeit­raum der Jah­re 1989 bis 2003 die Besol­dung ein wenig stär­ker als die Ver­brau­cher­prei­se und nur gering­fü­gig schwä­cher als der Nomi­nal­lohn­in­dex gestie­gen ist. Die Anhe­bung der Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le zum 1.01.2003 um 50% auf 300 € in der Besol­dungs­grup­pe R 1 (vgl. § 12a Abs. 1 Ver­ord­nung über die Gewäh­rung von Bei­hil­fen in Krank­heits, Geburts- und Todes­fäl­len Nord­rhein-West­fa­len124) genügt bei der gege­be­nen Besol­dungs­ent­wick­lung eben­falls nicht für die Annah­me eines Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes.

3. Prü­fungs­stu­fe

Ein Ver­stoß gegen den rela­ti­ven Schutz des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips ange­sichts der Kür­zung der Besol­dung um 1% im Jahr 2003 liegt eben­falls nicht vor.

Zwar ist es ver­fas­sungs­recht­lich nicht unbe­denk­lich, dass der Lan­des­ge­setz­ge­ber in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zum SZG-NRW kei­ne umfas­sen­den Berech­nun­gen und Ver­glei­che mit sämt­li­chen Para­me­tern einer amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung ange­stellt bezie­hungs­wei­se sol­che nicht doku­men­tiert hat125. Aller­dings tra­fen den Lan­des­ge­setz­ge­ber in der Pha­se der Teil­fö­de­ra­li­sie­rung zwi­schen den Jah­ren 2003 und 2006 wegen der zwi­schen Bund und Län­dern geteil­ten Ali­men­ta­ti­ons­ver­ant­wor­tung auch nur ein­ge­schränk­te Begrün­dungs­pflich­ten, weil er für die Bemes­sung des zen­tra­len Gehalts­be­stand­teils, die Grund­ge­halts­sät­ze, nicht zustän­dig war. Im Übri­gen lag aus mate­ri­el­ler Sicht die allei­ni­ge Ursa­che der in ihrem Umfang über­schau­ba­ren Besol­dungs­kür­zung in der Kür­zung der Son­der­zah­lung. Die­ser Besol­dungs­be­stand­teil steht im Rah­men einer ins­ge­samt amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on grund­sätz­lich zur Dis­po­si­ti­on des Besol­dungs­ge­setz­ge­bers.

Rich­ter­be­sol­dung in Rhein­land-Pfalz[↑]

Aus­ge­hend von dem beschrie­be­nen Prü­fungs­maß­stab ist auch die Bemes­sung der R3-Besol­dung in den Ver­fah­ren über die Rich­ter­vor­la­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz13 für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

In Rhein­land-Pfalz genüg­te in den Jah­ren 2012 und 2013 das Grund­ge­halt in der Besol­dungs­grup­pe R 3 noch den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen. Auch inso­weit fehlt es an aus­rei­chen­den Indi­zi­en dafür, dass die Bezü­ge ver­fas­sungs­recht­lich nicht mehr akzep­ta­bel waren. Sons­ti­ge Grün­de, die für eine evi­dent unzu­rei­chen­de Besol­dung spre­chen könn­ten, lie­gen eben­falls nicht vor. Auch ein Ver­stoß gegen den rela­ti­ven Schutz des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips ist nicht gege­ben.

1. Prü­fungs­stu­fe

Ein Indiz für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on ergibt sich ledig­lich aus einer Gegen­über­stel­lung der Anpas­sung der Besol­dung mit der Ent­wick­lung der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst. Die Vor­aus­set­zun­gen der wei­te­ren Para­me­ter für einen Ver­stoß gegen den Kern des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips (Ver­gleich mit der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn- und des Ver­brau­cher­preis­in­dex, Abstands­ge­bot und Quer­ver­gleich mit ande­ren Län­dern) lie­gen nicht vor.

