Beam­ten­ver­sor­gung – und das Weih­nachts­geld der Wit­we

Die Jah­res­son­der­zah­lung aus § 20 Abs. 1 des Tarif­ver­tra­ges für den öffent­li­chen Dienst der Län­der ist bei der Ruhens­be­rech­nung nach § 53 Abs. 7 BeamtVG antei­lig auf alle zwölf Kalen­der­mo­na­te umzu­le­gen.

Beam­ten­ver­sor­gung – und das Weih­nachts­geld der Wit­we

Beim Zusam­men­tref­fen von Ver­sor­gungs­be­zü­gen mit Erwerbs- oder Erwerbs­er­satz­ein­kom­men fin­den aber die Ruhens­vor­schrif­ten des § 53 BeamtVG Anwen­dung. Nach § 53 Abs. 1 BeamtVG erhält ein Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ter, der Erwerbs­ein­kom­men bezieht, dane­ben sei­ne Ver­sor­gungs­be­zü­ge nur bis zum Errei­chen der in Absatz 2 bezeich­ne­ten Höchst­gren­ze. Dies begeg­net im Hin­blick auf das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip aus Art. 33 Abs. 5 GG jeden­falls dann kei­nen Beden­ken, wenn das anzu­rech­nen­de Ein­kom­men wie im vor­lie­gen­den Fall aus einer Ver­wen­dung im öffent­li­chen Dienst erzielt wird (Grund­satz der Ein­heit der öffent­li­chen Kas­sen). Die Vor­schrift gilt auch für das Ruhen der Bezü­ge aus der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung 1.

Soweit und solan­ge die Sum­me aus Ver­sor­gungs­be­zü­gen und Erwerbs­ein­kom­men die für Wit­wen nach § 53 Abs. 2 Nr. 1 BeamtVG zu ermit­teln­de Höchst­gren­ze über­steigt, ruht der Anspruch auf Zah­lung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge. In die­sem Umfang steht der Aus­zah­lung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge kraft Geset­zes ein recht­li­ches Hin­der­nis ent­ge­gen. Ein etwai­ger Ruhens­be­scheid hat daher nur fest­stel­len­den Cha­rak­ter. § 53 Abs. 1 und 2 BeamtVG beschrän­ken die Anrech­nungs­frei­heit von Ein­kom­men auf den Dif­fe­renz­be­trag zwi­schen den Ver­sor­gungs­be­zü­gen und der Höchst­gren­ze. Nur wenn das Ein­kom­men den Dif­fe­renz­be­trag nicht über­steigt, wer­den die Ver­sor­gungs­be­zü­ge in der fest­ge­setz­ten Höhe aus­ge­zahlt 2.

Zum Erwerbs­ein­kom­men gehö­ren nach § 53 Abs. 7 Satz 1 BeamtVG auch Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit. Der Ein­kom­mens- und Ein­künf­te­be­griff ent­spricht dem­je­ni­gen des Ein­kom­men­steu­er­rechts, sofern Struk­tur­prin­zi­pi­en des Ver­sor­gungs­rechts dem nicht ent­ge­gen­ste­hen 3. Damit knüp­fen die­se Rege­lun­gen hin­sicht­lich des Begriffs der Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit an § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG an. Danach sind Gehäl­ter, Löh­ne, Gra­ti­fi­ka­tio­nen, Tan­tie­men und ande­re Bezü­ge und Vor­tei­le für eine Beschäf­ti­gung im öffent­li­chen oder pri­va­ten Dienst Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit. Der Begriff des Vor­teils bringt zum Aus­druck, dass sämt­li­che ver­mö­gens­wer­ten Leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers erfasst wer­den sol­len, die Arbeit­neh­mer auf­grund des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses als Gegen­leis­tung für die geschul­de­te Arbeits­leis­tung erhal­ten 4.

Die Berück­sich­ti­gung des Erwerbs­ein­kom­mens erfolgt nach § 53 Abs. 7 Satz 4 BeamtVG monats­be­zo­gen. Wird Ein­kom­men nicht in Monats­be­trä­gen erzielt, ist nach § 53 Abs. 7 Satz 5 BeamtVG das Ein­kom­men des Kalen­der­jah­res, geteilt durch zwölf Kalen­der­mo­na­te, anzu­set­zen.

Maß­geb­lich für die­se Abgren­zung ist nicht der Zeit­punkt der Aus­zah­lung, son­dern der Zeit­raum, für den die betref­fen­de Leis­tung eine Ver­gü­tung dar­stellt 5. Erzielt ein Ver­sor­gungs­emp­fän­ger für einen bestimm­ten Zeit­raum zusätz­li­che Ein­künf­te, ist für die­se Zeit­span­ne ein sach­li­cher Grund für die Anrech­nung auf die vom Dienst­herrn gewähr­leis­te­te Ali­men­ta­ti­on gege­ben. Die Bezug­nah­me auf den Zah­lungs­mo­nat ist gerecht­fer­tigt, wenn die geleis­te­te Zah­lung gera­de auf die­sen Monat bezo­gen ist – wie etwa bei einer zusätz­li­chen Ver­gü­tung für in die­sem Monat erbrach­te Dienst­leis­tun­gen. Ist die Zah­lung dage­gen nicht für den Aus­zah­lungs­mo­nat bestimmt, son­dern eine zusätz­li­che, auf das gesam­te Kalen­der­jahr abge­stell­te Ver­gü­tung, kann die Leis­tung für jeden Monat auch nur mit dem Teil­be­trag berück­sich­tigt wer­den, der auf die­sen Monat ent­fällt 6.

