Beam­te, beam­te­te Leh­rer – und das Streik­ver­bot

Das Streik­ver­bot für Beam­tin­nen und Beam­te ist als eigen­stän­di­ger her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten. Es steht auch mit dem Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes im Ein­klang und ist ins­be­son­de­re mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­ein­bar.

Beam­te, beam­te­te Leh­rer – und das Streik­ver­bot

Mit die­ser Begrün­dung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vier gegen das Streik­ver­bot für Beam­te gerich­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­den von beam­te­ten Leh­rern, die wäh­rend der Dienst­zeit an Streik­maß­nah­men teil­ge­nom­men hat­ten und des­we­gen dis­zi­pli­na­risch belangt wor­den waren, zurück­ge­wie­sen:

Der per­sön­li­che Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG umfasst auch Beam­te [1]. Das Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit ist zwar vor­be­halt­los gewähr­leis­tet. Es kann aber durch kol­li­die­ren­de Grund­rech­te Drit­ter und ande­re mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­te Rech­te begrenzt wer­den.

Das Streik­ver­bot für Beam­te stellt einen eigen­stän­di­gen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG dar. Es erfüllt die für eine Qua­li­fi­ka­ti­on als her­ge­brach­ter Grund­satz not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen der Tra­di­tio­na­li­tät und Sub­stan­zia­li­tät.

Das Streik­ver­bot für Beam­te ist als her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten. Es weist eine enge Ver­bin­dung auf mit dem beam­ten­recht­li­chen Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, der Treue­pflicht, dem Lebens­zeit­prin­zip sowie dem Grund­satz der Rege­lung des beam­ten­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses ein­schließ­lich der Besol­dung durch den Gesetz­ge­ber.

Die Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes sind völ­ker­rechts­freund­lich aus­zu­le­gen. Der Text der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te die­nen auf der Ebe­ne des Ver­fas­sungs­rechts als Aus­le­gungs­hil­fen für die Bestim­mung von Inhalt und Reich­wei­te von Grund­rech­ten und rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen des Grund­ge­set­zes [2].

Wäh­rend sich die Ver­trags­par­tei­en durch Art. 46 EMRK ver­pflich­tet haben, in allen Rechts­sa­chen, in denen sie Par­tei sind, das end­gül­ti­ge Urteil des Gerichts­hofs zu befol­gen [3], sind bei der Ori­en­tie­rung an der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te jen­seits des Anwen­dungs­be­rei­ches des Art. 46 EMRK die kon­kre­ten Umstän­de des Fal­les im Sin­ne einer Kon­tex­tua­li­sie­rung in beson­de­rem Maße in den Blick zu neh­men. Die Ver­trags­staa­ten haben zudem Aus­sa­gen zu Grund­wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on zu iden­ti­fi­zie­ren und sich hier­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die Leit- und Ori­en­tie­rungs­wir­kung ist dann beson­ders inten­siv, wenn Par­al­lel­fäl­le im Gel­tungs­be­reich der­sel­ben Rechts­ord­nung in Rede ste­hen, mit­hin (ande­re) Ver­fah­ren in dem von der Aus­gangs­ent­schei­dung des Gerichts­hofs betrof­fe­nen Ver­trags­staat betrof­fen sind.

Die Gren­zen einer völ­ker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung erge­ben sich aus dem Grund­ge­setz. Die Mög­lich­kei­ten einer kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung enden dort, wo die­se nach den aner­kann­ten Metho­den der Geset­zes­aus­le­gung und Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on nicht mehr ver­tret­bar erscheint [4]. Im Übri­gen ist auch im Rah­men der kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te mög­lichst scho­nend in das vor­han­de­ne, dog­ma­tisch aus­dif­fe­ren­zier­te natio­na­le Rechts­sys­tem ein­zu­pas­sen.

Das Streik­ver­bot für Beam­tin­nen und Beam­te in Deutsch­land steht mit dem Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes im Ein­klang und ist ins­be­son­de­re mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­ein­bar. Auch unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te lässt sich eine Kol­li­si­ons­la­ge zwi­schen dem deut­schen Recht und Art. 11 EMRK nicht fest­stel­len.

Die Aus­gangs­sach­ver­hal­te[↑]

Die vier beschwer­de­füh­ren­den Leh­rer sind oder waren als beam­te­te Lehr­kräf­te an Schu­len in drei ver­schie­de­nen Bun­des­län­dern tätig. Sie nah­men in der Ver­gan­gen­heit wäh­rend der Dienst­zeit an Pro­test­ver­an­stal­tun­gen bezie­hungs­wei­se Streik­maß­nah­men einer Gewerk­schaft teil. Die­se Teil­nah­me wur­de durch die zustän­di­gen Dis­zi­pli­nar­be­hör­den geahn­det. Zur Begrün­dung wur­de aus­ge­führt, die Streik­teil­nah­me stel­le einen Ver­stoß gegen grund­le­gen­de beam­ten­recht­li­che Pflich­ten dar. Ins­be­son­de­re dür­fe ein Beam­ter nicht ohne Geneh­mi­gung dem Dienst fern­blei­ben. In den fach­ge­richt­li­chen Aus­gangs­ver­fah­ren wand­ten sich die Beschwer­de­füh­re­rin­nen sowie der Beschwer­de­füh­rer letzt­lich erfolg­los gegen die jeweils ergan­ge­nen Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gun­gen.

Das Streik­ver­bot als Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums[↑]

Im Text des Grund­ge­set­zes ist weder ein Streik­recht noch ein Streik­ver­bot für Beam­te aus­drück­lich gere­gelt. Art. 9 Abs. 3 Satz 1 GG gewähr­leis­tet für jeder­mann und für alle Beru­fe das Recht, zur Wah­rung und För­de­rung der Arbeits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen Ver­ei­ni­gun­gen zu bil­den. Nach Art. 33 Abs. 5 GG ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu regeln und fort­zu­ent­wi­ckeln.

Die Tex­te der Lan­des­ver­fas­sun­gen von Ber­lin, Bran­den­burg, Bre­men, Hes­sen, Rhein­land-Pfalz, des Saar­lands sowie Thü­rin­gens gewähr­leis­ten ein all­ge­mei­nes Streik­recht; ledig­lich die Ver­fas­sung des Saar­lan­des vom 15.12 1947 [5] ent­hält in Art. 115 Abs. 5 ein aus­drück­li­ches Streik­ver­bot für Beam­te. Die Vor­schrift lau­tet:„Die Stel­lung des Beam­ten zum Staat schließt das Streik­recht aus.“

Auf der Ebe­ne des Völ­ker­rechts befass­te sich der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit wie­der­holt mit, Art. 11 der Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on [EMRK]) in ihrer Aus­prä­gung als Gewähr­leis­tung der Koali­ti­ons­frei­heit.

Der Rechts­sa­che Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei [6] lag eine Indi­vi­du­al­be­schwer­de zugrun­de, die die Fra­ge der Wirk­sam­keit eines Kol­lek­tiv­ver­tra­ges betraf, der zwi­schen der tür­ki­schen Gewerk­schaft Tüm Bel Sen und der tür­ki­schen Gemein­de Gazi­antep geschlos­sen wor­den war. Die Gro­ße Kam­mer des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te setz­te sich in ihrem Urteil unter ande­rem mit der Fra­ge aus­ein­an­der, ob Art. 11 Abs. 1 EMRK ein „Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen“ gewähr­leis­te.

In dem der Rechts­sa­che Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei [7] zugrun­de lie­gen­den Aus­gangs­ver­fah­ren wand­te sich eine tür­ki­sche Gewerk­schaft gegen einen minis­te­ri­el­len Rund­erlass, der die Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Sek­tors auf das Ver­bot einer Streik­teil­nah­me hin­wies. In sei­ner Ent­schei­dung beton­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te, dass Art. 11 Abs. 1 EMRK grund­sätz­lich ein Streik­recht garan­tie­re.

Ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fungs­maß­stä­be für das Streik­ver­bot[↑]

Die ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­be zur Beur­tei­lung der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen erge­ben sich ins­be­son­de­re aus der von Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Koali­ti­ons­frei­heit, den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG sowie aus dem Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes.

Koali­ti­ons­frei­heit, Art. 9 Abs. 3 GG[↑]

Das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG ist für jeder­mann und für alle Beru­fe gewähr­leis­tet und umfasst auch die Koali­ti­on als sol­che und ihr Recht, durch spe­zi­fisch koali­ti­ons­ge­mä­ße Betä­ti­gung die in Art. 9 Abs. 3 GG genann­ten Zwe­cke zu ver­fol­gen, näm­lich die Arbeits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu wah­ren und zu för­dern [8]. Die Koali­ti­ons­frei­heit schützt alle Men­schen in ihrer Eigen­schaft als Berufs­an­ge­hö­ri­ge (Arbeit­neh­mer oder Arbeit­ge­ber) und ent­hält kei­nen Aus­schluss für bestimm­te beruf­li­che Berei­che. Damit wer­den neben Ange­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes auch Beam­te vom per­sön­li­chen Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG umfasst [1].

Der sach­li­che Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG umfasst das Recht auf koali­ti­ons­ge­mä­ße Betä­ti­gung ein­schließ­lich des Streik­rechts.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG in ers­ter Linie ein Frei­heits­recht auf spe­zi­fisch koali­ti­ons­ge­mä­ße Betä­ti­gung [9], das den Ein­zel­nen die Frei­heit gewähr­leis­tet, Ver­ei­ni­gun­gen zur För­de­rung der Arbeits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu bil­den und die­sen Zweck gemein­sam zu ver­fol­gen. Soweit das Recht der Koali­tio­nen selbst betrof­fen ist, die von Art. 9 Abs. 3 GG genann­ten Zwe­cke zu ver­fol­gen, ent­schei­den sie im Rah­men ihrer Inter­es­sen­wahr­neh­mung selbst über die ein­zu­set­zen­den Mit­tel [10]. Der Schutz der Koali­ti­ons­frei­heit ist dabei nach mitt­ler­wei­le stän­di­ger Recht­spre­chung nicht etwa von vorn­her­ein auf den Bereich des Uner­läss­li­chen beschränkt [11], son­dern erstreckt sich über den Kern­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG hin­aus auf alle koali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen [12].

Soweit die Ver­fol­gung der von Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­ten Zwe­cke von dem Ein­satz bestimm­ter Mit­tel abhängt, wer­den auch die­se vom Schutz des Grund­rechts umfasst [13]. Zu den geschütz­ten Mit­teln zäh­len etwa Arbeits­kampf­maß­nah­men, die auf den Abschluss von Tarif­ver­trä­gen gerich­tet sind. Sie unter­fal­len jeden­falls inso­weit der Koali­ti­ons­frei­heit, als sie all­ge­mein erfor­der­lich sind, um eine funk­tio­nie­ren­de Tarif­au­to­no­mie sicher­zu­stel­len [14]. Hier­für spricht auch Art. 9 Abs. 3 Satz 3 GG [15].

Her­ge­brach­te Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums, Art. 33 Abs. 5 GG[↑]

Das Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit ist zwar vor­be­halt­los gewähr­leis­tet [16]. Damit ist aber nicht jede Ein­schrän­kung von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Auch vor­be­halt­los gewähr­leis­te­te Grund­rech­te kön­nen durch kol­li­die­ren­de Grund­rech­te Drit­ter und ande­re mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­te Rech­te begrenzt wer­den [17]. Als eine der­ar­ti­ge Schran­ke mit Ver­fas­sungs­rang kom­men die in Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums in Betracht [18].

Abs. 5 GG ist unmit­tel­bar gel­ten­des Recht und ent­hält einen Rege­lungs­auf­trag an den Gesetz­ge­ber sowie eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums [19]. Mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG ist der Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en gemeint, die all­ge­mein oder doch ganz über­wie­gend wäh­rend eines län­ge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, ins­be­son­de­re unter der Reichs­ver­fas­sung von Wei­mar, als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den sind [20]. Die Ent­wick­lung des Berufs­be­am­ten­tums ist his­to­risch eng mit der­je­ni­gen des Rechts­staats ver­knüpft: War der Beam­te ursprüng­lich allein dem Regen­ten ver­pflich­tet, wan­del­te er sich mit dem ver­än­der­ten Staats­ver­ständ­nis vom Fürs­ten- zum Staats­die­ner. Sei­ne Auf­ga­be war und ist es, Ver­fas­sung und Gesetz im Inter­es­se des Bür­gers auch und gera­de gegen die Staats­spit­ze zu behaup­ten. Das Berufs­be­am­ten­tum als Insti­tu­ti­on grün­det auf Sach­wis­sen, fach­li­cher Leis­tung und loya­ler Pflicht­er­fül­lung. Es soll eine sta­bi­le Ver­wal­tung sichern und damit einen aus­glei­chen­den Fak­tor gegen­über den das Staats­we­sen gestal­ten­den poli­ti­schen Kräf­ten bil­den [21].

Bezugs­punkt des auf alle Beam­tin­nen und Beam­ten anwend­ba­ren Art. 33 Abs. 5 GG ist nicht das gewach­se­ne Beam­ten­recht, son­dern das Berufs­be­am­ten­tum [22]. In ihrem Bestand geschützt sind daher nur die­je­ni­gen Rege­lun­gen, die das Bild des Berufs­be­am­ten­tums in sei­ner über­kom­me­nen Gestalt maß­geb­lich prä­gen, sodass ihre Besei­ti­gung das Berufs­be­am­ten­tum als sol­ches antas­ten wür­de [23]. Die­ses Erfor­der­nis der Sub­stan­zia­li­tät ergibt sich bereits aus dem Wesen einer insti­tu­tio­nel­len Garan­tie, deren Sinn gera­de dar­in liegt, den Kern­be­stand der Struk­tur­prin­zi­pi­en, mit­hin die Grund­sät­ze, die nicht hin­weg­ge­dacht wer­den kön­nen, ohne dass damit zugleich die Ein­rich­tung selbst in ihrem Cha­rak­ter grund­le­gend ver­än­dert wür­de, dem gestal­ten­den Gesetz­ge­ber ver­bind­lich als Rah­men vor­zu­ge­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat dies mit der For­mu­lie­rung zum Aus­druck gebracht, dass Art. 33 Abs. 5 GG inso­weit nicht nur Berück­sich­ti­gung, son­dern auch Beach­tung ver­langt [24]. Dem­ge­gen­über steht Art. 33 Abs. 5 GG einer Wei­ter­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts nicht ent­ge­gen, solan­ge eine struk­tu­rel­le Ver­än­de­rung an den für Erschei­nungs­bild und Funk­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums wesent­li­chen Rege­lun­gen nicht vor­ge­nom­men wird [25]. In der Pflicht zur Berück­sich­ti­gung ist eine Ent­wick­lungs­of­fen­heit ange­legt, die den Gesetz­ge­ber in die Lage ver­setzt, die Aus­ge­stal­tung des Dienst­rechts den jewei­li­gen Ent­wick­lun­gen der Staat­lich­keit anzu­pas­sen und das Beam­ten­recht damit in die Zeit zu stel­len. Die Struk­tur­ent­schei­dung des Art. 33 Abs. 5 GG belässt aus­rei­chend Raum, die geschicht­lich gewach­se­ne Insti­tu­ti­on in den Rah­men unse­res heu­ti­gen Staats­le­bens ein­zu­fü­gen [26] und den Funk­tio­nen anzu­pas­sen, die das Grund­ge­setz dem öffent­li­chen Dienst in der frei­heit­li­chen, rechts- und sozi­al­staat­li­chen Demo­kra­tie zuschreibt [27].

Zu dem Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en, bei dem die Beach­tens­pflicht den Weg zu tief­grei­fen­den struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen durch den ein­fa­chen Gesetz­ge­ber ver­sperrt, gehö­ren unter ande­rem die Treue­pflicht der Beam­ten [28], das Lebens­zeit­prin­zip [29], das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip [30] und der damit kor­re­spon­die­ren­de Grund­satz, dass die Besol­dung der Beam­ten ein­sei­tig durch Gesetz zu regeln ist [31]. Die­se prä­gen­den Struk­tur­merk­ma­le ste­hen dabei nicht unver­bun­den neben­ein­an­der, son­dern sind auf­ein­an­der bezo­gen [32].

Zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums sowie zum Kern der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie aus Art. 33 Abs. 5 GG zählt die Treue­pflicht des Beam­ten [33]. Ihr kommt beson­de­re Bedeu­tung auch im moder­nen Ver­wal­tungs­staat zu, des­sen sach­ge­rech­te und effi­zi­en­te Auf­ga­ben­wahr­neh­mung auf eine intak­te, loya­le, pflicht­treue, dem Staat und sei­ner ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung inner­lich ver­bun­de­ne Beam­ten­schaft ange­wie­sen ist [34]. Der Beam­te ist dem All­ge­mein­wohl und damit zur unei­gen­nüt­zi­gen Amts­füh­rung ver­pflich­tet und hat bei der Erfül­lung der ihm anver­trau­ten Auf­ga­ben sei­ne eige­nen Inter­es­sen zurück­zu­stel­len. Der Ein­satz wirt­schaft­li­cher Kampf- und Druck­mit­tel zur Durch­set­zung eige­ner Inter­es­sen, ins­be­son­de­re auch kol­lek­ti­ve Kampf­maß­nah­men im Sin­ne des Art. 9 Abs. 3 GG wie das Streik­recht, las­sen sich mit der Treue­pflicht des Beam­ten nicht ver­ein­ba­ren [35]. Die Gewähr­leis­tung einer recht­lich und wirt­schaft­lich gesi­cher­ten Posi­ti­on soll ihn dabei in die Lage ver­set­zen, sei­ner Treue­pflicht zu genü­gen.

Das Lebens­zeit­prin­zip hat die Funk­ti­on, die Unab­hän­gig­keit des Beam­ten im Inter­es­se einer rechts­staat­li­chen Ver­wal­tung zu gewähr­leis­ten. Erst recht­li­che und wirt­schaft­li­che Sicher­heit bie­ten die Gewähr dafür, dass das Berufs­be­am­ten­tum zur Erfül­lung der ihm vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, bei­tra­gen kann [36]. Dazu gehört auch und vor allem, dass der Beam­te nicht will­kür­lich oder nach frei­em Ermes­sen poli­ti­scher Gre­mi­en aus sei­nem Amt ent­fernt wer­den kann. Der mit dem Lebens­zeit­ver­hält­nis gewähr­ten Unent­zieh­bar­keit des sta­tus­recht­li­chen Amts kommt grund­le­gen­de Bedeu­tung zu, weil sie dem Beam­ten gera­de bei der Aus­übung des über­tra­ge­nen Amts die im Inter­es­se sei­ner Bin­dung an Gesetz und Recht erfor­der­li­che Unab­hän­gig­keit sichert [37].

