Beam­te, beam­te­te Leh­rer – und das Streik­ver­bot

Das Streik­ver­bot für Beam­tin­nen und Beam­te ist als eigen­stän­di­ger her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten. Es steht auch mit dem Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes im Ein­klang und ist ins­be­son­de­re mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­ein­bar.

Beam­te, beam­te­te Leh­rer – und das Streik­ver­bot

Mit die­ser Begrün­dung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vier gegen das Streik­ver­bot für Beam­te gerich­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­den von beam­te­ten Leh­rern, die wäh­rend der Dienst­zeit an Streik­maß­nah­men teil­ge­nom­men hat­ten und des­we­gen dis­zi­pli­na­risch belangt wor­den waren, zurück­ge­wie­sen:

Der per­sön­li­che Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG umfasst auch Beam­te 1. Das Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit ist zwar vor­be­halt­los gewähr­leis­tet. Es kann aber durch kol­li­die­ren­de Grund­rech­te Drit­ter und ande­re mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­te Rech­te begrenzt wer­den.

Das Streik­ver­bot für Beam­te stellt einen eigen­stän­di­gen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG dar. Es erfüllt die für eine Qua­li­fi­ka­ti­on als her­ge­brach­ter Grund­satz not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen der Tra­di­tio­na­li­tät und Sub­stan­zia­li­tät.

Das Streik­ver­bot für Beam­te ist als her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten. Es weist eine enge Ver­bin­dung auf mit dem beam­ten­recht­li­chen Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, der Treue­pflicht, dem Lebens­zeit­prin­zip sowie dem Grund­satz der Rege­lung des beam­ten­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses ein­schließ­lich der Besol­dung durch den Gesetz­ge­ber.

Die Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes sind völ­ker­rechts­freund­lich aus­zu­le­gen. Der Text der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te die­nen auf der Ebe­ne des Ver­fas­sungs­rechts als Aus­le­gungs­hil­fen für die Bestim­mung von Inhalt und Reich­wei­te von Grund­rech­ten und rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen des Grund­ge­set­zes 2.

Wäh­rend sich die Ver­trags­par­tei­en durch Art. 46 EMRK ver­pflich­tet haben, in allen Rechts­sa­chen, in denen sie Par­tei sind, das end­gül­ti­ge Urteil des Gerichts­hofs zu befol­gen 3, sind bei der Ori­en­tie­rung an der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te jen­seits des Anwen­dungs­be­rei­ches des Art. 46 EMRK die kon­kre­ten Umstän­de des Fal­les im Sin­ne einer Kon­tex­tua­li­sie­rung in beson­de­rem Maße in den Blick zu neh­men. Die Ver­trags­staa­ten haben zudem Aus­sa­gen zu Grund­wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on zu iden­ti­fi­zie­ren und sich hier­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die Leit- und Ori­en­tie­rungs­wir­kung ist dann beson­ders inten­siv, wenn Par­al­lel­fäl­le im Gel­tungs­be­reich der­sel­ben Rechts­ord­nung in Rede ste­hen, mit­hin (ande­re) Ver­fah­ren in dem von der Aus­gangs­ent­schei­dung des Gerichts­hofs betrof­fe­nen Ver­trags­staat betrof­fen sind.

Die Gren­zen einer völ­ker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung erge­ben sich aus dem Grund­ge­setz. Die Mög­lich­kei­ten einer kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung enden dort, wo die­se nach den aner­kann­ten Metho­den der Geset­zes­aus­le­gung und Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on nicht mehr ver­tret­bar erscheint 4. Im Übri­gen ist auch im Rah­men der kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te mög­lichst scho­nend in das vor­han­de­ne, dog­ma­tisch aus­dif­fe­ren­zier­te natio­na­le Rechts­sys­tem ein­zu­pas­sen.

Das Streik­ver­bot für Beam­tin­nen und Beam­te in Deutsch­land steht mit dem Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes im Ein­klang und ist ins­be­son­de­re mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­ein­bar. Auch unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te lässt sich eine Kol­li­si­ons­la­ge zwi­schen dem deut­schen Recht und Art. 11 EMRK nicht fest­stel­len.

Die Aus­gangs­sach­ver­hal­te[↑]

Die vier beschwer­de­füh­ren­den Leh­rer sind oder waren als beam­te­te Lehr­kräf­te an Schu­len in drei ver­schie­de­nen Bun­des­län­dern tätig. Sie nah­men in der Ver­gan­gen­heit wäh­rend der Dienst­zeit an Pro­test­ver­an­stal­tun­gen bezie­hungs­wei­se Streik­maß­nah­men einer Gewerk­schaft teil. Die­se Teil­nah­me wur­de durch die zustän­di­gen Dis­zi­pli­nar­be­hör­den geahn­det. Zur Begrün­dung wur­de aus­ge­führt, die Streik­teil­nah­me stel­le einen Ver­stoß gegen grund­le­gen­de beam­ten­recht­li­che Pflich­ten dar. Ins­be­son­de­re dür­fe ein Beam­ter nicht ohne Geneh­mi­gung dem Dienst fern­blei­ben. In den fach­ge­richt­li­chen Aus­gangs­ver­fah­ren wand­ten sich die Beschwer­de­füh­re­rin­nen sowie der Beschwer­de­füh­rer letzt­lich erfolg­los gegen die jeweils ergan­ge­nen Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gun­gen.

Das Streik­ver­bot als Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums[↑]

Im Text des Grund­ge­set­zes ist weder ein Streik­recht noch ein Streik­ver­bot für Beam­te aus­drück­lich gere­gelt. Art. 9 Abs. 3 Satz 1 GG gewähr­leis­tet für jeder­mann und für alle Beru­fe das Recht, zur Wah­rung und För­de­rung der Arbeits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen Ver­ei­ni­gun­gen zu bil­den. Nach Art. 33 Abs. 5 GG ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu regeln und fort­zu­ent­wi­ckeln.

Die Tex­te der Lan­des­ver­fas­sun­gen von Ber­lin, Bran­den­burg, Bre­men, Hes­sen, Rhein­land-Pfalz, des Saar­lands sowie Thü­rin­gens gewähr­leis­ten ein all­ge­mei­nes Streik­recht; ledig­lich die Ver­fas­sung des Saar­lan­des vom 15.12 1947 5 ent­hält in Art. 115 Abs. 5 ein aus­drück­li­ches Streik­ver­bot für Beam­te. Die Vor­schrift lau­tet:"Die Stel­lung des Beam­ten zum Staat schließt das Streik­recht aus."

Auf der Ebe­ne des Völ­ker­rechts befass­te sich der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit wie­der­holt mit, Art. 11 der Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on [EMRK]) in ihrer Aus­prä­gung als Gewähr­leis­tung der Koali­ti­ons­frei­heit.

Der Rechts­sa­che Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei 6 lag eine Indi­vi­du­al­be­schwer­de zugrun­de, die die Fra­ge der Wirk­sam­keit eines Kol­lek­tiv­ver­tra­ges betraf, der zwi­schen der tür­ki­schen Gewerk­schaft Tüm Bel Sen und der tür­ki­schen Gemein­de Gazi­antep geschlos­sen wor­den war. Die Gro­ße Kam­mer des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te setz­te sich in ihrem Urteil unter ande­rem mit der Fra­ge aus­ein­an­der, ob Art. 11 Abs. 1 EMRK ein "Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen" gewähr­leis­te.

In dem der Rechts­sa­che Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei 7 zugrun­de lie­gen­den Aus­gangs­ver­fah­ren wand­te sich eine tür­ki­sche Gewerk­schaft gegen einen minis­te­ri­el­len Rund­erlass, der die Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Sek­tors auf das Ver­bot einer Streik­teil­nah­me hin­wies. In sei­ner Ent­schei­dung beton­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te, dass Art. 11 Abs. 1 EMRK grund­sätz­lich ein Streik­recht garan­tie­re.

Ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fungs­maß­stä­be für das Streik­ver­bot[↑]

Die ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­be zur Beur­tei­lung der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen erge­ben sich ins­be­son­de­re aus der von Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Koali­ti­ons­frei­heit, den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG sowie aus dem Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes.

Koali­ti­ons­frei­heit, Art. 9 Abs. 3 GG[↑]

Das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG ist für jeder­mann und für alle Beru­fe gewähr­leis­tet und umfasst auch die Koali­ti­on als sol­che und ihr Recht, durch spe­zi­fisch koali­ti­ons­ge­mä­ße Betä­ti­gung die in Art. 9 Abs. 3 GG genann­ten Zwe­cke zu ver­fol­gen, näm­lich die Arbeits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu wah­ren und zu för­dern 8. Die Koali­ti­ons­frei­heit schützt alle Men­schen in ihrer Eigen­schaft als Berufs­an­ge­hö­ri­ge (Arbeit­neh­mer oder Arbeit­ge­ber) und ent­hält kei­nen Aus­schluss für bestimm­te beruf­li­che Berei­che. Damit wer­den neben Ange­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes auch Beam­te vom per­sön­li­chen Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG umfasst 1.

Der sach­li­che Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG umfasst das Recht auf koali­ti­ons­ge­mä­ße Betä­ti­gung ein­schließ­lich des Streik­rechts.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG in ers­ter Linie ein Frei­heits­recht auf spe­zi­fisch koali­ti­ons­ge­mä­ße Betä­ti­gung 9, das den Ein­zel­nen die Frei­heit gewähr­leis­tet, Ver­ei­ni­gun­gen zur För­de­rung der Arbeits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu bil­den und die­sen Zweck gemein­sam zu ver­fol­gen. Soweit das Recht der Koali­tio­nen selbst betrof­fen ist, die von Art. 9 Abs. 3 GG genann­ten Zwe­cke zu ver­fol­gen, ent­schei­den sie im Rah­men ihrer Inter­es­sen­wahr­neh­mung selbst über die ein­zu­set­zen­den Mit­tel 10. Der Schutz der Koali­ti­ons­frei­heit ist dabei nach mitt­ler­wei­le stän­di­ger Recht­spre­chung nicht etwa von vorn­her­ein auf den Bereich des Uner­läss­li­chen beschränkt 11, son­dern erstreckt sich über den Kern­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG hin­aus auf alle koali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen 12.

Soweit die Ver­fol­gung der von Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­ten Zwe­cke von dem Ein­satz bestimm­ter Mit­tel abhängt, wer­den auch die­se vom Schutz des Grund­rechts umfasst 13. Zu den geschütz­ten Mit­teln zäh­len etwa Arbeits­kampf­maß­nah­men, die auf den Abschluss von Tarif­ver­trä­gen gerich­tet sind. Sie unter­fal­len jeden­falls inso­weit der Koali­ti­ons­frei­heit, als sie all­ge­mein erfor­der­lich sind, um eine funk­tio­nie­ren­de Tarif­au­to­no­mie sicher­zu­stel­len 14. Hier­für spricht auch Art. 9 Abs. 3 Satz 3 GG 15.

Her­ge­brach­te Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums, Art. 33 Abs. 5 GG[↑]

Das Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit ist zwar vor­be­halt­los gewähr­leis­tet 16. Damit ist aber nicht jede Ein­schrän­kung von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Auch vor­be­halt­los gewähr­leis­te­te Grund­rech­te kön­nen durch kol­li­die­ren­de Grund­rech­te Drit­ter und ande­re mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­te Rech­te begrenzt wer­den 17. Als eine der­ar­ti­ge Schran­ke mit Ver­fas­sungs­rang kom­men die in Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums in Betracht 18.

Abs. 5 GG ist unmit­tel­bar gel­ten­des Recht und ent­hält einen Rege­lungs­auf­trag an den Gesetz­ge­ber sowie eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums 19. Mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG ist der Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en gemeint, die all­ge­mein oder doch ganz über­wie­gend wäh­rend eines län­ge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, ins­be­son­de­re unter der Reichs­ver­fas­sung von Wei­mar, als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den sind 20. Die Ent­wick­lung des Berufs­be­am­ten­tums ist his­to­risch eng mit der­je­ni­gen des Rechts­staats ver­knüpft: War der Beam­te ursprüng­lich allein dem Regen­ten ver­pflich­tet, wan­del­te er sich mit dem ver­än­der­ten Staats­ver­ständ­nis vom Fürs­ten- zum Staats­die­ner. Sei­ne Auf­ga­be war und ist es, Ver­fas­sung und Gesetz im Inter­es­se des Bür­gers auch und gera­de gegen die Staats­spit­ze zu behaup­ten. Das Berufs­be­am­ten­tum als Insti­tu­ti­on grün­det auf Sach­wis­sen, fach­li­cher Leis­tung und loya­ler Pflicht­er­fül­lung. Es soll eine sta­bi­le Ver­wal­tung sichern und damit einen aus­glei­chen­den Fak­tor gegen­über den das Staats­we­sen gestal­ten­den poli­ti­schen Kräf­ten bil­den 21.

Bezugs­punkt des auf alle Beam­tin­nen und Beam­ten anwend­ba­ren Art. 33 Abs. 5 GG ist nicht das gewach­se­ne Beam­ten­recht, son­dern das Berufs­be­am­ten­tum 22. In ihrem Bestand geschützt sind daher nur die­je­ni­gen Rege­lun­gen, die das Bild des Berufs­be­am­ten­tums in sei­ner über­kom­me­nen Gestalt maß­geb­lich prä­gen, sodass ihre Besei­ti­gung das Berufs­be­am­ten­tum als sol­ches antas­ten wür­de 23. Die­ses Erfor­der­nis der Sub­stan­zia­li­tät ergibt sich bereits aus dem Wesen einer insti­tu­tio­nel­len Garan­tie, deren Sinn gera­de dar­in liegt, den Kern­be­stand der Struk­tur­prin­zi­pi­en, mit­hin die Grund­sät­ze, die nicht hin­weg­ge­dacht wer­den kön­nen, ohne dass damit zugleich die Ein­rich­tung selbst in ihrem Cha­rak­ter grund­le­gend ver­än­dert wür­de, dem gestal­ten­den Gesetz­ge­ber ver­bind­lich als Rah­men vor­zu­ge­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat dies mit der For­mu­lie­rung zum Aus­druck gebracht, dass Art. 33 Abs. 5 GG inso­weit nicht nur Berück­sich­ti­gung, son­dern auch Beach­tung ver­langt 24. Dem­ge­gen­über steht Art. 33 Abs. 5 GG einer Wei­ter­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts nicht ent­ge­gen, solan­ge eine struk­tu­rel­le Ver­än­de­rung an den für Erschei­nungs­bild und Funk­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums wesent­li­chen Rege­lun­gen nicht vor­ge­nom­men wird 25. In der Pflicht zur Berück­sich­ti­gung ist eine Ent­wick­lungs­of­fen­heit ange­legt, die den Gesetz­ge­ber in die Lage ver­setzt, die Aus­ge­stal­tung des Dienst­rechts den jewei­li­gen Ent­wick­lun­gen der Staat­lich­keit anzu­pas­sen und das Beam­ten­recht damit in die Zeit zu stel­len. Die Struk­tur­ent­schei­dung des Art. 33 Abs. 5 GG belässt aus­rei­chend Raum, die geschicht­lich gewach­se­ne Insti­tu­ti­on in den Rah­men unse­res heu­ti­gen Staats­le­bens ein­zu­fü­gen 26 und den Funk­tio­nen anzu­pas­sen, die das Grund­ge­setz dem öffent­li­chen Dienst in der frei­heit­li­chen, rechts- und sozi­al­staat­li­chen Demo­kra­tie zuschreibt 27.

Zu dem Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en, bei dem die Beach­tens­pflicht den Weg zu tief­grei­fen­den struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen durch den ein­fa­chen Gesetz­ge­ber ver­sperrt, gehö­ren unter ande­rem die Treue­pflicht der Beam­ten 28, das Lebens­zeit­prin­zip 29, das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip 30 und der damit kor­re­spon­die­ren­de Grund­satz, dass die Besol­dung der Beam­ten ein­sei­tig durch Gesetz zu regeln ist 31. Die­se prä­gen­den Struk­tur­merk­ma­le ste­hen dabei nicht unver­bun­den neben­ein­an­der, son­dern sind auf­ein­an­der bezo­gen 32.

Zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums sowie zum Kern der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie aus Art. 33 Abs. 5 GG zählt die Treue­pflicht des Beam­ten 33. Ihr kommt beson­de­re Bedeu­tung auch im moder­nen Ver­wal­tungs­staat zu, des­sen sach­ge­rech­te und effi­zi­en­te Auf­ga­ben­wahr­neh­mung auf eine intak­te, loya­le, pflicht­treue, dem Staat und sei­ner ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung inner­lich ver­bun­de­ne Beam­ten­schaft ange­wie­sen ist 34. Der Beam­te ist dem All­ge­mein­wohl und damit zur unei­gen­nüt­zi­gen Amts­füh­rung ver­pflich­tet und hat bei der Erfül­lung der ihm anver­trau­ten Auf­ga­ben sei­ne eige­nen Inter­es­sen zurück­zu­stel­len. Der Ein­satz wirt­schaft­li­cher Kampf- und Druck­mit­tel zur Durch­set­zung eige­ner Inter­es­sen, ins­be­son­de­re auch kol­lek­ti­ve Kampf­maß­nah­men im Sin­ne des Art. 9 Abs. 3 GG wie das Streik­recht, las­sen sich mit der Treue­pflicht des Beam­ten nicht ver­ein­ba­ren 35. Die Gewähr­leis­tung einer recht­lich und wirt­schaft­lich gesi­cher­ten Posi­ti­on soll ihn dabei in die Lage ver­set­zen, sei­ner Treue­pflicht zu genü­gen.

Das Lebens­zeit­prin­zip hat die Funk­ti­on, die Unab­hän­gig­keit des Beam­ten im Inter­es­se einer rechts­staat­li­chen Ver­wal­tung zu gewähr­leis­ten. Erst recht­li­che und wirt­schaft­li­che Sicher­heit bie­ten die Gewähr dafür, dass das Berufs­be­am­ten­tum zur Erfül­lung der ihm vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, bei­tra­gen kann 36. Dazu gehört auch und vor allem, dass der Beam­te nicht will­kür­lich oder nach frei­em Ermes­sen poli­ti­scher Gre­mi­en aus sei­nem Amt ent­fernt wer­den kann. Der mit dem Lebens­zeit­ver­hält­nis gewähr­ten Unent­zieh­bar­keit des sta­tus­recht­li­chen Amts kommt grund­le­gen­de Bedeu­tung zu, weil sie dem Beam­ten gera­de bei der Aus­übung des über­tra­ge­nen Amts die im Inter­es­se sei­ner Bin­dung an Gesetz und Recht erfor­der­li­che Unab­hän­gig­keit sichert 37.

