Bei Leh­rer mit kin­der­por­no­gra­phi­schen Datei­en bleibt Ver­trau­ens­ver­lust trotz The­ra­pie

Bei einem Leh­rer liegt ein außer­dienst­li­ches Dienst­ver­ge­hen vor, das sei­ner Eigen­art nach geeig­net ist, die in § 31 Abs. 1 Satz 1 LDG genann­ten Vor­aus­set­zun­gen für die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu erfül­len, wenn der Leh­rer sich auf sei­nem pri­va­ten Com­pu­ter kin­der­por­no­gra­fi­sche Datei­en ver­schafft und sie besitzt.

Bei Leh­rer mit kin­der­por­no­gra­phi­schen Datei­en bleibt Ver­trau­ens­ver­lust trotz The­ra­pie

Ein Ver­trau­ens­ver­lust läßt sich nicht nur durch die nach­träg­li­che Ände­rung einer frü­he­ren nega­ti­ven Lebens­wei­se oder durch eine The­ra­pie, die zum Aus­schluss einer Wie­der­ho­lungs­ge­fahr auf­ge­nom­men wur­de, rück­gän­gig machen, wenn eine Prü­fung im Ein­zel­fall ergibt, dass ein Leh­rer das Ver­trau­en in sei­ne pflicht­ge­mä­ße Amts­füh­rung auf Grund des Ver­schaf­fens und Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­schen Mate­ri­als, das nach Abwä­gung aller be- und ent­las­ten­den Umstän­de als schwe­res Dienst­ver­ge­hen im Sin­ne des § 31 LDG zu qua­li­fi­zie­ren ist.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­bemberg bestehen in dem hier ent­schie­de­nen Fall kei­ne Beden­ken gegen die for­mel­le Recht­mä­ßig­keit der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung. Ins­be­son­de­re ist die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung von der zustän­di­gen Stel­le erlas­sen wor­den, nach­dem der zum Erlass der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung zustän­di­ge Regie­rungs­prä­si­dent (vgl. § 4 Satz 1 Nr. 3 LDG, § 4 Satz 2 Beam­t­Zu­VO) die Lei­tung der Abtei­lung Schu­le und Bil­dung beim Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart mit der Wahr­neh­mung von dis­zi­pli­na­ren Auf­ga­ben und Befug­nis­sen durch Schrei­ben vom 12.09.2005 beauf­tragt hat1 und hier die unte­re Dis­zi­pli­nar­be­hör­de die ange­foch­te­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ohne Zustim­mung der höhe­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­de nach § 31 LDG aus­spre­chen konn­te2.

Die ange­grif­fe­ne Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung ist auch mate­ri­ell recht­mä­ßig ergan­gen. Der Klä­ger durf­te aus dem Dienst ent­fernt wer­den. Nach § 31 Abs. 1 Satz 1 LDG wird ein Beam­ter aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ent­fernt, wenn er durch ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit in die pflicht­ge­mä­ße Amts­füh­rung end­gül­tig ver­lo­ren hat. Gemäß § 26 Satz 1 Satz 2 LDG ist bei der Bemes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me das Per­sön­lich­keits­bild des Beam­ten zu berück­sich­ti­gen.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen für eine Dienst­ent­fer­nung sind gege­ben. Der Klä­ger hat ein außer­dienst­li­ches Dienst­ver­ge­hen began­gen.

Er war zum Zeit­punkt der poli­zei­li­chen Haus­durch­su­chung im Besitz von min­des­tens 3.000 kin­der­por­no­gra­fi­schen Bild­trä­gern, die den sexu­el­len Miss­brauch von Kin­dern zum Gegen­stand haben und ein tat­säch­li­ches Gesche­hen wie­der­ge­ben, und hat es unter­nom­men, sich den Besitz sol­cher Schrif­ten zu ver­schaf­fen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat zu Recht fest­ge­stellt, dass die auf den Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Bil­der bezo­ge­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des rechts­kräf­ti­gen Straf­be­fehls des Amts­ge­richts vom 13.01.2009 der Ent­schei­dung im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gemäß § 14 Abs. 2 LDG ermes­sens­feh­ler­frei zu Grun­de gelegt wer­den konn­te. Der Klä­ger hat hier­ge­gen im Beru­fungs­ver­fah­ren und in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Dis­zi­pli­nar­se­nat auch kei­ne Ein­wen­dun­gen mehr erho­ben.

Bei der dis­zi­pli­nar­recht­li­chen Bewer­tung des Ver­hal­tens des Klä­gers ist auf die Rechts­la­ge zum Tat­zeit­punkt abzu­stel­len. Aus dem Inkraft­tre­ten des Beam­ten­sta­tus­ge­set­zes3 am 01.04.2009 und des neu­ge­fass­ten Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes4 am 01.01.2011 ergibt sich für den Klä­ger kein mate­ri­ell-recht­lich güns­ti­ge­res und nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 2 Abs. 3 StGB anwend­ba­res Recht5.

Der Klä­ger hat mit den dem Straf­be­fehl zu Grun­de lie­gen­den Taten schuld­haft gegen die ihm oblie­gen­de Pflicht, das Recht zu ach­ten (§ 71 Abs. 1 LBG a.F., jetzt § 47 Abs. 1 LBG) und gegen die Pflicht zu ach­tungs- und ver­trau­ens­wür­di­gem Ver­hal­ten (§ 73 Satz 3 LBG a.F., jetzt § 34 Satz 3 BeamtStG) ver­sto­ßen und damit ein ein­heit­li­ches außer­dienst­li­ches Dienst­ver­ge­hen began­gen.

