Beam­ten­be­sol­dung in Nord­rhein-West­fa­len

Die Besol­dung der Beam­ten der Besol­dungs­grup­pen A 12 bis A 16 in Nord­rhein-West­fa­len in den Jah­ren 2013/​14 ist nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen nicht ver­fas­sungs­wid­rig nied­rig.

Beam­ten­be­sol­dung in Nord­rhein-West­fa­len

Die Klä­ger, ver­be­am­te­te Leh­rer, mach­ten mit ihren Kla­gen im Wesent­li­chen gel­tend, dass ihre aktu­el­le Besol­dung wegen eines jah­re­lan­gen Zurück­blei­bens gegen­über der Ent­wick­lung der Tarif­er­geb­nis­se und der Pri­vat­wirt­schaft spä­tes­tens seit der strei­ti­gen Besol­dungs­run­de 2013/​2014 nicht mehr den Anfor­de­run­gen des Grund­ge­set­zes an eine amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ent­sprä­che. Für die genann­ten Jah­re hat­te der Land­tag NRW beschlos­sen, das Tarif­er­geb­nis der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes (2,65% für das Jahr 2013 und wei­te­re 2,95% in 2014) nur für die Beam­ten der unte­ren Besol­dungs­grup­pen voll­stän­dig zu über­tra­gen und für die Beam­ten der Besol­dungs­grup­pen ab A 11 um eini­ge Mona­te ver­zö­gert jeweils ledig­lich eine 1,3%ige Besol­dungs­er­hö­hung zuzüg­lich einer Erhö­hung der Sockel­be­trä­ge um 30,- € (in 2013) bzw. 40,- € (für 2014) vor­zu­neh­men.

In sei­nen kla­ge­ab­wei­sen­den Urtei­len hat sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­senk­ri­chen an der jüngs­ten Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 5. Mai 2015 1 zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rich­ter­be­sol­dung ori­en­tiert. Nach den dor­ti­gen Maß­stä­ben ist der Dienst­herr ver­pflich­tet, Beam­te ein­schließ­lich ihrer Fami­li­en lebens­lang ange­mes­sen zu besol­den und ihnen ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren. Bei der prak­ti­schen Umset­zung besitzt der Gesetz­ge­ber aller­dings einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum, wes­halb sich die Kon­trol­le der Gerich­te auf die Fest­stel­lung zu beschrän­ken hat, ob die Bezü­ge der Beam­ten offen­sicht­lich unzu­rei­chend sind.

Indi­zi­en hier­für kön­nen sich aus einer Gegen­über­stel­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung mit fünf Kri­te­ri­en erge­ben.
Dies sind zum einen

  1. die Ent­wick­lung der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­ti gten im öffent­li­chen Dienst,
  2. des Nomi­nal­lohn- und
  3. des Ver­brau­cher­preis­in­dex

sowie zum ande­ren ein Ver­gleich

  1. mit ande­ren Besol­dungs­grup­pen und
  2. mit der Besol­dung des Bun­des bzw. ande­rer Län­der.

Gemes­sen an die­sen Maß­stä­ben hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­senk­ri­chen fest­ge­stellt, dass die den kla­gen­den Leh­rern in den Besol­dungs­grup­pen A 12 bis A 16 gewähr­te Besol­dung in den Jah­ren 2013 und 2014 nicht gegen die Ver­fas­sung ver­stößt. Denn die genann­ten Kri­te­ri­en haben in ihrer Gesamt­schau und in Rela­ti­on zur Besol­dungs­ent­wick­lung die Ver­mu­tung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on nicht begrün­den kön­nen, weil in kei­nem der rele­van­ten Jah­re min­des­tens drei der fünf Kri­te­ri­en erfüllt waren.

Gleich­zei­tig unter­schrit­ten die Bezü­ge in den Besol­dungs­grup­pen A 12 bis A 16 auch nicht das vom Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­senk­ri­chen im vor­läu­fi­gen Rechts­schutz 2 auf 115% des sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mums einer ver­gleich­ba­ren Fami­lie bezif­fer­te Besol­dungs­mi­ni­mum.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­senk­ri­chen, Urtei­le vom 23. Sep­tem­ber 2015 – 1 K 5754/​13 u.a.

  1. BVerfG, Urteil vom 05.05.2015 – 2 BvL 17/​09 u.a.[]
  2. VG Gel­sen­kir­chen, Beschluss vom 30. Janu­ar 2014 – 1 L 1704/​13[]