Die Ent­wick­lung des Grund­ge­halts­sat­zes zuzüg­lich Son­der­zah­lun­gen in der Besol­dungs­grup­pe R 3 in Rhein­land-Pfalz stellt sich für die hier zu betrach­ten­den Zeit­räu­me der Jah­re 1998 bis 2012 und 1999 bis 2013 fol­gen­der­ma­ßen dar (nicht ver­fah­rens­ge­gen­ständ­lich ist vor­lie­gend die Ali­men­ta­ti­on kin­der­rei­cher Fami­li­en (vgl. dazu BVerfGE 99, 300))):

Der Grund­ge­halts­satz wur­de mit Wir­kung

  • zum 1.01.1998 um 1,5%97,
  • zum 1.06.1999 um 2,9%98,
  • zum 1.01.2001 um 1,8%99,
  • zum 1.01.2002 um 2,2%99,
  • zum 1.07.2003 um 2,4%100,
  • zum 1.04.2004 um 1,0%100 und
  • zum 1.08.2004 um 1,0%100

erhöht.

Für das Jahr 2003 wur­de die jähr­li­che Son­der­zah­lung von 86,31% des für den Monat Dezem­ber maß­ge­ben­den Grund­be­trags auf 70% gekürzt (vgl. § 17 Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz Rhein­land-Pfalz126). Dies ent­spricht einer fik­ti­ven Besol­dungs­kür­zung für das Jahr 2003 in Höhe von 1,27%

Für das Jahr 2004 wur­de die Son­der­zah­lung auf 50% eines Monats­ge­hal­tes gekürzt (vgl. § 11 Nr. 1 Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz Rhein­land-Pfalz126). Dies ent­spricht einer fik­ti­ven Besol­dungs­kür­zung für das Jahr 2004 in Höhe von 1,57%

  • Mit Wir­kung zum 1.07.2007 und zum 1.07.2008 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze jeweils um 0,5% erhöht127.
  • Zum 1.03.2009 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze um 40 € erhöht und die so erhöh­ten Grund­ge­halts­sät­ze um 3,0% ange­ho­ben128.
  • Zum 1.03.2010 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze durch Art. 5 Abs. 1 Nr. 1 LBVAn­pG 2009/​2010 um 1,2% erhöht.
  • Im Jahr 2011 erhiel­ten Beam­te und Rich­ter, die im Anwen­dungs­be­reich des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes an min­des­tens einem Tag im Monat April 2011 Anspruch auf Dienst­be­zü­ge hat­ten, auf der Grund­la­ge des Art. 1 Abs. 1 LBVAn­pG 2011129 eine Ein­mal­zah­lung in Höhe von 360 €.
  • Mit Wir­kung zum 1.04.2011 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze durch Art. 2 Abs. 1 Nr. 1 LBVAn­pG 2011 um 1,5% erhöht.
  • Zum 1.07.2012 und zum 1.07.2013 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze um jeweils 1,0% erhöht130.

Dem­entspre­chend stieg die R 3‑Besoldung in dem Zeit­raum 1997 bis 2012 um 19,05% und zwi­schen 1998 und 2013 um 18,47% Die Ein­mal­zah­lung im Jahr 2011, die Strei­chung des Urlaubs­gel­des zum Jahr 2004 sowie die Anhe­bung der Grund­ge­halts­sät­ze um 40 € zum 1.03.2009 kön­nen rech­ne­risch an die­ser Stel­le ver­nach­läs­sigt wer­den.

In den Jah­ren 1998 bis 2012 ver­zeich­ne­ten in Rhein­land-Pfalz die Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst einen Anstieg von 26,62%, der Nomi­nal­lohn­in­dex von 20,73% und der Ver­brau­cher­preis­in­dex von 23,32% Zwi­schen 1999 und 2013 stie­gen die Tarif­ein­kom­men im öffent­li­chen Dienst um 28,1%, der Nomi­nal­lohn­in­dex um 23,2% und der Ver­brau­cher­preis­in­dex um 23,9%

Ins­ge­samt blieb damit die Ent­wick­lung der Besol­dung im Jahr 2012 um 6,36% hin­ter dem Anstieg der Tarif­ver­diens­te, um 1,41% hin­ter dem Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex und um 3,59% hin­ter dem Anstieg des Ver­brau­cher­preis­in­dex. Im Jahr 2013 betrug die Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung und den Tarif­ver­diens­ten 8,13%, dem Nomi­nal­lohn­in­dex 3,99% und dem Ver­brau­cher­preis­in­dex 4,58%

