Arz­nei­mit­tel-Fest­be­trä­ge in der Bei­hil­fe

Das bis Sep­tem­ber 2012 gel­ten­de Bei­hil­fe­recht des Bun­des ent­hielt kei­ne Rechts­grund­la­ge, wel­che die Bei­hil­fe­fä­hig­keit der Auf­wen­dun­gen für Arz­nei­mit­tel auf einen Fest­be­trag beschränk­te.

Arz­nei­mit­tel-Fest­be­trä­ge in der Bei­hil­fe

In drei jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren sind die Klä­ger als Sol­da­ten oder Beam­ten im Ruhe­stand Ver­sor­gungs­emp­fän­ger, die im Krank­heits­fall nach beam­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten Anspruch auf Gewäh­rung von Bei­hil­fe u.a. zu den Arz­nei­mit­tel­kos­ten gegen die beklag­te Bun­des­re­pu­blik haben. Ihnen sind im Krank­heits­fall grund­sätz­lich 70 % der ent­stan­de­nen not­wen­di­gen und wirt­schaft­lich ange­mes­se­nen Auf­wen­dun­gen – bei Arz­nei­mit­teln gemin­dert um einen Eigen­be­halt – zu erstat­ten. Die Beklag­te hat ihnen für Arz­nei­mit­tel Bei­hil­fe nur bis zur Höhe der im Recht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung bestimm­ten Fest­be­trä­ge bewil­ligt. Mit ihren Kla­gen begeh­ren sie eine wei­te­re Bei­hil­fe, die sich an dem Apo­the­ken­ver­kaufs­preis ori­en­tiert.

Wäh­rend in zwei der Fäl­le der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Kas­sel 1 und der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim 2 den Begeh­ren statt­ge­ge­ben haben, hat im drit­ten Fall das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt 3 die Begren­zung der Bei­hil­fe­fä­hig­keit der Auf­wen­dun­gen für Arz­nei­mit­tel als recht­mä­ßig erach­tet.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs und des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg bestä­tigt: Weder die Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung (BBhV) in der Fas­sung vom 13. Febru­ar 2009 noch die hier­zu ergan­ge­ne All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift vom 14. Febru­ar 2009 bestimm­ten Fest­be­trä­ge für Arz­nei­mit­tel. § 22 Abs. 3 BBhV ermäch­tig­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, ent­spre­chen­de Fest­be­trä­ge in Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten fest­zu­set­zen. Die All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift regel­te nähe­re Ein­zel­hei­ten einer ent­spre­chen­den Fest­be­trags­be­stim­mung, ohne eine sol­che selbst zu tref­fen. Ob das Minis­te­ri­um über­haupt Fest­be­trä­ge durch Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten hät­te regeln kön­nen, konn­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt offen las­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 8. Novem­ber 2012 – 5 C 2.12, 4.12 und 6.12

  1. Hess. VGH Kas­sel, Urteil vom 08.09.2011 – 1 A 2556/​10[]
  2. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 04.08.2011 – 2 S 83/​11[]
  3. Schlesw.-Holst. OVG, Urteil vom 21.10.2011 – 3 LB 7/​11[]