Aus dem Dienst aus­schei­den­de Post­be­am­te – und die Kos­ten ihrer Nach­ver­si­che­rung

Die Nach­fol­ge­un­ter­neh­men der Deut­schen Bun­des­post müs­sen die Kos­ten der Nach­ver­si­che­rung aus­schei­den­der Beam­ter selbst tra­gen.

Aus dem Dienst aus­schei­den­de Post­be­am­te – und die Kos­ten ihrer Nach­ver­si­che­rung

Die Nach­fol­ge­un­ter­neh­men der Deut­schen Bun­des­post – also die Deut­sche Post AG, die Deut­sche Tele­kom AG und die Post­bank AG – kön­nen daher, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt ent­schied, von der Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se nicht die Erstat­tung der Kos­ten ver­lan­gen, wel­che sie als Arbeit­ge­ber für bei ihnen beschäf­tig­te Beam­te im Fal­le ihres Aus­schei­dens aus dem Beam­ten­ver­hält­nis für ihre Nach­ver­si­che­rung in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung an deren Trä­ger gezahlt haben.

Den Nach­fol­ge­un­ter­neh­men der Deut­schen Bun­des­post wur­den die bei die­ser tätig gewe­se­nen Post­be­am­ten zur Beschäf­ti­gung zuge­wie­sen. Die beklag­te Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se zahlt für die Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men die Ver­sor­gungs­be­zü­ge an die in den Ruhe­stand getre­te­nen Post­be­am­ten. Die Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men zah­len zur Finan­zie­run­gen die­ser Leis­tun­gen einen jähr­li­chen Bei­trag in Höhe von einem Drit­tel der jähr­li­chen Brut­to­be­zü­ge der bei ihnen beschäf­ti­gen Post­be­am­ten an die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se. Schei­det ein Post­be­am­ter vor Ein­tritt in den Ruhe­stand, ins­be­son­de­re durch Über­tritt in ein pri­va­tes Arbeits­ver­hält­nis, aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aus, ver­liert er sei­ne Anwart­schaft auf beam­ten­recht­li­che Ver­sor­gungs­be­zü­ge. Der bis­he­ri­ge Arbeit­ge­ber hat ihn statt­des­sen für die Zeit im Beam­ten­ver­hält­nis in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nach­zu­ver­si­chern.

Die Klä­ge­rin, die Deut­sche Post AG, hat gegen die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se Kla­ge erho­ben und von ihr die Kos­ten in Höhe von 318 490 910, 08 € erstat­tet ver­langt, wel­che sie für die Nach­ver­si­che­rung von ins­ge­samt 8 046 Post­be­am­ten auf­ge­wandt hat, die bei ihr beschäf­tigt waren, aber vor Ein­tritt in den Ruhe­stand aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aus­ge­schie­den sind. Wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens haben sich die Betei­lig­ten geei­nigt, das Ver­fah­ren zunächst nur für sechs Nach­ver­si­che­rungs­fäl­le durch­zu­füh­ren.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat die Kla­gen abge­wie­sen 1. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat die Beru­fung der Deut­sche Post AG zurück­ge­wie­sen 2. Und auch die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Deut­sche Post AG blieb jetzt vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg.

Gleich­zei­tig mit die­sem die Deut­sche Post AG betref­fen­den Fall hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in zwei wei­te­ren Urtei­len in gleich­ge­rich­te­ten Ver­fah­ren auch die Revi­sio­nen der Deut­schen Tele­kom AG und der Deut­schen Post­bank AG zurück­ge­wie­sen.

Die Deut­sche Post AG schul­det als Arbeit­ge­be­rin der bei ihr beschäf­tig­ten Post­be­am­ten dem Trä­ger der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung die Nach­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, wenn der Post­be­am­te aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aus­schei­det.

Für die­se Nach­ver­si­che­rungs­last ist die beklag­te Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se nicht zah­lungs­pflich­tig. Sie zahlt nach den für sie ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen des Post­per­so­nal­re­ge­lungs­ge­set­zes nur die beam­ten­recht­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen an Ruhe­stands­be­am­te und deren Ange­hö­ri­ge. Zu die­sen beam­ten­recht­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen gehört die Nach­ver­si­che­rung im Fal­le des Aus­schei­dens aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nicht.