Einem Ver­gleich der Ent­wick­lung des Abstands zwi­schen der R 3‑Besoldung und ande­ren Besol­dungs­grup­pen in den Jah­ren 2008 bis 2013 kann ein Indiz für einen Ver­stoß gegen den Kern­ge­halt der Ali­men­ta­ti­on eben­falls nicht ent­nom­men wer­den. So betrug der Abstand zwi­schen dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe R 3 und dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe A 9 (jeweils End­stu­fe) in den Jah­ren 2008 und 2013 kon­stant etwa 56%, zwi­schen dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe R 3 und dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe A 13 (jeweils End­stu­fe) kon­stant etwa 34% und zwi­schen dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe R 3 und dem Grund­ge­halts­satz der Besol­dungs­grup­pe R 1 (jeweils End­stu­fe) kon­stant etwa 16% Für die Jah­re 2007 bis 2012 ergibt sich kein ande­rer Befund.

Im Quer­ver­gleich mit ande­ren Län­dern beweg­te sich das Jah­res­brut­to­ein­kom­men in der Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2013 mit 83.050,20 € nur leicht unter­halb des Durch­schnitts der übri­gen Län­der, der bei 83.655,36 € (ein­schließ­lich etwai­ger Son­der­zah­lun­gen) lag. Auf dem glei­chen Niveau beweg­te sich die R 3‑Besoldung in Rhein­land-Pfalz im län­der­über­grei­fen­den Ver­gleich auch im Jahr 2012.

Die­se Ver­glei­che zei­gen, dass bezo­gen auf das Jahr 2012 und bezo­gen auf das Jahr 2013 vier von fünf der zur Kon­kre­ti­sie­rung des Evi­denz­kri­te­ri­ums her­an­ge­zo­ge­nen Para­me­ter nicht erfüllt sind. Folg­lich ist eine Ver­mu­tung der evi­den­ten Unan­ge­mes­sen­heit der Bezü­ge in der Besol­dungs­grup­pe R 3 nicht begrün­det.

2. Prü­fungs­stu­fe

Unge­ach­tet des Umstan­des, dass der Ver­gleich der Tarif­ent­wick­lung im öffent­li­chen Dienst mit der Besol­dungs­ent­wick­lung für die Jah­re 2012 und 2013 einen Ver­stoß gegen den Kern des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips indi­ziert und dass hin­sicht­lich zwei­er wei­te­rer Kri­te­ri­en im Jahr 2013 (Ver­gleich mit der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn- und des Ver­brau­cher­preis­in­dex) die 5%-Grenze nicht erheb­lich unter­schrit­ten wur­de, waren die Bezü­ge auch im Übri­gen jeden­falls in der Besol­dungs­grup­pe R 3 in Rhein­land-Pfalz noch nicht evi­dent unan­ge­mes­sen. Dar­an ändert auch die Decke­lung der Besol­dungs­an­pas­sung für einen Zeit­raum von fünf Jah­ren durch das Dienst­RÄndG RP 2011 nichts, obwohl die­se im Hin­blick auf die aus Art. 33 Abs. 5 GG fol­gen­de Ver­pflich­tung des Besol­dungs­ge­setz­ge­bers, die Ali­men­ta­ti­on der Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards anzu­pas­sen und dabei die Ori­en­tie­rungs­funk­ti­on der Tarif­ab­schlüs­se des öffent­li­chen Diens­tes nicht außer Betracht zu las­sen, ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich erscheint.