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­pflich­tet den Dienst­herrn, den Beam­ten und sei­ne Fami­lie lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihm nach sei­nem Dienst­rang, nach der mit sei­nem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren 38. Die Besol­dung des Beam­ten stellt kein Ent­gelt für bestimm­te kon­kre­te Dienst­leis­tun­gen dar, son­dern ist eine "Gegen­leis­tung" des Dienst­herrn dafür, dass sich der Beam­te ihm mit sei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit zur Ver­fü­gung stellt. Sie bil­det die Vor­aus­set­zung dafür, dass sich der Beam­te ganz dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf wid­men und die ihm im Staats­le­ben zufal­len­de Funk­ti­on, eine sta­bi­le Ver­wal­tung zu sichern und damit einen aus­glei­chen­den Fak­tor gegen­über den das Staats­le­ben gestal­ten­den poli­ti­schen Kräf­ten zu bil­den, erfül­len kann 39. Des­halb ist die Fol­ge­rung unab­weis­bar, dass die Siche­rung eines ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts als ein beson­ders wesent­li­cher her­ge­brach­ter Grund­satz anzu­se­hen ist, zu des­sen Beach­tung der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet ist 40.

Mit der unmit­tel­ba­ren objek­ti­ven Gewähr­leis­tung des ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts begrün­det Art. 33 Abs. 5 GG zugleich aber auch ein grund­rechts­ähn­li­ches Indi­vi­du­al­recht des ein­zel­nen Beam­ten gegen­über dem Staat 41. Die­se sub­jek­tiv-recht­li­che Aus­prä­gung des Art. 33 Abs. 5 GG folgt aus der Eigen­art des beam­ten­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses: Der Beam­te steht dem Staat als sei­nem Dienst­herrn gegen­über, der in sei­ner Stel­lung als Gesetz­ge­ber zugleich für die Rege­lung des Rechts­ver­hält­nis­ses sowie die Ver­tei­lung der gegen­sei­ti­gen Rech­te und Pflich­ten allein zustän­dig und ver­ant­wort­lich ist. Der ein­zel­ne Beam­te hat kei­ne eige­nen Mög­lich­kei­ten, auf die nähe­re Aus­ge­stal­tung sei­nes Rechts­ver­hält­nis­ses ein­zu­wir­ken. Er ist viel­mehr auf die Rege­lung ange­wie­sen, die sein Dienst­herr als Gesetz­ge­ber getrof­fen hat. Wenn daher das Grund­ge­setz in Art. 33 Abs. 5 GG unmit­tel­bar die Gewähr dafür bie­ten will, dass die beam­ten­recht­li­che Gesetz­ge­bung bestimm­ten eng begrenz­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen ent­spricht, dann liegt die Annah­me nahe, dass den haupt­säch­lich und unmit­tel­bar Betrof­fe­nen ein ent­spre­chen­des Indi­vi­du­al­recht ein­ge­räumt wer­den soll, damit sie inso­weit in Über­ein­stim­mung mit den rechts- und sozi­al­staat­li­chen Grund­prin­zi­pi­en ihre ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Stel­lung auch recht­lich wah­ren kön­nen 42.

An den Beach­tens­pflich­ten hat auch die Ein­fü­gung der Fort­ent­wick­lungs­klau­sel in Art. 33 Abs. 5 GG durch Art. 1 Nr. 3 des Geset­zes zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes (Arti­kel 22, 23, 33, 52, 72, 73, 74, 74a, 75, 84, 85, 87c, 91a, 91b, 93, 98, 104a, 104b, 105, 107, 109, 125a, 125b, 125c, 143c) vom 28.08.2006 43 nichts geän­dert. Schon aus dem inso­weit unver­än­der­ten Wort­laut der Bestim­mung ergibt sich, dass der Gesetz­ge­ber bei der Rege­lung des öffent­li­chen Dienst­rechts wei­ter­hin die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu berück­sich­ti­gen hat 44. Fort­zu­ent­wi­ckeln ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes, nicht aber der hier­für gel­ten­de Maß­stab, die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums 45. Aller­dings ver­bleibt dem Gesetz­ge­ber auch bei her­ge­brach­ten Grund­sät­zen ein Gestal­tungs­spiel­raum, um die Beam­ten­ge­setz­ge­bung den Erfor­der­nis­sen des frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Staa­tes sowie sei­ner fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung anpas­sen zu kön­nen. Solan­ge kei­ne struk­tu­rel­le Ver­än­de­rung an den für die Insti­tu­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums wesent­li­chen Rege­lun­gen vor­ge­nom­men wird, steht Art. 33 Abs. 5 GG einer Fort­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts des­halb nicht ent­ge­gen 46. Gleich­wohl ver­sto­ßen Ände­run­gen, die mit den Grund­struk­tu­ren des von Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­ten Leit­bilds des deut­schen Berufs­be­am­ten­tums nicht in Ein­klang gebracht wer­den kön­nen, auch wei­ter­hin gegen die Vor­ga­ben der Ver­fas­sung 47.

EMRK – und der Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes[↑]

Die Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes sind völ­ker­rechts­freund­lich aus­zu­le­gen. Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on steht zwar inner­staat­lich im Rang eines Bun­des­ge­set­zes und damit unter dem Grund­ge­setz. Sie ist jedoch bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grund­sät­ze des Grund­ge­set­zes her­an­zu­zie­hen. Dies gilt auch für die Aus­le­gung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on durch den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te. Die­se Bedeu­tung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und damit auch der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te beruht auf der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes und sei­ner inhalt­li­chen Aus­rich­tung auf die Men­schen­rech­te. Eine Her­an­zie­hung als Aus­le­gungs­hil­fe ver­langt aller­dings kei­ne sche­ma­ti­sche Par­al­le­li­sie­rung bezie­hungs­wei­se voll­stän­di­ge Har­mo­ni­sie­rung der Aus­sa­gen des Grund­ge­set­zes mit denen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, son­dern ein Auf­neh­men ihrer Wer­tun­gen. Jen­seits des Art. 46 EMRK ist bei der Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes dem spe­zi­fi­schen Kon­text der Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te beson­de­re Bedeu­tung bei­zu­mes­sen. Gren­zen der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit erge­ben sich dort, wo ein Auf­neh­men der Wer­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on metho­disch nicht ver­tret­bar und mit den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar ist.

Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ihre Zusatz­pro­to­kol­le sind völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge. Die Kon­ven­ti­on über­lässt es den Ver­trags­par­tei­en, in wel­cher Wei­se sie ihrer Pflicht zur Beach­tung der Ver­trags­vor­schrif­ten genü­gen 48. Der Bun­des­ge­setz­ge­ber hat den genann­ten Über­ein­kom­men jeweils mit förm­li­chem Gesetz gemäß Art. 59 Abs. 2 GG zuge­stimmt (Gesetz über die Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten vom 07.08.1952 49; die Kon­ven­ti­on ist gemäß der Bekannt­ma­chung vom 15.12 1953 50 am 3.09.1953 für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Kraft getre­ten 51). Damit hat er einen ent­spre­chen­den Rechts­an­wen­dungs­be­fehl erteilt. Inner­halb der deut­schen Rechts­ord­nung ste­hen die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ihre Zusatz­pro­to­kol­le – soweit sie für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Kraft getre­ten sind – im Ran­ge eines Bun­des­ge­set­zes 52.

Gleich­wohl besit­zen die Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­fas­sungs­recht­li­che Bedeu­tung, indem sie die Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grund­sät­ze des Grund­ge­set­zes beein­flus­sen 53. Der Kon­ven­ti­ons­text und die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te die­nen nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf der Ebe­ne des Ver­fas­sungs­rechts als Aus­le­gungs­hil­fen für die Bestim­mung von Inhalt und Reich­wei­te von Grund­rech­ten und rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen des Grund­ge­set­zes, sofern dies nicht zu einer – von der Kon­ven­ti­on selbst nicht gewoll­ten (vgl. Art. 53 EMRK) – Ein­schrän­kung oder Min­de­rung des Grund­rechts­schut­zes nach dem Grund­ge­setz führt 54.

Die Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te in Ver­fah­ren gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sind nach Art. 46 EMRK zu befol­gen. Im Rah­men der Her­an­zie­hung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on als Aus­le­gungs­hil­fe berück­sich­tigt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te aber auch dann, wenn sie nicht den­sel­ben Streit­ge­gen­stand betref­fen. Dies beruht auf der jeden­falls fak­ti­schen Ori­en­tie­rungs- und Leit­funk­ti­on, die der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te für die Aus­le­gung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on auch über den kon­kret ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus zukommt 55. Die inner­staat­li­chen Wir­kun­gen der Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te erschöp­fen sich inso­weit nicht in einer aus Art.20 Abs. 3 GG in Ver­bin­dung mit Art. 59 Abs. 2 GG abzu­lei­ten­den und auf die den kon­kre­ten Ent­schei­dun­gen zugrun­de­lie­gen­den Lebens­sach­ver­hal­te begrenz­ten Berück­sich­ti­gungs­pflicht, denn das Grund­ge­setz will vor dem Hin­ter­grund der zumin­dest fak­ti­schen Prä­ze­denz­wir­kung der Ent­schei­dun­gen inter­na­tio­na­ler Gerich­te Kon­flik­te zwi­schen den völ­ker­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem natio­na­len Recht nach Mög­lich­keit ver­mei­den 56. Die Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes ist damit Aus­druck eines Sou­ve­rä­ni­täts­ver­ständ­nis­ses, das einer Ein­bin­dung in inter- und supra­na­tio­na­le Zusam­men­hän­ge sowie deren Wei­ter­ent­wick­lung nicht nur nicht ent­ge­gen­steht, son­dern die­se vor­aus­setzt und erwar­tet. Vor die­sem Hin­ter­grund steht auch das "letz­te Wort" der deut­schen Ver­fas­sung einem inter­na­tio­na­len und euro­päi­schen Dia­log der Gerich­te nicht ent­ge­gen, son­dern ist des­sen nor­ma­ti­ve Grund­la­ge.

Die Her­an­zie­hung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te als Aus­le­gungs­hil­fe auf der Ebe­ne des Ver­fas­sungs­rechts über den Ein­zel­fall hin­aus dient dazu, den Garan­ti­en der Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mög­lichst umfas­send Gel­tung zu ver­schaf­fen und kann dar­über hin­aus Ver­ur­tei­lun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­mei­den hel­fen 57. Die inhalt­li­che Aus­rich­tung des Grund­ge­set­zes auf die Men­schen­rech­te kommt ins­be­son­de­re in dem Bekennt­nis des deut­schen Vol­kes zu unver­letz­li­chen und unver­äu­ßer­li­chen Men­schen­rech­ten in Art. 1 Abs. 2 GG zum Aus­druck. Das Grund­ge­setz weist mit Art. 1 Abs. 2 GG dem Kern­be­stand an Men­schen­rech­ten einen beson­de­ren Schutz zu. Die­ser ist in Ver­bin­dung mit Art. 59 Abs. 2 GG die Grund­la­ge für die ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht, auch bei der Anwen­dung der deut­schen Grund­rech­te die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on in ihrer kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung als Aus­le­gungs­hil­fe her­an­zu­zie­hen. Art. 1 Abs. 2 GG ist daher zwar kein Ein­falls­tor für einen unmit­tel­ba­ren Ver­fas­sungs­rang der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, die Vor­schrift ist aber mehr als ein unver­bind­li­cher Pro­gramm­satz, indem sie eine Maxi­me für die Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes vor­gibt und ver­deut­licht, dass sei­ne Grund­rech­te auch als Aus­prä­gung der all­ge­mei­nen Men­schen­rech­te zu ver­ste­hen sind und die­se als Min­dest­stan­dard in sich auf­ge­nom­men haben 58.

Die Her­an­zie­hung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on als Aus­le­gungs­hil­fe für die Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes ist ergeb­nis­ori­en­tiert: Sie zielt nicht auf eine sche­ma­ti­sche Par­al­le­li­sie­rung ein­zel­ner ver­fas­sungs­recht­li­cher Begrif­fe 59, son­dern dient der Ver­mei­dung von Völ­ker­rechts­ver­let­zun­gen. Die Besei­ti­gung oder Ver­mei­dung einer Völ­ker­rechts­ver­let­zung wird zwar viel­fach leich­ter zu errei­chen sein, wenn das inner­staat­li­che Recht mit der Kon­ven­ti­on har­mo­ni­siert wird. Völ­ker­recht­lich betrach­tet ist das jedoch nicht zwin­gend: Die Kon­ven­ti­on über­lässt es den Ver­trags­par­tei­en, in wel­cher Wei­se sie ihrer Pflicht zur Beach­tung der Ver­trags­vor­schrif­ten genü­gen 60. Vor die­sem Hin­ter­grund gilt auch für die völ­ker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung der Begrif­fe des Grund­ge­set­zes ähn­lich wie für eine ver­fas­sungs­ver­glei­chen­de Aus­le­gung, dass Ähn­lich­kei­ten im Norm­text nicht über Unter­schie­de, die sich aus dem Kon­text der Rechts­ord­nun­gen erge­ben, hin­weg­täu­schen dür­fen. Die men­schen­recht­li­chen Gehal­te des jeweils in Rede ste­hen­den völ­ker­recht­li­chen Ver­trags müs­sen im Rah­men eines akti­ven (Rezeptions-)Vorgangs in den Kon­text der auf­neh­men­den Ver­fas­sungs­ord­nung "umge­dacht" wer­den 61.

Wäh­rend sich die Ver­trags­par­tei­en durch Art. 46 EMRK ver­pflich­tet haben, in allen Rechts­sa­chen, in denen sie Par­tei sind, das end­gül­ti­ge Urteil des Gerichts­hofs zu befol­gen 3, sind bei der Ori­en­tie­rung an der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te jen­seits des Anwen­dungs­be­rei­ches des Art. 46 EMRK die kon­kre­ten Umstän­de des Fal­les im Sin­ne einer Kon­tex­tua­li­sie­rung in beson­de­rem Maße in den Blick zu neh­men 62. Hier­bei ist zunächst zu sehen, dass im Gegen­satz zum Recht der Euro­päi­schen Uni­on 63 die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on in Erman­ge­lung eines ent­spre­chen­den inner­staat­li­chen Rechts­an­wen­dungs­be­fehls kei­nen Anwen­dungs­vor­rang gegen­über natio­na­lem Geset­zes­recht bean­spru­chen kann. Kommt den Kon­ven­ti­ons­rech­ten damit kein Vor­rang vor der deut­schen Ver­fas­sungs­rechts­ord­nung, son­dern viel­mehr eine Bedeu­tung als Aus­le­gungs­ma­xi­me für das Grund­ge­setz zu, geht es bei der Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te jen­seits ihrer inter-par­tes-Wir­kung maß­geb­lich dar­um, Aus­sa­gen zu Grund­wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on zu iden­ti­fi­zie­ren und sich hier­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen 64. Ein Kon­flikt mit Grund­wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on ist dabei nach Mög­lich­keit zu ver­mei­den. Die Aner­ken­nung einer Ori­en­tie­rungs- und Leit­funk­ti­on setzt damit ein Moment der Ver­gleich­bar­keit vor­aus. Bei der Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te sind der kon­kre­te Sach­ver­halt des ent­schie­de­nen Fal­les und sein (rechts­kul­tu­rel­ler) Hin­ter­grund eben­so mit ein­zu­stel­len wie mög­li­che spe­zi­fi­sche Beson­der­hei­ten der deut­schen Rechts­ord­nung, die einer undif­fe­ren­zier­ten Über­tra­gung im Sin­ne einer blo­ßen "Begriffs­par­al­le­li­sie­rung" ent­ge­gen­ste­hen. Die Leit- und Ori­en­tie­rungs­funk­ti­on ist dort beson­ders groß, wo sie sich auf Par­al­lel­fäl­le im Gel­tungs­be­reich der­sel­ben Rechts­ord­nung bezieht, mit­hin (ande­re) Ver­fah­ren in dem von der Aus­gangs­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te betrof­fe­nen Ver­trags­staat betrof­fen sind 65.

Die Gren­zen einer völ­ker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung erge­ben sich aus dem Grund­ge­setz. Die Mög­lich­kei­ten einer kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung enden dort, wo die­se nach den aner­kann­ten Metho­den der Geset­zes­aus­le­gung und Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on nicht mehr ver­tret­bar erscheint 66. Soweit im Rah­men gel­ten­der metho­di­scher Stan­dards Aus­le­gungs- und Abwä­gungs­spiel­räu­me eröff­net sind, trifft deut­sche Gerich­te die Pflicht, der kon­ven­ti­ons­ge­mä­ßen Aus­le­gung den Vor­rang zu geben. Etwas ande­res gilt nur dann, wenn die Beach­tung der Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te etwa wegen einer geän­der­ten Tat­sa­chen­ba­sis gegen ein­deu­tig ent­ge­gen­ste­hen­des Geset­zes­recht oder deut­sche Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen, nament­lich auch gegen Grund­rech­te Drit­ter ver­stößt 67. Es wider­spricht daher nicht dem Ziel der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit, wenn der Gesetz­ge­ber aus­nahms­wei­se Völ­ker­ver­trags­recht nicht beach­tet, sofern nur auf die­se Wei­se ein Ver­stoß gegen tra­gen­de Grund­sät­ze der Ver­fas­sung abzu­wen­den ist 68.

Eine völ­ker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung der Grund­rech­te darf zudem nicht dazu füh­ren, dass der Grund­rechts­schutz nach dem Grund­ge­setz ein­ge­schränkt wird; das schließt auch die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on selbst aus (vgl. Art. 53 EMRK 69). Die­ses Rezep­ti­ons­hemm­nis kann vor allem in mehr­po­li­gen Grund­rechts­ver­hält­nis­sen rele­vant wer­den, in denen das "Mehr" an Frei­heit für den einen Grund­rechts­trä­ger zugleich ein "Weni­ger" für einen ande­ren bedeu­tet 70.