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­pflich­tet den Dienst­herrn, den Beam­ten und sei­ne Fami­lie lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihm nach sei­nem Dienst­rang, nach der mit sei­nem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren [38]. Die Besol­dung des Beam­ten stellt kein Ent­gelt für bestimm­te kon­kre­te Dienst­leis­tun­gen dar, son­dern ist eine „Gegen­leis­tung“ des Dienst­herrn dafür, dass sich der Beam­te ihm mit sei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit zur Ver­fü­gung stellt. Sie bil­det die Vor­aus­set­zung dafür, dass sich der Beam­te ganz dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf wid­men und die ihm im Staats­le­ben zufal­len­de Funk­ti­on, eine sta­bi­le Ver­wal­tung zu sichern und damit einen aus­glei­chen­den Fak­tor gegen­über den das Staats­le­ben gestal­ten­den poli­ti­schen Kräf­ten zu bil­den, erfül­len kann [39]. Des­halb ist die Fol­ge­rung unab­weis­bar, dass die Siche­rung eines ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts als ein beson­ders wesent­li­cher her­ge­brach­ter Grund­satz anzu­se­hen ist, zu des­sen Beach­tung der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet ist [40].

Mit der unmit­tel­ba­ren objek­ti­ven Gewähr­leis­tung des ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts begrün­det Art. 33 Abs. 5 GG zugleich aber auch ein grund­rechts­ähn­li­ches Indi­vi­du­al­recht des ein­zel­nen Beam­ten gegen­über dem Staat [41]. Die­se sub­jek­tiv-recht­li­che Aus­prä­gung des Art. 33 Abs. 5 GG folgt aus der Eigen­art des beam­ten­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses: Der Beam­te steht dem Staat als sei­nem Dienst­herrn gegen­über, der in sei­ner Stel­lung als Gesetz­ge­ber zugleich für die Rege­lung des Rechts­ver­hält­nis­ses sowie die Ver­tei­lung der gegen­sei­ti­gen Rech­te und Pflich­ten allein zustän­dig und ver­ant­wort­lich ist. Der ein­zel­ne Beam­te hat kei­ne eige­nen Mög­lich­kei­ten, auf die nähe­re Aus­ge­stal­tung sei­nes Rechts­ver­hält­nis­ses ein­zu­wir­ken. Er ist viel­mehr auf die Rege­lung ange­wie­sen, die sein Dienst­herr als Gesetz­ge­ber getrof­fen hat. Wenn daher das Grund­ge­setz in Art. 33 Abs. 5 GG unmit­tel­bar die Gewähr dafür bie­ten will, dass die beam­ten­recht­li­che Gesetz­ge­bung bestimm­ten eng begrenz­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen ent­spricht, dann liegt die Annah­me nahe, dass den haupt­säch­lich und unmit­tel­bar Betrof­fe­nen ein ent­spre­chen­des Indi­vi­du­al­recht ein­ge­räumt wer­den soll, damit sie inso­weit in Über­ein­stim­mung mit den rechts- und sozi­al­staat­li­chen Grund­prin­zi­pi­en ihre ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Stel­lung auch recht­lich wah­ren kön­nen [42].

An den Beach­tens­pflich­ten hat auch die Ein­fü­gung der Fort­ent­wick­lungs­klau­sel in Art. 33 Abs. 5 GG durch Art. 1 Nr. 3 des Geset­zes zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes (Arti­kel 22, 23, 33, 52, 72, 73, 74, 74a, 75, 84, 85, 87c, 91a, 91b, 93, 98, 104a, 104b, 105, 107, 109, 125a, 125b, 125c, 143c) vom 28.08.2006 [43] nichts geän­dert. Schon aus dem inso­weit unver­än­der­ten Wort­laut der Bestim­mung ergibt sich, dass der Gesetz­ge­ber bei der Rege­lung des öffent­li­chen Dienst­rechts wei­ter­hin die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu berück­sich­ti­gen hat [44]. Fort­zu­ent­wi­ckeln ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes, nicht aber der hier­für gel­ten­de Maß­stab, die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums [45]. Aller­dings ver­bleibt dem Gesetz­ge­ber auch bei her­ge­brach­ten Grund­sät­zen ein Gestal­tungs­spiel­raum, um die Beam­ten­ge­setz­ge­bung den Erfor­der­nis­sen des frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Staa­tes sowie sei­ner fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung anpas­sen zu kön­nen. Solan­ge kei­ne struk­tu­rel­le Ver­än­de­rung an den für die Insti­tu­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums wesent­li­chen Rege­lun­gen vor­ge­nom­men wird, steht Art. 33 Abs. 5 GG einer Fort­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts des­halb nicht ent­ge­gen [46]. Gleich­wohl ver­sto­ßen Ände­run­gen, die mit den Grund­struk­tu­ren des von Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­ten Leit­bilds des deut­schen Berufs­be­am­ten­tums nicht in Ein­klang gebracht wer­den kön­nen, auch wei­ter­hin gegen die Vor­ga­ben der Ver­fas­sung [47].

EMRK – und der Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes[↑]

Die Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes sind völ­ker­rechts­freund­lich aus­zu­le­gen. Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on steht zwar inner­staat­lich im Rang eines Bun­des­ge­set­zes und damit unter dem Grund­ge­setz. Sie ist jedoch bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grund­sät­ze des Grund­ge­set­zes her­an­zu­zie­hen. Dies gilt auch für die Aus­le­gung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on durch den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te. Die­se Bedeu­tung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und damit auch der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te beruht auf der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes und sei­ner inhalt­li­chen Aus­rich­tung auf die Men­schen­rech­te. Eine Her­an­zie­hung als Aus­le­gungs­hil­fe ver­langt aller­dings kei­ne sche­ma­ti­sche Par­al­le­li­sie­rung bezie­hungs­wei­se voll­stän­di­ge Har­mo­ni­sie­rung der Aus­sa­gen des Grund­ge­set­zes mit denen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, son­dern ein Auf­neh­men ihrer Wer­tun­gen. Jen­seits des Art. 46 EMRK ist bei der Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes dem spe­zi­fi­schen Kon­text der Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te beson­de­re Bedeu­tung bei­zu­mes­sen. Gren­zen der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit erge­ben sich dort, wo ein Auf­neh­men der Wer­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on metho­disch nicht ver­tret­bar und mit den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar ist.

Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ihre Zusatz­pro­to­kol­le sind völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge. Die Kon­ven­ti­on über­lässt es den Ver­trags­par­tei­en, in wel­cher Wei­se sie ihrer Pflicht zur Beach­tung der Ver­trags­vor­schrif­ten genü­gen [48]. Der Bun­des­ge­setz­ge­ber hat den genann­ten Über­ein­kom­men jeweils mit förm­li­chem Gesetz gemäß Art. 59 Abs. 2 GG zuge­stimmt (Gesetz über die Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten vom 07.08.1952 [49]; die Kon­ven­ti­on ist gemäß der Bekannt­ma­chung vom 15.12 1953 [50] am 3.09.1953 für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Kraft getre­ten [51]). Damit hat er einen ent­spre­chen­den Rechts­an­wen­dungs­be­fehl erteilt. Inner­halb der deut­schen Rechts­ord­nung ste­hen die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ihre Zusatz­pro­to­kol­le – soweit sie für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Kraft getre­ten sind – im Ran­ge eines Bun­des­ge­set­zes [52].

Gleich­wohl besit­zen die Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­fas­sungs­recht­li­che Bedeu­tung, indem sie die Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grund­sät­ze des Grund­ge­set­zes beein­flus­sen [53]. Der Kon­ven­ti­ons­text und die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te die­nen nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf der Ebe­ne des Ver­fas­sungs­rechts als Aus­le­gungs­hil­fen für die Bestim­mung von Inhalt und Reich­wei­te von Grund­rech­ten und rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen des Grund­ge­set­zes, sofern dies nicht zu einer – von der Kon­ven­ti­on selbst nicht gewoll­ten (vgl. Art. 53 EMRK) – Ein­schrän­kung oder Min­de­rung des Grund­rechts­schut­zes nach dem Grund­ge­setz führt [54].

Die Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te in Ver­fah­ren gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sind nach Art. 46 EMRK zu befol­gen. Im Rah­men der Her­an­zie­hung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on als Aus­le­gungs­hil­fe berück­sich­tigt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te aber auch dann, wenn sie nicht den­sel­ben Streit­ge­gen­stand betref­fen. Dies beruht auf der jeden­falls fak­ti­schen Ori­en­tie­rungs- und Leit­funk­ti­on, die der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te für die Aus­le­gung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on auch über den kon­kret ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus zukommt [55]. Die inner­staat­li­chen Wir­kun­gen der Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te erschöp­fen sich inso­weit nicht in einer aus Art.20 Abs. 3 GG in Ver­bin­dung mit Art. 59 Abs. 2 GG abzu­lei­ten­den und auf die den kon­kre­ten Ent­schei­dun­gen zugrun­de­lie­gen­den Lebens­sach­ver­hal­te begrenz­ten Berück­sich­ti­gungs­pflicht, denn das Grund­ge­setz will vor dem Hin­ter­grund der zumin­dest fak­ti­schen Prä­ze­denz­wir­kung der Ent­schei­dun­gen inter­na­tio­na­ler Gerich­te Kon­flik­te zwi­schen den völ­ker­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem natio­na­len Recht nach Mög­lich­keit ver­mei­den [56]. Die Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes ist damit Aus­druck eines Sou­ve­rä­ni­täts­ver­ständ­nis­ses, das einer Ein­bin­dung in inter- und supra­na­tio­na­le Zusam­men­hän­ge sowie deren Wei­ter­ent­wick­lung nicht nur nicht ent­ge­gen­steht, son­dern die­se vor­aus­setzt und erwar­tet. Vor die­sem Hin­ter­grund steht auch das „letz­te Wort“ der deut­schen Ver­fas­sung einem inter­na­tio­na­len und euro­päi­schen Dia­log der Gerich­te nicht ent­ge­gen, son­dern ist des­sen nor­ma­ti­ve Grund­la­ge.

Die Her­an­zie­hung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te als Aus­le­gungs­hil­fe auf der Ebe­ne des Ver­fas­sungs­rechts über den Ein­zel­fall hin­aus dient dazu, den Garan­tien der Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mög­lichst umfas­send Gel­tung zu ver­schaf­fen und kann dar­über hin­aus Ver­ur­tei­lun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­mei­den hel­fen [57]. Die inhalt­li­che Aus­rich­tung des Grund­ge­set­zes auf die Men­schen­rech­te kommt ins­be­son­de­re in dem Bekennt­nis des deut­schen Vol­kes zu unver­letz­li­chen und unver­äu­ßer­li­chen Men­schen­rech­ten in Art. 1 Abs. 2 GG zum Aus­druck. Das Grund­ge­setz weist mit Art. 1 Abs. 2 GG dem Kern­be­stand an Men­schen­rech­ten einen beson­de­ren Schutz zu. Die­ser ist in Ver­bin­dung mit Art. 59 Abs. 2 GG die Grund­la­ge für die ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht, auch bei der Anwen­dung der deut­schen Grund­rech­te die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on in ihrer kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung als Aus­le­gungs­hil­fe her­an­zu­zie­hen. Art. 1 Abs. 2 GG ist daher zwar kein Ein­falls­tor für einen unmit­tel­ba­ren Ver­fas­sungs­rang der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, die Vor­schrift ist aber mehr als ein unver­bind­li­cher Pro­gramm­satz, indem sie eine Maxi­me für die Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes vor­gibt und ver­deut­licht, dass sei­ne Grund­rech­te auch als Aus­prä­gung der all­ge­mei­nen Men­schen­rech­te zu ver­ste­hen sind und die­se als Min­dest­stan­dard in sich auf­ge­nom­men haben [58].

Die Her­an­zie­hung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on als Aus­le­gungs­hil­fe für die Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes ist ergeb­nis­ori­en­tiert: Sie zielt nicht auf eine sche­ma­ti­sche Par­al­le­li­sie­rung ein­zel­ner ver­fas­sungs­recht­li­cher Begrif­fe [59], son­dern dient der Ver­mei­dung von Völ­ker­rechts­ver­let­zun­gen. Die Besei­ti­gung oder Ver­mei­dung einer Völ­ker­rechts­ver­let­zung wird zwar viel­fach leich­ter zu errei­chen sein, wenn das inner­staat­li­che Recht mit der Kon­ven­ti­on har­mo­ni­siert wird. Völ­ker­recht­lich betrach­tet ist das jedoch nicht zwin­gend: Die Kon­ven­ti­on über­lässt es den Ver­trags­par­tei­en, in wel­cher Wei­se sie ihrer Pflicht zur Beach­tung der Ver­trags­vor­schrif­ten genü­gen [60]. Vor die­sem Hin­ter­grund gilt auch für die völ­ker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung der Begrif­fe des Grund­ge­set­zes ähn­lich wie für eine ver­fas­sungs­ver­glei­chen­de Aus­le­gung, dass Ähn­lich­kei­ten im Norm­text nicht über Unter­schie­de, die sich aus dem Kon­text der Rechts­ord­nun­gen erge­ben, hin­weg­täu­schen dür­fen. Die men­schen­recht­li­chen Gehal­te des jeweils in Rede ste­hen­den völ­ker­recht­li­chen Ver­trags müs­sen im Rah­men eines akti­ven (Rezeptions-)Vorgangs in den Kon­text der auf­neh­men­den Ver­fas­sungs­ord­nung „umge­dacht“ wer­den [61].

Wäh­rend sich die Ver­trags­par­tei­en durch Art. 46 EMRK ver­pflich­tet haben, in allen Rechts­sa­chen, in denen sie Par­tei sind, das end­gül­ti­ge Urteil des Gerichts­hofs zu befol­gen [3], sind bei der Ori­en­tie­rung an der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te jen­seits des Anwen­dungs­be­rei­ches des Art. 46 EMRK die kon­kre­ten Umstän­de des Fal­les im Sin­ne einer Kon­tex­tua­li­sie­rung in beson­de­rem Maße in den Blick zu neh­men [62]. Hier­bei ist zunächst zu sehen, dass im Gegen­satz zum Recht der Euro­päi­schen Uni­on [63] die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on in Erman­ge­lung eines ent­spre­chen­den inner­staat­li­chen Rechts­an­wen­dungs­be­fehls kei­nen Anwen­dungs­vor­rang gegen­über natio­na­lem Geset­zes­recht bean­spru­chen kann. Kommt den Kon­ven­ti­ons­rech­ten damit kein Vor­rang vor der deut­schen Ver­fas­sungs­rechts­ord­nung, son­dern viel­mehr eine Bedeu­tung als Aus­le­gungs­ma­xi­me für das Grund­ge­setz zu, geht es bei der Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te jen­seits ihrer inter-par­tes-Wir­kung maß­geb­lich dar­um, Aus­sa­gen zu Grund­wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on zu iden­ti­fi­zie­ren und sich hier­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen [64]. Ein Kon­flikt mit Grund­wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on ist dabei nach Mög­lich­keit zu ver­mei­den. Die Aner­ken­nung einer Ori­en­tie­rungs- und Leit­funk­ti­on setzt damit ein Moment der Ver­gleich­bar­keit vor­aus. Bei der Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te sind der kon­kre­te Sach­ver­halt des ent­schie­de­nen Fal­les und sein (rechts­kul­tu­rel­ler) Hin­ter­grund eben­so mit ein­zu­stel­len wie mög­li­che spe­zi­fi­sche Beson­der­hei­ten der deut­schen Rechts­ord­nung, die einer undif­fe­ren­zier­ten Über­tra­gung im Sin­ne einer blo­ßen „Begriffs­par­al­le­li­sie­rung“ ent­ge­gen­ste­hen. Die Leit- und Ori­en­tie­rungs­funk­ti­on ist dort beson­ders groß, wo sie sich auf Par­al­lel­fäl­le im Gel­tungs­be­reich der­sel­ben Rechts­ord­nung bezieht, mit­hin (ande­re) Ver­fah­ren in dem von der Aus­gangs­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te betrof­fe­nen Ver­trags­staat betrof­fen sind [65].

Die Gren­zen einer völ­ker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung erge­ben sich aus dem Grund­ge­setz. Die Mög­lich­kei­ten einer kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung enden dort, wo die­se nach den aner­kann­ten Metho­den der Geset­zes­aus­le­gung und Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on nicht mehr ver­tret­bar erscheint [66]. Soweit im Rah­men gel­ten­der metho­di­scher Stan­dards Aus­le­gungs- und Abwä­gungs­spiel­räu­me eröff­net sind, trifft deut­sche Gerich­te die Pflicht, der kon­ven­ti­ons­ge­mä­ßen Aus­le­gung den Vor­rang zu geben. Etwas ande­res gilt nur dann, wenn die Beach­tung der Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te etwa wegen einer geän­der­ten Tat­sa­chen­ba­sis gegen ein­deu­tig ent­ge­gen­ste­hen­des Geset­zes­recht oder deut­sche Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen, nament­lich auch gegen Grund­rech­te Drit­ter ver­stößt [67]. Es wider­spricht daher nicht dem Ziel der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit, wenn der Gesetz­ge­ber aus­nahms­wei­se Völ­ker­ver­trags­recht nicht beach­tet, sofern nur auf die­se Wei­se ein Ver­stoß gegen tra­gen­de Grund­sät­ze der Ver­fas­sung abzu­wen­den ist [68].

Eine völ­ker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung der Grund­rech­te darf zudem nicht dazu füh­ren, dass der Grund­rechts­schutz nach dem Grund­ge­setz ein­ge­schränkt wird; das schließt auch die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on selbst aus (vgl. Art. 53 EMRK [69]). Die­ses Rezep­ti­ons­hemm­nis kann vor allem in mehr­po­li­gen Grund­rechts­ver­hält­nis­sen rele­vant wer­den, in denen das „Mehr“ an Frei­heit für den einen Grund­rechts­trä­ger zugleich ein „Weni­ger“ für einen ande­ren bedeu­tet [70].