Aus einer Gegen­über­stel­lung der R 3‑Besoldung mit Ver­gleichs­grup­pen außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes ergibt sich näm­lich, dass sich die rela­ti­ve Ver­dienst­po­si­ti­on der Rich­ter und Staats­an­wäl­te die­ser Besol­dungs­grup­pe auf einem ange­mes­se­nen Niveau beweg­te. Aus­weis­lich der vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt aus der Ver­dienst­struk­tur­er­he­bung 2010 vor­ge­leg­ten Daten ver­dien­ten 73% aller Voll­zeit­be­schäf­tig­ten in der Leis­tungs­grup­pe 1, die über einen Uni­ver­si­täts­ab­schluss ver­fü­gen, weni­ger als ein nach R 3 Besol­de­ter in Rhein­land-Pfalz. Sein Ein­kom­men lag außer­dem über dem mitt­le­ren Ver­dienst in fast allen zum Ver­gleich aus­ge­wähl­ten Berufs­grup­pen mit Aus­nah­me der Grup­pen der „Bank­fach­leu­te” und der „Unter­neh­mer, Geschäfts­füh­rer, Geschäfts­be­reichs­lei­ter”. Des Wei­te­ren ver­dien­ten in der Grup­pe der „Rechts­an­wäl­te, Nota­re u.ä.” 62% der Beschäf­tig­ten weni­ger als ein Rich­ter oder Staats­an­walt in der Besol­dungs­grup­pe R 3. Schließ­lich ver­dien­ten 76% aller Uni­ver­si­täts­ab­sol­ven­ten mit lang­jäh­ri­ger Unter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit (21 Jah­re und mehr) weni­ger als ein nach R 3‑Besoldeter. Die­se Daten las­sen den Schluss nicht zu, dass die R 3‑Besoldung in Rhein­land-Pfalz die Gren­ze der Amts­an­ge­mes­sen­heit offen­sicht­lich unter­schritt.

3. Prü­fungs­stu­fe

Der rela­ti­ve Schutz des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips ist eben­falls nicht ver­letzt, da in Rhein­land-Pfalz weder in dem Vor­la­ge­zeit­raum der Jah­re 2012 und 2013 noch über den Zeit­raum der Jah­re 1998 bis 2012 und 1999 bis 2013 hin­weg in der Besol­dungs­grup­pe R 3 eine rea­le Besol­dungs­ab­sen­kung erfolg­te.

Fol­gen der ver­fas­sungs­wid­rig nied­ri­gen Rich­ter­be­sol­dung in Sach­sen-Anhalt[↑]

Der Ver­stoß einer Norm gegen das Grund­ge­setz kann ent­we­der zur Nich­tig­erklä­rung (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 78 BVerfGG) oder dazu füh­ren, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die mit der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit gege­be­ne Unver­ein­bar­keit der Norm mit dem Grund­ge­setz fest­stellt (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 79 Abs. 1 und § 31 Abs. 2 BVerfGG). Eine Nich­tig­erklä­rung hät­te zur Fol­ge, dass es für die Besol­dung an der gesetz­li­chen Grund­la­ge feh­len wür­de, der es mit Blick auf den ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­nen und ein­fach­recht­lich in § 2 Abs. 1 BBesG ange­ord­ne­ten Geset­zes­vor­be­halt, der in Sach­sen-Anhalt im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum noch fort­galt, bedarf. Damit wür­de ein Zustand geschaf­fen, der von der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung noch wei­ter ent­fernt wäre als der bis­he­ri­ge131.

Stellt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Unver­ein­bar­keit einer Norm oder meh­re­rer Nor­men mit dem Grund­ge­setz fest, folgt dar­aus grund­sätz­lich die Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, die Rechts­la­ge rück­wir­kend ver­fas­sungs­ge­mäß umzu­ge­stal­ten. Aus­nah­men von die­ser Regel­fol­ge der Unver­ein­bar­keit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt bei haus­halts­wirt­schaft­lich bedeut­sa­men Nor­men bejaht132. Spe­zi­ell bei besol­dungs­recht­li­chen Nor­men gilt es zu beach­ten, dass die Ali­men­ta­ti­on des Beam­ten der Sache nach die Befrie­di­gung eines gegen­wär­ti­gen Bedarfs aus gegen­wär­tig zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haus­halts­mit­teln dar­stellt. Eine all­ge­mei­ne rück­wir­ken­de Behe­bung des Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes ist daher mit Blick auf die Beson­der­hei­ten des Beam­ten­ver­hält­nis­ses nicht gebo­ten133. Sie ist jedoch sowohl hin­sicht­lich des Klä­gers des Aus­gangs­ver­fah­rens als auch hin­sicht­lich etwai­ger Klä­ger erfor­der­lich, über deren Anspruch noch nicht abschlie­ßend ent­schie­den wor­den ist134.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 5. Mai 2015 – 2 BvL 17/​092 BvL 1/​142 BvL 6/​122 BvL 5/​122 BvL 4/​122 BvL 3/​122 BvL 18/​09