Im Übri­gen ist auch im Rah­men der kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te mög­lichst scho­nend in das vor­han­de­ne, dog­ma­tisch aus­dif­fe­ren­zier­te natio­na­le Rechts­sys­tem ein­zu­pas­sen 71, wes­halb sich eine unre­flek­tier­te Adap­ti­on völ­ker­recht­li­cher Begrif­fe ver­bie­tet. In der Per­spek­ti­ve des Grund­ge­set­zes kommt ins­be­son­de­re – gera­de wenn ein auto­nom gebil­de­ter Begriff des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te bei text­lich ähn­li­chen Garan­ti­en anders aus­fällt als der ent­spre­chen­de Begriff des Grund­ge­set­zes – das Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zip als ver­fas­sungs­im­ma­nen­ter Grund­satz in Betracht, um Wer­tun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te zu berück­sich­ti­gen: "Her­an­zie­hung als Aus­le­gungs­hil­fe" kann vor die­sem Hin­ter­grund bedeu­ten, die vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in sei­ner Abwä­gung berück­sich­tig­ten Aspek­te auch in die ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ein­zu­be­zie­hen 72.

Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men gegen strei­ken­de Beam­te[↑]

Die mit den Ver­fas­sungs­be­schwer­den ange­grif­fe­nen Hoheits­ak­te sind von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den. Sie sind, mit teils unter­schied­li­chen Begrün­dungs­an­sät­zen, jeweils im Ergeb­nis von dem Bestehen eines Streik­ver­bots für deut­sche Beam­tin­nen und Beam­te aus­ge­gan­gen. Hier­in liegt kei­ne Ver­ken­nung der maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben. Zwar unter­fal­len die beschwer­de­füh­ren­den Leh­rer dem Schutz­be­reich der Koali­ti­ons­frei­heit. Auch stel­len die in den Aus­gangs­ver­fah­ren ange­grif­fe­nen Maß­nah­men jeweils einen Ein­griff in das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG dar. Die­se Ein­grif­fe sind jedoch ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt. Eine ande­re Beur­tei­lung ergibt sich auch nicht mit Blick auf die Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on.

Die Koali­ti­ons­frei­heit wird nicht ver­fas­sungs­un­mit­tel­bar durch die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums (Art. 33 Abs. 5 GG) begrenzt. Der sach­li­che Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG ist vor­lie­gend eröff­net.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts fin­den sich bis­lang kei­ne aus­drück­li­chen Aus­sa­gen zum Ver­hält­nis von Art. 9 Abs. 3 GG zu Art. 33 Abs. 5 GG. In einem frü­hen Urteil ent­schied der Ers­te Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Reich­wei­te der Koali­ti­ons­frei­heit zwar, eine Son­der­stel­lung könn­ten sol­che Ver­ei­ni­gun­gen ein­neh­men, deren Mit­glie­der von der tarif­li­chen Lohn­ge­stal­tung durch ande­re ver­fas­sungs­recht­li­che Bestim­mun­gen aus­ge­schlos­sen sei­en, wie sich dies etwa für Beam­te aus den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums (Art. 33 Abs. 5 GG) erge­be 73. Den hier­in zum Aus­druck kom­men­den Gedan­ken einer ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Begren­zung des Schutz­be­rei­ches der Koali­ti­ons­frei­heit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt spä­ter aber nicht mehr auf­ge­grif­fen. In sei­nem Beschluss zu der gewerk­schaft­li­chen Wer­bung bei Per­so­nal­rats­wah­len aus dem Jahr 1965 hat der Zwei­te Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt, dass das für jeder­mann und für alle Beru­fe gewähr­leis­te­te Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit auch Beam­ten zuste­he, aller­dings zu prü­fen sei, ob wei­ter­ge­hen­de Beschrän­kun­gen des Grund­rechts für die­se Per­so­nen­grup­pe durch Art. 33 Abs. 5 GG gerecht­fer­tigt wer­den könn­ten. Nach Art. 33 Abs. 5 GG sei­en nur sol­che Grund­rechts­be­schrän­kun­gen zuläs­sig, die durch Sinn und Zweck des kon­kre­ten Dienst- und Treue­ver­hält­nis­ses des Beam­ten gefor­dert wür­den 18. Grund­rechts­dog­ma­tisch setzt eine Grund­rechts­be­schrän­kung (und ihre Recht­fer­ti­gung) die Eröff­nung des Schutz­be­rei­ches der jewei­li­gen Gewähr­leis­tung vor­aus. Läge bereits eine ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Begren­zung auf der Ebe­ne des Schutz­be­rei­ches vor, wären Aus­sa­gen zu Grund­rechts­be­schrän­kun­gen und ihrer Recht­fer­ti­gung hin­ge­gen nicht mehr erfor­der­lich 74. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt geht in sei­nem Urteil vom 27.02.2014 75 unter Ver­weis auf drei Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 76 davon aus, dass Art. 33 Abs. 5 GG auf­grund sei­ner inhalt­li­chen Bestimmt­heit unmit­tel­bar gel­te und dem Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit nach Art. 9 Abs. 3 GG vor­ge­he, soweit sein Anwen­dungs­be­reich rei­che 77. Die bei­den erst­ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts befas­sen sich indes schon nicht mit Art. 9 Abs. 3 GG; die Ent­schei­dung zur antrags­lo­sen Teil­zeit­be­schäf­ti­gung 78 erwähnt die Koali­ti­ons­frei­heit zwar am Ran­de, trifft aber kei­ne Aus­sa­ge über das Ver­hält­nis zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums.

Eine sys­te­ma­ti­sche und teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung führt indes zu dem Ergeb­nis, dass die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht zur Recht­fer­ti­gung von Beschrän­kun­gen des Art. 9 Abs. 3 GG dar­stel­len; sie begren­zen die Koali­ti­ons­frei­heit nicht ver­fas­sungs­un­mit­tel­bar 79. Ein sol­ches Ver­ständ­nis trägt der her­aus­ge­ho­be­nen Stel­lung der Grund­rech­te als dem Kern der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Ord­nung 80 Rech­nung und ver­mei­det eine vor­schnel­le und nur abs­trak­te Güter­ab­wä­gung, in der ein Rechts­gut auf Kos­ten eines ande­ren rea­li­siert wird 81. Viel­mehr wird dadurch dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz umfas­send Rech­nung getra­gen, wonach zwei Ver­fas­sungs­gü­ter mit­ein­an­der der­art in Ein­klang gebracht wer­den, dass der schon­ends­te Aus­gleich gefun­den wird. Jedes der Ver­fas­sungs­gü­ter hat so weit­ge­hend wie mög­lich zur Gel­tung und damit zur opti­ma­len Wirk­sam­keit zu kom­men. Dies gilt auch für die Struk­tur­prin­zi­pi­en des Art. 33 Abs. 5 GG, die einem Aus­gleich mit ande­ren Gütern nicht von vorn­her­ein ver­schlos­sen sind 82. Auch nach dem die Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on lei­ten­den Prin­zip der Ein­heit der Ver­fas­sung ist eine Betrach­tungs­wei­se zu ver­mei­den, die ein­zel­ne Wer­te und Prin­zi­pi­en gegen­über ande­ren ein­sei­tig vor­zieht oder ver­wirft. Eine grund­rechts­be­gren­zen­de Aus­le­gung bereits auf der Ebe­ne des Schutz­be­reichs ohne Ein­tritt in eine Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung kommt nur dort in Betracht, wo sich dies dem Grund­ge­setz zwei­fels­frei ent­neh­men lässt. Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall.

Die Eröff­nung des sach­li­chen Schutz­be­rei­ches der Koali­ti­ons­frei­heit lässt sich jeden­falls in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art – die beschwer­de­füh­ren­den Leh­rer sind als beam­te­te Lehr­kräf­te Streik­auf­ru­fen der GEW gefolgt – auch nicht von vorn­her­ein mit Ver­weis auf das Erfor­der­nis einer Tarif­be­zo­gen­heit des Streiks sowie einer Tarif­fä­hig­keit der Strei­ken­den beschrän­ken. Da Beam­te von der tarif­li­chen Lohn­ge­stal­tung aus­ge­schlos­sen sind 83, ist ihren Koali­tio­nen zwar inso­weit der Abschluss von Tarif­ver­trä­gen ver­wehrt. In den Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt und zuletzt in sei­ner Ent­schei­dung zum Tarif­ein­heits­ge­setz sol­che Arbeits­kampf­maß­nah­men ein­be­zo­gen, die auf den Abschluss von Tarif­ver­trä­gen gerich­tet sind, jeden­falls soweit sie erfor­der­lich sind, um eine funk­tio­nie­ren­de Tarif­au­to­no­mie sicher­zu­stel­len 84. Eine Aus­sa­ge dahin­ge­hend, dass der Streik stets in Bezug auf den Abschluss eines eige­nen Tarif­ver­tra­ges erfol­gen müss­te, lässt sich den bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen aller­dings nicht ent­neh­men. Ent­schei­dend für die Zuge­hö­rig­keit zum Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG ist viel­mehr, dass es sich um gewerk­schaft­lich getra­ge­ne, auf Tarif­ver­hand­lun­gen bezo­ge­ne Aktio­nen han­delt 85. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt nimmt jeden­falls einen Streik, den eine Gewerk­schaft zur Unter­stüt­zung eines auf den Abschluss eines Tarif­ver­trags gerich­te­ten Streiks aus­ruft, nicht (mehr) von vorn­her­ein vom Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG aus 86. Ein sol­ches umfas­sen­des Ver­ständ­nis von Art. 9 Abs. 3 GG und das dar­in zum Aus­druck kom­men­de Bemü­hen um die Gewähr­leis­tung eines mög­lichst weit­rei­chen­den Grund­rechts­schut­zes greift im Sin­ne einer völ­ker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung zudem die Wer­tun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te zu Art. 11 EMRK auf, wonach auch der Unter­stüt­zungs­streik jeden­falls ein ergän­zen­des Ele­ment der Koali­ti­ons­frei­heit dar­stel­le 87. In den vor­lie­gen­den Ver­fah­ren steht die dem Beschwer­de­füh­rer zu I. sowie den Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. jeweils vor­ge­wor­fe­ne Teil­nah­me an (Warn-)Streikmaßnahmen, zu denen die GEW auf­ge­ru­fen hat­te, im Zusam­men­hang mit sei­ner­zei­ti­gen Tarif­ver­hand­lun­gen im öffent­li­chen Dienst und ist daher auch nicht von vorn­her­ein zur För­de­rung der mit dem Haupt­ar­beits­kampf ver­folg­ten Zie­le offen­sicht­lich unge­eig­net 88.

Die ange­grif­fe­nen behörd­li­chen und gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen beein­träch­ti­gen das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG. Die Koali­ti­ons­frei­heit wird beschränkt durch alle Ver­kür­zun­gen des grund­recht­lich Gewähr­leis­te­ten. Als staat­li­che Beein­träch­ti­gung kom­men daher sämt­li­che belas­ten­den Rege­lun­gen und Maß­nah­men in allen Sta­di­en der Grund­rechts­aus­übung in Betracht 89. Die dis­zi­pli­na­ri­sche Ahn­dung des Ver­hal­tens des Beschwer­de­füh­rers zu I. sowie der Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. durch Ver­fü­gun­gen ihrer Dienst­her­ren und deren dis­zi­pli­nar­ge­richt­li­che Bestä­ti­gung durch die ange­grif­fe­nen Gerichts­ent­schei­dun­gen begren­zen die Mög­lich­keit zur Teil­nah­me an einem Arbeits­kampf.

Die Beein­träch­ti­gung der Koali­ti­ons­frei­heit ist jedoch durch hin­rei­chend gewich­ti­ge, ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Belan­ge gerecht­fer­tigt.

Ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich ist zunächst, dass die mit den Ver­fas­sungs­be­schwer­den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen das Streik­ver­bot für Beam­te als einen her­ge­brach­ten Grund­satz mit Ver­fas­sungs­rang ange­se­hen haben, der vom Gesetz­ge­ber nicht ledig­lich zu berück­sich­ti­gen, son­dern zu beach­ten ist. Einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Nor­mie­rung des Streik­ver­bots für Beam­te bedarf es nicht. Das sta­tus­be­zo­ge­ne Streik­ver­bot für Beam­te greift auch nicht in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se in die Gewähr­leis­tung des Art. 9 Abs. 3 GG ein.

Das Streik­ver­bot für Beam­te stellt einen eigen­stän­di­gen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG dar. Es erfüllt die für eine Qua­li­fi­ka­ti­on als her­ge­brach­ter Grund­satz not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen der Tra­di­tio­na­li­tät und Sub­stan­zia­li­tät.

Dem Wort­laut des Art. 33 Abs. 5 GG lässt sich eine Kon­kre­ti­sie­rung des­sen, was die Ver­fas­sung als her­ge­brach­ten Grund­satz ansieht, nicht ent­neh­men. Im Par­la­men­ta­ri­schen Rat wur­de die Reich­wei­te der Koali­ti­ons­frei­heit zwar kon­tro­vers dis­ku­tiert 90; aus­drück­li­che Aus­sa­gen wur­den in den Ver­fas­sungs­text aber weder zu einem Streik­recht noch zu einem Streik­ver­bot für Beam­te auf­ge­nom­men.

In der Ent­schei­dung zur Ali­men­ta­ti­on kin­der­rei­cher Beam­ter hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­ge­führt, ver­fas­sungs­recht­lich garan­tiert sei der her­ge­brach­te all­ge­mei­ne Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums, dass die ange­mes­se­ne Ali­men­tie­rung sum­men­mä­ßig nicht erstrit­ten oder ver­ein­bart, son­dern durch Gesetz fest­ge­legt wer­de, und dass inner­halb des Beam­ten­rechts die Zulas­sung eines Streiks aus­ge­schlos­sen sei 91. In der Ent­schei­dung zur antrags­lo­sen Teil­zeit­be­schäf­ti­gung von Beam­ten heißt es, zu den Kern­pflich­ten des Beam­ten­ver­hält­nis­ses gehö­re seit jeher die Treue­pflicht. Der Beam­te sei dem All­ge­mein­wohl und damit zur unei­gen­nüt­zi­gen Amts­füh­rung ver­pflich­tet und habe bei der Erfül­lung der ihm anver­trau­ten Auf­ga­ben sei­ne eige­nen Inter­es­sen zurück­zu­stel­len. Der Ein­satz wirt­schaft­li­cher Kampf- und Druck­mit­tel zur Durch­set­zung eige­ner Inter­es­sen, ins­be­son­de­re auch kol­lek­ti­ve Kampf­maß­nah­men im Sin­ne des Art. 9 Abs. 3 GG wie das Streik­recht, sei­en ihm ver­wehrt 92.

Das Streik­ver­bot erfüllt das für einen eigen­stän­di­gen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums wesent­li­che Ele­ment der Tra­di­tio­na­li­tät. Wäh­rend die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung in den maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen der Art. 130 Abs. 2, Art. 159 WRV weder eine Aus­sa­ge zum Streik­recht noch zum Streik­ver­bot für Beam­te traf, erließ Reichs­prä­si­dent Fried­rich Ebert am 1.02.1922 eine auf Art. 48 Abs. 2 WRV gestütz­te Not­ver­ord­nung betref­fend das Ver­bot der Arbeits­nie­der­le­gung durch Beam­te der Reichs­bahn 93. Nach § 1 Abs. 1 die­ser bereits am 9.02.1922 wie­der außer Kraft getre­te­nen Ver­ord­nung 94 war Beam­ten der Reichs­bahn "eben­so wie allen übri­gen Beam­ten nach dem gel­ten­den Beam­ten­rech­te die Ein­stel­lung oder Ver­wei­ge­rung der ihnen oblie­gen­den Arbeit ver­bo­ten". Nach dem Jahr 1922 erlie­ßen zwar weder der Reichs­tag noch die Reichs­re­gie­rung wei­te­re aus­drück­li­che Streik­ver­bo­te für Beam­te. Der zeit­ge­nös­si­schen Recht­spre­chung lässt sich jedoch ent­neh­men, dass ein Streik­ver­bot für Beam­te als ganz über­wie­gend aner­kannt ange­se­hen wur­de 95. Das Streik­ver­bot für Beam­te geht mit­hin auf eine (jeden­falls) in der Staats­pra­xis der Wei­ma­rer Repu­blik begrün­de­te Tra­di­ti­ons­li­nie zurück und erweist sich vor die­sem Hin­ter­grund als her­ge­bracht im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG.

Teil­wei­se wird gegen eine Aner­ken­nung des Streik­ver­bots als eigen­stän­di­ger her­ge­brach­ter Grund­satz vor­ge­bracht, die Not­ver­ord­nung, mit der die Exe­ku­ti­ve auf den Eisen­bah­ner­streik des Jah­res 1922 reagiert habe, sei nach dem Ver­ständ­nis des Grund­ge­set­zes nicht hin­rei­chend demo­kra­tisch legi­ti­miert. Die­ser Umstand müs­se auf die Inter­pre­ta­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG durch­schla­gen 96. Eine sol­che Argu­men­ta­ti­on lässt aller­dings außer Acht, dass der Ver­fas­sungs­ge­ber mit Schaf­fung des Art. 33 Abs. 5 GG den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums durch Inkor­po­ra­ti­on in das Grund­ge­setz Legi­ti­ma­ti­on ver­lie­hen hat. Er nahm aus­drück­lich Bezug auf die vor­kon­sti­tu­tio­nell her­ge­brach­ten Grund­sät­ze, ohne dies von ihren Ent­ste­hungs­be­din­gun­gen abhän­gig zu machen. Im Übri­gen hat die genann­te Not­ver­ord­nung ein all­ge­mei­nes dienst­recht­li­ches Streik­ver­bot nicht begrün­det, son­dern ein sol­ches als bestehend vor­aus­ge­setzt und ledig­lich für eine kon­kre­te Gefah­ren­si­tua­ti­on kon­kre­ti­siert.

Das Erfor­der­nis der Sub­stan­zia­li­tät ist mit Blick auf die enge inhalt­li­che Ver­knüp­fung eines Streik­ver­bots mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Fun­da­men­ten des Berufs­be­am­ten­tums in Deutsch­land, nament­lich der beam­ten­recht­li­chen Treue­pflicht sowie dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, erfüllt.

Nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung zählt die Treue­pflicht des Beam­ten zu den Kern­be­stand­tei­len der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums 97. Inhalt­lich ver­langt die Treue­pflicht, dass der Beam­te bei Erfül­lung der ihm anver­trau­ten Auf­ga­ben sei­ne eige­nen Inter­es­sen zurück­zu­stel­len hat 78. Arbeits­kämp­fe der Beam­ten­schaft las­sen sich damit nicht in Ein­klang brin­gen. Befürch­tun­gen, wonach ein sol­ches Ver­ständ­nis das Beam­ten­ver­hält­nis zu einem grund­rechts­frei­en Bereich mache, in dem die Gehor­sams­pflicht dazu füh­re, dass den Beam­ten ähn­lich der Vor­stel­lung des beson­de­ren Gewalt­ver­hält­nis­ses kei­ne eige­nen Rech­te gegen­über dem Dienst­herrn zuer­kannt wür­den 98, sind unbe­grün­det. Die Treue­pflicht schließt mit Blick auf Art. 9 Abs. 3 GG nicht jeg­li­ches pri­va­te oder berufs­stän­di­sche Enga­ge­ment des Beam­ten aus; ein gene­rel­les Betä­ti­gungs­ver­bot des Beam­ten für eine Koali­ti­on stellt weder einen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums dar, noch folgt es aus dem Sinn und Zweck des Beam­ten­ver­hält­nis­ses 18.

Eine enge Bezie­hung weist das Streik­ver­bot dar­über hin­aus zu dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip auf 99, das nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts eben­falls einen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums dar­stellt 100. Der Beam­te ver­pflich­tet sich mit Ein­tritt in das Beam­ten­ver­hält­nis, sei­ne gesam­te Arbeits­kraft dem Dienst­herrn zur Ver­fü­gung zu stel­len 101. Als Aus­gleich hat der Dienst­herr den Beam­ten und sei­ne Fami­lie lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihm nach sei­nem Dienst­rang, nach der mit sei­nem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren 102. Art. 33 Abs. 5 GG ent­hält damit eine unmit­tel­ba­re, objek­ti­ve Gewähr­leis­tung des ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts und gewährt wegen der Eigen­art des beam­ten­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses, in wel­chem dem Beam­ten kein Ein­fluss auf die Aus­ge­stal­tung sei­ner Arbeits­be­din­gun­gen zukommt, zugleich ein grund­rechts­ähn­li­ches, mate­ri­el­les Recht gegen­über dem Staat 103. Hier­mit geht die ein­sei­ti­ge, hoheit­li­che Fest­le­gung der Besol­dung der Beam­ten durch den Dienst­herrn ein­her.

Das Streik­ver­bot ist nach der gegen­wär­ti­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­zep­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums sowohl mit dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip als auch mit der Treue­pflicht untrenn­bar ver­bun­den. Mit die­sen bei­den funk­ti­ons­we­sent­li­chen Prin­zi­pi­en lässt sich ein Streik­recht für Beam­te nicht ver­ein­ba­ren; das Streik­ver­bot gewähr­leis­tet und recht­fer­tigt viel­mehr erst die gegen­wär­ti­ge Aus­ge­stal­tung der genann­ten Struk­tur­prin­zi­pi­en des Berufs­be­am­ten­tums. Vor die­sem Hin­ter­grund han­delt es sich bei dem Streik­ver­bot des Art. 33 Abs. 5 GG um ein eigen­stän­di­ges, sys­tem­not­wen­di­ges und damit fun­da­men­ta­les Struk­tur­prin­zip des Berufs­be­am­ten­tums 104. Sei­ne Preis­ga­be wür­de die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bestehen­de Ord­nung des Berufs­be­am­ten­tums grund­sätz­lich in Fra­ge stel­len 105.

Das Streik­ver­bot ist Teil der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG; und vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten. Ein Streik­recht, auch nur für Tei­le der Beam­ten­schaft, gestal­te­te das Ver­ständ­nis vom und die Rege­lun­gen des Beam­ten­ver­hält­nis­ses grund­le­gend um. Es hebel­te die funk­ti­ons­we­sent­li­chen Prin­zi­pi­en der Ali­men­ta­ti­on, der Treue­pflicht, der lebens­zei­ti­gen Anstel­lung sowie der Rege­lung der maß­geb­li­chen Rech­te und Pflich­ten ein­schließ­lich der Besol­dung durch den Gesetz­ge­ber aus, erfor­der­te jeden­falls aber deren grund­le­gen­de Modi­fi­ka­ti­on. Für eine Rege­lung etwa der Besol­dung durch Gesetz blie­be im Fal­le der Zuer­ken­nung eines Streik­rechts kein Raum. Wür­de die Besol­dung von Beam­ten oder Tei­le hier­von erstrit­ten wer­den kön­nen, lie­ße sich die der­zeit bestehen­de Mög­lich­keit des ein­zel­nen Beam­ten, die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ali­men­ta­ti­on gericht­lich durch­zu­set­zen – und damit die sub­jek­tiv-recht­li­che Aus­ge­stal­tung des Art. 33 Abs. 5 GG – nicht mehr recht­fer­ti­gen. Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip dient aber zusam­men mit dem Lebens­zeit­prin­zip einer unab­hän­gi­gen Amts­füh­rung und sichert die Pflicht des Beam­ten zur vol­len Hin­ga­be für das Amt ab. Um dies zu gewähr­leis­ten, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Pflicht des Dienst­herrn zur amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung als einen essen­ti­el­len Bestand­teil des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips betont 106. Mit der (teil­wei­sen) Abkehr von die­sen mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Kern­prin­zi­pi­en stün­de das Berufs­be­am­ten­tum als sol­ches und damit der Rege­lungs­ge­gen­stand des Art. 33 Abs. 5 GG in Fra­ge 107. Ein Streik­recht für Beam­te pass­te daher nicht ledig­lich die Aus­ge­stal­tung des Dienst­rechts den jewei­li­gen Ent­wick­lun­gen der Staat­lich­keit an und stell­te das Beam­ten­recht in die Zeit. Es grif­fe viel­mehr in den von Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en ein. Die für das Streik­ver­bot gel­ten­de Beach­tens­pflicht ver­sperrt daher den Weg zu tief­grei­fen­den struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen durch den ein­fa­chen Gesetz­ge­ber 108.

Eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Nor­mie­rung des Streik­ver­bots für Beam­te ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gefor­dert. Zwar bedarf es auch bei vor­be­halt­los gewähr­leis­te­ten Grund­rech­ten, die nur auf­grund von kol­li­die­ren­dem Ver­fas­sungs­recht beschränkt wer­den kön­nen, regel­mä­ßig einer gesetz­li­chen Grund­la­ge zur Kon­kre­ti­sie­rung der ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken 109. Die aus­drück­li­che ein­fach­ge­setz­li­che Fest­schrei­bung eines Streik­ver­bots für Beam­te ist aller­dings im Beam­ten­recht des Bun­des und der Län­der die Aus­nah­me. Gegen­wär­tig ent­hält neben Art. 115 Abs. 5 der Ver­fas­sung des Saar­lan­des ledig­lich das Lan­des­be­am­ten­ge­setz von Rhein­land-Pfalz mit § 50 110 eine Rege­lung, wonach Dienst­ver­wei­ge­rung oder Arbeits­nie­der­le­gung zur Wah­rung oder För­de­rung der Arbeits­be­din­gun­gen mit dem Beam­ten­ver­hält­nis nicht zu ver­ein­ba­ren sind. Eine im Ent­wurf des Bun­des­be­am­ten­ge­set­zes (BBG) von 1953 111 noch vor­ge­se­he­ne aus­drück­li­che Nor­mie­rung des Streik­ver­bots für Beam­te wur­de vom Aus­schuss für Beam­ten­recht gestri­chen. Er hielt die Unver­ein­bar­keit der Arbeits­nie­der­le­gung mit den Pflich­ten eines Beam­ten für recht­lich so klar gege­ben und in den Rechts­vor­stel­lun­gen der Beam­ten wie der Staats­bür­ger so fest ver­an­kert, dass er die Auf­nah­me einer ent­spre­chen­den Vor­schrift als nicht not­wen­dig ansah 112.

Die mit den vor­lie­gen­den Ver­fas­sungs­be­schwer­den ange­grif­fe­nen Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gun­gen haben als gesetz­li­che Grund­la­gen unter ande­rem auf die in den Lan­des­be­am­ten­ge­set­zen ent­hal­te­nen Rege­lun­gen zum Fern­blei­ben vom Dienst ver­wie­sen. Dar­über hin­aus wur­de teil­wei­se auch auf die im Gesetz zur Rege­lung des Sta­tus­rechts der Beam­tin­nen und Beam­ten in den Län­dern (BeamtStG) nor­mier­ten beam­ten­recht­li­chen Grund­pflich­ten der unei­gen­nüt­zi­gen Amts­füh­rung zum Wohl der All­ge­mein­heit sowie der Wei­sungs­ge­bun­den­heit (§§ 33 – 35 BeamtStG) abge­stellt. Die­se Vor­schrif­ten stel­len jeden­falls in ihrer Gesamt­heit eine hin­rei­chen­de Kon­kre­ti­sie­rung des aus Art. 33 Abs. 5 GG fol­gen­den Streik­ver­bots dar 113. Zählt es zu den gesetz­lich aus­drück­lich nor­mier­ten Grund­pflich­ten eines Beam­ten, sich mit vol­ler Hin­ga­be sei­nem Beruf zu wid­men und sein Amt unei­gen­nüt­zig nach bes­tem Gewis­sen zu ver­wal­ten (vgl. auch § 61 Abs. 1 BBG, § 34 BeamtStG), ist damit gleich­sam das Ver­bot von kol­lek­ti­ven wirt­schaft­li­chen Kampf­maß­nah­men zur För­de­rung gemein­sa­mer (eige­ner) Berufs­in­ter­es­sen mit­ge­dacht 114. Einer dar­über hin­aus­ge­hen­den Rege­lung des Streik­ver­bots bedarf es aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den nicht.

Die Beschrän­kung der Koali­ti­ons­frei­heit ist inso­weit, als die Füh­rung von Arbeits­kämp­fen durch Beam­tin­nen und Beam­te in Rede steht, ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Das Streik­ver­bot für Beam­te fin­det sei­ne Grund­la­ge in Art. 33 Abs. 5 GG und trägt auch dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz Rech­nung.

Das Ver­bot eines Streiks der Beam­ten dient wie der übri­ge Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG einer sta­bi­len Ver­wal­tung 115, der Gewähr­leis­tung staat­li­cher Auf­ga­ben­er­fül­lung und damit der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Staa­tes und sei­ner Ein­rich­tun­gen. Erreicht wird die­ses Ziel, das die Ver­fas­sung auch durch ande­re Rege­lun­gen des Art. 33 GG gewähr­leis­tet, unter ande­rem durch einen Beam­ten­ap­pa­rat, des­sen Arbeits­be­din­gun­gen ein­sei­tig hoheit­lich fest­ge­legt wer­den, des­sen Arbeits­kraft stets, gera­de auch in Kri­sen­zei­ten, abge­ru­fen wer­den kann und der sich an einem Kräf­te­mes­sen mit sei­nem Dienst­herrn bezie­hungs­wei­se dem demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Gesetz­ge­ber nicht betei­ligt. Der Kon­flikt zwi­schen Art. 9 Abs. 3 GG und Art. 33 Abs. 5 GG ist nach dem Prin­zip der prak­ti­schen Kon­kor­danz zu lösen, wonach kol­li­die­ren­de Ver­fas­sungs­rechts­po­si­tio­nen in ihrer Wech­sel­wir­kung zu erfas­sen und so in Aus­gleich zu brin­gen sind, dass sie für alle Betei­lig­ten mög­lichst weit­ge­hend wirk­sam wer­den 116.

Das Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen Koali­ti­ons­frei­heit und Art. 33 Abs. 5 GG ist zuguns­ten eines für Beam­tin­nen und Beam­te bestehen­den Streik­ver­bots auf­zu­lö­sen. Der Ein­griff in Art. 9 Abs. 3 GG trifft Beam­tin­nen und Beam­te nicht unzu­mut­bar schwer. Zum einen ist mit dem Streik­recht, dem im Beam­ten­ver­hält­nis auf der Ebe­ne der Schutz­be­reichs­er­öff­nung wegen des Erfor­der­nis­ses einer Tarif­be­zo­gen­heit ohne­hin enge Gren­zen gezo­gen wer­den, ledig­lich ein Teil­be­reich der Koali­ti­ons­frei­heit ange­spro­chen. Ein Streik­ver­bot zei­tigt kein voll­stän­di­ges Zurück­tre­ten der Koali­ti­ons­frei­heit und beraubt sie nicht gänz­lich ihrer Wirk­sam­keit. Zum ande­ren hat der Gesetz­ge­ber Rege­lun­gen geschaf­fen, die zu einer Kom­pen­sa­ti­on der Beschrän­kung von Art. 9 Abs. 3 GG bei Beam­tin­nen und Beam­ten bei­tra­gen sol­len. So räu­men die erwähn­ten Vor­schrif­ten der § 118 BBG und § 53 BeamtStG sowie die Beam­ten­ge­set­ze der Län­der den Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der Gewerk­schaf­ten zwar kei­ne Mit­ent­schei­dung, wohl aber Betei­li­gungs­rech­te bei der Vor­be­rei­tung gesetz­li­cher Rege­lun­gen der beam­ten­recht­li­chen Ver­hält­nis­se ein. Nach der Geset­zes­be­grün­dung ist die­se Betei­li­gung jeden­falls auch als Aus­gleich für das Streik­ver­bot geschaf­fen wor­den 117. Ein wei­te­res Ele­ment der Kom­pen­sa­ti­on ergibt sich aus dem beam­ten­recht­li­chen Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, das dem ein­zel­nen Beam­ten das grund­rechts­glei­che Recht ein­räumt, die Erfül­lung der dem Staat oblie­gen­den Ali­men­ta­ti­ons­ver­pflich­tung zur gericht­li­chen Über­prü­fung zu stel­len und erfor­der­li­chen­falls auf dem Rechts­weg durch­zu­set­zen. Bei die­sem wech­sel­sei­ti­gen Sys­tem von auf­ein­an­der bezo­ge­nen Rech­ten und Pflich­ten zei­ti­gen Aus­wei­tun­gen oder Beschrän­kun­gen auf der einen in der Regel auch Ver­än­de­run­gen auf der ande­ren Sei­te des Beam­ten­ver­hält­nis­ses. Ein "Rosi­nen­pi­cken" lässt das Beam­ten­ver­hält­nis nicht zu 118. Die­ser recht­stat­säch­li­che Befund wird mit dem schlich­ten Ver­weis auf wegen des Streik­rechts not­wen­dig wer­den­de Ände­run­gen der bis­he­ri­gen Rege­lun­gen zur Aus­ge­stal­tung von Rech­ten und Pflich­ten der Beam­ten 119 nicht ent­kräf­tet. Viel­mehr lös­te ein Streik­recht (für bestimm­te Beam­ten­grup­pen) eine Ket­ten­re­ak­ti­on in Bezug auf die Aus­ge­stal­tung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses aus und zöge wesent­li­che beam­ten­recht­li­che Grund­sät­ze und damit zusam­men­hän­gen­de Insti­tu­te in Mit­lei­den­schaft 120. Mit der Zuer­ken­nung des Streik­rechts stell­te sich die Fra­ge, wel­che Aus­wir­kun­gen dies auf die Ein­füh­rung eines Tarif­ver­trags­sys­tems und die Tarif­bin­dung von Beam­ten und Dienst­her­ren, auf die Wei­ter­gel­tung oder Modi­fi­ka­ti­on von Ali­men­ta­ti­ons- und Lebens­zeit­prin­zip, auf Ein­zel­as­pek­te wie etwa die Bei­hil­fe­ge­wäh­rung und die Sozi­al­ver­si­che­rungs­frei­heit im Beam­ten­ver­hält­nis sowie auf die Mög­lich­keit gericht­li­cher Gel­tend­ma­chung des Anspruchs auf amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on zei­tig­te. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17.01.2018 vor­ge­schla­ge­ne Kom­bi­na­ti­ons- oder Inte­gra­ti­ons­lö­sun­gen, etwa die grund­sätz­li­che Gel­tung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips zur Siche­rung der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on bei einem gleich­zei­ti­gen Streik­recht für eine "über­amts­an­ge­mes­se­ne" Besol­dung von "Rand­be­reichs­be­am­ten" wer­fen nicht nur zahl­rei­che Umset­zungs­schwie­rig­kei­ten auf, son­dern sto­ßen vor allem mit Blick auf die auch nach die­sem Modell wei­ter­hin nicht streik­be­rech­tig­ten "Kern­be­reichs­be­am­ten" auf Beden­ken.

Ein mög­lichst scho­nen­der Aus­gleich im Sin­ne prak­ti­scher Kon­kor­danz kann nicht durch die Gewäh­rung eines ein­ge­schränk­ten Streik­rechts unter beson­de­ren rich­ter­recht­lich zu ent­wi­ckeln­den oder gesetz­lich vor­zu­se­hen­den Vor­aus­set­zun­gen wie etwa einer Anzei­ge- oder Geneh­mi­gungs­pflicht geplan­ter Streik­maß­nah­men erreicht wer­den. So sind bereits nach dem gel­ten­den, im Wesent­li­chen durch die Recht­spre­chung gepräg­ten Arbeits(kampf)recht bestimm­te Recht­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen bei der Wahr­neh­mung des Streik­rechts zu beach­ten, eine sol­che hat ins­be­son­de­re ver­hält­nis­mä­ßig zu sein 121. Zwar redu­zier­te ein unter der­ar­ti­gen Bedin­gun­gen ste­hen­des (ein­ge­schränk­tes) Streik­recht die nega­ti­ven Fol­gen der Streik­tä­tig­keit für die Grund­rechts­ver­wirk­li­chung Drit­ter, etwa Eltern und Schü­ler, sowie die Beein­träch­ti­gun­gen für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­wal­tung. Zudem erlaub­te eine Anzei­ge bezie­hungs­wei­se Geneh­mi­gungs­pflicht den Ver­wal­tungs­trä­gern eine jeden­falls teil­wei­se Sicher­stel­lung ihrer Auf­ga­ben­er­fül­lung. So könn­te im Bereich des Schul­we­sens die Schul­lei­tung bei früh­zei­ti­ger Ankün­di­gung der Streik­maß­nah­me (zumin­dest) auf eine Schü­ler­be­treu­ung durch Not­diens­te hin­wir­ken und im Ein­zel­fall auch Streik­ver­bo­te aus­spre­chen. Aller­dings wäre dies – und hier­in liegt wegen der Unkal­ku­lier­bar­keit ein gewich­ti­ger Ein­wand – nur dann mög­lich, wenn sich ein aus­rei­chen­der Anteil der Beam­ten dazu ent­schie­de, nicht zu strei­ken, oder von einer Streik­teil­nah­me durch im Ein­zel­fall aus­ge­spro­che­ne Ver­bo­te aus­ge­schlos­sen wer­den könn­te.