Der Klä­ger hat das Dienst­ver­ge­hen außer­dienst­lich began­gen, weil sein pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten nicht in sein Amt und in die damit ver­bun­de­ne dienst­li­che Tätig­keit ein­ge­bun­den war6. Er hat­te die kin­der­por­no­gra­fi­schen Datei­en aus­schließ­lich auf sei­nen pri­va­ten Com­pu­tern gespei­chert. Ein Ver­hal­ten des Beam­ten außer­halb des Diens­tes erfüllt den objek­ti­ven Tat­be­stand eines Dienst­ver­ge­hens, wenn die beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 95 Abs. 1 Satz 2 LBG a.F. erfüllt sind. Danach ist ein Ver­hal­ten eines Beam­ten außer­halb des Diens­tes ein Dienst­ver­ge­hen, wenn es nach den Umstän­den des Ein­zel­falls in beson­de­rem Maße geeig­net ist, Ach­tung und Ver­trau­en in einer für sein Amt oder das Anse­hen des Beam­ten­tums bedeut­sa­men Wei­se zu beein­träch­ti­gen. Die Dis­zi­pli­nar­wür­dig­keit außer­dienst­li­chen Ver­hal­tens nach die­sen Kri­te­ri­en ist von der Bemes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nach § 26 LDG zu unter­schei­den.

Zwar ist für die Beur­tei­lung der Dis­zi­pli­nar­wür­dig­keit nun­mehr § 47 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG maß­geb­lich, der die Beein­träch­ti­gung des Anse­hens des Beam­ten­tums nicht mehr erwähnt. Den­noch ist § 95 Abs. 1 Satz 2 LBG a.F. her­an­zu­zie­hen, weil die Rege­lung des § 47 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG gegen­über der zum Tat­zeit­punkt gel­ten­den Rechts­la­ge kein für den Klä­ger güns­ti­ge­res Recht geschaf­fen hat, auf das er sich nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 2 Abs. 3 StGB beru­fen könn­te. Bereits zum Tat­zeit­punkt ging die Recht­spre­chung bei der Aus­le­gung des Merk­mals „Anse­hen des Berufs­be­am­ten­tums“ davon aus, dass es inso­weit allein um die Erfül­lung eines all­ge­mei­nen Ver­trau­ens in eine rechts­staat­li­che Ver­wal­tung geht7. Die so ver­stan­de­nen Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me eines außer­dienst­lich began­ge­nen Dienst­ver­ge­hens sind erfüllt. In der höchst- und ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung ist all­ge­mein aner­kannt, dass ein Leh­rer mit dem nach § 184b Abs. 4 StGB straf­be­wehr­ten Besitz kin­der­por­no­gra­fi­schen Mate­ri­als sei­nem Lehr- und Erzie­hungs­auf­trag, nach dem er ins­be­son­de­re die geis­ti­ge und sitt­li­che Ent­wick­lung der ihm anver­trau­ten Schü­ler zu för­dern und zu schüt­zen sowie in sei­ner Vor­bild­funk­ti­on die ver­fas­sungs­recht­li­che geschütz­te Wert­ord­nung glaub­haft zu ver­mit­teln hat, in fun­da­men­ta­ler Wei­se zuwi­der han­delt. Wer kin­der­por­no­gra­fi­sches Mate­ri­al besitzt, trägt durch sei­ne Nach­fra­ge nach sol­chen Dar­stel­lun­gen zum sexu­el­len Miss­brauch von Kin­dern und damit zum Ver­stoß gegen ihre Men­schen­wür­de und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit bei. Ein sol­ches Ver­hal­ten ist im beson­de­ren Maße geeig­net, Ach­tung und Ver­trau­en in einer für das Amt des Leh­rers bedeut­sa­men Wei­se zu beein­träch­ti­gen8.

Unter Berück­sich­ti­gung aller be- und ent­las­ten­den, das Dienst­ver­ge­hen kenn­zeich­nen­den Umstän­de han­delt es sich auch um ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen.

Für die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens kön­nen bestim­mend sein die objek­ti­ve Hand­lung (ins­be­son­de­re Eigen­art und Bedeu­tung der Dienst­pflicht­ver­let­zung, zum Bei­spiel die Ver­let­zung einer Kern- oder einer Neben­pflicht, sowie beson­de­re Umstän­de der Tat­be­ge­hung, wie etwa Häu­fig­keit und Dau­er eines wie­der­hol­ten Fehl­ver­hal­tens), sub­jek­ti­ve Hand­lungs­merk­ma­le (ins­be­son­de­re Form und Gewicht des Ver­schul­dens des Beam­ten, Beweg­grün­de für sein Ver­hal­ten) sowie unmit­tel­ba­re Fol­gen des Dienst­ver­ge­hens für den dienst­li­chen Bereich und Drit­te, zum Bei­spiel der mate­ri­el­le Scha­den9. Die­ses Ver­ständ­nis liegt auch den §§ 26 ff. LDG zugrun­de10.

