Aus­wahl der frei­zu­stel­len­den Per­so­nal­rats­mit­glie­der

Sinn und Zweck des § 49 Abs. 1 Hmb­Pers­VG ge­bie­ten, dass ma­ß­geb­li­ches Kri­te­ri­um für die Aus­wahl der frei­zu­stel­len­den Per­so­nal­rats­mit­glie­der die ord­nungs­ge­mä­ße Auf­ga­ben­er­le­di­gung durch den Per­so­nal­rat ist. § 49 Abs. 1 Hmb­Pers­VG ge­bie­tet kei­nen un­be­ding­ten Vor­rang der Vor­stands­mit­glie­der oder der Grup­pen­spre­cher im Rah­men des Frei­stel­lungs­be­schlus­ses des Per­so­nal­rats.

Aus­wahl der frei­zu­stel­len­den Per­so­nal­rats­mit­glie­der

Gemäß § 49 Abs. 1 Hmb­PersVG sind auf Beschluss des Per­so­nal­rats ein­zel­ne Mit­glie­der von der dienst­li­chen Tätig­keit frei­zu­stel­len. Für die Aus­wahl unter ihnen legt die Vor­schrift kei­ne Kri­te­ri­en fest. Hier­in unter­schei­det sich § 49 Abs. 1 Hmb­PersVG von nahe­zu allen Par­al­lel­be­stim­mun­gen in den Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zen des Bun­des und der ande­ren Län­der. Ledig­lich in § 39 Abs. 7 Brem­PersVG sind gleich­falls kei­ne Aus­wahl­kri­te­ri­en fest­ge­legt. Die übri­gen Par­al­lel­be­stim­mun­gen im Bun­des- und Lan­des­recht schrei­ben im Text die Berück­sich­ti­gung von Vor­stands­mit­glie­dern all­ge­mein (z.B. § 44 Abs. 5 Satz 3 LSA PersVG) oder der im Per­so­nal­rat ver­tre­te­nen Grup­pen vor (z.B. § 43 Abs. 1 Satz 3 Bln­PersVG) oder kom­bi­nie­ren bei­de Ansät­ze (z.B. § 40 Abs. 4 Satz 1 RP PersVG), in eini­gen Fäl­len unter Ein­be­zug des Kri­te­ri­ums der Lis­ten­stär­ke (z.B. § 46 Abs. 3 BPersVG).

Spricht dem­nach schon der Wort­laut von § 49 Abs. 1 Hmb­PersVG gegen eine – zumin­dest strikt ver­stan­de­ne – Pflicht zur vor­ran­gi­gen Berück­sich­ti­gung von Vor­stands­mit­glie­dern bei der Frei­stel­lungs­ent­schei­dung, so erhär­tet sich die­ses Ergeb­nis im Lich­te der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Geset­zes.