Bei län­ger andau­ern­den Arbeits­kämp­fen und der Betei­li­gung von Inha­bern schu­li­scher Funk­ti­ons­stel­len lie­ße sich zudem der – eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te – staat­li­che Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­trag des Art. 7 Abs. 1 GG 122, kurz ein funk­tio­nie­ren­des Schul­sys­tem 123, nicht mehr durch­gän­gig sicher­stel­len. Dass es in der Ver­gan­gen­heit selbst in Län­dern mit einem über­wie­gen­den Anteil an tarif­be­schäf­tig­ten Lehr­kräf­ten nicht zu schwer­wie­gen­den Beein­träch­ti­gun­gen des Schul­be­trie­bes gekom­men ist, stellt das Beein­träch­ti­gungs­po­ten­ti­al von Arbeits­kämp­fen im schu­li­schen Bereich nicht grund­sätz­lich in Fra­ge. Denn zum einen han­del­te es sich nach Aus­kunft der Ver­tre­ter des Frei­staa­tes Sach­sen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17.01.2018 in der Ver­gan­gen­heit dort regel­mä­ßig um kur­ze Streik­maß­nah­men ohne Betei­li­gung der (beam­te­ten) Schul­lei­ter und ihrer Stell­ver­tre­ter. Zum ande­ren ist es gera­de das Wesen einer Arbeits­kampf­maß­nah­me, auf den jewei­li­gen Gegen­spie­ler Druck in Gestalt der Zufü­gung von Nach­tei­len aus­üben zu kön­nen, um zu einem Tarif­ab­schluss zu gelan­gen. Daher wären mit der Gewäh­rung eines Streik­rechts für Beam­te im vor­ge­nann­ten Sin­ne eben­falls erheb­li­che nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Schul­we­sens zu besor­gen. Glei­ches wür­de für die Zuer­ken­nung eines Streik­rechts bei einer gleich­zei­ti­gen Pflicht zur Nach­ho­lung der aus­ge­fal­le­nen Stun­den gel­ten, da bei einer Nach­ho­lung im Rah­men bestehen­der Lehr, Stun­den- und Raum­be­le­gungs­plä­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Schwie­rig­kei­ten und damit nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf den Schul­be­trieb nicht aus­ge­schlos­sen wer­den könn­ten.

Eine prak­tisch kon­kor­dan­te Zuord­nung von Koali­ti­ons­frei­heit und her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums ver­langt auch nicht, das Streik­ver­bot auf Tei­le der Beam­ten­schaft zu beschrän­ken und hier­bei auf den Funk­ti­ons­vor­be­halt des Art. 33 Abs. 4 GG zurück­zu­grei­fen 124. Hier­nach ver­blie­be es für Beam­te, die schwer­punkt­mä­ßig hoheits­recht­li­che Befug­nis­se im Sin­ne die­ser Vor­schrift aus­üb­ten, auch wei­ter­hin bei einem Streik­ver­bot; allen ande­ren Beam­tin­nen und Beam­ten wäre ein Streik­recht zuzu­bil­li­gen 125. Gegen eine sol­che funk­tio­na­le Auf­spal­tung des Streik­rechts spre­chen die mit dem Begriff der hoheits­recht­li­chen Befug­nis­se zusam­men­hän­gen­den Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten 126. Bereits die trenn­schar­fe Dif­fe­ren­zie­rung, wann bei einer kon­kre­ten Dienst­hand­lung hoheits­recht­li­che Befug­nis­se wahr­ge­nom­men wer­den und wann nicht, erweist sich als außer­or­dent­lich schwie­rig. Pro­ble­ma­tisch wird eine Abgren­zung aber auch dann, wenn nicht die kon­kre­te Dienst­hand­lung in Rede steht, son­dern abs­trakt die Fra­ge zu klä­ren ist, ob einem bestimm­ten Beam­ten, der etwa in Fol­ge einer Abord­nung, Ver­set­zung oder Umset­zung unter­schied­li­che (teils hoheit­li­che, teils nicht-hoheit­li­che) Funk­tio­nen wahr­nimmt, ein Streik­recht zuzu­bil­li­gen ist. Unab­hän­gig hier­von ver­zich­te­te die Aner­ken­nung eines Streik­rechts für "Rand­be­reichs­be­am­te" auf die Gewähr­leis­tung einer sta­bi­len Ver­wal­tung und der staat­li­chen Auf­ga­ben­er­fül­lung jen­seits von Art. 33 Abs. 4 GG. Davon abge­se­hen schü­fe ein Streik­recht nach funk­tio­nel­len Kri­te­ri­en im Sin­ne von Art. 33 Abs. 4 GG eine Son­der­ka­te­go­rie der "Beam­ten mit Streik­recht" oder "Tarif­be­am­ten" 127, deren Arbeits­be­din­gun­gen (jeden­falls teil­wei­se) tarif­ver­trag­lich aus­ge­han­delt wür­den. Sie käme als "Drit­te Säu­le" zu dem aus­dif­fe­ren­zier­ten Sys­tem des öffent­li­chen Diens­tes hin­zu. Wäh­rend im Kern­be­reich hoheit­li­chen Han­delns das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip wei­ter­gäl­te, wür­de den sons­ti­gen Beam­ten die Mög­lich­keit eröff­net, For­de­run­gen zur Gestal­tung ihrer Arbeits­be­din­gun­gen bei fort­be­stehen­dem Beam­ten­sta­tus gege­be­nen­falls mit Arbeits­kampf­maß­nah­men durch­zu­set­zen. Hier­durch wür­de neben der bestehen­den Abgren­zungs- sowie Gleich­be­hand­lungs­pro­ble­ma­tik mit Blick auf Ange­stell­te des öffent­li­chen Diens­tes die Fra­ge auf­ge­wor­fen, wie­viel beam­ten­recht­li­che Sub­stanz einer sol­chen Per­so­nal­ka­te­go­rie noch inne­wohn­te 128. Das Pro­blem einer Durch­bre­chung des klar kon­zi­pier­ten zwei­ge­teil­ten öffent­li­chen Dienst­rechts in Deutsch­land wür­de auch durch die Ände­rung der Ver­be­am­tungs­pra­xis – ihre rechts­po­li­ti­sche Umsetz­bar­keit unter­stellt – allen­falls mit­tel­fris­tig ent­schärft. Selbst wenn Beam­te künf­tig nur noch in dem Funk­ti­ons­vor­be­halt unter­lie­gen­den Berei­chen ein­ge­setzt wür­den 129, wären aus gegen­wär­ti­ger Per­spek­ti­ve noch auf Jahr­zehn­te auch außer­halb die­ser Berei­che Bestands­be­am­te mit Streik­recht vor­han­den 130.

Schließ­lich ver­langt ein scho­nen­der Aus­gleich der wider­strei­ten­den Ver­fas­sungs­gü­ter auch nicht eine Stär­kung der Betei­li­gungs­rech­te von Gewerk­schaf­ten oder eine Über­tra­gung des soge­nann­ten Drit­ten Weges aus dem kirch­li­chen Arbeits­recht auf das Beam­ten­ver­hält­nis. Die vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 27.02.2014 131 für erfor­der­lich erach­te­te erheb­li­che Erwei­te­rung der Mit­wir­kungs­be­fug­nis­se von Gewerk­schaf­ten bei einem gleich­zei­tig fort­be­stehen­den Streik­ver­bot für Beam­te lie­ße wesent­li­che Vor­ga­ben der Ver­fas­sung außer Betracht. Gegen­wär­tig ist die Betei­li­gung der Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der zustän­di­gen Gewerk­schaf­ten bei der Vor­be­rei­tung all­ge­mei­ner Rege­lun­gen der beam­ten­recht­li­chen Ver­hält­nis­se vor­ge­se­hen. § 118 BBG sowie § 53 BeamtStG ent­hal­ten eine pro­ze­du­ra­le Mit­wir­kungs­pflicht, las­sen das "letz­te Wort" des Dienst­herrn jedoch unbe­rührt. Zwar blie­be dem Staat auch bei einer Erwei­te­rung der Mit­wir­kungs­be­fug­nis­se die Mög­lich­keit erhal­ten, durch die Ver­be­am­tung jeder­zeit ver­füg­ba­res Per­so­nal ein­zu­set­zen. Käme es zu einem ech­ten Mit­ent­schei­dungs­recht der Gewerk­schaf­ten und ver­blie­be es zugleich bei dem der­zei­ti­gen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums, wonach wesent­li­che Arbeits­be­din­gun­gen und ins­be­son­de­re die Besol­dung der Beam­ten durch Gesetz zu regeln sind, so ergä­be sich jedoch ein Kon­flikt mit dem Demo­kra­tie­prin­zip des Art.20 Abs. 1 und 2 GG. Als Ver­tre­tern von Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen dür­fen den Gewerk­schaf­ten kei­ne ech­ten Mit­ent­schei­dungs­rech­te im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zukom­men, da ande­ren­falls die Sou­ve­rä­ni­tät des (Besoldungs-)Gesetzgebers ver­letzt wür­de. Die Mög­lich­kei­ten einer Stär­kung der Betei­li­gungs­rech­te zur Kom­pen­sa­ti­on eines umfas­sen­den Streik­ver­bots sind daher von Ver­fas­sung wegen stark begrenzt. Dies trifft in glei­cher Wei­se auf den Vor­schlag zu, das im kirch­li­chen Arbeits­recht eta­blier­te Modell des "Drit­ten Weges" auf das Beam­ten­ver­hält­nis zu über­tra­gen und Schlich­tungs­aus­schüs­sen ver­bind­li­che Rege­lungs­be­fug­nis­se ein­zu­räu­men.

Das Streik­ver­bot für Beam­tin­nen und Beam­te in Deutsch­land steht mit dem Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes im Ein­klang und ist ins­be­son­de­re auch mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­ein­bar. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te hat in meh­re­ren Ver­fah­ren sei­ne Recht­spre­chung zu Art. 11 EMRK wei­ter­ent­wi­ckelt. Unter Berück­sich­ti­gung wesent­li­cher Grund­wer­tun­gen der Ent­schei­dun­gen lässt sich eine Kol­li­si­ons­la­ge zwi­schen deut­schem Recht und Euro­päi­scher Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on gegen­wär­tig nicht fest­stel­len. Unab­hän­gig davon wären mit Blick auf die Beson­der­hei­ten des deut­schen Sys­tems des Berufs­be­am­ten­tums nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch die Vor­aus­set­zun­gen für eine Beschrän­kung des Streik­rechts nach Art. 11 Abs. 2 EMRK gege­ben.

Abs. 1 EMRK gewähr­leis­tet jeder Per­son, sich frei und fried­lich mit ande­ren zu ver­sam­meln und sich frei mit ande­ren zusam­men­zu­schlie­ßen; dazu gehört auch das Recht, zum Schutz sei­ner Inter­es­sen Gewerk­schaf­ten zu grün­den und Gewerk­schaf­ten bei­zu­tre­ten. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te hat in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit die Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 Abs. 1 EMRK wie auch die Ein­griffs­vor­aus­set­zun­gen des Art. 11 Abs. 2 EMRK wei­ter prä­zi­siert.

In dem Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei 132 hat die Gro­ße Kam­mer des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te ent­schie­den, die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit des Art. 11 Abs. 1 EMRK umfas­se das Recht, eine Gewerk­schaft zu grün­den und Mit­glied einer Gewerk­schaft zu wer­den ("the right to form and join a tra­de uni­on"), das Ver­bot gewerk­schaft­li­cher Mono­po­le ("pro­hi­bi­ti­on of clo­sed-shop agree­ments") und das Recht einer Gewerk­schaft dar­auf, dass der Arbeit­ge­ber anhört, was sie im Namen ihrer Mit­glie­der zu sagen hat ("the right for a tra­de uni­on to seek to per­sua­de the employ­er to hear what it has to say on behalf of its mem­bers"). Bei der Aus­le­gung der Bestim­mung hat der Gerichts­hof ande­re inter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen (Über­ein­kom­men Nr. 87 und Nr. 98 der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on, Euro­päi­sche Sozi­al­char­ta) sowie deren Aus­le­gung durch die hier­für zustän­di­gen Insti­tu­tio­nen und die Pra­xis der euro­päi­schen Staa­ten berück­sich­tigt 133. In dem kon­kre­ten Ver­fah­ren, das eine Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­rung der tür­ki­schen Gewerk­schaft Tüm Bel Sen mit einer tür­ki­schen Kom­mu­ne betraf, stell­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te fest, Ange­hö­ri­ge der Staats­ver­wal­tung könn­ten nicht aus dem Anwen­dungs­be­reich des Art. 11 EMRK aus­ge­schlos­sen wer­den. Allen­falls sei­en unter den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 11 Abs. 2 EMRK Ein­schrän­kun­gen denk­bar, wobei die in der Aus­nah­me­vor­schrift des Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK genann­ten Per­so­nen­grup­pen eng gefasst wer­den müss­ten 134. Die Regie­rung der Tür­kei habe es ver­säumt, eine zwin­gen­de sozia­le Not­wen­dig­keit ("pres­sing soci­al need") für den Aus­schluss des Rechts auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen dar­zu­le­gen 135. Allein der Ver­weis auf die pri­vi­le­gier­te Posi­ti­on von Beam­ten im Ver­gleich zu Arbeit­neh­mern genü­ge hier­für nicht 136.

Das zustim­men­de Son­der­vo­tum des Rich­ters Spiel­mann zu dem vor­ge­nann­ten Urteil vom 12.11.2008, dem die Rich­ter Bratza, Casa­de­vall und Vil­li­ger bei­getre­ten sind, betont die Bedeu­tung der Koali­ti­ons­frei­heit auch für den öffent­li­chen Dienst 137. Es sei aller­dings zu berück­sich­ti­gen, dass die recht­li­che Situa­ti­on der Beam­ten in vie­len Rechts­sys­te­men von Geset­zen oder Ver­ord­nun­gen bestimmt wer­de, von denen kei­ne Abwei­chung durch den Abschluss indi­vi­du­el­ler Ver­ein­ba­run­gen zuläs­sig sei. Unter Ver­weis auf Nico­las Val­ti­cos 138 führt das Son­der­vo­tum aus, der Cha­rak­ter der Bezie­hun­gen zwi­schen dem jewei­li­gen Staat und sei­nen Beam­ten unter­schei­de sich in den kon­kre­ten Staa­ten. In eini­gen Staa­ten wür­den Beam­te und ande­re öffent­li­che Ange­stell­te – jeden­falls die meis­ten von ihnen – mit Blick bei­spiels­wei­se auf das Recht, Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen zu füh­ren, und sogar mit Blick auf das Streik­recht wie Arbeit­neh­mer des pri­va­ten Sek­tors behan­delt. Ande­re Staa­ten folg­ten noch den tra­di­tio­nel­len Vor­stel­lun­gen. Ein ande­res Pro­blem resul­tie­re dar­aus, dass die Defi­ni­ti­on des Beam­ten in ihrem Umfang vari­ie­re: je nach Staat, je nach Aus­maß des öffent­li­chen Sek­tors und je nach­dem, ob und inwie­weit eine Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Beam­ten und Ange­stell­ten im öffent­li­chen Dienst in einem wei­te­ren Sinn vor­ge­nom­men wer­de 139. Obwohl das Recht zur Füh­rung von Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen mit der Ent­schei­dung der Gro­ßen Kam­mer vom 12.11.2008 nun­mehr aner­kannt sei, müss­ten bestimm­te Aus­nah­men oder Gren­zen im öffent­li­chen Sek­tor stets mög­lich blei­ben, vor­aus­ge­setzt, dass die Betei­li­gung der Reprä­sen­tan­ten der Bediens­te­ten bei den Ent­wurfs­ar­bei­ten für die rele­van­ten Arbeits­be­din­gun­gen oder Ver­ord­nun­gen garan­tiert blei­be 140. Die Gewähr­leis­tung, sich Gehör zu ver­schaf­fen, impli­zie­re zwar ein Recht der Bediens­te­ten im öffent­li­chen Sek­tor zum Dia­log mit ihrem Arbeit­ge­ber; sie beinhal­te aber nicht not­wen­di­ger­wei­se auch das Recht, Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen abzu­schlie­ßen, oder die kor­re­spon­die­ren­de Pflicht des Staa­tes, die Exis­tenz sol­cher Ver­ein­ba­run­gen zu ermög­li­chen. Viel­mehr müs­se den Staa­ten in die­sen Fra­gen eine gewis­se Wahl­frei­heit und Fle­xi­bi­li­tät zukom­men 141.

In dem Ver­fah­ren Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei aus dem Jahr 2009, das die Beschwer­de einer Beam­ten­ge­werk­schaft betraf, ent­schied die Kam­mer der 3. Sek­ti­on des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te, ein Streik­ver­bot grei­fe in die Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 Abs. 1 EMRK ein. Der Streik ermög­li­che einer Gewerk­schaft, sich Gehör zu ver­schaf­fen, und stel­le einen wich­ti­gen Aspekt zum Schutz der Inter­es­sen der Gewerk­schafts­mit­glie­der dar 142. Das Streik­recht sei aller­dings nicht abso­lut, son­dern kön­ne von Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig gemacht und beschränkt wer­den. So ste­he etwa der Grund­satz der Gewerk­schafts­frei­heit im Ein­klang mit einem Streik­ver­bot für Beam­te, die Hoheits­ge­walt im Namen des Staa­tes aus­üb­ten. In dem zu ent­schei­den­den Ver­fah­ren Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei sei jedoch durch Rund­erlass allen Beam­ten der Streik ver­bo­ten wor­den, ohne eine Abwä­gung mit den von Art. 11 Abs. 2 EMRK erwähn­ten Zie­len vor­zu­neh­men. Die tür­ki­sche Regie­rung habe nicht nach­ge­wie­sen, dass die von ihr vor­ge­nom­me­ne Beschrän­kung in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft not­wen­dig gewe­sen sei 143.

