Beför­de­rungs­rang­lis­ten auf gebün­del­te Dienst­pos­ten

Beför­de­rungs­rang­lis­ten für Beam­te auf gebün­del­ten Dienst­pos­ten sind rechts­wid­rig.

Beför­de­rungs­rang­lis­ten auf gebün­del­te Dienst­pos­ten

So ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig, dass die Ein­rei­hung in eine (bun­des­wei­te) Beför­de­rungs­rang­lis­te der Zoll­ver­wal­tung für Beam­te einer bestimm­ten Besol­dungs­grup­pe rechts­wid­rig war. Beför­de­run­gen nach einer sol­chen Lis­te ver­sto­ßen gegen den in Art. 33 Abs. 2 GG ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se.

Bei der Bun­des­zoll­ver­wal­tung wird nach dem Sys­tem der Topf­wirt­schaft beför­dert: Vor­aus­set­zung für eine Beför­de­rung war die Ein­rei­hung in eine bun­des­wei­te Beför­de­rungs­rang­lis­te, der Lis­ten­platz ent­schied über die Per­son und den Zeit­punkt der nächs­ten Beför­de­rung. Eine Stel­len­aus­schrei­bung fand nicht statt. Nach der Beför­de­rung änder­te sich die Tätig­keit des Beam­ten nicht. Bei glei­cher Gesamt­no­te ent­schie­den leis­tungs­frem­de Aus­wahl­kri­te­ri­en – wie etwa das Dienst­al­ter oder das Geschlecht – über die Rang­fol­ge.

Der Klä­ger des hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Falls ist im Amt eines Zoll­ober­inspek­tors (Besol­dungs­stu­fe A10) als Sach­be­ar­bei­ter im Prüf­dienst auf einem gebün­delt meh­re­ren Besol­dungs­grup­pen zuge­ord­ne­ten Dienst­pos­ten beschäf­tigt. Der Klä­ger hat­te Platz 864 auf der Lis­te aus 2007 erhal­ten. Nach die­ser Lis­te wur­de zuletzt am 1. Dezem­ber 2009 beför­dert, und zwar die Per­son auf Platz 514.

Sei­ne auf Neu­ein­rei­hung in die Lis­te gerich­te­te Kla­ge hat­te sowohl vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt 1 wie auch vor dem Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 2 in Kas­sel Erfolg.

Inzwi­schen hat die Bun­des­zoll­ver­wal­tung unter Bei­be­hal­tung des Sys­tems der Topf­wirt­schaft mit gebün­del­ten Dienst­pos­ten neue Rege­lun­gen für die Beför­de­run­gen und für die Beur­tei­lun­gen erlas­sen. Des­halb hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nur noch über die Recht­mä­ßig­keit der bis­he­ri­gen Beför­de­rungs­pra­xis zu ent­schei­den.

Und auch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt befand die bis­he­ri­ge Beför­de­rungs­pra­xis der Zoll­ver­wal­tung als rechts­wid­rig: Die Beför­de­rungs­rang­lis­te der Zoll­ver­wal­tung wider­sprach den Anfor­de­run­gen des Leis­tungs­grund­sat­zes in mehr­fa­cher Hin­sicht. Die Rege­lung stell­te ohne wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung auf die Gesamt­no­te der Regel­be­ur­tei­lung ab und beruh­te damit auf einem sche­ma­ti­schen Aus­wahl­kri­te­ri­um. Sie bevor­zug­te Frau­en und Schwer­be­hin­der­te in einer mit den Vor­ga­ben des Leis­tungs­grund­sat­zes unver­ein­ba­ren Wei­se. Das Aus­wahl­ver­fah­ren ver­fehl­te sei­nen Zweck, weil der Beam­te in ein höhe­res Sta­tus­amt beför­dert wird, ohne dass sich sein Auf­ga­ben­be­reich ändert. Ohne vor­he­ri­ge Dienst­pos­ten­be­wer­tung steht für die Aus­wahl­ent­schei­dung kein höher­wer­ti­ges Amt zur Ver­fü­gung, auf das sich eine Eig­nungs­pro­gno­se rich­ten kann.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. Juni 2011 – 2 C 19.10

  1. VG Darm­stadt, Urteil vom 17.12.2008 – VG 1 K 465/​08 DA (3) []
  2. Hess. VGH, Urteil vom 09.03.2010 – 1 A 286/​09[]