Im Übri­gen ist auch im Rah­men der kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te mög­lichst scho­nend in das vor­han­de­ne, dog­ma­tisch aus­dif­fe­ren­zier­te natio­na­le Rechts­sys­tem ein­zu­pas­sen [71], wes­halb sich eine unre­flek­tier­te Adap­ti­on völ­ker­recht­li­cher Begrif­fe ver­bie­tet. In der Per­spek­ti­ve des Grund­ge­set­zes kommt ins­be­son­de­re – gera­de wenn ein auto­nom gebil­de­ter Begriff des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te bei text­lich ähn­li­chen Garan­tien anders aus­fällt als der ent­spre­chen­de Begriff des Grund­ge­set­zes – das Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zip als ver­fas­sungs­im­ma­nen­ter Grund­satz in Betracht, um Wer­tun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te zu berück­sich­ti­gen: „Her­an­zie­hung als Aus­le­gungs­hil­fe“ kann vor die­sem Hin­ter­grund bedeu­ten, die vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in sei­ner Abwä­gung berück­sich­tig­ten Aspek­te auch in die ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ein­zu­be­zie­hen [72].

Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men gegen strei­ken­de Beam­te[↑]

Die mit den Ver­fas­sungs­be­schwer­den ange­grif­fe­nen Hoheits­ak­te sind von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den. Sie sind, mit teils unter­schied­li­chen Begrün­dungs­an­sät­zen, jeweils im Ergeb­nis von dem Bestehen eines Streik­ver­bots für deut­sche Beam­tin­nen und Beam­te aus­ge­gan­gen. Hier­in liegt kei­ne Ver­ken­nung der maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben. Zwar unter­fal­len die beschwer­de­füh­ren­den Leh­rer dem Schutz­be­reich der Koali­ti­ons­frei­heit. Auch stel­len die in den Aus­gangs­ver­fah­ren ange­grif­fe­nen Maß­nah­men jeweils einen Ein­griff in das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG dar. Die­se Ein­grif­fe sind jedoch ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt. Eine ande­re Beur­tei­lung ergibt sich auch nicht mit Blick auf die Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on.

Die Koali­ti­ons­frei­heit wird nicht ver­fas­sungs­un­mit­tel­bar durch die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums (Art. 33 Abs. 5 GG) begrenzt. Der sach­li­che Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG ist vor­lie­gend eröff­net.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts fin­den sich bis­lang kei­ne aus­drück­li­chen Aus­sa­gen zum Ver­hält­nis von Art. 9 Abs. 3 GG zu Art. 33 Abs. 5 GG. In einem frü­hen Urteil ent­schied der Ers­te Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Reich­wei­te der Koali­ti­ons­frei­heit zwar, eine Son­der­stel­lung könn­ten sol­che Ver­ei­ni­gun­gen ein­neh­men, deren Mit­glie­der von der tarif­li­chen Lohn­ge­stal­tung durch ande­re ver­fas­sungs­recht­li­che Bestim­mun­gen aus­ge­schlos­sen sei­en, wie sich dies etwa für Beam­te aus den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums (Art. 33 Abs. 5 GG) erge­be [73]. Den hier­in zum Aus­druck kom­men­den Gedan­ken einer ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Begren­zung des Schutz­be­rei­ches der Koali­ti­ons­frei­heit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt spä­ter aber nicht mehr auf­ge­grif­fen. In sei­nem Beschluss zu der gewerk­schaft­li­chen Wer­bung bei Per­so­nal­rats­wah­len aus dem Jahr 1965 hat der Zwei­te Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt, dass das für jeder­mann und für alle Beru­fe gewähr­leis­te­te Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit auch Beam­ten zuste­he, aller­dings zu prü­fen sei, ob wei­ter­ge­hen­de Beschrän­kun­gen des Grund­rechts für die­se Per­so­nen­grup­pe durch Art. 33 Abs. 5 GG gerecht­fer­tigt wer­den könn­ten. Nach Art. 33 Abs. 5 GG sei­en nur sol­che Grund­rechts­be­schrän­kun­gen zuläs­sig, die durch Sinn und Zweck des kon­kre­ten Dienst- und Treue­ver­hält­nis­ses des Beam­ten gefor­dert wür­den [18]. Grund­rechts­dog­ma­tisch setzt eine Grund­rechts­be­schrän­kung (und ihre Recht­fer­ti­gung) die Eröff­nung des Schutz­be­rei­ches der jewei­li­gen Gewähr­leis­tung vor­aus. Läge bereits eine ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Begren­zung auf der Ebe­ne des Schutz­be­rei­ches vor, wären Aus­sa­gen zu Grund­rechts­be­schrän­kun­gen und ihrer Recht­fer­ti­gung hin­ge­gen nicht mehr erfor­der­lich [74]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt geht in sei­nem Urteil vom 27.02.2014 [75] unter Ver­weis auf drei Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts [76] davon aus, dass Art. 33 Abs. 5 GG auf­grund sei­ner inhalt­li­chen Bestimmt­heit unmit­tel­bar gel­te und dem Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit nach Art. 9 Abs. 3 GG vor­ge­he, soweit sein Anwen­dungs­be­reich rei­che [77]. Die bei­den erst­ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts befas­sen sich indes schon nicht mit Art. 9 Abs. 3 GG; die Ent­schei­dung zur antrags­lo­sen Teil­zeit­be­schäf­ti­gung [78] erwähnt die Koali­ti­ons­frei­heit zwar am Ran­de, trifft aber kei­ne Aus­sa­ge über das Ver­hält­nis zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums.

Eine sys­te­ma­ti­sche und teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung führt indes zu dem Ergeb­nis, dass die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht zur Recht­fer­ti­gung von Beschrän­kun­gen des Art. 9 Abs. 3 GG dar­stel­len; sie begren­zen die Koali­ti­ons­frei­heit nicht ver­fas­sungs­un­mit­tel­bar [79]. Ein sol­ches Ver­ständ­nis trägt der her­aus­ge­ho­be­nen Stel­lung der Grund­rech­te als dem Kern der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Ord­nung [80] Rech­nung und ver­mei­det eine vor­schnel­le und nur abs­trak­te Güter­ab­wä­gung, in der ein Rechts­gut auf Kos­ten eines ande­ren rea­li­siert wird [81]. Viel­mehr wird dadurch dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz umfas­send Rech­nung getra­gen, wonach zwei Ver­fas­sungs­gü­ter mit­ein­an­der der­art in Ein­klang gebracht wer­den, dass der schon­ends­te Aus­gleich gefun­den wird. Jedes der Ver­fas­sungs­gü­ter hat so weit­ge­hend wie mög­lich zur Gel­tung und damit zur opti­ma­len Wirk­sam­keit zu kom­men. Dies gilt auch für die Struk­tur­prin­zi­pi­en des Art. 33 Abs. 5 GG, die einem Aus­gleich mit ande­ren Gütern nicht von vorn­her­ein ver­schlos­sen sind [82]. Auch nach dem die Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on lei­ten­den Prin­zip der Ein­heit der Ver­fas­sung ist eine Betrach­tungs­wei­se zu ver­mei­den, die ein­zel­ne Wer­te und Prin­zi­pi­en gegen­über ande­ren ein­sei­tig vor­zieht oder ver­wirft. Eine grund­rechts­be­gren­zen­de Aus­le­gung bereits auf der Ebe­ne des Schutz­be­reichs ohne Ein­tritt in eine Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung kommt nur dort in Betracht, wo sich dies dem Grund­ge­setz zwei­fels­frei ent­neh­men lässt. Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall.

Die Eröff­nung des sach­li­chen Schutz­be­rei­ches der Koali­ti­ons­frei­heit lässt sich jeden­falls in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art – die beschwer­de­füh­ren­den Leh­rer sind als beam­te­te Lehr­kräf­te Streik­auf­ru­fen der GEW gefolgt – auch nicht von vorn­her­ein mit Ver­weis auf das Erfor­der­nis einer Tarif­be­zo­gen­heit des Streiks sowie einer Tarif­fä­hig­keit der Strei­ken­den beschrän­ken. Da Beam­te von der tarif­li­chen Lohn­ge­stal­tung aus­ge­schlos­sen sind [83], ist ihren Koali­tio­nen zwar inso­weit der Abschluss von Tarif­ver­trä­gen ver­wehrt. In den Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt und zuletzt in sei­ner Ent­schei­dung zum Tarif­ein­heits­ge­setz sol­che Arbeits­kampf­maß­nah­men ein­be­zo­gen, die auf den Abschluss von Tarif­ver­trä­gen gerich­tet sind, jeden­falls soweit sie erfor­der­lich sind, um eine funk­tio­nie­ren­de Tarif­au­to­no­mie sicher­zu­stel­len [84]. Eine Aus­sa­ge dahin­ge­hend, dass der Streik stets in Bezug auf den Abschluss eines eige­nen Tarif­ver­tra­ges erfol­gen müss­te, lässt sich den bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen aller­dings nicht ent­neh­men. Ent­schei­dend für die Zuge­hö­rig­keit zum Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG ist viel­mehr, dass es sich um gewerk­schaft­lich getra­ge­ne, auf Tarif­ver­hand­lun­gen bezo­ge­ne Aktio­nen han­delt [85]. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt nimmt jeden­falls einen Streik, den eine Gewerk­schaft zur Unter­stüt­zung eines auf den Abschluss eines Tarif­ver­trags gerich­te­ten Streiks aus­ruft, nicht (mehr) von vorn­her­ein vom Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG aus [86]. Ein sol­ches umfas­sen­des Ver­ständ­nis von Art. 9 Abs. 3 GG und das dar­in zum Aus­druck kom­men­de Bemü­hen um die Gewähr­leis­tung eines mög­lichst weit­rei­chen­den Grund­rechts­schut­zes greift im Sin­ne einer völ­ker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung zudem die Wer­tun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te zu Art. 11 EMRK auf, wonach auch der Unter­stüt­zungs­streik jeden­falls ein ergän­zen­des Ele­ment der Koali­ti­ons­frei­heit dar­stel­le [87]. In den vor­lie­gen­den Ver­fah­ren steht die dem Beschwer­de­füh­rer zu I. sowie den Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. jeweils vor­ge­wor­fe­ne Teil­nah­me an (Warn-)Streikmaßnahmen, zu denen die GEW auf­ge­ru­fen hat­te, im Zusam­men­hang mit sei­ner­zei­ti­gen Tarif­ver­hand­lun­gen im öffent­li­chen Dienst und ist daher auch nicht von vorn­her­ein zur För­de­rung der mit dem Haupt­ar­beits­kampf ver­folg­ten Zie­le offen­sicht­lich unge­eig­net [88].

Die ange­grif­fe­nen behörd­li­chen und gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen beein­träch­ti­gen das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG. Die Koali­ti­ons­frei­heit wird beschränkt durch alle Ver­kür­zun­gen des grund­recht­lich Gewähr­leis­te­ten. Als staat­li­che Beein­träch­ti­gung kom­men daher sämt­li­che belas­ten­den Rege­lun­gen und Maß­nah­men in allen Sta­di­en der Grund­rechts­aus­übung in Betracht [89]. Die dis­zi­pli­na­ri­sche Ahn­dung des Ver­hal­tens des Beschwer­de­füh­rers zu I. sowie der Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. durch Ver­fü­gun­gen ihrer Dienst­her­ren und deren dis­zi­pli­nar­ge­richt­li­che Bestä­ti­gung durch die ange­grif­fe­nen Gerichts­ent­schei­dun­gen begren­zen die Mög­lich­keit zur Teil­nah­me an einem Arbeits­kampf.

Die Beein­träch­ti­gung der Koali­ti­ons­frei­heit ist jedoch durch hin­rei­chend gewich­ti­ge, ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Belan­ge gerecht­fer­tigt.

Ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich ist zunächst, dass die mit den Ver­fas­sungs­be­schwer­den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen das Streik­ver­bot für Beam­te als einen her­ge­brach­ten Grund­satz mit Ver­fas­sungs­rang ange­se­hen haben, der vom Gesetz­ge­ber nicht ledig­lich zu berück­sich­ti­gen, son­dern zu beach­ten ist. Einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Nor­mie­rung des Streik­ver­bots für Beam­te bedarf es nicht. Das sta­tus­be­zo­ge­ne Streik­ver­bot für Beam­te greift auch nicht in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se in die Gewähr­leis­tung des Art. 9 Abs. 3 GG ein.

Das Streik­ver­bot für Beam­te stellt einen eigen­stän­di­gen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG dar. Es erfüllt die für eine Qua­li­fi­ka­ti­on als her­ge­brach­ter Grund­satz not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen der Tra­di­tio­na­li­tät und Sub­stan­zia­li­tät.

Dem Wort­laut des Art. 33 Abs. 5 GG lässt sich eine Kon­kre­ti­sie­rung des­sen, was die Ver­fas­sung als her­ge­brach­ten Grund­satz ansieht, nicht ent­neh­men. Im Par­la­men­ta­ri­schen Rat wur­de die Reich­wei­te der Koali­ti­ons­frei­heit zwar kon­tro­vers dis­ku­tiert [90]; aus­drück­li­che Aus­sa­gen wur­den in den Ver­fas­sungs­text aber weder zu einem Streik­recht noch zu einem Streik­ver­bot für Beam­te auf­ge­nom­men.

In der Ent­schei­dung zur Ali­men­ta­ti­on kin­der­rei­cher Beam­ter hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­ge­führt, ver­fas­sungs­recht­lich garan­tiert sei der her­ge­brach­te all­ge­mei­ne Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums, dass die ange­mes­se­ne Ali­men­tie­rung sum­men­mä­ßig nicht erstrit­ten oder ver­ein­bart, son­dern durch Gesetz fest­ge­legt wer­de, und dass inner­halb des Beam­ten­rechts die Zulas­sung eines Streiks aus­ge­schlos­sen sei [91]. In der Ent­schei­dung zur antrags­lo­sen Teil­zeit­be­schäf­ti­gung von Beam­ten heißt es, zu den Kern­pflich­ten des Beam­ten­ver­hält­nis­ses gehö­re seit jeher die Treue­pflicht. Der Beam­te sei dem All­ge­mein­wohl und damit zur unei­gen­nüt­zi­gen Amts­füh­rung ver­pflich­tet und habe bei der Erfül­lung der ihm anver­trau­ten Auf­ga­ben sei­ne eige­nen Inter­es­sen zurück­zu­stel­len. Der Ein­satz wirt­schaft­li­cher Kampf- und Druck­mit­tel zur Durch­set­zung eige­ner Inter­es­sen, ins­be­son­de­re auch kol­lek­ti­ve Kampf­maß­nah­men im Sin­ne des Art. 9 Abs. 3 GG wie das Streik­recht, sei­en ihm ver­wehrt [92].

Das Streik­ver­bot erfüllt das für einen eigen­stän­di­gen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums wesent­li­che Ele­ment der Tra­di­tio­na­li­tät. Wäh­rend die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung in den maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen der Art. 130 Abs. 2, Art. 159 WRV weder eine Aus­sa­ge zum Streik­recht noch zum Streik­ver­bot für Beam­te traf, erließ Reichs­prä­si­dent Fried­rich Ebert am 1.02.1922 eine auf Art. 48 Abs. 2 WRV gestütz­te Not­ver­ord­nung betref­fend das Ver­bot der Arbeits­nie­der­le­gung durch Beam­te der Reichs­bahn [93]. Nach § 1 Abs. 1 die­ser bereits am 9.02.1922 wie­der außer Kraft getre­te­nen Ver­ord­nung [94] war Beam­ten der Reichs­bahn „eben­so wie allen übri­gen Beam­ten nach dem gel­ten­den Beam­ten­rech­te die Ein­stel­lung oder Ver­wei­ge­rung der ihnen oblie­gen­den Arbeit ver­bo­ten“. Nach dem Jahr 1922 erlie­ßen zwar weder der Reichs­tag noch die Reichs­re­gie­rung wei­te­re aus­drück­li­che Streik­ver­bo­te für Beam­te. Der zeit­ge­nös­si­schen Recht­spre­chung lässt sich jedoch ent­neh­men, dass ein Streik­ver­bot für Beam­te als ganz über­wie­gend aner­kannt ange­se­hen wur­de [95]. Das Streik­ver­bot für Beam­te geht mit­hin auf eine (jeden­falls) in der Staats­pra­xis der Wei­ma­rer Repu­blik begrün­de­te Tra­di­ti­ons­li­nie zurück und erweist sich vor die­sem Hin­ter­grund als her­ge­bracht im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG.

Teil­wei­se wird gegen eine Aner­ken­nung des Streik­ver­bots als eigen­stän­di­ger her­ge­brach­ter Grund­satz vor­ge­bracht, die Not­ver­ord­nung, mit der die Exe­ku­ti­ve auf den Eisen­bah­ner­streik des Jah­res 1922 reagiert habe, sei nach dem Ver­ständ­nis des Grund­ge­set­zes nicht hin­rei­chend demo­kra­tisch legi­ti­miert. Die­ser Umstand müs­se auf die Inter­pre­ta­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG durch­schla­gen [96]. Eine sol­che Argu­men­ta­ti­on lässt aller­dings außer Acht, dass der Ver­fas­sungs­ge­ber mit Schaf­fung des Art. 33 Abs. 5 GG den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums durch Inkor­po­ra­ti­on in das Grund­ge­setz Legi­ti­ma­ti­on ver­lie­hen hat. Er nahm aus­drück­lich Bezug auf die vor­kon­sti­tu­tio­nell her­ge­brach­ten Grund­sät­ze, ohne dies von ihren Ent­ste­hungs­be­din­gun­gen abhän­gig zu machen. Im Übri­gen hat die genann­te Not­ver­ord­nung ein all­ge­mei­nes dienst­recht­li­ches Streik­ver­bot nicht begrün­det, son­dern ein sol­ches als bestehend vor­aus­ge­setzt und ledig­lich für eine kon­kre­te Gefah­ren­si­tua­ti­on kon­kre­ti­siert.

Das Erfor­der­nis der Sub­stan­zia­li­tät ist mit Blick auf die enge inhalt­li­che Ver­knüp­fung eines Streik­ver­bots mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Fun­da­men­ten des Berufs­be­am­ten­tums in Deutsch­land, nament­lich der beam­ten­recht­li­chen Treue­pflicht sowie dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, erfüllt.

Nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung zählt die Treue­pflicht des Beam­ten zu den Kern­be­stand­tei­len der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums [97]. Inhalt­lich ver­langt die Treue­pflicht, dass der Beam­te bei Erfül­lung der ihm anver­trau­ten Auf­ga­ben sei­ne eige­nen Inter­es­sen zurück­zu­stel­len hat [78]. Arbeits­kämp­fe der Beam­ten­schaft las­sen sich damit nicht in Ein­klang brin­gen. Befürch­tun­gen, wonach ein sol­ches Ver­ständ­nis das Beam­ten­ver­hält­nis zu einem grund­rechts­frei­en Bereich mache, in dem die Gehor­sam­s­pflicht dazu füh­re, dass den Beam­ten ähn­lich der Vor­stel­lung des beson­de­ren Gewalt­ver­hält­nis­ses kei­ne eige­nen Rech­te gegen­über dem Dienst­herrn zuer­kannt wür­den [98], sind unbe­grün­det. Die Treue­pflicht schließt mit Blick auf Art. 9 Abs. 3 GG nicht jeg­li­ches pri­va­te oder berufs­stän­di­sche Enga­ge­ment des Beam­ten aus; ein gene­rel­les Betä­ti­gungs­ver­bot des Beam­ten für eine Koali­ti­on stellt weder einen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums dar, noch folgt es aus dem Sinn und Zweck des Beam­ten­ver­hält­nis­ses [18].

Eine enge Bezie­hung weist das Streik­ver­bot dar­über hin­aus zu dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip auf [99], das nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts eben­falls einen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums dar­stellt [100]. Der Beam­te ver­pflich­tet sich mit Ein­tritt in das Beam­ten­ver­hält­nis, sei­ne gesam­te Arbeits­kraft dem Dienst­herrn zur Ver­fü­gung zu stel­len [101]. Als Aus­gleich hat der Dienst­herr den Beam­ten und sei­ne Fami­lie lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihm nach sei­nem Dienst­rang, nach der mit sei­nem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren [102]. Art. 33 Abs. 5 GG ent­hält damit eine unmit­tel­ba­re, objek­ti­ve Gewähr­leis­tung des ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts und gewährt wegen der Eigen­art des beam­ten­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses, in wel­chem dem Beam­ten kein Ein­fluss auf die Aus­ge­stal­tung sei­ner Arbeits­be­din­gun­gen zukommt, zugleich ein grund­rechts­ähn­li­ches, mate­ri­el­les Recht gegen­über dem Staat [103]. Hier­mit geht die ein­sei­ti­ge, hoheit­li­che Fest­le­gung der Besol­dung der Beam­ten durch den Dienst­herrn ein­her.

Das Streik­ver­bot ist nach der gegen­wär­ti­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­zep­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums sowohl mit dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip als auch mit der Treue­pflicht untrenn­bar ver­bun­den. Mit die­sen bei­den funk­ti­ons­we­sent­li­chen Prin­zi­pi­en lässt sich ein Streik­recht für Beam­te nicht ver­ein­ba­ren; das Streik­ver­bot gewähr­leis­tet und recht­fer­tigt viel­mehr erst die gegen­wär­ti­ge Aus­ge­stal­tung der genann­ten Struk­tur­prin­zi­pi­en des Berufs­be­am­ten­tums. Vor die­sem Hin­ter­grund han­delt es sich bei dem Streik­ver­bot des Art. 33 Abs. 5 GG um ein eigen­stän­di­ges, sys­tem­not­wen­di­ges und damit fun­da­men­ta­les Struk­tur­prin­zip des Berufs­be­am­ten­tums [104]. Sei­ne Preis­ga­be wür­de die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bestehen­de Ord­nung des Berufs­be­am­ten­tums grund­sätz­lich in Fra­ge stel­len [105].

Das Streik­ver­bot ist Teil der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG; und vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten. Ein Streik­recht, auch nur für Tei­le der Beam­ten­schaft, gestal­te­te das Ver­ständ­nis vom und die Rege­lun­gen des Beam­ten­ver­hält­nis­ses grund­le­gend um. Es hebel­te die funk­ti­ons­we­sent­li­chen Prin­zi­pi­en der Ali­men­ta­ti­on, der Treue­pflicht, der lebens­zei­ti­gen Anstel­lung sowie der Rege­lung der maß­geb­li­chen Rech­te und Pflich­ten ein­schließ­lich der Besol­dung durch den Gesetz­ge­ber aus, erfor­der­te jeden­falls aber deren grund­le­gen­de Modi­fi­ka­ti­on. Für eine Rege­lung etwa der Besol­dung durch Gesetz blie­be im Fal­le der Zuer­ken­nung eines Streik­rechts kein Raum. Wür­de die Besol­dung von Beam­ten oder Tei­le hier­von erstrit­ten wer­den kön­nen, lie­ße sich die der­zeit bestehen­de Mög­lich­keit des ein­zel­nen Beam­ten, die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ali­men­ta­ti­on gericht­lich durch­zu­set­zen – und damit die sub­jek­tiv-recht­li­che Aus­ge­stal­tung des Art. 33 Abs. 5 GG – nicht mehr recht­fer­ti­gen. Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip dient aber zusam­men mit dem Lebens­zeit­prin­zip einer unab­hän­gi­gen Amts­füh­rung und sichert die Pflicht des Beam­ten zur vol­len Hin­ga­be für das Amt ab. Um dies zu gewähr­leis­ten, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Pflicht des Dienst­herrn zur amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung als einen essen­ti­el­len Bestand­teil des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips betont [106]. Mit der (teil­wei­sen) Abkehr von die­sen mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Kern­prin­zi­pi­en stün­de das Berufs­be­am­ten­tum als sol­ches und damit der Rege­lungs­ge­gen­stand des Art. 33 Abs. 5 GG in Fra­ge [107]. Ein Streik­recht für Beam­te pass­te daher nicht ledig­lich die Aus­ge­stal­tung des Dienst­rechts den jewei­li­gen Ent­wick­lun­gen der Staat­lich­keit an und stell­te das Beam­ten­recht in die Zeit. Es grif­fe viel­mehr in den von Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en ein. Die für das Streik­ver­bot gel­ten­de Beach­tens­pflicht ver­sperrt daher den Weg zu tief­grei­fen­den struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen durch den ein­fa­chen Gesetz­ge­ber [108].

Eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Nor­mie­rung des Streik­ver­bots für Beam­te ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gefor­dert. Zwar bedarf es auch bei vor­be­halt­los gewähr­leis­te­ten Grund­rech­ten, die nur auf­grund von kol­li­die­ren­dem Ver­fas­sungs­recht beschränkt wer­den kön­nen, regel­mä­ßig einer gesetz­li­chen Grund­la­ge zur Kon­kre­ti­sie­rung der ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken [109]. Die aus­drück­li­che ein­fach­ge­setz­li­che Fest­schrei­bung eines Streik­ver­bots für Beam­te ist aller­dings im Beam­ten­recht des Bun­des und der Län­der die Aus­nah­me. Gegen­wär­tig ent­hält neben Art. 115 Abs. 5 der Ver­fas­sung des Saar­lan­des ledig­lich das Lan­des­be­am­ten­ge­setz von Rhein­land-Pfalz mit § 50 [110] eine Rege­lung, wonach Dienst­ver­wei­ge­rung oder Arbeits­nie­der­le­gung zur Wah­rung oder För­de­rung der Arbeits­be­din­gun­gen mit dem Beam­ten­ver­hält­nis nicht zu ver­ein­ba­ren sind. Eine im Ent­wurf des Bun­des­be­am­ten­ge­set­zes (BBG) von 1953 [111] noch vor­ge­se­he­ne aus­drück­li­che Nor­mie­rung des Streik­ver­bots für Beam­te wur­de vom Aus­schuss für Beam­ten­recht gestri­chen. Er hielt die Unver­ein­bar­keit der Arbeits­nie­der­le­gung mit den Pflich­ten eines Beam­ten für recht­lich so klar gege­ben und in den Rechts­vor­stel­lun­gen der Beam­ten wie der Staats­bür­ger so fest ver­an­kert, dass er die Auf­nah­me einer ent­spre­chen­den Vor­schrift als nicht not­wen­dig ansah [112].

Die mit den vor­lie­gen­den Ver­fas­sungs­be­schwer­den ange­grif­fe­nen Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gun­gen haben als gesetz­li­che Grund­la­gen unter ande­rem auf die in den Lan­des­be­am­ten­ge­set­zen ent­hal­te­nen Rege­lun­gen zum Fern­blei­ben vom Dienst ver­wie­sen. Dar­über hin­aus wur­de teil­wei­se auch auf die im Gesetz zur Rege­lung des Sta­tus­rechts der Beam­tin­nen und Beam­ten in den Län­dern (BeamtStG) nor­mier­ten beam­ten­recht­li­chen Grund­pflich­ten der unei­gen­nüt­zi­gen Amts­füh­rung zum Wohl der All­ge­mein­heit sowie der Wei­sungs­ge­bun­den­heit (§§ 33–35 BeamtStG) abge­stellt. Die­se Vor­schrif­ten stel­len jeden­falls in ihrer Gesamt­heit eine hin­rei­chen­de Kon­kre­ti­sie­rung des aus Art. 33 Abs. 5 GG fol­gen­den Streik­ver­bots dar [113]. Zählt es zu den gesetz­lich aus­drück­lich nor­mier­ten Grund­pflich­ten eines Beam­ten, sich mit vol­ler Hin­ga­be sei­nem Beruf zu wid­men und sein Amt unei­gen­nüt­zig nach bes­tem Gewis­sen zu ver­wal­ten (vgl. auch § 61 Abs. 1 BBG, § 34 BeamtStG), ist damit gleich­sam das Ver­bot von kol­lek­ti­ven wirt­schaft­li­chen Kampf­maß­nah­men zur För­de­rung gemein­sa­mer (eige­ner) Berufs­in­ter­es­sen mit­ge­dacht [114]. Einer dar­über hin­aus­ge­hen­den Rege­lung des Streik­ver­bots bedarf es aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den nicht.

Die Beschrän­kung der Koali­ti­ons­frei­heit ist inso­weit, als die Füh­rung von Arbeits­kämp­fen durch Beam­tin­nen und Beam­te in Rede steht, ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Das Streik­ver­bot für Beam­te fin­det sei­ne Grund­la­ge in Art. 33 Abs. 5 GG und trägt auch dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz Rech­nung.

Das Ver­bot eines Streiks der Beam­ten dient wie der übri­ge Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG einer sta­bi­len Ver­wal­tung [115], der Gewähr­leis­tung staat­li­cher Auf­ga­ben­er­fül­lung und damit der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Staa­tes und sei­ner Ein­rich­tun­gen. Erreicht wird die­ses Ziel, das die Ver­fas­sung auch durch ande­re Rege­lun­gen des Art. 33 GG gewähr­leis­tet, unter ande­rem durch einen Beam­ten­ap­pa­rat, des­sen Arbeits­be­din­gun­gen ein­sei­tig hoheit­lich fest­ge­legt wer­den, des­sen Arbeits­kraft stets, gera­de auch in Kri­sen­zei­ten, abge­ru­fen wer­den kann und der sich an einem Kräf­te­mes­sen mit sei­nem Dienst­herrn bezie­hungs­wei­se dem demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Gesetz­ge­ber nicht betei­ligt. Der Kon­flikt zwi­schen Art. 9 Abs. 3 GG und Art. 33 Abs. 5 GG ist nach dem Prin­zip der prak­ti­schen Kon­kor­danz zu lösen, wonach kol­li­die­ren­de Ver­fas­sungs­rechts­po­si­tio­nen in ihrer Wech­sel­wir­kung zu erfas­sen und so in Aus­gleich zu brin­gen sind, dass sie für alle Betei­lig­ten mög­lichst weit­ge­hend wirk­sam wer­den [116].

Das Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen Koali­ti­ons­frei­heit und Art. 33 Abs. 5 GG ist zuguns­ten eines für Beam­tin­nen und Beam­te bestehen­den Streik­ver­bots auf­zu­lö­sen. Der Ein­griff in Art. 9 Abs. 3 GG trifft Beam­tin­nen und Beam­te nicht unzu­mut­bar schwer. Zum einen ist mit dem Streik­recht, dem im Beam­ten­ver­hält­nis auf der Ebe­ne der Schutz­be­reichs­er­öff­nung wegen des Erfor­der­nis­ses einer Tarif­be­zo­gen­heit ohne­hin enge Gren­zen gezo­gen wer­den, ledig­lich ein Teil­be­reich der Koali­ti­ons­frei­heit ange­spro­chen. Ein Streik­ver­bot zei­tigt kein voll­stän­di­ges Zurück­tre­ten der Koali­ti­ons­frei­heit und beraubt sie nicht gänz­lich ihrer Wirk­sam­keit. Zum ande­ren hat der Gesetz­ge­ber Rege­lun­gen geschaf­fen, die zu einer Kom­pen­sa­ti­on der Beschrän­kung von Art. 9 Abs. 3 GG bei Beam­tin­nen und Beam­ten bei­tra­gen sol­len. So räu­men die erwähn­ten Vor­schrif­ten der § 118 BBG und § 53 BeamtStG sowie die Beam­ten­ge­set­ze der Län­der den Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der Gewerk­schaf­ten zwar kei­ne Mit­ent­schei­dung, wohl aber Betei­li­gungs­rech­te bei der Vor­be­rei­tung gesetz­li­cher Rege­lun­gen der beam­ten­recht­li­chen Ver­hält­nis­se ein. Nach der Geset­zes­be­grün­dung ist die­se Betei­li­gung jeden­falls auch als Aus­gleich für das Streik­ver­bot geschaf­fen wor­den [117]. Ein wei­te­res Ele­ment der Kom­pen­sa­ti­on ergibt sich aus dem beam­ten­recht­li­chen Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, das dem ein­zel­nen Beam­ten das grund­rechts­glei­che Recht ein­räumt, die Erfül­lung der dem Staat oblie­gen­den Ali­men­ta­ti­ons­ver­pflich­tung zur gericht­li­chen Über­prü­fung zu stel­len und erfor­der­li­chen­falls auf dem Rechts­weg durch­zu­set­zen. Bei die­sem wech­sel­sei­ti­gen Sys­tem von auf­ein­an­der bezo­ge­nen Rech­ten und Pflich­ten zei­ti­gen Aus­wei­tun­gen oder Beschrän­kun­gen auf der einen in der Regel auch Ver­än­de­run­gen auf der ande­ren Sei­te des Beam­ten­ver­hält­nis­ses. Ein „Rosi­nen­pi­cken“ lässt das Beam­ten­ver­hält­nis nicht zu [118]. Die­ser recht­stat­säch­li­che Befund wird mit dem schlich­ten Ver­weis auf wegen des Streik­rechts not­wen­dig wer­den­de Ände­run­gen der bis­he­ri­gen Rege­lun­gen zur Aus­ge­stal­tung von Rech­ten und Pflich­ten der Beam­ten [119] nicht ent­kräf­tet. Viel­mehr lös­te ein Streik­recht (für bestimm­te Beam­ten­grup­pen) eine Ket­ten­re­ak­ti­on in Bezug auf die Aus­ge­stal­tung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses aus und zöge wesent­li­che beam­ten­recht­li­che Grund­sät­ze und damit zusam­men­hän­gen­de Insti­tu­te in Mit­lei­den­schaft [120]. Mit der Zuer­ken­nung des Streik­rechts stell­te sich die Fra­ge, wel­che Aus­wir­kun­gen dies auf die Ein­füh­rung eines Tarif­ver­trags­sys­tems und die Tarif­bin­dung von Beam­ten und Dienst­her­ren, auf die Wei­ter­gel­tung oder Modi­fi­ka­ti­on von Ali­men­ta­ti­ons- und Lebens­zeit­prin­zip, auf Ein­zel­aspek­te wie etwa die Bei­hil­fe­ge­wäh­rung und die Sozi­al­ver­si­che­rungs­frei­heit im Beam­ten­ver­hält­nis sowie auf die Mög­lich­keit gericht­li­cher Gel­tend­ma­chung des Anspruchs auf amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on zei­tig­te. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17.01.2018 vor­ge­schla­ge­ne Kom­bi­na­ti­ons- oder Inte­gra­ti­ons­lö­sun­gen, etwa die grund­sätz­li­che Gel­tung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips zur Siche­rung der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on bei einem gleich­zei­ti­gen Streik­recht für eine „über­amts­an­ge­mes­se­ne“ Besol­dung von „Rand­be­reichs­be­am­ten“ wer­fen nicht nur zahl­rei­che Umset­zungs­schwie­rig­kei­ten auf, son­dern sto­ßen vor allem mit Blick auf die auch nach die­sem Modell wei­ter­hin nicht streik­be­rech­tig­ten „Kern­be­reichs­be­am­ten“ auf Beden­ken.

Ein mög­lichst scho­nen­der Aus­gleich im Sin­ne prak­ti­scher Kon­kor­danz kann nicht durch die Gewäh­rung eines ein­ge­schränk­ten Streik­rechts unter beson­de­ren rich­ter­recht­lich zu ent­wi­ckeln­den oder gesetz­lich vor­zu­se­hen­den Vor­aus­set­zun­gen wie etwa einer Anzei­ge- oder Geneh­mi­gungs­pflicht geplan­ter Streik­maß­nah­men erreicht wer­den. So sind bereits nach dem gel­ten­den, im Wesent­li­chen durch die Recht­spre­chung gepräg­ten Arbeits(kampf)recht bestimm­te Recht­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen bei der Wahr­neh­mung des Streik­rechts zu beach­ten, eine sol­che hat ins­be­son­de­re ver­hält­nis­mä­ßig zu sein [121]. Zwar redu­zier­te ein unter der­ar­ti­gen Bedin­gun­gen ste­hen­des (ein­ge­schränk­tes) Streik­recht die nega­ti­ven Fol­gen der Streik­tä­tig­keit für die Grund­rechts­ver­wirk­li­chung Drit­ter, etwa Eltern und Schü­ler, sowie die Beein­träch­ti­gun­gen für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­wal­tung. Zudem erlaub­te eine Anzei­ge bezie­hungs­wei­se Geneh­mi­gungs­pflicht den Ver­wal­tungs­trä­gern eine jeden­falls teil­wei­se Sicher­stel­lung ihrer Auf­ga­ben­er­fül­lung. So könn­te im Bereich des Schul­we­sens die Schul­lei­tung bei früh­zei­ti­ger Ankün­di­gung der Streik­maß­nah­me (zumin­dest) auf eine Schü­ler­be­treu­ung durch Not­diens­te hin­wir­ken und im Ein­zel­fall auch Streik­ver­bo­te aus­spre­chen. Aller­dings wäre dies – und hier­in liegt wegen der Unkal­ku­lier­bar­keit ein gewich­ti­ger Ein­wand – nur dann mög­lich, wenn sich ein aus­rei­chen­der Anteil der Beam­ten dazu ent­schie­de, nicht zu strei­ken, oder von einer Streik­teil­nah­me durch im Ein­zel­fall aus­ge­spro­che­ne Ver­bo­te aus­ge­schlos­sen wer­den könn­te.

