Aus­schei­den­de Bun­des­wehr­ärz­te – und ihre Aus­bil­dungs­kos­ten

Sol­da­ten auf Zeit, die auf Kos­ten des Bun­des ein Hoch­schul­stu­di­um absol­vie­ren, die Bun­des­wehr jedoch vor Ablauf ihrer Ver­pflich­tungs­zeit ver­las­sen, sind grund­sätz­lich ver­pflich­tet, dem Bund die Aus­bil­dungs­kos­ten zu erstat­ten.

Aus­schei­den­de Bun­des­wehr­ärz­te – und ihre Aus­bil­dungs­kos­ten

In den jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fäl­len hat­ten ehe­ma­li­ge Sol­da­ten auf Zeit geklagt, die wäh­rend ihrer Bun­des­wehr­zeit auf Kos­ten des Bun­des ein Hoch­schul­stu­di­um absol­viert haben, in der gro­ßen Mehr­heit der Fäl­le Human­me­di­zin. Nach ihren Ver­pflich­tungs­er­klä­run­gen hät­ten die­se für einen Zeit­raum von rd. zehn Jah­ren nach Abschluss des Stu­di­ums in der Bun­des­wehr als Sani­täts­of­fi­zie­re Dienst leis­ten müs­sen. Sie haben jedoch bereits nach etwa zwei bis drei Jah­ren die Bun­des­wehr ver­las­sen, um einer zivi­len Berufs­tä­tig­keit nach­zu­ge­hen. Der Bund hat dar­auf­hin von ihnen das wäh­rend des Stu­di­ums erhal­te­ne Aus­bil­dungs­geld von monat­lich rd.01.800 € sowie Fach­aus­bil­dungs­kos­ten zurück­ge­for­dert, die nach dem Stu­di­um wäh­rend der Tätig­keit als Sani­täts­of­fi­zier ent­stan­den sind. Zur Beglei­chung der durch­weg sechs­stel­li­gen Rück­for­de­rungs­sum­men hat der Bund im Rah­men des ihm zur Ver­mei­dung von Här­te­fäl­len ein­ge­räum­ten Ermes­sens den ehe­ma­li­gen Sol­da­ten Stun­dung und Raten­zah­lung gewährt. Für die gestun­de­ten Beträ­ge wur­de ein Zins­satz von 4% fest­ge­setzt.

Die hier­ge­gen gerich­te­ten Kla­gen 1 und Beru­fungs­ver­fah­ren 2 sind in ganz über­wie­gen­dem Umfang ohne Erfolg geblie­ben. Eini­ge Ver­wal­tungs­ge­rich­te haben mit Blick auf die anhal­ten­de Nied­rig­zins­pha­se den Zins­satz abge­senkt. Die teil­wei­se umfäng­lich und teil­wei­se nur wegen der Fest­set­zung von Zin­sen zuge­las­se­nen Revi­sio­nen haben zum Teil Erfolg gehabt.

Grund­sätz­lich hat der Bund zu Recht das wäh­rend des Stu­di­ums gewähr­te Aus­bil­dungs­geld und die im Anschluss ent­stan­de­nen Fach­aus­bil­dungs­kos­ten zurück­ge­for­dert. Die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung ver­letzt nicht das Eigen­tums­recht des ehe­ma­li­gen Sol­da­ten, son­dern sie stellt einen ange­mes­se­nen Aus­gleich für die berech­tig­ten, jedoch ent­täusch­ten Erwar­tun­gen des Bun­des dar, dass ihm der Sol­dat die auf Kos­ten des Bun­des erwor­be­nen Spe­zi­al­kennt­nis­se und Fähig­kei­ten bis zum Ende der Ver­pflich­tungs­zeit zur Ver­fü­gung stel­len wird. Der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung kommt auch eine ver­hal­tens­steu­ern­de Wir­kung zu. Sie soll Sol­da­ten davon abhal­ten, ent­ge­gen ihrer Ver­pflich­tungs­er­klä­rung vor­zei­tig ihren Dienst auf­zu­ge­ben und so die Per­so­nal­pla­nung und Ver­tei­di­gungs­be­reit­schaft der Bun­des­wehr zu gefähr­den. Inso­weit hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sei­ne stän­di­ge Recht­spre­chung bestä­tigt.