Der Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten wiegt bereits nach sei­ner Eigen­art schwer. Der Samm­ler und Kon­su­ment kin­der­por­no­gra­fi­scher Dar­stel­lun­gen wie die­je­ni­gen, die beim Klä­ger auf des­sen Com­pu­tern gefun­den wur­den, trägt dazu bei, dass Kin­der (schwer) sexu­ell miss­braucht wer­den, weil er gera­de die Nach­fra­ge nach der­ar­ti­gem Mate­ri­al und damit einen Anreiz schafft, kin­der­por­no­gra­fi­sche Bil­der her­zu­stel­len und die betrof­fe­nen Kin­der zu miss­brau­chen. Damit tra­gen Samm­ler und Ver­brau­cher kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten mit­tel­bar Ver­ant­wor­tung auch für den zukünf­ti­gen Miss­brauch ande­rer Kin­der11. Bild­ma­te­ri­al, das den sexu­el­len Miss­brauch von Kin­dern durch skru­pel­lo­se Erwach­se­ne wie­der­gibt, die die Kin­der für die Erre­gung sexu­el­ler Rei­ze beim Betrach­ter aus­nut­zen, degra­diert die sexu­ell miss­brauch­ten Kin­der zum (aus­wech­sel­ba­ren) Objekt geschlecht­li­cher Begier­de und ver­stößt damit gegen die unan­tast­ba­re Men­schen­wür­de gemäß Art. 1 Abs. 1 GG12. Kin­der­por­no­gra­fie geht ein­deu­tig über die nach den gesell­schaft­li­chen Anschau­un­gen und Wert­vor­stel­lun­gen des sexu­el­len Anstan­des gezo­ge­nen, dem Men­schen­bild des Grund­ge­set­zes ent­spre­chen­den Gren­zen hin­aus. Der sexu­el­le Miss­brauch eines Kin­des oder Jugend­li­chen ist in höchs­tem Maße per­sön­lich­keits- und sozi­al­schäd­lich. Er greift in die sitt­li­che Ent­wick­lung eines jun­gen Men­schen ein und gefähr­det die har­mo­ni­sche Ent­wick­lung sei­ner Gesamt­per­sön­lich­keit sowie sei­ne Ein­ord­nung in die Gemein­schaft, da ein Kind oder Jugend­li­cher regel­mä­ßig nicht in der Lage sein kann und wird, das Erleb­te gefühls­mä­ßig oder intel­lek­tu­ell zu ver­ar­bei­ten. Zugleich benutzt der Täter die Per­son eines Kin­des oder Jugend­li­chen als „Mit­tel“ zur Befrie­di­gung sei­nes Geschlechts­triebs, auch wenn er sich an dem jewei­li­gen Opfer nicht selbst unmit­tel­bar ver­greift. Er ist aber genau­so wie der Pro­du­zent kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten für die mit der Her­stel­lung von Kin­der­por­no­gra­fie zwangs­läu­fig ver­bun­de­nen gra­vie­ren­den Ver­let­zun­gen an Leib und See­le der hier­bei miss­brauch­ten Kin­der ver­ant­wort­lich13.

Es kommt hin­zu, dass der Klä­ger einer Berufs­grup­pe ange­hört, die unter dem Gesichts­punkt des Schut­zes der sexu­el­len Inte­gri­tät von Kin­dern und Jugend­li­chen beson­ders in die Pflicht genom­men und zu vor­bild­li­chem Ver­hal­ten auf­ge­ru­fen ist. Wie bereits auf­ge­führt obliegt dem Leh­rer die Auf­ga­be, die ihm anver­trau­ten Schü­ler über die rei­ne Wis­sens­ver­mitt­lung hin­aus zu sitt­li­cher Ver­ant­wor­tung und Mensch­lich­keit, zur Ach­tung der Wür­de ande­rer und zur Eigen­ver­ant­wort­lich­keit zu erzie­hen und sie in der Ent­fal­tung ihrer Per­sön­lich­keit und Bega­bung zu för­dern14. Er gehört daher zu dem Per­so­nen­kreis, von dem die All­ge­mein­heit ein hohes Maß an Sen­si­bi­li­tät und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein erwar­tet, wenn es um Straf­ta­ten zum Nach­teil jun­ger Men­schen geht. Ein nach § 184b Abs. 4 StGB straf­ba­res Ver­hal­ten steht die­sen berech­tig­ten Erwar­tun­gen in die cha­rak­ter­li­che Eig­nung eines Leh­rers unver­ein­bar gegen­über. Dies gilt in einem noch gestei­ger­ten Maß für den Klä­ger, der u.a. als Stu­di­en­di­rek­tor beson­ders ein­ge­bun­den war.

Dass hier das vom Klä­ger began­ge­ne Dienst­ver­ge­hen sei­ner Eigen­art nach als schwe­res Dienst­ver­ge­hen zu bewer­ten ist und damit dem Schwe­re­grad nach die Tat­be­stands­vor­aus­set­zung des § 31 LDG für eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis erfüllt, wird durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zum Dis­zi­pli­nar­maß beim Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten15 bestä­tigt. Danach ist – trotz der unter­schied­li­chen Zwe­cke von Straf­ver­fah­ren (Abschre­ckung und Bes­se­rung, Süh­ne für began­ge­nes Unrecht gegen den all­ge­mei­nen Rechts­frie­den) und Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren (Auf­recht­erhal­tung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit und des Anse­hens des öffent­li­chen Diens­tes) – bei einem Dienst­ver­ge­hen der vor­lie­gen­den Art der zum Tat­zeit­punkt gel­ten­de Straf­rah­men für die Bestim­mung eines Ori­en­tie­rungs­rah­mens für die Bemes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me maß­geb­lich. Nach der Ver­schär­fung des Straf­rah­mens durch das Gesetz zur Ände­rung der Vor­schrif­ten über die Straf­ta­ten gegen die sexu­el­le Selbst­be­stim­mung und zur Ände­rung ande­rer Vor­schrif­ten vom 27.12.200316 von einem auf zwei Jah­re Frei­heits­stra­fe in § 184b Abs. 4 StGB ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ange­sichts der Dienst­pflich­ten der Leh­rer die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis der Ori­en­tie­rungs­rah­men. Dies legt die Ein­stu­fung des Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten als schwe­res Dienst­ver­ge­hen im Sin­ne des § 31 LDG nahe, da ledig­lich bei einem schwe­ren Dienst­ver­ge­hen eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis in Betracht kommt.

Die Zahl der auf­ge­fun­de­nen kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­der auf den Com­pu­tern des Klä­gers, der Zeit­raum, über den der Klä­ger die kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­der in Besitz hat­te, sowie die wei­te­ren Umstän­de, unter denen der Klä­ger das außer­dienst­li­che Dienst­ver­ge­hen began­gen hat, spre­chen hier eben­falls dafür, dass die­ser ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen began­gen hat.

Zum Zeit­punkt der poli­zei­li­chen Haus­durch­su­chung war der Klä­ger im Besitz von min­des­tens 3.000 kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­dern. Es erfolg­ten die ers­ten Zugrif­fe auf kin­der­por­no­gra­fi­sche Datei­en im Jahr 2002, die letz­ten im Novem­ber 2007.