  1. in der Fas­sung des Geset­zes zur Ände­rung lan­des­be­sol­dungs- und ver­sor­gungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 25.07.2007, GVBl. LSA, S. 236
  2. in der Fas­sung des Anhangs 1 Anla­ge 2 Num­mer 4 zu Arti­kel 1 Num­mer 7 des Geset­zes zur Ände­rung lan­des­be­sol­dungs- und ver­sor­gungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 25.07.2007, GVBl. LSA, S. 236
  3. in der Fas­sung des Anhangs 1 Anla­ge 2 Num­mer 4 zu Arti­kel 1 Num­mer 4 des Geset­zes über die Anpas­sung von Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­gen 2009/​2010 [Lan­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­setz 2009/​2010 – LBVAn­pG 2009/​2010] vom 09.12 2009, GVBl. LSA, S. 598]
  4. in der Fas­sung des Anhangs 2 Anla­ge 2 Num­mer 4 zu Arti­kel 1 Num­mer 4 des Geset­zes über die Anpas­sung von Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­gen 2009/​2010 [Lan­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­setz 2009/​2010 – LBVAn­pG 2009/​2010] vom 09.12 2009, GVBl. LSA, S. 598]
  5. Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz in der Fas­sung vom 06.08.2002, BGBl. I, S. 3020
  6. in der Fas­sung des Anhangs 1 zu Arti­kel 1 Num­mer 6 des Geset­zes über die Anpas­sung von Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­gen in Bund und Län­dern 2003/​2004 sowie zur Ände­rung dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Bun­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­setz 2003/​2004 – BBVAn­pG 2003/​2004) vom 10.09.2003, BGBl. I, S. 1798
  7. GVBl. NRW, S. 696
  8. Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz Rhein­land-Pfalz vom 12.04.2005, GVBl. RP, S. 119, in der durch Arti­kel 3 des Lan­des­ge­set­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung 2011 (LBVAn­pG 2011) vom 25.08.2011, GVBl. RP, S. 303, geän­der­ten Fas­sung
  9. in der durch Arti­kel 1 des Ers­ten Dienst­rechts­än­de­rungs­ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der Haus­halts­fi­nan­zie­rung (Dienst­RÄndG 2011) vom 20.12 2011, GVBl. RP, S. 430, geän­der­ten Fas­sung
  10. in der Fas­sung des Lan­des­ge­set­zes zur Reform des finan­zi­el­len öffent­li­chen Dienst­rechts (Dienst­rechts­re­form­ge­setz – Dienst­rechts­re­formG) vom 18.06.2013, GVBl. RP, S. 157
  11. BVerfG – 2 BvL 17/​09 und 2 BvL 18/​09
  12. BVerfG – 2 BvL 3/​12, 2 BvL 4/​12, 2 BvL 5/​12 sowie 2 BvL 6/​12
  13. BVerfG – 2 BvL 1/​14
  14. BVerfG – 2 BvL 17/​09
  15. BVerfG – 2 BvL 18/​09
  16. OVG NRW, Beschlüs­se vom 09.07.2009 – 1 A 373/​08 und 1 A 1416/​08
  17. BVerfG – 2 BvL 3/​12
  18. BVerfG – 2 BvL 4/​12
  19. BVerfG – 2 BvL 5/​12
  20. BVerfG – 2 BvL 6/​12
  21. VG Hal­le, Beschlüs­se vom 28.09.2011 – 5 A 206/​09 HAL; 5 A 207/​09 HAL; 5 A 208/​09 HAL und 5 A 216/​09 HAL
  22. LBe­sG RP 2005
  23. VG Koblenz, Beschluss vom 12.09.2013 – 6 K 445/​13.KO
  24. BGBl I S.2034
  25. vgl. dazu BVerfGE 119, 247, 272 f.; 121, 205, 232
