Außer­dienst­li­cher Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten

Hat ein Be­am­ter kin­der­por­no­gra­fi­sche Schrif­ten nicht nur be­ses­sen, son­dern die­se auch zu­gäng­lich ge­macht, so ist die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me auch bei Feh­len eines Dienst­be­zugs wegen der ge­gen­über § 184b Abs. 4 StGB er­heb­lich hö­he­ren Straf­an­dro­hung des § 184b Abs. 1 StGB an­hand eines Ori­en­tie­rungs­rah­mens zu be­stim­men, der bis zur Ent­fer­nung aus dem Be­am­ten­ver­hält­nis reicht [1].

Außer­dienst­li­cher Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts folgt aus § 13 Abs. 1 Satz 2 bis 4 BDG und den inhalts­glei­chen Bemes­sungs­re­ge­lun­gen der Lan­des­dis­zi­pli­nar­ge­set­ze (hier § 16 Abs. 1 Satz 2 bis 4 HDG), dass die erfor­der­li­che Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me auf­grund einer pro­gnos­ti­schen Gesamt­wür­di­gung aller im Ein­zel­fall bedeut­sa­men be- und ent­las­ten­den Umstän­de zu bestim­men ist. Erst auf­grund des Ergeb­nis­ses die­ser Gesamt­wür­di­gung kann fest­ge­stellt wer­den, ob ein Beam­ter aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu ent­fer­nen ist, weil er das erfor­der­li­che Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit end­gül­tig ver­lo­ren hat. Der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens nach § 13 Abs. 1 Satz 2 BDG kommt als dem maß­ge­ben­den Bemes­sungs­kri­te­ri­um rich­tung­wei­sen­de Bedeu­tung zu. Bestimm­te Fall­grup­pen von Dienst­ver­ge­hen kön­nen auf­grund der ihnen typi­scher­wei­se zukom­men­den Schwe­re einer bestimm­ten Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me als Regel­maß­nah­me zuge­ord­net wer­den. Es kommt dann für die Bestim­mung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me im Ein­zel­fall dar­auf an, ob Erkennt­nis­se zum Per­sön­lich­keits­bild und zum Umfang der Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung der­art ins Gewicht fal­len, dass eine ande­re als die durch die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens indi­zier­te Maß­nah­me gebo­ten ist.

Die Berück­sich­ti­gung des Per­sön­lich­keits­bil­des ist Aus­druck des Schuld­prin­zips und des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit [2]. Davon abge­se­hen ist das Per­sön­lich­keits­bild für die Bewer­tung bedeut­sam, ob der Beam­te trotz des Dienst­ver­ge­hens wei­ter­hin im Beam­ten­ver­hält­nis trag­bar ist [3]. Lässt sich für eine Fall­grup­pe wegen der Varia­ti­ons­brei­te der Schwe­re des Fehl­ver­hal­tens ein Ori­en­tie­rungs­rah­men zwi­schen einer mil­de­ren und einer här­te­ren Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me bil­den, sind die Erkennt­nis­se zum Per­sön­lich­keits­bild und der Umfang der Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung für die Aus­fül­lung die­ses Rah­mens von Bedeu­tung [4].

Für die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Rele­vanz außer­dienst­li­cher Straf­ta­ten (Dis­zi­pli­nar­wür­dig­keit) und für die Bestim­mung der hier­für ange­mes­se­nen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me kommt dem gesetz­li­chen Straf­rah­men maß­ge­ben­de Bedeu­tung zu. Die Ori­en­tie­rung am Straf­rah­men gewähr­leis­tet eine ratio­na­le und gleich­mä­ßi­ge dis­zi­pli­nar­recht­li­che Bewer­tung außer­dienst­li­chen Fehl­ver­hal­tens [5]. Dis­zi­pli­nar­wür­dig­keit und Schwe­re außer­dienst­li­chen Fehl­ver­hal­tens hän­gen maß­ge­bend davon ab, ob ein Bezug zur

Dienst­aus­übung des Beam­ten gege­ben ist. Dies setzt vor­aus, dass das Fehl­ver­hal­ten nach­tei­li­ge Schlüs­se auf die Wahr­neh­mung der dienst­li­chen Auf­ga­ben zulässt oder eine Beschä­di­gung von Auto­ri­tät und Anse­hen des Beam­ten zur Fol­ge hat, die ihn in der Amts­füh­rung dau­er­haft beein­träch­tigt [6].

Für die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Ahn­dung des außer­dienst­li­chen Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten hat der Senat aus dem seit 2004 gel­ten­den Straf­rah­men des § 184b Abs. 4 StGB von bis zu zwei Jah­ren Frei­heits­stra­fe geschlos­sen, dass für die Maß­nah­me­be­mes­sung jeden­falls dann auf einen Ori­en­tie­rungs­rah­men bis zur Zurück­stu­fung abzu­stel­len ist, wenn das Dienst­ver­ge­hen kei­nen Bezug zu den dienst­li­chen Auf­ga­ben des Beam­ten auf­weist [7]. Auch das Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 19. August 2010 [8] einen Fall des außer­dienst­li­chen Dienst­ver­ge­hens des Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten. Der betrof­fe­ne Beam­te war wegen eines Ver­ge­hens nach § 184 Abs. 5 StGB in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 13.11.1998 [9] ver­ur­teilt wor­den. § 184 StGB in die­ser Fas­sung hat­te zwar die Bezeich­nung „Ver­brei­tung por­no­gra­phi­scher Schrif­ten“. Absatz 5 betraf jedoch den Besitz von por­no­gra­fi­schen Schrif­ten, die den sexu­el­len Miss­brauch von Kin­dern zum Gegen­stand haben, wenn die Schrif­ten ein tat­säch­li­ches oder wirk­lich­keits­na­hes Gesche­hen wie­der­ge­ben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 26.06.2012 – 2 B 28.12

  1. im An­schluss an BVerwG, Ur­teil vom 19.08. Au­gust 2010 – 2 C 13.10, Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 12[]
  2. vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 18.01.2008 – 2 BvR 313/​07, NVwZ 2008, 669[]
  3. stRspr; vgl. nur Urtei­le vom 20.10.2005 – 2 C 12.04, BVerw­GE 124, 252, 258 f. = Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 1 Rn. 21 ff.; vom 03.05.2007 – 2 C 9.06, Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 3 Rn. 16 f. und vom 25.03.2010 – 2 C 83.08, BVerw­GE 136, 173 = Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 11 jeweils Rn. 9 f.[]
  4. BVerwG, Urteil vom 19.08.2010 – 2 C 13.10 – a.a.O. Rn. 23 f.[]
  5. stRspr, vgl. BVerwG, Urtei­le vom 25.03.2010 a.a.O. jeweils Rn. 18; und vom 19.08.2010 – 2 C 13.10 – a.a.O. Rn. 17[]
  6. BVerwG, Urtei­le vom 19.08.2010 – 2 C 5.10 – a.a.O. Rn. 14 f. und 23 und – 2 C 13.10 – a.a.O. Rn. 14 ff.[]
  7. BVerwG, Urteil vom 19.08.2010 – 2 C 13.10 – a.a.O. Rn. 26[]
  8. BVerwG, Urteil vom 19.08.2010 – 2 C 5.10, a.a.O.[]
  9. BGBl I S. 3322[]