Auf den Fest­plat­ten der Com­pu­ter des Klä­gers konn­ten über 1.000 Bil­der mit Kin­der­por­no­gra­fie gefun­den wer­den. Wei­ter heißt es in dem Bericht, es exis­tier­ten Ord­ner, in denen sich meh­re­re hun­dert Kin­der­por­no­bil­der befin­den wür­den. Auch im gelösch­ten Bereich sei­en Datei­en mit kin­der­por­no­gra­fi­schen Mate­ri­al vor­han­den gewe­sen. Eben­so sei aus dem Ver­lauf des Explo­rers erkenn­bar, dass über die­sen noch kurz vor Sicher­stel­lung des Rech­ners Inter­net­sei­ten auf­ge­ru­fen wor­den sei­en, deren Namen einen pädo­phi­len Hin­ter­grund ver­mu­ten lie­ßen.

Der Klä­ger hat ein­ge­räumt, im Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Bil­der gewe­sen zu sein und die­se sich auch ange­schaut zu haben. Der Klä­ger hat zudem kin­der­por­no­gra­fi­sche Bil­der von den Com­pu­tern, die er nicht mehr in Gebrauch hat­te, auf sei­nen „neu­es­ten Rech­ner“ kopiert, die­se in Ord­nern mit unver­fäng­li­chen Namen abge­legt sowie auf sei­ner Favo­ri­ten­lis­te Links zu Sei­ten mit kin­der­por­no­gra­fi­schen Inhal­ten ange­legt und die­se auf­ge­ru­fen.

Dies alles zeich­net auch unter Berück­sich­ti­gung der Ein­las­sun­gen des Klä­gers, ihm sei es bei der Recher­che im Inter­net haupt­säch­lich um lega­le Erwach­se­nen­por­no­gra­fie gegan­gen und er sei mehr oder weni­ger zufäl­lig auf kin­der­por­no­gra­fi­sche Sei­ten gesto­ßen, das Bild eines über einen lan­gen Zeit­raum täti­gen – der Klä­ger selbst räumt eine Nut­zung von 2005 bis 2007 ein – und inten­si­ven Nut­zers und Kon­su­men­ten auch von kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­dern und lässt die Schwe­re des began­ge­nen Dienst­ver­ge­hens nicht in einem ande­ren Licht erschei­nen. So hat der Klä­ger bei der Beschul­dig­ten­ver­neh­mung am 10.07.2008 ein­ge­räumt, er habe sich die por­no­gra­fi­schen bzw. kin­der­por­no­gra­fi­schen Sei­ten regel­mä­ßig und „immer mal wie­der die­se und ande­re“ kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­der ange­schaut. In der Beru­fungs­ver­hand­lung hat der Klä­ger noch­mals aus­drück­lich ange­ge­ben, dass der ihm von dem Beklag­ten gemach­te Tat­vor­wurf nicht bestrit­ten wer­de. Er habe sich zu die­sem Ver­hal­ten „hin­rei­ßen“ las­sen; es sei aus heu­ti­ger Sicht furcht­bar und ihm unver­ständ­lich. Es kommt hin­zu, dass auf den auf­ge­fun­de­nen kin­der­por­no­gra­fi­schen Bild­da­tei­en der sexu­el­le Miss­brauch von Kin­dern nicht nur ein­deu­tig dar­ge­stellt, son­dern teil­wei­se auch noch in extre­mer Form (Anal- und Oral­ver­kehr) gezeigt wird. Zum Teil ist ohne Wei­te­res erkenn­bar, dass die Vor­gän­ge, denen die miss­brauch­ten Kin­der aus­ge­setzt waren, für die­se schmerz­haft und trau­ma­ti­sie­rend waren. Auch wenn der Klä­ger in Abre­de stellt, sich sol­che Bil­der – bewusst – ange­schaut zu haben, war er gleich­wohl in ihrem Besitz und hat die­se teil­wei­se in Ord­nern gespei­chert, deren Name unver­fäng­lich war.

Auch die Beweg­grün­de, auf kin­der­por­no­gra­fi­sche Sei­ten im Inter­net Zugriff zu neh­men und kin­der­por­no­gra­fi­sche Bil­der zu besit­zen, las­sen die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens nicht in einem ande­ren Licht erschei­nen. Ist im Ermitt­lungs­be­richt der Poli­zei­di­rek­ti­on noch die Rede davon, der Klä­ger habe ange­ge­ben, sei­ne Moti­va­ti­on sei „Lan­ge­wei­le und Neu­gier“ gewe­sen, hat er im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gel­tend gemacht, dass die Ent­frem­dung von sei­ner Ehe­frau der Aus­lö­ser für sein Ver­hal­ten gewe­sen sei. Es sei hin­zu­ge­kom­men, dass er an einer erek­ti­len Dys­funk­ti­on gelit­ten und mit dem Schul­lei­ter­wech­sel an sei­ner Schu­le Pro­ble­me gehabt habe. War­um aus die­sen Grün­den der Zugriff gera­de auf kin­der­por­no­gra­fi­sche Sei­ten und der Besitz gera­de von kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­dern in einem ande­ren Licht zu sehen sein soll­te, erschließt sich dem Gericht in keins­ter Wei­se.

Soweit der Klä­ger auf die mit dem Schul­lei­ter­wech­sel im Zusam­men­hang ste­hen­den Pro­ble­me abstellt, ist zudem zu berück­sich­ti­gen, dass der Schul­lei­ter­wech­sel nach den Anga­ben des Klä­gers in der Beru­fungs­ver­hand­lung im Jahr xxx voll­zo­gen wur­de, wäh­rend der Klä­ger jeden­falls auch nach sei­nen eige­nen Anga­ben seit dem Jahr xxx im Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Bil­der war. Wei­ter­hin stellt sich das Ver­hal­ten des Klä­gers ange­sichts der Viel­zahl des kin­der­por­no­gra­fi­schen Mate­ri­als, das er sich zudem über einen lan­gen Zeit­raum hin­weg beschafft und in Besitz gehabt hat, offen­sicht­lich nicht als ein ein­ma­li­ges, per­sön­lich­keits­frem­des Augen­blicks­ver­sa­gen dar, das zu einer ande­ren Beur­tei­lung der Schwe­re des began­gen Dienst­ver­ge­hens füh­ren könn­te. Zwar lässt der Klä­ger durch sei­ne Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten aus­füh­ren, dass „Por­no­gra­fie, erst recht Kin­der­por­no­gra­fie mit sei­nem Welt­bild und Wer­te­sys­tem in kei­ner Wei­se ver­ein­bar“ sei, er Kin­der­por­no­gra­fie „ver­ab­scheue“ und „nur noch Ekel“ vor die­sen Bil­dern emp­fin­de, doch räumt er an ande­rer Stel­le ein, dass bei ihm ein „nahe­zu unwi­der­steh­li­cher Reiz bestan­den habe, erneut por­no­gra­fi­sche Sei­ten auf­zu­su­chen“. Auch inso­weit kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass es sich bei dem Dienst­ver­ge­hen um ein per­sön­lich­keits­frem­des Ver­hal­ten des Klä­gers gehan­delt hat.