Bereits zuvor, mit Urteil vom 27.03.2007, ent­schied die Kam­mer der 2. Sek­ti­on des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te über die Reich­wei­te von Art. 11 EMRK mit Blick auf die Rechts­la­ge in der Tür­kei 144. Der Gerichts­hof beton­te zunächst, dass der per­sön­li­che Schutz­be­reich des Art. 11 Abs. 1 EMRK umfas­send sei und auch Beam­te hier­von nicht von vorn­her­ein aus­ge­nom­men wür­den 145. Im Fal­le des Beschwer­de­füh­rers, eines Elek­tri­kers, dem die Teil­nah­me an einem Streik betref­fend die Beam­ten­be­sol­dung vor­ge­wor­fen wur­de, sei die gegen ihn ver­häng­te dis­zi­pli­na­ri­sche War­nung nicht in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft not­wen­dig gewe­sen 146.

In dem Ver­fah­ren Urcan u.a. v. Tür­kei ent­schied die Kam­mer der 2. Sek­ti­on des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te am 17.07.2008 über die Beschwer­den meh­re­rer tür­ki­scher Leh­rer, die von tür­ki­schen Gerich­ten wegen der Teil­nah­me an einem Streik­tag zu Dis­zi­pli­nar­stra­fen ver­ur­teilt wor­den waren. Der Gerichts­hof beton­te in die­sem Zusam­men­hang, die Sank­tio­nie­rung stel­le einen Ein­griff in Art. 11 EMRK unter dem Aspekt der Ver­samm­lungs­frei­heit dar. Es feh­le jedoch an einer Recht­fer­ti­gung im Sin­ne des Art. 11 Abs. 2 EMRK, da der Ein­griff nicht not­wen­dig in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft gewe­sen sei 147.

Auch nach den Ent­schei­dun­gen in den Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei sowie Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei befass­te sich der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te wie­der­holt mit den Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 EMRK in Beschwer­de­ver­fah­ren betref­fend die Tür­kei. Im Ver­fah­ren Kaya und Sey­han v. Tür­kei ent­schied die Kam­mer der 2. Sek­ti­on über die Sank­tio­nie­rung einer Teil­nah­me zwei­er Lehr­kräf­te und Gewerk­schafts­mit­glie­der an einem Akti­ons­tag gegen ein Gesetz zur Orga­ni­sa­ti­on des öffent­li­chen Diens­tes 148. Die den Beschwer­de­füh­rern auf­er­leg­ten Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men ent­sprä­chen kei­nem zwin­gen­den gesell­schaft­li­chen Bedürf­nis und sei­en daher auch nicht in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft not­wen­dig. Hier­durch wer­de die Ver­samm­lungs­frei­heit der Beschwer­de­füh­rer unver­hält­nis­mä­ßig beein­träch­tigt 149.

Im Ver­fah­ren Sai­me Özcan v. Tür­kei befass­te sich die Kam­mer der 2. Sek­ti­on, eben­falls am 15.09.2009, mit der Beschwer­de einer Leh­re­rin, die zugleich Gewerk­schafts­mit­glied war und an einem natio­na­len Streik­tag zur Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen von Beam­ten teil­ge­nom­men hat­te. In der ursprüng­li­chen Ver­ur­tei­lung der Leh­re­rin sah die Kam­mer unter Ver­weis auf die Ent­schei­dun­gen in den Ver­fah­ren Urcan u.a. v. Tür­kei sowie Kara­çay v. Tür­kei eine Ver­let­zung von Art. 11 EMRK 150. Im Urteil vom 13.07.2010 in dem Ver­fah­ren Çeri­k­ci v. Tür­kei, das die Streik­teil­nah­me eines tür­ki­schen Kom­mu­nal­be­am­ten und eine dar­auf­hin ergan­ge­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me betraf, ver­wies die Kam­mer der 2. Sek­ti­on auf ihre Aus­füh­run­gen im Ver­fah­ren Kara­çay v. Tür­kei und stell­te wie­der­um eine Ver­let­zung von Art. 11 EMRK fest 151.

Unter Berück­sich­ti­gung der in den genann­ten Ver­fah­ren getrof­fe­nen Aus­sa­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te las­sen sich eine Kon­ven­ti­ons­wid­rig­keit der gegen­wär­ti­gen Rechts­la­ge in Deutsch­land und damit eine Kol­li­si­on zwi­schen natio­na­lem Recht und Euro­päi­scher Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on nicht fest­stel­len. Fehlt es bereits an einer Kol­li­si­ons­la­ge, kommt es auf die in den Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge nach den Gren­zen der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich an. Es bedarf der­zeit ins­be­son­de­re kei­ner Klä­rung, ob das Streik­ver­bot für Beam­te als her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums und tra­di­tio­nel­les Ele­ment der deut­schen Staats­ar­chi­tek­tur zugleich einen (aus­le­gungs­fes­ten) tra­gen­den Grund­satz der Ver­fas­sung dar­stellt 152, wofür indes viel spre­chen dürf­te.

Mit ihren Ver­fas­sungs­be­schwer­den beru­fen sich der Beschwer­de­füh­rer zu I. und die Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. unter ande­rem auf eine Pas­sa­ge in der Ent­schei­dung Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei, wonach ein Streik­ver­bot bestimm­te Beam­ten­ka­te­go­ri­en erfas­sen kön­ne, sich aber nicht – wie in dem vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te zu beur­tei­len­den Fall eines tür­ki­schen Rund­erlas­ses – auf Beam­te im All­ge­mei­nen oder auf öffent­li­che Beschäf­tig­te von staat­li­chen Wirt­schafts- oder Indus­trie­un­ter­neh­men erstre­cken dür­fe 143. Unge­ach­tet mög­li­cher Unge­nau­ig­kei­ten bei der Über­set­zung des in der amt­li­chen Fas­sung nur in fran­zö­si­scher Spra­che vor­lie­gen­den Urteils ist bei einer Bewer­tung die­ser Aus­sa­ge mit Blick auf die ein­zel­nen Aus­prä­gun­gen der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes mit ein­zu­stel­len, dass der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te – wie auch die Paren­the­se com­me en l’espèce ver­deut­licht – eine Aus­sa­ge in einem kon­kret-indi­vi­du­ell zu ent­schei­den­den Ver­fah­ren getrof­fen hat. Unmit­tel­ba­re Rechts­kraft­wir­kung begrün­det das gegen­über der Tür­kei ergan­ge­ne Urteil wie auch die wei­te­ren Ent­schei­dun­gen in den Beschwer­de­ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei, Kara­çay v. Tür­kei, Urcan u.a. v. Tür­kei, Kaya und Sey­han v. Tür­kei, Sai­me Özcan v. Tür­kei, Çeri­k­ci v. Tür­kei für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land daher nicht 3. In die­sem Zusam­men­hang ist zu berück­sich­ti­gen, dass Aus­sa­gen inter par­tes zu einem bestimm­ten Fall vor dem Hin­ter­grund des jeweils maß­geb­li­chen Rechts­sys­tems getrof­fen wur­den und dass begriff­li­che Ähn­lich­kei­ten nicht über Unter­schie­de, die sich aus dem Kon­text der Rechts­ord­nun­gen erge­ben, hin­weg­täu­schen dür­fen 153. Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te haben indes auch jen­seits von Art. 46 EMRK über die ihnen eige­ne Leit- und Ori­en­tie­rungs­wir­kung eine spe­zi­fi­sche Bedeu­tung bei der kon­ven­ti­ons­kon­for­men Aus­le­gung des natio­na­len Rechts. Die­se Ori­en­tie­rungs­wir­kung ist dann beson­ders groß, wenn sie sich auf Par­al­lel­fäl­le im Gel­tungs­be­reich der­sel­ben Rechts­ord­nung bezieht, mit­hin (ande­re) Ver­fah­ren in dem von der Aus­gangs­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te betrof­fe­nen Ver­trags­staat betrifft 65. Jen­seits die­ser Par­al­lel­si­tua­tio­nen ist der Leit- und Ori­en­tie­rungs­wir­kung durch eine Über­prü­fung der eige­nen Rechts­ord­nung 154 sowie eine Über­nah­me der vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te for­mu­lier­ten grund­le­gen­den Wer­tun­gen im Sin­ne von ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­gen all­ge­mei­nen Grund­li­ni­en 155 Rech­nung zu tra­gen.

Abs. 3 GG sowie die hier­zu ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, wonach auch deut­sche Beam­tin­nen und Beam­te aus­nahms­los dem per­sön­li­chen Schutz­be­reich der Koali­ti­ons­frei­heit unter­fal­len 156, aller­dings das Streik­recht als eine Ein­zel­aus­prä­gung von Art. 9 Abs. 3 GG auf­grund kol­li­die­ren­den Ver­fas­sungs­rechts (Art. 33 Abs. 5 GG) von die­ser Per­so­nen­grup­pe nicht aus­ge­übt wer­den kann, ste­hen mit den kon­ven­ti­ons­recht­li­chen Wer­tun­gen in Ein­klang. Grund­aus­sa­gen im Sin­ne von Wer­tun­gen, die im Rah­men einer kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen sind, hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te zu Schutz­be­reich und Ein­schränk­bar­keit von Art. 11 EMRK for­mu­liert. Im Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei hat die Gro­ße Kam­mer im Rah­men ihrer Bewer­tung der Garan­ti­en des Art. 11 EMRK 157 Aus­füh­run­gen zum Schutz­be­reich gemacht. Sie hat die Fra­ge nach der Reich­wei­te des per­sön­li­chen Schutz­be­reichs zusam­men­fas­send dahin­ge­hend beant­wor­tet, dass auch Ange­hö­ri­ge der Staats­ver­wal­tung nicht gene­rell aus dem Anwen­dungs­be­reich des Art. 11 EMRK her­aus­fal­len, son­dern ihnen allen­falls Ein­schrän­kun­gen auf­er­legt wer­den kön­nen 158. Zudem dür­fe der Wesens­ge­halt der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit nicht ange­tas­tet wer­den 159. Eine ähn­li­che Wer­tung fin­det sich bereits in dem Urteil im Ver­fah­ren Kara­çay v. Tür­kei, wonach das von Art. 11 Abs. 1 EMRK garan­tier­te Recht, einer Gewerk­schaft bei­zu­tre­ten, für jeder­mann gewähr­leis­tet wer­de und hier­von auch Beam­te nicht auto­ma­tisch aus­ge­schlos­sen sei­en 160.

Spe­zi­ell mit Blick auf das Streik­recht hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te im Ver­fah­ren Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei die ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­ge Aus­le­gungs­ma­xi­me for­mu­liert, dass der Streik eine Mög­lich­keit der Gewerk­schaf­ten dar­stel­le, sich Gehör zu ver­schaf­fen und dadurch ihre Inter­es­sen zu schüt­zen 142. Auch zu die­ser Wer­tung steht das deut­sche Recht nicht in Wider­spruch. In Deutsch­land wird, soweit es um die Reprä­sen­ta­ti­on von Beam­tin­nen und Beam­ten geht, den Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der zustän­di­gen Gewerk­schaf­ten kein Streik­recht, son­dern ein Betei­li­gungs­recht bei der Vor­be­rei­tung all­ge­mei­ner Rege­lun­gen der beam­ten­recht­li­chen Ver­hält­nis­se ein­ge­räumt (vgl. § 118 BBG und § 53 BeamtStG sowie die Rege­lun­gen der Lan­des­be­am­ten­ge­set­ze). Auch wenn die­ses Ver­fah­ren nicht die einem Arbeits­kampf imma­nen­te Druck­si­tua­ti­on auf­baut und ange­sichts der feh­len­den Tarif­bin­dung auch nicht auf­bau­en kann, ermög­licht es den Gewerk­schaf­ten im Sin­ne einer Kom­pen­sa­ti­ons- oder Aus­gleichs­maß­nah­me, mit ihrer Stim­me gehört zu wer­den.

Unab­hän­gig davon, ob das Streik­ver­bot für deut­sche Beam­te einen Ein­griff in Art. 11 Abs. 1 EMRK dar­stellt, ist es wegen der Beson­der­hei­ten des deut­schen Sys­tems des Berufs­be­am­ten­tums jeden­falls nach Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK bezie­hungs­wei­se Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK gerecht­fer­tigt.

Das Streik­ver­bot ist in Deutsch­land im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK gesetz­lich vor­ge­se­hen. Not­wen­dig hier­für ist eine Grund­la­ge im natio­na­len Recht 161. Eine sol­che Grund­la­ge ist gege­ben. Die Beam­ten­ge­set­ze des Bun­des und der Län­der ent­hal­ten für alle Beam­tin­nen und Beam­ten kon­kre­te Rege­lun­gen zum uner­laub­ten Fern­blei­ben vom Dienst bezie­hungs­wei­se zur Wei­sungs­ge­bun­den­heit. Mit die­sen Vor­ga­ben ist eine nicht geneh­mig­te Teil­nah­me an Streik­maß­nah­men unver­ein­bar. Im Übri­gen ist das Streik­ver­bot für Beam­te eine höchst­rich­ter­lich seit Jahr­zehn­ten aner­kann­te Aus­prä­gung des Art. 33 Abs. 5 GG 162.

Die zur Begrün­dung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men her­an­ge­zo­ge­ne Gewähr­leis­tung einer funk­ti­ons­fä­hi­gen öffent­li­chen Ver­wal­tung, kon­kret im Fal­le der Beschwer­de­füh­rer die Gewähr­leis­tung des staat­li­chen Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­tra­ges und eines funk­tio­nie­ren­den Schul­we­sens (Art. 7 Abs. 1 GG), dient der Auf­recht­erhal­tung der Ord­nung und ver­folgt damit ein legi­ti­mes Ziel im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK.

Das Streik­ver­bot ist wegen der Beson­der­hei­ten des deut­schen Sys­tems des Berufs­be­am­ten­tums auch not­wen­dig in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft. Wie der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in sei­ner Ent­schei­dung im Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei aus­ge­führt hat, setzt die Recht­fer­ti­gung eines Ein­griffs in Art. 11 Abs. 1 EMRK ein drin­gen­des sozia­les bezie­hungs­wei­se gesell­schaft­li­ches Bedürf­nis ("pres­sing soci­al need") vor­aus; zudem muss die Ein­schrän­kung ver­hält­nis­mä­ßig sein 163. Die Tür­kei habe aller­dings nicht dar­ge­legt, dass das im tür­ki­schen Recht für Beam­te gel­ten­de abso­lu­te Ver­bot der Grün­dung von Gewerk­schaf­ten ein sol­ches drin­gen­des gesell­schaft­li­ches Bedürf­nis erfül­le. Allein die Tat­sa­che, dass die ein­schlä­gi­gen Geset­ze kei­ne Mög­lich­keit für die Grün­dung von Gewerk­schaf­ten vor­sä­hen, rei­che nicht aus 164. Eben­so wenig genü­ge in die­sem Zusam­men­hang allein der Hin­weis auf die pri­vi­le­gier­te Stel­lung tür­ki­scher Beam­ter 136. Auch im Ver­fah­ren Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei habe die tür­ki­sche Regie­rung mit ihrem Vor­trag, Art. 11 EMRK garan­tie­re den Gewerk­schaf­ten kei­nen Anspruch auf ein bestimm­tes Ver­hal­ten, nicht hin­rei­chend dar­ge­legt, dass die umstrit­te­ne Beschrän­kung des Streik­rechts in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft not­wen­dig gewe­sen sei 165.