Bei län­ger andau­ern­den Arbeits­kämp­fen und der Betei­li­gung von Inha­bern schu­li­scher Funk­ti­ons­stel­len lie­ße sich zudem der – eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te – staat­li­che Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­trag des Art. 7 Abs. 1 GG [122], kurz ein funk­tio­nie­ren­des Schul­sys­tem [123], nicht mehr durch­gän­gig sicher­stel­len. Dass es in der Ver­gan­gen­heit selbst in Län­dern mit einem über­wie­gen­den Anteil an tarif­be­schäf­tig­ten Lehr­kräf­ten nicht zu schwer­wie­gen­den Beein­träch­ti­gun­gen des Schul­be­trie­bes gekom­men ist, stellt das Beein­träch­ti­gungs­po­ten­ti­al von Arbeits­kämp­fen im schu­li­schen Bereich nicht grund­sätz­lich in Fra­ge. Denn zum einen han­del­te es sich nach Aus­kunft der Ver­tre­ter des Frei­staa­tes Sach­sen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17.01.2018 in der Ver­gan­gen­heit dort regel­mä­ßig um kur­ze Streik­maß­nah­men ohne Betei­li­gung der (beam­te­ten) Schul­lei­ter und ihrer Stell­ver­tre­ter. Zum ande­ren ist es gera­de das Wesen einer Arbeits­kampf­maß­nah­me, auf den jewei­li­gen Gegen­spie­ler Druck in Gestalt der Zufü­gung von Nach­tei­len aus­üben zu kön­nen, um zu einem Tarif­ab­schluss zu gelan­gen. Daher wären mit der Gewäh­rung eines Streik­rechts für Beam­te im vor­ge­nann­ten Sin­ne eben­falls erheb­li­che nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Schul­we­sens zu besor­gen. Glei­ches wür­de für die Zuer­ken­nung eines Streik­rechts bei einer gleich­zei­ti­gen Pflicht zur Nach­ho­lung der aus­ge­fal­le­nen Stun­den gel­ten, da bei einer Nach­ho­lung im Rah­men bestehen­der Lehr, Stun­den- und Raum­be­le­gungs­plä­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Schwie­rig­kei­ten und damit nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf den Schul­be­trieb nicht aus­ge­schlos­sen wer­den könn­ten.

Eine prak­tisch kon­kor­dan­te Zuord­nung von Koali­ti­ons­frei­heit und her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums ver­langt auch nicht, das Streik­ver­bot auf Tei­le der Beam­ten­schaft zu beschrän­ken und hier­bei auf den Funk­ti­ons­vor­be­halt des Art. 33 Abs. 4 GG zurück­zu­grei­fen [124]. Hier­nach ver­blie­be es für Beam­te, die schwer­punkt­mä­ßig hoheits­recht­li­che Befug­nis­se im Sin­ne die­ser Vor­schrift aus­üb­ten, auch wei­ter­hin bei einem Streik­ver­bot; allen ande­ren Beam­tin­nen und Beam­ten wäre ein Streik­recht zuzu­bil­li­gen [125]. Gegen eine sol­che funk­tio­na­le Auf­spal­tung des Streik­rechts spre­chen die mit dem Begriff der hoheits­recht­li­chen Befug­nis­se zusam­men­hän­gen­den Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten [126]. Bereits die trenn­schar­fe Dif­fe­ren­zie­rung, wann bei einer kon­kre­ten Dienst­hand­lung hoheits­recht­li­che Befug­nis­se wahr­ge­nom­men wer­den und wann nicht, erweist sich als außer­or­dent­lich schwie­rig. Pro­ble­ma­tisch wird eine Abgren­zung aber auch dann, wenn nicht die kon­kre­te Dienst­hand­lung in Rede steht, son­dern abs­trakt die Fra­ge zu klä­ren ist, ob einem bestimm­ten Beam­ten, der etwa in Fol­ge einer Abord­nung, Ver­set­zung oder Umset­zung unter­schied­li­che (teils hoheit­li­che, teils nicht-hoheit­li­che) Funk­tio­nen wahr­nimmt, ein Streik­recht zuzu­bil­li­gen ist. Unab­hän­gig hier­von ver­zich­te­te die Aner­ken­nung eines Streik­rechts für „Rand­be­reichs­be­am­te“ auf die Gewähr­leis­tung einer sta­bi­len Ver­wal­tung und der staat­li­chen Auf­ga­ben­er­fül­lung jen­seits von Art. 33 Abs. 4 GG. Davon abge­se­hen schü­fe ein Streik­recht nach funk­tio­nel­len Kri­te­ri­en im Sin­ne von Art. 33 Abs. 4 GG eine Son­der­ka­te­go­rie der „Beam­ten mit Streik­recht“ oder „Tarif­be­am­ten“ [127], deren Arbeits­be­din­gun­gen (jeden­falls teil­wei­se) tarif­ver­trag­lich aus­ge­han­delt wür­den. Sie käme als „Drit­te Säu­le“ zu dem aus­dif­fe­ren­zier­ten Sys­tem des öffent­li­chen Diens­tes hin­zu. Wäh­rend im Kern­be­reich hoheit­li­chen Han­delns das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip wei­ter­gäl­te, wür­de den sons­ti­gen Beam­ten die Mög­lich­keit eröff­net, For­de­run­gen zur Gestal­tung ihrer Arbeits­be­din­gun­gen bei fort­be­stehen­dem Beam­ten­sta­tus gege­be­nen­falls mit Arbeits­kampf­maß­nah­men durch­zu­set­zen. Hier­durch wür­de neben der bestehen­den Abgren­zungs- sowie Gleich­be­hand­lungs­pro­ble­ma­tik mit Blick auf Ange­stell­te des öffent­li­chen Diens­tes die Fra­ge auf­ge­wor­fen, wie­viel beam­ten­recht­li­che Sub­stanz einer sol­chen Per­so­nal­ka­te­go­rie noch inne­wohn­te [128]. Das Pro­blem einer Durch­bre­chung des klar kon­zi­pier­ten zwei­ge­teil­ten öffent­li­chen Dienst­rechts in Deutsch­land wür­de auch durch die Ände­rung der Ver­be­am­tungs­pra­xis – ihre rechts­po­li­ti­sche Umsetz­bar­keit unter­stellt – allen­falls mit­tel­fris­tig ent­schärft. Selbst wenn Beam­te künf­tig nur noch in dem Funk­ti­ons­vor­be­halt unter­lie­gen­den Berei­chen ein­ge­setzt wür­den [129], wären aus gegen­wär­ti­ger Per­spek­ti­ve noch auf Jahr­zehn­te auch außer­halb die­ser Berei­che Bestands­be­am­te mit Streik­recht vor­han­den [130].

Schließ­lich ver­langt ein scho­nen­der Aus­gleich der wider­strei­ten­den Ver­fas­sungs­gü­ter auch nicht eine Stär­kung der Betei­li­gungs­rech­te von Gewerk­schaf­ten oder eine Über­tra­gung des soge­nann­ten Drit­ten Weges aus dem kirch­li­chen Arbeits­recht auf das Beam­ten­ver­hält­nis. Die vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 27.02.2014 [131] für erfor­der­lich erach­te­te erheb­li­che Erwei­te­rung der Mit­wir­kungs­be­fug­nis­se von Gewerk­schaf­ten bei einem gleich­zei­tig fort­be­stehen­den Streik­ver­bot für Beam­te lie­ße wesent­li­che Vor­ga­ben der Ver­fas­sung außer Betracht. Gegen­wär­tig ist die Betei­li­gung der Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der zustän­di­gen Gewerk­schaf­ten bei der Vor­be­rei­tung all­ge­mei­ner Rege­lun­gen der beam­ten­recht­li­chen Ver­hält­nis­se vor­ge­se­hen. § 118 BBG sowie § 53 BeamtStG ent­hal­ten eine pro­ze­du­ra­le Mit­wir­kungs­pflicht, las­sen das „letz­te Wort“ des Dienst­herrn jedoch unbe­rührt. Zwar blie­be dem Staat auch bei einer Erwei­te­rung der Mit­wir­kungs­be­fug­nis­se die Mög­lich­keit erhal­ten, durch die Ver­be­am­tung jeder­zeit ver­füg­ba­res Per­so­nal ein­zu­set­zen. Käme es zu einem ech­ten Mit­ent­schei­dungs­recht der Gewerk­schaf­ten und ver­blie­be es zugleich bei dem der­zei­ti­gen her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums, wonach wesent­li­che Arbeits­be­din­gun­gen und ins­be­son­de­re die Besol­dung der Beam­ten durch Gesetz zu regeln sind, so ergä­be sich jedoch ein Kon­flikt mit dem Demo­kra­tie­prin­zip des Art.20 Abs. 1 und 2 GG. Als Ver­tre­tern von Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen dür­fen den Gewerk­schaf­ten kei­ne ech­ten Mit­ent­schei­dungs­rech­te im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zukom­men, da ande­ren­falls die Sou­ve­rä­ni­tät des (Besoldungs-)Gesetzgebers ver­letzt wür­de. Die Mög­lich­kei­ten einer Stär­kung der Betei­li­gungs­rech­te zur Kom­pen­sa­ti­on eines umfas­sen­den Streik­ver­bots sind daher von Ver­fas­sung wegen stark begrenzt. Dies trifft in glei­cher Wei­se auf den Vor­schlag zu, das im kirch­li­chen Arbeits­recht eta­blier­te Modell des „Drit­ten Weges“ auf das Beam­ten­ver­hält­nis zu über­tra­gen und Schlich­tungs­aus­schüs­sen ver­bind­li­che Rege­lungs­be­fug­nis­se ein­zu­räu­men.

Das Streik­ver­bot für Beam­tin­nen und Beam­te in Deutsch­land steht mit dem Grund­satz der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes im Ein­klang und ist ins­be­son­de­re auch mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­ein­bar. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te hat in meh­re­ren Ver­fah­ren sei­ne Recht­spre­chung zu Art. 11 EMRK wei­ter­ent­wi­ckelt. Unter Berück­sich­ti­gung wesent­li­cher Grund­wer­tun­gen der Ent­schei­dun­gen lässt sich eine Kol­li­si­ons­la­ge zwi­schen deut­schem Recht und Euro­päi­scher Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on gegen­wär­tig nicht fest­stel­len. Unab­hän­gig davon wären mit Blick auf die Beson­der­hei­ten des deut­schen Sys­tems des Berufs­be­am­ten­tums nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch die Vor­aus­set­zun­gen für eine Beschrän­kung des Streik­rechts nach Art. 11 Abs. 2 EMRK gege­ben.

Abs. 1 EMRK gewähr­leis­tet jeder Per­son, sich frei und fried­lich mit ande­ren zu ver­sam­meln und sich frei mit ande­ren zusam­men­zu­schlie­ßen; dazu gehört auch das Recht, zum Schutz sei­ner Inter­es­sen Gewerk­schaf­ten zu grün­den und Gewerk­schaf­ten bei­zu­tre­ten. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te hat in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit die Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 Abs. 1 EMRK wie auch die Ein­griffs­vor­aus­set­zun­gen des Art. 11 Abs. 2 EMRK wei­ter prä­zi­siert.

In dem Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei [132] hat die Gro­ße Kam­mer des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te ent­schie­den, die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit des Art. 11 Abs. 1 EMRK umfas­se das Recht, eine Gewerk­schaft zu grün­den und Mit­glied einer Gewerk­schaft zu wer­den („the right to form and join a tra­de uni­on“), das Ver­bot gewerk­schaft­li­cher Mono­po­le („pro­hi­bi­ti­on of clo­sed-shop agree­ments“) und das Recht einer Gewerk­schaft dar­auf, dass der Arbeit­ge­ber anhört, was sie im Namen ihrer Mit­glie­der zu sagen hat („the right for a tra­de uni­on to seek to per­sua­de the employ­er to hear what it has to say on behalf of its mem­bers“). Bei der Aus­le­gung der Bestim­mung hat der Gerichts­hof ande­re inter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen (Über­ein­kom­men Nr. 87 und Nr. 98 der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on, Euro­päi­sche Sozi­al­char­ta) sowie deren Aus­le­gung durch die hier­für zustän­di­gen Insti­tu­tio­nen und die Pra­xis der euro­päi­schen Staa­ten berück­sich­tigt [133]. In dem kon­kre­ten Ver­fah­ren, das eine Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­rung der tür­ki­schen Gewerk­schaft Tüm Bel Sen mit einer tür­ki­schen Kom­mu­ne betraf, stell­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te fest, Ange­hö­ri­ge der Staats­ver­wal­tung könn­ten nicht aus dem Anwen­dungs­be­reich des Art. 11 EMRK aus­ge­schlos­sen wer­den. Allen­falls sei­en unter den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 11 Abs. 2 EMRK Ein­schrän­kun­gen denk­bar, wobei die in der Aus­nah­me­vor­schrift des Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK genann­ten Per­so­nen­grup­pen eng gefasst wer­den müss­ten [134]. Die Regie­rung der Tür­kei habe es ver­säumt, eine zwin­gen­de sozia­le Not­wen­dig­keit („pres­sing social need“) für den Aus­schluss des Rechts auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen dar­zu­le­gen [135]. Allein der Ver­weis auf die pri­vi­le­gier­te Posi­ti­on von Beam­ten im Ver­gleich zu Arbeit­neh­mern genü­ge hier­für nicht [136].

Das zustim­men­de Son­der­vo­tum des Rich­ters Spiel­mann zu dem vor­ge­nann­ten Urteil vom 12.11.2008, dem die Rich­ter Bratza, Casa­de­vall und Vil­li­ger bei­getre­ten sind, betont die Bedeu­tung der Koali­ti­ons­frei­heit auch für den öffent­li­chen Dienst [137]. Es sei aller­dings zu berück­sich­ti­gen, dass die recht­li­che Situa­ti­on der Beam­ten in vie­len Rechts­sys­te­men von Geset­zen oder Ver­ord­nun­gen bestimmt wer­de, von denen kei­ne Abwei­chung durch den Abschluss indi­vi­du­el­ler Ver­ein­ba­run­gen zuläs­sig sei. Unter Ver­weis auf Nico­las Val­ti­cos [138] führt das Son­der­vo­tum aus, der Cha­rak­ter der Bezie­hun­gen zwi­schen dem jewei­li­gen Staat und sei­nen Beam­ten unter­schei­de sich in den kon­kre­ten Staa­ten. In eini­gen Staa­ten wür­den Beam­te und ande­re öffent­li­che Ange­stell­te – jeden­falls die meis­ten von ihnen – mit Blick bei­spiels­wei­se auf das Recht, Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen zu füh­ren, und sogar mit Blick auf das Streik­recht wie Arbeit­neh­mer des pri­va­ten Sek­tors behan­delt. Ande­re Staa­ten folg­ten noch den tra­di­tio­nel­len Vor­stel­lun­gen. Ein ande­res Pro­blem resul­tie­re dar­aus, dass die Defi­ni­ti­on des Beam­ten in ihrem Umfang vari­ie­re: je nach Staat, je nach Aus­maß des öffent­li­chen Sek­tors und je nach­dem, ob und inwie­weit eine Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Beam­ten und Ange­stell­ten im öffent­li­chen Dienst in einem wei­te­ren Sinn vor­ge­nom­men wer­de [139]. Obwohl das Recht zur Füh­rung von Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen mit der Ent­schei­dung der Gro­ßen Kam­mer vom 12.11.2008 nun­mehr aner­kannt sei, müss­ten bestimm­te Aus­nah­men oder Gren­zen im öffent­li­chen Sek­tor stets mög­lich blei­ben, vor­aus­ge­setzt, dass die Betei­li­gung der Reprä­sen­tan­ten der Bediens­te­ten bei den Ent­wurfs­ar­bei­ten für die rele­van­ten Arbeits­be­din­gun­gen oder Ver­ord­nun­gen garan­tiert blei­be [140]. Die Gewähr­leis­tung, sich Gehör zu ver­schaf­fen, impli­zie­re zwar ein Recht der Bediens­te­ten im öffent­li­chen Sek­tor zum Dia­log mit ihrem Arbeit­ge­ber; sie beinhal­te aber nicht not­wen­di­ger­wei­se auch das Recht, Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen abzu­schlie­ßen, oder die kor­re­spon­die­ren­de Pflicht des Staa­tes, die Exis­tenz sol­cher Ver­ein­ba­run­gen zu ermög­li­chen. Viel­mehr müs­se den Staa­ten in die­sen Fra­gen eine gewis­se Wahl­frei­heit und Fle­xi­bi­li­tät zukom­men [141].

In dem Ver­fah­ren Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei aus dem Jahr 2009, das die Beschwer­de einer Beam­ten­ge­werk­schaft betraf, ent­schied die Kam­mer der 3. Sek­ti­on des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te, ein Streik­ver­bot grei­fe in die Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 Abs. 1 EMRK ein. Der Streik ermög­li­che einer Gewerk­schaft, sich Gehör zu ver­schaf­fen, und stel­le einen wich­ti­gen Aspekt zum Schutz der Inter­es­sen der Gewerk­schafts­mit­glie­der dar [142]. Das Streik­recht sei aller­dings nicht abso­lut, son­dern kön­ne von Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig gemacht und beschränkt wer­den. So ste­he etwa der Grund­satz der Gewerk­schafts­frei­heit im Ein­klang mit einem Streik­ver­bot für Beam­te, die Hoheits­ge­walt im Namen des Staa­tes aus­üb­ten. In dem zu ent­schei­den­den Ver­fah­ren Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei sei jedoch durch Rund­erlass allen Beam­ten der Streik ver­bo­ten wor­den, ohne eine Abwä­gung mit den von Art. 11 Abs. 2 EMRK erwähn­ten Zie­len vor­zu­neh­men. Die tür­ki­sche Regie­rung habe nicht nach­ge­wie­sen, dass die von ihr vor­ge­nom­me­ne Beschrän­kung in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft not­wen­dig gewe­sen sei [143].