Die Frei­stel­lung von Per­so­nal­rats­mit­glie­dern war ursprüng­lich in § 42 Abs. 3 Hmb­PersVG [1] gere­gelt. Die­se Vor­schrift sah kei­ne Aus­wahl­kri­te­ri­en vor. Am 3.06.1970 brach­te die CDU-Frak­ti­on in der Bür­ger­schaft den Ent­wurf eines neu­en Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes ein [2], der in § 43 Abs. 3 für die Frei­stel­lung von Per­so­nal­rats­mit­glie­dern eine an der Beschäf­tig­ten­zahl ori­en­tier­te Staf­fel­re­ge­lung vor­sah. Die Ent­wurfs­be­grün­dung traf hier­zu die Aus­sa­ge: „Dabei ist ent­spre­chend dem Grup­pen­prin­zip auch bei den Frei­stel­lun­gen auf die Reprä­sen­tanz der Grup­pen Bedacht zu neh­men“ [3]. Am 2.02.1971 leg­te die SPD-Frak­ti­on in der Bür­ger­schaft einen Gesetz­ent­wurf vor [4], der eine nahe­zu gleich­lau­ten­de Staf­fel­re­ge­lung vor­sah (§ 46 Abs. 3); eine Ent­wurfs­be­grün­dung wur­de nicht vor­ge­legt. Bei­de Ent­wür­fe wur­den dem Bür­ger­schafts­aus­schuss für den öffent­li­chen Dienst über­wie­sen. Die­ser leg­te nach län­ge­ren Bera­tun­gen und vier öffent­li­chen Anhö­rungs­sit­zun­gen mit Bericht vom 03.11.1972 [5] ein neu erar­bei­te­ten Gesetz­ent­wurf [6] vor, der sodann von der Bür­ger­schaft ver­ab­schie­det wur­de und in Kraft trat [7]. Die vom Aus­schuss vor­ge­schla­ge­ne Frei­stel­lungs­re­ge­lung in § 51 des neu­en Ent­wurfs, die sich eng an die Vor­schlä­ge des CDU- und des SPD-Ent­wurfs anlehn­te, wur­de von der Bür­ger­schaft unver­än­dert in das neue Gesetz auf­ge­nom­men. Sie ist seit­dem wort­gleich geblie­ben; mit Bekannt­ma­chung vom 20.01.1976 [8] änder­te sich ihre Num­me­rie­rung in § 49 Abs.01. Der Bericht des Aus­schus­ses für den öffent­li­chen Dienst vom 03.11.1972 trifft zu der Rege­lung fol­gen­de Aus­sa­ge: „Der Antrag der CDU-Mit­glie­der, für die Absät­ze 1 und 2 die ange­mes­se­ne Berück­sich­ti­gung aller im Per­so­nal­rat ver­tre­te­nen Grup­pen vor­zu­schla­gen, hat kei­ne Mehr­heit gefun­den“. Auf die Auf­nah­me eines grup­pen­be­zo­ge­nen Aus­wahl­kri­te­ri­ums in die Frei­stel­lungs­re­ge­lung hat der Aus­schuss dem­nach mit Bedacht ver­zich­tet.

Aus­weis­lich sei­nes Berichts vom 03.11.1972 wur­den in die Bera­tun­gen des Aus­schus­ses für den öffent­li­chen Dienst neben den Ent­wür­fen der CDU- und der SPD-Frak­ti­on und zahl­rei­chen Stel­lung­nah­men von drit­ter Sei­te auch das neu ver­ab­schie­de­te Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz sowie der durch die Bun­des­re­gie­rung vor­ge­leg­te Ent­wurf eines Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes ein­be­zo­gen, der mit BT-Drucks VI/​3721 ein­schließ­lich der hier­zu beschlos­se­nen Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats [9] unter dem 15.08.1972 dem Bun­des­tag zuge­lei­tet wor­den war. Wäh­rend der Regie­rungs­ent­wurf des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes für die Frei­stel­lungs­ent­schei­dung ent­spre­chend § 38 Abs. 2 Satz 2 BetrVG i.d.F. vom 15.01.1972 die ange­mes­se­ne Berück­sich­ti­gung der Grup­pen vor­sah (§ 45 Abs. 3 Satz 2; a.a.O., S. 10), schlug der Bun­des­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me eine Rege­lung vor [10], wonach der Per­so­nal­rat „zunächst die nach § 31 Abs. 2 gewähl­ten Vor­stands­mit­glie­der“ – mit­hin den Vor­sit­zen­den und sei­ne Stell­ver­tre­ter – „zu berück­sich­ti­gen (hat)“. Da dem Aus­schuss für den öffent­li­chen Dienst die­ser Vor­schlag vor­lag, muss ange­nom­men wer­den, dass er auch auf die Auf­nah­me eines vor­stands­be­zo­ge­nen Aus­wahl­kri­te­ri­ums in § 51 Hmb­PersVG a.F. mit Bedacht ver­zich­tet hat.