Ins Gewicht fällt auch das Aus­maß der Gefähr­dung dienst­li­cher Belan­ge. Da der Klä­ger als Leh­rer an einem all­ge­mein­bil­den­den Gym­na­si­um auch Schü­ler unter 14 Jah­ren unter­rich­tet und zudem als xxx für die Schu­le betraut war, wer­den dienst­li­che Belan­ge nicht uner­heb­lich gefähr­det, wenn Eltern erfah­ren soll­ten, dass der Leh­rer ihrer Kin­der kin­der­por­no­gra­fi­sche Bil­der besitzt und kon­su­miert.

Bei einer Gesamt­schau aller be- und ent­las­ten­den, das Dienst­ver­ge­hen kenn­zeich­nen­den Umstän­de ist die­ses in der Wer­tung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen. Der Klä­ger hat durch das von ihm began­ge­ne schwe­re Dienst­ver­ge­hen auch das Ver­trau­en des Dienst­herrn und der All­ge­mein­heit end­gül­tig ver­lo­ren.

Ein end­gül­ti­ger Ver­trau­ens­ver­lust ist anzu­neh­men, wenn auf­grund einer pro­gnos­ti­schen Gesamt­wür­di­gung auf der Grund­la­ge aller im Ein­zel­fall bedeut­sa­men be- und ent­las­ten­den Gesichts­punk­te der Schluss gezo­gen wer­den muss, der Beam­te wer­de auch künf­tig in erheb­li­cher Wei­se gegen Dienst­pflich­ten ver­sto­ßen oder die durch sein Ver­hal­ten her­bei­ge­führ­te Schä­di­gung des Anse­hens des Berufs­be­am­ten­tums sei bei einer Fort­set­zung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses nicht wie­der gut­zu­ma­chen17. Die­ses Ver­ständ­nis liegt auch § 31 LDG zu Grun­de18.

Nach der Kon­zep­ti­on des Lan­des­dis­zi­pli­nar­ge­set­zes ste­hen dabei der Schwe­re­grad des Dienst­ver­ge­hens und das Aus­maß der Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung nicht unver­bun­den neben­ein­an­der. Viel­mehr ergibt sich aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang der §§ 27 ff. LDG, dass mit einem schwe­ren Dienst­ver­ge­hen ten­den­zi­ell auch ein höhe­res Maß an Ver­trau­ens­ver­lust ein­her­geht. § 27 LDG und § 28 LDG ord­nen dabei einem leich­ten Dienst­ver­ge­hen eine gering­fü­gi­ge bzw. nicht nur gering­fü­gi­ge Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung zu, § 29 LDG und § 30 LDG einem mit­tel­schwe­ren Dienst­ver­ge­hen eine erheb­li­che bzw. nach­hal­ti­ge Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung, § 31 LDG einem schwe­ren Dienst­ver­ge­hen den end­gül­ti­gen Ver­trau­ens­ver­lust.

Einem schwe­ren Dienst­ver­ge­hen wird also nach der Rege­lungs­sys­te­ma­tik des Lan­des­dis­zi­pli­nar­ge­set­zes – anders als einem leich­ten oder mit­tel­schwe­ren Dienst­ver­ge­hen – nur ein bestimm­tes Maß der Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung zuge­ord­net. § 31 LDG setzt mit­hin vor­aus, dass mit einem schwe­ren Dienst­ver­ge­hen grund­sätz­lich ein end­gül­ti­ger Ver­trau­ens­ver­lust ein­her­geht, also durch das Dienst­ver­ge­hen indi­ziert wird, ohne dass damit aber aus­ge­schlos­sen wäre, dass durch ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen ein gerin­ge­rer Grad des Ver­trau­ens­ver­lus­tes ver­ur­sacht wer­den kann19. Anknüp­fungs­punkt der Indi­zwir­kung ist dabei nicht die Typi­zi­tät des Dienst­ver­ge­hens, son­dern des­sen Schwe­re.

Auch nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kann von einem schwe­ren Dienst­ver­ge­hen eine – wider­leg­li­che – Indi­zwir­kung für einen end­gül­ti­gen Ver­trau­ens­ver­lust aus­ge­hen20. Die von der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens aus­ge­hen­de Indi­zwir­kung ent­fällt danach, wenn gewich­ti­ge und im Ein­zel­fall durch­grei­fen­de Ent­las­tungs­grün­de fest­ge­stellt wer­den, wel­che die Gesamt­wür­di­gung recht­fer­ti­gen, der Beam­te habe das Ver­trau­ens­ver­hält­nis noch nicht end­gül­tig zer­stört. Dies ist der Fall, wenn auf der Grund­la­ge aller im Ein­zel­fall bedeut­sa­men be- und ent­las­ten­den Gesichts­punk­te der Schluss gezo­gen wer­den kann, der Beam­te wer­de künf­tig nicht in erheb­li­cher Wei­se gegen Dienst­pflich­ten ver­sto­ßen und die durch sein Ver­hal­ten her­bei­ge­führ­te Schä­di­gung des Anse­hens des Berufs­be­am­ten­tums sei auch bei einer Fort­set­zung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses wie­der gut­zu­ma­chen21. Die­se, auch für den Aus­schluss der in § 31 LDG vor­aus­ge­setz­ten Indi­zwir­kung maß­geb­li­chen Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier nicht vor.