  26. vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 117, 330, 349; 119, 247, 263, 269; 130, 263, 292; stRspr
  27. vgl. BVerfGE 12, 81, 88; 55, 372, 392; 107, 218, 238
  28. vgl. BVerfGE 106, 225, 232; 117, 330, 344; 130, 263, 292
  29. vgl. BVerfGE 99, 300, 314; 107, 218, 236 f.; 117, 330, 344; 119, 247, 266; 130, 263, 292
  30. vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 107, 218, 238; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292
  31. vgl. BVerfGE 44, 249, 265 f.; 99, 300, 315; 107, 218, 237; 114, 258, 288; 130, 263, 292
  32. vgl. BVerfGE 99, 300, 321
  33. vgl. BVerfGE 83, 89, 98; 117, 330, 350; 130, 52, 67
  34. vgl. BVerfGE 8, 1, 22 f.; 114, 258, 288; 117, 372, 381; 121, 241, 261; 130, 263, 294
  35. vgl. BVerfGE 81, 363, 375 f.; 130, 263, 294
  36. vgl. BVerfGE 44, 249, 264 ff.; 117, 330, 352; 130, 263, 294
  37. vgl. BVerfGE 117, 330, 352; 130, 263, 294
  38. vgl. BVerfGE 103, 310, 320; 117, 330, 353; 121, 241, 261; 130, 263, 294
  39. vgl. BVerfGE 65, 141, 148 f.; 103, 310, 319 f.; 110, 353, 364 f.; 117, 330, 353; 130, 263, 294 f.
  40. vgl. BVerfGE 44, 249, 263, 267 f.; 114, 258, 288 f.; 130, 263, 295
  41. vgl. BVerfGE 130, 263, 292 f.
  42. vgl. BVerfGE 114, 258, 293
  43. vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; fer­ner BVerfGK 12, 189, 202
  44. vgl. Bam­ber­ger, ZBR 2008, S. 361, 363; Lind­ner, ZBR 2014, S. 9, 10
  45. vgl. BVerfGK 12, 189, 202
  46. vgl. BVerfGE 114, 258, 287; 119, 247, 269; 130, 263, 292
  47. vgl. BVerfGE 107, 218, 238
  48. vgl. Stutt­mann, DVBl.2014, S. 746, 749
  49. vgl. auch BT-Drs. 18/​477, S. 11
  50. vgl. BVerfGE 44, 249, 266, 272; 81, 363, 376; 99, 300, 321; 107, 218, 237; 114, 258, 286; 117, 330, 350
  51. vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 44, 249, 265 f.; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292
  52. vgl. BVerfGE 44, 249, 275; 117, 330, 351 f.
  53. vgl. BVerfGE 130, 263, 293 f.
  54. vgl. BVerfGE 114, 258, 293; 117, 330, 355; 130, 263, 293
  55. vgl. BVerfGE 130, 263, 293
  56. vgl. BVerfGE 117, 330, 355
  57. vgl. BVerfGE 30, 90, 103; 93, 319, 349
  58. vgl. BVerfGE 44, 249, 265 f.; 114, 258, 287 f.; 119, 247, 269; 130, 263, 293
  59. vgl. BVerfGE 114, 258, 294; 130, 263, 293
  60. vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 117, 330, 354; 119, 247, 268; 130, 263, 293 f.; BVerfGK 12, 189, 202; 12, 253, 263 f.
  61. vgl. BVerfGE 44, 249, 265; 99, 300, 315; 114, 258, 288; 130, 263, 292
  62. vgl. BVerfGE 114, 258, 294; 130, 263, 292
  63. vgl. BVerfGE 119, 247, 264
  64. vgl. BVerfGE 130, 263, 299
  65. vgl. BVerfGE 12, 81, 88; 55, 372, 391 f.; BVerfG, Beschluss vom 29.02.1996 – 2 BvR 136/​96, NJW 1996, S. 2149, 2150; BVerfGK 8, 395, 399
  66. vgl. BVerfGE 14, 56, 69
  67. vgl. BVerfGE 4, 331, 346; 14, 56, 70; 17, 252, 259; 18, 241, 255; 26, 186, 198 f.; 42, 206, 209; 87, 68, 85
  68. vgl. BVerfGE 12, 81, 88; 26, 141, 154 ff.; 55, 372, 392; 107, 257, 274 f.