Bereits zuvor, mit Urteil vom 27.03.2007, ent­schied die Kam­mer der 2. Sek­ti­on des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te über die Reich­wei­te von Art. 11 EMRK mit Blick auf die Rechts­la­ge in der Tür­kei [144]. Der Gerichts­hof beton­te zunächst, dass der per­sön­li­che Schutz­be­reich des Art. 11 Abs. 1 EMRK umfas­send sei und auch Beam­te hier­von nicht von vorn­her­ein aus­ge­nom­men wür­den [145]. Im Fal­le des Beschwer­de­füh­rers, eines Elek­tri­kers, dem die Teil­nah­me an einem Streik betref­fend die Beam­ten­be­sol­dung vor­ge­wor­fen wur­de, sei die gegen ihn ver­häng­te dis­zi­pli­na­ri­sche War­nung nicht in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft not­wen­dig gewe­sen [146].

In dem Ver­fah­ren Urcan u.a. v. Tür­kei ent­schied die Kam­mer der 2. Sek­ti­on des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te am 17.07.2008 über die Beschwer­den meh­re­rer tür­ki­scher Leh­rer, die von tür­ki­schen Gerich­ten wegen der Teil­nah­me an einem Streik­tag zu Dis­zi­pli­nar­stra­fen ver­ur­teilt wor­den waren. Der Gerichts­hof beton­te in die­sem Zusam­men­hang, die Sank­tio­nie­rung stel­le einen Ein­griff in Art. 11 EMRK unter dem Aspekt der Ver­samm­lungs­frei­heit dar. Es feh­le jedoch an einer Recht­fer­ti­gung im Sin­ne des Art. 11 Abs. 2 EMRK, da der Ein­griff nicht not­wen­dig in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft gewe­sen sei [147].

Auch nach den Ent­schei­dun­gen in den Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei sowie Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei befass­te sich der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te wie­der­holt mit den Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 EMRK in Beschwer­de­ver­fah­ren betref­fend die Tür­kei. Im Ver­fah­ren Kaya und Sey­han v. Tür­kei ent­schied die Kam­mer der 2. Sek­ti­on über die Sank­tio­nie­rung einer Teil­nah­me zwei­er Lehr­kräf­te und Gewerk­schafts­mit­glie­der an einem Akti­ons­tag gegen ein Gesetz zur Orga­ni­sa­ti­on des öffent­li­chen Diens­tes [148]. Die den Beschwer­de­füh­rern auf­er­leg­ten Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men ent­sprä­chen kei­nem zwin­gen­den gesell­schaft­li­chen Bedürf­nis und sei­en daher auch nicht in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft not­wen­dig. Hier­durch wer­de die Ver­samm­lungs­frei­heit der Beschwer­de­füh­rer unver­hält­nis­mä­ßig beein­träch­tigt [149].

Im Ver­fah­ren Sai­me Özcan v. Tür­kei befass­te sich die Kam­mer der 2. Sek­ti­on, eben­falls am 15.09.2009, mit der Beschwer­de einer Leh­re­rin, die zugleich Gewerk­schafts­mit­glied war und an einem natio­na­len Streik­tag zur Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen von Beam­ten teil­ge­nom­men hat­te. In der ursprüng­li­chen Ver­ur­tei­lung der Leh­re­rin sah die Kam­mer unter Ver­weis auf die Ent­schei­dun­gen in den Ver­fah­ren Urcan u.a. v. Tür­kei sowie Kara­çay v. Tür­kei eine Ver­let­zung von Art. 11 EMRK [150]. Im Urteil vom 13.07.2010 in dem Ver­fah­ren Çerik­ci v. Tür­kei, das die Streik­teil­nah­me eines tür­ki­schen Kom­mu­nal­be­am­ten und eine dar­auf­hin ergan­ge­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me betraf, ver­wies die Kam­mer der 2. Sek­ti­on auf ihre Aus­füh­run­gen im Ver­fah­ren Kara­çay v. Tür­kei und stell­te wie­der­um eine Ver­let­zung von Art. 11 EMRK fest [151].

Unter Berück­sich­ti­gung der in den genann­ten Ver­fah­ren getrof­fe­nen Aus­sa­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te las­sen sich eine Kon­ven­ti­ons­wid­rig­keit der gegen­wär­ti­gen Rechts­la­ge in Deutsch­land und damit eine Kol­li­si­on zwi­schen natio­na­lem Recht und Euro­päi­scher Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on nicht fest­stel­len. Fehlt es bereits an einer Kol­li­si­ons­la­ge, kommt es auf die in den Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge nach den Gren­zen der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich an. Es bedarf der­zeit ins­be­son­de­re kei­ner Klä­rung, ob das Streik­ver­bot für Beam­te als her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums und tra­di­tio­nel­les Ele­ment der deut­schen Staats­ar­chi­tek­tur zugleich einen (aus­le­gungs­fes­ten) tra­gen­den Grund­satz der Ver­fas­sung dar­stellt [152], wofür indes viel spre­chen dürf­te.

Mit ihren Ver­fas­sungs­be­schwer­den beru­fen sich der Beschwer­de­füh­rer zu I. und die Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. unter ande­rem auf eine Pas­sa­ge in der Ent­schei­dung Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei, wonach ein Streik­ver­bot bestimm­te Beam­ten­ka­te­go­rien erfas­sen kön­ne, sich aber nicht – wie in dem vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te zu beur­tei­len­den Fall eines tür­ki­schen Rund­erlas­ses – auf Beam­te im All­ge­mei­nen oder auf öffent­li­che Beschäf­tig­te von staat­li­chen Wirt­schafts- oder Indus­trie­un­ter­neh­men erstre­cken dür­fe [143]. Unge­ach­tet mög­li­cher Unge­nau­ig­kei­ten bei der Über­set­zung des in der amt­li­chen Fas­sung nur in fran­zö­si­scher Spra­che vor­lie­gen­den Urteils ist bei einer Bewer­tung die­ser Aus­sa­ge mit Blick auf die ein­zel­nen Aus­prä­gun­gen der Völ­ker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes mit ein­zu­stel­len, dass der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te – wie auch die Paren­the­se com­me en l’espèce ver­deut­licht – eine Aus­sa­ge in einem kon­kret-indi­vi­du­ell zu ent­schei­den­den Ver­fah­ren getrof­fen hat. Unmit­tel­ba­re Rechts­kraft­wir­kung begrün­det das gegen­über der Tür­kei ergan­ge­ne Urteil wie auch die wei­te­ren Ent­schei­dun­gen in den Beschwer­de­ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei, Kara­çay v. Tür­kei, Urcan u.a. v. Tür­kei, Kaya und Sey­han v. Tür­kei, Sai­me Özcan v. Tür­kei, Çerik­ci v. Tür­kei für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land daher nicht [3]. In die­sem Zusam­men­hang ist zu berück­sich­ti­gen, dass Aus­sa­gen inter par­tes zu einem bestimm­ten Fall vor dem Hin­ter­grund des jeweils maß­geb­li­chen Rechts­sys­tems getrof­fen wur­den und dass begriff­li­che Ähn­lich­kei­ten nicht über Unter­schie­de, die sich aus dem Kon­text der Rechts­ord­nun­gen erge­ben, hin­weg­täu­schen dür­fen [153]. Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te haben indes auch jen­seits von Art. 46 EMRK über die ihnen eige­ne Leit- und Ori­en­tie­rungs­wir­kung eine spe­zi­fi­sche Bedeu­tung bei der kon­ven­ti­ons­kon­for­men Aus­le­gung des natio­na­len Rechts. Die­se Ori­en­tie­rungs­wir­kung ist dann beson­ders groß, wenn sie sich auf Par­al­lel­fäl­le im Gel­tungs­be­reich der­sel­ben Rechts­ord­nung bezieht, mit­hin (ande­re) Ver­fah­ren in dem von der Aus­gangs­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te betrof­fe­nen Ver­trags­staat betrifft [65]. Jen­seits die­ser Par­al­lel­si­tua­tio­nen ist der Leit- und Ori­en­tie­rungs­wir­kung durch eine Über­prü­fung der eige­nen Rechts­ord­nung [154] sowie eine Über­nah­me der vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te for­mu­lier­ten grund­le­gen­den Wer­tun­gen im Sin­ne von ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­gen all­ge­mei­nen Grund­li­ni­en [155] Rech­nung zu tra­gen.

Abs. 3 GG sowie die hier­zu ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, wonach auch deut­sche Beam­tin­nen und Beam­te aus­nahms­los dem per­sön­li­chen Schutz­be­reich der Koali­ti­ons­frei­heit unter­fal­len [156], aller­dings das Streik­recht als eine Ein­zel­aus­prä­gung von Art. 9 Abs. 3 GG auf­grund kol­li­die­ren­den Ver­fas­sungs­rechts (Art. 33 Abs. 5 GG) von die­ser Per­so­nen­grup­pe nicht aus­ge­übt wer­den kann, ste­hen mit den kon­ven­ti­ons­recht­li­chen Wer­tun­gen in Ein­klang. Grund­aus­sa­gen im Sin­ne von Wer­tun­gen, die im Rah­men einer kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen sind, hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te zu Schutz­be­reich und Ein­schränk­bar­keit von Art. 11 EMRK for­mu­liert. Im Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei hat die Gro­ße Kam­mer im Rah­men ihrer Bewer­tung der Garan­tien des Art. 11 EMRK [157] Aus­füh­run­gen zum Schutz­be­reich gemacht. Sie hat die Fra­ge nach der Reich­wei­te des per­sön­li­chen Schutz­be­reichs zusam­men­fas­send dahin­ge­hend beant­wor­tet, dass auch Ange­hö­ri­ge der Staats­ver­wal­tung nicht gene­rell aus dem Anwen­dungs­be­reich des Art. 11 EMRK her­aus­fal­len, son­dern ihnen allen­falls Ein­schrän­kun­gen auf­er­legt wer­den kön­nen [158]. Zudem dür­fe der Wesens­ge­halt der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit nicht ange­tas­tet wer­den [159]. Eine ähn­li­che Wer­tung fin­det sich bereits in dem Urteil im Ver­fah­ren Kara­çay v. Tür­kei, wonach das von Art. 11 Abs. 1 EMRK garan­tier­te Recht, einer Gewerk­schaft bei­zu­tre­ten, für jeder­mann gewähr­leis­tet wer­de und hier­von auch Beam­te nicht auto­ma­tisch aus­ge­schlos­sen sei­en [160].

Spe­zi­ell mit Blick auf das Streik­recht hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te im Ver­fah­ren Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei die ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­ge Aus­le­gungs­ma­xi­me for­mu­liert, dass der Streik eine Mög­lich­keit der Gewerk­schaf­ten dar­stel­le, sich Gehör zu ver­schaf­fen und dadurch ihre Inter­es­sen zu schüt­zen [142]. Auch zu die­ser Wer­tung steht das deut­sche Recht nicht in Wider­spruch. In Deutsch­land wird, soweit es um die Reprä­sen­ta­ti­on von Beam­tin­nen und Beam­ten geht, den Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der zustän­di­gen Gewerk­schaf­ten kein Streik­recht, son­dern ein Betei­li­gungs­recht bei der Vor­be­rei­tung all­ge­mei­ner Rege­lun­gen der beam­ten­recht­li­chen Ver­hält­nis­se ein­ge­räumt (vgl. § 118 BBG und § 53 BeamtStG sowie die Rege­lun­gen der Lan­des­be­am­ten­ge­set­ze). Auch wenn die­ses Ver­fah­ren nicht die einem Arbeits­kampf imma­nen­te Druck­si­tua­ti­on auf­baut und ange­sichts der feh­len­den Tarif­bin­dung auch nicht auf­bau­en kann, ermög­licht es den Gewerk­schaf­ten im Sin­ne einer Kom­pen­sa­ti­ons- oder Aus­gleichs­maß­nah­me, mit ihrer Stim­me gehört zu wer­den.

Unab­hän­gig davon, ob das Streik­ver­bot für deut­sche Beam­te einen Ein­griff in Art. 11 Abs. 1 EMRK dar­stellt, ist es wegen der Beson­der­hei­ten des deut­schen Sys­tems des Berufs­be­am­ten­tums jeden­falls nach Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK bezie­hungs­wei­se Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK gerecht­fer­tigt.

Das Streik­ver­bot ist in Deutsch­land im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK gesetz­lich vor­ge­se­hen. Not­wen­dig hier­für ist eine Grund­la­ge im natio­na­len Recht [161]. Eine sol­che Grund­la­ge ist gege­ben. Die Beam­ten­ge­set­ze des Bun­des und der Län­der ent­hal­ten für alle Beam­tin­nen und Beam­ten kon­kre­te Rege­lun­gen zum uner­laub­ten Fern­blei­ben vom Dienst bezie­hungs­wei­se zur Wei­sungs­ge­bun­den­heit. Mit die­sen Vor­ga­ben ist eine nicht geneh­mig­te Teil­nah­me an Streik­maß­nah­men unver­ein­bar. Im Übri­gen ist das Streik­ver­bot für Beam­te eine höchst­rich­ter­lich seit Jahr­zehn­ten aner­kann­te Aus­prä­gung des Art. 33 Abs. 5 GG [162].

Die zur Begrün­dung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men her­an­ge­zo­ge­ne Gewähr­leis­tung einer funk­ti­ons­fä­hi­gen öffent­li­chen Ver­wal­tung, kon­kret im Fal­le der Beschwer­de­füh­rer die Gewähr­leis­tung des staat­li­chen Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­tra­ges und eines funk­tio­nie­ren­den Schul­we­sens (Art. 7 Abs. 1 GG), dient der Auf­recht­erhal­tung der Ord­nung und ver­folgt damit ein legi­ti­mes Ziel im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK.

Das Streik­ver­bot ist wegen der Beson­der­hei­ten des deut­schen Sys­tems des Berufs­be­am­ten­tums auch not­wen­dig in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft. Wie der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in sei­ner Ent­schei­dung im Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei aus­ge­führt hat, setzt die Recht­fer­ti­gung eines Ein­griffs in Art. 11 Abs. 1 EMRK ein drin­gen­des sozia­les bezie­hungs­wei­se gesell­schaft­li­ches Bedürf­nis („pres­sing social need“) vor­aus; zudem muss die Ein­schrän­kung ver­hält­nis­mä­ßig sein [163]. Die Tür­kei habe aller­dings nicht dar­ge­legt, dass das im tür­ki­schen Recht für Beam­te gel­ten­de abso­lu­te Ver­bot der Grün­dung von Gewerk­schaf­ten ein sol­ches drin­gen­des gesell­schaft­li­ches Bedürf­nis erfül­le. Allein die Tat­sa­che, dass die ein­schlä­gi­gen Geset­ze kei­ne Mög­lich­keit für die Grün­dung von Gewerk­schaf­ten vor­sä­hen, rei­che nicht aus [164]. Eben­so wenig genü­ge in die­sem Zusam­men­hang allein der Hin­weis auf die pri­vi­le­gier­te Stel­lung tür­ki­scher Beam­ter [136]. Auch im Ver­fah­ren Ener­ji Yapi-Yol Sen v. Tür­kei habe die tür­ki­sche Regie­rung mit ihrem Vor­trag, Art. 11 EMRK garan­tie­re den Gewerk­schaf­ten kei­nen Anspruch auf ein bestimm­tes Ver­hal­ten, nicht hin­rei­chend dar­ge­legt, dass die umstrit­te­ne Beschrän­kung des Streik­rechts in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft not­wen­dig gewe­sen sei [165].

Der Gerichts­hof hat in dem Ver­fah­ren Demir und Bay­ka­ra v. Tür­kei zudem fest­ge­stellt, im Rah­men der Aus­fül­lung des unbe­stimm­ten Rechts­be­griffs eines drin­gen­den gesell­schaft­li­chen Bedürf­nis­ses ste­he den Ver­trags­staa­ten nur ein begrenz­ter Beur­tei­lungs­spiel­raum („a limi­ted mar­gin of appre­cia­ti­on“) zu [163]. Aller­dings betraf das Ver­fah­ren nicht die Gewähr­leis­tung eines Streik­rechts, des­sen Zuge­hö­rig­keit zu den Kern­ge­währ­leis­tun­gen des Art. 11 EMRK der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te bis­lang aus­drück­lich nicht fest­ge­stellt hat [166]. Zum Umfang des Beur­tei­lungs­spiel­raums bei Beschrän­kun­gen der Gewerk­schafts­frei­heit hat er viel­mehr die fol­gen­de Dif­fe­ren­zie­rung vor­ge­nom­men: Betref­fe eine gesetz­li­che Ein­schrän­kung den Kern gewerk­schaft­li­cher Tätig­keit, sei dem natio­na­len Gesetz­ge­ber ein gerin­ge­rer Beur­tei­lungs­spiel­raum zuzu­ge­ste­hen und mehr zu ver­lan­gen, um den dar­aus fol­gen­den Ein­griff in die Gewerk­schafts­frei­heit mit dem öffent­li­chen Inter­es­se zu recht­fer­ti­gen. Wer­de umge­kehrt nicht der Kern, son­dern nur ein Neben­aspekt der Gewerk­schafts­tä­tig­keit berührt, sei der Beur­tei­lungs­spiel­raum wei­ter und der jewei­li­ge Ein­griff eher ver­hält­nis­mä­ßig [167]. Für einen Unter­stüt­zungs­streik hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te ent­schie­den, dass die­ser nicht den Kern­be­reich der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit betref­fe, son­dern ledig­lich einen Neben­aspekt dar­stel­le und daher dem betrof­fe­nen Staat bei Ein­schrän­kun­gen ein wei­te­rer Beur­tei­lungs­spiel­raum zuzu­ge­ste­hen sei [168].