Denn durch sein Ver­hal­ten hat der Klä­ger eine Schä­di­gung des Anse­hens des Berufs­be­am­ten­tums her­bei­ge­führt, die bei einer Fort­set­zung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses selbst dann nicht wie­der­gut­zu­ma­chen ist, wenn zu sei­nen Guns­ten von dem Feh­len einer Wie­der­ho­lungs­ge­fahr oder der Über­win­dung einer nega­ti­ven Lebens­pha­se aus­zu­ge­hen sein soll­te. Auf Grund der dar­ge­stell­ten beson­de­ren Per­sön­lich­keits- und Sozi­al­schäd­lich­keit sei­nes Ver­hal­tens als Leh­rer hat der Klä­ger das Ver­trau­en, das der Dienst­herr und die All­ge­mein­heit in sei­ne mora­li­sche Inte­gri­tät, per­sön­li­che Zuver­läs­sig­keit und Selbst­be­herr­schung gesetzt haben, von Grund auf erschüt­tert und das für sei­ne Berufs­aus­übung uner­läss­li­che Anse­hen und Ver­trau­en voll­stän­dig und unwie­der­bring­lich ver­lo­ren. Denn dem Dienst­herrn und der All­ge­mein­heit, vor allen den Eltern der Kin­der, kann es nicht zuge­mu­tet wer­den, die­se einem Leh­rer zur Erzie­hung anzu­ver­trau­en, der – wie der Klä­ger – durch das Ver­schaf­fen und den Besitz kin­der­por­no­gra­fi­schen Mate­ri­als – sei es auch außer­dienst­lich – zu erken­nen gege­ben oder jeden­falls den Ein­druck her­vor­ge­ru­fen hat, dass er Gefal­len am sexu­el­len Miss­brauch wehr­lo­ser kind­li­cher Opfer fin­det22. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg stellt in stän­di­ger Recht­spre­chung23 inso­weit dar­auf ab, dass den Eltern allein der Gedan­ke, ihr Kind kön­ne zum Objekt wider­na­tür­li­cher Vor­stel­lun­gen und Wün­sche des Leh­rers wer­den, uner­träg­lich erschei­nen müs­se. Dar­auf, ob bei dem Klä­ger tat­säch­lich pädo­phi­le Nei­gun­gen vor­lie­gen und ob durch ihn eine ernst zu neh­men­de Gefähr­dung des sexu­el­len Selbst­be­stim­mungs­rechts der von ihm unter­rich­te­ten Kin­der zu besor­gen war oder in Zukunft zu besor­gen ist, kommt es nicht an. Denn der Dienst­herr und die Öffent­lich­keit, vor allem die Eltern, haben nicht nur die berech­tig­te und selbst­ver­ständ­li­che Erwar­tung, dass ein Leh­rer kei­ne (Sexual-)Straftaten an sei­nen Schü­lern oder Alters­ge­nos­sen ver­übt, son­dern grün­den ihr Ver­trau­en gera­de auch dar­auf, dass er auf Grund sei­ner Aus­bil­dung, Per­sön­lich­keit und sei­nes täg­li­chen Umgangs mit Kin­dern und Jugend­li­chen im beson­de­ren Maße auf deren Per­sön­lich­keits- und Wer­te­ent­wick­lung hin­wirkt und auf die Ein­hal­tung der zum Schutz die­ses Per­so­nen­krei­ses erlas­se­nen Rechts­vor­schrif­ten bedacht ist24.

Vor die­sem Hin­ter­grund spielt es mit­hin kei­ne maß­geb­li­che Rol­le, ob der Klä­ger mitt­ler­wei­le ins­be­son­de­re durch die von ihm auf­ge­nom­me­ne psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung, eine nega­ti­ve Lebens­pha­se end­gül­tig über­wun­den habe und von ihm kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr bezüg­lich des Ver­schaf­fens und des Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten mehr aus­ge­hen soll­te. Zwar ist in der Recht­spre­chung25 aner­kannt, dass auch das Ver­hal­ten des Beam­ten nach der Tat rele­vant sein kann und nach­träg­li­che The­ra­pie­maß­nah­men bei der Bemes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me berück­sich­tigt wer­den kön­nen. Dies gilt aber dann nicht, wenn die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis in Rede steht und der Beam­te – wie hier – bereits durch das von ihm began­ge­ne Dienst­ver­ge­hen das Ver­trau­en des Dienst­herrn unwie­der­bring­lich zer­stört hat. Hat ein Leh­rer – wie hier – das Ver­trau­en in sei­ne pflicht­ge­mä­ße Amts­füh­rung auf Grund des Ver­schaf­fens und Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­schen Mate­ri­als, das nach Abwä­gung aller be- und ent­las­ten­den Umstän­de als schwe­res Dienst­ver­ge­hen im Sin­ne des § 31 LDG zu qua­li­fi­zie­ren ist, end­gül­tig ver­lo­ren, lässt sich die­ser Ver­trau­ens­ver­lust jeden­falls nicht nur durch die nach­träg­li­che Ände­rung einer frü­he­ren nega­ti­ven Lebens­pha­se oder durch eine The­ra­pie, die zum Aus­schluss einer Wie­der­ho­lungs­ge­fahr auf­ge­nom­men wur­de, rück­gän­gig machen26. Dem ent­spricht es, wenn das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt27 ver­langt, dass das Beam­ten­ver­hält­nis nicht nur dann dis­zi­pli­nar­recht­lich zu been­den ist, wenn von dem Beam­ten auch zukünf­tig die Gefahr eines Ver­sto­ßes gegen Dienst­pflich­ten in erheb­li­cher Wei­se besteht, son­dern auch dann, wenn bereits die durch sein Fehl­ver­hal­ten her­bei­ge­führ­te Schä­di­gung des Anse­hens des Berufs­be­am­ten­tums bei einer Fort­set­zung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses nicht wie­der gut­zu­ma­chen ist.