In zwei Punk­ten ist jedoch eine Kor­rek­tur an der Berech­nungs­pra­xis der Bun­des­wehr vor­zu­neh­men. So ist es im Hin­blick auf die Här­te­fall­re­ge­lung ermes­sens­feh­ler­haft, wenn Zei­ten, in denen appro­bier­te Sani­täts­of­fi­zie­re vol­len Dienst als Arzt in einem Bun­des­wehr­kran­ken­haus leis­ten, nicht zur Ver­rin­ge­rung der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung füh­ren (sog. Abdien­quo­te). Das gilt auch dann, wenn sie zu die­ser Zeit eine einer zivi­len Fach­arzt­aus­bil­dung ähn­li­che Fach­aus­bil­dung erhal­ten. Maß­geb­lich ist allein, dass sie mit der ärzt­li­chen Tätig­keit nach den Vor­ga­ben der Bun­des­wehr die berech­tig­ten Erwar­tun­gen des Bun­des an ihre Dienst­leis­tung als Arzt erfül­len.

Zudem ist die Fest­set­zung von Zin­sen rechts­wid­rig. Hier­für fehlt es an der erfor­der­li­chen gesetz­li­chen Grund­la­ge. Die Ermes­sens­vor­schrift, wel­che dem Bund den (Teil-) Ver­zicht auf die Rück­for­de­rung in Här­te­fäl­len erlaubt, kann nicht her­an­ge­zo­gen wer­den, um zusätz­li­che Belas­tun­gen wie Zin­sen zu recht­fer­ti­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 12. April 2017 – 2 C 4.16, 2 C 5.16, 2 C 8.16, 2 C 14.16, 2 C 15.16, 2 C 16.16, 2 C 23.16, 2 C 24.16, 2 C 29.16, 2 C 47.16, 2 C 48.16, 2 C 1.17, 2 C 2.17, 2 C 3.17 und 2 C 9.17

  1. VG Braun­schweig, Urteil vom 24.03.2015 – 7 A 144/​13; VG Göt­tin­gen, Urteil vom 11.03.2015 – 1 A 142/​13; VG Han­no­ver, Urteil vom 16.10.2015 – 1 A 3282/​13; VG Köln, Urtei­le vom 15.11.2013 – 9 K 6900/​12 und 9 K 4155/​12; VG Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 30.12.2013 – 10 K 5420/​13; vom 19.02.2014 – 10 K 9026/​12; vom 04.03.2014 – 10 K 9101/​12; und vom 19.02.2014 – 10 K 3411/​13; VG Stutt­gart, Urteil vom 20.10.2015 – 6 K 3626/​14; VG Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 31.03.2015 – 7 K 1974/​13; VG Koblenz, Urtei­le vom 08.01.2014 – 1 K 381/​13.KO, 1 K 629/​13.KO und 1 K 1166/​12.KO; VG Schles­wig, Urteil vom 04.12.2014 – 12 A 26/​13[]
  2. Nds. OVG, Urtei­le vom 20.04.2016 – 5 LB 156/​15; vom 26.04.2016 – 5 LB 154/​15 und 5 LB 61/​15; OVG NRW, Urteil vom 24.02.3016 – 1 A 10/​14; 1 A 9.14; und 1 A 335/​14; vom 20.07.2016 – 1 A 795/​14; und 1 A 797/​14; und vom 09.11.2016 – 1 A 829/​14; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 06.07.2016 – 4 S 2237/​15 und4 S 1492/​15; OVG Rhein­land-Pfalz, Urtei­le vom 06.02.2015 – 10 A 10935/​14.OVG; 10 A 10933/​14.OVG; und 10 A 10931/​14.OVG; OVG Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 10.03.2017 – 2 LB 13/​15[]