  69. vgl. BVerfGE 26, 141, 155 f.
  70. vgl. BVerfGE 107, 257, 274 f.; vgl. zur inter­na­tio­na­len Per­spek­ti­ve die Stu­die der European Com­mis­si­on for the Effi­ci­en­cy of Jus­ti­ce des Euro­pa­ra­tes vom 09.10.2014 „Report on European judi­ci­al sys­tems – Edi­ti­on 2014 ((2012 data
  71. vgl. BVerfGE 83, 89, 99; 106, 225, 232
  72. vgl. BVerfGE 83, 89, 98; 106, 225, 233
  73. vgl. BVerfGE 117, 330, 351 f.; BVerfGK 12, 253, 260 f.
  74. vgl. BVerfGE 58, 68, 78; 106, 225, 233
  75. vgl. BVerfGE 39, 196, 200 f.; 121, 241, 261; vgl. zur pas­sen­den Bezeich­nung als „Kor­re­lat” des Dienst­herrn für die mit der Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis ver­bun­de­ne Pflicht des Beam­ten, unter Ein­satz sei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit die­sem – grund­sätz­lich auf Lebens­zeit – sei­ne vol­le Arbeits­kraft zur Ver­fü­gung zu stel­len BVerfGE 37, 167, 179, 70, 69, 80; 119, 247, 264
  76. vgl. BVerfGE 114, 258, 298
  77. vgl. BVerfGE 76, 256, 298; 114, 258, 298
  78. vgl. BVerfGE 39, 196, 202; 114, 258, 298
  79. vgl. BVerfGE 105, 73, 115, 125; 114, 258, 298
  80. vgl. BVerfGE 130, 263, 294
  81. BGBl I S. 2248
  82. vgl. Kube, in: Maunz/​Dürig, Grund­ge­setz, Art. 143d Rn. 14 [Janu­ar 2010] mit Ver­weis auf BT-Drs. 16/​12410, S. 13; Rei­mer, in: Epping/​Hillgruber, Beck­OK GG, Art. 143d Rn. 9 [Dezem­ber 2014]
  83. vgl. BVerfGE 129, 124, 170; 132, 195, 245
  84. vgl. BVerfGE 44, 249, 264 f.; 76, 256, 311; 81, 363, 378; 99, 300, 320; 114, 258, 291; 117, 372, 388; stRspr
  85. vgl. Wolff, ZBR 2005, S. 361, 368
  86. vgl. BVerfGE 8, 1, 12 ff.; 18, 159, 166 f.; 70, 69, 79 f.; 76, 256, 310; 114, 258, 289; 130, 263, 295 f.
  87. vgl. BVerfGE 76, 256, 311; 114, 258, 288 f.
  88. vgl. BVerfGE 76, 256, 311; 114, 258, 291 f.
  89. vgl. BVerfGE 130, 263, 301 f.
  90. vgl. BVerfGE 130, 263, 302
  91. vgl. Schmidt-Aßmann, in: Hoff­mann-Rie­m/­Schmidt-Aßman­n/­Voß­kuh­le, Grund­la­gen des Ver­wal­tungs­rechts, Band II, 2. Aufl.2012, § 27 Rn. 61
  92. BVerfG – 2 BvL 3/​12 – 6/​12
  93. vgl. dazu BVerfGE 99, 300
  94. durch § 1 Abs. 1 Nr. 1 des Art. 2 BBVAn­pG 1994 vom 24.08.1994, BGBl I S. 2229
  95. durch § 1 Abs. 1 Nr. 1 des Art. 2 BBVAn­pG 1995 vom 18.12 1995, BGBl I S.1942
  96. durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 BBVAn­pG 1996/​1997 vom 24.03.1997, BGBl I S. 590
  97. durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 BBVAn­pG 1998 vom 06.08.1998, BGBl I S.2026
  98. durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 BBVAn­pG 1999 vom 19.11.1999, BGBl I S. 2198
  99. durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 BBVAn­pG 2000 vom 19.04.2001, BGBl I S. 618
  100. durch Art. 1 bis 3 BBVAn­pG 2003/​2004 vom 10.09.2003, BGBl I S. 1798
  101. GVBl S. 834
  102. ein­ge­fügt durch das Gesetz zur Ände­rung lan­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 25.07.2007, GVBl S. 236