Der Gerichts­hof hat in dem Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei zudem fest­ge­stellt, im Rah­men der Aus­fül­lung des unbe­stimm­ten Rechts­be­griffs eines drin­gen­den gesell­schaft­li­chen Bedürf­nis­ses ste­he den Ver­trags­staa­ten nur ein begrenz­ter Beur­tei­lungs­spiel­raum ("a limi­ted mar­gin of appre­cia­ti­on") zu 163. Aller­dings betraf das Ver­fah­ren nicht die Gewähr­leis­tung eines Streik­rechts, des­sen Zuge­hö­rig­keit zu den Kern­ge­währ­leis­tun­gen des Art. 11 EMRK der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te bis­lang aus­drück­lich nicht fest­ge­stellt hat 166. Zum Umfang des Beur­tei­lungs­spiel­raums bei Beschrän­kun­gen der Gewerk­schafts­frei­heit hat er viel­mehr die fol­gen­de Dif­fe­ren­zie­rung vor­ge­nom­men: Betref­fe eine gesetz­li­che Ein­schrän­kung den Kern gewerk­schaft­li­cher Tätig­keit, sei dem natio­na­len Gesetz­ge­ber ein gerin­ge­rer Beur­tei­lungs­spiel­raum zuzu­ge­ste­hen und mehr zu ver­lan­gen, um den dar­aus fol­gen­den Ein­griff in die Gewerk­schafts­frei­heit mit dem öffent­li­chen Inter­es­se zu recht­fer­ti­gen. Wer­de umge­kehrt nicht der Kern, son­dern nur ein Neben­as­pekt der Gewerk­schafts­tä­tig­keit berührt, sei der Beur­tei­lungs­spiel­raum wei­ter und der jewei­li­ge Ein­griff eher ver­hält­nis­mä­ßig 167. Für einen Unter­stüt­zungs­streik hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te ent­schie­den, dass die­ser nicht den Kern­be­reich der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit betref­fe, son­dern ledig­lich einen Neben­as­pekt dar­stel­le und daher dem betrof­fe­nen Staat bei Ein­schrän­kun­gen ein wei­te­rer Beur­tei­lungs­spiel­raum zuzu­ge­ste­hen sei 168.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist ein Streik­ver­bot für deut­sche Beam­tin­nen und Beam­te und kon­kret für beam­te­te Lehr­kräf­te nach Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK gerecht­fer­tigt. In den vor­lie­gen­den Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren nah­men beam­te­te Lehr­kräf­te an Streik­maß­nah­men teil, zu denen die GEW auf­ge­ru­fen hat­te. In die­ser Gewerk­schaft sind sowohl beam­te­te als auch ange­stell­te Lehr­kräf­te ver­tre­ten. Tarif­ver­trä­ge han­delt die GEW mit der Tarif­ge­mein­schaft der Län­der auf­grund der in Deutsch­land gel­ten­den Rechts­la­ge aber nur in Bezug auf die ange­stell­ten Lehr­kräf­te aus. Auf Beam­te fin­den die­se Tarif­ver­trä­ge kei­ne Anwen­dung; viel­mehr ent­schei­det der für die Fest­le­gung der Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen der Beam­tin­nen und Beam­ten allein zustän­di­ge Gesetz­ge­ber in Bund und Län­dern dar­über, ob und in wel­chem Umfang die in Tarif­ver­hand­lun­gen für Ange­stell­te im öffent­li­chen Dienst erziel­ten Ergeb­nis­se auf Beam­tin­nen und Beam­te über­tra­gen wer­den. Teil­wei­se woll­ten der Beschwer­de­füh­rer zu I. und die Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. mit ihrer Streik­teil­nah­me eine sol­che Über­tra­gung errei­chen. Die­ses Ver­hal­ten, das (jeden­falls auch) zur Unter­stüt­zung eines auf den Abschluss eines Tarif­ver­trags gerich­te­ten Streiks gedacht war und eine gewis­se Nähe zum Unter­stüt­zungs­streik auf­weist, fällt damit nicht in den Kern­be­reich der Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 Abs. 1 EMRK. Der der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land daher im Grund­satz zukom­men­de wei­te­re Beur­tei­lungs­spiel­raum ist vor­lie­gend auch nicht über­schrit­ten. Denn das für Tei­le des öffent­li­chen Diens­tes gel­ten­de und als Ver­fas­sungs­tra­di­ti­on aner­kann­te Streik­ver­bot ist nicht Aus­druck der pri­vi­le­gier­ten Stel­lung von Beam­tin­nen und Beam­ten (Unkünd­bar­keit, Bei­hil­fe­be­rech­ti­gung, Ruhe­stands­ver­sor­gung) und recht­fer­tigt sich auch nicht allei­ne aus ihrer Funk­ti­on für die Auf­recht­erhal­tung der Ver­wal­tung und den Schutz der Rech­te Drit­ter. Maß­geb­lich ist viel­mehr der Umstand, dass im Sys­tem des deut­schen Beam­ten­rechts mit dem Beam­ten­sta­tus auf­ein­an­der abge­stimm­te Rech­te und Pflich­ten ein­her­ge­hen und Aus­wei­tun­gen oder Beschrän­kun­gen auf der einen Sei­te in der Regel auch Ver­än­de­run­gen auf der ande­ren Sei­te des Beam­ten­ver­hält­nis­ses zei­ti­gen. Ins­be­son­de­re die Zuer­ken­nung eines Streik­rechts für Beam­te wäre – wie auch die münd­li­che Ver­hand­lung vom 17.01.2018 deut­lich gemacht hat – unver­ein­bar mit der Bei­be­hal­tung grund­le­gen­der beam­ten­recht­li­cher Prin­zi­pi­en, die wäh­rend eines län­ge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den sind und die wegen ihres Ver­fas­sungs­ran­ges nicht zur Dis­po­si­ti­on des ein­fa­chen Gesetz­ge­bers ste­hen. Dies beträ­fe ins­be­son­de­re die Treue­pflicht des Beam­ten, das Lebens­zeit­prin­zip sowie das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, zu des­sen Aus­prä­gun­gen die Rege­lung der Besol­dung durch Gesetz zählt. Die Zuer­ken­nung eines Streik­rechts für Beam­te wür­de das Sys­tem des deut­schen Beam­ten­rechts im Grund­satz ver­än­dern und damit in Fra­ge stel­len. Bei die­sem Sys­tem han­delt es sich um eine natio­na­le Beson­der­heit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die dem Umstand geschul­det ist, dass sich die Staa­ten in Euro­pa kul­tu­rell und his­to­risch sehr unter­schied­lich ent­wi­ckelt haben 169.

In die nach Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK vor­zu­neh­men­de Inter­es­sen­ab­wä­gung mit den Rech­ten und Frei­hei­ten ande­rer ist zudem ein­zu­stel­len, dass im Fal­le des Beschwer­de­füh­rers zu I. und der Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. das Streik­ver­bot dem Recht auf Bil­dung und damit dem Schutz eines in Art. 2 ZP 1 EMRK und ande­ren völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen ver­an­ker­ten Men­schen­rechts dient 170.

Als Kom­pen­sa­ti­on des Streik­ver­bots, das nicht ohne grund­le­gen­de Ände­rung der nach Art. 33 Abs. 5 GG ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten; und vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten­den her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums besei­tigt wer­den kann, ist in Deutsch­land eine Betei­li­gung der Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der Gewerk­schaf­ten bei der Vor­be­rei­tung gesetz­li­cher Rege­lun­gen der beam­ten­recht­li­chen Ver­hält­nis­se geschaf­fen wor­den 171. Ein wei­te­rer Aus­gleich für die feh­len­de Mög­lich­keit der deut­schen Beam­tin­nen und Beam­ten, durch Maß­nah­men des Arbeits­kamp­fes auf ihre Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen Ein­fluss zu neh­men, ist das ihnen zuste­hen­de sub­jek­tiv-öffent­li­che Recht, über Art. 33 Abs. 5 GG die Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit ihrer Ali­men­ta­ti­on gericht­lich über­prü­fen zu las­sen 172. Die­se in Deutsch­land tra­di­tio­nell nur Beam­tin­nen und Beam­ten, nicht aber Ange­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes eröff­ne­te Kon­troll­mög­lich­keit und die sub­jek­tiv-recht­li­che Funk­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG wür­den im Fal­le eines Streik­rechts weit­ge­hend sinn­ent­leert.

Im Übri­gen sind der Beschwer­de­füh­rer zu I. und die Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. als (ehe­mals) beam­te­te Lehr­kräf­te dem Bereich der Staats­ver­wal­tung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK zuzu­ord­nen. Nach Auf­fas­sung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te han­delt es sich bei die­ser Aus­nah­me­be­stim­mung weder um eine Bereichs­aus­nah­me noch um einen eigen­stän­di­gen Recht­fer­ti­gungs­grund, son­dern um eine Ergän­zung zu Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK, bei der ins­be­son­de­re auch eine Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung vor­zu­neh­men ist 173.

Nach Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK kann die Aus­übung der Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 Abs. 1 EMRK für Ange­hö­ri­ge der Streit­kräf­te, der Poli­zei oder der Staats­ver­wal­tung beschränkt wer­den. Die Ein­schrän­kun­gen, die den genann­ten Per­so­nen­grup­pen auf­er­legt wer­den kön­nen, sind dabei eng aus­zu­le­gen 174. Ein Aspekt für die Zuord­nung zum Begriff der Staats­ver­wal­tung könn­te daher die Aus­übung hoheit­li­cher Befug­nis­se im Namen des Staa­tes sein 175.

Die Fra­ge, ob Lehr­kräf­te an öffent­li­chen Schu­len in Deutsch­land dem Bereich der Staats­ver­wal­tung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK zuzu­ord­nen sind, hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te bis­lang noch nicht beant­wor­tet. Er hat die­se Fra­ge viel­mehr in zwei gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gerich­te­ten Ver­fah­ren jeweils man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit offen­ge­las­sen 176.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sind beam­te­te Leh­re­rin­nen und Leh­rer als Ange­hö­ri­ge der Staats­ver­wal­tung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK anzu­se­hen. Zu weit­ge­hend und mit den Vor­ga­ben der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on nicht mehr zu ver­ein­ba­ren wäre aller­dings ein Ver­ständ­nis, das alle Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes eines Staa­tes – gege­be­nen­falls unter Ein­schluss von Beschäf­tig­ten staat­li­cher Wirt­schafts- oder Indus­trie­un­ter­neh­men 143 – dem Bereich der Staats­ver­wal­tung zuord­ne­te. Schon in recht­stat­säch­li­cher Hin­sicht stel­len Beam­tin­nen und Beam­te, die gemäß Art. 33 Abs. 4 GG in einem öffent­lich-recht­li­chen Dienst- und Treue­ver­hält­nis ste­hen, im Ver­gleich zu Ange­stell­ten aber den gerin­ge­ren Teil des Per­so­nals des zwei­spu­rig orga­ni­sier­ten öffent­li­chen Diens­tes in Deutsch­land dar. Zum 30.06.2016 befan­den sich von knapp 4, 7 Mil­lio­nen Beschäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst nur etwa 1, 7 Mil­lio­nen Per­so­nen in einem Beam­ten- oder Rich­ter­ver­hält­nis 177.

Für den im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren maß­geb­li­chen Bereich der Lehr­kräf­te an öffent­li­chen Schu­len ergibt sich zudem ein beson­de­res Inter­es­se des Staa­tes an der Auf­ga­ben­er­fül­lung durch Beam­tin­nen und Beam­te. Schul­we­sen und staat­li­cher Erzie­hungs- und Bil­dungs­auf­trag neh­men im Grund­ge­setz (Art. 7 GG) und den Ver­fas­sun­gen der Län­der einen hohen Stel­len­wert ein. Mit­un­ter ist die Beschäf­ti­gung von Lehr­kräf­ten im Beam­ten­ver­hält­nis als Regel­fall vor­ge­se­hen (vgl. Art. 133 Abs. 2 der Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Bay­ern). Zwar neh­men Leh­rer in der Regel nicht schwer­punkt­mä­ßig hoheit­lich gepräg­te Auf­ga­ben wahr 178. Damit steht Art. 33 Abs. 4 GG einer Beschäf­ti­gung von Lehr­kräf­ten im Ange­stell­ten­ver­hält­nis, die in Deutsch­land – abhän­gig von dem betrof­fe­nen Land – in unter­schied­li­cher Inten­si­tät auch prak­ti­ziert wird, nicht ent­ge­gen. Die Beschäf­ti­gung von ange­stell­ten Leh­re­rin­nen und Leh­rern ist nicht ihrer Funk­ti­on oder den von ihnen wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben, son­dern regel­mä­ßig beson­de­ren Sach­grün­den geschul­det, über die Ver­tre­ter ver­schie­de­ner Län­der in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 17.01.2018 berich­tet haben. Teil­wei­se sind bei den im Ange­stell­ten­ver­hält­nis beschäf­tig­ten Lehr­kräf­ten die per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis nicht erfüllt; teil­wei­se lie­gen der Ent­schei­dung des Staa­tes für die Begrün­dung von Ange­stell­ten­ver­hält­nis­sen ver­wal­tungs­prak­ti­sche Erwä­gun­gen zugrun­de. So sind in der Ver­gan­gen­heit durch die Beschäf­ti­gung ange­stell­ter Lehr­kräf­te etwa fle­xi­ble­re Ein­satz­mög­lich­kei­ten geschaf­fen wor­den; im Frei­staat Sach­sen wur­de zudem auf den (damals) not­wen­di­gen Abbau der aus demo­gra­fi­schen Grün­den nach der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung ein­ge­tre­te­nen Über­be­schäf­ti­gung im schu­li­schen Bereich reagiert. Daher lässt sich allein wegen der fak­ti­schen Auf­spal­tung der Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se für Leh­rer in Deutsch­land die Zuge­hö­rig­keit beam­te­ter Lehr­kräf­te zur Staats­ver­wal­tung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK nicht ver­nei­nen. Leh­re­rin­nen und Leh­rer üben viel­mehr so bedeut­sa­me Auf­ga­ben aus, dass die Ent­schei­dung über eine Ver­be­am­tung dem Staat vor­be­hal­ten blei­ben muss.

EMRK – und die Bin­dung an Recht und Gesetz[↑]

Auch eine Ver­let­zung von Art. 9 Abs. 3 GG in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG ver­neint das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt:

Zur Bin­dung an Gesetz und Recht gehört auch die Berück­sich­ti­gung der Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und der Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te im Rah­men metho­disch ver­tret­ba­rer Geset­zes­aus­le­gung. Sowohl die feh­len­de Aus­ein­an­der­set­zung mit einer Ent­schei­dung des Gerichts­hofs als auch deren gegen vor­ran­gi­ges Recht ver­sto­ßen­de sche­ma­ti­sche "Voll­stre­ckung" kön­nen gegen Grund­rech­te in Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip ver­sto­ßen 179. Die über das Zustim­mungs­ge­setz aus­ge­lös­te Pflicht zur Berück­sich­ti­gung der Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und der Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te erfor­dert zumin­dest, dass die ent­spre­chen­den Tex­te und Judi­ka­te zur Kennt­nis genom­men wer­den und in den Wil­lens­bil­dungs­pro­zess des zu einer Ent­schei­dung beru­fe­nen Gerichts, der zustän­di­gen Behör­de oder des Gesetz­ge­bers ein­flie­ßen 180. Sind für die Beur­tei­lung eines Sach­ver­halts Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te ein­schlä­gig, so sind grund­sätz­lich die von ihm in sei­ner Abwä­gung berück­sich­tig­ten Aspek­te auch in die ver­fas­sungs­recht­li­che Wür­di­gung, nament­lich die Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ein­zu­be­zie­hen, und es hat eine Aus­ein­an­der­set­zung mit den gefun­de­nen Abwä­gungs­er­geb­nis­sen statt­zu­fin­den 155.

Die­sen Vor­ga­ben wer­den die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen gerecht. Die Gerich­te haben Art. 11 EMRK in der Aus­le­gung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te bei der Beur­tei­lung des jewei­li­gen Sach­ver­halts zur Kennt­nis genom­men und sich hier­mit aus­ein­an­der­ge­setzt. Sie sind indes zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die ein­schlä­gi­ge Gewähr­leis­tung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on bereits nicht mit der Rechts­la­ge in Deutsch­land kol­li­diert, jeden­falls aber einer Über­tra­gung der Vor­ga­ben des Art. 11 EMRK in der vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes ent­ge­gen­ste­hen 181. Eine feh­len­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on liegt damit eben­so wenig vor wie eine Nicht­be­rück­sich­ti­gung der Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 12. Juni 2018 – 2 BvR 1738/​122 BvR 646/​152 BvR 1068/​14 und 2 BvR 1395/​13