Zum Zeit­punkt der Geset­zes­be­ra­tun­gen in Ham­burg exis­tier­te zu der dama­li­gen bun­des­recht­li­chen Frei­stel­lungs­re­ge­lung in § 42 Abs. 3 PersVG – die gleich­falls im Wort­laut kei­ne Aus­wahl­kri­te­ri­en ent­hielt – eine gefes­tig­te Recht­spre­chung, der­zu­fol­ge im Grund­satz die Mit­glie­der des Vor­stands des Per­so­nal­rats und unter die­sen die von den Grup­pen gewähl­ten Ver­tre­ter vor­ran­gig zu berück­sich­ti­gen waren [11]. Offen­sicht­lich mit Blick auf die­se Recht­spre­chung wur­de in die Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes die Aus­sa­ge auf­ge­nom­men, die Vor­ga­be einer ange­mes­se­nen Berück­sich­ti­gung der Grup­pen im Rah­men der Frei­stel­lung in § 45 Abs. 3 Satz 2 des Ent­wurfs „dient der Klar­stel­lung“ [12]. Es ist nicht ersicht­lich, dass auch der ham­bur­gi­sche Gesetz­ge­ber sich mit der Ver­ab­schie­dung von § 51 Hmb­PersVG a.F. die­ser Recht­spre­chung inhalt­lich anschlie­ßen woll­te und auf ihre Rezep­ti­on im Text der Vor­schrift ledig­lich aus redak­tio­nel­len Grün­den ver­zich­tet hät­te. Wäre es so gewe­sen, hät­te es – zumal nach der Ableh­nung des zumin­dest teil­wei­se auf Linie die­ser Recht­spre­chung lie­gen­den Antrags der CDU-Frak­ti­on im Aus­schuss – nahe gele­gen und übli­cher par­la­men­ta­ri­scher Pra­xis ent­spro­chen, eine ent­spre­chen­de Erläu­te­rung in den Bericht des Aus­schus­ses oder in die Ein­zel­be­grün­dung zu § 51 des Aus­schuss­ent­wurfs [13] auf­zu­neh­men, die bei­de sehr aus­führ­lich gehal­ten sind. Dies ist indes nicht gesche­hen.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Geset­zes führt somit zu der Schluss­fol­ge­rung, dass der ham­bur­gi­sche Gesetz­ge­ber den Per­so­nal­rat bei sei­nem Frei­stel­lungs­be­schluss nicht strikt an bestimm­te Aus­wahl­kri­te­ri­en oder an die Maß­ga­ben der zu § 42 Abs. 3 PersVG ergan­ge­nen Recht­spre­chung und die die­ser zugrun­de­lie­gen­den Erwä­gun­gen bin­den woll­te.

Sinn und Zweck des § 49 Abs. 1 Hmb­PersVG gebie­ten, dass maß­geb­li­ches Kri­te­ri­um für die Aus­wahl der frei­zu­stel­len­den Per­so­nal­rats­mit­glie­der die ord­nungs­ge­mä­ße Auf­ga­ben­er­le­di­gung durch den Per­so­nal­rat ist.

Die Frei­stel­lung von Mit­glie­dern des Per­so­nal­rats dient dazu, dass die außer­halb von Sit­zun­gen des Per­so­nal­rats anfal­len­den Geschäf­te ord­nungs­ge­mäß und sach­ge­mäß wahr­ge­nom­men wer­den und dadurch eine wirk­sa­me Erfül­lung der dem Per­so­nal­rat zuste­hen­den Auf­ga­ben und Befug­nis­se sicher­ge­stellt wird. Bei die­sem Arbeits­an­fall han­delt es sich um die lau­fen­den Geschäf­te, die sich auf die Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung der vom Per­so­nal­rat zu fas­sen­den oder gefass­ten Beschlüs­se bezie­hen. In die­sem Rah­men sind die not­wen­di­gen Ver­hand­lun­gen zu füh­ren und die für die Beschluss­fas­sung erfor­der­li­chen Ermitt­lun­gen vor­zu­neh­men sowie not­wen­di­ge Unter­la­gen bei­zu­zie­hen [14]. Hin­zu tre­ten wei­te­re Auf­ga­ben, die kei­nen oder allen­falls einen mit­tel­ba­ren Bezug zur Vor­be­rei­tung oder Durch­füh­rung von Per­so­nal­rats­be­schlüs­sen auf­wei­sen, wie bei­spiels­wei­se die Abhal­tung von Sprech­stun­den für die Beschäf­tig­ten (§ 45 Hmb­PersVG), die Bear­bei­tung von Ein­ga­ben und Anfra­gen (§ 78 Abs. 1 Nr. 4 Hmb­PersVG) sowie die Vor­be­rei­tung von Initia­ti­ven des Per­so­nal­rats gegen­über der Dienst­stel­len­lei­tung (§ 78 Abs. 1 Nr. 2 Hmb­PersVG).

