Beam­ten­bei­hil­fe zur künst­li­chen Befruch­tung

Die beam­ten­recht­li­che Bei­hil­fe muss eine lücken­lo­se Über­nah­me von Auf­wen­dun­gen für die künst­li­che Befruch­tung nicht gewähr­leis­ten. Ein Bun­des­be­am­ter hat kei­nen Anspruch auf Bei­hil­fe­leis­tun­gen zu Auf­wen­dun­gen für Maß­nah­men einer künst­li­chen Befruch­tung bei sei­ner Ehe­frau, auch wenn die­se als Beam­tin eines Lan­des eben­falls kei­ne Bei­hil­fe zu den Kos­ten bean­spru­chen kann und das Ehe­paar die­se mit­hin selbst zu tra­gen hat. Dies ent­schied das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz.

Beam­ten­bei­hil­fe zur künst­li­chen Befruch­tung

Der Klä­ger bean­trag­te Bei­hil­fe zu Arzt­rech­nun­gen und Rezep­ten für bei der Ehe­frau durch­ge­führ­te Maß­nah­men der künst­li­chen Befruch­tung. Die beklag­te Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land lehn­te die Bewil­li­gung von Bei­hil­fe mit der Begrün­dung ab, sie tre­te nur bei Behand­lun­gen am Kör­per ihres zur Bei­hil­fe berech­tig­ten Beam­ten ein (sog. Kör­per­prin­zip). Auch das Bun­des­land, bei dem die Ehe­frau des Klä­gers als Beam­tin beschäf­tigt ist, ver­sag­te die Kos­ten­er­stat­tung, weil die unge­woll­te Kin­der­lo­sig­keit auf den Ehe­mann zurück­zu­füh­ren sei (sog. Ver­ur­sa­cher­prin­zip). Das Ver­wal­tungs­ge­richt wies die Kla­ge des Bun­des­be­am­ten auf Bei­hil­fe­ge­wäh­rung ab. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te die­se Ent­schei­dung.

Es sei nicht zu bean­stan­den, dass die Bei­hil­fe­vor­schrif­ten des Bun­des bei der Erstat­tung von Auf­wen­dun­gen für eine künst­li­che Befruch­tung nur eine kör­per­be­zo­ge­ne Kos­ten­er­stat­tung regel­ten (eben­so wie die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung). Dies habe zur Fol­ge, dass Behand­lun­gen bei der Ehe­frau des Bun­des­be­am­ten nicht erstat­tungs­fä­hig sei­en. Erhal­te auch die Ehe­frau von ihrem Bei­hil­fe­trä­ger kei­ne Leis­tun­gen, weil die­ser das Ver­ur­sa­cher­prin­zip anwen­de, so bestehe für den Bund kei­ne Pflicht, die­se Lücke zu schlie­ßen. Es lie­ge im Ermes­sen des jewei­li­gen Dienst­herrn, die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Leis­tun­gen bei Krank­heit zu bestim­men und sich zwi­schen ver­schie­de­nen Erstat­tungs­sys­te­men zu ent­schei­den. Sei­en die­se nicht auf­ein­an­der abge­stimmt, bestehe kein Anspruch auf Über­nah­me unge­deck­ter Auf­wen­dun­gen zum Nach­teil eines Leis­tungs­trä­gers. Der Senat hat wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Fra­ge die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­sen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 19. Juni 2009 – 10 A 10309/​09.OVG