Vor die­sem Hin­ter­grund ist ein Streik­ver­bot für deut­sche Beam­tin­nen und Beam­te und kon­kret für beam­te­te Lehr­kräf­te nach Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK gerecht­fer­tigt. In den vor­lie­gen­den Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren nah­men beam­te­te Lehr­kräf­te an Streik­maß­nah­men teil, zu denen die GEW auf­ge­ru­fen hat­te. In die­ser Gewerk­schaft sind sowohl beam­te­te als auch ange­stell­te Lehr­kräf­te ver­tre­ten. Tarif­ver­trä­ge han­delt die GEW mit der Tarif­ge­mein­schaft der Län­der auf­grund der in Deutsch­land gel­ten­den Rechts­la­ge aber nur in Bezug auf die ange­stell­ten Lehr­kräf­te aus. Auf Beam­te fin­den die­se Tarif­ver­trä­ge kei­ne Anwen­dung; viel­mehr ent­schei­det der für die Fest­le­gung der Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen der Beam­tin­nen und Beam­ten allein zustän­di­ge Gesetz­ge­ber in Bund und Län­dern dar­über, ob und in wel­chem Umfang die in Tarif­ver­hand­lun­gen für Ange­stell­te im öffent­li­chen Dienst erziel­ten Ergeb­nis­se auf Beam­tin­nen und Beam­te über­tra­gen wer­den. Teil­wei­se woll­ten der Beschwer­de­füh­rer zu I. und die Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. mit ihrer Streik­teil­nah­me eine sol­che Über­tra­gung errei­chen. Die­ses Ver­hal­ten, das (jeden­falls auch) zur Unter­stüt­zung eines auf den Abschluss eines Tarif­ver­trags gerich­te­ten Streiks gedacht war und eine gewis­se Nähe zum Unter­stüt­zungs­streik auf­weist, fällt damit nicht in den Kern­be­reich der Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 Abs. 1 EMRK. Der der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land daher im Grund­satz zukom­men­de wei­te­re Beur­tei­lungs­spiel­raum ist vor­lie­gend auch nicht über­schrit­ten. Denn das für Tei­le des öffent­li­chen Diens­tes gel­ten­de und als Ver­fas­sungs­tra­di­ti­on aner­kann­te Streik­ver­bot ist nicht Aus­druck der pri­vi­le­gier­ten Stel­lung von Beam­tin­nen und Beam­ten (Unkünd­bar­keit, Bei­hil­fe­be­rech­ti­gung, Ruhe­stands­ver­sor­gung) und recht­fer­tigt sich auch nicht allei­ne aus ihrer Funk­ti­on für die Auf­recht­erhal­tung der Ver­wal­tung und den Schutz der Rech­te Drit­ter. Maß­geb­lich ist viel­mehr der Umstand, dass im Sys­tem des deut­schen Beam­ten­rechts mit dem Beam­ten­sta­tus auf­ein­an­der abge­stimm­te Rech­te und Pflich­ten ein­her­ge­hen und Aus­wei­tun­gen oder Beschrän­kun­gen auf der einen Sei­te in der Regel auch Ver­än­de­run­gen auf der ande­ren Sei­te des Beam­ten­ver­hält­nis­ses zei­ti­gen. Ins­be­son­de­re die Zuer­ken­nung eines Streik­rechts für Beam­te wäre – wie auch die münd­li­che Ver­hand­lung vom 17.01.2018 deut­lich gemacht hat – unver­ein­bar mit der Bei­be­hal­tung grund­le­gen­der beam­ten­recht­li­cher Prin­zi­pi­en, die wäh­rend eines län­ge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den sind und die wegen ihres Ver­fas­sungs­ran­ges nicht zur Dis­po­si­ti­on des ein­fa­chen Gesetz­ge­bers ste­hen. Dies beträ­fe ins­be­son­de­re die Treue­pflicht des Beam­ten, das Lebens­zeit­prin­zip sowie das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, zu des­sen Aus­prä­gun­gen die Rege­lung der Besol­dung durch Gesetz zählt. Die Zuer­ken­nung eines Streik­rechts für Beam­te wür­de das Sys­tem des deut­schen Beam­ten­rechts im Grund­satz ver­än­dern und damit in Fra­ge stel­len. Bei die­sem Sys­tem han­delt es sich um eine natio­na­le Beson­der­heit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die dem Umstand geschul­det ist, dass sich die Staa­ten in Euro­pa kul­tu­rell und his­to­risch sehr unter­schied­lich ent­wi­ckelt haben [169].

In die nach Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK vor­zu­neh­men­de Inter­es­sen­ab­wä­gung mit den Rech­ten und Frei­hei­ten ande­rer ist zudem ein­zu­stel­len, dass im Fal­le des Beschwer­de­füh­rers zu I. und der Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. das Streik­ver­bot dem Recht auf Bil­dung und damit dem Schutz eines in Art. 2 ZP 1 EMRK und ande­ren völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen ver­an­ker­ten Men­schen­rechts dient [170].

Als Kom­pen­sa­ti­on des Streik­ver­bots, das nicht ohne grund­le­gen­de Ände­rung der nach Art. 33 Abs. 5 GG ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten; und vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten­den her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums besei­tigt wer­den kann, ist in Deutsch­land eine Betei­li­gung der Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der Gewerk­schaf­ten bei der Vor­be­rei­tung gesetz­li­cher Rege­lun­gen der beam­ten­recht­li­chen Ver­hält­nis­se geschaf­fen wor­den [171]. Ein wei­te­rer Aus­gleich für die feh­len­de Mög­lich­keit der deut­schen Beam­tin­nen und Beam­ten, durch Maß­nah­men des Arbeits­kamp­fes auf ihre Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen Ein­fluss zu neh­men, ist das ihnen zuste­hen­de sub­jek­tiv-öffent­li­che Recht, über Art. 33 Abs. 5 GG die Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit ihrer Ali­men­ta­ti­on gericht­lich über­prü­fen zu las­sen [172]. Die­se in Deutsch­land tra­di­tio­nell nur Beam­tin­nen und Beam­ten, nicht aber Ange­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes eröff­ne­te Kon­troll­mög­lich­keit und die sub­jek­tiv-recht­li­che Funk­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG wür­den im Fal­le eines Streik­rechts weit­ge­hend sinn­ent­leert.

Im Übri­gen sind der Beschwer­de­füh­rer zu I. und die Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu II. bis IV. als (ehe­mals) beam­te­te Lehr­kräf­te dem Bereich der Staats­ver­wal­tung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK zuzu­ord­nen. Nach Auf­fas­sung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te han­delt es sich bei die­ser Aus­nah­me­be­stim­mung weder um eine Bereichs­aus­nah­me noch um einen eigen­stän­di­gen Recht­fer­ti­gungs­grund, son­dern um eine Ergän­zung zu Art. 11 Abs. 2 Satz 1 EMRK, bei der ins­be­son­de­re auch eine Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung vor­zu­neh­men ist [173].

Nach Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK kann die Aus­übung der Gewähr­leis­tun­gen des Art. 11 Abs. 1 EMRK für Ange­hö­ri­ge der Streit­kräf­te, der Poli­zei oder der Staats­ver­wal­tung beschränkt wer­den. Die Ein­schrän­kun­gen, die den genann­ten Per­so­nen­grup­pen auf­er­legt wer­den kön­nen, sind dabei eng aus­zu­le­gen [174]. Ein Aspekt für die Zuord­nung zum Begriff der Staats­ver­wal­tung könn­te daher die Aus­übung hoheit­li­cher Befug­nis­se im Namen des Staa­tes sein [175].

Die Fra­ge, ob Lehr­kräf­te an öffent­li­chen Schu­len in Deutsch­land dem Bereich der Staats­ver­wal­tung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK zuzu­ord­nen sind, hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te bis­lang noch nicht beant­wor­tet. Er hat die­se Fra­ge viel­mehr in zwei gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gerich­te­ten Ver­fah­ren jeweils man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit offen­ge­las­sen [176].

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sind beam­te­te Leh­re­rin­nen und Leh­rer als Ange­hö­ri­ge der Staats­ver­wal­tung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK anzu­se­hen. Zu weit­ge­hend und mit den Vor­ga­ben der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on nicht mehr zu ver­ein­ba­ren wäre aller­dings ein Ver­ständ­nis, das alle Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes eines Staa­tes – gege­be­nen­falls unter Ein­schluss von Beschäf­tig­ten staat­li­cher Wirt­schafts- oder Indus­trie­un­ter­neh­men [143] – dem Bereich der Staats­ver­wal­tung zuord­ne­te. Schon in recht­stat­säch­li­cher Hin­sicht stel­len Beam­tin­nen und Beam­te, die gemäß Art. 33 Abs. 4 GG in einem öffent­lich-recht­li­chen Dienst- und Treue­ver­hält­nis ste­hen, im Ver­gleich zu Ange­stell­ten aber den gerin­ge­ren Teil des Per­so­nals des zwei­spu­rig orga­ni­sier­ten öffent­li­chen Diens­tes in Deutsch­land dar. Zum 30.06.2016 befan­den sich von knapp 4, 7 Mil­lio­nen Beschäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst nur etwa 1, 7 Mil­lio­nen Per­so­nen in einem Beam­ten- oder Rich­ter­ver­hält­nis [177].

Für den im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren maß­geb­li­chen Bereich der Lehr­kräf­te an öffent­li­chen Schu­len ergibt sich zudem ein beson­de­res Inter­es­se des Staa­tes an der Auf­ga­ben­er­fül­lung durch Beam­tin­nen und Beam­te. Schul­we­sen und staat­li­cher Erzie­hungs- und Bil­dungs­auf­trag neh­men im Grund­ge­setz (Art. 7 GG) und den Ver­fas­sun­gen der Län­der einen hohen Stel­len­wert ein. Mit­un­ter ist die Beschäf­ti­gung von Lehr­kräf­ten im Beam­ten­ver­hält­nis als Regel­fall vor­ge­se­hen (vgl. Art. 133 Abs. 2 der Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Bay­ern). Zwar neh­men Leh­rer in der Regel nicht schwer­punkt­mä­ßig hoheit­lich gepräg­te Auf­ga­ben wahr [178]. Damit steht Art. 33 Abs. 4 GG einer Beschäf­ti­gung von Lehr­kräf­ten im Ange­stell­ten­ver­hält­nis, die in Deutsch­land – abhän­gig von dem betrof­fe­nen Land – in unter­schied­li­cher Inten­si­tät auch prak­ti­ziert wird, nicht ent­ge­gen. Die Beschäf­ti­gung von ange­stell­ten Leh­re­rin­nen und Leh­rern ist nicht ihrer Funk­ti­on oder den von ihnen wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben, son­dern regel­mä­ßig beson­de­ren Sach­grün­den geschul­det, über die Ver­tre­ter ver­schie­de­ner Län­der in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 17.01.2018 berich­tet haben. Teil­wei­se sind bei den im Ange­stell­ten­ver­hält­nis beschäf­tig­ten Lehr­kräf­ten die per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis nicht erfüllt; teil­wei­se lie­gen der Ent­schei­dung des Staa­tes für die Begrün­dung von Ange­stell­ten­ver­hält­nis­sen ver­wal­tungs­prak­ti­sche Erwä­gun­gen zugrun­de. So sind in der Ver­gan­gen­heit durch die Beschäf­ti­gung ange­stell­ter Lehr­kräf­te etwa fle­xi­ble­re Ein­satz­mög­lich­kei­ten geschaf­fen wor­den; im Frei­staat Sach­sen wur­de zudem auf den (damals) not­wen­di­gen Abbau der aus demo­gra­fi­schen Grün­den nach der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung ein­ge­tre­te­nen Über­be­schäf­ti­gung im schu­li­schen Bereich reagiert. Daher lässt sich allein wegen der fak­ti­schen Auf­spal­tung der Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se für Leh­rer in Deutsch­land die Zuge­hö­rig­keit beam­te­ter Lehr­kräf­te zur Staats­ver­wal­tung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 2 Satz 2 EMRK nicht ver­nei­nen. Leh­re­rin­nen und Leh­rer üben viel­mehr so bedeut­sa­me Auf­ga­ben aus, dass die Ent­schei­dung über eine Ver­be­am­tung dem Staat vor­be­hal­ten blei­ben muss.

EMRK – und die Bin­dung an Recht und Gesetz[↑]

Auch eine Ver­let­zung von Art. 9 Abs. 3 GG in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG ver­neint das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt:

Zur Bin­dung an Gesetz und Recht gehört auch die Berück­sich­ti­gung der Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und der Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te im Rah­men metho­disch ver­tret­ba­rer Geset­zes­aus­le­gung. Sowohl die feh­len­de Aus­ein­an­der­set­zung mit einer Ent­schei­dung des Gerichts­hofs als auch deren gegen vor­ran­gi­ges Recht ver­sto­ßen­de sche­ma­ti­sche „Voll­stre­ckung“ kön­nen gegen Grund­rech­te in Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip ver­sto­ßen [179]. Die über das Zustim­mungs­ge­setz aus­ge­lös­te Pflicht zur Berück­sich­ti­gung der Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und der Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te erfor­dert zumin­dest, dass die ent­spre­chen­den Tex­te und Judi­ka­te zur Kennt­nis genom­men wer­den und in den Wil­lens­bil­dungs­pro­zess des zu einer Ent­schei­dung beru­fe­nen Gerichts, der zustän­di­gen Behör­de oder des Gesetz­ge­bers ein­flie­ßen [180]. Sind für die Beur­tei­lung eines Sach­ver­halts Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te ein­schlä­gig, so sind grund­sätz­lich die von ihm in sei­ner Abwä­gung berück­sich­tig­ten Aspek­te auch in die ver­fas­sungs­recht­li­che Wür­di­gung, nament­lich die Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ein­zu­be­zie­hen, und es hat eine Aus­ein­an­der­set­zung mit den gefun­de­nen Abwä­gungs­er­geb­nis­sen statt­zu­fin­den [155].

Die­sen Vor­ga­ben wer­den die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen gerecht. Die Gerich­te haben Art. 11 EMRK in der Aus­le­gung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te bei der Beur­tei­lung des jewei­li­gen Sach­ver­halts zur Kennt­nis genom­men und sich hier­mit aus­ein­an­der­ge­setzt. Sie sind indes zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die ein­schlä­gi­ge Gewähr­leis­tung der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on bereits nicht mit der Rechts­la­ge in Deutsch­land kol­li­diert, jeden­falls aber einer Über­tra­gung der Vor­ga­ben des Art. 11 EMRK in der vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes ent­ge­gen­ste­hen [181]. Eine feh­len­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on liegt damit eben­so wenig vor wie eine Nicht­be­rück­sich­ti­gung der Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 12. Juni 2018 – 2 BvR 1738/​122 BvR 646/​152 BvR 1068/​14 und 2 BvR 1395/​13