Der Per­so­nal­rat muss im kon­kre­ten Ein­zel­fall bei sei­ner Beschluss­fas­sung nach § 49 Abs. 1 Hmb­PersVG die­sem Auf­ga­ben­be­zug der Frei­stel­lung gerecht wer­den. Zu Recht hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, inso­weit sei das Ermes­sen des Per­so­nal­rats gebun­den, bis hin zu der Mög­lich­keit, dass es sich im Lich­te der im Ein­zel­fall vor­lie­gen­den Auf­ga­ben­ver­tei­lung auf die Aus­wahl einer bestimm­ten Per­son ver­dich­te. Einer sol­cher­ma­ßen ange­leg­ten Ermes­sens­bin­dung steht der oben dar­ge­stell­te ent­ste­hungs­ge­schicht­li­che Befund nicht ent­ge­gen. Mit der Staf­fe­lung der Zahl der frei­zu­stel­len­den Mit­glie­der nach der Beschäf­tig­ten­zahl hat der Gesetz­ge­ber selbst einen direk­ten Bezug zwi­schen Frei­stel­lung und Auf­ga­ben­um­fang her­ge­stellt. Mit dem erkenn­ba­ren Anlie­gen des Gesetz­ge­bers, die Vor­aus­set­zun­gen für eine effi­zi­en­te Per­so­nal­rats­ar­beit zu schaf­fen, wäre nicht in Ein­klang brin­gen, dass der Per­so­nal­rat bei sei­nen Frei­stel­lungs­be­schlüs­sen von der tat­säch­li­chen Auf­ga­ben­ver­tei­lung unter sei­nen Mit­glie­dern abse­hen dürf­te.

Danach wird es meist gebo­ten sein, die Vor­stands­mit­glie­der frei­zu­stel­len, die gemäß § 33 Abs. 1 Hmb­PersVG die lau­fen­den Geschäf­te des Per­so­nal­rats füh­ren, sofern die Befug­nis hier­zu nicht durch ein­stim­mi­gen Beschluss auf den Vor­sit­zen­den über­tra­gen wor­den ist. Ein unbe­ding­tes Erfor­der­nis ist dies aller­dings nicht. Es sind durch­aus Kon­stel­la­tio­nen vor­stell­bar, in denen Vor­stands­mit­glie­dern die Teil­ha­be an der lau­fen­den Geschäfts­füh­rung auch ohne Frei­stel­lung mög­lich ist, zugleich der Per­so­nal­rat bei Ver­ab­schie­dung sei­ner Geschäfts­ord­nung (§ 44 Hmb­PersVG) aber ande­ren sei­ner Mit­glie­der Auf­ga­ben zuge­wie­sen hat, die sich ohne Frei­stel­lung nicht sach­ge­recht bewäl­ti­gen las­sen. Die Geschäfts­ord­nung kann, solan­ge hier­durch kei­ne Behin­de­rung oder Aus­schal­tung des Vor­stands ein­tritt, bestimm­te Auf­ga­ben auch nicht dem Vor­stand ange­hö­ri­gen Per­so­nal­rats­mit­glie­dern zuwei­sen [15]; Fischer/​Goeres/​Gronimus in: GKÖD, Bd. V, Stand 2011, K § 42 Rn. 25)), bei­spiels­wei­se die Abhal­tung von Sprech­stun­den für die Beschäf­tig­ten [16]. Zur vor­be­rei­ten­den Bear­bei­tung bestimm­ter Teil­auf­ga­ben kann der Per­so­nal­rat ein­zel­ne sei­ner Mit­glie­der – auch sol­che, die dem Vor­stand nicht ange­hö­ren – als Beauf­trag­te ein­set­zen oder hier­zu Aus­schüs­se ein­set­zen [17]. An der Fest­le­gung der Zahl frei­zu­stel­len­der Mit­glie­der in § 49 Abs. 1 Hmb­PersVG, die bei grö­ße­ren Dienst­stel­len die durch § 32 Hmb­PersVG vor­ge­ge­be­ne Zahl der Vor­stands­mit­glie­der über­steigt, zeigt sich, dass der Gesetz­ge­ber prin­zi­pi­ell von der Mög­lich­keit aus­ge­gan­gen ist, dass auch für nicht dem Vor­stand ange­hö­ren­de Per­so­nal­rats­mit­glie­der ein Auf­ga­ben­um­fang exis­tie­ren kann, der eine Frei­stel­lung recht­fer­tigt. Ob die Auf­ga­ben­ver­tei­lung inner­halb des Per­so­nal­rats es zulässt, einem nicht dem Vor­stand ange­hö­ren­den Per­so­nal­rats­mit­glied bei der Frei­stel­lung den Vor­zug vor einem Vor­stands­mit­glied ein­zu­räu­men, ist nach den kon­kre­ten Umstän­den im Ein­zel­fall zu beur­tei­len.