Dar­über hin­aus ver­mag das Gericht aber auch unter Ein­be­zie­hung des Ein­drucks, den er von dem Klä­ger in der Beru­fungs­ver­hand­lung gewon­nen hat, nicht zu erken­nen, dass er sein dem Dienst­ver­ge­hen zu Grun­de lie­gen­des Ver­hal­ten so auf­ge­ar­bei­tet hat, dass die siche­re Pro­gno­se gerecht­fer­tigt wäre, von ihm gin­ge dies­be­züg­lich kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr mehr aus. Zwar hat sich der Klä­ger in psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung bege­ben. Doch war eigent­li­cher Gegen­stand und Ziel der Behand­lung nicht die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Auf­ar­bei­tung des von dem Klä­ger an den Tag geleg­ten Ver­hal­tens im Zusam­men­hang mit dem Ver­schaf­fen und Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten. Der Arzt hat eine depres­si­ve Stö­rung mit erheb­li­cher Erschöp­fung in einer Lebens­kri­se fest­ge­stellt. Anlie­gen der Behand­lung sei es gewe­sen, die Lebens­kri­se, wie sie durch die Auf­de­ckung und staats­an­walt­li­chen Ermitt­lun­gen aus­ge­löst wor­den sei, mit Hil­fe des The­ra­peu­ten bes­ser bewäl­ti­gen zu kön­nen. Dabei sei es zu regel­mä­ßi­gen Gesprä­chen über sei­ne Lebens­si­tua­ti­on, sein Erge­hen und den Stand der Ermitt­lun­gen gekom­men. Auf Basis die­ser Gesprä­che hat der den Klä­ger behan­deln­de Arzt die Fest­stel­lung getrof­fen, dass „im Augen­blick“ und „soweit er den Ver­lauf in den letz­ten Mona­ten über­bli­cken kann“ kei­ne Besorg­nis besteht, dass der Pati­ent wie­der rück­fäl­lig wer­den kann.

Dass die Ursa­chen für das Ver­schaf­fen und den Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Sei­ten damit hin­rei­chend ange­gan­gen und auf­ge­ar­bei­tet sind mit der Fol­ge, dass ange­sichts der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens mit hin­rei­chen­der Sicher­heit aus­ge­schlos­sen wer­den kann, der Beam­te wer­de sich Ähn­li­ches nicht mehr zu Schul­den kom­men las­sen, ver­mag der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg auf Grund des in der ärzt­li­chen Stel­lung­nah­me des behan­deln­den Arz­tes genann­ten Behand­lungs­ziels und der Vor­be­hal­te in sei­ner abschlie­ßen­den Beur­tei­lung zur Rück­fall­ge­fahr nicht zu erken­nen. Die Aus­sa­ge des Klä­gers in der Beru­fungs­ver­hand­lung, sein Ver­hal­ten sei ihm selbst unver­ständ­lich und er kön­ne es sich eigent­lich selbst nicht erklä­ren, spre­chen eben­falls dafür, dass es nicht in hin­rei­chen­dem Maße psy­cho­the­ra­peu­tisch auf­ge­ar­bei­tet wur­de.

Die Dis­zi­pli­nar­be­hör­de hat bei ihrer Ent­schei­dung auch das Per­sön­lich­keits­bild des Klä­gers, vor allem sei­ne bis­he­ri­ge dienst­li­che Füh­rung sowie den Umstand, dass er nach Ent­de­ckung der Tat Reue gezeigt und an der Auf­klä­rung des Sach­ver­halts mit­ge­wirkt hat, berück­sich­tigt (vgl. § 26 Abs. 1 Satz 2 LDG). In der vom Klä­ger ange­grif­fe­nen Ver­fü­gung wird inso­weit zutref­fend dar­auf abge­stellt, dass auch eine lang­jäh­ri­ge dienst­li­che Unbe­schol­ten­heit sowie gute dienst­li­che Beur­tei­lun­gen und hohe fach­li­che Fähig­kei­ten der Ent­fer­nung aus dem Dienst nicht ent­ge­gen­ste­hen, wenn ein Beam­ter dienst­lich untrag­bar gewor­den ist28. Ins­be­son­de­re ist die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung der Dienst­pflich­ten das nor­ma­le und von dem Klä­ger zu erwar­ten­de dienst­li­che Ver­hal­ten eines Beam­ten und nicht geeig­net, die Schwe­re eines Dienst­ver­ge­hens und den mit ihm ein­her­ge­hen­den Ver­trau­ens­ver­lust zu rela­ti­vie­ren. Glei­ches gilt soweit, als der Klä­ger gel­tend macht, Reue gezeigt und an der Auf­klä­rung des Sach­ver­halts mit­ge­wirkt zu haben. Auch dies genügt nicht, den ein­ge­tre­te­nen unwie­der­bring­li­chen Ver­trau­ens­ver­lust zu besei­ti­gen, zumal der Klä­ger nicht sein Fehl­ver­hal­ten vor Ent­de­ckung der Tat offen­bart hat und sich nach der bei ihm durch­ge­führ­ten Haus­durch­su­chung und der Ergie­big­keit der auf­ge­fun­de­nen Beweis­mit­tel einer erdrü­cken­den Beweis­la­ge gegen­über sah.

Die Ent­fer­nung des Klä­gers aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ver­stößt schließ­lich auch nicht gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Ist das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen dem Beam­ten und sei­nem Dienst­herrn durch ein dem Beam­ten vor­werf­ba­res Ver­hal­ten zer­stört, erweist sich die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis als ange­mes­se­ne Reak­ti­on. Unter wirt­schaft­li­chen wie auch unter fami­liä­ren Ver­hält­nis­sen ist die in der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis lie­gen­de Här­te für den Klä­ger nicht unver­hält­nis­mä­ßig, da sie auf zure­chen­ba­ren Ver­hal­ten beruht.