Ein Erstat­tungs­an­spruch steht der Nach­fol­ge­un­ter­neh­men der Deut­schen Bun­des­post fer­ner nicht des­halb zu, weil sie neben der Nach­ver­si­che­rung bereits zuvor Bei­trä­ge für die Finan­zie­rung beam­ten­recht­li­cher Ver­sor­gungs­leis­tun­gen an die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se erbracht haben, bei der Bemes­sung die­ser Bei­trä­ge der spä­ter aus­ge­schie­de­ne Beam­te berück­sich­tigt wor­den ist, die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se für ihn jedoch wegen sei­nes Aus­schei­dens aus dem Beam­ten­ver­hält­nis kei­ne beam­ten­recht­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen wird erbrin­gen müs­sen. Die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se funk­tio­niert – wie die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung – nach einem Umla­ge­sys­tem: Die Kas­se zahlt aus den jähr­li­chen Bei­trä­gen der Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen, die in dem jewei­li­gen Jahr fäl­lig wer­den. Rei­chen die Bei­trä­ge nicht aus, um den Gesamt­be­trag der fäl­li­gen Leis­tun­gen zu decken, gleicht der Bund das Defi­zit aus. Damit besteht der Zweck der jähr­li­chen Bei­trags­zah­lun­gen der Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men an die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se dar­in, die von die­ser zu erbrin­gen­den Zah­lun­gen in dem jewei­li­gen Jahr in ihrer Gesamt­heit zu finan­zie­ren. Die Bei­trä­ge der Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men wer­den hin­ge­gen nicht antei­lig den akti­ven Post­be­am­ten zuge­ord­net; sie sind nicht dazu bestimmt, indi­vi­du­el­le Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten auf­zu­bau­en.

Die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se erlangt des­halb durch das Aus­schei­den des Post­be­am­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis und des­sen Nach­ver­si­che­rung kei­nen Ver­mö­gens­vor­teil auf Kos­ten des Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­mens, der Grund­la­ge eines Erstat­tungs­an­spruchs sein könn­te.

Es ist nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts schließ­lich nicht ver­fas­sungs­wid­rig, dass der Gesetz­ge­ber bei der Pri­va­ti­sie­rung der Deut­schen Bun­des­post nur die Zah­lung der beam­ten­recht­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen auf die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se über­tra­gen hat, nicht aber auch die Kos­ten der Nach­ver­si­che­rung. Die Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men sind dadurch nicht mit einem gleich­heits­wid­ri­gen Nach­teil gegen­über ihren Wett­be­wer­bern in den Markt ent­las­sen wor­den. Das Pri­va­ti­sie­rungs­kon­zept stellt ein Gesamt­pa­ket dar; die dar­in ent­hal­te­nen Nach­tei­le für die Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men, wozu ins­be­son­de­re die Über­nah­me der Ver­sor­gungs­las­ten gehört, kön­nen nicht ohne Berück­sich­ti­gung der Vor­tei­le gese­hen wer­den. Die­se bestan­den in dem erheb­li­chen Immo­bi­li­en­ver­mö­gen und der per­so­nel­len und sach­li­chen Aus­stat­tung, wel­che die Unter­neh­men in die Lage ver­setz­te, voll funk­ti­ons­fä­hig in den Wett­be­werb zu star­ten. Die Nach­ver­si­che­rungs­kos­ten für aus­ge­schie­de­ne Beam­te stel­len nur einen gerin­gen Anteil der Gesamt­auf­wen­dun­gen der Unter­neh­men für die Alters­ver­sor­gung dar. Der Gesetz­ge­ber hat die Las­ten der Beam­ten­ver­sor­gung auf fes­te Jah­res­bei­trä­ge an die Post­be­am­ten­ver­sor­gungs­kas­se begrenzt. Durch den Bemes­sungs­fak­tor der Zahl der akti­ven Beam­ten hat er sicher­ge­stellt, dass die Belas­tung der Unter­neh­men trotz stei­gen­der Ver­sor­gungs­last kon­ti­nu­ier­lich sinkt. Die Bei­trä­ge kön­nen (zu Las­ten des Bun­des) bis zur markt­üb­li­chen Belas­tung gesenkt wer­den, wenn das Unter­neh­men eine unzu­mut­ba­re Beein­träch­ti­gung sei­ner Wett­be­werbs­fä­hig­keit belegt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 20. Mai 2015 – 6 C 4.2014 3

  1. VG Köln, Urtei­le vom 26.10.2010 – 22 K 1226/​07, 22 K 1227/​07 und 22 K 1228/​07[]
  2. OVG NRW, Urtei­le vom 13.05.2013 – 13 A 40/​11, 13 A 41/​11 UND 13 a 42/​11[]
  3. gleich­lau­tend: BVerwG, Urtei­le vom 20.50.2015 – 6 C 5.2014 – und 6 C 6.2014[]