Im Übri­gen hat­te schon die zu § 42 Abs. 3 PersVG ergan­ge­ne Recht­spre­chung aner­kannt, dass aus stich­hal­ti­gen Grün­den, die im Bereich sach­li­cher und beach­tens­wer­ter Erwä­gun­gen lie­gen, von der vor­ran­gi­gen Berück­sich­ti­gung von Vor­stands­mit­glie­dern abge­wi­chen wer­den darf [18]. Sol­che Grün­de kön­nen sich aus ande­ren Umstän­den als der Auf­ga­ben­ver­tei­lung inner­halb des Per­so­nal­rats erge­ben, wie bei­spiels­wei­se der beson­de­ren Sach­kun­de oder dem beson­de­ren Ver­hand­lungs­ge­schick einer in Rede ste­hen­den Per­son [19]. Es bestehen kei­ne Beden­ken, im hier inter­es­sie­ren­den Zusam­men­hang auf die­se Recht­spre­chung zurück­zu­grei­fen, wobei die oben dar­ge­stell­ten ent­ste­hungs­ge­schicht­li­chen Bege­ben­hei­ten dafür spre­chen, den Frei­raum des Per­so­nal­rats bei Annah­me sol­cher Grün­de ten­den­zi­ell sogar noch groß­zü­gi­ger zu bemes­sen.

Dar­über hin­aus darf die Aus­wahl­ent­schei­dung des Per­so­nal­rats nicht von sach­wid­ri­gen Erwä­gun­gen, wie bei­spiels­wei­se der Gewerk­schafts­zu­ge­hö­rig­keit der betrof­fe­nen Per­so­nen, bestimmt sein [20].

