Bas­ken­müt­ze statt Kopf­tuch

Über das Kopf­tuch­ver­bot für Beam­tin­nen, ins­be­son­de­re für Leh­re­rin­nen, ist in den letz­ten Jah­ren viel dis­ku­tiert wor­den. Über eine net­te Idee, die­ses Kopf­tuch­ver­bot zu umge­hen, hat­te jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln zu ent­schei­den:

Bas­ken­müt­ze statt Kopf­tuch

Nach dem 2006 geän­der­ten nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­ge­setz dür­fen Lehr­kräf­te in der Schu­le kei­ne reli­giö­sen Bekun­dun­gen abge­ben, „die geeig­net sind, die Neu­tra­li­tät des Lan­des gegen­über Schü­le­rin­nen und Schü­lern sowie Eltern oder den Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stö­ren“. Die kla­gen­de Leh­re­rin, eine 33jährige deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge mus­li­mi­schen Glau­bens, die vor dem Inkraft­tre­ten die­ser Geset­zes­än­de­rung im Unter­richt stets ein Kopf­tuch getra­gen hat­te, erschien seit­her zum täg­li­chen Unter­richt mit einer das gesam­te Haupt­haar bede­cken­den fran­zö­si­schen Bas­ken­müt­ze. Sie trug vor, die­se Art der Kopf­be­de­ckung zwar aus reli­giö­sen Grün­den zu tra­gen; sie wer­de in der Öffent­lich­keit aber als modi­sches Acces­soire und nicht als Aus­druck einer reli­giö­sen Über­zeu­gung wahr­ge­nom­men.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln folg­te die­ser Argu­men­ta­ti­on nicht. Auch durch das Tra­gen der Bas­ken­müt­ze aus reli­giö­sen Moti­ven gebe die Klä­ge­rin ein­deu­tig zu ver­ste­hen, dass sie sich zum Islam beken­ne und sich gehal­ten sehe, des­sen Beklei­dungs­vor­schrif­ten zu beach­ten. Dies wer­de von Schü­lern und Eltern auch so wahr­ge­nom­men, weil die Leh­re­rin das Kopf­tuch naht- und über­gangs­los durch die Müt­ze ersetzt habe und sie die­se stän­dig und aus­nahms­los tra­ge. Eine Bas­ken­müt­ze als „Sur­ro­gat“ für ein Kopf­tuch sei eben­so wie die­ses ein reli­giö­ses Sym­bol, das geeig­net sei, den Schul­frie­den zu beein­träch­ti­gen.

Eine unzu­läs­si­ge Benach­tei­li­gung gegen­über Ange­hö­ri­gen ande­rer Glau­bens­rich­tun­gen lie­ge nicht vor, denn auch das Non­nen­ha­bit oder die Kip­pa wür­den von dem Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen in öffent­li­chen Schu­len erfasst.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, das VG hat die Beru­fung zum Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter zuge­las­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 22. Okto­ber 2008 – 3 K 2630/​07