  103. in der Fas­sung des Lan­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­set­zes (LBVAn­pG) 2009/​2010 vom 09.12 2009, GVBl S. 598
  104. in der Fas­sung des LBVAn­pG 2009/​2010 vom 09.12 2009, GVBl S. 598
  105. vom 24.08.1994, BGBl I S. 2229
  106. Deut­sches Rich­ter­ge­setz in der Fas­sung des Art. 1 Nr. 1 des Geset­zes zur Reform der Juris­ten­aus­bil­dung vom 11.07.2002, BGBl I S. 2592
  107. vgl. den Jah­res­be­richt des Lan­des­jus­tiz­prü­fungs­am­tes im Minis­te­ri­um der Jus­tiz des Lan­des Sach­sen-Anhalt für das Jahr 2010, S. 2 und 5
  108. vgl. auch BVerfGE 54, 277, 291; 103, 111, 137 f.
  109. vgl. BVerfGE 115, 166, 196
  110. vgl. BVerfGE 4, 331, 346; 27, 312, 322; 87, 68, 85; 103, 111, 140; stRspr
  111. vgl. BVerfGE 32, 199, 216
  112. vgl. BVerfGE 133, 168, 219 Rn. 92
  113. vgl. BVerfG, a.a.O., S. 220 Rn. 93
  114. durch das Ver­sor­gungs­re­form­ge­setz 1998 vom 29.06.1998, BGBl I S. 1666
  115. BGBl I S. 3926
  116. vgl. BVerfGK 12, 189 – Ver­sor­gungs­rück­la­ge; BVerfGE 114, 258 – Absen­kung Ruhe­ge­halts­satz
  117. in der Fas­sung des Geset­zes vom 29.07.2009, BGBl I S. 2248
  118. BGBl I S. 1273
  119. BVerfG – 2 BvL 17/​09 und 18/​09
  120. durch § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Art. 1 BBVAn­pG 1988 vom 20.12 1988, BGBl I S. 2363
  121. durch § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Art. 1 BBVAn­pG 1991 vom 21.02.1992, BGBl I. S. 266
  122. durch § 1 Abs. 1 Nr. 1 des Art. 2 BBVAn­pG 1992 vom 23.03.1993, BGBl I S. 342
  123. durch § 1 Abs. 1 Nr. 1 des Art. 2 BBVAn­pG 1993 vom 20.12 1993, BGBl I S. 2139
  124. in der durch Art. II des Geset­zes über die Fest­stel­lung des Haus­halts­plans des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len für das Haus­halts­jahr 2003 (Haus­halts­ge­setz 2003) und des Geset­zes zur Ände­rung der Ver­ord­nung über die Gewäh­rung von Bei­hil­fen in Krank­heits, Geburts- und Todes­fäl­len (Bei­hil­fen­ver­ord­nung-BVO) vom 18.12 2002 geän­der­ten Fas­sung, GVBl S. 655
  125. vgl. LTDrucks 13/​4313, S. 1, 17
  126. vom 14.07.1978, GVBl S. 459, in der durch Art. 1 des Zwei­ten Lan­des­ge­set­zes zur Ände­rung besol­dungs- und ver­sor­gungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 20.11.2003, GVBl S. 343, geän­der­ten Fas­sung
  127. durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1a) und Art. 3 Abs. 1 Nr. 1a) LBVAn­pG 2007/​2008 vom 21.12 2007, GVBl S. 283
  128. durch Art. 4 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 3a) LBVAn­pG 2009/​2010 vom 07.04.2009, GVBl S. 142
  129. vom 25.08.2011, GVBl S. 303
  130. durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 und Art. 2 Abs. 1 Nr. 1 Dienst­RÄndG RP 2011 [GVBl S. 430]
  131. vgl. BVerfGE 119, 331, 382 f.; 125, 175, 255 f.; 130, 263, 312
  132. vgl. BVerfGE 93, 121, 148; 105, 73, 134; 117, 1, 70; 130, 263, 312 f.
  133. vgl. BVerfGE 81, 363, 383 ff.; 99, 300, 330 f.; 130, 263, 313
  134. vgl. BVerfGE 99, 300, 331; 130, 263, 313