Ein Vor­rang von Mit­glie­dern des Vor­stands bei Frei­stel­lungs­be­schlüs­sen nach § 49 Abs. 1 Hmb­PersVG ergibt sich schließ­lich auch nicht unter dem Gesichts­punkt des Grup­pen­prin­zips. Der Per­so­nal­rat unter­liegt kei­ner über das oben auf­ge­zeig­te Maß hin­aus­ge­hen­den Beschrän­kung sei­nes Aus­wahler­mes­sens dahin­ge­hend, dass die Frei­stel­lung von nicht dem Vor­stand ange­hö­ren­den Mit­glie­dern unzu­läs­sig wäre, sofern hier­durch – mit Blick auf die zah­len­mä­ßi­ge Beschrän­kung der Frei­stel­lungs­mög­lich­kei­ten (§ 49 Abs. 1 Hmb­PersVG) – Grup­pen­spre­cher i.S.v. § 32 Abs. 2 Hmb­PersVG unbe­rück­sich­tigt blei­ben wür­den. Dies folgt aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Geset­zes, aus der – wie dar­ge­legt – her­vor­tritt, dass der Gesetz­ge­ber sich bewusst gegen die Auf­nah­me eines grup­pen­be­zo­ge­nen Aus­wahl­kri­te­ri­ums in § 49 Abs. 1 Hmb­PersVG ent­schie­den hat. Die­se Ent­schei­dung hat der Gesetz­ge­ber im Rah­men der zahl­rei­chen seit­dem vor­ge­nom­me­nen Novel­lie­run­gen des Geset­zes nicht revi­diert. Sie darf, wie das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zu Recht ange­nom­men hat, nicht unter Beru­fung auf Sinn und Zweck des Grup­pen­prin­zips über­spielt wer­den. Zwar ist das Ham­bur­gi­sche Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz wie ande­re Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­ze durch das Grup­pen­prin­zip maß­geb­lich geprägt, so außer in § 32 Abs. 2 (Grup­pen­spre­cher als gebo­re­ne Vor­stands­mit­glie­der) ins­be­son­de­re in § 39 Abs. 2 (Beschluss­fas­sung in Grup­pen­an­ge­le­gen­hei­ten bei mehr­heit­li­chem Antrag der Grup­pen­mit­glie­der nur durch die­se), in § 33 Abs. 2 (Ver­tre­tung in Grup­pen­an­ge­le­gen­hei­ten nur mit Grup­pen­spre­cher), in § 32 Abs. 3 Satz 3 (Vor­sit­zen­der und Stell­ver­tre­ter müs­sen ver­schie­de­nen Grup­pen ange­hö­ren) sowie im Hin­blick auf die Ein­be­ru­fung von Sit­zun­gen und die Teil­nah­me an die­sen in § 34 Abs. 3 Nr. 3 und in § 35 Abs. 3 Nr. 1, fer­ner noch in § 40 Abs. 1 (Aus­set­zung von Beschlüs­sen auf mehr­heit­li­chen Antrag der Grup­pen­ver­tre­ter). Die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der grup­pen­be­zo­ge­nen Inter­es­sens­ver­tre­tung wird durch ein Über­ge­hen des Grup­pen­spre­chers im Rah­men von Frei­stel­lungs­be­schlüs­sen durch­aus auch ein Stück gemin­dert, da die­sem weni­ger Zeit zur Ver­fü­gung steht, um die Wil­lens­bil­dung in Grup­pen­an­ge­le­gen­hei­ten vor­an­zu­trei­ben [21]. Sie wird aber nicht so weit her­ab­ge­setzt, dass der Ver­zicht auf ein grup­pen­be­zo­ge­nes Aus­wahl­kri­te­ri­um in unauf­lös­ba­rem Wider­spruch zu den vor­ge­nann­ten Vor­schrif­ten und dem ihnen zugrun­de­lie­gen­den Rege­lungs­kal­kül stün­de. Die in die­sen Vor­schrif­ten fest­ge­schrie­be­nen Befug­nis­se blei­ben unbe­rührt. Dem Grup­pen­spre­cher ver­bleibt die Mög­lich­keit, Dienst­be­frei­un­gen zu erwir­ken, soweit es zur Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben not­wen­dig ist (§ 48 Abs. 2 Hmb­PersVG). Der ham­bur­gi­sche Gesetz­ge­ber konn­te daher davon aus­ge­hen, mit dem Ver­zicht auf ein grup­pen­be­zo­ge­nes Aus­wahl­kri­te­ri­um die Posi­ti­on der Per­so­nal­rats­mehr­heit gra­du­ell gestärkt zu haben, ohne hier­mit zugleich das Grup­pen­prin­zip fak­tisch aus­zu­höh­len. Dass letz­te­res nicht die zwangs­läu­fi­ge Kon­se­quenz des Über­ge­hens eines Grup­pen­spre­chers im Rah­men von Frei­stel­lungs­be­schlüs­sen sein muss, hat­te im Übri­gen bereits die zu § 42 Abs. 3 PersVG ergan­ge­ne Recht­spre­chung aner­kannt, indem sie ein sol­ches Über­ge­hen bei Vor­lie­gen stich­hal­ti­ger Grün­de für zuläs­sig gehal­ten hat [11]. Im Übri­gen wird die oben dar­ge­stell­te Bin­dung des Frei­stel­lungs­er­mes­sens an das Kri­te­ri­um der ord­nungs­ge­mä­ßen Auf­ga­ben­er­le­di­gung durch den Per­so­nal­rat in der Pra­xis regel­mä­ßig zur Fol­ge haben, dass die Grup­pen­spre­cher im Rah­men der Frei­stel­lung berück­sich­tigt wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Febru­ar 2012 – 6 PB 19.11