Die ange­foch­te­ne Ver­fü­gung ist auch hin­sicht­lich der dar­in ent­hal­te­nen Neben­ent­schei­dun­gen recht­mä­ßig. Hat ein Beam­ter durch ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit in die pflicht­ge­mä­ße Amts­füh­rung end­gül­tig ver­lo­ren, wird er bis zum unan­fecht­ba­ren Abschluss des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens des Diens­tes ent­ho­ben, außer­dem wird nach Maß­ga­be der hier ein­ge­hal­te­nen Rege­lun­gen in § 31 Abs. 2 bis 3 LDG ein Teil der monat­li­chen Bezü­ge ein­be­hal­ten (§ 31 Abs. 2 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 Satz 1 LDG)

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 24. August 2011 – DL 13 S 583/​11

  1. vgl. zur Zuläs­sig­keit der Über­tra­gung der Zeich­nungs­be­fug­nis für Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gun­gen aus­führ­lich: VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 07.06.2011 – DL 13 S 1826/​10 []
  2. zur Ent­behr­lich­keit die­ser Zustim­mung für den Fall, dass der grund­sätz­lich die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung als unte­re Dis­zi­pli­nar­be­hör­de erlas­sen­de Dienst­vor­ge­setz­te gleich­zei­tig Lei­ter der höhe­ren Dienst­be­hör­de ist, vgl. eben­falls VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 07.06.2011, a.a.O. []
  3. BeamtStG, vom 17.06.2008, BGBl I S. 1010 []
  4. vom 09.11.2010, GBl S. 793, 794 []
  5. BVerwG, Urteil vom 19.08.2010 – 2 C 5.10, NVwZ 2011, 303 []
  6. vgl. BVerwG, Urteil vom 25.08.2009 – 1 D 1.08, NVwZ 2010, 713 []
  7. BVerwG, Urteil vom 19.08.2010, a.a.O. m.w.N. []
  8. BVerwG, Urteil vom 19.08.2010, a.a.O.; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 18.06.2009 – DL 16 S 71/​09; Nie­der­sächs. OVG, Urteil vom 01.03.2011 – 20 LD 1/​09; OVG Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 18.11.2009 – 3d A 3353/​08 []
  9. vgl. BVerwG, Urteil vom 20.10.2005 – 2 C 12.04, BVerw­GE 124, 252 und vom 29.05.2008 – 2 C 59.07; Buch­holz 235.1 § 70 BDG Nr. 3, jeweils zu § 13 BDG; VGH Baden-Wür­tem­berg, Urteil vom 07.06.2011, a.a.O. []
  10. vgl. dazu Amt­li­che Begrün­dung zu § 26 LDG, LT-Drs. 14/​2996, S. 86 []
  11. Hein­rich, NStZ 2005, 361 m.w.N. []
  12. vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den: BVerwG, Urteil vom 06.07.2000 – 2 WD 9.00, BVerw­GE 111, 291 m.w.N. []
  13. vgl. zum Gewicht des Pflich­ten­ver­sto­ßes: VGH Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 18.06.2009, a.a.O.; vom 02.04.2009 – DL 16 S 3290/​08; vom 14.02.2008 – DL 16 S 29/​06 und vom 03.07.2002 – DL 17 S 24.01; Bay. VGH, Urteil vom 12.07.2006 – 16a D 05.981; Nie­der­sächs. OVG, Urteil vom 18.11.2004 – 3 LD 1/​03, NVwZ 2005, 350 und vom 01.03.2011, a.a.O.; Saarl. OVG, Beschluss vom 06.09.2007 – 7 B 346/​07, NVwZ 2008, 107; OVG Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 18.11.2009, a.a.O. []
  14. gl. Art. 12 Abs. 1 LV, §§ 1 Abs. 2 Satz 2, 38 Abs. 6 SchulG []
  15. vgl. Urtei­le vom 19.08.2010, a.a.O., Beschluss vom 22.12.2010 – 2 B 18.10; Buch­holz 235.2 LDis­zi­pli­narG Nr. 14 []
  16. BGBl I S. 3007 []
  17. vgl. BVerwG, Urt. vom 29.05.2008 – 2 C 59.07; Buch­holz 235.1 § 70 BDG Nr. 3; vom 03.05.2007 – 2 C 9.06, NVwZ-RR 2007, 695; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 07.06.2011, a.a.O. []
  18. vgl. Amt­li­che Begrün­dung zu § 31 LDG, LT-DrS 14/​2996, S. 96 []
  19. vgl. dazu Amt­li­che Begrün­dung zu § 29 und § 30 LDG, LT-Drs.14/2996, S. 92, 95 []
  20. vgl. BVerwG, a.a.O. sowie Urteil vom 20.10.2005 – 2 C 12.04, BVerw­GE 124, 252 []
  21. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 30.07.2009 – DB 16 S 2045/​08 und vom 07.06.2011, a.a.O. []
  22. vgl. auch OVG Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 18.11.2009, a.a.O. []
  23. Urtei­le vom 07.12.2006 – DL 16 S 15/​06; vom 03.07.2002 und vom 18.06.2009, jew. a.a.O. []
  24. OVG Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 18.11.2009, a.a.O. []
  25. vgl. BVerwG, Urteil vom 19.08.2010 – 2 C 13.10, a.a.O. für den Fall, dass die Zurück­stu­fung den sog. Ori­en­tie­rungs­rah­men bil­det []
  26. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 02.04.2009, vom 18.06.2009 und vom 30.07.2009, jew. a.a.O.; BayVGH, Urteil vom 12.07.2006, a.a.O.; Saarl. VG, Urteil vom 27.02.2009 – 4 K 2118/​07; OVG Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 18.11.2009 []
  27. Urteil vom 29.05.2008 – 2 C 59.07; Buch­holz 235.1 § 70 BDG Nr. 3; Urteil vom 03.05.2007 – 2 C 9.06, NVwZ-RR 2007, 695 []
  28. vgl. Urteil vom 30.07.2009 – DB 16 S 2045/​08 []