  1. vgl. BVerfGE 19, 303, 312, 322[][]
  2. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 111, 307, 317; 128, 326, 367 f.; stRspr[]
  3. vgl. auch BVerfGE 111, 307, 320[][][]
  4. vgl. BVerfGE 111, 307, 329; 128, 326, 371[]
  5. Amts­bl S. 1077, zuletzt geän­dert durch das Gesetz vom 13.07.2016 [Amts­bl I S. 710][]
  6. EGMR, Urteil der Gro­ßen Kam­mer vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97[]
  7. EGMR, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01[]
  8. vgl. BVerfGE 4, 96, 107; 17, 319, 333; 18, 18, 25 f.; 50, 290, 367[]
  9. vgl. BVerfGE 17, 319, 333; 19, 303, 312; 28, 295, 304; 50, 290, 367; 58, 233, 246; 93, 352, 358; zuletzt BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 130[]
  10. vgl. BVerfGE 50, 290, 368 m.w.N.; 92, 365, 393; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 130[]
  11. so noch BVerfGE 19, 303, 321 f.; 28, 295, 304; 38, 281, 305; 50, 290, 368 f.[]
  12. vgl. BVerfGE 93, 352, 358 f.; 94, 268, 283; 100, 271, 282; 103, 293, 304[]
  13. vgl. BVerfGE 84, 212, 224 f.[]
  14. vgl. BVerfGE 88, 103, 114; 92, 365, 393 f.; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 131[]
  15. vgl. BVerfGE 84, 212, 225[]
  16. vgl. nur BVerfGE 92, 26, 41[]
  17. vgl. etwa BVerfGE 28, 243, 261; 84, 212, 228; 92, 26, 41; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 141[]
  18. vgl. BVerfGE 19, 303, 322[][][]
  19. vgl. BVerfGE 117, 330, 344; 119, 247, 260[]
  20. vgl. BVerfGE 8, 332, 343; 46, 97, 117; 58, 68, 76 f.; 83, 89, 98; 106, 225, 232; 107, 218, 237; 117, 330, 344 f.; 117, 372, 379; 121, 205, 219; ohne Bezug auf die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung BVerfGE 145, 1, 8 Rn. 16[]
  21. vgl. BVerfGE 7, 155, 162; 119, 247, 260 f.; stRspr[]
  22. vgl. BVerfGE 117, 330, 349[]
  23. vgl. BVerfGE 43, 177, 185; 114, 258, 286[]
  24. vgl. BVerfGE 8, 1, 16 f.; 11, 203, 210; 61, 43, 57 f.[]
  25. vgl. BVerfGE 117, 330, 348 f.; 117, 372, 379[]
  26. vgl. BVerfGE 3, 58, 137; 7, 155, 162; 70, 69, 79[]
  27. vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 9, 268, 286; 15, 167, 195 m.w.N.[]
  28. vgl. BVerfGE 39, 334, 346 f.; 119, 247, 264[]
  29. vgl. BVerfGE 71, 255, 268; 121, 205, 220[]
  30. vgl. BVerfGE 8, 1, 16 ff.; 44, 249, 265; 49, 260, 271; 70, 251, 267; 99, 300, 314; 106, 225, 232; 117, 372, 380; 139, 64, 111 Rn. 92; 140, 240, 277 Rn. 71[]
  31. vgl. BVerfGE 44, 249, 264; sie­he auch BVerfGE 8, 1, 15 ff.; 8, 28, 35[]
  32. zu Lebens­zeit- und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip vgl. BVerfGE 119, 247, 263; 121, 205, 221; zu Treue­pflicht und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip vgl. BVerfGE 21, 329, 345; 44, 249, 264; 130, 263, 298; zu Treue­pflicht des Beam­ten und Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn vgl. BVerfGE 9, 268, 286; fer­ner auch BVerfGE 71, 39, 59[]
  33. vgl. bereits BVerfGE 9, 268, 286[]
  34. vgl. BVerfGE 39, 334, 347[]
  35. vgl. BVerfGE 119, 247, 264 m.w.N.[]
  36. vgl. BVerfGE 121, 205, 221[]
  37. vgl. BVerfGE 121, 205, 222; 141, 56, 71 Rn. 38[]
  38. vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72[]
  39. vgl. BVerfGE 7, 155, 162 f.; 21, 329, 345; 39, 196, 201; 44, 249, 265; 117, 372, 380; stRspr[]
  40. BVerfGE 8, 1, 16 f.; 117, 372, 380 f.[]
  41. vgl. BVerfGE 99, 300, 314; 107, 218, 236 f.; 117, 330, 344; 119, 247, 266; 130, 263, 292[]
  42. vgl. auch BVerfGE 8, 1, 17[]
  43. BGBl I S.2034[]
  44. vgl. BVerfGE 119, 247, 272 f.[]
  45. vgl. BVerfGE 121, 205, 232[]
  46. BVerfGE 145, 1, 12 f. Rn. 27[]
  47. vgl. BVerfGE 119, 247, 273[]
  48. vgl. BVerfGE 111, 307, 316 m.w.N.[]
  49. BGBl II S. 685[]
  50. BGBl II 1954 S. 14[]
  51. Neu­be­kannt­ma­chung der Kon­ven­ti­on in der Fas­sung des 11. Zusatz­pro­to­kolls in BGBl II 2002 S. 1054[]
  52. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 111, 307, 316 f.[]
  53. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 83, 119, 128; 111, 307, 316 f., 329; 120, 180, 200 f.; 128, 326, 367 f.; BVerfGK 3, 4, 8; 9, 174, 190; 10, 66, 77; 10, 234, 239; 20, 234, 247[]
  54. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 111, 307, 317; 120, 180, 200 f.[]
  55. vgl. BVerfGE 111, 307, 320; 128, 326, 368; BVerfGK 10, 66, 77 f.; 10, 234, 239[]
  56. vgl. BVerfGE 111, 307, 328; 112, 1, 25 f.; BVerfGK 9, 174, 190, 193[]
  57. BVerfGE 128, 326, 369[]
  58. vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 111, 307, 329; 128, 326, 369; Drei­er, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 1 Abs. 2 Rn. 21; Her­de­gen, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 1 Abs. 2 Rn. 47, März 2006; Gie­ge­rich, in: Dörr/​Grote/​Marauhn, EMRK/​GG, Bd. I, 2. Aufl.2013, Kap. 2 Rn. 71 ff.[]
  59. BVerfGE 137, 273, 320 f. Rn. 128 m.w.N.[]
  60. vgl. BVerfGE 111, 307, 316; 128, 326, 367[]
  61. vgl. BVerfGE 128, 326, 370, unter Ver­weis auf Häber­le, Euro­päi­sche Ver­fas­sungs­leh­re, 7. Aufl.2011, S. 255 f.; vgl. auch Drei­er, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 1 Abs. 2 Rn.20[]
  62. vgl. Kai­ser, AöR 142, 2017, S. 417, 432 ff.[]
  63. vgl. BVerfGE 75, 223, 244 f.[]
  64. vgl. Kai­ser, AöR 142, 2017, S. 417, 432[]
  65. vgl. Grabenwarter/​Pabel, Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, 6. Aufl.2016, § 16 Rn. 8[][]
  66. vgl. BVerfGE 111, 307, 329; 128, 326, 371; zur abso­lu­ten Gren­ze des Kern­ge­halts der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes gemäß Art. 79 Abs. 3 GG vgl. BVerfGE 123, 267, 344 ff.[]
  67. vgl. BVerfGE 111, 307, 329[]
  68. vgl. BVerfGE 111, 307, 319[]
  69. dazu BVerfGE 111, 307, 317[]
  70. vgl. BVerfGE 128, 326, 371 m.w.N.[]
  71. vgl. BVerfGE 111, 307, 327; 128, 326, 371[]
  72. vgl. BVerfGE 111, 307, 324; 128, 326, 371 f.; BVerfGK 3, 4, 9[]
  73. vgl. BVerfGE 4, 96, 107[]
  74. vgl. auch Klein, Das Kol­lek­tiv­ver­trags- und Streik­recht für Beam­te in pri­va­ti­sier­ten Unter­neh­men, 2017, S. 139 m.w.N.[]
  75. BVerwG, Urteil vom 27.02.2014 – 2 C 1.13[]
  76. BVerfGE 8, 1, 17; 44, 249, 264; 119, 247, 264[]
  77. vgl. BVerw­GE 149, 117, 125 f. Rn. 32[]
  78. vgl. BVerfGE 119, 247, 264[][]
  79. vgl. Klein, Das Kol­lek­tiv­ver­trags- und Streik­recht für Beam­te in pri­va­ti­sier­ten Unter­neh­men, 2017, S. 140 ff.; a.A. Häns­le, Streik und Daseins­vor­sor­ge, 2016, S. 490 ff.[]
  80. vgl. BVerfGE 31, 58, 73[]
  81. vgl. auch Hes­se, Grund­zü­ge des Ver­fas­sungs­rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, 20. Aufl.1995, Rn. 72[]
  82. vgl. Kees, Der Staat 54, 2015, S. 63, 75[]
  83. vgl. BVerfGE 4, 96, 107; Kem­per, in: von Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 1, 7. Aufl.2018, Art. 9 Rn.197; Scholz, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 9 Rn. 362, Sep­tem­ber 2016[]
  84. vgl. BVerfGE 84, 212, 225; 88, 103, 114; 92, 365, 393 f.; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a. 131[]
  85. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.03.2014 – 1 BvR 3185/​09 26 ff.[]
  86. vgl. BAGE 123, 134, 137 f. Rn. 13; zum „mit­tel­ba­ren Tarif­be­zug“ Icken­roth, Das deut­sche Beam­ten­streik­ver­bot im Lich­te der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, 2016, S.198 ff.[]
  87. vgl. EGMR, Natio­nal Uni­on of Rail, Mari­ti­me and Trans­port Workers v. United King­dom, Urteil vom 08.04.2014, Nr. 31045/​10, § 77[]
  88. vgl. auch BAGE 123, 134, 146 Rn. 37[]
  89. Bau­er, in: Drei­er, GG, Bd. I, 3. Aufl.2013, Art. 9 Rn. 90 m.w.N.[]
  90. vgl. Feld­kamp, Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948–1949, Bd. 14, Teilbd. 1, Haupt­aus­schuss, 2009, S. 521 ff.[]
  91. vgl. BVerfGE 44, 249, 264 m.w.N.[]
  92. BVerfGE 119, 247, 264 m.w.N.[]
  93. RGBl S. 187[]
  94. RGBl S.205[]
  95. RGSt 56, 412, 416 ff.; 56, 419, 421 f.; Ent­schei­dun­gen des Reichs­dis­zi­pli­nar­hofs vom 10.04.1923, in: Schulze/​Simons, Die Recht­spre­chung des Reichs­dis­zi­pli­nar­ho­fes nach dem Stan­de vom 01.10.1925, 1926, S.19, 21; vom 14.12 1922, in: Schulze/​Simons, a.a.O., S. 73, 77; vom 08.05.1923, in: Schulze/​Simons, a.a.O., S. 85; vom 12.03.1923, in: Schulze/​Simons, a.a.O., S. 86, 87; vom 30.01.1923, in: Schulze/​Simons, a.a.O., S. 404, 405 f.; wei­te­re Recht­spre­chungs­nach­wei­se bei Anschütz, WRV, 14. Aufl.1933, Art. 159 Anm. 5; sowie Hoff­mann, Beam­ten­tum und Streik, AöR 91, 1966, S. 141, 164 mit Fn. 122; a.A. wohl Däub­ler, Der Streik im öffent­li­chen Dienst, 2. Aufl.1971, S. 107[]
  96. vgl. Hen­sche, in: Däub­ler, Arbeits­kampf­recht, 3. Aufl.2011, § 18a Rn. 39[]
  97. vgl. nur Bro­si­us-Gers­dorf, in: Drei­er, GG, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 33 Rn. 186 m.w.N.[]
  98. vgl. Hen­sche, in: Däub­ler, Arbeits­kampf­recht, 3. Aufl.2011, § 18a Rn. 46[]
  99. vgl. BVerfGE 44, 249, 264; 130, 263, 298[]
  100. vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 117, 330, 349; 119, 247, 263; 130, 263, 292[]
  101. vgl. BVerfGE 21, 329, 345; 119, 247, 263 f.[]
  102. vgl. BVerfGE 130, 263, 292 mit Ver­weis auf BVerfGE 8, 1, 14; 117, 330, 351; 119, 247, 269[]
  103. vgl. BVerfGE 8, 1, 17[]
  104. vgl. Bitsch, ZTR 2012, S. 78, 79 f.; a.A. Klaß, Die Fort­ent­wick­lung des deut­schen Beam­ten­rechts durch das euro­päi­sche Recht, 2014, S. 306[]
  105. vgl. Sei­fert, KritV 2009, S. 357, 368, 372 ff.[]
  106. vgl. BVerfGE 130, 263, 292; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72; 141, 56, 70 Rn. 35; 145, 249, 272 Rn. 48; 145, 304, 324 f. Rn. 66[]
  107. vgl. Di Fabio, Das beam­ten­recht­li­che Streik­ver­bot, 2012, S. 56 f.; a.A. Schnapp, Beam­ten­sta­tus und Streik­recht, 1972, S. 50[]
  108. vgl. Isen­see, Beam­ten­streik, 1971, S. 57 ff.; a.A. Schlach­ter, RdA 2011, S. 341, 348[]
  109. vgl. Ale­xy, Theo­rie der Grund­rech­te, 1985, S. 262 f.; Drei­er, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Vorb. Rn. 141; fer­ner BVerfGE 83, 130, 142; 108, 282, 311; 122, 98, 107[]
  110. GVBl 2010 S. 319[]
  111. vgl. BT-Drs. I/​2846, S. 10, 43[]
  112. vgl. Nach­trag zu BT-Drs. I/​4246, S. 8[]
  113. vgl. auch Isen­see, Beam­ten­streik, 1971, S. 68; Lau­er, Das Recht des Beam­ten zum Streik, 2017, S. 137[]
  114. vgl. auch BVerw­GE 53, 330, 331[]
  115. vgl. BVerfGE 56, 146, 162 m.w.N.[]
  116. vgl. BVerfGE 28, 243, 260 f.; 41, 29, 50 f.; 93, 1, 21; 134, 204, 223 Rn. 68; stRspr[]
  117. vgl. BT-Drs. 16/​4027, S. 35[]
  118. vgl. auch BVerfGE 130, 263, 298[]
  119. vgl. Schrö­der, AuR 2013, S. 280, 284[]
  120. vgl. Isen­see, Beam­ten­streik, 1971, S. 57 f.[]
  121. vgl. BAGE 123, 134, 141 Rn. 22 f. m.w.N.[]
  122. vgl. dazu BVerfGE 47, 46, 71; 93, 1, 21; 98, 218, 244[]
  123. vgl. BVerfGE 138, 1, 29 Rn. 80[]
  124. so aber statt vie­ler Icken­roth, Das deut­sche Beam­ten­streik­ver­bot im Lich­te der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, 2016, S. 252 f. und pas­sim; Goo­ren, ZBR 2011, S. 400, 402 ff.; Schrö­der, AuR 2013, S. 280, 282 ff.[]
  125. in die­sem Sin­ne auch BVerw­GE 149, 117, 134 f. Rn. 60 ff.; dage­gen Katerndahl, Tarif­ver­hand­lung und Streik als Men­schen­rech­te, 2017, S. 435 ff., 454; für eine Ände­rung des Grund­ge­set­zes Mett, Das Streik­recht im öffent­li­chen Dienst, 2017, S. 173 f.[]
  126. vgl. Lub­er, RiA 2018, S. 4, 6 f.[]
  127. vgl. Traul­sen, JZ 2013, S. 65, 70 f.[]
  128. vgl. Isen­see, Beam­ten­streik, 1971, S. 58[]
  129. vgl. Lau­er, Das Recht des Beam­ten zum Streik, 2017, S. 319[]
  130. vgl. auch Traul­sen, JZ 2013, S. 65, 70[]
  131. BVerw­GE 149, 117, 136 Rn. 64[]
  132. EGMR, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 145[]
  133. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 85[]
  134. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, §§ 107, 119[]
  135. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, §§ 163 ff.[]
  136. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 168[][]
  137. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, Son­der­vo­tum Spiel­mann, §§ 1 ff.[]
  138. Nico­las Val­ti­cos, Droit Inter­na­tio­nal du Tra­vail, Bd. 8 [Droit du Tra­vail], 2. Aufl.1983, S. 264 ff.[]
  139. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, Son­der­vo­tum Spiel­mann, § 6[]
  140. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, Son­der­vo­tum Spiel­mann, § 8[]
  141. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, Son­der­vo­tum Spiel­mann, §§ 8 f.[]
  142. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, § 24[][]
  143. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, § 32[][][]
  144. vgl. EGMR, Kara­çay c. Tur­quie, Urteil vom 27.03.2007, Nr. 6615/​03[]
  145. vgl. EGMR, Kara­çay c. Tur­quie, Urteil vom 27.03.2007, Nr. 6615/​03, § 22[]
  146. vgl. EGMR, Kara­çay c. Tur­quie, Urteil vom 27.03.2007, Nr. 6615/​03, §§ 37 f.[]
  147. vgl. EGMR, Urcan et autres c. Tur­quie, Urteil vom 17.07.2008, Nr. 23018/​04 u.a., §§ 26 ff.[]
  148. vgl. EGMR, Kaya et Sey­han c. Tur­quie, Urteil vom 15.09.2009, Nr. 30946/​04, §§ 5 f.[]
  149. vgl. EGMR, Kaya et Sey­han c. Tur­quie, Urteil vom 15.09.2009, Nr. 30946/​04, § 31[]
  150. vgl. EGMR, Sai­me Özcan c. Tur­quie, Urteil vom 15.09.2009, Nr. 22943/​04, §§ 22 ff.[]
  151. EGMR, Çerik­ci c. Tur­quie, Urteil vom 13.07.2010, Nr. 33322/​07, §§ 14 f.[]
  152. vgl. dazu Lor­se, ZBR 2015, S. 109, 115[]
  153. vgl. auch BVerfGE 128, 326, 370; Kai­ser, AöR 142, 2017, S. 417, 432 f.; Wiß­mann, ZBR 2015, S. 294, 299[]
  154. vgl. BVerfGE 111, 307, 320[]
  155. vgl. auch BVerfGK 3, 4, 9[][]
  156. vgl. BVerfGE 19, 303, 312, 322; Fritz, ZG 2014, S. 372, 380[]
  157. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, §§ 96 ff.[]
  158. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 107[]
  159. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 97; Scha­bas, The Euro­pean Con­ven­ti­on on Human Rights, 2015, S. 522[]
  160. EGMR, Kara­çay c. Tur­quie, Urteil vom 27.03.2007, Nr. 6615/​03, § 22[]
  161. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, § 26[]
  162. vgl. Pol­lin, Das Streik­ver­bot für ver­be­am­te­te Leh­rer, 2015, S. 261[]
  163. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 119[][]
  164. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 120[]
  165. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, §§ 29, 32[]
  166. vgl. EGMR, Natio­nal Uni­on of Rail, Mari­ti­me and Trans­port Workers v. United King­dom, Urteil vom 08.04.2014, Nr. 31045/​10, § 84[]
  167. vgl. EGMR, Natio­nal Uni­on of Rail, Mari­ti­me and Trans­port Workers v. United King­dom, Urteil vom 08.04.2014, Nr. 31045/​10, § 87[]
  168. vgl. EGMR, Natio­nal Uni­on of Rail, Mari­ti­me and Trans­port Workers v. United King­dom, Urteil vom 08.04.2014, Nr. 31045/​10, § 88[]
  169. vgl. auch EGMR (GK) Laut­si et al. v. Ita­ly, Urteil vom 18.03.2011, Nr. 30814/​06, § 68; Bat­tis, ZBR 2011, S. 397, 400[]
  170. vgl. Pol­lin, Das Streik­ver­bot für ver­be­am­te­te Leh­rer, 2015, S. 262 ff., 283 ff.; Grei­ner, DÖV 2013, S. 623, 627[]
  171. vgl. zum Beam­ten­sta­tus­ge­setz BT-Drs. 16/​4027, S. 35; zum Betei­li­gungs­ver­fah­ren auch Pol­lin, Das Streik­ver­bot für ver­be­am­te­te Leh­rer, 2015, S. 294 ff.[]
  172. vgl. BVerfGE 139, 64 ff.; 140, 240 ff.; Kai­ser, AöR 142, 2017, S. 417, 436[]
  173. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, §§ 97, 107, in Abkehr von EKMR, Coun­cil of Civil Ser­vice Uni­ons u.a. v. Ver­ei­nig­tes König­reich, Ent­schei­dung vom 20.01.1987, Nr. 11603/​85; dazu auch Icken­roth, Das deut­sche Beam­ten­streik­ver­bot im Lich­te der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, 2016, S. 107 ff.[]
  174. vgl. EGMR (GK) Demir and Bay­ka­ra v. Tur­key, Urteil vom 12.11.2008, Nr. 34503/​97, § 97; dazu auch Lor­se, ZBR 2015, S. 109, 111; Mans­sen, JA 2015, S. 835, 839; Landau/​Trésoret, DVBl 2012, S. 1329, 1333; spe­zi­ell zu Ange­hö­ri­gen der Staats­ver­wal­tung vgl. EGMR (GK) Vogt v. Ger­ma­ny, Urteil vom 26.09.1995, Nr. 17851/​91, § 67[]
  175. vgl. EGMR, Ener­ji Yapi-Yol Sen c. Tur­quie, Urteil vom 21.04.2009, Nr. 68959/​01, § 32 mit Ver­weis auf EGMR (GK) Pel­le­grin c. Fran­ce, Urteil vom 08.12 1999, Nr. 28541/​95, §§ 64 ff.; dazu auch Buch­holtz, Strei­ken im euro­päi­schen Grund­rechts­ge­fü­ge, 2014, S. 265 ff.[]
  176. vgl. EGMR (GK) Vogt v. Ger­ma­ny, Urteil vom 26.09.1995, Nr. 17851/​91, § 68; EGMR, Volk­mer v. Ger­ma­ny, Urteil vom 22.11.2001, Nr. 39799/​98[]
  177. vgl. Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt [Desta­tis], Per­so­nal des öffent­li­chen Diens­tes, abruf­bar unter: https://www.destatis.de[]
  178. vgl. BVerfGE 119, 247, 267[]
  179. vgl. BVerfGE 111, 307, 323 f.[]
  180. vgl. BVerfGE 111, 307, 324[]
  181. vgl. VG Osna­brück, Urteil vom 19.08.2011 – 9 A 1/​11 36 ff.; Nie­der­säch­si­sches OVG, Urteil vom 12.06.2012 – 20 BD 8/​11 61 ff., 74 ff.; OVG NRW, Urteil vom 07.03.2012 – 3d A 317/​11.O 175 ff.; BVerw­GE 149, 117, 126 ff. Rn. 34 ff., 56 ff.[]