  1. vom 18.10.1957, GVBl S. 473[]
  2. BüD­rs. VII/​94[]
  3. Anl. zu BüD­rs. VII/​94, S. 3[]
  4. BüD­rs. VII/​910[]
  5. BüD­rs. VII/​2366[]
  6. Anl. 1 zu BüD­rs. VII/​2366[]
  7. GVBl S. 211[]
  8. GVBl S. 15[]
  9. Anl. 2 zu BT-Drucks VI/​3721[]
  10. a.a.O., S. 39[]
  11. BVerwG, Beschlüs­se vom 10.10.1957 – II CO 1.57, BVerw­GE 5, 263, 266 f., Buch­holz 238.3 § 42 PersVG Nr. 1, S. 1 f.; vom 22.03.1963 – VII P 8.62, Buch­holz 238.3 § 42 PersVG, Nr. 2, S. 3, 5 f.; sowie vom 17.01.1969 – VII P 6.67, BVerw­GE 31, 192, 194 ff., Buch­holz 238.3 § 42 PersVG Nr. 4, S. 2 ff.[][]
  12. BT-Drucks VI/​3721, S. 30[]
  13. Anla­ge 2 zu BüD­rs. VII/​2366, S. 7 f.[]
  14. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 26.10.1977 – VII P 21.75, Buch­holz 238.32 § 43 Bln­PersVG Nr. 1, S. 5; vom 12.01.2009 – 6 PB 24.08, Buch­holz 251.7 § 42 NWPersVG Nr. 6, S. 4[]
  15. vgl. Beschluss vom 10.10.1957 – II CO 1.57, BVerw­GE 5, 263, 266, inso­weit nicht abge­druckt in Buch­holz 238.3 § 42 PersVG Nr. 1; BAG, Urteil vom 19.09.1985 – 6 AZR 476/​83BAGE 49, 378, 388[]
  16. Fischer/​Goeres/​Gronimus, a.a.O., K § 32 Rn. 32, K § 43 Rn. 15[]
  17. vgl. Kröll, in: Altvater/​Baden/​Kröll/​Lemcke/​Peiseler, BPersVG, 7. Aufl.2011, § 32 Rn. 18[]
  18. vgl. Beschlüs­se vom 10.10.1957 – II CO 1.57, BVerw­GE 5, 263, 266 f., Buch­holz 238.3 § 42 PersVG Nr. 1, S. 1 f.; vom 22.03.1963 – VII P 8.62, Buch­holz 238.3 § 42 PersVG, Nr. 2, S. 3, 5 f.; sowie vom 17.01.1969 – VII P 6.67, BVerw­GE 31, 192, 194 ff., Buch­holz 238.3 § 42 PersVG Nr. 4, S. 2 ff.[]
  19. vgl. Beschluss vom 02.05.1984 – 6 P 30.83, Buch­holz 238.3A § 46 BPersVG Nr. 14, S. 5, 7[]
  20. vgl. Beschluss vom 02.05.1984 – 6 P 30.83, Buch­holz 238.3A § 46 BPersVG Nr. 14, S. 5, 9[]
  21. vgl. BVerwG, Beschluss vom 12.01.2009 – 6 PB 24.08, Buch­holz 251.7 § 42 NWPersVG Nr. 6, S. 4[]