  1. vgl. BVerfGE 19, 303, 312, 322[][]
  2. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 111, 307, 317; 128, 326, 367 f.; stRspr[]
  3. vgl. auch BVerfGE 111, 307, 320[][][]
  4. vgl. BVerfGE 111, 307, 329; 128, 326, 371[]
  5. Amts­bl S. 1077, zuletzt geän­dert durch das Gesetz vom 13.07.2016 [Amts­bl I S. 710][]
  6. EGMR, Urteil der Gro­ßen Kam­mer vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97[]
  7. EGMR, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01[]
  8. vgl. BVerfGE 4, 96, 107; 17, 319, 333; 18, 18, 25 f.; 50, 290, 367[]
  9. vgl. BVerfGE 17, 319, 333; 19, 303, 312; 28, 295, 304; 50, 290, 367; 58, 233, 246; 93, 352, 358; zuletzt BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 130[]
  10. vgl. BVerfGE 50, 290, 368 m.w.N.; 92, 365, 393; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 130[]
  11. so noch BVerfGE 19, 303, 321 f.; 28, 295, 304; 38, 281, 305; 50, 290, 368 f.[]
  12. vgl. BVerfGE 93, 352, 358 f.; 94, 268, 283; 100, 271, 282; 103, 293, 304[]
  13. vgl. BVerfGE 84, 212, 224 f.[]
  14. vgl. BVerfGE 88, 103, 114; 92, 365, 393 f.; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 131[]
  15. vgl. BVerfGE 84, 212, 225[]
  16. vgl. nur BVerfGE 92, 26, 41[]
  17. vgl. etwa BVerfGE 28, 243, 261; 84, 212, 228; 92, 26, 41; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 141[]
  18. vgl. BVerfGE 19, 303, 322[][][]
  19. vgl. BVerfGE 117, 330, 344; 119, 247, 260[]
  20. vgl. BVerfGE 8, 332, 343; 46, 97, 117; 58, 68, 76 f.; 83, 89, 98; 106, 225, 232; 107, 218, 237; 117, 330, 344 f.; 117, 372, 379; 121, 205, 219; ohne Bezug auf die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung BVerfGE 145, 1, 8 Rn. 16[]
  21. vgl. BVerfGE 7, 155, 162; 119, 247, 260 f.; stRspr[]
  22. vgl. BVerfGE 117, 330, 349[]
  23. vgl. BVerfGE 43, 177, 185; 114, 258, 286[]
  24. vgl. BVerfGE 8, 1, 16 f.; 11, 203, 210; 61, 43, 57 f.[]
  25. vgl. BVerfGE 117, 330, 348 f.; 117, 372, 379[]
  26. vgl. BVerfGE 3, 58, 137; 7, 155, 162; 70, 69, 79[]
  27. vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 9, 268, 286; 15, 167, 195 m.w.N.[]
  28. vgl. BVerfGE 39, 334, 346 f.; 119, 247, 264[]
  29. vgl. BVerfGE 71, 255, 268; 121, 205, 220[]
  30. vgl. BVerfGE 8, 1, 16 ff.; 44, 249, 265; 49, 260, 271; 70, 251, 267; 99, 300, 314; 106, 225, 232; 117, 372, 380; 139, 64, 111 Rn. 92; 140, 240, 277 Rn. 71[]
  31. vgl. BVerfGE 44, 249, 264; sie­he auch BVerfGE 8, 1, 15 ff.; 8, 28, 35[]
  32. zu Lebens­zeit- und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip vgl. BVerfGE 119, 247, 263; 121, 205, 221; zu Treue­pflicht und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip vgl. BVerfGE 21, 329, 345; 44, 249, 264; 130, 263, 298; zu Treue­pflicht des Beam­ten und Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn vgl. BVerfGE 9, 268, 286; fer­ner auch BVerfGE 71, 39, 59[]
  33. vgl. bereits BVerfGE 9, 268, 286[]
  34. vgl. BVerfGE 39, 334, 347[]
  35. vgl. BVerfGE 119, 247, 264 m.w.N.[]
  36. vgl. BVerfGE 121, 205, 221[]
  37. vgl. BVerfGE 121, 205, 222; 141, 56, 71 Rn. 38[]
  38. vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72[]
  39. vgl. BVerfGE 7, 155, 162 f.; 21, 329, 345; 39, 196, 201; 44, 249, 265; 117, 372, 380; stRspr[]
  40. BVerfGE 8, 1, 16 f.; 117, 372, 380 f.[]
  41. vgl. BVerfGE 99, 300, 314; 107, 218, 236 f.; 117, 330, 344; 119, 247, 266; 130, 263, 292[]
  42. vgl. auch BVerfGE 8, 1, 17[]
  43. BGBl I S.2034[]
  44. vgl. BVerfGE 119, 247, 272 f.[]
  45. vgl. BVerfGE 121, 205, 232[]
  46. BVerfGE 145, 1, 12 f. Rn. 27[]
  47. vgl. BVerfGE 119, 247, 273[]
  48. vgl. BVerfGE 111, 307, 316 m.w.N.[]
  49. BGBl II S. 685[]
  50. BGBl II 1954 S. 14[]
  51. Neu­be­kannt­ma­chung der Kon­ven­ti­on in der Fas­sung des 11. Zusatz­pro­to­kolls in BGBl II 2002 S. 1054[]
  52. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 111, 307, 316 f.[]
  53. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 83, 119, 128; 111, 307, 316 f., 329; 120, 180, 200 f.; 128, 326, 367 f.; BVerfGK 3, 4, 8; 9, 174, 190; 10, 66, 77; 10, 234, 239; 20, 234, 247[]
  54. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 111, 307, 317; 120, 180, 200 f.[]
  55. vgl. BVerfGE 111, 307, 320; 128, 326, 368; BVerfGK 10, 66, 77 f.; 10, 234, 239[]
  56. vgl. BVerfGE 111, 307, 328; 112, 1, 25 f.; BVerfGK 9, 174, 190, 193[]
  57. BVerfGE 128, 326, 369[]
  58. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 111, 307, 329; 128, 326, 369; Drei­er, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 1 Abs. 2 Rn. 21; Her­de­gen, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 1 Abs. 2 Rn. 47, März 2006; Gie­ge­rich, in: Dörr/​Grote/​Marauhn, EMRK/​GG, Bd. I, 2. Aufl.2013, Kap. 2 Rn. 71 ff.[]
  59. BVerfGE 137, 273, 320 f. Rn. 128 m.w.N.[]
  60. vgl. BVerfGE 111, 307, 316; 128, 326, 367[]
  61. vgl. BVerfGE 128, 326, 370, unter Ver­weis auf Häber­le, Euro­päi­sche Ver­fas­sungs­leh­re, 7. Aufl.2011, S. 255 f.; vgl. auch Drei­er, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 1 Abs. 2 Rn.20[]
  62. vgl. Kai­ser, AöR 142, 2017, S. 417, 432 ff.[]
  63. vgl. BVerfGE 75, 223, 244 f.[]
  64. vgl. Kai­ser, AöR 142, 2017, S. 417, 432[]
  65. vgl. Grabenwarter/​Pabel, Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, 6. Aufl.2016, § 16 Rn. 8[][]
  66. vgl. BVerfGE 111, 307, 329; 128, 326, 371; zur abso­lu­ten Gren­ze des Kern­ge­halts der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes gemäß Art. 79 Abs. 3 GG vgl. BVerfGE 123, 267, 344 ff.[]
  67. vgl. BVerfGE 111, 307, 329[]
  68. vgl. BVerfGE 111, 307, 319[]
  69. dazu BVerfGE 111, 307, 317[]
  70. vgl. BVerfGE 128, 326, 371 m.w.N.[]
  71. vgl. BVerfGE 111, 307, 327; 128, 326, 371[]
  72. vgl. BVerfGE 111, 307, 324; 128, 326, 371 f.; BVerfGK 3, 4, 9[]
  73. vgl. BVerfGE 4, 96, 107[]
  74. vgl. auch Klein, Das Kol­lek­tiv­ver­trags- und Streik­recht für Beam­te in pri­va­ti­sier­ten Unter­neh­men, 2017, S. 139 m.w.N.[]
  75. BVerwG, Urteil vom 27.02.2014 – 2 C 1.13[]
  76. BVerfGE 8, 1, 17; 44, 249, 264; 119, 247, 264[]
  77. vgl. BVerw­GE 149, 117, 125 f. Rn. 32[]
  78. vgl. BVerfGE 119, 247, 264[][]
  79. vgl. Klein, Das Kol­lek­tiv­ver­trags- und Streik­recht für Beam­te in pri­va­ti­sier­ten Unter­neh­men, 2017, S. 140 ff.; a.A. Häns­le, Streik und Daseins­vor­sor­ge, 2016, S. 490 ff.[]
  80. vgl. BVerfGE 31, 58, 73[]
  81. vgl. auch Hes­se, Grund­zü­ge des Ver­fas­sungs­rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, 20. Aufl.1995, Rn. 72[]
  82. vgl. Kees, Der Staat 54, 2015, S. 63, 75[]
  83. vgl. BVerfGE 4, 96, 107; Kem­per, in: von Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 1, 7. Aufl.2018, Art. 9 Rn.197; Scholz, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 9 Rn. 362, Sep­tem­ber 2016[]
  84. vgl. BVerfGE 84, 212, 225; 88, 103, 114; 92, 365, 393 f.; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 131[]
  85. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.03.2014 – 1 BvR 3185/​09 26 ff.[]
  86. vgl. BAGE 123, 134, 137 f. Rn. 13; zum "mit­tel­ba­ren Tarif­be­zug" Icken­roth, Das deut­sche Beam­ten­streik­ver­bot im Lich­te der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, 2016, S.198 ff.[]
  87. vgl. EGMR, Natio­nal Uni­on of Rail, Mari­ti­me and Trans­port Workers v. United King­dom, Urteil vom 08.04.2014, Nr. 31045/​10, § 77[]
  88. vgl. auch BAGE 123, 134, 146 Rn. 37[]
  89. Bau­er, in: Drei­er, GG, Bd. I, 3. Aufl.2013, Art. 9 Rn. 90 m.w.N.[]
  90. vgl. Feld­kamp, Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948 – 1949, Bd. 14, Teilbd. 1, Haupt­aus­schuss, 2009, S. 521 ff.[]
  91. vgl. BVerfGE 44, 249, 264 m.w.N.[]
  92. BVerfGE 119, 247, 264 m.w.N.[]
  93. RGBl S. 187[]
  94. RGBl S.205[]
  95. RGSt 56, 412, 416 ff.; 56, 419, 421 f.; Ent­schei­dun­gen des Reichs­dis­zi­pli­nar­hofs vom 10.04.1923, in: Schulze/​Simons, Die Recht­spre­chung des Reichs­dis­zi­pli­nar­ho­fes nach dem Stan­de vom 01.10.1925, 1926, S.19, 21; vom 14.12 1922, in: Schulze/​Simons, a.a.O., S. 73, 77; vom 08.05.1923, in: Schulze/​Simons, a.a.O., S. 85; vom 12.03.1923, in: Schulze/​Simons, a.a.O., S. 86, 87; vom 30.01.1923, in: Schulze/​Simons, a.a.O., S. 404, 405 f.; wei­te­re Recht­spre­chungs­nach­wei­se bei Anschütz, WRV, 14. Aufl.1933, Art. 159 Anm. 5; sowie Hoff­mann, Beam­ten­tum und Streik, AöR 91, 1966, S. 141, 164 mit Fn. 122; a.A. wohl Däub­ler, Der Streik im öffent­li­chen Dienst, 2. Aufl.1971, S. 107[]
  96. vgl. Hen­sche, in: Däub­ler, Arbeits­kampf­recht, 3. Aufl.2011, § 18a Rn. 39[]
  97. vgl. nur Bro­si­us-Gers­dorf, in: Drei­er, GG, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 33 Rn. 186 m.w.N.[]
  98. vgl. Hen­sche, in: Däub­ler, Arbeits­kampf­recht, 3. Aufl.2011, § 18a Rn. 46[]
  99. vgl. BVerfGE 44, 249, 264; 130, 263, 298[]
  100. vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 117, 330, 349; 119, 247, 263; 130, 263, 292[]
  101. vgl. BVerfGE 21, 329, 345; 119, 247, 263 f.[]
  102. vgl. BVerfGE 130, 263, 292 mit Ver­weis auf BVerfGE 8, 1, 14; 117, 330, 351; 119, 247, 269[]
  103. vgl. BVerfGE 8, 1, 17[]
  104. vgl. Bitsch, ZTR 2012, S. 78, 79 f.; a.A. Klaß, Die Fort­ent­wick­lung des deut­schen Beam­ten­rechts durch das euro­päi­sche Recht, 2014, S. 306[]
  105. vgl. Sei­fert, KritV 2009, S. 357, 368, 372 ff.[]
  106. vgl. BVerfGE 130, 263, 292; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72; 141, 56, 70 Rn. 35; 145, 249, 272 Rn. 48; 145, 304, 324 f. Rn. 66[]
  107. vgl. Di Fabio, Das beam­ten­recht­li­che Streik­ver­bot, 2012, S. 56 f.; a.A. Schnapp, Beam­ten­sta­tus und Streik­recht, 1972, S. 50[]
  108. vgl. Isen­see, Beam­ten­streik, 1971, S. 57 ff.; a.A. Schlach­ter, RdA 2011, S. 341, 348[]
  109. vgl. Ale­xy, Theo­rie der Grund­rech­te, 1985, S. 262 f.; Drei­er, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Vorb. Rn. 141; fer­ner BVerfGE 83, 130, 142; 108, 282, 311; 122, 98, 107[]
  110. GVBl 2010 S. 319[]
  111. vgl. BT-Drs. I/​2846, S. 10, 43[]
  112. vgl. Nach­trag zu BT-Drs. I/​4246, S. 8[]
  113. vgl. auch Isen­see, Beam­ten­streik, 1971, S. 68; Lau­er, Das Recht des Beam­ten zum Streik, 2017, S. 137[]
  114. vgl. auch BVerw­GE 53, 330, 331[]
  115. vgl. BVerfGE 56, 146, 162 m.w.N.[]
  116. vgl. BVerfGE 28, 243, 260 f.; 41, 29, 50 f.; 93, 1, 21; 134, 204, 223 Rn. 68; stRspr[]
  117. vgl. BT-Drs. 16/​4027, S. 35[]
  118. vgl. auch BVerfGE 130, 263, 298[]
  119. vgl. Schrö­der, AuR 2013, S. 280, 284[]
  120. vgl. Isen­see, Beam­ten­streik, 1971, S. 57 f.[]
  121. vgl. BAGE 123, 134, 141 Rn. 22 f. m.w.N.[]
  122. vgl. dazu BVerfGE 47, 46, 71; 93, 1, 21; 98, 218, 244[]
  123. vgl. BVerfGE 138, 1, 29 Rn. 80[]
  124. so aber statt vie­ler Icken­roth, Das deut­sche Beam­ten­streik­ver­bot im Lich­te der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, 2016, S. 252 f. und pas­sim; Goo­ren, ZBR 2011, S. 400, 402 ff.; Schrö­der, AuR 2013, S. 280, 282 ff.[]
  125. in die­sem Sin­ne auch BVerw­GE 149, 117, 134 f. Rn. 60 ff.; dage­gen Katerndahl, Tarif­ver­hand­lung und Streik als Men­schen­rech­te, 2017, S. 435 ff., 454; für eine Ände­rung des Grund­ge­set­zes Mett, Das Streik­recht im öffent­li­chen Dienst, 2017, S. 173 f.[]
  126. vgl. Lub­er, RiA 2018, S. 4, 6 f.[]
  127. vgl. Traul­sen, JZ 2013, S. 65, 70 f.[]
  128. vgl. Isen­see, Beam­ten­streik, 1971, S. 58[]
  129. vgl. Lau­er, Das Recht des Beam­ten zum Streik, 2017, S. 319[]
  130. vgl. auch Traul­sen, JZ 2013, S. 65, 70[]
  131. BVerw­GE 149, 117, 136 Rn. 64[]
  132. EGMR, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 145[]
  133. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 85[]
  134. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, §§ 107, 119[]
  135. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, §§ 163 ff.[]
  136. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 168[][]
  137. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, Son­der­vo­tum Spiel­mann, §§ 1 ff.[]
  138. Nico­las Val­ti­cos, Droit Inter­na­tio­nal du Tra­vail, Bd. 8 [Droit du Tra­vail], 2. Aufl.1983, S. 264 ff.[]
  139. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, Son­der­vo­tum Spiel­mann, § 6[]
  140. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, Son­der­vo­tum Spiel­mann, § 8[]
  141. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, Son­der­vo­tum Spiel­mann, §§ 8 f.[]
  142. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, § 24[][]
  143. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, § 32[][][]
  144. vgl. EGMR, Kara­çay c. Tur­quie, Urteil vom 27.03.2007, Nr. 6615/​03[]
  145. vgl. EGMR, Kara­çay c. Tur­quie, Urteil vom 27.03.2007, Nr. 6615/​03, § 22[]
  146. vgl. EGMR, Kara­çay c. Tur­quie, Urteil vom 27.03.2007, Nr. 6615/​03, §§ 37 f.[]
  147. vgl. EGMR, Urcan et autres c. Tur­quie, Urteil vom 17.07.2008, Nr. 23018/​04 u.a., §§ 26 ff.[]
  148. vgl. EGMR, Kaya et Sey­han c. Tur­quie, Urteil vom 15.09.2009, Nr. 30946/​04, §§ 5 f.[]
  149. vgl. EGMR, Kaya et Sey­han c. Tur­quie, Urteil vom 15.09.2009, Nr. 30946/​04, § 31[]
  150. vgl. EGMR, Sai­me Özcan c. Tur­quie, Urteil vom 15.09.2009, Nr. 22943/​04, §§ 22 ff.[]
  151. EGMR, Çeri­k­ci c. Tur­quie, Urteil vom 13.07.2010, Nr. 33322/​07, §§ 14 f.[]
  152. vgl. dazu Lor­se, ZBR 2015, S. 109, 115[]
  153. vgl. auch BVerfGE 128, 326, 370; Kai­ser, AöR 142, 2017, S. 417, 432 f.; Wiß­mann, ZBR 2015, S. 294, 299[]
  154. vgl. BVerfGE 111, 307, 320[]
  155. vgl. auch BVerfGK 3, 4, 9[][]
  156. vgl. BVerfGE 19, 303, 312, 322; Fritz, ZG 2014, S. 372, 380[]
  157. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, §§ 96 ff.[]
  158. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 107[]
  159. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 97; Scha­bas, The European Con­ven­ti­on on Human Rights, 2015, S. 522[]
  160. EGMR, Kara­çay c. Tur­quie, Urteil vom 27.03.2007, Nr. 6615/​03, § 22[]
  161. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, § 26[]
  162. vgl. Pol­lin, Das Streik­ver­bot für ver­be­am­te­te Leh­rer, 2015, S. 261[]
  163. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 119[][]
  164. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 120[]
  165. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, §§ 29, 32[]
  166. vgl. EGMR, Natio­nal Uni­on of Rail, Mari­ti­me and Trans­port Workers v. United King­dom, Urteil vom 08.04.2014, Nr. 31045/​10, § 84[]
  167. vgl. EGMR, Natio­nal Uni­on of Rail, Mari­ti­me and Trans­port Workers v. United King­dom, Urteil vom 08.04.2014, Nr. 31045/​10, § 87[]
  168. vgl. EGMR, Natio­nal Uni­on of Rail, Mari­ti­me and Trans­port Workers v. United King­dom, Urteil vom 08.04.2014, Nr. 31045/​10, § 88[]
  169. vgl. auch EGMR (GK) Laut­si et al. v. Ita­ly, Urteil vom 18.03.2011, Nr. 30814/​06, § 68; Bat­tis, ZBR 2011, S. 397, 400[]
  170. vgl. Pol­lin, Das Streik­ver­bot für ver­be­am­te­te Leh­rer, 2015, S. 262 ff., 283 ff.; Grei­ner, DÖV 2013, S. 623, 627[]
  171. vgl. zum Beam­ten­sta­tus­ge­setz BT-Drs. 16/​4027, S. 35; zum Betei­li­gungs­ver­fah­ren auch Pol­lin, Das Streik­ver­bot für ver­be­am­te­te Leh­rer, 2015, S. 294 ff.[]
  172. vgl. BVerfGE 139, 64 ff.; 140, 240 ff.; Kai­ser, AöR 142, 2017, S. 417, 436[]
  173. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, §§ 97, 107, in Abkehr von EKMR, Coun­cil of Civil Ser­vice Uni­ons u.a. v. Ver­ei­nig­tes König­reich, Ent­schei­dung vom 20.01.1987, Nr. 11603/​85; dazu auch Icken­roth, Das deut­sche Beam­ten­streik­ver­bot im Lich­te der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, 2016, S. 107 ff.[]
  174. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 97; dazu auch Lor­se, ZBR 2015, S. 109, 111; Mans­sen, JA 2015, S. 835, 839; Landau/​Trésoret, DVBl 2012, S. 1329, 1333; spe­zi­ell zu Ange­hö­ri­gen der Staats­ver­wal­tung vgl. EGMR (GK) Vogt v. Ger­ma­ny, Urteil vom 26.09.1995, Nr. 17851/​91, § 67[]
  175. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, § 32 mit Ver­weis auf EGMR (GK) Pel­le­grin c. Fran­ce, Urteil vom 08.12 1999, Nr. 28541/​95, §§ 64 ff.; dazu auch Buch­holtz, Strei­ken im euro­päi­schen Grund­rechts­ge­fü­ge, 2014, S. 265 ff.[]
  176. vgl. EGMR (GK) Vogt v. Ger­ma­ny, Urteil vom 26.09.1995, Nr. 17851/​91, § 68; EGMR, Volk­mer v. Ger­ma­ny, Urteil vom 22.11.2001, Nr. 39799/​98[]
  177. vgl. Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt [Desta­tis], Per­so­nal des öffent­li­chen Diens­tes, abruf­bar unter: https://www.destatis.de[]
  178. vgl. BVerfGE 119, 247, 267[]
  179. vgl. BVerfGE 111, 307, 323 f.[]
  180. vgl. BVerfGE 111, 307, 324[]
  181. vgl. VG Osna­brück, Urteil vom 19.08.2011 – 9 A 1/​11 36 ff.; Nie­der­säch­si­sches OVG, Urteil vom 12.06.2012 – 20 BD 8/​11 61 ff., 74 ff.; OVG NRW, Urteil vom 07.03.2012 – 3d A 317/​11.O 175 ff.; BVerw­GE 149, 117, 126 ff. Rn. 34 ff., 56 ff.[]