Die Jah­res­son­der­zah­lung nach § 20 TV‑L ist nicht für den Monat Novem­ber bestimmt, sie wird auch nicht zweck­ge­rich­tet im Zusam­men­hang mit Weih­nach­ten geleis­tet 7. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts stellt zu Unrecht aus­schließ­lich auf den tarif­ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Aus­zah­lungs­zeit­punkt ab und ermit­telt den Zweck der Leis­tung nicht auf­grund einer Gesamt­wür­di­gung des § 20 TV‑L.

Die­se Gesamt­wür­di­gung ergibt, dass die Jah­res­son­der­zah­lung nach § 20 Abs. 1 TV‑L leis­tungs­ori­en­tiert kon­zi­piert ist und eine Gegen­leis­tung für die vom Arbeit­neh­mer im Lau­fe des Jah­res erbrach­te Leis­tung dar­stellt. Sie knüpft nicht an den erhöh­ten Weih­nachts­be­darf an – der auch für den­je­ni­gen besteht, der nicht in allen Mona­ten beschäf­tigt war, son­dern an die erbrach­te Jah­res­ar­beits­leis­tung und hat damit Ver­gü­tungs­cha­rak­ter 8. Hier­für spre­chen fol­gen­de Rege­lun­gen:

Nach § 20 Abs. 3 Satz 1 TV‑L bestimmt sich die Höhe der Jah­res­son­der­zah­lung nach dem Durch­schnitts­ge­halt der Kalen­der­mo­na­te Juli, August und Sep­tem­ber. Der Anspruch ver­min­dert sich gemäß § 20 Abs. 4 Satz 1 TV‑L aber um ein Zwölf­tel für jeden Kalen­der­mo­nat, in dem Beschäf­tig­te kei­nen Ent­gelt­an­spruch haben.

Auch der in zeit­li­cher Nähe zum Weih­nachts­fest lie­gen­de Zah­lungs­zeit­punkt lässt den Rück­schluss auf eine inso­weit bestehen­de Zweck­be­stim­mung nicht zu. Nach § 20 Abs. 5 Satz 2 TV‑L kann ein Teil­be­trag der Jah­res­son­der­zah­lung viel­mehr auch zu einem frü­he­ren Zeit­punkt aus­ge­zahlt wer­den, so dass dem Zah­lungs­zeit­punkt nach der Sys­te­ma­tik der Vor­schrift kein wesent­li­ches oder zweck­be­stim­men­des Merk­mal zukommt. Die zeit­li­che Anknüp­fung dürf­te eher im Zusam­men­hang zu der in § 20 Abs. 1 TV‑L vor­aus­ge­setz­ten Betriebs­treue ste­hen.

Schließ­lich lässt auch der Wort­laut der Jah­res­son­der­zah­lung, die nicht nur an die Stel­le des ehe­ma­li­gen Weih­nachts­gel­des son­dern auch des Urlaubs­gel­des getre­ten ist, kei­nen Bezug zum Weih­nachts­fest erken­nen.

Die Jah­res­son­der­zah­lung aus § 20 TV‑L ist daher gemäß § 53 Abs. 7 Satz 5 BeamtVG auf zwölf Mona­te umzu­le­gen. Bei die­ser Berech­nungs­wei­se erreicht die jewei­li­ge Sum­me aus monat­li­chen Ver­sor­gungs­be­zü­gen und Erwerbs­ein­künf­ten der Klä­ge­rin im Jahr 2010 die Höchst­gren­ze nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. Novem­ber 2013 – 2 C 17.12

  1. BVerwG, Urteil vom 19.02.2004 – 2 C 20.03, BVerw­GE 120, 154, 164 = Buch­holz 239.1 § 14 BeamtVG Nr. 8 S. 18[]
  2. stRspr; vgl. zuletzt Urteil vom 28.06.2012 – 2 C 58.11, Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 25 Rn. 9 m.w.N.[]
  3. BVerwG, Urtei­le vom 26.05.2011 – 2 C 8.10, Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 21 Rn. 11 ff.; vom 25.08.2011 – 2 C 31.10, Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 22 Rn. 12 ff.; vom 31.05.2012 – 2 C 18.10, Buch­holz 449.4 § 53 SVG Nr. 1 Rn. 13; und vom 28.06.2012 a.a.O. Rn. 11[]
  4. BVerwG, Urteil vom 26.05.2011 a.a.O. Rn. 11[]
  5. BVerwG, Urteil vom 12.06.1975 – 2 C 45.73, Buch­holz 238.41 § 53 SVG Nr. 1 S. 3 sowie Beschluss vom 31.03.2000 – 2 B 67.99, Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 10[]
  6. BVerwG, Urtei­le vom 12.06.1975 a.a.O. S. 4; und vom 31.05.2012 a.a.O. Rn.20[]
  7. vgl. BAG, Urteil vom 14.03.2012 – 10 AZR 778/​10NZA 2012, 1246 Rn. 17 zur Spar­kas­sen­son­der­zah­lung aus § 44 TVöD BT‑S; eben­so Nie­der­säch­si­sches OVG, Urteil vom 07.05.2013 – 5 LC 202/​12, zur Jah­res­son­der­zah­lung aus § 20 TVöD[]
  8. eben­so BAG, Urteil vom 12.12 2012 – 10 AZR 922/​11NZA 2013, 384 Rn.20[]