Beam­ten­recht­li­che Min­dest­ver­sor­gung – und der Kin­der­er­zie­hungs­zu­schlag

Es ver­stößt weder gegen Bun­des­recht noch gegen Uni­ons­recht, dass vor­zei­tig wegen Dienst­un­fä­hig­keit in den Ruhe­stand ver­setz­ten Beam­ten über die ihnen zuste­hen­de Min­dest­ver­sor­gung (§ 14 Abs. 4 BeamtVG) hin­aus kei­ne kin­der­be­zo­ge­nen Leis­tun­gen – hier Kin­der­er­zie­hungs- und Kin­der­er­zie­hungs­er­gän­zungs­zu­schlä­ge (§§ 50a ff. BeamtVG) – gewährt wer­den. Dies gilt auch für die Zeit vor der aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Rege­lung im Jahr 2009.

Beam­ten­recht­li­che Min­dest­ver­sor­gung – und der Kin­der­er­zie­hungs­zu­schlag

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall mach­te eine 1973 gebo­re­ne und 2008 wegen Dienst­un­fä­hig­keit in den Ruhe­stand ver­setz­te Bun­des­be­am­tin zusätz­lich zur Min­dest­ver­sor­gung einen Anspruch auf kin­der­be­zo­ge­ne Leis­tun­gen gel­tend. Sie ist damit in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen1 und dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof2 erfolg­los geblie­ben. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die vom Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Revi­si­on der Beam­tin zurück­ge­wie­sen:

Aus Grün­den der ver­fas­sungs­recht­lich in Art. 33 Abs. 5 GG ver­an­ker­ten Ali­men­ta­ti­ons­pflicht bezieht jeder Beam­te, der nach einer abge­leis­te­ten Dienst­zeit von fünf Jah­ren dau­er­haft dienst­un­fä­hig wird, wie hier die Beam­tin, min­des­tens ein amts­un­ab­hän­gi­ges Min­destru­he­ge­halt, das 65 vH der jeweils ruhe­ge­halt­fä­hi­gen Dienst­be­zü­ge aus der End­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe A 4 BBe­sO beträgt. Sys­te­ma­tik sowie Sinn und Zweck die­ser pau­schal und unab­hän­gig von der indi­vi­du­el­len Erwerbs­bio­gra­phie gewähr­ten Min­dest­ver­sor­gung schlie­ßen die zusätz­li­che Bewil­li­gung von kin­der­be­zo­ge­nen Leis­tun­gen aus. Denn die Min­dest­ver­sor­gung ist deut­lich höher als es das tat­säch­lich erdien­te Ruhe­ge­halt ein­schließ­lich der Zuschlä­ge wegen Kin­der­er­zie­hung wäre. Dies schließt zugleich eine mit­tel­ba­re Ent­gelt­dis­kri­mi­nie­rung der Beam­tin nach Uni­ons­recht aus.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. Juni 2016 – 2 C 17.14

  1. VG Mün­chen, Urteil vom 08.05.2009 – M 21 K 08.3117
  2. BayVGH, Urteil vom 04.06.2014 – 14 B 13.1961